Skip to main content

Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Hrsg. von W.H. Roscher. Bd. II-VII"

See other formats


W. H. RÖSCHER 



Ausführliches Lexikon 

der griechischen und römischen 

Mythologie 



VI 
U-ZYRRATEL 

sowie Nachträge 

ABAIOS-ZWÖLFGÖTTER 

ACERBAS - TELEPHOS 



o 

1965 

GEORG OLMS VERLAGSBUCHHANDLUNG 
HILDESHEIM 



Alle Rechte seitens der B. G. Teubner Verlagsgesellschaft, 
Stuttgart, vorbehalten 



Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1924-37 

Mit Genehmigung der Verlagsgesellschaft B. G. Teubner, Stuttgart 

Printed in Germany 

Herstellung: fotokop, Reprografischer Betrieb GmbH, Darmstadt 

Best. Nr. 5100924 



AUSFÜHRLICHES LEXIKON 
DER GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 

MYTHOLOGIE 

IM VEREIN MIT VIELEN FACHGELEHRTEN 

HERAUSGEGEBEN VON 

W. H. RÖSCHER (t) 




SECHSTEE BAND 

U-Z UND NACHTRÄGE 
UNTER REDAKTION VON K. ZIEGLER 

MIT 78 ABBILDUNGEN IM TEXT 



1924—1937 
VERLAG UND DRÜCK VON B. G. TEUBNER IN LEIPZIG UND BERLIN 



U, 1) koptischer Dämonenname im demotischen dem auch in fremden, wie keltischen Kamen 

Zauberpapyrus von London-Leiden (ed. Griffifh- und Wörtern (s. Artikel K in Pauly-Wissowa- 

Thompson 1 [1904], 121) col. 18, 12, wo in einer Kroll, Beal-Encyclopädie 10, 2, Sp. 1898 und 

Anrufung gesagt wird: 'Ich bin Ou, Ou ist Dessau, Inscr. Lot. sei. Bd. 8, p. 823). Zur Bil- 

mein Name, Aou ist mein wirklicher Name.' düng des Beinamens Tgl. Nab-elcus, Holder a. 

Zu dem Namen bemerken die Herausgeber a. 0. 2, Sp. 670/671. — Literatur: C. Iullian, 
W OT: the hieratic (?) Symbols below are of Bull, ipigr. 5 (1885), p. 74—76 mit Abbildung 

uncertain meaning.' — 2) einer der fünf Plane- P- ? 6 und 6 (1886), p. 171 § 6. Ihm, Bonn. Jahrb. 

tendiener der Köre (des 'Kronos' sehr. Cruice), 88 (1887), S. 17 und S. 128 f. nr. 123. Holder, 
wie die ophitisch-gnostischen Peraten nach Hip- w AUcelt. Sprachschatz 8, Sp. 6. — Lage der Fund- 

pol. adv. haar. (109, 9 ff. Wendl.) eine von zwölf- stelle: CIL 12, Tab. I, Of und II, Hg (St. Zacba- 

eckiger Pyramide umgebene Gestalt nennen. ne und Umgebung ist Fundort von CIL 12, 

Die Diener, Xsirovty/ol, hießen 00, 'Aoai, OU, S31-3S5i Le Plan d'Au(l)ps^ südlich von St. 

OiaäB. Der fünfte Name kLIoj wohl verdor- Zacharie, ist Fundort der Weihmschnft CIL 

ben; vgl. Fr. Domseiff, Alphabet in Mystik und 12,880: Matribufs] AlmahabufsJ usw.). Mit 

Magie (2Toi%eta 7) 1922, S. 53 und S. 170 d8m Steindenkmal wurden einige kleine Säu- 

Nachtrag Eislers, der schreibt xhaQvoe Ovuai, len und große durch Eisenklammem verbun- 

xiumoe Aaaoi. [Preisendanz.] dene Steinblöcke gefunden. — Die Gleichung 

Uallelos (OicltÜos), böser Dämon der 22. Vbelka = Huveaune billigt auch , Desjardins, 
Donnerstagsstunde, dem guten Geist Karaael so <^- de *" ?, aule ™ m : 1, p. 178/174 [Kenne.] 

(Xaj««iji) entgegengesetzt Hygrom. Salom. cod. übelnae (Matres) irrige Lesung statt Ubelkae, 

Mon. gr. 70. Cat. cod. astr. gr. 8, 2, 158. 9 - Ubelcae. [Kenne.] 

rPreiBendanz.l Ubercae (Matres) ist irrige Lesung bei dAn- 

„. . „ , „„,,. t, . , . viUe, Notice de l'ancienne Gaule (1760), p. 840, 

übaste, Name der Göttin Bast, kopt. BOT- gtat £ xjbetkae, s. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, 6. 124. 

BACTI im demotischen magischen Papyrus von [Kenne.] 

London- Leiden (ed. Orifßth- Thompson 1 [1904], überitas. Cbertas, Personifikation der Er- 

163), wo col. 28, 2 eine Zauberformel gibt: 'Ich giebigkeit, Fruchtbarkeit auf römischen Kaißer- 

bin der Herr der Dämonen (Namen), ich bin münzen. Umschrift über(i)tas Aug(usti) mit 
Ubaste (Wbst-t)'; vgl. das demotische Glossar l0 Bild findet sich auf der Kehrseite von Geld- 

der Ausgabe (Bd. 8 [1909], 19) nr. 191. stücken des Traianus Decius, seiner Ge- 

[Preisendanz.] mahlin Etruscilla und ihrer Söhne, des He- 

Ubelcae (Ubelkae), örtlicher Beiname der rennius Caesar und des Hostilianus Caesar 

Matres (s. Ihm o. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) im Sü- (Cohen' 5 p. 196 nr. 104—105, zu nr. 106 s. u.; 

den der Gallia Narbonensis, nach einer bei p. 212 nr. 31, zu nr. 32 s.u.; p. 221 nr. 40; p.282 

dem Gehöft La Mouricaudo (Mauricaude) nahe nr. 63), sowie des Nachfolgers des Decius, Tre- 

bei Saint- Zacharie (zwischen diesem Ort und bonianus GalluB und seines Sohnes Volu- 

Auriol, im Departement des Bouches du Rhone, sianus Caesar (Cohen' 5 p. 252 nr. 125 und 

Arrond. Marseille) gefundenen Weihinschrift, p. 278 nr. 125), auf Geldstücken, auch einem 
CIL 12, 333 mit Add. p. 809, auf einem Cippus: 40 Medaillon des Gallienus (Cohen' 5 p. 438 f. 

Matribus übelkabus v(otum) s(olvit) l(ibens) nr. 1007—1013, nr. 1011 vom J. 263 n. Chr.; 

m(erito) Sexflus) Licinius Successus. Die In- Fröhner, Les medaillons de VEmpire romain 

schrift weist Hirschfeld etwa dem Anfang des p. 217) und seiner Gemahlin Salonina (Cohen' 

3. Jahrh. n. Chr. zu. Die Lesung von C. Iullian 6 p. 508 nr. 109, s. u.), ferner auf Geldstücken 

a. a. 0.: Ubelfiabus, durch welche die Ablei- der Gegenkaiser Postumus (Cohen' 6 p. 66 

tung des Beinamens von dem am Fundort vor- nr. 366?.), Piavonius Victorinus (ebd. p. 82 

beinießenden Bach Huveaune (oder von dessen nr. 121 — 122) undTetricus(eod. p. 110 nr. 177. 

Quellen) durch Villeneuve, Statistique du di- 178, zu nr. 177 s. u.) mit seinem Sohn Tetricus 

partement des Bouches-du-Bhöne 2 p. 182 eine Caesar (ebd. p. 128 nr. 99—100), des Kaisers 
Stütze erhalten soll, ist irrig nach Hirschfeld, 60 Claudius (II, Gothicus, Cohen' 6 p. 168 nr. 

CIL 12 p. 809. Die Schreibung Jfc statt c ist 286f.) und seines Bruders Quintillus (J. 270, 

häufig vor a, nicht bloß in lateinischen, son- ebd. p. 172 nr. 69), des Aurelianus (Cohen' 



3 Uberitas, Ubertas Ucuetis 4 

6 p. 201 nr. 289), de» Tacitus (Cohen* 6 p. 286 Cohen' 7 p. 294 nr. 663 f. (nr. 564 vom J. 807 n_ 
nr. 147— 148) und seines Bruders und Nach- Chr.) und p. 887/388 nr. 1 88 (letztere Münze des 
folgers Florianus (276 n. Chr., Cohen* 6 p. 250 Caesar Constantinus in Trier geschlagen, mit 
nr. 90), schließlich des Kaisers in Britannien Merkzeichen STB). Die Wage ist Abzeichen 
Carausius (287/298 n. Chr., Cohen' 7 p. 37 der Aequitas (Cohen* 2 p. 9, 1. Wissowa, Belig. 
nr. 864—871). Die Schreibung Uberitas ist viel u. Kult. d. Böm* S. 382 f.). 
häufiger als Ubertas; denn sie findet sich allein Literatur: Cohen, Descript. hist. des monn. 
oder (nachstehend durch * gekennzeichnet) neben frapp. sous V Empire rom.* 8 p. 441. Georges 
Ubertas a,nf Münzen von Traianus Decius, Etrus- Lafaye in Daremberg-Saglio, Dictionn. des an- 
cilla, Herennius, Hostilianus ; Trebonianus, Vo- 10 tiquites, Fase. 49 (1914) = Halbband 9 p. 674 
lusianus ; 'Gallienus, 'Postumus, 'Tetricus Vater mit Fig. 7200 (aus Fröhner a. a. 0.) [der Ar- 
und 'Tetricus Sohn, 'Claudius II, Quintillus, tikel von Lafaye ist im Vorstehenden verbes- 
Aurelianus, 'Tacitus, 'Carausius (s. u.). Cohen* sert und ergänzt]. W. Köhler, Personifikat. ab- 
6 p. 196 nr. 106 und p. 212 nr. 32 : VEEITAS strakter Begriffe auf röm. Münzen. — Wesens- 
ist irrige Lesung oder Prägung statt VBERITAS. verwandt sind Abundantia und Copia (s.d.), 
Uberitas (vom Adjectivum «6er, ergiebig, frucht- Wissowa, Belig.* 8. 383. L. Deubner, Personi- 
bar) ist altertümliche Schreibung für die sonst fikationen o. Bd. 8, 2, Sp. 2082. 2168. [Keune.J 
allgemein übliche Schreibung ubertas, wie Li- Ucellaiieae, Beiname der Matronae (Ihm 
beritas Aug. auf Münzen neben Liberias Aug., o. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) in einer Weihinschrift 
s. Cohen * 8 p. 404 (Cohen ' 4 p. 417 nr. 146. «o von Corbetta, zwischen Milano — Mailand und 
5 p. 396 nr. 686. 6 p. 144 nr. 147 f. p. 188 nr. 122). Novara, in Gallia Cisalpina, CIL 6,6684 = 
Zu den Münzen des Victorinus wird von Cohen' Dessau, Inser. Lot. sei. 4822 : Sanctis Matronis 
8 p. 441, Anm. 1 als Var. angegeben Ibertas Aug. Ucellasicis Concanaunis Novellfijus Marcianufs 
Einmal ist Uberitas Augg. (•= Augustorum) be- PJrimuli ßiufsj votum Masuonnum Matronis 
legt mit einem Geldstück des Tetricus Vater, vfotum) s(olvit) l(ibens) m(erito). Ihm, Bonn, 
Cohen' 6 p. 110 nr. 177. Jahrb. 83 S. 16. 16 und S. 116 nr. 57. Holder,. 

Mit Ausnahme der Geldstücke des Carau- Altcelt. Sprachsch. 8, Sp. 18. Fundort: CIL 5, 2 

sius ist die Ubertas als Frau dargestellt stehend, Tab. II und Andree, Handatlas'' 126/126, C 2. — 

nach links gewendet (nach links schreitend?: Die, wie Gottheiten überhaupt, hier sanetae, 

Cohen* 6 p. 82 nr. 121), in der einen Hand hält so verehrungswürdig (Höfer o. Bd. 4 , Sp. 308 ff., 

sie ein Füllhorn, in der anderen einen Gegen- bes. Sp. 818 nr. 67 f. Link in Pauly- Wissowa- 

stand, der gewöhnlich als Geldbeutel (bourse, Kroll-Witte, Beal-Encyclop. d. AlUrtumswiss. 

gleich dem Abzeichen des Mercurius) oder als 1 A, 2, Sp. 2248 ff.) genannten Muttergöttinnen 

Weintraube (grappe de raisin) bezeichnet wird, tragen drei verschiedene örtliche oder land- 

jedooh von Cavedoni wohl zutreffend als Kuh- schaftliche Bezeichnungen, zwei adjektivische 

euter (über als Substantivum bedeutet Euter, und eine genitivische (Keune, Loihr. Jahrb. 8 

säugende BrUBt) gedeutet ist, s. Cohen* 6 p. 285, [1896], 1, S. 71); alle Beinamen sind keltischen 

Anm. 1; vgl. auch Münzen des Carausius (s.u.). Ursprungs, s. Holder a. a. 0. 1, Sp. 1091. 2, Sp. 

— Das Bild der Kehrseite der Münze der Sa- 467. 3, Sp. 18. Zu üc-ell-as-icus vgl. Uc-etia, 

lonina (Cohen* 6 p. 608 nr. 109) wird beschrieben 40 üc-eium, Uc-ellus u. a., Holder 8, Sp. 13 ff., 

als stehende Frau mit Haube (bonnet, d.h. sowie Holder 1, Sp. 1415: -ello-; 1, Sp. 250. 247 

Freiheitsmütze, Pileus) und Füllhorn; es wäre und 8, Sp. 708. 707: -aso-, -asus, -asius; 2, Sp. 

dies also eine, doch nur teilweise Nachbildung 21 f.: -ico. [Keune.l 

der Libertas, denn diese wird mit Pileus und Ucuetis, keltischer Name (Dativ: Ueuete, 

Zepter dargestellt (vgl. z. B. die Münzen des latinisiert: Ucueti; Akkusativ: ücuetin) eines 

Gallienus bei Cohen' 5 p. 397 nr. 693—697 und wohl örtlichen Gottes zu Alesia, im Gebiet der 

oben Bd. 2, 2, Sp. 2033). Mandubii, genannt in zwei Inschriften, welche 

Die Kehrseiten der Münzen des Carausius gefunden sind in den Resten der unter römi- 
mit Umschrift Uberitas Aug. oder Uberita Au. scher Herrschaft neu erstandenen Stadt Alesia 
oder Uberta Aug. zeigen zwei verschiedene Bil- so auf dem Mont Auxois bei Alise-Ste.-Reine, un- 
der, entweder eine (nach rechts gewendete) weit vom Bahnhof Les Laumes der Eisenbahn- 
Kuh, von einer Frau gemelkt (Cohen* 7 p. 87 strecke Dijon- Bens -Paris [Andree, Handatlas 7 
nr. 364. 870. 371 mit Abbildung zu nr. 864 f.; 91/92, D 2. Kiepert, Form. orb. ant. XXV, Gkll. 
nach nr. 364 und 371 sitzt die Frau auf einem Zuerst war die Gottheit bekannt geworden durch 
Schemel, 'espece de tabouret'), oder eine (nach die keltische, lateinisch gefärbte Inschrift einer 
rechts gewendete) Frau, welche einem mit im J. 1839 gefundenen Steintafel aus dem Be- 
Lanze bewaffneten Krieger (d. i. dem Kaiser) ginn der römischen Kaiserherrschaft, CIL 13, 
die Hand reicht (a. a. 0. nr. 367. 369 ; nach nr. 2880 [mit Add. (4) p. 32]. Holder, Altcelt. 
869 hält der behelmte Krieger außer der Lanze Sprachsch. 3, Sp. 16, auch 1, Sp. 887. 1866. 1481. 
auch einen Dreizack? oder eine Harke, räteau). co 2031. 2, Sp. 29. 1619. Diese, in lateinischer 

Münzen des Kaisers Constantinus I (des Schrift, lautet: Martialis Dannotali ieuruUcuete 
Großen) und seines Sohnes, des Caesar Consta n- sosin celienon JZ etic gobedbi dugijontijo & 
tinus iunior haben auf der Kehrseite die Um- Ucuetin S5 in . . Alisija, d. h. Martialis des 
schrift: Ubertas saeculi, jene als Beischrift zu Dannotalus (Sohn) hat geweiht dem Ucuetis 
dem Bild einer stehenden Frau mit Wage ('des dieses Gebäude; dasFolgende, von etic (=*atque?) 
balances') und Füllhorn, diese (des Prinzen) zur an besagt nach Stokes ungefähr: 'und es er- 
Darstellung von drei stehenden Frauen, von freute das Werk den Ucuetis in Alesia'. doch 
welchen jede eine Wage und ein Füllhorn hält, ist diese Deutung durchaus unsicher (s. Hirsch- 



Udaia 



Udaios 6 



feld CIL a a. 0.). Die Steintafel war ah Weih- Udaio* (OiMog l&t üdaeus), ursprünghcn 
und Bauinschrift über dem Eingang zum Heilig- adj von oiS ae Erdboden Erdoberfläche also 
tum des Gottes angebracht. Der Wortlaut offen- auf dem Erdboden befindlich, dann ™terirdiscb, 
hart römischen Einfluß, denn der Stifter führt ganz wie Chthonios (s. d.), adj. *<r<mo e , dem 
den lateinischen Namen Martialis, zu welchem Boden angehörig dann - xo*a*fro*io e . - 
d« Sehe Name seines Vaters Dannotalos 1) »*6 e (fem. , *6<,n, d. i. Persepnone: Ly- 
iHoUe, ■ 1 X UM f. 2, Sp. 1711) im lateini- fcopÄr. 49. 698 mit Schal. v.Tzetz- 2 Zs« e , 
üen Genitiv hinzugefügt ist, wie' häufig, mit K«,»*^, der unterirdische Zeus d i Pluton: 
Auslassung des Wortes filius (Keune, Lothr. Dion. Per. 789; Aniliol Pal. 14, 128, 14 - 
*5rt" "[18971, S. 829, zu Cli 13,4547); s. 10 Sodann selbständiger Eigenname: nämlich 
PalwissJä-Kroll, Beal-Encyclop., Suppl.- 8) ein Gigant auf dem Pergamenischen Altar- 
Bd S i Sp 1199 f., wo die Belege für ieuru be- fries, laut Inschrift, ebenso wie dort ein an- 
kochen sind (nachzutragen: CIL 18, 4 p. 20 derer Gigant Chthonios , heißt; , '-^mM 
zS nr. 1514 - Esperandieu, Becueil, 2 nr. 1609 . Inschr. v Perg. Bd. 1 , S 66 nr 118; S. 67, 
Zur Deutung de/lnschrift vgl. auch Bevue des nr. 128. Für beide sind die Namen ehr be 
Stades anc 10 (1908), p. 353 18 (1911), p. 467. zeichnend; gelten doch die Giganten für Söhne 
Wahrend diese Inschrift die Annahme einer der Ge , und auf ihren 'irdischen' oder unter- 
weiblichen Gottheit ücuetis zu rechtfertigen irdischen Ursprung deuten namentlich die 
Tchien hat ein spaterer Fund sie als mann- Schlangenfüße hin; vgl. M. May« -Giganten 
lieh erwiesen Ein im J. 1908 auf dem Mont so u. Titanen S. 262 f., sowie die Art. Giganten m 
Au*oU gefundenes Bronzegefäß trägt die la- diesem Lexikon Bd. 1, Sp 1644 u. bei Pauly*- 
re"n, P sche g Inschrift, Dessau, Inscr. Lat. sei. 9315 Wissoiva-Kroll, 8 Supplbd S. 666 759 - Die 
-CIL 13(41 11247: Dco ücueti et Bergusiae Gigantennamen ChthonioB,Echion,Pelor(os)oder 
Bemus Primi ß(ius) donavit; v(otum) s(olvit) Peloreus und Udaios kehren nun aber unter 
Uibem)m(erito) Der Zusatz von deus ist bei den thebanischen Sparten (s. d.) wieder; es 
unröm sehen provinzialen Götternamen allge- steht dahin, ob nur die Namen entlehnt oder 
mefnTbUch Isobert, EpigrapMe de la Mo- die Sparten selbst al s Teilnehmer an der Gi- 
selle 1 v 67/68 und Biese, Westd. Ztschr. 17 gantomachie gedacht sind; vgl. Preller-Robert, 
U898), 1: 16 ff. Der Gott ist gepaart mit einer Gr. Myth. 1«, 72. Zu ihnen kommt noc l Hyper- 
nur durch diese Inschrift bekannten einheimisch- so enor, der nicht as G. bezeugt ist Diese tünf 
örtlichen Göttin, welche vielleicht den Namen Sparten bleiben indem Kampfe der Männer, 
einer Quelle trägt, Bergusia (nach Holder 8, die aus den von Kadmos gesäeten Drachen- 
Sp 861 ligurisch); eine solche Paarung ist bei zahnen entsprossen sind, nach vorherrschender 
gallischÄtthe ten gewöhnlich, wil Borvo- Überlieferung allein am Leben; s. die Artikel 
g Damo«a,Lu X oviue-Bricia,Sucenus-Nantosuelta, Kadmos Bd. 2, Sp. 827f., u. 8p*^JU.£ 
Lenus(Mars)-Ancamna usw., auch Apollo Sp. 1289f., wo außer jenen fünf noch zwei nur 
(GTanlusT-Sirtna, MercuriJ- Bosmerta. Der efnmel erwähnte Männer aus der Drachensaa , 
Bergusia ist die Auszeichnung als dea nicht Kreon (Timagoras frl Müller 4 520 im Schal 
gegfben, ebenso wie der Genossin des Gottes Zur. Phoen. 670) und Astakos (Phot. b,bl j . M8 
in anderen Paarungen, s. Veraudunus. Daß der 40 Bekker), genannt sind. Es ist also Udaios 
Stifter des Gefäßis ein Einheimischer war, 4) einer der Sparten: Aischylos fr. 376 Nck.' 
bestätigt sein Name (Lothr. Jahrb. 9 [1897], nach Schol. Eur^Phoen.Ui (Naucks Zweifel an 
S 1881 einer namentlichen Aufzählung der Sparten er- 

' Literatur verzeichnet Hirschfeld, CIL a. ledigen sieb durch den Hinweis auf die langen 

a O (13 1 1 v 441 und 13, 4 p. 32. 33). Hier Namenreihen in den Persern); Pherekydes ff 44 

sei nur angeführt Leon Ber\hold, Pro Alesia u. Hellanikos fr. nMiillerm u 45) im Scho . 

3 (1908/09) und 4 (1909/10), Nr. 25-26 p. 886 Apoll. Bhod. 3 1178; fpoUodor *f-Wtf% 

-890 und Nr 27 p. 412-417, mit Tafeln LI- Paus. 9, 5, 3 ; Hygtn fab. 178 ; Schal Stat. 1 heb. 

LI1I sowie Nr 89—40 p. 583-596, letztere Ab- 3, 286 (wo der stark verstümmelte Name nicht 
handlung als Entgegnung auf die wenig wissen- 50 Tydeus, sondern üdaeus zu lesen ist); Mythogr. 

schaSe Verölenüichung von L. *Morülot, Vat 1 149; 2, 77 (hier lautet der Name be .de- 

chanoine, Deux inscr. d' 'Alesia usw., Dijon 1909. male fälschlich Idaeus)_ - Über Udaios ist 

C. Julliän, Bevue des Etudes anciennes 1908, sonst wenig bekannt. Doch stammt von ihm 

p. 863. 360/361 (vgl. Pro Alesia 3, Nr. 28-29, der Seher Teiresias(sd.) üb: ApollodoK», 

i> 448) der u. a. mit dem Namen des Gottes 69 (wahrscheinlich nach Pherekyd. fr. 50 MM- 

den Namen der Stadt Ucetia in der Narbo- ler 1,86) - Sonderbar klingt was Steph. Byz. 

nensis vergleicht und daher die Gottheit nicht s. 'Ioväala berichtet: das Land ludaea ist nach 

als eine örtliche von Alesia fassen möchte. dem Zeugnis des Klaudios Iolaos (fr. 3, MM- 

Abbildungen der Steintafel bieten, abgesehen ler 4, 3«4) benannt &xo IovSulov ZnafTtovos 
von älteren Veröffentlichungen, auch eine der 60 (wofür zu lesen ist Znaor&v > ™*os), dermitUio- 

Ansichtskarten 'Pro Alesia', S. de Bicci, Pro nysos von Theben aus in die Ferne «eht E 

Alesta 1 (1906/07), p. 77 und Mutruchot, Asso- ist wohl hier Udaios als Begleiter des Dionysos 

ciatim fran-.pour l'avancement des sciences, auf dessen Indischem Feldzug gedacht und 

Compte-rendü de la 36' Session, 1' partie (1WI), dem Gleichklang zuliebe damit er als epony- 

p 15 - Das Bronzegefiiß und seine Inschrift mer Besiedler des Landes erscheinen kann 

sind ' abgebildet auf den Tafeln zu Berthoud sein Name in 'loväatos verderbt worden ; s. auch 

a. a. O. [Kenne.] d. Art. Udaios, Bd. 2, Sp 673, nr 2. 
Udaia . Vdails. [Johannes Schmidt.] 



7 Udravarinehae ükalegon 8 

Udravarinehae , niederrheinisch - örtlicher, des Allgotts xara rovg nÜQ&ovg im ersten Lei- 

wohl ubisch-germanischer Beiname der Matro- dener Zauberpap. col. 8, 18 O&eQza. Der Name 

nae (Ihm o. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) in der Weih- hat nichts zu tun mit dem AtßeovnQi des Groß. 

inschrift eines Altars, welcher zu Köln, unter Par. Zauberpap. Z. 917, wo es sich um eine 

Fettenhennen, gegenüber dem Dom, mit zahl- verdorbene oder absichtlich variierte Form des 

reichen anderen Matronen denkmälern gefunden 'SlQ-ßs-Oiieigi. von Z. 920 (Zauberformel in einer 

ist (Klinkenberg, Das röm. Köln =• Giemen, 'Entlassung' des dienenden Dämons) handelt. 

Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 6, 1/2, S. 228/ [Preisendanz.] 

229), jetzt im Kölner Museum, CIL 13, 8229: Ueros (Oifiooe), böser Dämon der 8. Don- 
Matronis Udravarinehis Iulia Prisci f(ilia) AI- 10 nerstagstunde, dem guten Geist Kisphael (Kie- 

lua v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) [auf den (parjX) entgegengesetzt. Hygrom.Salom.cod.Mon. 

Seitenflächen ist, wie häufig, ein Baum dar- gr.10. Cat.cod.astr.gr. 8,2,162. [Preisendanz.] 

gestellt]. Die Namen erweisen die Stifterin als USrto (Oiigta), nach dem Leid. Zauberpap. 

eine Einheimische. Kisa, Westd.Ztschr. 13 (1894,), J 384, 8,18 parthischer Name des Allgottes: 

S. 318/314, berichtigt Westd. Korr.-Bl. 14 (1896), ixwulovual ae xara ndQ&ovg- 'Ovsqtio uavxo- 

§ 1. Siebourg, Bonn. Jahrb. 105, S. 87. Swc^tu' . Ähnlich der Anfang des Zauberwor- 

U. gehört zu den überaus zahlreichen ort- tes ovBQfi.r\%av, Großer Par. Zauberpap. 807. 
liehen Beinamen der Muttergöttinnen mit den [Preisendanz.] 
gleichwertigen Endungen -nehfijae, -neih(i)ae Ugios? (Ugiusl), zweifelhafter Name eines 
[auch -neae, -niae, -neiae, -hen(i)ae] (Ihm, Bonn, so örtlichen Gottes in der Gallia Narbonensis zu 
Jahrb. 83, S. 31 ff. 107, S. 288 f. Lehner, Stein- Serviers, in der Nähe (nordwestlich) von Uzes 
denkm. des Prov.-Mus. Bonn nr. 253 ff.), welche =Ucetia, in einer verstümmelten Weihinschrift, 
wohl alle germanischen Ursprungs sind; Schön- Revue epigraph. 1902, p. 277 (Holder, Alteelt. 
feld, Wörterbuch der altgerman. Personen- und Sprachschatz 3, Sp. 19): [Ma]rti [1ü]gio O. Bae- 
Völkernamen (1911) S. 245 nennt germanische bius Felixs v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito). 
Herleitung 'ungewiß'; Solder, Altcelt. Sprach- Der einheimische Name ist dem römischen Mars 
Schatz 3, Sp. 17 gibt den Namen als keltisch als Zuname gegeben, dem überhaupt in galli- 
aus. — Derselbe Name in wenig abweichender, sehen Landen einheimische, örtliche oder land- 
gleichwertiger Schreibung, aber ohne die Be- schaftliche, Schutz- und Heilgötter mit Vorliebe 
Zeichnung Matronis und mit einem zweiten so gleichgestellt sind. Statt des a. a. O. ergänzten 
örtlichen, bisher sonst noch nicht belegten Na- Beinamens [? U ]gio wäre auch die Ergänzung 
men verbunden, liegt gewiß vor in der Inschrift \?Bu]gio denkbar, derselbe Name, der in einer 
eines verstümmelten Altars, gefunden 1905 in Weihinschrift von Decempagi in der Civitas 
Thorr (Kreis Bergheim, Rgbz. Köln), CIL 13, 4, Mediomatricorum (Tarquinpol bei Dieuze in 
nr. 12069. Lehner, Steindenkm. des Prov.-Mus. Lothringen) überliefert ist, CIL 13,4556: Bu- 
Bonn (1918) nr. 347 : Udrovarfinehis et] Vana- gio M. Monft]anius Magnus v.s.[l]m. [Glei ch- 
mian[ehis (es folgen Beste der Namen der Stif- namige, nacli örtlichkeiten (einschl. Quellen) 
ter); auf der linken Schmalseite des Altars ein benannte Schutzgeister verschiedener Land- 
verstümmeltes Füllhorn mit Früchten. Zur Wei- Schäften sind in Gallien öfter nachweisbar, so 
hung an zwei Matronengruppen mit verschie- ta Vintius, Souconna u. a.]. — Verstärkung des 
denen örtlichen Beinamen s. Lehner a. a. O. in X enthaltenen S-Lautes in Schreibungen wie 
S. 149 zu nr. 326, auch Ihm, Bonn. Jahrb. 83, Felixs ist sehr häufig, s. Belege bei Dessau, 
S. 71. Zur Schreibung Udrovar- statt Udravar- Inscr. Lat. sei. Bd. 3, p. 837 f. — Serviers [CIL 
vgl. z. B. Dessau, Inscr. Lat. sei, nr. 2742: 12, Tab. II, Db, bei Uzes (nördlich von Nimes)] 
leg. II Troianae (statt : Traianae), und nr. 7420a : ist als alte Ansiedlung auch durch mehrere 
Mithrodates (statt: Mithradates). [Keune.] Grabschriften erwiesen (CIL 12, 2947. 2949, vgl. 

Uebai, als Dämon genannt im demotischen 2932). Abbildung des kleinen Altars (hoch 

Zauberpapyrus von London- Leiden (ed. Griffith- 22'/. cm) in Revue epigr., Heft 107, Planche 

27M»Hi>soniri904],lll)zusammenmitIao,Ieou, XVIII, zu 4, p. 277 f., nr. 1613. Ober 'die kel- 

Arponknouph, col. 16,6 (we-by). Weiterhin, 50 tischen Epitheta des Mars' handelt E. Win- 

Z. 12, wird angerufen: 'O god (hat lived . . . disch, Das kelt. Brittannien . . . (Abhandl. Philol.- 

Takrtat, he of eternity, bring in Boel, Arbeth- Hist. Kl. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. Bd. 29 , 6, 

abi, Outhio, great great god.' Der erste Teil Leipzig 1912), S. 89—92. [Keune.] 

des Wortes, Oie-, findet sich öfters in magi- Ugran (Ovygäv), einer der Namen, bei denen 

sehen Voces der Zauberpapyri. [Preisendanz.] Kronos beschworen wird in der Eixv des cod. 

Uer (Oiirjt), Dämonenname, mit dem Adonai par. gr. 2419. Cat. cod. astr. gr. 8, 2, 173; die 

angerufen wird in einer Beschwörung des Groß. anderen Namen : 'Ogrp&v, 'Ox7ir{, Toaäv, OvXUß, 

Pariser Zauberpap. Z. 1560 ff. Der 'große Gott Beg/fi, Oiygav, .Sapofi, 'OörjX, Sär, ZaraS. 

Adonai' heißt hier ufaoysvit mg , ieifav &eoe, [Preisendanz.] 

Iao, Arbathiao, 6 mv Ovrjg (Zauberworte), Sa- 60 Uistos (Ovimog), böser Dämon der 15. Mon- 

baoth, 'Agovrjg, Xvovcp; vgl. Erman, Äg. Bei* tagstunde, dem guten Geist Akinatiel (kxiva- 

24. Drexler 0. Bd. 2, 1, Sp. 1250. Auch im ersten tül.) entgegengesetzt. Hygrom. Salom. cod. Mon. 

Leid. Zauberpap. col. 10, 34 findet sich der Na- gr. 70. Cat.cod.astr.gr. 8,2,150. [Preisendanz.] 

rne aviwQza»i, Ovrfg, Z. 28 Omrig. Vielleicht ükalegon (Etym. M. s. v. äUyuv: OtixaU- 

hängt mit ihm auch zusammen Pap. Brit. Mus. yav, övojioc xvgiov, 'Ohnesorge' Pape-Benseler, 

121,496: jjofiaö'i, */<« Eä&t : aovrjgi (so abge- 'Unbekümmert' Robert; über den Namen A. 

teilt im P); vgl. Groß. Par. Zauberpap. 307: Ludwig, S.-B. kgl. böhm. Ges. d.TFws. 1897, 6 und 

ovso Ufixav, 1792: ovigiev und den Namen Ükalegon in Ilias und Aeneis, Gymn.-Progr. 



9 Ukisem Ulixes 10 

Frag 1907 [beide Arbeiten mir nicht zugäng- Vainan, auch Vatnan: Eich, der in diesem 
lieh]): 1) einer der Demogeronten um Priamos Namen eine Herkunftsbezeichnung sieht. Ex- 
Hom. II. 8, 148: Oixaliyav ts xal 'AvrrjtaQ, xe- omnius ist ein keltischer Name (f. Holder 1, 
avvpiva &\up<o, Sern. Dan. zu Am. 2, 311 : Uca- Sp. 1489 f.). Diese Weihinschrift gleicht in ihrem 
legonem . . . quem iuxta Homerum in consiliis et zweiten Teil einer Grabschrift, wie CIL 13, 
amicitia constat Priami fuisse. Die Zerstörung 6076, Tgl. auch CIL 3, 6145. — 'Substruktionen 
seines Hauses beim Brande Trojas nennt Verg. von Gebäuden erstreckten sich über mehrere 
Aen. 2, 311 f.: tarn proximus ardet Ucalegon (des angrenzende Gärten, und in dem angehäuften 
sprachlichen Ausdrucks wegen oft zitiert, s. Schutte fanden sich außer einer großen Masse 
die Testimonia in Bibbecka Apparat), danach 10 von Ziegeln in allen Formen auch mehrere 
typischer Name für den sterblichen Besitzer Urnen und andere Gefäße nebst einigen Kupfer- 
einer brennenden Wohnung bei luv. sat. 3, 199, münzen von Septimius Severu», Sev. Alexander 
wozu das Schol. den Vergil zitiert. JOares Fhryg. 6 und Constantin', doch hatte der Inschriftstein 
nennt U. unter den amici des Priamos und läßt sichtlich später als Baumaterial gedient: Eick. 
ihn c. 39 mit Antenor, Polydamas und Dolon — Den Beinamen V. hat v. ßrienberger, Eranos 
auf Verrat sinnen. — 2) Gefährte des Achill Vindobon. 1893, 8. 264 für germanisch erklärt, 
auf dem rf. Kantharos des Epigenes (peri- Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 22 dagegen 
kleische Zeit): Arm. d. Inst. 1860, tav. HJ für keltisch; die Endung -nehae weist auf ger- 
(L. Schmidt, dazu 0. Jahn, Arch. Ztg. 11 (1863), manischen Ursprung, s. den Art. Udravarinehae. 
128, Schmidt, Arch. Ztg. 1863, 169 f.). Wiener 20 Literatur: A.Eick, Bonn. Jahrb. 22, S. 181 
Vorl-Blätter Ser. B, Taf. 9, 2. Giraudon-Mület, bis 133 (mit Berichtigung 23, S. 209). M. Ihm, 
Vas. d. Cabinet d. Med. 90. Klein, Vasen m. Bonn. Jahrb. 83, S. 21. 70 und S. 142, nr. 254. 
Meistersign.* 186 f. Daß dieser U. sich schon Schönfeld, Wörterbuch der altgerman. Pertonen- 
durch den Namen 'als eine von Achill losge- und Völkernamen S. 245. Holder führt den Na- 
lÖBte personifizierte Eigenschaft des letzteren men nochmals auf Bd. 3, Sp. 421 unter VI-. 
ausweist', wie Fleischer oben Bd. 1, Sp. 29, [Keune.] 
Schmidts Deutung übernehmend, sagt, ist ab- l'liol) (OiXtöß), s. u. Ugran. 
wegig; schon Jahn a. a. O. hatte vor solchen Ulixes, die lateinische Namensform für 
'Feinheiten' gewarnt. — 8) Boioter, Vater der Odysseus (s. d. Art., Bd. 3, Sp. 602f. u. bes. 
Sphinx: Schol. Eurip. Phoen. 26 (1, S. 261 s0 646 f.). Ihr und ihren italischen Abarten ist 
Schuarte): ot <5s ttj» Z<piyya Mwxagt'ag fitv zweierlei eigentümlich. Einmal haben sie 
yivicftai yvvalxu, dvyuriQa St OmaXeyovrog B i B ersten Konsonanten das l. Das ihm ent- 
ivbs r&v iy%n>qi(av ov reXevzriaavTOs ■xataaxelv sprechende l ist in dem Namen des Helden 
xb $ixeiov, s. llberg, ob. Bd. 4, Sp. 1364. Bo- allerdings auch dem Griechischen keineswegs 
bert, Oidipus 1,496. 2, 166 A. 13 u. 14. Das fremd, nachweisbar freilich erst etwa vom 
Scholion führt M üller, FHG 3, S. 836 und Schir- 7. Jahrh. an auf Vaseninschriften (s. a. a. 
nur ob. Bd. 2, Sp. 2290 auf Lysimachos ®i)p\ 0. Sp. 646), während die griechische Litera- 
naeäSo^a zurück — mit Unrecht, wie Bo- t ur Be jt Homer ausschließlich die Schreibung 
bert a. a. 0. A. 13 betont. [Weinreich.] m it $ kennt; sie ist denn auch für das Etrus- 

Cliisem (Oixtain), böser Geist der 23. Frei- iB kische maßgebend geworden, nur daß hier die 

tag6tunde, dem guten äyyelos BaaraviriX ent- g r i e ch. Media durch die Tenuis oder die Aspi- 

gegengesetzt. Beleg wie bei Uistos, Cat. cod. ra t a verdrängt und ersetzt worden ist (s. u.). 

astr. gr. 8,2, 163. [Preisendanz.] Sodann erscheint bei den lat. Namensfoimen 

Llauhinehae, niederrheinisch- örtlicher, wohl durchgängig der Guttural (in dem x)\ in 
ubisch-germanischer Beiname der Matronae d en zahlreichen griech. Formen tritt er nir- 
(0. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff), bezeugt durch die ver- gends hervor, wenn man von einigen unsiche- 
schollene Weihinschrift einer Ara(?) aus Kalk- ren Belegen oder indirekten Zeugnissen (Bd. 3, 
stein, ausgegraben im J. 1864 in einem Garten Sp. 646f.) absieht, läßt sich jedoch auch für 
zu Geich bei -Zülpich (zwischen Düren und das Griechische voraussetzen. Die Etymologie 
Euskirchen, Bädeker, Bheinlande", Karte zu 60 ,je B Namens, aus der sich letzteres mit Wahr- 
S. 270). Die Inschrift, CIL 13, 7932, ist über- gcheinlichkeit ergibt, ist freilich noch viel um- 
liefert durch zwei Abschriften, nach dem Stein stritten, ja v. Wilamowitz (Die Ilias u. Homer, 
•von Eick a.a.O. und nach einem Papierabklatsch 1916, S. 493) erklärtes für unfruchtbar, den 
von Brambach, CIBhen. 565: [MJatronis Vlau- Namen deuten zu wollen; auch nach M. Croiset 
hinehßsj sacr(um), [ejxtestamenfto] Pcm.Aci . . (Xo legende primitive d'ülysse, Memoire de 
S. f. Vana . . . Octaviufs EJxomnius h(eres) f(a- l'Academie 38, 2) sind Laertes und Od. undeut- 
ciendum) c(uravit). Die Inschrift bietet verschie- ^are prähistorische Namen, und Kretschmer 
dene Ligaturen, besouders_in dem Beinamen V., (filotta 3, 331 f.) schließt seine (ablehnende) Re- 
in welchem Eick nicht AV, sondern AN ge- zension der letzten Untersuchung, die den Na- 
lesen hat. Pom., ursprünglich vielleicht Pomp., 60 men Od. undPenelope gewidmet ist, mit einem 
da die Rundung des mit M verbundenen P Non liquet. Sie rührt her von Solmsen (Kühne 
durch Verletzungdes Steines verschwunden 6ein Ztitschr. 42, 207 f.), bezeichnet aber keinen Fort- 
könnte, deutet Mick = Pompeius und S- F= schritt, so bestimmt sie auch andere Erklärun- 
Sexti filius; daß vor Pom. wie vor Octavius ein gen, namentlich die in diesem Lexikon Sp. 660 f. 
Praenomen infolge der Verstümmelung des Stei- versuchte Deutung, verwirft. Solmsen beharrt 
nes am Zeilenanfane verschwunden ist, ist mög- bei der in der Odyssee mehrmals wiederkeh- 
lich. Vana mit folgendem unsicheren Buch- renden Ableitung des Namens von 6Sveetefrai, 
stabenrest: Brambach; Vanan oder mit Ligatur grollen, die doch nur den Charakter einer/wenn- 



11 Ulixes Ulkes 12 

schon sinnigen Volksetymologie hat (Kretschmer arch. 1888, S. 257 f., vgl. Eduard Meyer, Hermes 
8,883). Daß sich bei Homer überdies zwei ver- »0,241 f.), von dem fräh schon bei den Eury- 
schiedene Auffassungen des Namens einander tanen in Aitolien, in Epeiros, besonders aber 
gegenüberstehen, eine passive, nach der Od. in seinem Inselreich erzählt worden sei, müßte 
der vom Groll anderer Verfolgte (a 62; s 340. es ihm leicht werden, den Helden unter seinem 
423; »276; vgl. auch a 21 mit Schol.; % 74; ursprünglichen Namen 'Ohmevt nach dem naheu 
ai 806, sowie Soph. fr. ine. 880 Nck*), und eine Italien wandern und ihn hier, vielleicht noch 
aktive, sprachlich immer noch zulässigere, nach unberührt vom ionischen Epos, heimisch wer- 
der er selbst der Groller ist (r 407 f.), braucht den zu lassen. Jedenfalls hat auch Solmsen den 
dabei nicht einmal als ernster Widersprach w Beweis für die Ursprünglichkeit der homerischen 
betont zu werden, eben weil beide Ableitungen Namensform nicht erbracht, noch weniger aber 
nur poetische Wortspiele sind; s. auch P.Cauer, die hier (Bd. 3, Sp.650f.) versuchte Erklärung 
Grundfr. d. Homerkrit. S. 407 f.* Als wissen- widerlegt, namentlich nicht durch Zweifel an 
schaftliche Erklärung hat diese der Autorität dem prothetischen 6- (S. 208), das ja, wenn 
Homers zuliebe früher überwiegend anerkannte auch nicht an 'Oäevg und 'OßQiaQuog, so doch 
Etymologie wohl nur noch wenige Anhänger; an öävoouai. (vgl. nävtvQzog), (Jrprjpds, ärpiSvco 
vgl. Sedlmayer, ZeiUchr. f. österr. Gymn. 1910, (vgl. auch ifiilyro, &errjo, &lsitpm, Iqv9-q6s, ila- 
S. 294. Doch gilt das ä auch bei einigen an- j;i5s, «xtrss, '**'*) hinreichend feste Stützen hat; 
deren Deutungen als der ursprüngliche Kon- endlich erst recht nicht durch den Hinweis 
sonant. So schließt aus einer dem Text nach 20 auf Aiag — Aiax (S. 230) zur Begründung des 
unsicheren Stelle bei Quintilian. 1,4,16 Döh- Gutturals. Dieser ergibt sich von selbst, wenn 
ring (Etymolog. Skizzen; Progr. d. Friedrichs- man dem Namen die Wurzel Xvx- zagrunde 
koll. Königsberg i. Pr. 1912) auf äol. 'TSvaacig legt. So sei denn auf diesen Deutungsversuch 
(vgl. Meister, Gr. D. 1, 54) und leitet es ab von nochmals hingewiesen. Er erübrigt sich zwar, 
Fiäfi6-<sevg, was der 'Wissende' heißen soll wenn man mit Wüamowitz auf jede Erklärung 
(abgelehnt von Kretschmer, Glotta 6, 304). Weit des Namens verzichtet (s.o.), darf aber wohl 
mehr Beachtung verdient die Erklärung Bo- unter den einmal vorhandenen etymologischen 
sehen (Curtius' Stud. 4, 196f.), die gleichfalls Ableitungen eine erneute Prüfung beanspruchen, 
den d-Laut festhält und, nach prothetischem -&, Vürtheim (Mnemosyne 1904, S. 284 f.) scheint 
die Wurzel duc- zugrunde legt, wonach also so ihn nicht zu kennen, kommt jedoch zu dem 
Od. 'Führer' bedeutet (s. d. Art. Od. Sp. 649). gleichen Ergebnis, das von Solmsen a.a.O. 
Doch hat man sich auch bei ihr nicht beruhigt. natürlich ebenso verworfen wird; vgl. dagegen 
Vielmehr überwiegt bei neueren Auslegern E. Hermann, Festschrift der Hansaschule zu 
die Ansicht, den Formen der 1-Gruppe ge- Bergedorf 1908, S. 203f.; Menrad, Progr. des 
biihre die Priorität; der Held habe von Haus Theresiengymn. München 1910, S. 7 f. 17 f. Über- 
aus 'OXveeeig oder 'OXvzrsig geheißen; vgl. dies wird die in Form einer Proportion her- 
schon Heibig, Hermes 11, 282, 6; Kretschmer, gestellte Beziehung von 'OSvaaevg (OXvttivg) 
EM. in die Gesch. d. griech. Spr. 281. Nach zu üoXväevxrig (aus TToiu/leiixijs) wieder aner- 
dieser Anschauung ist das Erscheinen dieses l kannt von Eurem ( Vidensk. skr. [1902] , 2, 54) ; 
auf Vaseninschriften seit dem 7. Jahrh. keine 40 vgl. schon Baunack, Mein, de la soc. lingu. (1884), 
Neuerung, sondern bezeichnet das Festhalten 5,3 u. Brugmann, Gr. Gramm. % 60"; ebenso wie 
der im Volksmunde noch fortlebenden ur- die Verwandtschaft mit 4ev*aXiuv (eig. "Asvxa- 
sprünglichen Namensform, die sich freilich Xiav, s. auch d. Art. Leukarion Bd. 2, Sp. 1985) 
der Autorität Homers gegenüber auf griechi- bereits Lewy, Indog. Forschungen 1893, S. 446, 
schem Sprachgebiet nur vereinzelt, eben auf vermutet hat ; doch vgl. Usener, Sintfluts. S. 66; 
Vasen, hat behaupten können, aber ihre Le- Gruppe, Burs. Jahresb. 137,456. Führt die Ab- 
bensfähigkeit noch heute in dem neugriech. leitung vom Stamme Xvx- zu der Bedeutung 
Avaaiag (Berl. Philol. Wochenschr. 1903, S. 1533) 'der Leuchtende', weshalb Vürtheim a.a.O. 
oder angeblich neulokr. Amaiag (Gustav Meyer, den Namen mit lucidus wiedergibt, so kann 
Gr. Gramm. S. 248 3 ) bekundet und überdies, 50 dahingestellt bleiben, ob man mit Seeck, Be- 
wag schwerer wiegt, die lat. Fassung des loch u. a. den Od. als leuchtendes Gestirn oder 
Wortes ausschließlich beherrscht, es gar als Sonnengott fassen soll (s. d. Art. Sp. 
müßte denn der Titel von Livius Andronicus' 65 t. 663 f.). Wie die meisten astronomischen 
Oiysseeübersetzung dem Original zuliebe Ody- Erklärungen, ist auch diese bedenklich; sie 
sia gelautet haben. Man wird es Solmsen (8.230) genießt aber vollends kein Vertrauen mehr, 
nicht glauben, das l in der lat. Fassung sei seitdem Wüamowitz seine frühere Ansicht, als 
von dem X der Vaseninschriften unabhängig sei Od. ein göttliches Wesen, in öffentlicher 
und erkläre sich aus dem ' Messapischen ' i '!) ; Rede 1911 zurückgenommen und ihn ledig- 
vielmehr bilden die Erscheinungsformen der lieh als Menschen und Helden der Dichtung 
X- Gruppe, wenn auch nicht eine zusammen- so aufgefaßt bat; s. auch Die llias und Homer, 
hängende Kette, so doch eine sprachlich folge- 1916, S. 480 f. Über die Zugehörigkeit des Na- 
richtige Reihe, die sich in Neugriechenland bis mens zu Xeiaaeiv (Curtius, Grundz. d. Etym* 
auf die Gegenwart erstreckt, freilich durch 160) und seinen dadurch bedingten eigentlichen 
die homerische Deutung des Namens oft jähr- oder bildlichen Sinn s. d. Art. Sp. 650, 41 u. 
hundertelang verdunkelt worden ist. Gerade 651, 9 f.; vgl. Od. i/> 124. Von dem gewagten 
wenn Solmsen (S. 209 f.) die richtige Ansicht Versuch Meloille Bollings (Amer. Journ. of Phil. 
vertritt, Od. sei ein im Peloponnes, speziell in 27, 65f.), den Namen Od. mit dem seines Groß- 
Arkadien uransässiger Heros (Sooronos, Gaz. vaters Autolykos in Zusammenhang zu bringen 



13 Ulixes uliMS 14: 

und ersteren als Kurzform von »AMlveaog 17(1). Über Od. bei den Etruskern und Beinen 

(aus AvtoUmos) zu fassen, bleibt immerhin angeblichen Namen Nanos (Tzetz. Lyk 1242J ) 

etwas Wesentliches übrig, daß nämlich beide s. die Art. Od. und Nanos (oder Nanos) Bd. 8, 

Wörter vermutlich stammverwandt sind. Sp. 630 u. 6; über die Etruskisierung des gnech. 

Zwei weitere Ableitungen gehen gleichfaUs 'Oivaasvs vgl. Herbig, Indog. Forschungen 1917 , 

von der i-Gruppe aus, vertreten aber selbstan- S. 178 f., der auch, nach brieflicher Mitteilung, 

diee Auffassungen. 0. Roßbach, Castrogiovanni jenen Versuch Bugges, den Namen Odysseus 

(Leipzig 1912) 8. SO, erklärt den Namen 'Cttuff- aus dem Etruskischen abzuleiten, verwirft. 

e*6s aus olHnv und deutet ihn als 'Verder- Na ohträge und Berichtigungen zum 

ber', indem er ihn mit OXvxxno, einem tngan- 10 Odysseus, Bd. 8, Sp. 602-681. 

ten des Pergamenischen Altarfneses, vergleicht; """ ' ' .. ... 

s d Art Bd 8 Sp. 836. — Die Vermutung Grup- 602, 45: mit Od. verschwägert ist sein ihm 

»es' Gr Mvthol. 624,4, dem Namen liege die nicht immer gefügiger Reiseg .fährte Eurylo- 

Wurzel 'dXvy- (vgl. dXotvri) zu gründe, billigen, chos (* 441 , vgl. 205 f ; u 278 t. 889 f. ; Paus. 

wenn auch mit Vorbehalt, C. Theander, Eranos 10, 29, 1), und zwar ist er (nach spaterer Sage) 

1915, S. 98 f., und Kretschmer, GhUa 9, 228 f. der Gatte der Ktimene (Schot, x 441; o 868; 

(19151; darnach wäre Od. i iv ratf ywt%uis tg Eustath. 1664, 33; 1784, 29). 

Aolw« toAiuvo-m 602, 46: über Ithaka und bes. W. Dorp- 

Der mehrfach erhobene Einwand, als wäre felda Leukashypothese s. Bürchnen Art. bei 
iener Guttural in der Mitte des Wortes unver- so Pauly-Kroll 18. Halbbd., 8. 2889 f., sowie Rü- 

einbar mit den Formen 'Oävesig (bei Homer) ter, Progr. Domgymn. Halberstadt 1911. 

und -Qlwtfe (wf Vasen), erledigt sich durch 603 1 : über Eurytos s. d. Art 1, UM«,, nr. 3 

die offenkundige Tatsache, daß im Latein der u. b. Pauly'-Wissowa 11. Halbbd., 8 1369. 

Guttural dem Worte von Anfang an eigentümlich 608,3: unter den etwa zehn Städten na- 

ist Gegenüber der homerischen Etymologie, die mens 'Etpvon oder Eyvpa (Steph. Byz. s. y; 

den Guttural, wie ja auch das l verdrängt hat, Ebeling, Lex. Hom. s. v.) wird als Wohnsitz 

zeiet also das Latein den Namen in al- des Ilos, den Od. aufsucht und vergeblich um 

terminlicherer Prägung, als er selbst Pfeilgift angeht (Od « 269 vgl. J 828), über- 

bei Homer vorliegt: 1 und x sind für die lat. wiegend das thesprotisohe E. in Epeiros (bchol. 
Form charakteristisch und in ihr konstant (s. o). »o EV a 259; Schol M ß 328), jedoch auch E in 

Der Vokalismus ist dagegen bunt zu nennen. Elis (Strab. 8, 828) bezeichnet. Zwischen beiden 

Denn statt des U, das H Jordan (Krit. Beitr. Städten schwanken die modernen Erklärer; 

39 1) aus italischer Verdumpf ung erklärt, tritt für die antiken kommt sogar die berühmte 

noch vereinzelt das O auf; so in dem am Hause Stadt auf dem Isthmus, das spätere Korinth 

derEumachia zu Pompeji angeschriebenen Verse in Betracht, wofür sie den dortigen Aufenthalt 

Vera Ecloq. 8, 70: Olyxis; ferner auf einer der mit giftigen Kräutern vertrauten Medeia 

Münze des Antoninus Pius: Olemus (s. d. Art. geltend machen (Eustath. 1416, 64; Eudok. 

Bd. 3, Sp.832); dann bei Diomed. 1,321 Keil: p. 312). 

OlixesO); endlich bei Fredegar Scholasticus: 608,69: auch in Delos landet Od. nach 
ab Olixo. In jener Form Olyxis erscheint, un- 40 £ 162 f.; über einen anderen dortigen Besuch 

ter der Nachwirkung des griech. «, das y. s. 618,21. . 

Selten ist dies ersetzt durch« (Inschrift eineB 612,9: Od. ist ein treffsicherer Bogen- 

Sardonyxskarabäus: üluxe; JordanS.iO), ganz schütze: x 161 f.; r 462f; <p 419 f. j X *}■ »} »• 

überwiegend aber durch . wiedergegeben, wäh- 266. 288. 292; bei Dict. 8, 1 wird er unter den 

rend e nur in Olexius nachweisbar iBt (s. o.). besten Schützen genannt; vgl. auch Pnapea 

Uluxe ist ein vereinzelter altlat. nom. ; ülixeus 68, 33. _ 

wird freilich ohne literarischen Beleg, von 612, 34: hinzuzufügen ist X 867 1. 

Charis. 1, 10 (Keil 1, 28, 6) bezeugt; auch in den 613, 14: Od. ist Zeus' Urenkel auch nach 

cas. obl. zeigt die Endsilbe bisweilen 'griechi- Lactant. div. inst. 1, 88, ,8. 
«che' Formen, so im gen. Ulixei oder TJlixi so 618,87: über Autolykos Mutter Stilbe s. 

(Neue, Lat. Formenl. 1", 831. 334); im aco. d. Art. nr. 2. ,„,.,.„„ . x. 

ülixen (Hör. Sat. 2, 3,197. 204; .Ep. 1,2,18; Ov. 618,61: Sisyphos Sohn ist Od. auch nach 

Met 13 55. 65; 14, 192. 241), während Ulixeum Soph. Phil. 384; TzeUs. Lyk. 1088; Schol. Ov. Ib. 

(Enn. Hect. Lutr. bei Bibbeck, R. Tr. 119) un- 275; vielleicht bezieht sich auf ihn auch die 

sicher ist; endlich im voc. Ulixe: Ov. Met. Benennung Sisyphides (s. d.) in Oxyrhynch. Pap. 

j 3 88 3, 70, nr. 421, 1»; s. ferner Immische Art. Stnon: 

'Da die vier (oder fünf) etruskischen 4,986, sowie den Homerischen Becher aus 

Namensformen Beisehriften zu mythologi- Anthedon : Robert, 50. Berl.Winckelmannsprogr. 

sehen Szenen sind, die ja auf das ionische Epos 1890, S. 90, Abb. S. 93 (mit Beischriften), 
zurückgehen, so ist es kein Wunder, daß sie, so 614,40: unter Helenas Freiern wird Ud. 

wenn auch mit t oder th geschrieben, doch genannt in Hesiod» Katal. fr. 94 Rz. , nach 

eben zur J-Gruppe gehören. Den Namen ütuze einem äg. Papyrus: Berl. Klassikertexte 6, 1, 

mit dem etrusk. 'Aorist' utuse(?) in Verbindung 28 f. 31 f. 87 f. Zur Charakteristik dient hier 

xu bringen und für ' echtetruskisch ' zu er- daß er, der schon bei Homer (x 283, vgl. 1858t.) 

klaren (?) Od. selbst aber zu bezeichnen als auf Besitz und Erwerb bedacht ist, dem Braut- 

'den Mann, der der Totenwelt geopfert hat'(?), vater keine Geschenke anbietet, um sich nicht 

blieb vorbehalten Bunge (und Torp), Verhältnis in Unkosten zu stürzen, weil er voraussieht, 

d Etr zu d Indog. (Straßburg 1909), S. 14. daß Menelaos als der reichste Freier die an- 



15 Ulkes Ulixes 16 

deren ans dem Felde schlagen wird. Über Od.' loser Versöhner auf (Welcher, Trag. 1,111; 

Werbung um Helena s. bes. d. Art. Tyndarcos Commentat. Bibbeck. 110 f.). 
Bd. 6, Sp. 1418; vielleicht gehört hierher Soph. 817,67: bei der unulxi\tis 'Eli»rje ist 

fr. <U4 Nek.'\ Tgl. aber v. Wilamowitz, Berl. Od. Begleiter des Menelaos auch nach Quint. 

Klassikertexte 5,2,68. Smyrn. 13,296. Das neuentdeckte Lied des 

616, 16 f.: weitere Belege für Od.' verstell- Bakchylides s. bei Bloss nr. 14, S. 126 f. 
ten Wahnsinn sind Lyk. AI. 816f. mit Schol; 618, 14f.: im Kriege übernimmt Od. ab- 

Tzetz. Lyk. 884; Nikol. Progymn. c. 10 bei Wall wechselnd mit Diomedes und Palamedes den 

1, 866; für seine Entlarvung durch Palame- Oberbefehl: Dict. 1, 16. — Während der Be- 

des: Schot Aeseh. Ag. 805 Kirchh.; Aelian. V. 10 lagerung steht er mit seinen Ratschlägen mehr- 

H. 18, 12. Palamedes bedroht den kleinen Te- fach im Gegensatz zu Palam.: Philostr. 

lemaoh mit dem Schwert auch nach Apollod. Her. 10,2. 4; Tzetz. Anteh. 297 f. 326 f. 
epit. 8,7; vor den Pflug des Vaters legt er den 618,38: die Ursache von Palam.' gewalt- 

Knaben auch bei Taete. Lyk. 886; Mudok.f. 321. samem Ende ist Od.' Groll wegen seiner 

Od. pflügt mit ungleichen Zugtieren und säet einstigen Entlarvung nach Hygin. fab. 106 

Salz auch nach Myth. Vat. 1,86; 2,200. (wahrscheinlich Inhaltsangabe von hur.' Palam., 

616, 40f. : weitere Zeugnisse über Od.' Mit- Nauck* p. 641); Ov. Met. 18, 68f.; Eudok. p.821; 
Wirkung an der Heilung des Telephos 8. dagegen Eifersucht auf Palam.' ver- 
in diesem Art. Bd. 5 , Sp. 284 f. Doch erledigt dienste und Erfindungen nach Schol. 
sich das dort Sp. 280. 286 aus einer didaska- so Eur. Or. 432; Lucian. Non temere cred. delat. 
lischen Inschrift von Rhodos zitierte Satyrspiel 28 ; Philostr. Her. 10, 2 f. ; Tzetz. Lyk. 886 ; Gre- 
Tel. des Soph. (Nauck, Trag. fr. Add. p. XXIV » ; gor. Naz. or. 4 c. 107 ; Serv. A. 2, 81 ; Schol. Stat. 
Kaibel, Hermes 23, 268 f.); denn wahrscheinlich Ach. 1,98. — Od.' Anklage gegen Pal. lautet 
ist gar kein Stück des großen Tragikers ge- auf verräterisches Einvernehmen mit den Troern 
meint; vgl. Christ, Gr. Lit.-Geseh. l e , 843, 5; nach Hygin. a. a. O.; Apollod. epit. 8, 8; Ov. 
318,1. Falls der von Hesych. 1, p. 63 bezeugte Met. 13, 59 f.; Apul. Met. 10,33; Serv., Schol. 
Tel. des Soph. mit dessen Mvaol identisch war Stat., Myth. Vat. a. a. 0. Damit berührt sich, 
(Nauck p. 220"), so behandelte dieses Stück ein wenn Sinon bei Verg. A. 2, 84 vorgibt, Od. habe 
phantastisches Abenteuer aus TelephoB' Jugend ; den Palam. der Friedensliebe beschuldigt, 
s. d. Art. Tel. Bd. 6, Sp. 277 f. Dagegen hat, na- 30 Dagegen wird er des Strebens nach Herr- 
mentlich auf Grund vorgefundener Verse (Berl. Bchaft und Oberbefehl angeklagt bei Phi- 
Klassikert. 6, 2, 64 f.), v. Wilamowitz, Soph.' Tra- lostr. Her. 10, 6 ; Tzetz. Anteh. 363 f. ; nur ange- 
gödie 'A%ui&v oiiUoyos (Nauck p. 161') auf die deutet wird die falsche Beschuldigung bei Oc. 
zweite Versammlung der Griechen in Argos Ib. 617. — Palam. ist das Opfer der Hinterlist 
und die dortige Heilung des Tel. (Kypria nach des Od. auch nach Xen. Mem. 4,2,33; Apol. 
Prokl.; Apollod. epit. 3, 19 f.) bezogen und da- Soor. 26; Philostr. vit. Apoll. 3, 22; (Cic.) ad 
mit nicht nur dieses (gar nicht zügellose) Stück, Herenn. 2, 19. 

das er von den E&vSunvoi (s. u.) trennt, son- 619, lf.: Palam.' Vater Nauplios treibt An- 
dern auch Od.' Mitwirkung bei jenem Ereignis tikleia durch die erdichtete Nachricht vom 
in ein wesentlich klareres Licht gerückt. Seine 40 Tode ihres SohneB Od. zum Selbstmord nach 
wirksame Vermittlerrolle ergibt sich mehr noch Schol. I 197. 202; Eustath. 1678, 28. Penelope 
aus den parallelen Dramen des Eur. und na- stürzt er ins Meer, aus dem sie jedoch durch 
mentlich der römischen Dichter (Bibbeck, B. Tr. Enten (rnivüoitts) gerettet wird: Schol. <J 797; 
107 f. 110 f. 346 f.) sowie aus Ov. Met. 18, 171 f. Eustath. 1422,7. 

u. Hygin. fab. 101; s. auch die Bildwerke Sp. 619,62: Auf die Doloneia bezieht sich 

656 und d. Art. Telephos, Sp. 307. An Tel.' Ver- wahrscheinlich auch Bdkchyl. fr. 38 (Bergk, 

wundung und Heilung war auch in Soph.' Eury- Lyr. 8 4 , 683); vgl. ülix. Posth. 1, 38; im übrigen 

pylos erinnert, vgl. Arist. Poet. c. 23; in den s. Pauly' -Wissowa 5, 1287 f. 
neuentdeckten Fragmenten (Oxyrhynch. Pap. 9, 621 , 3 f : der Rechtsbandel zwischen Od. 

86f.; v. Wilamowitz, N. Jahrb. 1912, S. 450 f.) 50 und Teukros beschäftigte vielfach die Rhetoren- 

wird jedoch Od. nicht erwähnt. schulen; vgl. Cic.invent. 1, 8, 11. 60,92; (Cic.) 

616,67: Od. holt, ut erat astutissimus, ad Herenn. 1, 11, 18. 17, 27; 2, 19, 28; Quintil. 

die Iphigenie nach Aulis, und zwar nup- 4,2,13. 

tias simulans, auch nach Myth. Vat. 1,20; 621, 29 f.: Philoktetes' Abholung au» 

2,202. Leinnos wird von Lesches (nach Prokl.) allein 

617, 27 f.: auf das wüste, ausgelassene Diomedes zugeschrieben, wo aber Welcker(Kykl. 
Gastmahl in Tenedos, bei dem sieb wegen 2 ! , 238) ehv 'OSvaatl ergänzt; doch wird auch 
verspäteter Einladung Achill mit Agamemnon von Paus. 1,22,6 (Gemälde in der Pinakothek 
überwirft, beziehen sich die Fragmente von der athen. Akropolis) nur Diom. genannt; end- 
Soph.' Satyrspiel (?) Zivätmvoi (Svviemvos), 60 lieh bleibt Od. auch bei Philostr. Her. 5, 8 un- 
das also von dem (ernst gehaltenen) 'A%. evXl. erwähnt, wo Diom. und Neoptolemos die 
zu trennen ist (s. 0.). Od. mischt sich in den Sendung ausführen. Od. allein tut dies in 
Wortwechsel der Helden; den von ihm gegen Aesch. Phil. (Dio Chrys. or. 52,6) und Ov. Met. 
Achill geschleuderten Hohn, als ließe er aus 18, 399f.; mit Neopt. in Soph. Phil; mit 
Feigheit die gemeinsame Sache im Stich (fr. Diom. bei Eur. (Dio Chrys. a.a.O.) u. Accius 
141 Nck.'), zahlt ihm jener mit dem Hinweis (Bibbeck, B. Tr. S77f.); Hygin. fab. 102; Apol- 
auf seinen angeblichen Vater Sisyphos heim lod. epit. 5, 8 ; Quint. Smyrn. 9, 885 ; Dosiad. An- 
(fr. 142). Trotzdem tritt Od. dann als selbst- thol. Pal. 15, 26. 



17 Ulixes ülixes 18 

681, 65f.: Neoptolemos' Abholung aus Plaut. Bacch. a. a. 0.), findet er mit Diomedes 

Skyros erfolgt durch Od. allein in der Od. beim Raube des Palladions die Unterstützung 

1 608 sowie bei Loches (nach Prokl.) a. Ttete. Helenas und der Priesterin Theano (Soph. Laie. 

Potth. 682; durch Od. und Phoinix nach nach Welcher, Trag. 1,146 f., u. Chavannes, De 

Soph. Phä. 844 f. u. ApoUod. epit. 6, 11; durch Patt, raptu S. 61 f.), oder der Theano allein 

Od. und Diomedes bei Quint. Smyrn. 6, 64f.; (Suid. s. ilatt.; Sehol. Z 811), oder dieser und 

7, 169 f. — Phoinix allein ist genannt bei Phi- ihres Gatten Antenor (Dict. 6, 8; Tzetz. Lyk. 

tortr. tun. Imag. 1, was Welcher, Trag. 1, 140, 668 u. Posth. 616; Malalas 6, p. 108 f.); über 

aus Soph. 46hmes herleitet. die einschlagigen Bildwerke s. u. 

628, 1 f. : Die im Streit mit dem Telamonier 10 622, 66 f. : Falschlich ist hier das Eindringen 
gewonnenen Waffen Achills überlaßt Od. selbst- beider Helden in die Stadt entscheidend ge- 
los dessen Sohne bei Lemkes (nach Prohl.) u. nannt für Lesches als Quelle der von Hesych., 
Tzetz. Posth. 684. Dagegen hat er sie, wenig- Suid. s. JTaH., Eustath., dem Schol. Plat. Be- 
stens teilweise, behalten nach Paus. 1, 86, 4 u. publ. und den Parömiographen überlieferten 
Ptolem. N. H. in Western. Mythogr. 192, wo ihm Fassung der diop. &v., naoh welcher Od. auf 
bei einem Schiffbruch Achills Schild abhanden dem Bückweg den Genossen überfällt, aus nei- 
kommt. dischem Argwohn, dieser werde, im Besitz des 

622, 16 f.: Od.' »tm^e^a wird auch erwähnt von ihm erbeuteten Götterbildes, den Euhm 
bei Paus. 4, 12, 2; 28, 7; Plut. Sol. 80; Coriol. des Unternehmens allein in Anspruch nehmen, 
82; Lyk. 780 mit Sehol. u. Tietz. Die neuent- 10 jedoch von Diom. überwältigt, gebunden und 
deckten zehn Verse aus Epicharms 'OS. airid- unter Schlägen ins Lager getrieben wird. Eine 
(loloc {Pap. Erzherzog Bainer 6, 1 f.; Kaibel für Od. so unvorteilhafte Darstellung wider- 
fr. 99) zeigen den Od. im Begriff, sich seiner spricht der ehrenvollen Rolle, die er sonst in 
Sendung furchtsam zu entziehen. Nach Gom- Lesches" Kl. 11. spielt (Welcher, Kykl. 2", 243; 
per« macht er vor der Stadt halt und erzählt Gruppe, Gr. Mythol. 686, 1). Daß beide Helden 
den ihm begegnenden Feinden(?) von seiner be- durch den heimlichen Gang in die Stadt ge- 
trügerischen Absicht, gar nicht hineinzugehen, langen, ist kein eigentliches Merkmal der einen 
sondern den Achäern vorzulügen, er habe alles Fassung der <4top. &v.; vielmehr bildet dies, 
herrlich ausgeführt. Überzeugender deutet A. wie es scheint, für sämtliche Darstellungen des 
Körte, Die griech. Komödie 1914, S. 12, die Si- so Abenteuers die Voraussetzung. Wohl aber sind 
tuation dahin, Od. studiere sich abseits in andere Züge entscheidend und ausschlaggebend, 
einem Monolog die Rolle deB ijuvSdyyslos ein, Am ausführlichsten schildert die Begebenheit 
um dann seine Landsleute durch einen erdich- Konon c. 84: auf Od.' Schultern gestutzt, or- 
teten Bericht zu täuschen. — Dunkel bleibt, klimmt Diom. allein die Mauer des Tempel- 
wie sich hiermit im weiteren Verlauf seine bezirks, lohnt jedoch den Freundesdienst mit 
etwaige Maske als Schweinehändler vereinigt; Undank, indem er den Od., der die Hände aus- 
vgl. ülix. Gom. 379 f. streckt, nicht emporzieht und ihm auf dem 

622, 49 f.: Hier kann nur von Od.' Mitwir- Heimweg sogar vorlügt; er habe gar nicht das 

kung beim Raube des Palladions und eini- echte Palladion ; als sich nun das Bild auf wun- 
gen auf ihn bezüglichen Umständen die Rede 40 derbare Weise dem Od. zu erkennen gibt, zückt 

sein.; s. im übrigen Wörners Art. Bd, 8 , Sp. dieser zornig das Schwert, entlarvt den Betrü- 

1801 f. 8413 f. ger und veranlaßt im Lager einen Schiedsspruch 

Das Götterbild wird entführt von Od. und der Fürsten. Gewiß geht dieser Bericht, der 

Diomedes nach Lesches; Soph. Adxtuvcu, vgl. Od.' Ehre wahrt, auf die Kl. II. zurück; erst 

bes. fr. 388 Nck.'; Ar. Ekkl. 1029 mit der zwei- Tragödie und Komödie, die ja vielfach Od. 

ten Erklärung des Schol.; Verg. A. 2, 162 f. mit herabsetzen, mögen dem dramatischen Effekt 

Serv. A. 2, 166; Ov. Met. 13,99. 837 f. 876 f., zuliebe jene Verunglimpfung erfunden haben 

vgl. 100; Sä. lt. 18, 47f.; Quint. Smyrn. 10, (s. Wörners Art. Bd. 8, Sp. 1805, 46f. 1809,9f.). 

344 f.; Tzetz. Lyk. 668 u. Posth. 609 f. 602 f.; 628,37: über die von Wörner Sp. 1808,2 
ApoUod. epit. 6, 13; Konon c. 84; Dion. Hai. so mit Unrecht bestrittene Vermengnng von Spio- 

1,69; Appian. Mithr. 68; Ptolem. N. H. bei nage und Palladionraub in Ar. Vesp. 861 f., 

Westerm. Mythogr. 186; Malalas 6, p. 108 f. Antisth. Ai. 6 u. Apollod. epit. 6,13 s. B. Wag- 

Dindorf; Schol. II. Z811; Eustath. 822,17; ner, ApoUod. epit. Vatic.iZl, u. Gruppe, Gr. 

Schol. Plat. Bepubl. 6, 439 d; Hesych. s. Miofi. Mythol. 686, 7. 

ivdfKn; Zenob. 8, 8; Apostol. 6, 15; Suid. s. 623, 60 f.: Antiklos wird im Hölzernen Roß 

.Jio/t. av. u. TIalXdSiov; Clem. Alex. Protr. 4, von Od. erstickt (elisus guttur) auch bei Oo. Ib. 

47; Dict. 6, 6. 8. 14 f.; Myth. Vat. 1, 40; von 567. 

Od. allein bei (Eur.) Bhes. 601 f. 516 f. mit 624; 18: Antenors Sohn Helikaon wird ver- 

Schol.; Eur. Hek. 289 f. mit Schol.; Ar. Vesp. schont und gerettet bereits bei Lesches fr. 13 
360 mit Schol; (Menandr. 4l( i£anaz&v und so Kinkel. 

darnach:) Plaut. Bacch. 962 f.; Pseudol. 1068 f.; 624, 29 f.: Soph.' Aichmalotides, oft erklärt 

Antisth. Od. 8. 8; Ai. 6; Lykophr. 668; Ov. Met. als Chryseis' Zurückholung {Nauck p. 188 8 ), 

6, 419 f. ; Eudoh. p. 822. bezieht, wie schon früher Welcher, Trag. 1, 171 f., 

Nachdem Od. schon bei seinem Späbergang jetzt auch Bizzo, Österr. Jahresh. 8, 824, nach 
als Bettler mit Helena unterhandelt hat (Kl. einem röm. Sepulkralrelief auf die Zerstörung 
Ilias nach Prokl.) oder von Helena an Hekabe von Troja. Od. war die Hauptperson; er über- 
verraten, aber von dieser auf sein Flehen wie- brachte u. a. den grausamen Befehl der Für- 
der freigegeben worden ist (Eur. Hek. 239 f.; sten, Astyanax zu töten. 



19 Ulixes U 1 ™!! 20 

624 45f • Polyxenas Opferung ist Od.' mesa in Bruttium besiedelt (Strab. 6, 255), aber 
Werk 'nach Eur. Hek. 132 f. 222. 343 f.; Biet. auch Od. nach Italien {Aristot. I»a%. «oX. fr. 
6 18 Rätselhaft ist das Zitat im Schol. Eur. 607 Hose), und zwar gleichfalls nach Temesa 
Hek 41.an(rebUchausdenJf«prm(XtnMp.52), gelangt, wo er seinen liebsten Geiährten fo- 
wonach Polyxena bei der Einnahme der Stadt Utes (s. d. nr. 3) einbüßt (Strab. a. a. 0.; vgl. 
von Od. und Diomedes tödlich verwundet und Paus. 6, 6, 7; Rohde, Psyche 192"), so hat die 
dann von Neoptolemos bestattet wird; vgl. Vermutung Imtmschs (s. d. Art. Thoas Bd. 5, 
Förster, Hermes 18, 476. Sp. 820), Od. sei nach Äpollod. a a. 0. elg Ira- 

625 1- Nach Ilions Zerstörung veruneinigen llav gekommen, viel überzeugendes, wenn aucb 
sich die beiden Atriden; wahrend Agamemnon w freilich Paus. a. a. 0. Od.' Ankunft in Temesa 
mit seinen Mannen vorläufig zurückbleibt, se- nicht in der Zeit nach seiner späteren Auswan- 
gelt Menelaos mit Nestor, Diom., Od. und der derung, sondern während der Irrfahrt nach 
Änderen Hälfte des Heeres ab: Od. y 130 f.; Ilions Zerstörung ansetzt 

Nosten nach Prokl; Äpollod. epit. 6,1; vgl. 628,12: Od.' Gastfreund in Elis (J5u ? ammons 

Gruppe S. 697. InTenedos aber, wo diese durch Telegonie nach Prokl) heißt Folyxenos (s. d. 

Opfer den Zorn der Götter zu besänftigen su- nr. 6). ,„„.,., a v d 

chen, erregt Zeus unter ihnen neuen Streit; 628,22: Über Od.' und Kallidikes Sohn Po- 

Od., dem der Abfall vom Oberfeldherrn un- lypoites s. d. Art. Bd. 3, Sp. 2716f. mit mch- 

heilvoll scheint, kehrt zu Agam. zurück; auch haltigen Zusätzen 

Nestor und Diom. trennen sich von Menel., 80 628,36: Das Kind, das Penelope dem Od. 

der nun für sich die Heimreise fortsetzt : y 159 f. nach seiner Heimkehr aus dem Lande des 

Od ist bei Agamemnons nunmehrigem Auf- Thesproter gebiert, ist, nach Hafers wohl nch- 

bruch der einzige Fürst, der ihn noch begleitet: tiger Beurteilung einiger Quellenstellen, eine 

Aesch Aq 805? Kirchh. Tochter und heißt Ptoliporthe; b. d. Bd. 3, 

625,41: Zu berichtigen ist die Angabe, auch Sp.3271; vgl. auch Sp.631,24; Sp.632,43. 

in Soph. Phil, trete Od. als Kaufmann auf; der 628, 50: Hierzu vgl. A. Hartmann, Unter- 

liweopos ist dort keineswegs Od., etwa in Ver- suchungen über die Sagen vom Tod des Od., 

kleidung; vgl. auch Sp. 644, 61. Dagegen hält 1917, wo auf Grund eingehender Quellenana- 

ihn für einen solchen der greise Vater: Od. lyse alle einschlägigen Fragen erörtert, viele 
800 80 gelöst werden; s. auch d. Art. Telegonos Bd. 5, 

629 9 f.: über Od.' Liebeshandel mit Poly- Sp. 248 f. 

phems , Tochter s. auch Cramer, Anecd. Paris. 629 34 f. : Das hohe Alter des Od. als , Grmd 

2, 209 f. sowie den Art. Elpe Bd. 1, Sp. 2899. seiner Benennung xog«£ (Tzetz. Byk. 794) wird 

626 30 f.: Belege für Od.' Abenteuer bei von Hartmann S 148 ^ bes tntte n; vgl. a b NW 
Kirke sind auch Xen. Memor. 1, 3, 7; Anthol Schmid, Berl mio. Woch^schr.ini,Simi. 
Pal. 10, 60; 16, 12; Etym. Magn. u. Suid. s. 630, 5: Die Notiz des Historikers Thrnpu» 
KW Ov Met. 14, 248f.; Hygin. fab. 126; pos über Od.' Tod in Tyrrhenien stellt seh 

*f?,HlV*v iT 2 211 f im richtigen Wortlaut anders als bei Müller, 

626, 48f.': Zu Weickers reichhaltigem Art. Fr. h. Gr. 1, 296 wonach er von den dortigen 
Seirenen Bd. 4, Sp. 601 f. ließe sich höchstens « Einwohnern getötet worden wäre; nach dem 

nachTragen ein Hinweis auf Alkman fr. 41 vollständigen Text ; bei Tzetzlyk 806 u /r. 

(Berak Lvr 8«, 52; ülix. Posth. 1, 35 f.), wo der ine. 354 in Hellen. Oxyrh. von Grenfell u. Hunt. 

Dichter nur scheinbar von Homer abweicht; h&* *«» tetivz?, vx' aitäv ^ByaXoe t»(*o- 

vgl Schol. 71286. Bemerkenswert ist in der psvog stirbt er eines natürlichen Todes, 

späteren Dichtung das Loreleimotiv: Serv. A. von ihnen hochgeehrt; vgl. auch Sp. 636, 66, 

5 864, sowie daß die S. bisweilen (vielleicht wo 'gewaltsam' zu tilgen ist. 

schon in der alten Komödie) als meretrices ge- 630, 29: Die von einer Seite beanstandete 

deutet werden: Myth. Vat. 1, 42; 2, 101; 3, 10. Übersetzung des Ausdrucks O^tov *«h™*- 

626 64f • Über das Skyllaabenteuer und Homers Liebling (Schoßkind), als läge eine 
den von Ar ist. Poet. c. 16,5; 26,1 erwähnten so Verwechselung mit xaidiov vor ist durchaus 
DHhyrambos des Timotheos s. d. Art. Bd. 4, richtig; beide Vörter bedeuten Liebling AUer- 
g 1026 f 1033 dings ist naiyvwv zunächst Spiel, Spielzeug, 

627 12: Od.' verliert auf der Heimfahrt vor dann aber deliciae, Liebhaberei, und ferner 
Salamis durch die Tücke des Telamon, der Mignon, puer deheatus: vgl. Ar. Jim. Vil; 
sich so für den Tod seines Sohnes Aias rächt, Plut. Anton. 59 : Z. y r&v K«t«« S o, xcciyvuov 
Schiffe und Geführten und rettet sieh selbst xcciSdo tov, a «ilix« Papalot xalo«<H»> Plaut. 
nur mit Mühe und Gefahr nach Kreta: Biet. Pers. iOi: Paegnion, dehciae puert, salv* 

6, 5; s. d. Art. Telamon Bd. 5, Sp. 224. 631 , sei.: Ober Od. und Penel p * als El- 

' 627,83: Od. leidet auf der Fahre vom Phaia- tem des Pan (Euphonon be i Schol. Lucan^ 3, 

kenlande nach Ithaka durch den Zorn des Her- eo 402; Schol. Theokr 1, 123) s. d Art. Pan Bd. 3, 

m , 8 Schiffbruch- Huain fab. 125. Sp. 1354f., u. Penelope Sp. 1909f. 

628 47 TroasdSÄ {II. B 888; A 527; 633, 2 f. : Die (dort bekämpfte) Ansicht, nach 
JV 216 f.- O 281 f ) könnte, »o gut wie die Atri- der Od.' Irrfahrten wie der Argonautenzug ur- 
den und Nestor, an seinen heimischen Herr- sprünglich im Osten, bes. in den Kusten- 
schersitz zurückgekehrt sein; dann bestünde gegenden des Pontos Euxeinos, stattfinden hat 
als Ziel von Od.' Auswanderung die Lesart bei an gewichtigen Autoritäten starke Stützen. 
Apoüod. epit. 7, 40: 6k AUuUav zu Recht. Da Nachdem K. E. v Baer (über die Homer. Lo- 
jedoch nach e ner anderen Quelle Thoas Te- kalitäten in der Odyssee, 1878), jene Annahme 



21 Ulkes Ulkes 22 

vertreten und z. B. die Laistrygonenbucht bei einmal immer um den nämlichen ethnographi- 
Balaklawa auf der Halbinsel Krim angeblich sehen oder geographischen Begriff. Würde es 
'sicher wiedererkannt hat', während sonst die doch niemand einfallen, deshalb, weil Euripi- 
Quelle Artakie, aas der die Königstochter Was- des mit KvxXuitlöes ietiai (I. T. 845) und Kv- 
aer holt (Od. * 108), nach Alkaios fr. 115 Bgk.' xlaaia yä (Or. 965) Mykene, Hesych. mit Kv- 
u. Apoll. Bhod. 1, 957 mit Schol. bei Kyzikos xico»<ov &Jos Tiryns bezeichnet, den Schauplatz 
angesetzt wird (vgl. auch Herodot 4, 14), haben von Od.' Abenteuer bei Polyphem in der Ar- 
Wilamowitz (Homer. Unters. 166 f.) und Kirch- golis anzusetzen; ebensowenig darf man aber 
hoff (Odyssee 287 f.") Od.' Reisen gleichfalls in wegen der Erwähnung des Priesters Maron von 
die Pontosländer verlegt, und dieser Ansicht 10 Ismaros in Thrakien, mit dessen Weine Od. 
sind viele Forscher beigetreten; s. bes. Gruppe, den Polyphem berauscht, die homerische Kyklo- 
Gr. Mythol. 644 f.; vgl. die Art. Sinon (Immisch) peia dorthin verlegen (Gruppe, Gr. Mythol. 216. 
u. Sinopos (Hafer), Bd. 4, Sp. 936. 949; sowie 645) oder die Kyklopen der Odyssee in Lykien 
W. Kranz, Hermes 50, 93 f., u. 0. Maaß, Progr. suchen, etwa weil die Mauern argivischer Städte 
Gymn. Gütersloh 1915. Doch regen sich immer und Festungen von lykischen Kyklopen erbaut 
wieder Stimmen , welche die gegenteilige An- und diese die Nachbarn der homerischen Phaia- 
sicht befürworten. Od. gilt, nach neuerer Auf- ken gewesen sein sollen (Od. ?4f.; Gruppe 
faesung, für einen peloponnesischen, spe- S. 380,2; 639). Und vollends die Phaiaken! 
ziell arkadischen Heros, den manche sogar Faßt man ihre Insel — denn eine solche ist 
zu einem dort ansässigen Gott machen möch- 20 doch ihr Wohnsitz (£ 204, vgl. S 354) — als 
ten: Fougeres, Mantinee et VArcadie Orientale bloßes Fabelland, so erledigt sich die Pflicht, 
1898, S.240f. ; Valeton, Mnemosyne 169S, S.897f.; dieses geographisch zu fixieren. Wer sich je- 
Kretschmer, EM. in die Gesch. d. griech. Spr. doch unter der Residenz des Alkinoos eine hi- 
S. 280f.; Gercke, IIb. Jahrb. 1905, S. 331f.; storisch bekannte Stadt denkt, wird mit Wila- 
Solmsen, Kuhns ZeitecAr. 42, 209 f . ; Gruppe, Gr. mowitz (Homer. Unters. 172), der ja sonst die 
Mythol. 716 u. Burs. Jahreso. 137, 668 f. Außer- Stätten der Odyssee gerade im Osten zu finden 
dem wird von ihm früh bei den aitolischen geneigt ist (s. o.), sich noch am liebsten für 
Eurytanen, den epeirotischen Thesprotern und Korkyra entscheiden und von Od. v 180 f. an- 
an seinem Sterbeort Trampya erzählt, endlich nehmen, 'daß schon der Dichter an dieser Stelle 
ihm in Ithaka eine neue Heimat, ja sein Herr- 30 Korkyra für Scheria gehalten hat' (s. d. Art. 
schersitz angewiesen: Gruppe S.624f. ; Art. Odys- Phaiaken Bd. 3 , Sp. 2210, 50 f.). Mit Unrecht 
seus Sp. 628. 630. Durch illyrisch-epeirotische behauptet endlich Beloch l a , 229, nur an der 
Stämme ist Od.' Erscheinung den italischen Küste der Krim hätten die Griechen von den 
Völkern vermittelt worden: Kretschmer a.a.O. hellen Nächten des Nordens im Lai- 
S. 280f., und zwar wohl schon in sehr alter strygonenlande (Od. x 82f.) Kunde erhalten 
Zeit; denn bereits aus der mykenischen Periode können; ein anderer Weg ist wahrscheinlicher. 
sind auf sizilischem und italischem Boden grie- Über den Bernstein der Nord- und Ostsee, von 
chische Niederlassungen nachweisbar: Beloch, dem zahlreiche perlenartige Stücke schon in den 
Gr. Gesch. l*,233f. (mit Belegen) ; vgl. 1821 Dort Schachtgräbern von Mykene gefunden worden 
und in einem noch ferneren Westen mögen 10 sind (Schuchhardt , Schliemanns Ausgrabungen 
Schiffermärchen die Gestalt des Od. mit fabel- S. 237") und den als Schmuck auch die Odyssee 
haften Seeabenteuern ausgeschmückt haben, zu (o 460; e 296) bezeugt, sagt Schweizer-Sidler zu 
einer Zeit, wo sich das Epos noch nicht seiner Tac. Germ. 45, er sei schon sehr früh entweder 
bemächtigt hatte, ja dessen Gesänge noch gar auf dem von den Phoinikern gefundenen See- 
nicht erklungen waren. So glaubt denn Drerup, weg oder durch Binnenhandel die Elbe aufwärts 
Homer S. 124f.', schon umkleidet mit den im über Böhmen, Mähren und Ungarn gen Süden 
Westen entstandenen Erzählungen sei Od. gewandert und wie in die Pfahlbauten des 
nach Kleinasien gewandert und hier erst — Polandes, so auch in die mykenischen Gräber 
was man schon längst annahm (Art. Od. Sp. 652, gelangt. So verschiedene Importartikel nun 
39 f.) — von der homerischen Dichtung mit der 50 Bernstein und jene physikalische Beobachtung 
Sage vom Trojanischen Kriege verknüpft wor- der hellen Nächte auch sind, sie können zu- 
den. Zugleich habe sich dort der Nostos des sammen oder doch auf den gleichen Pfaden zu 
Od. auch auf die nahegelegenen Pontosgegen- den Griechen gedrungen sein; ein westlicher 
den ausgedehnt und an einigen Stellen, die oder nordwestlicher Zugang ist aber nach dem 
vielleicht schon der Argonautensage angehör- Gesagten hierfür einleuchtender als das Ein- 
ten, auch seinerseits Platz gegriffen. — Es sind dringen vom Pontos Euxeinos her. Somit ge- 
also Plankten, Kimmerier, Laistrygonen, Kirke, bührt den Einwirkungen des Westens die Priori- 
ursprünglich dem Westen zugehörig, gleichsam tat; erst der Dichtung der Odyssee im ionischen 
ein zweites Mal im Osten lokalisiert worden, Kleinasien war es vorbehalten, weitere Einzel- 
wogegen dort für die Kyklopen, Kalypso, die 60 züge hinzuzufügen und an dort vorhandenen 
Phaiaken sich keine einwandfreien und für die Stätten zu fixieren. So wurde der Wohnsitz der 
Odyssee tauglichen Wohnsitze haben finden vielleicht schon auf italischem Boden angesetz- 
wollen, sondern deren Ansetznng auf Euboia, ten Laistrygonen jetzt mit der Quelle Artakie 
in Lykien, Thrakien, an der Propontis oder bei Kyzikos in Verbindung gebracht (s. o.), 
am Pontos Euxeinos sich im besten Falle auf dem Od. die in lonien vielverehrte Göttin Ino- 
eine Wiederholung desselben Orts- oder Völker- Leukothea als Retterin beigegeben und ihm 
namens, demnach eine bloße Namensgleichheit selbst in Lykien ein für uns wenig klarer, weil 
gründet. Hierbei handelt es sich aber nicht vom Dichter nur angedeuteter Wirkungskreis 



23 Ulixes 



Ulixes 24 



j. ,n a oüo «im n«R «irVi bei in Italien eingewandert und beide hätten dann 

e d nt 8 ch n efdet U sfch gl* Ü taU dK "ahnten Begegnungen des A. mit Od. die eine 
entscneiaei sicn guauu«» " c.„„;.„ J or =;„>, f7)«o« Sa. 12 16.. nicht einwandfrei, weil sie 
Dictionnaire von Darembe rgu Saghojer^h (^^^J Diomede8 die Wahl läßt . 

auch sonst eng an ^ i *£dte£l&rt&. die .weite bezieht sich nicht eigentlich auf Od., 
kons anschließt. - Zu den ^™™ J ** 11 " 16 30 s Ö ndern auf den mit ihm verwechselten Etrus- 

zT^r:r^^zßL^i s^^. e % s -dung 124 4n 

Ä s n b s g iÄsnÄS SÄ^^-^r»^ 

von nicnra. """»="" ,. Auffassung, nach ist die Sage daraus entstanden, daß man 

werden, daß W.Ihrpfeld die ga nze ' ^»»™ft ; ffir i sciburgium vorauszusetzenden 

h^S^crte^etwatanin^LL^'eS vorgennanischen d. haitischen Worte OHso 
neue JNacnie, ,»« o „«meint sei, oder Üliso und ebenso aus Ohsipo den Namen 

n r ach er Nordäfr?k g a wo der RindeXrt die *o ülisses heraushörte. - Nach Mogle in Hoops' 
Nacht zum Austreiben der Herde deshalb wählt, Reallex. d. German. Altertums*., s Odysseus, 

5ff£lSB5r-ä S-Ä -"«SAB. -«■' ä *;'ä- S 

mriou "" J" 10 " » «iixiiös wie Demosthenes: öcAoJ. 1 <!lb;vgi. 

«353? Die vermutungsweise hier vorgetra- Schrader, Hermes 37,642. 558. 

Erklärung dir Ausbrüche «einer Trunkenheit 50 Itvpa; Ltban. ep. 78; Flaut. Fseud. l£44 Mor. 
SST35. wieder bei JB. f^*"* ft« 1 ' ^'k^TÄÄ?^ 
KÄ 8 xfp^^ eM'S 5Ö2 cV«?(0, 8 , H Ä MytH ^.f^-Er wird 
„ ..^ Mn tt;«Tv,»i SW«- Homer 1» 480; zusammengestellt mit Nestor bei Aristot. Top. 

sä _ Über Polvnhems Wohnsitz am Aetna ool.rhet. 2,77 Sudh. u. neQl tou xao- U|t. «yair. 

und^dydortigen y Cüch s. Oto. F«r. 2, 6, 146; ««.. p 42 ««■;«»»«• ** *?' &i#±£ 

TOnIL 4, 1, 66*0». Met 13, 770f. 14, 160; Pont. Soor 18; öaB. Ä .A. 6, 14, - ; NiUl. Progymn. 

.t o HR. in«,« M/.Z 2 7 17 C. 10 (Walz 1,3551.). 

2 ' "636f 8«f X *Te Gründung des Od. gilt 60 642, 12 : dir am, immo VI ixeam peregrnaHo- 

auch Skvlletion (Scyllaceum) in Bruttium nem erwähnt Apul. Metam. 1, 14. - MitHe 

aucn BKyiieiion V°^ ' _ akle8 w r a er verglichen auch von Hermog. 

636*87 ? f EntSen überwiegt die Auffas- wegen seiner Intrigen gegen Palamedes und 
m Z Aineia. T sei nach Hellanikos fr. 63 bei den Telamomer bei JpuJ. Jtfet. 10,33 (mit 
S. M172(Ä f M) £«* *»—* . s schwankender Lesart: 17/. «emte« oder moA- 



25 Ulixes Ulkes 26 

«u»). Der Schol Soph. Ai. 1868 rechnet ihn zu ihrer Verschlagenheit die Titelheldin von Eur. 

den xoflipoi luxXnxToi eiperaßlnrot. I- T. seine Charakterzüge, wenn sie ihm auch 

648, 28 : — als das Prototyp eines ehrsüch- v. 585 wegen ihrer einstigen Opferung in Aulis 

tigen Demagogen außerdem in der Aulischen flucht; ebenso in Goethes Jphigenie Pylades 

Iphiaenie, im Palamedes, im Philoktet; vgl. (II 1: ich hör' Ulyssen reden); vgl. Zeitler, 

Nestle, Eur. S. 201. 289 f. 818. Goethe-Handbuch 3, 60 f. Beachtung verdient, 

644, 12: Od. wird Parasit auch von Philo- daß Richard Wagner (Ges. Sehr. u. D.' 4, 289 f.) 
demos genannt; vgl. Üränert, Kolot. u. Mened. erklärt, der Odysseusmythos liege den Mythen 
31 f. : grelle Züge seines Gebarens bei Aiolos vom Fliegenden Holländer, von Tanhäuser, sogar 
und Alkinoos; sogar in der Unterwelt wäre er, 10 auch von Loliengrin zugrunde; der in den 
falls er die Toten bei der Mahlzeit angetroffen Liebesbanden der Kalypso und der Kirke ver- 
hätte, als Schlemmer aufgetreten. strickte, aber aus deren Armen sich wiederlos- 

645, 15 f.: orientalische, speziell 'indoger- windende und heimwärtsstrebende hellenische 

manische' Einflüsse auf die Odysseussage Bind Heros sei daB deutliche Vorbild jener Opern- 

nicht klar erwiesen. Während Welcher (Kykl. helden, ja sein Charakter werde durch sie 

2 1 , 807), Wilamowitz (Homer. Unters. 194), Jire- noch bereichert und gesteigert; vgl. IIb. Jahrb. 

czek (Deutsche Heldens. 1,278 f.) u.a., allerdings 1913, Bd. 81, S. 333. 

unter Vorbehalt, die Sage von Od.' Tode mit 654, 66f, : Achills und PatrokloB Ab- 

dem •■ Hildebrandslied in Verbindung bringen schied von ThetiB, der sie durch Od., Mene- 

und die Verwandtschaft der Sagenmotive für so laos und Menestheus entführt werden, s. auf 

ein uraltes indogermanisches Erbteil erklären, dem schwarzfig. Vasenbild im Art. Patroklos 

lehnt zuletzt Hartmann a. a. 0. S. 225 den Zu- Bd. 3, Sp. 1697 f., Abb. 1. 

sammenhang mit jener Dichtung wie auch mit 655,19: Weitere Bildwerke mit Achills 

Firdusis Mustern und Sohrab wieder ab, weil Entdeckung auf Skyros s. im Art. Phoinix 

das gleiche Motiv immer aufs neue habe er- Bd. 3, Sp. 2405 f. 

fanden werden können; s. auch d. Art. Telego- 656,4: Die in Aulis gefundene Vase mit 

nos B. 5, Sp. 254. — Ebenso unsicher ist die Palamedes' Steinigung ist eine Fälschung; s. 

Übertragung alter Heldensagen aus semiti- Miliin- Beinach 2, 65. 

ichem Völkerbereieh. Den babylonischen 660,4f.: Die Totenklage umPatroklos 
Ursprung eines Teiles der Odysseussage ver- so und Hektors Lösung sind Reliefs auf einer 
mutet P.Jensen, Das Gilgamesch-Epos in der Silberkanne von Bernay; s. die Art. Patroklos 
Weltliteratur, 1906, ohne allseitig zu überzeu- u. Priamos Bd. 3, Sp. 1706 f. 2959 f. Hier wie 
gen; vgl. Gruppe, Burs. Jahresb. 187, 66 f. Ver- dort ist Od. am Pilos kenntlich. — Zwar ohne 
danken ferner auch die Griechen den Phoini- kriegerischen Schmuck, aber durch den breit- 
kern die Buchstabenschrift, so haben diese krempigen Petasos, nicht auf dem Haupte, 
doch selbst im Seehandel, worin sie ja für das Bondern im Nacken ist er unter anderen griech. 
Altertum bahnbrechend waren , auf Griechen- Helden bezeichnet auf einem archaischen Va- 
land weit weniger eingewirkt, als man noch senbild, dem Ergänzungs- und Gegenstück zu 
bis vor kurzem annahm, wo man nach dem Hektors Lösung: Mon.d. 1. 8,27; Engelmann, 
oft zufälligen Gleichklang von Eigennamen 40 Homeratlas nr. 108. 

viele Orte, namentlich Küstenplätze auf phoini- 661,44: Od. als Beobachter des Amazonen- 

kische Niederlassungen zurückführte (Busolt, kaiupfes auf dem Pariser Penthesileiasarkophag 

Gr. Gesch. 1 ! , 263 f.; Belach l 8 , 223 f.; vgl. auch s. im Art. Amazonen Bd. 1, Sp. 279 f.; vgl. auch 

Pöhlmann, Gr. Gesch. S. 12 f.'); vollends auf die Robert, Sarkophagreliefs 2, 76 f. 

homerische Poesie ist ihr Einfluß gering ge- 662,31: Die bildlichen Darstellungen des 

wesen (Gruppe a. a. 0. S. 65. 67), weshalb V. Waffenstreits sind verzeichnet bei Gruppe, 

Berard (Les Pheniciens et V Odyssee, 1902 f.) trotz Gr. Mythol. 684, u. Pauly'-Wissowa 1,936. 

einzelner richtiger Beobachtungen mit seinem 664, 17f.: Od. bei der Abholung Philo- 

phantastischen Itineraire d' Ulisse und der Her- ktets s. im Art. Bd. 8, Sp. 2336 f. 

leitung vieler homerischer Eigennamen aus dem so 665, 18 f.: Die reiche Literatur über Dar- 

Hebräischen nur wenig Glauben verdient. Ahn- Stellungen desPalladionraubess.bei Gruppe 

liehen Bedenken unterliegt E.Aßmann, Das S. 686, 1, sowie im Art. Bd. 3, Sp. 3417 f. 

Floß des Od., sein Bau u. sein phoinikischer 669, 64 f.: Od. bei Gefangennahme u. Opfe- 

Ursprung, 1904. — Wenn sich unleugbare Spu- rung Polyxenas s. im Art. Bd. 3, Sp. 2734 f. 

ren homerischer Erinnerungen, bes. der Kyklo- 2737 f. 

peia, fern im Norden und Osten, im Kaukasus 670, 40f.: über die Kyklopeia s. außer 

wie in Indien, gezeigt haben, so beweisen schon dem Art. Kyklopen Bd. 2, Sp. 1685 f. nun auch 

die mit solchen Erzählungen verknüpften Na- d. Art. Polyphemos Bd. 3, Sp. 2702 f.; ferner 

men wie Polyphem zur Genüge, daß die Sagen Gruppe S. 706 f.; endlich die rotfig. Schale aus 

der Ilias und Odyssee auch dahin ausgestrahlt 60 Todi mit Od. unter dem Widder: Mon. ant. 

sind, aber nicht umgekehrt einen Einfluß der dei Lincei 1916, Bd. 24, S. 876 f. 

dortigen Völker und Gegenden auf jene Dich- 671, 12: Das Laistrygonenabentouer 

tungen, die für uns an poetischem Wert noch behandeln vier Landschaftsbilder vomEsquilin; 

gewinnen, je klarer sich ergibt, daß sie Er- vgl. außerdem Overbeck, Her. Gal. S. 777. 

Zeugnisse griechischen Geistes sind; s. Bolte, 671, 62f.: Od. und Kirke in Bildwerken s. 

De monumentis ad Odysseam pertinentibus, Berl. Gruppe S. 709, 2 ; außerdem Mon. ant. dei Lincei 

Diss. 1882, S. 10 f. — Manchem späteren Dich- Bd. 24: ein buntbemalter Sarkophag vergegen- 

ter hat Od. vor Augen geschwebt. So trägt mit wärtigt auf Bild 2 auch dieses Abenteuer. — 



27 Ulodias 



ültor 28 



Bemerkenswert sind komische Darstellungen tltio bei Tac.ann. 3, 18 [J 20 n. Chr.: atque 

auf zwe? Vasen Vom theban. Kabeirion; vgl. idem (d. i. Tiberius) cum ™"™Trt?Z 

Marc. Bieber, Denkmäler zum Theaterwesen im Signum aureum maede Martis M»J,ö«Ma 

Alter tum S 184 f. Die eine, im Brit. Museum, Severus aram ulUoms statuendam censuissent, 

zl gt Od. in kläglich dürrer Körperverfassung proMbuit] ist kein« »Personifikation . n^'Rache- 

und ängstlicher Haltung, wie ihm KL t ™ einen gottin', wie es früher übersetzt worden ist, 

gewaltifen Napf mit lern Zaubertrank über- sondern ara ulüonis bedeutet • ™*\™j£ 

reicht- hinter ihm ihr Webstuhl und ein ver- innerung an die Rache gegen Piso zu erncn- 

zauberter Ge ährte; s. auch Journ. Hell Stud. tenden Altar, wie 1 14: ™*V*™»P£ t 
13 Bd ( 1892/93) S 77 f. , Taf. 4. Die andere, 10 hibuit (Tiberius), d.h. einen Altar, der errichtet 

fetzt in ( OxZd 'veranschaulicht die Zauberin werden sollte zur Erinnerung an die Adoption 

irst be°m E Ären des Trankes, wogegen Od. der Livia durch Augustus, ebenso 4, 74: aram 

St auffällig dickem Leib bereits dal ichwert clewentiac aram amicitiae ^«£*f «£> 

gezogen hat Auf letzterer Vase zugleich eine die ara Druso Sita (^posita) im I*nde der 

drastische Parodie von Od. . MS f.: Od. (>OXv- Chatten, ebd. 2 », welche Ger ™™™ ™ ^ 

•ric) T"d vom Nordwind über das Meer ge- n. Cta. wiederherstellte war ein solches Denk- 

trieber! sein Floß besteht aus zwei Weinam- oder Erinnerungsmal. S. ^W^.™* ^F 

phoren mit dem Dreizack, den er seinem gött- zu Taatus a_a. 0. Hiernach Y,JMf 

liehen Feinde entwendet haben mag, übt er u. Kult. d. Born.' S.64,2 und 8.887 zu bencn- 

hchen JJeinae enwenuei uau «, Deubner, Personifikationen, o. 

* lC \n e!f Sd.Tnlef Unterwelt .. im Art. bI 8, 2, Sp. 2168. überiiefert ist freilich: ul- 

Teiresias Bd 5 Sd 202 f. und Bild 4 des vor- tioni, nicht ultionts. 

Sahnten SaJkop'nags, wo er mit zwei Ge- *»■ ff; Einleitung ^^„«gftft; 

«Shrten ODfert Xo^, Ausgabe von ^uj. «an «awren, 1742, p. 8) 

6 2, 67 V Tod. und dieSeirenen s.hei Gruppe nennt unter den Kindern des Aether .und der 

S 709 6- in Weiden Art. Bd. 4, Sp. 600 f. ist Terra neben anderen Übeln und Lastern wie 

mehr die Entwicklung des Typus als der ho- Schmerz L st Zorn Trauer, Luge , E^chwur 

merische Mvthos besprochen, den jedoch der- usw. auch die Rache, Ultto. X. VeuOner, rer 

X Verfahr L Sm 'Seelenvogel' S. 162 f. sonif., o. Bd. 3, 2 Sp. 2089^ Zur Bewertung der 
behandl Christlich gedeutet wir! das Aben- ,o bei ^j T vorliegende n ^eogonie vgl. *«- 

M Theo1 BeaUnlykl 7 "' 667 (Art sä;äs:£ 

673, ,4 f ^ Über Od.' Kampf mit OyB. .. d. bos und der Nacht genannt war. Gleichbedeu- 

Art Bd 4 Sp 1048f. sowie Gruppe S. 710, 2. tend ist Poe*« (Hoi»ij), ■. o. Bd 3,2, bp. 2608. 

674 8f- Die rotfig. Vase mit der Nausi- Über die genealogische Götterhste bei Hygmus 
kaaszene letzt in Boston, ist veröffentlicht s. Ziegler o. Bd. 6, Sp. 1525 ff. [Kenne.] 
von Ir mC, ösierr. Jahresh. 1910, Taf. 1, UHor, häufiger Beiname des , Mars weniger 
das Bild eeht Wohl auf Polygnot {Paus. 1, 40 oft des Iuppiter, außerdem gebraucht zur Kenn- 
te) zurück Zeichnung anderer Namen der Mythologie und 

'676, 2 f.: Darstellungen der Fußwaschung Sage 

durch Eurvkleia i. bei BaMmeister, Denk- A. Verehrung des Mars ültor ist erst nach- 

«.dfer 2 1042f - Od. mit seinem Hunde Ar- weisbar seit Augustus, Gardthausen Augustus 

eo s s auch oei Bobert, Sarkophagreliefs 2, 161 f. «n<Z seine Zeit 2 , 2 , 8 687 (Anm 64). Diesem 

ffSl Ant. Gemmen laf. 20, 64. 66 rächenden Kriegsgott hat Kaiser Augustus zum 

u Taf 24 5 - Der Einfluß Polygnots (Pa«s. dankbaren Andenken an die Bes.egung der 

9' 4 « auf die Darstellung am Heroon von Mörder des Caesar (im J. 712 d. St. Rom ==42 

Giölbaschi ist bestritten von G. Körte, Jahrb. v. Chr.) an dem von ihm m Rom angelegten 
dArch Instit 1916, S.257f., der das Relief so prächtigen Forum als dessen' MUtelpunkt'emen 

vielmehr auf Soph.' '08. &* a v»o*Xvi bezieht. Tempel erbauen lassen ^^± S ^\ F ^r 

680 41: Ein Zeichen für Od.' Popularität, mae ürbis Bomae «ntiquae 1896 Tab Hl Bh 

besonders in seiner Heimat, ist auch die ein- O. Bichter, Topogr.d. Stadt Born' 1901, 2. Plan 

stile Benennung VSieet^v für das Rathaus nr. 84). In diesem Tempel sollten auch die von 

n g I hakä? T Kern, Inschr. v. Magnesia a. lt. den Parthern bei der Niederlage des Crassus 

in na**.», v ' Studien 505f . _ Auch im J. 53 v. Chr. erbeuteten, im J. 734 d. Stadt 

de Ne'uzei ieÄnen Auen Odysseus Rom _ 20 t. Chr. -, Augustus wieder a „ Bg e- 

von Ith aka, der, anfangs ein Hauptführer im lieferten römischen Feldzeichen Aufstellung hn- 

griech Freiheitskampf , später als Vaterlands- den. Da jedoch die Forumanlage mit dem W 
Verräter zu den Türken überlief und 1826 nach so pel damals noch nicht vollendet war, ließ 

LSer Gefangennahme in Athen erdrosselt auf- Augustus zur vorläufigen Unterbringung der 

befunden wurde; vgl. Th. Flathe, Bestauration wiedergewonnenen Fahnen auf dem Collum 

jiLXi 1 qn i <!9 einen kle nen Tempel errichten, einen Rundbau, 

und Bevolution S. 130. if*^ ^ ^^ „^ ^ A t aus dem J. 20 

Ulodias (OiXvSivs), guter Geist der 7. Mitt- v. Chr. darsteUen mit ^Bei schrift: ^art.» Dttom, 

wochstunde, dem bösen Geist Phnidotas ($vi- meist abgekürzt: Mart ült Mart. VJto^JMar 

ZS entoeensesetzt. Beleg wie bei Uistos, Vit. {Cohen, Descnpt. hist. des monn.frapp. sous 

cZeldlt, ?3°Ts 152. [P g reisendanz.] VEmpire rom> 1, p. 89-91, nr. 189-206, mit 



29 Ultor Ultor 30 

Abbildungen), den er jedoch in »einem Rechen- malet in der Dobrudscha, 1904), Fr. Studniczka 

»cbafHbericht (Mon. Ancyr. c. 19) nicht auf- (1904 = Abhdlgn. d. phüol.-hüt. Cl. d. Kgl. Sachs. 

geführt hat; Tgl. Dio 64, 8. Huelsen, Nomen- Ges. d. Wiss. 22, 4), auch Dragendorff, Bericht. 1 

clator topogr. (zu Kiepert- Huelsen a. a. 0.) p. 85. der Böm.-Germ. Kommission des Arch. Inst, für 

Nachdem aber endlich der Tempel am Forum 1904 (1905), S. 66—69; Abbildung der Inschrift 

Angusti fertig geworden war, wurden die Feld- auf dem rekonstruierten Denkmal DeiFurtwäng- 

zeichen dahin überführt, Gardthausen a. a. 0. ler (1908), Taf. 1 und 2, letztere wiederholt von 

1,2, S. 828 f. 972—974. 2,2, S. 474— 477. Bich- Studnicika S. 67. 

ter a. a. 0. S. 111, vgl. S. 129. Moscher o. Bd. 2, Außerdem sind noch einige inschriftliche 

2, Sp. 2392. 2426. Über den Tempel des Mars 10 Belege bekannt: CIL 9,4108 — Dessau 8168, 

Ultor am Forum des Augustus, dessen Bau in Mittelitalien, im Gebiet der Aequiculi, zu 

Augustus selbst in seinem Rechenschaftsbericht Nesce [CIL 9, Tab. III, Fe] gefundene Weihung: 

{Mon. Ancyr. c. 21 — 4, 21 ; vgl. e. 29 = 6, 42) Marti Ultori und CIL 2, 6260, 2 (Suppl. p. 1025), 

und Suetonius in seiner Biographie des Kaisers Fingerring aus Bronze, gefunden im nördlichen 

(Aug. 29, 1; vgl. 21,2) nennen und aufweichen Hispanien (Gallaecia), mit Bild des Mars und 

auch Ovid. fast. 5, 650 ff. 567 ff. und trist. 2, Beischrift: Mars Ultor. — Im Feriale Cu- 

296 f. anspielt, s. Huelsen, Nomenciator p. 86. manum (von Cumae in Campania), CIL 10,2, 

Gardthausen a.a.O., auch 1,2,8.878.1,8, p. 1010 (Add.),nr. 8376 [s. auch Index?. 1138] — 

S. 1102. 1122. 1277. 2, 2, S. 511. 687/8. 2, 3, Dessau 108, Tgl. CIL 1', 1, p. 321, war zum 

S. 718f. (Abb.) Mommsen, CIL 1*, 1, p. 818. Wis- so 12. Juli, dem Geburtstag des Divus Iulius, ver- 

towa, Melig. u. Kultus d. Müm.' S. 146 f. u. 8. merkt: [Supplicatio Iovi ? Conservatorji, Marti 

Auf dieses selbe Heiligtum beziehen sich Yel- Ultori, Veneri [GenetriciJ. Denn in dem von 

Irius 2, 100, 2. Plin. nat. hist. 84, 141. Tue. ann. Augustus zu Rom geschaffenen Prachttempel 

3,18. Martial. 7,51.4. luvenal. 14,261, auch des Mars Ultor und anderswo war Venus Ge- 

Suet., Caligul. 24, 8. Dio 55, 10. 69, 22. 60, 5, und netrix als Stammutter der Gens Iulia mit Mar» 

CIL ß, 8700 = Dessau, Inscr. Lot. sei. 4996 ist verehrt, s. Wissowa, Melig. u. Kult. d. Mbm. 1 

die Grabschrift eines Küsters des Tempels S. 147. 292. Vgl. noch die (allerdings verdäch- 

[D. M. T. Flavio Aug(usti) lib(erto) Liberali tigte) Inschrift von Volceii in Unteritalien CIL 

aedituo aed(is) Martis ültoris usw.]. 10, 403 : Iovi Conservatori et Marti Ultori ordo 

Ein Denar des L. Cornelius Lentulus, Ba- 30 populusque Volceianus. 
belon, Monn. de la Mepubl. rom. 1, p. 431, nr. 81 Außer den genannten Münzen des AuguBtu» 

(== 2, p. 80, nr. 241) = Cohen' 1, p. 121 f., nr. 419 nennen den Mars ültor (Cohen* 8 p. 406 f.) auch 

'mag vielleicht in Zusammenhang stehen mit autonome Geldstücke des Jahres 68 n. Chr., 

der Errichtung des Mars Ultor- Tempels auf dem aus der Zeit des Galba (Cohen' 1, p. 844, nr. 

Capitol': Groag in Paulys Meal-Fncylop. der AI- 376, s. u,, und p. 845, nr. 878— 884), außerdem 

tertumswiss., Neue Bearbtg., Bd. 4, 1, Sp. 1872 f., Münzen des Yespasianus (Cohen* 1, p. 888, nr. 

§ 198. 270f.), des Antoninus Pius (Collen' 2, p. 823, 

Die Acta Fratrum Arvalium Terzeichnen nr. 549 f.), des Marcus Aurelius (Cohen* 3, p. 44/ 

Tieropfer bei besonderen Anlässen, so für die 45, nr. 480, J. 174 n. Chr.), des Commodus (Cohen* 

Kaiser in den Jahren 69 und 69 n. Chr. : in foro 40 3, p. 273, nr. 846—848, J. 191 n. Chr.), des Gegen- 

Aug(usti) Marti Ultori taurum, im J. 118 n. Chr. : kaisers Clodius Albinus (Cohen* 3, p. 420, nr. 46, 

Marti Ultori [taurum], im J. 213 n. Chr. : Marti ums J. 196/197), des Caracalla (Cohen* 4, p. 160, 

Ultori taurum a(uratum, mit vergoldeten Hör- nr. 148 und p. 161, nr. 164 — 167, meist des Cae- 

nern), und als Sühnopfer im J. 224 n. Chr.: sar vom J. 197, Todesjahr des Albinus), des 

Marti Patri Ult. ar(ietes) n(umero) II, b. Hen- Alexander Severus (Cohen* 4, p. 418 f., nr. 157 — 

zen, Acta Fratr. Arval. (1874) p. 72. 84. 86. 87. 171), des Claudius II (Gothicus, Cohen' 6, p. 146, 

121. 144. 212. CIL 6, 2042. 2061. 2078. 2086. nr. 155—169) und Beines Bruders, des Quintil- 

2107 (Dessau 230. 241. — . 461. 6048). lus (Cohen* 6, p. 169, nr. 44), des Tacitus (Cohen 1 

Auf der Stätte der Varusschlacht hatte Ger- 6, p. 227, nr. 59), des Probus (Cohen' 6, p. 287, 

manicus nach Tac. ann. 2, 22 ein Siegesdenk- 50 nr. 348 f.), des Carus (Cohen* 6, p. 355, nr 39) 

mal geweiht Marti Ultori (so hergestellt statt und seines Sohnes, des Carinus CaeBar (Cohen* 

Marti et Iovi von Hirschfeld, Wien. Stud. 5, 6, p. 388, nr. 49 f.), des Diocletianus (Cohen* 6, 

S. 124 = Kleine Schriften S. 850/861, gebilligt p 448, nr. 319), des Gegenkaisers in Britannien 

von Wissowa, Melig. u. K. d. Müm.* S. 163 Anm. 1) Carausius (Cohen*!, p. 19, nr. 165). Ihre Bei- 

et [Divo] Augusto. Schriften zu dem Bilde des Mars lauten: Mars 

Dem Mars Ultor war auch geweiht das Tro- Ultor oder Marti Ultori (selten abgekürzt: 

paeum Traiani [in dem ebenso benannten Muni- Marti Ult. oder Mar. Ult.), auf den Münzen 

cipium der Moesia inferior = Adamklissi in der des Commodus: Marti Ultori Aug.; eine ('ge- 

Dobrogea oder Dobrudscha, CIL 3, Suppl. 2, fütterte') autonome Münze des J. 68 n. Chr., 

Tab. IV, Er. Andree, Handatlas' 1 136/137, GH 5), 60 welche auf der Vorderseite die 'Hispania' dar- 

CIL 3, 12467 (Suppl. 2, p. 2100)] vom J. 109 n. stellt, bietet zum Bild des MarB der Rückseite 

Chr. ; vgl. über das Denkmal die Abhandlungen die Beischrift: Marcs (so statt Mars) Ultor, 

von Tocilesco-Benndorf-Niemann (1895), Furt- nach Cohen' 1, p. 344, nr. 375. Der Kriegsgott 

tcängler (Abhandl. d. bayr. Akad. I. Cl. 22, 1903 ist gewöhnlich in der landläufigen Weise mit 

und vorher, 1897), Benndorf (Arch.-epigr. Mit- Helm, Lanze und Schild dargestellt, stehend 

teil. 19, 1896 u. Jahreshefte d. österr. Arch. Inst. oder schreitend oder laufend, teilweise in Kampf- 

1, 1898. 6, 1903), Petersen (Müm. Mitteil. 11, Stellung, einigemal hält er außer der Lanze 

1896 und 18, 1903), Cichorius (Die röm. Denk- eine 'Trophäe' {Cohen* 1, p. 388. 4, p. 160 f. u.a.), 



31 Ultor Uncia 32 

auch trägt er eine 'Trophäe' und eine Victoria in Hispanien lag {Dessau 2266. 2707), geweiht 
(Cohen' 3 p 45) oder statt der Lanze eine in der Stadt, wo Galba zum Kaiser ausgerufen 
Standarte (Cohen' 1, p. »45, nr. 880), oder es worden war (Dessau zu nr. 287), vielleicht mit 
ruht ein Feldzeichen auf einem Arm (Cohen' bezug auf die Beseitigung des Nero im J. 68 
Tt. 419 nr 166) (vgl. auch Cohen' 1, p. 344, nr. 375 und p. 845, 
' Auch' eine Gemme hat die Beischrift: Mars nr. 378 ff.: o. A, Sp. SO, 83 ff., 69 ff.) 
ültor s Ad. Furtwängler, Die antiken Gern- Von den genannten Münzen mit der Bei- 
rrten, Gesch. der Steinschneidekunst im kl. Altert. schrift Iovi Ultori stellen die des Commodus 
(1900) Bd 1, Taf. 65, 85 mit Erkl. Bd. 2, S. 301 ; (Cohen' 8, p. 263, nr. 261, J. 186/191) den Gott 
vgl Bonn Jahrb 120, S. 238, Anm. 185 (s. u.). 10 sitzend dar, eine Victoria und ein Zepter haltend, 

Nachbildung des Standbildes des Mars Ul- die des Gallienus (Cohen' 5 p. 383 f., nr 401 - 
tor in Rom, mit Tropaion (Trophäe), erkennt 412) zeigen Iuppiter den Blitz haltend oder 
Woelcke in einem Tonbildchen des Kölner Ton- schleudernd, die des Diocletianus (Cohen' 6, 
bildners und Lampentöpfers Vindex [gegen 100 p. 447, nr. 809) mit Blitz und Zepter zu seinen 
n Chr; Lehner, Bonn. Jahrb. HO, S. 188 ff. Füßen den Adler; dagegen die Münzen des 
CIL 13 10016 115], auch im Bildschmuck an Severus Alexander (Cohen' 4, p. 411 f., nr. 101 
obergermanisch-elsässischem Sigillatageschirr —103 mit Abb.) bieten das Bild eines Tempei- 
des Ianus zu Heiligenberg -Dinsberg an der baues. 

Breusch und des Verecundus ebenda und bei C. Nach Carter, Epitheta deor. qttae ap. 

Schloß Ittenweiler (Gmde. St. Peter, bei Eich- 20 poet. Lat. leguntur (Suppl. zu diesem Lexikon, 

hofen) \Forrer, Heüiqenberg — Mitteil. d. Ges. 1902, S. 154) ist ultor, teilweise absolut (wie 

/. Erh. d. gesch. Denkm. im Elsaß' 23, Abb. 60. in A und B), teilweise mit erklärendem Gene- 

118 137 179 S. 148. 200. 202. 206 = S. 674. tiv, gesagt von Bacchus, Oind. met. 15, 114f. 

726 728 731]' und auf Lampen, s. K. Woelcke, — Aleides = Hercules, Verg. Arn. 8, 201/203. 

Bonn Jahrb 120 (1911), S. 193—195 mit Abb. — Menelaus, comugii vindex ultor adultem, 

Taf IX 3 und Jahrb. d. D. Arch. Inst. 29 (1914), Auson. Epitaph. 3, 4 (Mon. Germ. Auct. ant. 5, 2, 

S 25, Anm.4. Von Lampen (Woelcke, Bonn. p. 72). — Atrides = Agamemnon, Stat.Ach, 

Jahrb 120 S 194) vgl. z. B. die (italische) Lampe 2, 67; fraternae coniugis ultor, Auson. Epitaph. 

der Sammlung Messen' Tafel LXXX, nr. 1759. 2, 1 (a. a. O.); ultor Europae, Seneca Agamemn. 

Ebenso auf Gemmen (Bonn. Jahrb. 120, S. 232/3, so 206. — Achilles, Hectons ultor, Aetna 593; 

Anm 182, auch Furtivängler a. a. O. Taf. 50, ultor amici (Patrocli), Dracont. carm. mm. 9, 

22b) und'auf Münzen (s. o. und Bonn. Jahrb. 53/54; absolut Venant. Fortunat. carm. 7, 12, 11 

120 S. 233, Anm. 183). Alle diese Darstellungen (Mon. Germ. Auct. ant. 4, 1, p. 165): cadit Hec- 

zeigen den Gott unbärtig, behelmt, nur mit tor et ultor Achilles. — Ulixes, Ovid. met. 14, 

Lendenschurz bekleidet, die Lanze in einer 290 und (Laertiades), Accius bei Apul de deo 

Hand und mit geschultertem Tropaion in der Socrat. 24 (= Bibbeck,Trag. Rom-Fragm.?. 236). 

anderen. Dagegen hatte Furtivängler die durch — Orestes (patris ultor), Ovid. am. 1, 7,9 und 

Beischrift gekennzeichnete, oben angeführte Orest. 285 = Poet. Lat. mm. 5, 232. — Aban- 

Darstellung einer Gemme, die sonst oft ebenso tiades = Perseus, Ovid. met. 6, 138. 237 (»»«- 

oder ähnlich wiederkehrt (vgl. auch Furtwäng- 40 dex ultorque parentis). — Capaneus, Stat. 

ler a a O Bd 1 Taf. 64, 63 mit Erkl. Bd. 2, Theb. 9,565. — Mezentius, ultor nah, Poet. 

S 294) als treue Nachbildung des Standbildes Lat. min. 4, 167. — Außerdem als Bestrafer einer 

im Augustnstempel des Mars Ultor zu Rom Kupplerin (lena) nach ihrem Tode: Cerberus, 

nachgewiesen: bärtig, in Panzer, Beinschienen Prop. 6 (4), 6, 3. — Vgl. auch Ultrix. 

d Helm, mit Schild und Lanze. S. dazu [Keune.] 



un 



Woelcke, Bonn. Jahrb. 120, S. 195 mit Anm. Ultrix heißt Nemesis in der wörtlichen 

184 f. (S. 233). Sollte die von Woelcke bespro- Übersetzung der zweisprachigen Einleitung der 

chene Darstellung nicht vielmehr die des Mars stadtrömischen Inschrift CIL 6, 532 (Dessau, 

Victor sein? S. u., Victor, A, 2. Allerdings Inscr. lat. sei. nr. 3738): acyüXr) Nfyeaig ij ßaai- 
wird diese Darstellung auf Münzen, z. B. Cohen' 50 Uiovca toü waa(ov) , magna Ultrix regma 

4, p. 160, nr. 147 (J. 213/217) und nr. 148 (J. 197), urbis (so statt orbis); ex visu Heimes Aug(usti) 

einmal Mars Victor, einmal Mars Ultor ge- lib(ertus) vilicus eiusdem loci aram et crateram 

nannt, ebenso aber auch das andere Bild. cum basi bicapite d(at) d(edicat). Vgl. Ovid. 

Vgl. noch v. Domaszeicski, Die Religion des Trist. 5, 8, 9 : ultrix Bhamnusia. — Über den 

röm. Heeres, Westd. Ztschr. 14 (1895), S. 33—34. Gebrauch des Beiwortes ultrix bei Dichtern s. 

— Ganz unsicher ist die Ergänzung in CIL Carter, Epitheta deor. ap. poet. lat. (Supplement 

13 6739 (Mainz). zu diesem Lexikon, 1902) S. 154. — Ultrices 

' B. Iuppiter ültor ist genannt auf Geld- sind von Dichtern die Erinyes = Eumenides 

stücken des Commodus, Severus Alexander, = Dirae benannt (auch Einzahl ultrix Erinys), 
Gallienus und Diocletianus (Cohen' 8, p. 397; 60 s. Carter a. a. O. S. 32. 35. 30. [Keune.] 

unvollständig o. Bd. 2,1, Sp. 752), außerdem Umesthotli (Ovneo&a&) heißt im Groß. Par. 

belegt durch eine Inschrift aus Clunia in Hi- Zauberbuch Z. 1673 Helios mit seinem Namen 

spania Tarraconensis (Gebiet der Aravaci), Des- der siebenten Stunde: moa f aogtpfiv tveig tQci- 

sau, Inscr. Lat. sei. 9239 (Add. Bd. 8, p. CII, yov, Svoud eai Oiasa»m». Vgl. Th. Hopfner, 

nach NavaT): Iovi Aug(usto) Ultori sacrum, Griech.-äg. Offenbarungszctuber 1 (1921, Stud. z. 

L. Valerius Paternus mil(es) leg(ionis) X Ge- Pal, 21), § 408. [Preisendanz.] ^ 

m(inae), optio ~J (= cexturiae) Censoris exs voto, Uncia, Name einer einheimischen Gottheit 

also von einem Soldaten einer Legion, welche nach der Überlieferung (17.— 18. Jahrh.) einer 



33 uni ünseni 34 

verschollenen Weihinschrift, die in der Kirche die ein von der sonstigen Sage abweichendes 

zu Jülich eingemauert war, Brambach, CIBhen. Verhältnis zwischen uni und Herakles zurKennt- 

694 _ CIL 13, 7870: Deae Unciae Quintinus nis bringen: Der erwachsene Herakles wird 

Quintinianus Qiiintus Candidus. Nach Anm. zu von der ihm sonBt feindlichen Hera gesäugt. 

Orelli 2070 hat man herstellen wollen [SJ unciae, Etr. Sp. 5, Tf. 69, ein Vulcenter Spiegel des 

vgl. auch Solder, Altcelt. Sprachschatz 2, Sp. Berliner Museums, stellt die Darreichung der 

1668/9 (ßuncia) und 3, Sp. 30 (üncia); doch wird Brust von uni an hercle unter Anwesenheit 

diese Änderung zur Angleichung an die Sunuc- von tinia, merva (= menrva), turan (Aphro- 

salis, Sunuxalis (vgl. auch Lersch, Bonn. Jahrb. dite) und einer Spiegelgöttin mean dar. Tf. 60, 

12, S. 45/46) mit Recht verworfen von M. Ihm 10 Spiegel aus Volaterra, im Museo archeologico in 

0. Bd. 4, Sp. 1603. Wiederholt ist diese Vermu- Florenz, zeigt denselben Vorgang inmitten einer 
tung von Th. Bergk, Zur Gesch. u. Topogr. der Götterversammlung, anscheinend im Olymp. Im 
Meinlande in röm. Zt., S. 119, 1, daß [SJuncia Hintergrunde dieses Bildes befindet sich eine 
eine Kurzform für Sunuxalis sein könnte (da- quadratische Tafel mit Aufschrift: eca:sren:/ 
her Solder Bd. 2, Sp. 1668/69). [Keune.] tva : ijrna/c : hercle : / unial : cl/an : »ra : sce, aus 

uni, eine etruskische häufig dargestellte der nur die Worte hercle unial clan 'Hera- 
Göttin, die ihrer Bedeutung nach der römi- kies, Sohn der Iuno' sicher gedeutet sind. Vgl. 
sehen Iuno entspricht. Auch der 'Genitiv' des über den Spiegel und diesen italischen Mythos 
Namens, unial, ist belegt. Die Denkmäler, meist überhaupt Serbig, BE 8, 1, 689 f. Körte, Btr. 
Bronzespiegel, werden in folgendem kurz auf- so Sp. 5, S. 75, 2. — Wahrscheinlich ist auch die 
geführt; zu eingehender Orientierung vergleiche Inschrift auf einem manubrium aus Cortona, 
man die jeweils genannte Literatur. Der Name CIE471, auf den Namen der Göttin uni zu 
uni findet sich auf einer Eandregion der Leber beziehen: mi unial curtun, etwa: 'Dies (ist ein 
von Piacenza. Deecke, Etr. Forsch. 4, 33 ; Thu- Weihgeschenk) an die uni von Cortona.' Ver- 
lin, Beligionsgesch. Vers. u. Vorarb. 3, 10. 24; bunden mit lokativischer Postposition scheint 
Körte, Röm. Mitt. 20, 362. Auf einer Anzahl von der Name auf der Agramer Leinwandrolle 12, 
Spiegelbildern, die z. T. aus dem Epos bekannte 10 CIE II, 2, S. 20 : unialti ursmnal Nach .Her- 
Szenen und Personen enthalten, findet sich die big etwa: 'Iunonis in (sc. sacello) Orsminiae.' 
Göttin uni. Etr. Sp. 5, Tf. 49 = Fabretti, CII Vgl. W. Schuhe, ZGLE 208. über den Gentil- 
spl. 1 , 394 , Spiegel der Dresdener Antiken- 30 namen una(s) , uni, uneias usw. vgl. ebenda 
Sammlung aus Tarquinii, zeigt die Lösung der 364 a. 

Hera (uni) durch Sephaistos (äeö-lans); links Sachlich ist ohne Zweifel die etruskische 

ein knieender Jüngling tretu. Die Geburt der uni gleichbedeutend mit der römischen Iuno. 

Athene aus dem Haupt des Zeus ist auf zwei Sprachlich scheinen die beiden Namen zusam- 

Spiegeln dargestellt: Etr. Sp. Tf. CCLXXXIV, 1 menzuhängen, doch bereitet die Identifizierung 

= Fabretti 2478 (preale, uni, tinia, menrva, Schwierigkeiten. Die etruskische Endung -i ist 

»alna, laran) und Tf. CCLXXXIV, 2 = Fabretti mit dem lat. -ö nicht in Einklang zu bringen ; 

2471 bis (maris, . . usta, uni, tinia, manrya, weder läßt sich die etr. Form aus der lat. er- 

#alna, laran). Beide Spiegel sind unbekannter klären, noch kann die Annahme einer Entleh- 

Herkunft, die Beischriften sind z. T. lädiert. 40 nung aus dem Etr. zur Aufhellung der Mor- 

Vgl. Pauli, Myth. Lex. unter 'preale' und phologie des Namens Iuno dienen. Über die 

'thalna', auch über das Verhältnis der Spiegel verwickelte Frage vgl. Fiesel, Forsch, z. griech. 

untereinander. Vielleicht gehört in diese Gruppe u. lat. Gramm. 7, 22 f. Serbig, Religion u. Kult. 

auch der Tarquinienser Spiegel Fabretti, spl. der Etr. in Mitteil, der Schles. Ges. f. Volksk. 22, 

1, 895 mit den Kriegsgöttern laran, lefram so- § 17. Ebd. § 11 über andere vermutlich ital- 
wie Zeus (tinia), Athene (menrva), der Spiegel- etr. Namen. Zu erwähnen ist noch der Genitiv 
göttin {ralna und uni. Über den sehr zerstör- unial, da diese Bildung sonst bei Götternamen 
ten Spiegel vgl. Pauli unter thalna und Körte, nicht vorkommt und das Suffix -al ausschließ- 
Etr. Sp. 5, S. 82, 2 , der die Lesung revidiert lieh Eigennamen eignet. [Fiesel.] 

hat. Eine Liebesszene zwischen tinia und uni so Uniphrer (Oiviq>tfQ), böser Dämon der 24. 

enthält ein Spiegel unbekannter Herkunft Etr. Freitagstunde, dem guten Geist Polion (IIoXi&v) 

Sp. Tf. CCLXXXII = Fabretti 2097 bis. Etr.Sp. entgegengesetzt; Beleg bei Uistos, Cat. astr. 8, 

Tf. CCCXLVI (aus Orvieto) zeigt tinia, uni, 2, 163. [Preisendanz.] 

hercle (Heracles) und eine männliche Gestalt, Unsenl, di — , wohl örtlich benannte Gott- 
deren Beischrift aile? oder a^le (Achilles)? ge- heiten in Britannia, welchen ein zu Plumpton 
lesen worden ist. Über die beiden letztgenann- Wall (Old Parith, innerhalb des Hadrians- 
ten Spiegel vgl. Pauli unter tinia. Eine Gruppe walles, südsüdöstl. von Carlisle — Luguvallium; 
von Göttern zeigt gleichfalls ein Spiegel des s. Bruce, Roman Wall' 860 f.), außerhalb des 
Antikenkabinetts zu Kopenhagen, Etr. Sp. 5, Kastells (Voreda) gefundener Altar geweiht ist, 
98,1: menrva, turms (Hermes), uni und tinia. 60 Saverfield, Ephem. epigr. 9, p. 567, nr. 1124: 
Eine bestimmte mythologische Szene ist nicht Omnibus dibus Unsenis Fersomaris (es folgen 
ersichtlich, ebensowenig wie auf dem Spiegel die Namen, wohl von vier Veteranen, vielleicht 
in Neapel, Etr. Sp. 5, 84, 1. Dort finden sich Germanen) fprjo salute sua et suorum v(otum) 
ela;{ (wohl Abkürzung für ela^santre — jtXi&uv- s(olverunt) Ifibentes) m(erito). Die Seitenflächen 
Äpos), uni, mera (= menrVa) und ein Jüngling, des Altars zeigen die auf römischen Weihdenk- 
dessen Namensbeischrift bis auf das -e der malern beliebten Bilder von Opfergerätschaf- 
Endung nicht mehr kenntlich ist. Von beson- ten, einerseits Teller und Schöpfkelle, ander- 
derer Wichtigkeit sind eine Anzahl Spiegel, seits Beil und Messer. [Keune.] 

Röscher, Lexikon der gr. u. ril n. Myttaol. VI. 2 



35 Unterwelt Unterwelt 36 

Unterwelt.*) dessen Bäume mit Edelsteinen behängt sind. 

I. Namen. Er durchschreitet ihn und kommt zur Göttin 

_ , . , „" , ,. , ,„ xr.—»„ Siduri-Sabitu, die am Meere thront. Sabitu er- 

1 Von den vier gebräuchlichsten Namen . durch die j ßeige 

für U bezeichnen drei sowohl de U. als auch verwi]derten Au8aehen und Terscnließt ihr Tor. 

ihrenBeherrscher: Erebos^ Bd 1 Sp 1296. we;ß 9 . ch durcb Dr Ein]aß zu 

STq^^^ThT.ÄI Sr maff erschaffen und erzählt ihr seine Geschichte 

Bd. 3, Sp.940ff.) und Hades (o.Bd. 1, Sp-l'TSff. Vorhaben. Auch Sabitu rät ihm ab, 

B o d - *,' h.! 6 *?? ff p *?" »• Ä;lnnC da noch niemand außer Schamasch das Meer 

Suppl. 3, 867ff.). Bei den zwei letztgenannten b hritt habe (o Bd 4 s ß33ff0: < Schwer 

Namen ist es sicher, daß sie Ursprung ich das °e ^ > die Wfahrtsstelle, schwierig 

Reich dann erst den Konig bezeichneten. Or- 8 K f d die Wagser de8 

kus ist griechisches Ldmwort von oo*o S (zu <« g. ^^ ^ Doch yer . 

toxos) ; vgl. J2»«eJ, X>er Ata 1902, 149 ff. U ber ^.^ ^ .^ an ^ gchiffer defl Tjtnapischtim, 

Tartaros s. o. Bd. 6, Sp. 121 it. der ihm he]fen kön ^ da er die zur überfahrt 

II. Die wichtigsten Hadesfahrten in der nötigen Steinkisten besitze. Gilgamesch macht 

griechisch-römischen Dichtung. sich auf, den Schiffer zu suchen findet aber 

rT • i. i. j. /i i • ■ * • „Jr,™ a„= das Schiff ohne ihn an und zertrümmert aus 

[Inzwischen hat Ganschimetzm Einern aus- Steinkisten. Als der Schiffer hinzu- 

f ^2 1C Rd n fo Sn^lf Tu9 d?e ^ntowd™: » kommt und Gilgameschs Anliegen hört, will er 

ff ?' ¥', 10 ' , ?; 8 |? 7 o • ' ,£?.„ ihn übersetzen; doch die Steinkisten sind zer- 

fahrten behandelt. D«b, H,«we^ «^ ÄijB«- trümmert . Auf ' den Kat de8 Schiffers schneidet 

fährten von Homer bis Dante N. J66 49, 192£ ^ st und mit diesen be . 

239 ff. bietet kaum Neues. S. auch Jos. Kroll K - drei T 

Descemus ad mferos, BraunsbergerProgr.l^] J anderthalb Monaten zurück, bis 

2. So nahe es lag, einen heraufbeschworenen S des Todefl kommen Diege 

Toten selbst über die Dinge im Jenseits berich- befahren noch durchsehwiin- 

ten zu lassen ist dies doch nur selten geschehen; Überschreitung dienten die Stein- 

gewohnhch ließ man einen Lebenden m de zertrümmert. So bauen 

Unterwelt hinabsteigen und über das Gesehene einen Land t auf 

berichten. Schon das assyrische Kpos ließ , G.l- . J hinüber6 5 u . e!te n. So kommt Gilga- 

gamesch in das Jenseits gelangen [Taf. 9« Utnapuchtim und spricht vor ihm 

Ich gebe hier kurz den Inhalt nach ü»s«ad und F ^ ^ dieger haU 

Grmman«, Das Gügamesch-hpos 1911; • auch Erfflll fül . u „ mogli ,. h . E r erzählt ihm, 

0< \lf *V T ^ "^ Tifd rV^,e et ™ « selbst mit seinem Weibe nach der großen 

veraltet ist Engidu, der Freund Gilgameschs, versammelt wurde. Schließ- 

S^t'Ä-, 18 Furc ? t ri VOr "TfT T™f lieh aber will er doch versuchen, Gilgamesch 
Ende befallt Gilgamesch. Da mach > ei ■sich auf, Un8terblicnkeit zu ver , chrf en, und er trägt 
seinen Urahnen TQtnapischtim zu besuchen um au sechs Ta uud B;eben Nächte , 
von ihm das ewige Leben zu gewinnen Nach zu ' sch l a ten. Aber Gilgamesch vermag es 
einem Kampf mit Löwen in den Schluchten nicbt Trotzdem will Ut „apischtim ihm noch 
eines Gebirges und anderen Erlebnissen, deren einmal fa und auf ^ n Rat taucht G;l . 
Darstellung verlorengegangen ist, kommt Gil- sch nach ' se i n er Abfahrt in den Südwasser- 
gameich zum Gebirge Maschu, wo das Tor i»t, « und holt das Lebengkraut heraufi das 
durch das die Sonne aus- und eingeht, wo Him- nach Hauge mitnehmen wiU . Unter weg» 
niel und Erde zusammenstoßen, also ans Ende Gilgamesch in einem Teich mit kaltem 
der Welt. Dort bewacht ein riesenhaftes Skor- Was (f kQmmt eine Schl angelockt 
pionmenschenpaardasTor. Der Skorpionmensch yon de ^ Duft d(js Krautes und ^ mmt eg mit 
ruft sein Weib an; 'Der zu uns gekommen, sich go kehrt Qil ch U nverrichteter Sache 
dessen Leib ist Götterfleisch.' Das Weib ent- 5o nach üruk zurück B _ Da er doch sterben muß) 
gegnet; 'Zwei Drittel von ihm ist Gott, ein er weni ten8 wissen wie es in der Unter- 
Drittel von ihm ist Mensch.' Gilgamesch trägt aussieht, und es gelingt ihm nach vieler 
seinen Wunsch vor, zu Ltnapischtim zu gehen, M den £ - ;du ^ g e8ch 5 wBreni der herauf . 
der in die Versammlung der Götter aufgenom- ' und ;h * über dag troBtlo6e Dasein itt 
men ward. Doch der Skorpionmensch warnt der K ünterwelt Au8ku „ft gibt, 
ihn vor dem Weg, der durch dichte Finsternis Iq d;esem letzten ^.J der TotenbeBchwö . 
führt, den noch nie ein Mensch gegangen. Aber d;e auf der ^ Tafßl gteht und wofal nicht 
Gilgamesch laßt sich nicht mrnekhalten und ^. haben ^ 
zieht zwölf Doppelstunden lang durch die Fin- einen d ^ w ^ baunge n Fälle, in denen ein 
sternis, bis er zum Garten der Götter gelangt, m Toter aug A ^ v hera ° fsteigt; und Auskunft 

») Dieser Artikel itt auf Grund oine« umfangreichen gibt. Der ausführlichere erste Teil, der auf den 

herein vor 1919 von Gruppe verfaßten Konieptei. du Tod Engidus folgt, schildert die Reise ins Land 

grole Kttriungen, einige Erg&niungen und eine Über- der Seligen, wohin Utnapischtim mit seiner 

arbeitung verlangte, von mir zusammengestellt wordsn, Gemahlin eingegangen ist, wie Menelaos in der 

wobei auch noch einige neueste Literatur berücksichtigt Br i ecü j sc hen Sage ins Elysion. Auf Einzel- 

wurd. Eigen. z...t» von mir sind in der ■ Esj. 1 in g . fa it ik Vorstellungen ver- 

eckige Klammern gesetzt. DaB ich aus Qruppn Konzept w . ' , . , . . „„n;„u t,j„ 

auch Ausführungen aufnahm, die sich mit meinen An- gleichen lassen wird unten gelegentlich hl„- 

siohten nioht deokon, ist selbstverständlich. [PSster.] gewiesen. — über andere babylonische Höllen- 



37 Unterwelt Unterwelt 38 

fahrten s.o. Bd. S, Sp. 268 ff. Wenn im Istar- undderLebenskraft(tondi,#'uj«Ss);vgl.überdiese 
mythos (a.a.O. 262) ausführlich an zwei Stel- Vorstellung Pauly -Wissowa- Kroll 11, 2112 ff. 
len beschrieben wird, wie alles auf der Erde Nach der Schilderung von Joh. Warneck, Die 
während der Abwesenheit der Istar unfrucht- Seligion der Balak 1908, S. 49 f. fordert und 
bar wird, so darf man auf die ähnliche Schil- empfangt jeder Tondi vor seinem Herabkom- 
derung im homerischen Demeterhymnos v. 305 ff. men auf die Erde von Gott in der Oberwelt 
verweisen. — Alle diese babylonischen Texte das Geschick des Menschen, in den er eingehen 
finden sich jetzt auch bei Vngnad, Die Iteli- will. 'Da er sich selbst ein bestimmtes Los 
gion der Babylonier und Assyrer 1921.1 erbittet, so ist Gott nicht schuld, wenn der 
3. Von anderen orientalischen Mythen sei 10 Tondi sich nicht das Gute wählt. Denn es steht 
noch der von Ära, dem Sohn des Aram, er- ganz und gar in feinem Belieben, welches Ge- 
wähnt. [Er steht bei Moses von Chorene, Eist. schick er haben will'. (Dem entsprechen die 
Arm. 1, 16 und Ps.-Ayathang., Mist. Arm. ant.; berühmten platonischen Worte : alxia iXofiivov, 
beide Texte, die auf dieselbe Quelle zurück- frtbs äkki'tios.) Gott legt ihm allerlei zur Wahl 
gehen, wohl auf das von Moses dem Mar Apas vor. Erst nachdem der Tondi eins dieser Ge- 
Katitia zugewiesene Werk, finden sich in fran- schicke sich ausgewählt hat, läßt Gott ihn in 
zösischer Übersetzung bei Langlois im Anhang einen Menschen eingehen. Niemand kann sein 
von Müllers FUG b S. 26f. und 197f.: Semi- Los ändern, daB Zugemessene muß man ruhig 
ramis, die Frau des Assyrerkßnigs Ninos, hatte abwarten. — Nach einer anderen Sage der Ba- 
von der wunderbaren Schönheit des jungen ar- so tak steht in der überirdischen Welt ein groß- 
menischen Königs Ära gehört, und in Liebe zu mächtiger Baum, auf dessen Blättern alle ver- 
ihm entbrannt berief sie ihn zu sich nach Ni- schiedenen Geschicke des Menschen verzeichnet 
nive. »Da aber Ära sieh weigerte, zog sie mit sind. Jeder Tondi, der zur Mittelwelt, zur Erde, 
Heeresmacht gegen ihn; Ära ward geschlagen hinabgehen will, muß erst von Gott eines der 
und selbst getötet. Da ließ Semiramis die Leiche Blätter sich erbitten. Was auf dem von ihm 
auf die Terrasse ihres Palastes bringen und gewählten Blatte geschrieben steht, das wird 
sagte: 'Ich will den Göttern befehlen, seine sein Los in der Mittelwelt. — Weiterhin er- 
Wunden zu lecken , und er wird wieder zum zählt Warneck noch eine Sage von einem Kna- 
Leben zurückkehren'. Als aber die Leiche zu ben. der einseitig zur Welt kam, nur ein Auge, 
verwesen begann, befahl sie, sie in einer Grube uo ein Ohr, einen Arm, einen Fuß hatte, und der 
zu verbergen, und schmückte einen ihrer Gunst- nach Überwindung von allerlei Schwierigkeiten 
linge, einen schönen Mann, und verbreitete das den Weg zu Gott zur Oberwelt (wie der pla- 
Gerücht, die Götter hätten die Wunden des tonische Er) fand. Hier klärte ihn Gott über 
Ära geleckt und ihn wieder zum Leben erweckt. die Wahl der Lebenslose und den Tondi auf, 
Auf diete Weise, iügt Ps.-Agathangelos hinzu, machte sogar das Los des Knaben rückgängig 
entstand die Legende von den Aralez. — Diese und ließ ihn nochmals wählen, worauf er nach 
Aralez sind Geister des altarmenischen Glau- langer Wahl wieder zu seinem ursprünglichen 
lens, welche Tote, insbesondere Gefallene, zum Lose griff. — Wir haben also bei den arme- 
Leben wieder zurückiufen können. So wie die niscben Historikern, bei Piaton und bei den 
Geschichte bei den christlichen armenischen 40 Batak drei Ausstrablungen einer Sage, in wel- 
Historikern vom Ende des 4. Jahih. an vorliegt, eher von der Beise ins Jenseits erzählt wird; 
ist es, wie S. Gelier, Ber. dir sächs. Ges.phil.- der Held der Erzählung berichtet dann, was 
hnt. Kl.iS (1696), 128ff. gezeigt hat, eine ratio- er dort gesehen. Beiden armenischenHistorikern 
nalistische Umwandlung eines alten Mythos, in- ist dieser Bericht des Helden fortgefallen, bei 
dem das Gaukelspiel der fcemiramis hinzuge- Piaton und den Batak liegt aber eine im wesent- 
fügt wurde. Ursprünglich ist Ära wirklich liehen identische Auffassung von der Wahl der 
wieder aufgelebt. Dies, an sich tchon wahr- Lebenslose u. a. vor. In dem platonischen My- 
scheinlicb, wird zur Sicherheit erhobtn durch thos haben wir also einen festen Funkt, an 
den Vergleich mit dem platonischen Mythos dem wir den Einfluß des Orients auf Erzäh- 
von Er, dem Pampbylier, dem Sohn des Arme- 50 lungen von Wanderungen ins Jenseits feststellen 
nios (Bep. 10, 614ff.), mit dem man die Erzäh- können.] Piatone Nachbildung der armenischen 
lung von Ära, dem Armenier, schon längst zu- Erzählung macht es wahrscheinlich, daß auch 
sammengestellt hat; vgl. zuletzt Caroliäis, Anu- diese darauf hinauslief, daß der Wieder- 
bis, Hermes, Michael 1913, lOff. Der platonische erstandene von den Dingen im Hades erzählte, 
Er erzählt nach seiner Wiedererweckung, was [wie es auch der J'atakknale tut]; vgl. 0. Bd. 3, 
er im Jenseits geschaut hat. Das Wesentliche Sp. 2268. Ist die Annahme richtig, daß der pla- 
dieser Erzählung ist die Lehre von der Wahl tonische Er den ersten Bestandteil des Namens 
des Lebentloses, mit dem der Mensch noch der Erikapaios bildet, so darf dieser Mythos wohl 
Wahl unentrinnbar verknüpft ist. Jeder Mensch als kleinasiatisch angesehen werden; ein Dio- 
hat seinen Dämon und sein freigewähltes Le- 60 nysos 'HQtx(e)n(aios) ist jetzt aus der Gegend 
bensschicksal , über dessen Erfüllung der Da- zwischen Thyateira und Hierokaisareia bezeugt 
mon wacht. Nun ist es höchst merkwürdig, ( Wientr ßenlschr. 53 (1910), 2, 112); weiter bin- 
worauf ich gelegentlich schon hinwies (Pauly- auf den Gott nach Assyrien zu verfolgen (Jf. Urtft, 
Wissoua-Kroll 11, 2127), daß wir diese wesent- Wien. Stud. 34 (1912). 288ff.), würde ich nicht 
liehen Gedanken des platonischen Mythos auch wagen, obwohl die Verknüpfung des Ära mit 
bei einem räumlich weit entfernten Volke, deD Semiramis darauf hinweisen könnte. 
Batak auf Sumatra, wiederfinden. Sie unter- 4. Wie die griechischen Dichtungen von den 
scheiden genau zwischen der Seele (begu, i/.«jif) Unterweltsfahrten mit dem Gilgameschepos zu- 



39 Unterwelt Unterwelt 40 

saminenhängen, ist z. T. noch vollkommen an- daß Herakles, nachdem er die Äpfel der Hespe- 
klar obgleich die sachliche Übereinstimmung riden geholt hatte (ebd. 1027, 35 ff), schließlich 
ziemlich groß ist. [Am sichersten läßt sich bis den Auftrag erhielt, den Höllenhund auf die 
ietzt der Znsammenhang der antiken Tradition Oberwelt r,u schaffen. [S. jetzt auch B. Schwett- 
mit dem assyrischen Epos bei den späteren zer, Herakles 1922, 185 ff. mit z T. unsicheren 
Passungen des Alexanderromans dartun. Auf Vermutungen.] Wie weit der Hades selbst ge- 
Einzelheiten hat n. a. Greßmann a. a. 0. hin- schildert war, läßt sich weder aus den ältesten 
gewiesen. Außer den bekannten Fassungen des literarischen Zeugnissen noch aus den archai- 
Ps -Kall ist dabei auch auf abgelegenere Stücke sehen Kunstdenkmälern ersehen; die (bespräche 
zu 'achten, wie etwa das im Manch. Mus. f. 10 mit den Heroen, von denen namentlich das 
Philol desM-A.'s 1 (1912), 263 ff. publizierte la- mit Meleagros berühmt war, und die Befreiung 
teinische Stack, mit dem die Reise in der Ma- des Theseus sind nachträglich hinzugefügt, 
karioslecende große Ähnlichkeit hat; vgl. Theol. Den Eintritt in den Hades, verschafften dem 
X»<-Wl912,572f.; s. auch /. Friedländer, Die Helden wahrscheinlich die Aplel der Hesperi- 
Chadhirlegende und der Alexanierroman 1913; den, den Kerberos band er mit eigener Kraft, 
Pfister Berl.phil Wschr. 1913, 912 ff.; Rhein. nicht, wie es die Vas^nbilder darstellen, unter 
Mus 66(1911) 458ff — Über andere orienta- dem Schutze der Athene und des Hermes. Der 
lische Hadesfahrten und U.-Vorstellungen s. Aufstieg erfolgte, wie es scheint, in Troizen, 
ietzt auch Greßmann, Vom reichen Mann und wo Eurystheus herrschte, und dieser wurde 
armen Lazarus, Abh. der B.A. W. 1918, 7; über 20 schließlich durch den Hund zerrissen (Pauly- 
die hinduistischen Vorstellungen E. Abegg, Der Kroll 1028, 8 ff.). 

Pretakalpa des Garuda-Puräna, 1921 mit inter- 7. Daß in den Nostot die Unterwelt ein- 

essanter Textpublikation; dazu W. Kitfei, Die gehend geschildert war, ergibt sich aus Paus. 

Kosmoqraphie der Inder 19 20, wo sich viele 10, 28, 7 ; nach Dümmler, Kl. Sehr. 2, 888 ff. war 

Parallelen zu den im folgenden besprochenen hier aber nicht die Hadesfahrt eines Lebenden, 

antiken Vorstellungen finden.] sondern die Ankunft des ermordeten Agamem- 

5 Gleich dem assyrischeu Heldenlied be- non in der Unterwelt geschildert. Allem der 
dient sich das griechische der Hadesfahrt, teils Vergleich mit der kleinen Nekyia der Odyssee 
um die Teilnahme für den Mann, der das furcht- (wirf.), die nach Dümmler von den Nosten 
bare Wagnis unternommen hat, zu steigern und 30 'stark beeinflußt' ist, trifft nicht zu; denn es 
den Hörer zu erschüttern, teils auch, weil die ist unwahrscheinlich, daß sich eine austuhr- 
Schilderung Gelegenheit bot, von den Helden liehe Beschreibung des Hades an die Ankunft 
vergangener Zeiten zu erzählen und Zukünf- eines Toten daselbst schloß. Es ist daher auch 
tiges weissagen zu lassen. Andere griechische für die Nosten der Abstieg eines Lebenden an- 
Dichter berichten freilich in ganz anderer Ab- zunehmen, von dem allerdings der Auszug des 
sieht von einem Abstieg in die Unterwelt. Proklos nichts meldet; deshalb kann auch nicht 
Die religiös-philosophische Spekulation hat festgestellt werden, welcher der Helden hin- 
ihre Lehren von dem S ^hicksal der Seele untergeführt wurde. Welcher, Ep. Cycl. 1, 281 
nach dem Tode Jahrhunderte lang durch einen (anders 2, 297) und Stiehllee, Philol. 8 (1853), 69 
erfundenen Abstie<* in die U. zu beglau- 40 dachten an Neoptolemos, Kirchhoff, Odyss. 354 
bigen versucht; die°ünterhaltuugsliteratur, die anOdysseus; mir scheint wegen der Bedeutung 
Komödie und die Parodie haben in gleicher der Atreiden in den Nostoi erwägenswert, ob 
Weise sich des wirksamen Mittels in ausfuhr- Orestes vor dem Muttermord den Geist des 
lichsten Dichtungen und noch häufiger in kur- Vaters befragte. [Nach Kern,N.Jbb. 26,1(1923), 
zen Andeutungen zunutze gemacht. Alle diese 64 schlössen die Nosten mit der Entruckung 
Werke aufzuzählen kann an dieser Stelle nicht des Menelaos in die elysischen Gefilde.] 
versucht werden; selbst die umfangreiche Un- 8. Die große Nekyia der Odyssee U) ist nicht 
tersuchung von Ettig, Acheruntica, L-ipz. Stud. ein der Dichtung ursprünglich fremdes Stuck; 
13 2 1891 muß sich an vielen Stellen mit An- sie entspricht vielmehr so vollkommen den 
deutun^en begnügen. [Dazu jetzt auch Gern- 50 künstlerischen Absichten des Dichters, der die 
schinietz a. a. 0.1 Aber mehrere für die Ge- ihm vorliegenden Sagen von Odysseus ver- 
schichte der Hadesvorstellungen wichtige Punkte einigt, ausgeglichen und zu einem Epos geformt 
werden am deutlichsten hervortreten, wenn sie hat, daß ihr Fehlen die Vermutung einer Lücke 
im Anschluß an bestimmte Schriftdenkmäler in der Dichtung aufdrängen würde. Es sollen 
zur Sprache kommen. Es gilt vor allem, die in Begebenheiten, die sieh über wenige Tage 
Voraussetzungen, Bedingungen und Ziele der erstrecken, das ganze Leben, das ganze Wesen 
Werke darzulegen, in denen die Hadesvorstel- des Helden dargestellt werden. Wenn die Ju- 
lun^en entstanden sind ; aber diese Werke sind gend und die Kämpfe vor Troia durch gelegent- 
meist nicht die, welche jetzt vorliegen. Diese liehe Episoden angedeutet werden und der Be- 
hauen vielmehr gewöhnlich schon eine lange 69 rieht des Odysseus bei den Phaiaken austuhr- 
Überlieferung vor sich. liehe Kunde von den Irrfahrten gibt, so ver- 

6 Die älteste uns erreichbare Hadesfahrt langt der Hörer auch Aufschluß über das weitere 
war die in d»m Liede von den zwölf oder zehn Schicksal des Helden. Diesen hätte freilich auch 
Kämpfen des Herakles, das in der Blütezeit Kirke geben können, die u 38 die Heimfahrt 
der argivischen Kultur gedichtet ist. Soweit beschreibt, aber erstens gehörte ein Abstieg 
sich der Verlauf dieses Teils der Dichtung aus des Helden in den Hades wahrscheinlich schon 
den dürftigen Besten wiederherstellen läßt damals zu den beliebten Kunstmitteln des Epos, 
(vgl Pauly-Kroll 3 Suppl. 1077f.), war erzählt. sodann gestaltete es die Darstellung mannig- 



41 Unterwelt Unterwelt 42 

faltiger, wenn der Dichter die Wegbeschrei- daß der Mensch nach dem Tode offenbar das 

bungund die Schicksalsverkündigung zwischen leide, was er insgeheim schon lebend tragen 

Kirke und TeiresiaB teilte, wie er aus demselben mußte, worin doch fast schon der weitere liegt, 

Grunde den Schluß der Irrfahrt von dem Apo- daß das Leben ein geheimer Tod sei. Daß 

logos gesondert und in der dritten Person er- dieser Gedanke mit den sonst in der Nekyta 

zahlt hat: drittens fand der Dichter wahrschein- Torgetragenen Voraussetzungen streitet, ist dem 

lieh unter den vielen ihm vorliegenden Gedieh- Dichter so wenig als ein Anstoß erschienen 

ten über seine Helden auch eines vor, das ihn wie seinen Hörern, denen die Erinnerung an 

zu Teiresias in Beziehung setzte. Bedenklich eine beliebte und eindrucksvolle Dichtung und 

scheint dabei freilich x 639f., wo Kirke dem 10 vielleicht deren Fortführung Genuß bereitete. 

Odvsseus verheißt, Teiresias werde ihm öSov — Eine bestimmte Stelle für den Abstieg sei- 

x«! \izou nXeiöov viexov xs verkünden, wäh- nes Helden hat der Dichter wahrscheinlich 

rend nicht der Seher, sondern Kirke selbst nicht im Auge gehabt. Einzelheiten erinnern 

spater diese Auskunft erteilt. Der Anstoß ließe an die südrussische Steppe, die, wie v. W%la- 

sich verhältnismäßig leicht durch eine Inde- mowitz, II. u. Hom. 4M hervorhebt, für den 

rung des Teites beseitigen; aber wahrschein- hellenischen Schiffer jenseits des großen Was- 

lich liegt hier einer der vielen lalle vor, welche sers lag. Allein die Vorstellung, daß der m- 

die irrige Vermutung von einer mosaikartigen gang zur U. durch ein Meer oder den Welten- 

Zusammensetwing oder von Eindichtungen bei ström von den Lebenden getrennt sei, war seit 

den ftommsehen Epen hervorgerufen haben: so uralter Zeit gegeben, und die oberflächlichen 

wie alle großen Dichter setzen auch die der Ähnlichkeiten der Beschreibung sind kaum 

Ilias und der Odyssee bei ihren Hörern ein anders zu beurteilen als die Anklänge an An- 

uDgewöhnliches künstlerisches Verständnis vor- stalten zur Befragung von Toten, wie sie auch 

aus und lassen daher Begründungen aus, die noch Zeitgenossen des Dichters aufsuchten, 

der heutige künstlerisch weniger gebildete oder An irgend etwas Tatsächliches muß auch die 

wenigstens an stärkeres Auftragen der seeli- freieste Einbildung anknüpfen. [S. jetzt auch 

sehen Begründung gewöhnte Leser nicht gleich den Aufsatz von Ganschiniete in den Chansteria 

versteht und die ihm, wenn sie ihm einfallen, Casimiro de Morauski oblata 1922, Slff., den 

leicht als gekünstelt erscheinen können. Kirke ich nur aus dem Referat von Klotz, PhtlWschr . 

kann freilich dem Odysseus den Weg sagen, so 1928, 1033 f. kenne, und Lehmann- Haupt bei 

aber dann hat sie ihn verloren; darum ver- Pauly-Wissowa 11, 426 ff.] 

beimlicht sie zunächst ihre Kenntnis und schickt 9. Die Hadesfahrt des Theseus scheint 

ihn zu Teiresias, in der stillen Hoffnung, ent- ebenso wie die des Odysseus an eine in Le- 

weder werde Odysseus durch den Auftrag, in genden gegebene Verbindung des Helden mit 

den Hades hinabzusteigen, überhaupt von sei- einem Unterweltseingang anzuknüpfen (Gruppe, 

nem Vorhaben, abzufahren, abgeschreckt wer- Gr. Myth. u. Meligionsgesch. 684 ff.); vielleicht 

den oder Teiresias werde das ihm im Fall der war er ein alter Bachedämon wie die Amazo- 

Rückfahrt drohende Schicksal so furchtbar nen und Peirithoos 'der überschnelle , mit 

schildern daß er es vorziehen werde, zu ihr denen er jedenfalls früh verbunden worden ist. 

zurückzukehren. Aber so eng demnach die 40 Seine Aufgabe wird darin bestanden haben, 

Hadesfahrt der Odyssee mit den Hauptzügen den verurteilten Frevler vom Felsen (oxCpos, 

derDichtungverknüpftist,soliegtdochderVer- cxfpos) des Gerichtes ('1 hemiskyra) zu stoßen, 

mutung daß sie ganz oder wenigstens z. T. wie es die Skironsage vermuten läßt; wurde 

nachträglich eingeschoben sei, insofern ein dagegen der Angeklagte vom Morde freigespro- 

richtiger Gedanke zugrunde, als in ihr Vorstel- chen und nur wegen Tötung verurteilt zeit- 

lungen benutzt sind, die ganz anderen Gedan- weilig als 'Wolf in der Verbannung zu leben, 

kenkreisen entstammen müssen als der übrige so scheint nach einer eigentumlichen Recnts- 

Sagenstoft des Epos. Der Dichter verstand Symbolik der bei der Verhandlung anwesend 

zwar vielleicht noch den seinem Verzeichnis gedachte RachegeiBt ausgewiesen oder in die 

der Büßer (X 676 ff.) zugrunde liegenden zur 50 Tiefe zurückgestoßen worden zu sein, woraus 

Mystik des 6. Jahrh. führenden Gedanken, daß die Sagen von Lykos {Tzetz. Lykophr. 378) und 

alles Begehren und alles Streben nicht zur Be- Lykomedes (o. Bd. 2, Sp. 2179, 3ff.) geschöpft 

friedigung, sondern nur zu immer neuem Ver- wurden. Denn drunten unter der Erde oder 

langen und Ringen führen müsse (s. u. 64); nach der Legende solcher Gerichtsstätten, bei 

er mag auch, um das Bild deutlicher zu machen, denen die Verurteilten ins Meer gestürzt wur- 

einzelne Züge hinzugefügt haben; aber das den, unter diesem dachte man sich den Wohn- 

Ganze ist nicht seine Erfindung. Er beherrscht sitz des Dämons, der deshalb auch geradezu 

den ganzen geistigen Schatz seiner Zeit, ihn Unterweltsgott werden und z. B. als Gatte oder 

zu mehren und die Hörer an ihn zu erinnern Liebhaber, ursprünglich aber wahrscheinlich 

betrachtet er als eine dankbare Aufgabe, durch eo als Entführer der lichten Aigle,Phaidra,Anadne 

die sein eigenes Werk neuen Glanz erhält. und Helena gelten konnte. Die zuletzt genannte 

Wie er Agamemnon (405ff.) im Anschluß an Legende hat im 7. Jahrh. ein argmscher Dich- 

die Nosten von seinem Schicksal, Odysseus dem ter benutzt, um den Sieg seines Fürsten über 

Achilleus von dessen Sohn (608 ff.) nach der Athen in der Sage widerzuspiegeln. Nach 

kleinen Ilias erzählen läßt, wie er nach frühe- seiner Dichtung, die zugleich altargohscne 

ren Dichtungen den Franenkatalog schafft, so Überlieferungen verwertet, ziehen die Dioskuren 

entlehnt er zu sinnvoller Unterbrechung seiner gegen Athen, das von Theseus dem Räuber 

Erzählung einem älteren Werk den Gedanken, ihrer Schwester, beherrscht wird, erobern die 



43 Unterwelt Unterwelt 44 

Stadt und stürzen den Frevler am Kolonos Dichter mit ihm gemeint haben mag, als Mensch 
Hippios, der Gerichtsstätte, in die Unterwelt geschildert. Für die Geschichte der Hadesvor- 
(s. u. nr. 20). Diese Sage hat ein athenischer Stellungen ist diese Dichtung von besonderer 
Dichter umgestaltet; der Rachezug der Dioskn- Bedeutung, weil sie zuerst mystische Gedanken 
ren blieb zwar bestehen, aber Athen wurde ausspricht oder wenigstens andeutet, welche 
nicht erobert, und Theseus stieg vor dem Ein- die damalige orphische Literatur bewegten und 
fall der Feinde, der eben dadurch ermöglicht von den Athenern auch in den eleusinischen 
wurde, freiwillig als treuer Freund des Peiri- Weihen gefunden wurden. Indessen bildet dies 
thoos in die Unterwelt. So ungefähr mag die und überhaupt die ganze Verlegung des Schau- 
Sage etwa im Anfang des 6. Jahrh.s in der 10 platzes in den Hades, die übrigens im Stücke 
Minyas (fr. 1 bei Paus. 10, 28, 2) und in einem selbst (v. 180) erfolgt und kaum durch die 
dem Hesiod zugeschriebenen Gedichte darge- Bühneneinrichtungen erheblich angedeutet ge- 
stellt gewesen sein. Beide Gedichte enthielten wesen sein kann, nur ein Beiwerk in der Dich- 
wahrscheinlich ausführliche Beschreibungen der tung, das freilich mit deren Hauptinhalt so 
U. Ob Theseus in diesen altathenischen Sagen- eng zusammenhängt, daß es als solches nicht 
fassungen aus eigener Kraft wieder heraufkam erscheint. [S. jetzt auch Iladermacher, Aristo- 
oder, wie Pfister, Der Reliquienkult im Alter- phanes' Frösche, 8.-B. W. A. 198, 4, 1922.] 
tum 1, 198 ff. nachzuweisen sucht, in ihr dau- 18. Das Vorbild der älteren attischen • Ko- 
ernd verbleiben mußte oder endlich durch He- mödie hat .jahrhundertlang fortgewirkt. Wäh- 
rakles befreit wurde, gestattet die Überliefe- so rend die bildende Kunst, namentlich die unter- 
rung, soviel ich sehe, nicht zu entscheiden. italische Vasenmalerei jetzt mit Vorliebe Un- 

10. Über Orpheus' 'Hadesfahrt' ist aus- terweltsdarstellungen gibt, enthält sich die 
führlich o. Bd. 3, Sp. 1124, 9 ff., über ihre (wahr- ernste Dichtung des abgebrauchten ins Ko- 
•cheinlich irrige) Gleichsetzung mit der Minyas mische gezogenen Motivs fast ganz; wenigstens 
ebd. Sp. 1130, 44 ff. gehandelt worden. Daß tu hat keine derartige Dichtung auf die Nachwelt 
jtspl ®sc»p(ormi» des Musaios, die nach Clem. erheblichen Einfluß gewonnen. Euphorion ist 
AI. Strom. 6,26,2, S. 761 P. Eugammon in die zwar lange gelesen worden, ob aber das Ge- 
Telegonie aufgenommen haben soll, eine Hades- dicht, das mit der Hinaufführung des Kerberos 
fahrt enthielten, vermutet Vürtheim, De Aiac. schloß (Berl. Kl. Texte 5, S. 57 ff.) mit Hera- 
origine, cultu, patria 210 m. E. nicht mit Recht SO kies' Hadesfahrt eine Schilderung der ü. ver- 
aus Plut. Thes. 31, Paus. 1,17,4. band, ist zweifelhaft. Kallimachos (fr. 161) 

11. Die Tragödie des 5. Jahrh.s läßt kann auf dasselbe Unternehmen gelegentlich 
zwar nicht selten Geister beschwören, erwähnt hingewiesen haben. Unerweislich scheint mir, 
auch einigemal die in der älteren Dichtung was Cessi, Eran. Acta phil. Suec. 8 (1908), 138 ff. 
gegebenen Abstiege, führt aber, was allerdings über ein mehrere Hadesfahrten , auch die des 
auch z. T. durch die Bühnenschwierigkeit ver- Odysseus (Stob. flor. 118,8; vgl. Hyg. f. 251), 
ursacht sein kann, den Hades selbst nur selten erzählendes Gedicht 'Egfiijs des Philitas und 
vor. So spielten Aischylos' Wv%ayiayoi, die des Maaß, Orph. 278 ff. über ein von Verg. Geortj. 
Odysseus Abstieg vielleicht an den See von 4, 466 und auch im 6. Buch der Aeneis nach- 
Stymphalos, oder wie Hartmann, Unters, über *o geahmtes, auch die Hadesfahrt schilderndes 
die Sagen vom Tod des Odysseus, im Vorwort Gedicht 'Ojtpeus desselben Dichters vermuten, 
und S. 109 mit Verweisung auf frg. 276, Max. Aber um so eifriger bedienen sich die Posse, 
Tyr. 14, 2 , Str. 6, 244 zu zeigen verspricht, an die Parodie und die Satire wie einst die atti- 
den Avernersee verlegten, und, wenigstens zur sehe Komödie des Stoffes, der, wie Schiller mit 
Hälfte (vgl. v. Wilamowitz, S.-B. B. A. W. 1907, Recht hervorhebt und in den Xenien auch prak- 
7), der dem Euripides oder Kritias zugeschrie- tisch gezeigt hat, für die Komik in der Tat 
bene JTsjptö'ous in der Unterwelt. sehr geeignet ist. Sotades (Suid.) schrieb eine 

12. Dagegen bemächtigten sich jetzt die xardßaaig etg'AiSov, Sopatros (Athen. 4, 51, 
Komödie (vgl. Ettig a. a. O. 296 ff. ; Pascal, 160c) eine Nekyia, in der er, wie es scheint, 
Cred. di Oltratomba 2, 13 ff.; W. Hoff mann, Ad so die Hadesfahrt des Odysseus parodierte, die 
antiquae Atticae com. symbola, Diss. Berlin aiXXoi des Phleiasiers Timon spielten, wie 
1910, 25) und vielleicht das Satyrspiel (über Meineke erkannt und C Wachsmutli, Corpusatl. 
Aisch. 2i<svtpog o"pa«e'r»]s vgl. Dieterich, Nek. poes. Graec. luäib. 2, S. 36ff. ausgeführt hat, 
77) des Stoffes, der für sie um so dankbarer in der Unterwelt. Vielleicht die meiste Nach- 
war, weil der Widerspruch zwischen dem my- Wirkung hat die Nekyia des Menippos (Ding. 
thischen Ort der Handlung und dem Bühnen- Laert. 6,101) namentlich in der römischen Lite- 
bild die erstrebte Stimmung nicht beein- ratur hinterlassen; in der griechischen scheint 
trächtigte, sondern geradezu erhöhte. So wag- sie eine Zeit lang fast vergessen gewesen zu 
ten es, um nur einige zu nennen, Pherekrates sein, bis sie einem Geistesverwandten Meninps, 
in den KgaaaraXoi und den MtralXfjs, 60 Lukianos in die Hände fiel, der sie moderni- 
AristophanesimFriQvtäSris dem Zuschauer die sierte (B. Helm, Lucian und Menipp, Leipzig- 
U. zu zeigen, und von Eupolis Jjjjioi spielt Berlin 1906) und auf sie den Ruhm mehrerer 
wenigstens der erste Teil in ihr, B. Keil, G. seiner bekanntesten Schriften (vixvopavreiu , 
ff. JV. 1912, 237 ff. Vgl. auch Aristoph. Üiiijptä- Wacltsmuth a. a. O. 81; Helm a. a. O. Hilf.: 
paos und Tayr\viatai. Auch die Bar qu%oi ■tuzäitXovg Helm 63ff. ; XaQiov, ebd. 1615 ff.) 
des Aristophanes gehören hierher, obgleich Dio- gründete. In Tendenz und Ton schließen sich 
nysos der eigentliche Held des Abstiegs ist; an Menippos an und führen dessen Gedanken 
denn der Gott wird, wen auch immer der weiter auch die vsxqixoI SiaXoyoi des Lu- 



46 Unterwelt Unterwelt 46 

Man von denen einige den Menippos als Mit- entstanden waren, ist in der Tat wohl anzu- 
unterredner einführen. Von Hadesvorstellungen nehmen; ob aber erst Vergü das, was «auf 
bieten diese Gespräche nicht viel; noch weni- verschiedenen Entwickelungsstufen seiner Dich- 
ter Zu*«a«s &Xj>»iie iarogla, deren Beschrei- tung schaffen wollte, nachträglich vereinigte, 
bung der Insel der Seligen großenteils Züge oder ob er bereits Überlieferungen vorfand, die 
aus dem Märchen vom Schlaraffenland einmengt seinem Plane widerstrebten, die er aber doch 
oder auch auf freier Erfindung des Schrift- nicht ganz verwerfen wollte, wird sich sohwer- 
stellers beruht. [Solche Züge sind auch in den lieh entscheiden lassen. Nur das kann als sicher 
Utopien von Piaton, Iambulos, Euemeros, Theo- gelten, daß Vergü direkt oder mittelbar auch 
pompös u a. verwendet worden. Diese haben 10 örtliche Überlieferungen benutzte. Vielleicht 
eine meist politische, philosophische oder re- war schon in der Lokalsage der Apollonkult 
ligiöse Tendenz, und die Farben für die Schil- mit dem Nekyomanteion am Avernus verbunden, 
derung der äußeren Zustände entnehmen sie Aber die Hauptanregung empfing der Dichter 
der Sagen- und Märchenüberlieferung von dreier- sehr wahrscheinlich durch literarische Vorbil- 
lei Art: erstens den Sagen von einem glück- der, und zwar weniger durch Alexandriner als 
liehen Zustand in der fernen Vergangenheit, durch das alte Epos, besonders durch die 
im goldenen Zeitalter, zweitens den Vorstel- Odyssee. Dies ist auch begreiflich, da die rö- 
lungen vom Leben der Seligen nach ihrem mische Kunst des augusteischen Zeitalters bei 
Tode und drittens den Märchen vom Schlaraf- starker Abhängigkeit von den Alexandrinern 
fenland und den Anschauungen von glücklichen so doch zugleich die älteren griechischen Werke 
Völkern der Gegenwart an den Grenzen der nachgeahmt und bis zu einem gewissen Grade 
Welt. So bieten auch diese Utopien für uns erneuert hat. Wie Homer beginnt Vergü mit 
Material, um die antiken Vorstellungen vom einem Opfer und einer Totenbeschwörung; und 
Leben der Seligen, worüber u. nr. 56 ff., kennen diese Übereinstimmungen, bei denen der spä- 
zu lernen.l tere Dichter sein Vorbild nicht nur nachzu- 
14 Scherzhaft gewendet ist, wenigstens der ahmen, sondern auch zu überbieten versucht, 
Haupterfindung nach, das Gedicht Culex, das ließen sich leicht durch die ganze Hadesfahrt 
wahrscheinlich Vergü, jedoch in sehr Jugend- verfolgen, doch würde allerdings die Möglich- 
lichem Alter, und zwar, wie jetzt gewöhnlich keit selten ausgeschlossen werden können, daß 
auf Grund von freilich unsicheren Spuren an- 30 zwischen Vergü und seiner Vorlage Mittel- 
genommen wird, nach einer griechischen Vor- quellen lagen, die seine Neuerungen ganz oder 
läge verfaßt hat. Hier erzählt eine von einem teilweise vorweggenommen hatten. — Aber das 
Hirten erschlagene Mücke diesem in nacht- Vorbild der Nekyia in der Odyssee oder ande- 
licher Traumerscheinung die Zustände des Ha- ren älteren griechischen Heldengedichten hat 
des; auffallenderweise wird aber der in dem Vergü nur die Form gegeben; die Gedanken, 
Gegensatz zwischen der Erzählerin und dem die er in diese Form gegossen hat, sind keine 
Gegenstand liegende Widerspruch gar nicht zu anderen als die, welche seine Zeit und ihn 
komischen Wirkungen benutzt oder auch nur selbst bewegten. Abgesehen von der Verherr- 
hervorgehoben und eine parodistische Spitze, lichung der römischen Geschichte, in der seine 
die vielleicht einst vorhanden war, ist jetzt 40 Schilderung gipfelt (756 ff.), ist es namentlich 
nicht erkennbar. — In reiferen Jahren hat die Vorstellung von der Seelenwanderung(724ff.), 
Vergil zwei ernste Hadesschilderungen gegeben, von der Rückkehr der Seelen auf die Erde 
von denen die kürzere {Georg. 4, 466) den Ab- und ihrem endlichen Wiederaufstig zum Hira- 
stieg des Orpheus, die andere den des Aeneas mel, die hier neu erscheint. Nachdem man 
(Aen. 6; herausgeg. zuletzt von Norden' 1916) früher diesen Teil der »erwischen Darstellung 
ausführlich erzählt. Den Aeneas führt die Si- von der Eschatologie Piatons (JIoX. 10, 621; 
bylle, die zugleich Priesterin des Apollon auf vgl. Schmekel, De Ovidiana Pyth. doctr. adumbr. 
der Burg von Kyme und der Hekate am Aor- 59 f.) oder von Zenon abgeleitet hatte, wird 
nossee ist. Diese doppelte Stellung der Sibylle jetzt fast allgemein (z. B. von Sehmekel, Phüos. 
hat in neuerer Zeit Anstoß erregt und zu 50 d. mittl. Stoa S. 451 ff., Norden a. a. 0.; s. da- 
verschiedenen Vermutungen geführt. Gercke, gegen Pascal, Cred. d'Oltretomba 2, 154 ff. , der 
Entsteh, d. Aen. 176 ff. nimmt an, daß Aeneas hier Anklänge an Ennius zu erkennen glaubt) 
nach dem ursprünglichen Plan des Dichters als Quelle Poseidonios betrachtet, in dem die 
nur das Apollinische Losorakel befragte, und neuere Forschung, immer eine Vermutung auf 
daß der Dichter nachträglich die ekstatische die andere bauend, den Begründer fast der 
Weissagung der Sibylle, noch später das Toten- ganzen späteren wissenschaftlich religiösen 
Orakel am Avernus und zwar zunächst in der Weltanschauung sehen möchte. Die Gründe 
Weise hinzufügte, daß der Dichter die künfti- scheinen mir trügerisch. Bekanntlich haben 
gen Helden Roms im Traume sah, während er die alten Vergil- ebenso wie die Homerausleger 
erst zuletzt den Aeneas bis zum Elysion ge- 60 alle möglichen physikalischen oder religiösen 
langen ließ. Nach Corssen, Sokr. 2 (1913) 1 ff. Ideen in ihren Dichter hineingelesen, und so 
hatte bereits Naevius den Helden zum Avernus bezieht Serv. zu Verg. Aen. 6, 887 die Angabe 
geführt, wo ihm die kimmerische Sibylle den aeris in campis auf die Mondsphäre, unbe- 
Geist des Vaters zeigt; mit dieser soll Vergü kümmert darum, wie Aeneas von Cumae, wo 
die kumanische Sibylle, die allgemein für die er hinabgestiegen ist, an die Grenze der Atmo- 
römische galt, verschmolzen haben. Eine Ver- Sphäre gelangen konnte; aus Prob. Ecl. 6,31, 
mischung von Überlieferungen, die zu ver- S. 334,6 bei Thilo-Hagen ergibt sich sogar. 
schiedenen Zeiten oder an verschiedenen Orten daß aus diesem Grunde das überlieferte lalis 



47 Unterwelt Unterwelt 48 

in laetis geändert wurde. Daß die Seelen bei So handelt Bakchyl. 6, 59 ff. von der Hades- 

ihrem Aufstieg zum Himmel, von dem aber fahrt des Herakles, die wahrscheinlich auch 

bei Verqil hier nicht die Rede ist, eine Zeit- Stesichoros im Kießeto« beschrieben hat (vgl. 

lang im Luftraum und zwar, wenn sie schon Mancuso, Atene ei?o»tal7(1914),316,derdiesem 

fast rein sind, im lunaris circulus wohnen, Gedicht entscheidenden Einfluß auf die spatere 

wird öfters, und auch von Bolchen Schriftstel- Heraklessage zuspricht), Hör. c. 8, 11, 18 ff. (wo 

lern ausgesprochen, die wie Plut. fac. in orbe die Leier angeredet wird) von der des Orpheus. 

lun 28 und Sext. Emp. 9, 71 ff. auB Poseido- Eine schauerliche Schilderung der U., wenn sie 

nios schöpfen sollen. Wenn dies richtig ist, sich, wie Crvsius meint, auf diese bezieht, gibt 
stimmt Vergil gerade nicht mit dem Philoso- 10 ein lyrisches Bruchstück in Fayum Towns and 

phen «herein, denn aeris campis kann sich their Papyri (Eg. Explor. F. 8) S. 82 ff., wo die 

nicht auf die Mondsphäre beziehen; und selbst auf einer Ebene liegenden gewaltsam getöteten 

wenn es dies täte, würde sich daraus nicht die von den Poinai ausgelacht werden; s. auch o. 

Abhängigkeit von Poseidonios ergeben, der Bd. 3, Sp. 2606, 68 ff. Dies braucht freilich nicht 

als Begründer dieser Lehre nicht nachgewiesen aus einer Hadesfahrt zu stammen; denn auch 

ist Solcher Art sind fast alle wirklichen Übor- sonst bot sich manche Gelegenheit, die U. zu 

einstimmungen zwischen Vergil und Poseido- beschreiben. Wer trübsinnigen Einbildungen 

nios- es handelt Bich in der Regel um An- nachhiDg, wie z. B. Tib. 1,8, 57 ff., oder seine 

schauungen, die der Dichter bei zahlreichen Freunde in solcher Stimmung wußte, wie wahr- 
anderen und z. T. auch bei solchen Schrift- so scheinlich Pind. in dem für Theron gedichte- 

stellern finden konnte, die älter waren als der ten Siegeslied OZ.2,56ff. (o.Bd.S,Sp.ll26,30flV), 

Modephilosoph seiner Zeit. Daß er auch diesen wer einen Toten beklagte, wie Pind.frg. 129 ö., 

kannte ist anzunehmen, aber schwerlich ent- oder die Hinterbliebenen tröstete [wie Hype- 

nahm er ihm alles das, was diesem jetzt zu- reides im Epitaphios 86, wo er in der Synknsis 

geschrieben wird. zum Unterschied von den zahlreichen festen, 

Durch Vergil ist die Hadesfahrt ein belieb- sich auch bei Bypereides findenden röwot der 
ter Vorwurf für die römische Literatur der .Epj'tapftt'osliteratur, ein sonst in den erhaltenen 
Kaiserzeit geworden. Ovid, der schon Met. 4, Epitaphien nicht vorkommendes kleines U.-bild 
482 ff bei der Erzählung von Iunos Abstieg gibt, in dem vielleicht Plat. Äpol. 41 nachre- 
den Hades beschrieben hatte, schildert Met. so ahmt ist], konnte leicht darauf verfallen, die 
14 105 ff in engem Anschluß an seinen Vor- Schrecken des Hades und die Freuden des 
ganger den Abstieg des Aeneas, um daran die Landes der Seligen auszumalen. Viele einzelne 
Geschichte von der Verleihung des langen AI- Züge bietet die unermeßliche Fülle der Grab- 
ters der Sibylle zu knüpfen. — In Senecas inschriften. Wo die volkstümliche Philosophie 
Hercules furens 661 ff. gibt der von Herakles erbaulich wirken will, greift sie zudem von 
befreite Theseus eine ausführliche Beschrei- Piaton erprobten eindrucksvollen Mittel der 
bung der U. [Über Senecas Apokolokyntosis s. Hadesbeschreibung; Beispiele sind der Mythos 
jetzt Weinreicha Kommentar 1923.] Teils dem von Thespesios in Plutarchs Schrift De sera 
Seneca teils der Nekyia der Odyssee und der num. vind. 22 und die Zalmoxissage (Dieterich, 
Aeneis folgt Silius Italiens, der (13, 417) Scipio 40 Nek. 130; Maaß, Orph. 158 ff.), die m. E. nicht 
am Avernus zur Befragung des Schattens der rein einen thrakischen Erlösungsmythos wieder- 
alten Sibylle, auch hier einer Priesterin Heka- gibt (Kazarow, Klio 12 (1912), 360) sondern 
tes (786) in den Hades hinabsteigen läßt; vgl. mindestens von einem Griechen stark bearbeitet 
Boßbach, Eh. M. 48 (1898), 694 f.; Corssen, ist. Eine besondere Gattung von Texten bilden 
Sokr 2(1913) 12. — Eine kürzere Beschrei- die sog. orphischen Goldtafelchen; vgl. o. Bd. 3, 
bung wenigstens des U.-Eingangs gibt Mopsus Sp. 1124, 9 ff. : zuletzt Olivieri, Lamellae aureae 
bei Valerius Flaccus 3, 377 ff. - Eigenartig ist Orphicac (Kl. Texte 133) 1915; [Kern, Orpht- 
die Beschreibung von des Amphiaraos Abstieg corum Fragmenta 1922, 104 ff.; Nfurchi, ion- 
in, die U bei Statins, Theb. 8,1 ff.: Der Seher tes hütoriae mysteriorum 1923, 36 ff.; dazu Iwr- 
kommt zwar lebend unten an, bleibt aber da- 50 chi, Le religiimi misteriosofiche del mondo an- 
selbst als Toter. — Bei Claudian 35,282 schil- tico 1923, 44 ff.], 
dert Dis der von ihm geraubten Proserpina j|j HadeseingäDge. 
ihr künftiges Reich. ". b ' 

16 Auch in den übrigen Literaturgattungen 16. An zahlreichen Orten wurden vermont- 
knüpft sich an die Erwähnung eines Abstiegs liehe Eingänge in die U. gezeigt. Für den 
oft eine mehr oder weniger ausführliche Be- Gottesdienst hatten solche Stätten in der Blute- 
schreibung der ü. an. Bei Apuleius läßt das zeit des griechischen Mutterlandes nur noch 
eingelegte Psychemärchen die Heldin zur U, geringe Bedeutung, oder es war wenigstens die 
hinabsteigen, wovon die orientalische Erzäh- Erinnerung verblaßt, daß sie Pforten zum Hades 
lung auf die fieitzenstein, S.-B. der Heidelb. 60 gewesen waren. Schon die Zahl der sicher be- 
Ak 1917 das Märchen zurückführt, nicht be- zeugten Hadeseingänge [aufgezählt jetzt von 
richtet zu haben scheint, — Namentlich die Ly- Ganschinietz a. a. O. 2383ff. und u. nr. 20 ff] ist 
rik ist wo sie balladenartig wird, eine Quelle recht groß. Doch lassen sich solche noch viel 
für die Hadesvorstellungen, [über Pindars neuen mehr durch Schlußfolgerungen nachweisen, zu 
Dithyrambos, der des Herakles Hadesfahrt be- deren Rechtfertigung freilich meist längere Er- 
handelte s. Ox.-Pap 13, 1604; Text auch Sokr. örterungen nötig wären. Manche lassen sich aus 
7 (19191 ' Ulf. und in Schröders Suppl. Find.; Mythen wie denen vom Raube der Persephone 
vgl v Wilamowitz, Pindaros 1922, 341 ff.] oder vom Abstieg des Dionysos, Herakles, Or- 



49 Unterwelt Unterwelt 50 

pheus, PeirithooB und Theseus vermuten; auch eingang Stätte des Gerichte. Denn mit den 
die Gräber der Heroen, die weissagen sollten, Mächten des Jenseits war das Gerichtsverfahren 
sind z. T. Unterweltseingänge gewesen. Andere der ältesten Zeit eng verbunden. Bei ihnen 
Heiligtümer lassen sich aus ihren Einrichtun- wurden die Eide abgelegt (s. Waser o. Bd. 4, 
gen als früher zum Verkehr mit der U. be- Sp. 1666 ff.), bei denen der Schwörende sich 
stimmt erschließen. Ferner trugen die Natur- selbst im Falle der Falsch aussage oder der 
male, die einst einen Hadeseingang bezeich- Nichterfüllung seines Versprechens den Göttern 
neten, häufig wiederkehrende Namen; so hieß der Finsternis zu eigen gab. Ebenso wurden 
z. B. ein Bach oder eine Quelle Acberon, Le- diese angefleht, die Wahrheit ans Licht zu 
thaios, Styx, der Felsen, von dem gesprungen 10 bringen und die Richter mit gutem Bat zu 
wurde, Leukas, ein Stein, auf den man sich erfüllen. Ihnen wurde, wenn die menschliche 
beim Zauber setzte, äyiXaarog nhi/u. Gewisse Einsicht versagte, die Entscheidung in einer 
Bäume sollten am Eingang zur Unterwelt Art Gottesurteil überlassen, indem z. B. der 
wachsen, so Eiben, Buchsbäume, Platanen, Angeklagte durch einen gefährlichen Sprung 
Ulmen, Steineichen, Weiden, Cypressen, Pap- in die Tiefe seine Unschuld dartun mußte, 
peln, Feigenbäume. Wo sich jene Namen oder War daB Urteil gesprochen, so wurde der 
Bäume dieser Art von besonderer Heiligkeit, Schuldige den höllischen Mächten überliefert, 
meist durch eine Legende verklärt (vgl. Pfister, und bisweilen wurden diese durch vermummte 
Reliquienkult 1, 358 ff.), bei einer Kultstätte Menschen dargestellt, die das Urteil vollstreck- 
finden, liegt der Gedanke an einen früheren 20 ten. Andrerseits wurde derjenige, der unab- 
Zugang zum Reiche der Tiefe nahe. Auch bei sichtlich Blut vergossen hatte, nach Ablauf 
Vulkanen (vgl. Gruppe, Griech. JUyth. und Bei- der über ihn auuh in diesem Fall verhängten 
Gesch. 809,1; jetzt auch A. Strähle, Die den Verbannungszeit durch eine symbolische Hand- 
Alten bekannten vulkanischen Gebiete, Tübinger lung, die zugleich die rechtlichen wie die re- 
Diss. 1921) stand der Hades mit der Oberwelt ligiösen Folgen seiner Schuld beseitigte, für 
in Verbindung. Als ein weiteres Anzeichen frei erklärt. Bisweilen geschah diese Reini- 
für einen U.-Eingang galt rote Erde; Pauly- gung durch einen dem zu Entsühnenden ge- 
Wissowa-Kroll, Suppl. 3, 1066, 12ff. [s. auch reichten Trank. Floß an der Gerichtsstätte 
die rote Erde in den zwei Legenden bei /. Fried- ein Bach , so führte dieser öfters den Namen 
länder, Die Chadhirlegenck 153 und 171 und so des U.-FlussesLethaios; wer von dessen Wasser 
im MUnch. Mus. f. Phil des M.-A. 1 (1912), trank, dessen Schuld galt als vergessen. [S. 
263. Aber auch weiße Felsen wie die Zx&iqio- jetzt auch V. Ehrenberg, Die Rechtsidee im 
viiig nfrgui (Pfister a. a. 0. 1, 21,203f.) bei frühen Griechentum 1921, 83ff. 46.] 
Megara und der leukadische Felsen.] Ein Cha- 18. Auch im Zauber spielten die U.-EiD- 
ronion bei Thymbria war ein äopro» enriXcaov gänge eine Rolle. Zwar war das Erscheinen 
(Strabo 14,686), offenbar, weil die Vögel der der Toten, das in der griechischen und römi- 
giftigen Dämpfe wegen die Höhle mieden; der sehen Literatur sehr häufig erwähnt wird (Hub. 
gleichen Vorstellung begegnen wir bei dem Mende, De animarum in poesi ep. et dramat. 
Plutonion von Nyea bei fiierapolis (Str. 13, ascensu, Bresl. Diss. 1913), nicht auf diese 
629f.) und bei Kyme in Campamen, aber auch 40 Stätten beschränkt. Am häufigsten wurde ein 
bei dem Blitzgrab des Amphiaraos und, wie solches Institut aufgesucht, um ein Orakel zu 
Petersen, Burgtempel der Athena 77 aus Phi- erhalten. Die hier weissagenden Heroen wa- 
lostr. Ap. Tyan. 2, 10 wahrscheinlich mit Recht ren einst Höhlendämonen gewesen, deren Weis- 
folgert, beim Dreizackmal des Erechtheion, sagungen jetzt, weil von verstorbenen Men- 
einem alten Blitzgrab. Auch mit solchen Blitz- sehen der Vorzeit gegeben, als aus der U. 
gräbern war oft die Vorstellung verknüpft, stammend angesehen wurden. Aber auch jeden 
daß an dieser Stelle der Schoß der Erde offen andern Totengeist konnte man in solchen spiri- 
stehe; Eingänge zur U. galten gelegentlich als tistischen Anstalten (v€*vojiavrila) beschwören, 
vom Blitze geschlagen. Daher stand, wie bei Daß sie im Besitz eines Hadeseinganga zu sein 
Eingängen zur U., ein Feigenbaum bei den 60 behaupteten, war zwar nicht unbedingt er- 
Blitzgräbern auf dem Comitium (Plin. 15, 77). forderlich, ,aber doch der Reklame wegen vor- 
stellen, wo der Blitz eingeschlagen hatte, wur- teilhaft. Ferner wurden die vermeintlichen 
den mit einer brunnenähnlichen Einfriedigung Zutritte zum Totenreich beim Liebes- und 
versehen; dem entspricht es, daß bisweilen Zeugungszauber aufgesucht. Hoffnungslos Lie- 
Brunnen als Eingänge zur U. galten; Ducati, bende wollten durch einen Sprung vom weißen 
Rendic. R. Acc. dei Lincei Ser. 5, 19, 1910, Felsen am Lethestrom Vergessen ihrer Qualen 
S. 176ff. Ferner galten auch Quellen, die aus erlangen, geschwächte Männer und kinderlose 
der Tiefe der Erde hervorbrachen, manchmal Frauen zeugungsfähig oder fruchtbar werden, 
als Eingänge zur U., ebenso auch Seen. Auch indem sie sich auf den Stein setzten. Auch 
manche Heiligtümer der Ge, Themis oder De- 60 sonst hat sich ja der Aberglauben besonders 
meter waren ursprünglich U.-Eingänge. Aus an die Richtstätten angeknüpft; hier dachte 
allen diesen freilich nicht unfehlbaren Kenn- man sich die ßiaw&dvuroi. verweilend, deren 
zeichen läßt sich außer den vielen bezeugten Hilfe beim Schadenzauber angerufen wurde. 
Hadeseingängen noch eine weitere Anzahl mit 19. Schließlich ist noch eines Ritus zu ge- 
mehr oder minderer Gewißheit erschließen. denken, der auch für den öffentlichen Kult 
17. Dazu kommen noch ein paar besondere von Bedeutung war: in größeren oder kleine- 
Vorstellungen , die mit den HadeseingSngen ren Zwischenräumen wurden die Hadesein- 
verknüpft waren. So war vor allem der Hades- gänge geöffnet, damit die Toten emporsteigen 



51 Unterwelt Unterwelt 52 

könnten; Gruppe, Griech. Myth. u. Bel.-Gesch. Unterwelt hinabgestiegen sein soll (Paus. 1, 

761,9. Diese Begehung ist für Athen und Rom 80,4); diese Überlieferung scheint bis in das 

bezeugt, läßt sieh aber für mehrere andere 6. Jahrh. hinaufzureichen und die patriotische 

Gemeinden erschließen und hat wahrscheinlich Umbiegung einer aus dem 7. Jahrh. stammen- 

in noch weit größerem Umfang bestanden, da den argivischen Sage zu sein, nach der die 

die antiken Totenfeste, mittelbar also auch Dioskuren den Theseus, den Räuber ihrer 

die christlichen, sich aus ihr entwickelt haben Schwester, verfolgten, mit Hilfe des Hekade- 

oder wenigstens durch sie mitbestimmt wor- mos besiegten und den Frevler auf der Stätte 

den sind. Nach den Blnmen und Kränzen, den des Blutgerichts in die Unterwelt hinabstießen, 

uralten Totenspenden (s. o. Bd. 2, Sp. 2322. 30), 10 Der argivische Dichter seinerseits kam zu 

hieß das attische Fest Anthesteria (s. o. Bd. 2, seiner Erfindung, weil damals schon auf dem 

Sp. 1148). Verwandt waren die römischen Ro- Kolonos bei dem Hekademoshain, der Akade- 

salia, die jedoch nicht mehr mit einer Öffnung mie, von Theseus erzählt wurde, der ja durch 

des Einganges zum Totenreich verbunden ge- seine mythische Verknüpfung mit den Ama- 

wesen zu sein scheinen. Ebensowenig ist sol- zonen, mit Themiskyra, dem Felsen der The- 

ches für die andern römischen Totenfeste, die mis und durch andere Züge als einer der an 

Lemuria und die Parentalia bezeugt, aber doch der Gerichtsstätte waltenden Dämonen oder 

aus dem vermeintlichen Heraufströmen der Heroen wahrscheinlich gemacht wird. 

Seelen zu erschließen. Um eine Verbindung Halimus besaß ein Heiligtum der Demeter 

mit den Manes handelt es sich nach Ateius so Thesmophoros (Paus. 1, 31, 1), wo nach Bohde, 

Capito bei .Fest. 164 b, 31 (vgl. 142 a, 22) und Kl. Sehr. 2,358 die von Schol. Luc. dial. mer 

Varro bei Macrob. Sat. 1, 16, 18 auch bei der mit der Niederfahrt der Köre begründeten 

Öffnung des Mundus am 24. August, ö. Oktober Schweineopfer in fUyaga versenkt wurden. Daß 

und S.November; vgl. Wissowa, Bei. der Bö- auch hier einmal Gerichtssitzungen stattfanden, 

mer* 284. Doch finden sich daneben anschei- lassen der Kultname Demeters und die Be- 

nend Spuren einer andern Auffassung; vgl. nennung des Hirten Eubuleus vermuten. Doch 

Warde Fowler, Journ. of Bom. Stud. 2 (1912), sind diese nicht sicher alt. 

25ff., /. Harrison und Cornford, Essays and Eleusis rühmte sich später ebenfalls der 

Stud. present. to Bidgeway 1918, 143ff. 163. — Stätte, durch die Köre entführt worden sein 

Über die ni&olyia s. auch nr. 88. so sollte; Paus. 1,38,6; Orph. hym. 18,12. Diese 

Wir geben im folgenden eine Liste der wich- Ansetzung ist aber weder alt noch allgemein 

tigsten sicher bezeugten oder zu erschließenden durchgedrungen. Der für Eleusis spätestens in 

U.-Eingänge. solonischer Zeit gedichtete fünfte homerische 

20. Attika. Aus dem Kult der Semnai, Hymnos läßt die Göttin an einer andern Stätte 

des Piuton und der Ge und dem Oidipusgrab geraubt werden. 'Wahrscheinlich hat erst die 

(Paus. 1,28,6; vgl. Val. Max. 6,8) wird mit infolge der Weltstellung Athens wachsende 

Recht geschlossen, daß hier einst ein Eingang Bedeutung von Eleusis einen Dichter veranlaßt, 

zur U. angenommen wurde; vgl. auch JEur. die Stätte des berühmten Koremythos hierher 

El. 1266 ff. Allerdings meint Bobert, Oidip. zu verlegen. Mit den eleusinischen Weihen hat 

1,38 ff., daß das 5. Jahrh. von dem Grabe des 40 Kores Raub überhaupt nichts zu tun; der My- 

Oidipus nichts wußte; doch sind Beine Aus- thos war deshalb auch nicht geheim, er wird 

führungen unannehmbar. Später blieb zwar der vielmehr schon im homerischen Hymnos aus- 

Areopag Stätte des BlutgerichtB, aber, und führlich erzählt und damit den nicht zu nennen- 

zwar schwerlich erst nach der Erbauung der den Weihen (v. 477f.) entgegengesetzt. Die 

Themistokleischen Mauern, die Bluturteile wur- Höhle nördlich vom Telesterion, die gewöhn- 

den auf dem Kolonos Hippios vollzogen, und lieh als Plutonion gefaßt wird und wahrschein- 

dort zeigte man einen Hadeseingang, ein Oi- lieh auch im Altertum als Stätte von Kores 

dipusgrab und eine Kultstätte der Erinyen. Niederfahrt galt, war in ältester Zeit vermut- 

Erwähnt wird dies Grab zuerst in den 410 lieh der Ort, wo in der Weihenacht von den 

aufgeführten Phoinissen (1707); aus der Nicht- 50 Epopten das Hochfest, die Geburt des Heilan- 

erwähnung in der 67 Jahre älteren thebani- des (Hippol 5,8 S. 164,14; vgl. Orph. Arg. 17) 

sehen Trilogie des Aischylos schließt Bobert gefeiert wurde. Weil dieser Plutos oder Piuton 

a. a. O. mit Unrecht, daß es in der ersten hieß, ist dieser Name im 5. Jahrh., als die 

Hälfte des 5. Jahrh. wenigstens noch nicht Enge des vor der Höhle zur Verfügung stehen- 

allgemein anerkannt gewesen sei. Hier wurde den Raumes die Menge nicht mehr faßte und 

eine xatäßaeig ilg "AiSov angenommen (Apol- zu einer Verlegung der höchsten Weihe nö- 

lod. im Schol. Soph. Oed. Cot. 57), durch die tigte, von attischen Schriftstellern auf Hades, 

Köre niedergefahren sei; Schol. Soj)h. Oed. Col. der nun von der Stätte Besitz ergriff, bezogen 

1593. Ferner sind hier die übrigen mit der worden. Wie diese Höhle ist vielleicht auch 
Hadespforte verknüpften Vorstellungen bezeugt, 60 der nach dem wilden Feigenbaum genannte 

die eherne Schwelle (Soph. Oed. Col. 57), der Erineos, den Paus. 1, 38, 5 als Stätte der Nieder- 

Sprungstein und der Zeugungszauber; Arch. fahrt bezeichnet, für einen Hadeseiugang ge- 

/'. Bel.-Wiss. 15 (1912), 359ff. Über das Ver- halten worden. Endlich ist auch das Kataba- 

hältuis des Sophokleischen Stücks zu diesen sion, wo nach Aster, bei Migne, Patr. Gr. 40, 

Traditionen s. Pftster, Beliquieidult 1, 107 tf. 324 der Hierophant mit der Priesterin zu- 

Daß eine Zeitlang die Bluturteile hier voll- sammenkam, um, wie der christliche Sehriff - 

streckt wurden, läßt sich aus der Sage von steller glauben macheu möchte, Unzucht zvi 

Theseus (s. o. nr. 9) vermuten, der hier in die treiben, wahrscheinlich erst infolge der An- 



53 Unterwelt Unterwelt 54 

gleichung alter Blitzgräber an die Hadesein- der Tiefe weissagen sollte; s. o. 6, 186f. 195, 

gänge, als solcher gefaßt worden. Auch der 86 ff. Gekennzeichnet war der Zutritt zur 0. 

Brunnen Kallichoron, die äyÜattrog »erpa und hier wie oft durch eine versinkende Quelle 

der Stein &va*lrjd-Qa stehen zu dem Hadesein- (Hom. hym. 2, 204 ff.) und duroh einen Baityl, 

gang in Beziehung. der, wie das häutig geschah, mit Wollbinden 

21. An den Küsttin des Euripos ist ein verhüllt und daher Kalypso genannt worden 

U.-Schlund nicht bezeugt. Aber die Platane zu sein scheint. Wie gewöhnlich bei den großen 

(II. B 807; vgl. Paus. 9,19,7) und die eherne Zentralheiligtümern dieser Zeit galt der Fetisch, 

Schwelle (Paus. a.a.O.) von Aulis, die Ama- bei dem sich die verbündeten Geschlechter 

zonensagen von Chalkis (Plut. Thes. 27) und io versammelten, alB Nabel oder Mittelpunkt der 

von dem boiotischen Thermodon (Herod. 9, 43 ; Erde; die Sage läßt Kalypso auf einer Insel 

Paus. 9,19,3) sind wahrscheinlich Reste alter wohnen, macht aber diese zum Nabel des 

Kulte an Unterweltsöffnungen oder der zu ihrer Meeres (Od. a 60). Die Insel heißt Ogygia mit 

Begründung gedichteten Sagen. einem von Ogygos oder Ogygas, dem Vater 

Einen Eingang zur U. bei Tanagra, durch der Praxidikai, abgeleiteten Namen. Dieser 

den Herakles emporgestiegen sein sollte, be- Ogygos ist von dem boiotischen König nicht 

zeugt Schol. Nik. AI. 41, wo Meineke schwer- zu trennen, unter dem die große Flut eintrat, 

lieh mit Recht Taiväfm vorschlägt. Hier spielt und so wird man von dieser auch am Til- 

auch die Sage von Öeha (s. d. Art.), die sich phossion erzahlt haben, etwa so wie später in 

vom Felsen stürzte, die alexandrinische Um- so Athen (o. 8, Sp. 668, 12 ff.), daß durch den 

bildung einer Legende, welche ähnliche Riten Brdspalt das Wasser abgelaufen sei, und daß 

erklären wollte, wie sie für den Kolonos Hip- der gerettete t>gygos den Bundesaltar ge- 

pios zu erschließen sind. Ocha heißt nach dem stiftet habe. 

Birnbaum, und einen heiligen Birnbaum auf Lebadeia. Daß die Trophonioshöhle mit 

dem athenischen Kolonos erwähnt Soph. Oed. dem xaraßäaiov (Schol. Aristoph. Nub. 508) zeit- 

Cöl. 1696. Der Birnbaum diente im Zeugungs- weilig als Eingang zurU. gedacht wurde, lassen 

zauber (Arch. f. Rel.-Wiss. 15 (1912), 376), der die Quellen der Lethe und Mnemosyne vermu- 

in der Tat sowohl an der athenischen Rieht- ten, deren Wasser die Besucher des Orakels 

statte (ebd. 866) als auch in Aulis (ebd. 377) tranken; Paus. 9,39,8; vgl. PUn. 31,15. Bei 

geübt wurde. jo Luk. Nekyom. 22 steigt Menippos durch die 

In Potniai werden piyuQa erwähnt, in die, Trophoniosgrotte aus dem Hades an die Ober- 
wie im attischen Demeterkult, Ferkel versenkt weit. Nach Paus. 0, 37, 7 hatte sich am J)6&eog 
wurden, Paus. 9, 8, 1. In der Tat war bei den kyuptSovs die Erde aufgetan und den Tropho- 
Trümmern der Stadt zu Pausanias' Zeit ein nios verschlungen; s. auch o. Bd. 5, Sp. 1269 ff. 
heiliger Hain der Demeter und Persephone; Etwas nördlich von Lebadeia lag das Laphy- 
allein diese oder wenigstens Köre scheint erst stion, wo Herakles Charops mit dem Kerbe- 
nach attischem Vorbild hier einen Kult emp- ros emporgestiegen sein sollte; Paus. 9,34,6. 
fangen zu haben. Dagegen war hier wahr- 22. In Delphoi gab es ein Heiligtum der 
scheinlich ein alter Hadeseingang; nicht fern Ge und Themis, die das Orakel innegehabt 
davon wird ein anderer Zugang zur U. gelegen 40 haben sollen, bevor Apollon es sich aneignete, 
haben, durch den Amphiaraos in die Tiefe ge- Die Lage des Ge-Heiligtums ist strittig; Corssen, 
fahren sein sollte; Paus. 9,8,3. Da in der Sokr. 1 (1913), 601 ff. sucht es an der Kastalia, 
Nähe der Ismenos oder Knopos fließt, so kann südlich vom Tempel und zwar außerhalb des 
der Ort Knopia, von wo nach Str. 9, 404 das heiligen Bezirkes nahe dem Damatrion und 
Amphiareion nach Oropos übertragen wurde, vermutet, daß hier auch der Drache getötet 
eben dies von Pausanias beschriebene sein. sei. Oft wird eine Höhle erwähnt, aus oder in 
Anders Kutsch, Attische Heilgötter und Heil- der die Orakel gegeben wurden und durch 
heroen (RGVV 12, 3) S. 44f., der Knopia an deren Ausdünstungen die Pytbia mit dem Weis- 
die 'Tlmr; Hi'fi"1 verlegt. sagegeist erfüllt werden sollte ; vgl. Fehrle, Kult. 

Das Tilphossion war während des 8. und so Keuschh. 79ff. Demnach scheint die Schlucht 

auch noch im 7. Jahrh. eine Gerichts- und unter dem Tempel selbst angenommen worden 

Kultstätte von Gemeinden südlich des Kopais- zu sein; allein es ist schwer einzusehen, wie 

sees. Noch Paus. 9, 33, 3 spricht von der be- in den hier in Betracht kommenden Zeiten der 

sonderen Heiligkeit der Eide, die bei den dort Erdgeschichte innerhalb des Tempelbezirkes 

verehrten Göttinnen, den Praxidikai, geschwo- eine derartige Erdspalte, die allerdings auch 

ren wurden, und die Tilphosa Erinys sollte Pomtow, Phüol. 71 (1912), 71 annimmt, bestan- 

dem Ares den Drachen geboren haben; Schol. den haben könne. Strabo 9,419 scheint auch 

Soph. Ant. 117 = 126. Auch hatte nach einer mit einem vorsichtigen qporffl die Verantwortung 

von Schol. W 346 berichteten Sage Poseidon für diese Behauptung abzulehnen. Oppe, Journ. 

als Hengst bei der boiotischen Quelle Tilphusa so Hell. Stud. 24 (1904), 214ff. vermutet daher, daß 

das Roß Areion gezeugt und dem König des be- das Orakel ursprünglich in der Kastaliaschlucht 

nachbarten Haliartos, Kopreus, (o. 2, Sp. 1234, lag und daß bei der Verlegung die alten Vor- 

36) geschenkt, von dem es an Herakles und Stellungen auf die neue Stätte übertragen wur- 

später an Adrastos, den 'Unentftiehbaren', ur- den. Für diese Vermutung, die freilich nicht 

sprünglich einen den Falscheid rächenden Da- alle Bedenken löst (vgl. Bursians Jahresber. 137, 

mon, kam. Auf einen vermeintlichen Hades- Suppl. 1908, 243), spricht, daß das Wasser der 

eingang weist auch die Sage von dem Seher Kastalia oder seine Ausdünstungen prophetische 

Teiresias hin, der hier begraben sein und aus Kraft verleihen sollte. Außerdem ließe sich 



55 Unterwelt Unterwelt 56 

dann das Erdorakel, das vielleicht in der Ka- phü. Wochemehr. 1912, 1030) und laßt daran 
staliaschlucht lag, an jeneB z««!*« versetzen. denken, daß auch dort ein Blutgericht statt- 
Eine Übertragung der Vorstellung von einer fand, bei dem die aufgepflanzte Lanze wohl 
alteren Orakelstätte nach dem späteren Heilig- die Gegenwart des strafenden Gottes anzeigen 
tum von Delphoi seheint in der Tat stattge- sollte, — Nahe Gyrton mündet in den Peneios 
fnnden zu haben, und daraus folgt weiter, daß der Europos, den die Utas B 756 Titaresios 
für jenes ältere Heiligtum die Erdschlucht von nennt und als Zivybg vSaroe inogeml bezeieh- 
besonderer Bedeutung gewesen sein müsse, da netj denselben Ausdruck gebraucht Kirke (Od. 
sonst die Vorstellung von ihr nicht so hart- X 614) von Kokytos. Vielleicht ist mit diesem 
nackig an einer Stelle gehaftet hätte, wo es 10 Namen einst auch der Europos bezeichnet wor- 
ein xäapa nicht gab. Dann aber war wahr- den; doch scheint Plin. 30,81 den AomwiBchen 
scbeinlich jene Erdhöhlung als Eingang in die Titaresios geradezu dem Horkos, also dem Styx 
U gedacht. Dazu stimmen die Bezeichnung gleichzusetzen. — Endlich ist wahrscheinlich 
eines delphischen Wassers, nach Corssen, Sokr. das Heiligtum, aus dessen Legende die Helden- 
1 (1913), 607 der Kastalia, als Styx {Flut. Pyth. sage Thetis entlehnt hat, sei es das spätere 
or 17,402'), die delphische Platane, die Aga- Thetideipn bei Pharsalos, sei es ein altereB, 
memnon gepflanzt haben sollte (Plin. 16, 288; dessen Überlieferung auf jenes überging, ein 
vgl. Castalia arbor Prep. 3, 13, 8; Corssen, Sokr. Eingang zur ü. gewesen. Die Göttin wurde im 
1 [1918], 610); denn die Platane findet Bich auch Binnenlande verehrt und war nicht ursprüng- 
sonst am Eingang zur ü. Ferner auch die ver- 20 lieh Seegöttin; ihr Name ist wahrscheinlich 
sinkende Quelle Kassotis, an deren Ausdün- die Kurzform zu @e«jio#e'«e. Das weist auf 
stungen, wenn Plut. Pyth. or. 17 (vgl. Dümmler, eine Gerichtsstätte; daß auch hier wie bei der 
Kl. Sehr. 2, 187) dieselbe meint, die Priesterin Stätte, die durch die Kaineusiegende beglau- 
sich berauschte. t»gt werden sollte, eine Lanze als Gerichts- 

28. Akarnanien. Epeiros. Das Orakel zeichen in die Erde gesteckt wurde, läßt die 

des Amphilochos, das Aristides 38, 21 S. 318, berühmte Lanze des Peleus vermuten. 

10^(1, 78 Dd/1) nach Aitolien verlegt, das aber 25. Isthmosstaaten und Achaia. Me- 

wahrscheinlich in dem sog. amphilochischen gara. Über den Felsen Anaklethra, dereinen 

Argos war, kann als ein Eingang in die U. Eingang zur Unterwelt bezeichnete, s. 0. Bd. 2, 

gedacht worden sein. Ampel. 8, 2 meint offen- so Sp. 1293, 46 ff. und über den Hadeskult in Me- 

bar dies Argos : unde est ad inferos descensus gara und seinen Kolonien Pareti, Studi sie. ed 

ad tollendas softes; vgl. Bohde, Ps. 1\ 121 A; ital. (Contrib. alla scienza dell' antich. 1, 1914) 

Dieterich, Kl. Sehr. 105. — Ins Thesproterlnnd S. 263 f. — Die unterirdische Höhle am Ist h- 

sollte sich Orpheus der Eurydike wegen gewen- mion, bei der die- heiligsten Eide der Korin- 

det haben (Paus. 9,30,6); ebendort befand sich ther geschworen wurden, war wahrscheinlich 

am Acheron und der 'A%sgovata tipvn (Thuk. ursprünglich als Hadeseingang gedacht. Hier 

1,46; Skyl. 30; Str. 6, 266; 7, 324; Liv. 8,24,2) sollte Melikertes xt*ovtp&tu (Paus. 2, 2, 1), d. h. 

das von Periandros befragte Nekyomanteion wohl als Entrückter fortleben; vgl. Pauly-Wis- 

(Herod. 6, 92, 7). — Ein Abstieg in den Hades soua-Kroll 11, 2141. — Der Gaios, das Heilig- 

im Molosserland ist aus der rationalistisch um- 40 tum der Ge Eurysternos nahe dem Krathis 

gedeuteten Sage von dem König Aidoneus, zu in Achaia, scheint einst als ü.-eingang gegol- 

dem Theseus und PeirithooB kamen (Plut. Thes. ten zu haben; die Priesterin stieg, nachdem 

81, 36), zu erschließen. sie sich durch Trinken von Stierblut einem 

24.' In Thessalien, das doch wegen der Gottesurteil unterzogen hatte (Paus. 7,26,18), 

Zauberei seiner Weiber und auch wegen seiner in eine Höhle hinab, wo sie Weissagungen emp- 

Totenbeschwörungen berühmt war, haben sich fing; Plin. 28, 147. 

nicht viele Spuren ehemaliger Hadeseingänge 26. Elis, Triphylia, Messenien. Daß 
erhalten. Zu erwähnen sind etwa der Fluß Le- der Aschenaltar der Ge an dem Gaion oder 
thaios bei Trikka (Sir. 14, 647), Admetos, der Gaios von Olympia mit dem Orakel der Erd- 
nach einem Hadesnamen, wie die Bezeichnung 50 göttin und das sog. Xx&iuov Qi^tdoe (Paus. 6, 
der Hekate als Väfui'rov xo(»j (Hesych. s. v.) 14,10) einmal als Hadeseingang und Gerichts- 
vermuten läßt, genannte König von Pherai und statte gegolten hat, läßt sich aus den ähnlichen 
seine aus dem Hades zurückgeführte Gattin Weissagestätten der Ge Themis, namentlich 
Alkestis; endlich der vermutlich erst nachträg- der delphischen erschließen. Die Lage ist un- 
lich in die Kentaurensage verflochtene Kaineus, gewiß; s. Weniger, Klio 14,426; E.Curtius,Abh. 
der die Erde spaltend in die Tiefe gefahren 2,60; Maaß, Öesterr. Jahresh. 11 (1908), 7. Daß 
sein soll (0. Bd. 2, Sp. 894, 51; vgl. Bohde, Ps. das Gaion einst zu den alten Kultstätten Olym- 
1, llöf.; Berthold, Die l'nveruundbarkeit in pias auf dem Kronion gehörte, ist nicht un- 
Sage u. Abenß. BGTV11, 1 (1911), 18ff. [Dazu -wahrscheinlich; aber das ifgay^a Jtbs Kaxca- 
das neue Akusilaosfragment F. Gr. Hist. 1,2 F. 60 0ktou, das wahrscheinlich mit dem Ge-Orakel 
22.]). Daß Kaineus seine Lanze mitten auf dem nicht bloß örtlich verbunden war, scheint an- 
Marktplatz errichtet und verehren läßt, hat zudeuten, daß die Kultstätte entweder ursprfing- 
eine Entsprechung an der Aufstellung der Ares- lieh eine andere Bedeutung als die eines Ha- 
lanze auf dem Areopag (HeUanikos FHG 1. 54, deseinganges hatte oder sie wenigstens später 
69; vgl. die Lanze als Muttermal der von Ares gewann. — In Pylos sollte nach einem Ge- 
abstammenden Sparten 0. Bd. 2, Sp. 846, 12ff. dicht, auf das die Utas E 390 (vgl. Pind. Pyth. 
und Beinach, Bei: Inst. rel. 60 (1909), 339, der 9,33) Bezug nimmt, Herakles den Hades iv 
Hesych. Kcidjiov doev vergleicht; s. auch Berl. vcxreaei an der Schulter verwundet haben. Da 



57 Unterwelt Unterwelt 58 

naoh der Sage der tirynthische Held Pylos würde »af die der Euphemossage zugrunde 
einnahm, ist die Andeutung kaum anders zu liegende Zeremonie passen. Indessen besagen 
verstehen, als daß der Schutzgott der Stadt Pindars Worte wirklich nur, was der Soholiast 
dieser im Augenblick der höchsten Gefahr mit aus ihnen herauslas, ei t))v ßälov leaeev eis 
den von ihm beherrschten Schatten zu Hilfe Talvaqov, 'wenn er die Scholle unversehrt nach 
kam. Ist dies richtig, so muß es in Pylos einen Tainaron (seinem Wohnort) gebracht hatte'. 
Hadeseingang gegeben haben. Dafür spricht Dann läge in der Sage nur ein Hinweis auf 
auoh der Name der Stadt, der wahrscheinlich die symbolische Auslieferung einer Scholle zum 
aus den itvlai kiiao zu erklären ist. Eine wei- Zeichen der Unterwerfung eines Landes, und 
tere Bestätigung bietet der von Hom. hym. 8, 10 der unverstandliche Hitus einer Versenkung der 
221. 314 erwähnte &<s<po8elbs ieifträv, wenn die- Scholle in den Hadeseingang fiele fort. Es er- 
ser bei Pylos anzusetzen ist; denn er ist von scheint dies um so eher als möglich, da bei 
der gleichnamigen Wiese der Unterwelt (Od. Dichtern häufig Tainaron das ganze Gebiet, 
X 639 ; a> 13) nicht zu trennen. — Nicht fern später sogar als wichtiger Teil das ganze La- 
lagan dem in den Alpheios mündenden A che- konien bezeichnet, wie es andererseits auch 
ron ein Heiligtum der Demeter, Köre und deB zum Hinweis auf den Hades genügt. 
Hades (Str. 8,314), das an der Stelle eines ehe- In Sparta befand sich ein Heiligtum der 
maligen Hadeseinganges errichtet zu sein scheint. Ge, dasGasepton, k«6Xlav te ixeQ abzb Wjvro 
27. Lakonien. Auf dem Tainaron be- MaXeätr\s, Paus. 3,12,8. Ob hier ein Kultzu- 
fand sich einer der im griechischen Mythos so sammenhang in der Weise vorliegt, daß Apol- 
berühmtesten Hadeseingänge. Durch ihn sollen Ion den alten Dienst der Erdmutter verdrängte 
Herakles hinab (Eur. Serc. für. 23; Apollod. oder zurückdrängte wie in Delphi (Wide, Lok. 
2, 123; Pedias. 12) oder empor (Str. 8, 363; Sen. Kulte 202 f.) oder ob das Geheiligtum wie in 
Herc. für. 813; Entführung des Kerberos aus Olympia aus einem Blitzgrab sich entwickelte 
Tainaron, Palaiph. 40; Tzetz. Chü. 2,396; vgl. (Maaß, Österr. Jahresh. 11 (1908), 13, der für 
ffekat. bei Paus. 3, 2.i, 6; FHG 1, 27, 346), Or- rdBrjmov bei Pausanias einsetzt ev.r\nx6v 'bhtz- 
pheus (o. Bd. 3, Sp. 1100, 22 ff.), Theseus und getroffen'), ist zweifelhaft; aber ein Hadesein- 
Peirithoos (Ap. Rhod. 1, 101 f.) hinabgestiegen gang scheint in der Tat in alter Zeit hier an- 
sein, Hades Persephone entführt (Claud. 35,307), genommen zu sein. — Zweifelhaft ist, ob mit 
Merkur den Laius auf die Oberwelt gebracht so diesem Gasepton die Kaieta [über diese aber 
(Stat. Theb. 2, 56) haben. Ein Psychopompeion auch o. Bd. 6, Sp. 1282, 80] genannte Sohlucht. 
bei Tainaron erwähnt Plut. Sera num. vind. 17, zu verbinden ist, die wahrscheinlich als Hades- 
den Hadeseingang Aristoph. Ran. 187; Str. 8, eingang galt. 

868 u a. Noch nicht vollständig aufgeklärt ist 28. Argolis. In dem Gebiet von Lerna 
die von Find. Pyth. 4, 48 ff. berichtete Sage, (Gruppe, Handb. 179 ff.) wurden zwei, vielleicht 
nach der das vierte Geschlecht nach Euphamos drei Stellen als Hadeseingang bezeichnet. Durch 
in Libyen die Herrschaft erlangt hätte, wenn den einen war Köre niedergefahren (Paus. 2, 
der Ahnherr die ihm von Eurypylos verliehene 36, 7), durch den unergründlichen alkyonischen 
Scholle adcQ %&6viov %iSa erofia in Tainaron Teich Semele von ihrem göttlichen Sohn empor- 
geworfen hätte. Sicher will Pindar damit eine 40 geführt worden; Paus. 2, 87, 5. [Auch hier hing 
verbreitete Geschlechtsüberlieferung gegenüber die Tradition vom ü.-eingang mit geheimnisvol- 
der von ihm befolgten, nach der sie erst im len Riten, SQmjieva, zusammen, und es ist zu er- 
17. Glied nach Libyen kamen, ablehnen und wägen, inwieweit solche Riten den Anstoß zur 
erklären (Studniczka, Kyrene 109; Malten, Ky- Lokalisierung eines U.-eingangs gaben; vgl. 
rene 109); und wahrscheinlich hatte diese ver- Pauly-Wissowa- Kroll 11, Ü166f.] Außerdem 
worfene Sagenfassung den Euphemos auf dem sollte Herakles die lernäische Hydra unter einer 
Tainaron wohnen lassen. Aber das 'Werfen' Platane stehend getötet haben (Paus. 2,37,4; 
der Scholle scheint doch irgendeinen Anhalt Pauly-Wissowa -Kroll, Suppl. 8, 1034, 14). — 
im Ritus haben zu müssen, zumal wenn die Durch die Kynadraquelle in Arg ob soll Ker- 
Bestimmung dahin ging, daß die Scholle in 50 beros entlaufen sein; Eust. Od. v 408,1747,11. 
den Hadeseingang hätte geworfen werden In Her in ione sollten Herakles aus der ü. em- 
müssen (o. Bd. 1, Sp. 1407, 52). Daß Wasser por (Paus. 2, 35, 10) und vielleicht (v. Wilamo- 
von weither gebracht wird, um es in eine Erd- witz, Homer. Unters. 221; Töpffer, AusderAnom. 
schlucht zu gießen, ist aus Bambyke-Hierapolis 40) Theseus und Peirithoos zu ihr hinabgestie- 
bezeugt (Luk. dea Syt: 13) und ist als Regen- gen sein. Eine Xiuvrj 'A%eQovsiu erwähnt Paus. 
zaaber mitunter wohl auch in Griechenland 2, 35, 10. [Mit diesem See ist vielleicht die Tra- 
vorgekommen (Gruppe, Griech. Myth. 94; 816,6), dition vom Hadesgrab in Verbindung zu brin- 
»ber für die Versenkung von Erde gibt es m. gen; Röhde, Psyche 1,134,1; anders Pßster, 
W. nur eine, obendrein nicht völlig passende Beliquienkultl,390, 395.] Ein mythisches Gegen- 
und auch ebenfalls dunkle Entsprechung in 60 bild zu dem argolischen Hermione ist das von 
Rom, wo bei der Stadtgründung in den man- Orph. Ary. 1136 erwähnte Hermione am Nord- 
dus außer Früchten auch von jedem der neuen rand der Erde, dessen Bewohner wegen ihrer 
Ansiedler ein wenig Heimaterde geworfen wer- Gerechtigkeit dem Charon das Fährgeld nicht 
den sollte; Plut. Rom. 11 ; vgl. Ob. fast. 4, 821 f. zu entrichten brauchten. Nach Kalhm. frg. 110 
Der Gebrauch scheint zunächst eine symbo- Sehn, war ein xataßdaiov els"Aiiov in Aigia- 
lische Übertragung der Heimat, in weiterem los, dessen Einwohner nach dem Tode freie 
Sinne aber die Vereinigung der Gebiete, deren Überfahrt in den Hades hatten, weil ihreVor- 
Erde vermischt wird, anzudeuten. Das zweite fahren Demeter Kunde über den Raub der 



59 Unterwelt Unterwelt 60 

Tochter gegeben hatten. [Auch in Hermione u. a. Nach Flut. Kim. 6, ser. num. vind. 10 hat 
sollte der Abstieg zum Hades so kurz sein, der spartanische König PauBanias im vtt.voii.av- 
dafi die Einwohner ihren Toten kein Fährgeld itlov von Herakleia den Geist der von ihm ge- 
mitgaben; Str. 8, 373. Nach Bohde, Psyche 1, töteten Kleonikc von Byzanz beschwören lassen. 
214,3 ist Aigialos wohl — > Sikyon.] Über den 32. Sizilien. Bei Syrakus sollte durch 
Kult des Hades KlymenoB, der Persephone und die Kyanequelle Hades mit Persephone nieder- 
Demeter in Hermione 8. o. Bd. 2, Sp. 1228, 59 ff. gefahren sein; Diod. 5, 4. Bei Firm. Mat. err. 
— Am Markt in Troizen befand sich in alter prof. rel. 7, 4 sind bei Syrakus beide Gottheiten 
Zeit ein U.-eingang, durch welchen Dionysos wieder emporgestiegen. Wenn die Stätte der 
die Semele und Herakles den Kerberos empor- 10 Entführung nach Enna (Cic. Verr. 4, 48. 106; 
geführt haben sollten; Paus. 2,81,2; Pauly- Diod. 6,3 u.ö.) am Ätna (Timaios bei Pt.-Arist. 
Wissowa- Kroll, Suppl. 3,1028, 2 ff. s. auch u. mir. atme. 82; Plut. quaest. nat. 23 u.ö.) verlegt 
nr. 88. — Nemea: Der wahrscheinlich argivi- wird, so sollten vielleicht zwei verschiedene öri- 
sche Dichter, der in die Sage vom Zug der liehe Überlieferungen ausgeglichen werden. Der 
Sieben gegen Theben den Aufenthalt in Nemea Ätna selbst wird, wie viele andere Vulkane, als 
einfügte, hatte eine Legende vor sich, die nach Hadeseingang gegolten haben, ebenso wie der 
den Namen Eurydike, Hypsipyle, Archemoros Lago Nai'tia bei Palagonia, wo die Delloi und 
und vielleicht auch Adrastos, wenn dieser den Palikoi walten; o. Bd. 3, Sp. 1281 ff.; dazu Cia- 
Anlaß zur Verknüpfung der nemeischen über- ceri, Culti e miti della antica Sicilia 28 ff.; [s. 
lieferung mit dem thebanischen Sagenkreis gab, so auch A. Strahle, Die ihn Alten bekannten vul- 
religiöse und wahrscheinlich auch gerichtliche kanuchen Gebiete, Tübinger Diss. 1921). 
Handlungen an einem vermeintlichen U.-ein- 33. Campanien. Die zahlreichen vulkani- 
gang begründen sollte. Daß Hypsipyle nicht sehen Erscheinungen, die heißen, übelriechen- 
erst von Euripides in den Sagenkreis von Ne- den Quellen, die aus dem Lande oder dem 
mea eingeführt wurde, hat Pfister, Reliquien- Wasser aufsteigenden Dämpfe ließen das Ge- 
kult 1, 161ff. gezeigt. biet nördlich vom Golf von Neapel (s. Strahle 

29. Arkadien. Kyllene: Kores Nieder- a.a.O. 22ff.) besonders geeignet als venneint- 
fahrt, Kunon 15; vgl. Paus. 8,15,4. — Nona- liehe Eingänge zur U. erscheinen. In diesem 
kris: Versinkende Quelle Styx; Paus. 8, 17, vulkanischen Gebiet sollten viele Giganten be- 
eil.; s. o. Bd. 4, Sp. 1571, 59ff. Hier war nach so graben sein. Südlich von Kyme lag die 'A%f- 
Curtius, Pelop. 2, 107 einst der Bundesmitte]- oovoiee Xiuvr] (Str. 5, 244f.), nordöstlich davon 
punkt einer Eidgenossenschaft. — Phigaleia: der schon im Altertum mit ihr, wie es scheint, 
i!'v%a yayoi , Paus. 9, 17, 9. — In dem xäapu mitunter verwechselte Aornos IF/.hor. bei Sir. 
yijir (Paus. 8, 22, 8 ; ßaQa&Qov ebd. 8) bei Sty m - 5, 244 : Tim. bei Aristot. mir. ausc. 102 ; hin. 24 , 
phalos versank der gleichnamige Fluß. Viel- 12,4 u. ö); dort auch die Flüsse Styx, l'yri- 
leicht sollte hier der Eingang zur U. sein, durch pblegetlion (Str. 5, 244; .Ins*, a. a. 0.) und Ko- 
den Aischylos in den Wvxaytayoi den Teiresias kytos (I.ykophr. 705), die Sage von Odysseus' 
durch Odysseus befragt werden ließ. Abstieg (Str. a. a. 0.) und das nalatbv vttvo- 

30. Thrakien. Im Haim.osgebirge ist ein pavretov (Diod. 4,22; vgl. Ps.-Skymn. 239; Max. 
Nekyomanteion mit einem Hadeseingang viel- 40 Tyr. 14,2). Über Avernus s. Stolz, Jndogerm. 
leicht aus der Sage vom Verschwinden des Forsch. 22, 248f. 

Aristaios (Diod. 4,82,6; vgl. Bohde, Psyche 1 ! , 34. Rom. Hier gab es mehrere Hadesein- 

116) zu erschließen. gänge, mnndi genannt, über deren ünterschei- 

31. Kleinasien. Im Gebiet des Maiandros düng bei den alten Schriftstellern eine auch 
gab es mehrere Plutonien; Bouclie-Leclertq, durch Thulin, Die Ftrusk. Disziplin 1 7 ff. nicht 
Hist. de la divin. 2, 373 ff.; Str. 12, 579; z. B. zu vollständig geklärte Verwirrung herrscht. Daß 
Hierapolis (Str. 18,629; Buresch, Phil. J hb. der mundus auf dem Palatin der von Boiti 
146 [1892], 286 ff.), wo von Kores Abstieg er- ausgegrabene Tholos aus Tuff war und daß er 
zählt wurde; zu Acharaka, zwischen Nysa als Mittelpunkt der Stadt galt, will Frotiring- 
und Tralles (vgl. noch Str. 14, 649); zu Th ym- so harn, Am. Jtmrn. Arcli. 18 (1914), 314 ff. erwei- 
bria (Str. 14,636). Als ein Charonion erwähnt sen. In einem Fall läßt Bich auch in Korn der 
Antig. Karyst. 123 to oovypa im Latmos. In in Griechenland mehrfach nachgewiesene Zu- 
Magnesia a. M. ist Artemis Leukophryene die sammenhang des U. -eingangs mit ltegenzauber 
Göttin vom weißen Felsen; hier lag am Le- beobachten; denn der Manalis lapis, der als 
thaios bei Aulai eine dem Apollon geweihte ostium Orci galt und wahrscheinlich zu einem 
Höhle, in deren Nähe heilige Männer vom Fei- Mundus gehörte, muß dem zur Regengewinnung 
sen sprangen; Paus. 10, 82, 6. Bei Ephesos benutzten gleich benannten Stein bei der Porta 
war ein Styxwasser, bei dem Keuscbheitseide Capena, wenn nicht gleich, so doch begrifflich 
abgelegt wurden; Ach. Tat. 8, 12 ff. — Akonai ähnlich gewesen sein. Einer der Mundi war 
bei Herakleia Pontica: Höhle Acherusia (Plin. 60 bei der Stadtgründung angelegt und mit Friich- 
6,4); Spitze Acherusias (Ap. Bhod. 2,353. 743; ten sowie mit Erde aus der Heimat der neuen 
vgl. Val. Flacc. 8, 298). Hier sollte Herakles Ansiedler angefüllt worden (s. auch o. nr. 27), 
hinabgestiegen sein (Xen. an. 6, 2, 2) oder den und zwar nach Plut. Born. 11 nach etruski- 
Kerbero» emporgeführt haben, auf dessen Gei- schem Ritus. — Als Eingang zur U. wird auch 
fer das Gift des Akonits zurückgeführt wurde; die schwefelhaltige Quelle Albunea bei Tibur 
Herodoros, FHG2,Sb; Andron, FHG 2, 348; gekennzeichnet, bei der nach Varro eine Si- 
Euphor. frg. 28 Mein.; Dion. Perieg. 788 f.; Seh. bylle geweissagt hatte; o. Bd. 4, Sp. 803, 49 ff. 
Ap. Bhod. 2,364; Seh. Nik. AI. 13; Plin. 27,4 S. auch Verg. Aen. 7, 82 ff. Die Quelle, die eine 



61 Unterwelt Unterwelt 62 

gleichnamige Nymphe (o. Bd. 1, Sp. 224 f.) be- den nicht auf die Dauer durchgedrungen; es 
wohnte, hauchte Schwefeldämpfe aus, was dazu siegte vielmehr, geschützt durch die Nekyia 
beitrug, ihren Ruf als Eingang in das Toten- des Odysseus, dessen Irrfahrten nach dem 
reich zu begründen. — Ein ähnliches Plutonion Westen zu weisen schienen , wenigstens frühe 
am Nar ist aus Ennius, Ann. 7,261 zu er- dort angesetzt wurden, der Glaube, daß das 
schließen; Vergil bat den Vers nach Norden, Totenreich am Westrande der Erde offen 
Enn. und Verg. 26 ff. nachgeahmt. Nach Pas- stehe, und daß dort auch die Gefilde der Seli- 
quali, G. G. A. 1916, 697 ließ Ennivs die Dis- gen zu suohen seien. Allerdings will Kranz, 
cordia in der Thermalquelle verschwinden. Herrn. 50 (1916), 100 nachweisen, daß in beiden 
35. Mythische Uadeseingänge. Außer 10 Nekyien der Odyssee der Eingang zum Hades 
den Hadeseingängen, die an bekannten Stellen vielmehr nach Osten weise; allein durch die 
der bewohnten Erde bestehen sollten, aber auch 'HsXioio niXai (v. 11) mußte die Sonne auch am 
z. T. schon durch mythische Vorstellungen Abend hindurchziehen, und jedenfalls ist spä- 
ver&ndert sind, gab es seit uralter Zeit auch ter die Unterweltspforte gewöhnlich im Westen 
eine Verlegung des Zutritts zum Totenreich in gesucht worden. Diese Vorstellung, die den 
die mythischen Länder am unbekannten Toten mit der Sonne gegen Abend ziehen läßt, 
Erdrande. Freilich ist auch diese Ansetzung ist außerordentlich verbreitet und hat weitere 
ihrerseits nachträglich oft mit Überlieferungen Folgen gehabt, z. B. die, daß in Griechenland 
verschmolzen, die sich ursprünglich auf tat- und Italien die Heroen vielfach am Abend 
sächlich bestehende Psychopompeia bezogen, 20 Opfer empfingen (Pfister, Beliquienkult 2, 491 f.) 
und kann daher von den bisher behandelten und weissagten (TJsener, Götternamen 187), du IS 
nicht überall reinlich getrennt werden. Wie ihre Heiligtümer wie überhaupt die der chtho- 
das assyrische Epos hat auch das ältere grie- nischen Gottheiten oft von Westen her betre- 
chische den Hadeseingang in unbekannte Fer- ten wurden (o. Bd. 1, Sp. 2496, 35 ff.), so daß ihr 
nen verlegt, die Nekyia der Odyssee (1 13 ff.) Bild nach Westen schaute. Namentlich auf die 
an den Okeanos, wo Orphiker (Argon. 1187 ff.; Bestattungsgebräuche wie auf die Einrichtung 
Erg. 212 Abel = 43 Kern) auch Kores Raub an- der Gräber hat die Vorstellung von dem Ha- 
setzen. [Auch die am Ende des 2. Buches des deseingang im Westen großen Einfluß ausge- 
Ps.-KaUibthenes zusammengeschmolzenen Er- übt; die in der alten und selbst in der neuen 
Zählungen von Alexanders Zug zum Lande der so Weit (z. B. in Peru, Waitz, Anthropol. 4, 467) 
Seligen spielen an den Grenzen der Erde.] vielfach herrschende Sitte, die Toten mit dem 
Über die Richtung, in der das Totenland zu Gesicht nach Westen zu begraben, hängt wahr- 
suchen Bei, hatte sich bei den Griechen so scheinlich mit jener Vorstellung zusammen, 
wenig wie im Orient eine allgemein feststehende Diejenigen griechischen Epen, die ihre Hel- 
Vorstellung gebildet. Im Bigveda ist der Sü- dennichtinunbekannteLänderführten[wiez.li. 
den die Himmelsgegend, in der die Väter woh- die Nostoi im Gegensatz zur Odyssee], sie aber 
nen (Oldenberg, Bei. d. Veda 647, 2). Daneben trotzdem in den Hades hinabsteigen ließen, 
findet sich auch eine Ansetzung des Totenlan- mußten als Eingang des finsteren Reiches eine 
des im äußersten Norden, die, begünstigt der bekannten Kultstätten wählen, bei derein 
wahrscheinlich durch die Raubzüge des Nord- 40 solcher gezeigt wurde; und da jeder Dichter 
Volkes der Kimmerier, im 8. und 7. Jahrh. ver- durch die Schilderungen seiner Vorgänger an- 
mutlich in Vorderasien verbreitet war (Gruppe, geregt wurde und ihnen such folgte, so er- 
Handb. 390, 4), aber auch in Griechenland gaben sich schließlich Bilder, in denen offeu- 
Sjmren hinterlassen hat [s. auch Lehmann-Saupt bare Widersprüche nebeneinander standen, die 
bei Pauly- Wissowa 11, 42öff.l; doch dachte man aber keinen Anstoß erregten, weil die Anschau- 
lich hier, wie vereinzelt auch schon im Orient, lichkeit, mit der jeder einzelne Zug geschil- 
den Norden vornehmlich als Land der guten dert war, dem mit Einbildungskraft begabten 
Toten; so wurde, wahrscheinlich im 6. Jahrh., Hörer oder Leser die Erinnerung an andere 
die Vorstellung von dem Hyperboreierland aus- damit nicht übereinstimmende Züge gar nicht 
gebildet, das, wie A. Kürte, Arch. f. Ret- Wiss. so aufkommen ließ. Es ist deshalb ebensowenig 
10(1907), 153 aus Bakchyl. 3, 58ff. folgert, ur- zulässig, solche Anstöße durch künstliche Aus- 
sprünglich das Land der gerechten und glück- legungen wegzudeuten, als sie durch die An- 
seligen Toten war. Der späte, aber gewiß aus nähme verschiedener Dichter, deren Schöpfun- 
älterer Überlieferung schöpfende Verfasser der gen mosaikartig zusammengefügt seien , oder 
Argonautica (1181 ff.) läßt seine Helden am späterer Erweiterer, welche bestehende Dich- 
Nordrand der Erde zu dem Flusse Acheron und tungen. nicht im ursprünglichen Sinn ausge- 
xn einem mythischen Hermioneia gelangen, schmückt hätten, zu erklären. Dies ist nament- 
dessen Bewohner dem Bootsmann der Unter- lieh bei der Nekyia der Odyssee, wo freilich, 
weit wegen ihrer Gerechtigkeit und weil die aber m. E. nicht mit Recht (z. B. von Bohde, 
Tore des Hades so nahe sind, kein Fährgeld 60 Kl. Sehr. 2, 266 ff.), in den einzelnen gesonder- 
zahlten. Überhaupt haben die Mystik des ten Teilen auch verschiedene Stilarten gef'un- 
6. Jahrh. und der von ihr gepflegte erbauliche den werden, und im homerischen Demeterhymnos 
Roman die Vorstellung von den gerechten und (z. B. von Mannhardt, Mythol. Forsch. 219. 1) 
glückseligen Bewohnern der Nordländer eifrig versucht worden; s. o. nr. 8. Auch darf nicht, 
verbreitet. [Auch nach Ps.-Kall. 2, 82 zieht wie z. B. Welcher, Gr. Götterl. 1, 799 meinte (s. 
Alexander nach Norden, um zum Land der dagegen Bohde, Ps. I 1 , 64, 1), ein grundsätz- 
Seligen zu gelangen.] Trotzdem ist die An- lieber Unterschied der Ilias und der Odyssee 
setzung auch des glückseligen Landes im Kor- darin gefunden werden, daß jene den Hades 



63 Unterwelt Unterwelt 64 

unter die Erde, diese an der Welt Ende setzte. der Himmlischen ist Licht und Glanz verbun- 

Vielmebr kennt auch die Odyssee das Toten- den (Pauly-Wissowa, Suppl. 4, 316 f.), während 

reich in der Tiefe (z. B. X 65. 164. 475; v 81; der Unterweltsdämon Eurynomos (s. o. Bd. 1, 

a 106) und in der Ilias (1568; T61; X 482) Sp. 1427) blauschwarz, der christliche Teufel 

ist die Einheitlichkeit in dieser Beziehung nur schwarz ist; s. Pauly-Wissowa 10, 2407 f.] 

deshalb gewahrt, weil der Stoff dem Dichter 37. Verschiedene Vorstellungen von 

keinen Anlaß bot, den U.-eingang am Welt- der U. — Der Hades als Höhle. Wir ken- 

rande zu erwähnen. S. auch Eggers, De Orco nen aus dem Altertum verschiedene Vorstel- 

Homerico 1836; F. Richter, Die homerische Vor- lungen oder, wie man vielleicht richtiger sagt, 
Stellung vom Hades 1873; Th. H. Martin, Tra- 10 Gleichnisse, durch die das Wesen der U. an- 

dit, homir et hesiod. sur le sejour des morts (Ann. gedeutet oder umschrieben werden sollte. Diese 

de l'assoc. pour l'encour. des et. gr. 12, 1878). Bilder widersprechen sich zum Teil und stehen 

Daß solche Eindichtungen stattgefunden haben, unausgeglichen nebeneinander, sind wohl auch 

ist freilich richtig. So gibt gerade in der nicht gleichzeitig entstanden. Sich das Toton- 

Nekyia Iul. Africanus in seinen %eeroi (Ox. reich als eine große Höhle vorzustellen, lag 

Pap. 3, 412; Wünsch, Arch. f. Bel.-Wiss. 12 um so näher, als so viele Grotten als Eingänge 

[1909],2ff.; Pauly-Wissowa-KrolllO,122;Suppl. in die U. galten; daher konnte dies Bild leicht 

4,330) 27 Verse, die in der übrigen Überliefe- entstehen, sich erhalten oder auch erneuern; 

rang fehlen und die — wahrscheinlich sogar es findet sich später auch nicht selten (z. B. 
nicht von einem einzigen Fälscher, sondern in so Anakr. bei PLG 3', 268, 43; Karkin. TGF' 

zwei Absätzen — erfunden sind. Um die An- p. 799, frg. 5; Ap. Bhod. 2, 735; Cic. Tusc. 1, 

nähme eine Einschubes zu begründen, bedarf 37; Lucr. 1,115; Verg. Aen. 6, 400; 7,668; Sil. 

es anderer Anzeichen als der Widersprüche. It. 13, 425; Sen. Ag. 2; Thyest. 106; Sippol. 

Auf dem Gebiet der Hadesvorstellungen, wo 1201; Anth. Lot. 1584B, 3), hat aber, weil es 

das freie Schalten der dichterischen Einbil- in dem Begriffe der U. fast schon enthalten 

dungskraft nur durch Oberlieferungen von sehr war, keine Entwickelung und jedenfalls nicht 

verschiedener Herkunft, nämlich eine bestimmte die Bedeutung gehabt wie die Vorstellungen, 

Anschauung des Weltbildes einerseits und an- die der Einbildungskraft einen weiteren Spiel- 

dererseits die Kulteinrichtungen verschiedener räum ließen. 

Heiligtümer beschränkt wurde, müssen Wider- 30 38. Von diesen ist am frühesten verschollen 

Sprüche anerkannt und hingenommen werden, und nur durch Kunstdarstellungen (o. Bd. 3, 

wie sie sich denn auch tatsächlich in den Sp. 3220, Fig. 11; Sp. 3231, Fig. 12; vgl. auch 

eschatologischen Vorstellungen fast aller Völker die Abb. Bd. 1, Sp. 950) bezeugt und aus My- 

finden. then zu erschließen die Auffassung der U. als 

„ r „ . ., , ¥T . ,. eines Fasses; Gruppe, Griech. Myth. u. Bel- 

IV. Beschreibung der Unterwelt. Gesch 94)3 . ^ 9 . Jane Harrison, die dieses 

36. Lichtlosigkeit. Keine Eigenschaft der Buch rezensiert hat, gibt diese Vermutung, zu- 

U. wird häufiger hervorgehoben als ihre Fin- letzt Proleg. to the Study of Gr. Bei. 82 ff. als 

sternis. Vielleicht ist sie bereits in ihrer Be- ihre eigene. Vielleicht hängt diese Vorstellung 
Zeichnung "AiSr\g ausgesprochen, wenn nämlich *o damit zusammen, daß in sehr alter Zeit die 

diese zu ISelv gestellt werden darf. Außerdem Toten öfters in iti&oi oder jjiirpat bestattet 

heißt aber Hades diä(M«ros, &vaiyr]Tog, &iSj\- wurden; Eurem, Hermes und die Toten 67; 

los, igeytvSg, %vvv%og, xsXaivdrarog , {oqp«pog, Schrader, Mitt. der Schles. Ges. f. Volksk. 12 

Orcns wird pallidus, luridus genannt; vgl. (1910), 61. Wahrscheinlich war in Troizen wäh- 

Bruchmann und Carter, Epitheta deorum. Vgl. rend des 8. Jahrh.s die U. oder die Höhle, 

weiter etwa Eur. Alk. 438; Kaibel, Epigr. 203, durch die man in diese zu gelangen glaubte, 

4; 310,3; Find. frg. 130; Cic. Tusc. 1,37; Verg. als großes Gefäß ausgemauert oder es war ein 

Georg. 4, 471. Eine Dämmerung wie im finstern Gefäß in die Erde gelassen, in das die den 

Walde herrscht bei Verg. Aen. 6, 270 schon in Unterirdischen bestimmten Gaben geworfen 
dem Grenzland diesseits des Totenflusses. [Vgl. 50 wurden; [man denke etwa auch an die Dipy- 

auch das Land der Finsternis, durch welches lonvasen, die auf den Gräbern standen, be- 

Alcxander nach späten Einschoben des Romans stimmt, die Opferspenden aufzunehmen]. Wenn 

zieht, um zum Lande der Seligen zu gelangen; Eurystheus, der ursprünglich König von Troizen 

Ps.-Kall. 2, 37 f.] Die Vorstellung von der Fin- war, auf Vasenbildern in ein Faß (xctXxovv 

sternis der U. findet sich auch in den semiti- itid-og, Diod. 4, 12) gekrochen sein soll, als ihm 

sehen Schriftdenkmälern. Bei den Assyrern Herakles den lebenden erymanthischen Eber 

heißt, wie vielleicht bei den Griechen, die U. oder den Kerberos vorführte, so bat der argi- 

der 'Ort, wo man nicht sehen kann'; [s. auch vische Dichter, der dies zum Ruhm Beines 

den Istarmythos o. Bd. 3, Sp. 259 und J. Kroll, Fürsten erfand, wahrscheinlich an das Faß ge- 
Beiträge zum Descensus ad inferos 1922, 36, 3]. 60 dacht, das den Troizeniern als Zugang zur U. 

Von der finsteren Scheol sprechen Hiob 10, galt. Nach diesem nid-og wurde ein mythischer 

21 f.; Ps. 88,7, 13; 143, 8; Klaget Ier. 3, 6. Name gebildet, dessen richtig gebildete Kurz- 

Dem finsteren Orte des Hades steht das Ely- form nitfreig Bezeichnung für den Großvater 

sion gegenüber; hier spendet eine besondere des troizenischen Unterweltsdämon Theseus ist; 

Sonne purpurnes Licht; Verg. Aen. 6, 641; ahn- [s. auch Ehrenberg, Bechtsidee 34,3]. An ge- 

lich schon Pind. Ol. 2, 67 f.; frg. 129; vgl. auch wissen Tagen, iti&olyiu genannt, scheint man 

Aristoph. Ban. 464; Val. Fl. 1, 844. [Dazu Die- den Eingang zur U. geöffnet zu haben; s. o. 

terich, Nekyia 23 ff. Auch mit der Erscheinung nr. 19. Dies ist zwar nicht für Troizen über- 



65 Unterwelt Unterwelt 66 

liefert, aber in Attika, dessen Kulte zum Teil Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß 
nach troizenischem Vorbild eingerichtet sind, sich an der Stelle ein vermeintlicher Eingang 
und wo auch ein Demos den Namen Pithos in das Totenreich befand, dessen Fürst selbst 
führt, heißt der Tag des Anthesterienfestes, fluiläprjjs hieß; s. o. Bd. 3, Sp. 8826. — IliXai 
an dem die Toten umherschwärmten, Fithoigia; 'Aitao: 11. E 646; 1812; ?F 7.1; Od. £ 156; 
Gruppe, Griech. Myth.94,,161,9; Bobert, Herrn. Theogn. 709; Soph. Oed. Col. 1569; Theokr. 2, 
49 (1914), 31. Wahrscheinlich bezieht sich auf 160; vgl. Lucret. 8, 67; 5, 373; Stat. silv. 6, 3, 
diesen Ritus die Darstellung der Jenaer Le- 267 u. 8. — Über den Türhüter s. o. Bd. 2, 
kythos; Journ. Hell. Stud. 20 (1900), lOlff.; Sp. 1119ff.; 1214ff.; Bd. 3, Sp. 3829 ff. Bader- 
Nilsson, Eran. Suec. 1915, 184. Eine Nachbil- 10 macher, S.-B. W. A. W. 187 (1918), 73 ff. Von 
düng der Pithoigia sieht Maaß, Oesterr. Jahresh. besonderer Bedeutung war die eherne Schwelle ; 
10 (1907), Hl schwerlich mit Recht in dem Hes. Theog. 549; 811; mehr s. im Arch. f. Bel.- 
tiniarum dies bei Migne, Patr. Lat. 40, 1172; Wiss. 15 (1912), 360 ff. Auch von Soph. Oed. Col. 
auch ob die milesische &voiyn&v lopuf (Haus- 57 wird diese genannt; Bobert, Oid. 1, 25 ff. 
soullier, Mtl. et le Did. 281) verglichen werden bestreitet mit Unrecht den Zusammenhang die- 
darf , scheint mir zweifelhaft. Weitere Sagen, ser jjaixojrove 6Sös mit dem von Apollod. beim 
in denen das Faß der U. genannt wird, schei- Schol. bezeugten Hadeseingang, 
nen die von den Aloaden, die den Ares juliia 40. Hades als Land besitzt eine Wiese 
iv xegt&iup banden (II. E 386 f.) und die von (Arjirris Xsipt&v, Luk. nivd: 5), die mit As- 
der Erdgöttin (o. Bd. 3, Sp. 1524, 58 ff.) Pandora 20 phodelos bewachsen ist. Nach dieser heißt die 
zu sein, aus deren Faß alle Übel für die Mensch- Au selbst äatpöSeXog Xsiumv (Od. X 639; 673; 
heit hervortreten; ferner auch die Sage von ra 13; vgl. Luk.Char. 22; Nek.ll; 21; Philops. 
der Erweckung des in ein Honigfaß gefallenen 24 u. ö.). Wenn im homerischen Hymnos (Bd. 3, 
Glaukos (o. Bd. 1, Sp. 1687); b. anch J. Harri- Sp. 221; 344) Hermes die geraubten Rinder ete 
son, Ess. and Stud. pres. to Bidgeway 148. äacpöSelov Xeijiüpu (über die Lage s. Eitrem, 
Wenn endlich Hesiod, Theog. 726 ff. sich den Philol. 66 [1906], 264) zieht, so scheint in der 
Tartaros als ein ungeheures ehernes Faß dachte, ursprünglichen Legende die Unterwelt genannt 
dessen Hals statt mit einem Deckel durch die oder doch, wenn eine irdische Stätte gemeint 
yi}g pifot geschlossen seien (O. Bossbach, Berl. war, diese irgendwie als eine Nachbildung der 
phil. Wochenschr. 1917, 1501), so ist seine Ein- so U. gekennzeichnet gewesen zu sein. Bei My- 
bildungskraft vermutlich durch die Vorstellung stikern , die zwischen dem Schicksal der Seli- 
Ton der faßartigen Unterwelt angeregt worden. gen und dem der Verdammten unterschieden, 
39. Hades als Haus. Besser bekannt sind tummeln sich die Geweihten und die ihnen 
zwei andere Bilder der U., von denen das eine später gleichgesetzten anderen Frommen auf 
«e einem Hause, das andere einem Lande ver- heiligen Wiesen (Aristoph. Ban. 827; 844; 374 
gleicht. Beide Vorstellungen können auch ne- u. ö. in Anlehnung an Mysterienvorstellungen; 
beneinander auftreten; z B. Verg. Aen. 6,269: Pind.frg. 129; Luk.v.hist. 2; 6; Orph.frg.15i 
Ditis domus vacuae et inania regna. Das Haus =222 Kern ; Goldtäfelchen von Thurioi bei 
des Hades ist nicht ursprünglich die Königs- Kern p. 108; Diod. 1, 96; Verg. Aen. 6, 638; 
bürg des Hadesreiches gewesen und hat die 40 744; Anth. Lat. 2, 1233, 17; 688, 9; Synes. hymn. 
erweiterte Bedeutung der U. nicht erst nach- 3,394; [vgl. auch das Relief, das Turchi, Le 
traglich als deren wichtigsten Teil empfangen; religioni misteriosofiche 40 f. = Ausonia 8, 222 
Tielmehr sind beide Bezeichnungen (Haus und mit Find. Ol. 2, 62 ff. vergleicht]) in heiterem 
Land) unabhängig voneinander entstanden. Sonnenglanz, während die Ungeweihten oder 
Dies ergibt sich daraus, daß statt des U.-hauses wenigstens die Sünder unter ihnen im Morast 
läufig dessen einzelne Teile, Türen, Schwellen, (Aristoph. Ban. 146; 273; Plat. Phaed. 13, 69 c; 
Kammern genannt werden, und daß diese Be- Bep. 2,863 u. ö.) und in Finsternis (Bohde,Ps.' 
Michnungen sich bei mehreren Völkern bis in 313, 1 ; Dieterich, Nek. 72 ff. ; 81 ff.) liegen. Auch 
du früheste Altertum ^urückverfolgen lassen, Haine werden als Stätte der Seligen gedacht; 
wie auch die Ausdrücke- 'Baus des Hades' oder 50 Aristoph. Ban. 441 ; Täfelchen von Thurioi 
der Persephone usw. sich von Anbeginn bis p. 108 Kern; Verg. Aen. 6,639; 658; 704; Val. 
gegen Ende des Altertums immer wieder fin= Fl. 1,843; Novn. 19, 189. Ohne Beziehung auf 
den; z. B. avXi] nsgacqiövrie, Kautel, Epigr. die Stätte der Seligen werden die Wälder der 
49*, 1; Ditis aula, Claud. 35,365; aula Orci, U. (Od. x 609) noch häufiger erwähnt, beson- 
Hor. c. 2, 18, 30; aula Plutonis, Buecheler, Anth. ders bei römischen Dichtern, z.B. Vera. Gul. 
Lat.2, 1829, 4; ßaaiXsta nXovtavoe, Plat. 280; Aen. 6,131; 164; Ov.met. 6,541; Val. Fl. 
Axioch. 12, 371a; äöpoi kida, Versgrabschrift S, 402. Doch beschreibt Sen. Herc. für. 697 die 
h. Keil, Herrn. 60 (1915), 468; Quint. Smyrn. 2, U. als der Vegetation entbehrend; das soll den 
«60; II. X52; Od. i 524; o> 204; Kaibel 208, Eindruck des Totenlandes verstärken, der sonst 
4 u. ö.; S6iios 'A%ifovrae, Anth. Pal. 7, 181, 60 meist dadurch erzielt wird, daß die Wälder 
3; tieeßiav, Kaibel Hb, 2; 222,8; ijgäiov, von den auf Gräbern und an den Hadesein- 
Anth. Pal. 269, 7; fräXafios $toae<p6vas, gangen angepflanzten Bäumen Pappeln, Ulmen 
Kaibel 35,4; 60,2; 98,4; 231,2; u^Aa#?a, und Weiden (Gruppe, Handb. 791) gebildet 
Nonn. 36,203 u. a. m. Noch gewöhnlicher ist werden. — In der U. gibt es auch Höhen 
die Hervorhebung der Pforte der U. Mehrere (Aisch. Ag. 1160) mit Felsen (Aristoph. Ban. 
Eingänge zum Geisterreich hießen Pylos; wo 470f.). Von einem Felsen, auf welchem The- 
ein auf -nvXoi oder -nvXrj auslautender mythi- seus und Peirithoos festsitzen , erzählten Pa- 
scher Name bodenständig ist, kann mit einiger ny^sis fr. 9 K bei Paus. 10, 29, 9 und der Dich- 



67 Unterwelt Unterwelt 68 

ter des JI«ip»#oi>e S. 647 N. Einen Berg in 10,11; Stat. Theb. 8, 29 f.; Sen. Herc. fur.UIS. 
der U. setzt die Sage von Sisyphos voraus. — Bei Vergil, der die Styx die U. neunmal 
41. Das Land des Hades wird durch Ge- umschließen läßt (Georg. 4, 479; Aen. 6, 439); 
wässer gegen die Welt der Lebenden abge- anders aber wahrscheinlich mit der uer^tVischen 
schlössen. [So schon im Gilgameschepos , wo Auffassung irgendwie zusammenhängend ist 
der Held , um zu Utnapischtim zu gelangen, die des Stat. Theb. 2, 5 : Styx novem circum- 
das Meer überschreiten muß; ein Fährmann flua campis, obwohl Aeneas in einfacher Fahrt 
pflegt dort überzusetzen. Ein letzter Nachklang über die Stygiae aquae (Aen. 6,874) oder den 
dieser Erzählung findet sich noch in einer spä- ihnen anscheinend gleichgesetzten Acheron(29ö) 
ten Episode des Alexunderromans, Ps.-Kall. 2, 10 in das Totenreich gelangt), ist dem eigentlichen 
30, aber auch sonst wird dieser 'Ort des Über- Orkus eine Art Vorland vorgelagert, die schon 
gangs' in der mit Alexander zusammenhängen- zum Reiche des Dis gehörigen und in ewige 
den Literatur oft erwähnt; vgl. Rhein. Mus. Dämmerung gehüllten fauces Orci (268 ff.), wo 
66 (1911), 458 ff.; Theol. Lit.-Ztg. 1911, 796 f.; sich die Seelen der nicht Bestatteten und des- 
1912, 572 f.; Gressmann, ebd. 1911, 700; ders., halb (II. W 72; Od. I 51 ff.; Lykophr. 907 ; Paus. 
Das Gilgameschepos 137 f.] Der Dichter der 9,38,8; Sil It. 13, 446 ff. ; Mende, De anim. 
Odyssee scheint sich den Eingang zur U. jen- asc. 4) nicht zur Ruhe in der ü. Gelangenden 
seits des Okeanos zu denken, da der in die- hundert Jahre lang umhertreiben, wo aber 
sein versinkende Helios nie die Kimmerier an- auch allerlei Dämonen und sagenhafte ange- 
blickt (i, 13), die in der Nähe dieses Eingangs 20 heuer wohnen sollen. So verlegt auch Ovid 
wohnen; s. 0. Bd. 2, Sp. 1186; vgl. dam Tib. 3, met. 11, 593 die Höhle des Schlafes an den Ein- 
6,24; 4,1,64; Ov. met. 11,592; Sil. It. 12, 192. gang der ü., Sen. Herc. für. 690 ff. läßt den 
In der Nähe befindet sich die Aevxug nitQn Taxusbaum, auf dem Sopor sitzt, an den Toten- 
im 11), die den an den als Gerichtsstätten die- aussen, wie es scheint, ebenfalls am Eingang 
nenden Hadeseingängen stehenden weißen Mal- zum Hades stehen ; s. auch Sil. It. 13, 679 ff. 
steinen entspricht. Statt des Okeanos nennen 42. Namen der U. -flösse. Acheron: s. o. 
jüngere Schriftsteller einen besonderen Toten- Bd. 1, Sp. 9ff. — Alibas; o. Bd. 1, Sp. 230f.; 
fluß, eine Vorstellung, die im heutigen Volks- Maaß, Arch. Jb. 22 (1907), 18 ff.; Immisch, Arch. 
glauben der Griechen fortlebt (Schmidt, Volksl. f. Rel.-Wiss. 14 (1911), 449ff. — Ameles ist, 
der h'eugriechen 236 f.), aber uralt ist und Bich 30 wie v. Wilamowitz, II. und Hom. 370, 2 glaubt, 
auch in der indischen (Weber, Ind. Studien 1 als Hadesfluß spielend von Plat. Sep. 10,621a 
[1850], 398 ff.; Kuhn, Ztschr. f. vgl. Sprachf. 2 (danach lambl. myst. 3,20,5. 148, 13 P.) nach 
[1863J, 316 f.) und ägyptischen (Maspe'ro, Journ. dem Fluß Meles erfunden. Trifft diese Ver- 
As. 4, 16 [1880], 16t) Literatur findet und in mutung das Richtige, to hat Piaton, da er den 
Ägypten damit zusammenhängt, daß die Toten Ameles im Ai$r\s neöiov fließen und die von 
aus den Städten östlich des Nil über diesen ihm Trinkenden alles vergessen läßt, wahr- 
in die Gräber am Westrand des Landes ge- scheinlich zugleich an einen Zusammenhang 
schafft wurden. Gewöhnlich freilich schließt mit jiili» gedacht. — Eridanos: 8. o. Bd. 1, 
später nicht der Okeanos die U. ab; statt seiner Sp. 13081; Pauly- 11 issowa 6, 446 ff. [Dazu 
weiden andere Flüsse des Hades erwähnt, die 40 etwa noch M. Hennig, N. Jbb. 44 (1922), 364 ff.] 
oft nebeneinander, bisweilen übrigens auch — Kokytos: s. o. Bd. 2, Sp. 1267f.; Pauly- 
mit dem Okeanos genannt werden. Vermutlich Wissoua 11, 1065 f. — Gewässer der Lethe: 
beruht es auf einer älteren Überlieferung, daß Ein Fluß dieses Namens wird gewöhnlich ge- 
bei derartigen Aufzählungen die Vierzahl be- folgert aus Ausdrücken wie xotbv Arj&ng oder 
vorzugt wird. So nennt Od. % 613 ff. den Ache- pocula Lethes; aber der ältere und auch spä- 
ron, Pyriphlegethon, Kokytos und Styx; vgl. ter mindestens ganz überwiegende Spracbge- 
Verg. Aen. 6, 297; 385; 551; Plat. Phaed. 61, brauch kennt Lethe nicht als Fluß- oder Quell- 
112e— 113; Dieterich, Nek. 123; dazu die neu- name, sondern nur als appellative Bezeichnung 
platonische Ausgleichung mit der orphischen der Vergessenheit oder als Benennung der Göt- 
Lehre bei Olympiod. zu Plat. Phaed. p. 202 = so tin (o. Bd. 2, Sp. 1966). Wo der Name zur Be- 
Orph. frg. 123 Kern. Hier wird dem Orpheus Zeichnung oberirdischer Flüsse dient, heißen 
von den Neuplatonikern der eigentümliche Sehe- diese stets Arfialog oder Aij&rig xoTupog, nicht 
matismus zugeschrieben, wonach den vierFlus- Lethe. Der Unterschied ist namentlich gegen- 
sen der U. die vier Elemente und die vier über dem ebenfalls nach einem abstrakten 
Himmelsrichtungen entsprechen. Doch haben Substantiv genannten Namen Kokytos zu be- 
sie dies wahrscheinlich in die orphische Dich- tonen, der seit der ältesten Zeit Flußbezeich- 
tung hineingelegt, z. B. die Gleichsetzung des nung gewesen ist. Schon aus diesem Grunde 
Acheron mit der Luft nur daraus gefolgert, ist es zweifelhaft, ob Namen wie Lathon ur- 
daß Orpheus die 'AxsQovoia Xlfivri (frg . 12b Kern) sprünglich etwas mit dem Strom der Lethe zu 
ctegia genannt hatte, und den Okeanos haben «o tun hatten. Dagegen bezeichnet Lethe allein, 
sie nach der ziemlich deutlichen Angabe Olym- worauf ja auch die freie Verwendung des Bei- 
piodors aus Piaton hinzugefügt und ihm dem wortes Lethaeus führt, namentlich in der rö- 
Schema zuliebe den Norden zugewiesen. In mischen Dichtung <z. B. Anth. lat. 2, 218. 5; 
den von lul. A/ric. Ox. Pap. 412 (s. o. nr. 3. : >) 1561c, 3) öfters die U. Der Fluß der Lethe 
überlieferten zur iansehiebung in die Nekyia wird nicht ausdrücklich als Grenzstrom der 
der Od. bestimmten Versen beißen die Flüsse U. bezeichnet; doch scheinen mauehe Stellen 
Acheron, Kokytos, Lethe, Pyriphlegethon. S. darauf zu deuten. d;iß bisweilen die Lethe als 
weiter >Sj7. //. 13. 564 ff. ; Macrob. somn. Sei}). 1, Zugang zum Hades oder als deren Grenzstrom 



69 Unterwelt Unterwelt 70 

gefaßt wurde; so etwa Verg. Cul. 213; Sen. Von beiden mußten die Besucher de* L Tropho- 
Herc für 680. Des Trinkens aus diesem Fluß mosorakels trinken; Po«». 9 89,8. - "lege- 
wird' häufig gedacht; s. o. Bd. 2, Sp. 1956 ff. thon oder Pyriphlegethon: s o. Bd. 8 
Gewöhnlich wird angenommen, daß die dursti- Sp. 2377 f 8847 Am wahrscheinlichsten ist 
een (Gruppe, Handb. 881 ; Dieterich, Nek. 99 f.) immer noch, daß die spater überwiegende An- 
löten mH dem Trinken der Lethe alles Ter- sieht, nach welcher der Feuerstrom zur Be- 
gessen, was sie im Leben gekannt und geliebt strafung der Frevler bestimmt war, wenn nicht 
haben und dadurch in den eigentlichen Todes- der Ausgangspunkt der ganzen Vorstellung 
zustand der Besinnungslosigkeit geraten. Ein selbst ist, so doch diesem sehr nahe hegt. Als 
Toter der in das uJ^v'mvttov ntitov zu 10 Strafe ist das Höllenfeuer, nebenbei bemerkt, 
Osiris eingegangen sein will, sagt in seiner innerhalb der griechischen Literatur erst bei 
Grab»chrift, er habe nicht Ar,»ns UpiSa ge- dem Syrer PUlodemos, «i t l fri&v ool. 19, 22 
trunken; Kuibel 414; T gl. 204, 11. Auf den (Jhk.BAW19U, 7,0.38) zuweisen; t .D le ls 
Goldtäfelchen von Petelia werden zwei Quellen ebd. 80f. - Das Wasser der Styx: s. o. 
in der U. erwähnt. Die eine bei der weißen Bd. 4, Sp. 1666 ff. . 
Zypresse soll der Gläubige vermeiden, dagegen Die griechischen U -Flusse lassen sich m 
von der anderen, der Quelle der Mneinosyne, zwei Klassen sondern: Acheron K^kythos Le- 
trinken. Offenbar ist die nicht genannte Quelle thaios und Phlegethon sind wahrscheinlich im 
die der Lethe. Nach dem Goldplättchen von 7. Jahrh. phoimkischen Überlieferungen ent- 
Eleutherna (Kern, Orph. frg. 82 b) fordert die 20 nommen, und zwar der zuerst genannte mit Bei- 
rechts liegende Quelle bei der Zypresse den behaltung des fremden Namens, der leicht nm- 
vor Durst verschmachtenden Gläubigen auf, gedeutet werden konnte. Wahrscheinlich stan- 
aus ihr zu trinken. Wenn die hier genannte den sie bereits m einem phoimkischen Gedicht 
Quelle, wie wahrscheinlich mit Recht ange- zusammen und sind alle vier durch dieselbe 
nommen wird, die Mnemosyne ist, so muß die Dichtung in die griechische Literatur eingeführt 
zugleich erwähnte Zypresse, sofern der Zu- worden: Daß es yier Flüsse in der Ü. gebe, 
sammenhang nicht ganz zerstört ist, von der war in dieser eine lange nachwirkende überhe- 
iz HvndlMoe des Plättchens von Petelia ferung und scheint schon im ^ Orient so weit 
verschieden sein. Die Alten unterschieden zwei festgestanden zu haben, daß hebräische Erzäh- 
Arten von Zypressen, von denen die 'weiße' 30 1er diese Vorstellung nach und nach umbil- 
»abrscheinlich die weißrindige, angeblich uu- deten. So lassen sich z. B. die vier Paradies- 
fruchtbare cupressus pyramidalis, der Grabes- flüsse (Genes. 2, 10 ff.) und die vier Teile der ü. 
bäum ist ; Bert, phil Wochenschr. 32 (1912), 106. (Henoch 22,1) wahrscheinlich wirklich verglei- 
( Vel auch die beiden zypressenähnlichen Bäume chen. Wo die Namen dieser Flüsse Gewässern 
in dem .feanderbrief Fs.-Kall. 3, 17 p. 123 M . der Oberwelt beigelegt werden, müssen sie also 
und in der lateinischen Epistula ad Aristot. was anzunehmen m E. keine Schwierigkeit 
n 209 K = 8» Pf. Auch hier handelt es sich macht, aus Schriftwerken stammen. Es bleiben 
um ein Land der Seligen, wo Alexander, ahn- dann, abgesehen von dem vielleicht frei erfun- 
lich wie auch in Ps.-Kall. 2,44, Orakel emp- denen Ameles, drei Hadesflüsse übrig, Alibas, 
fanatl - Die Vorstellung von dem kühlen, 40 Eridanos und Styx, die aus dem heimischen 
belebenden Wasser der Mneme oder Mnemo- Kult genommen sind. Von ihnen tragen die 
svne dessen die Begnadeten in der ü. teilhaft beiden ersten vorgriechische Namen, atyx ist 
werden, während die übrigen in Lethe, Be- entweder eine freie altgriechische Namens- 
sinnungslosigkeit, verfallen, findet sich noch in schöpfung oder Übersetzung oder volkstüm- 
mehreren Abwandlungen; sie berührt sich z. T. liehe Umdeutung eines älteren, von den Grie- 
mit der Vorstellung vom Lebenswasser (Gruppe, chen vorgefundenen Namens. _ 
Handb. 1039). Gerade im Gegensatz zu diesen Statt der Flüsse wird Ott auch ein See er- 
wahrscheinlich orphischen Vorstellungen (vgl. wähnt, am häufigsten der acherontische oder 
Orph hymn. 77, 9 f.) läßt Sil It. 13,556 die Se- acherusische See; wir hören aber auch von 
lieen auf den Elvsischen Gefilden Lethe ge- 50 Lethaea stagna (Prop. 4 7, 91), bei Plat. Phaed. 
meßen, was an die Vorstellung von dem sorgen- 61, 113 c scheint Styx der Name des vom 1K0- 
lösenden Vergessenheitstrank erinnert. Schon kytos gebildeten Sees zu sein; vgl auch Orph. 
rern.Aen.li,70ö, der die Seelen vor ihrem frg. 295 Kern, Verg. Aen 6,565 u. ö. Bisweilen 
Wiederaufstieg in die Oberwelt von dem an werden Sümpie als Strafort iur die Ungeweih- 
den placidae domus vorüberfließenden Lethaeus ten und die Frevler bezeichnet; Dieterich, 1sek. 
amnis trinken läßt, scheint diesen in die Stätte 81 ff. 

der Seligen verlegt zu haben. Obwohl der Vor- y Dj(j Reige jn dje jj_ 

Stellung von dem die Besinnung raubenden ,.,.,. n •. 

Trank widersprechend, ist doch auch diese ver- 43. Wenn die h. durch ein breites Gewässer 
oi/i«che Vorstellung vielleicht von Vergil in 60 abgeschieden war, so mußte es die üinbil- 

eiuem orphischen Gedicht vorgefunden worden ; dungskraft beschäftigen, wie die Schatten hin- 

v»l. Norden zu v. 705, derauf Porph. a.n. 18 f. übergelangen konnten. Nach einer weitver- 

verweist. Auch im öffentlichen Kult finden sich breiteten Vorstellung durchschwammen die 

Vergessenheit und Erinnerung, vielleicht in Seelen das Wasser als Fische oterauf einem 

Ephesos, wo Lethe und Mneia einen Priester Fisch, einem Delphin oder einer Robbe; vgl. 

gehabt zu haben scheinen (0. Bd. 2, Sp. 1958, Man/3, Griechen und Semiten auf dem Isthmos 

C ff) und in Lebudeia, wo die Quellen der Lethe Von Korinth 74tf. ; Osterr. Jahresh. 9 (1906), 181 ; 

nud Mneinosyne dicht nebeneinander lagen. Kern, Anh. f. Bel.-Wiss. 10 (1907), 87. Von 



71 Unterwelt Unterwelt 72 

den zahlreichen Erzählungen, die von der Ber- ten als einen Fährmann vorzustellen. Diese 
gung eines lebenden oder toten Menschen durch Auffassung scheint in Griechenland älter zu 
einen Delphin berichten (A. Marx, Griech. Mär- sein als die eigentliche griechische Kultur. 
chen von dankb. Tieren 5 ff.; Usener, Sintflut- Die öfters in Gräbern gefundenen Terracotta- 
sagen 138ff.; Pfister, Reliquienkult 1, 211 ff.), nachbildungen von Schiffen waren nach Pagen- 
werden viele Erfindungen sein, die einen ge- Stecher, Symbolae litterar. in honorem Iulii de 
gebenen Zug frei verwenden, andere aber Petra und Brescia, Butt. soc. arch. d'Alexandrie 
knüpfen an alte Kunstdarstellungen an. Ziem- 3 (1910), 277 dazu bestimmt, dem Toten die 
lieh viele derartige Darstellungen sind erhalten. Überfahrt über das U.-Wasser zu ermöglichen. 
Die Wahl einer solchen als Grabschmuck er- 10 Nach derartigen allerdings meist späten Dar- 
klärt kein anderer Grund so gut wie der Glaube, Stellungen haben Dussaud, Civil, pre'ell. 266 
daß die Toten von einem Delphin ins Jenseits und Paribeni, Mon. ant. 19 (1908), 24 ff. , der 
getragen werden. Andere Denkmäler dieser auf ähnliche ägyptische Gebräuche verweist, 
Art standen, was nach derselben Richtung geschlossen, daß auf dem Sarkophag von Ha- 
weist, an U. -Eingängen. Als ein solcher ist die gia Triada die Überreichung des zur Überfahrt 
Schlucht am Isthmion zu betrachten, wo, wie ins Jenseits notwendigen Schiffes dargestellt 
die Nachbildungen auf den korinthischen Mün- sei. Hiergegen wendet sich freilich A. J. Bei- 
zen (o. Bd 2 Sp. 2634, 4,6 ff.) zeigen, neben der nach, Bev. et. d'ethnogr. et de sociol. 1 (1908), 
heiligen Fichte ein Bild des auf dem Delphin 296, und ganz sicher ist der Sinn der Darstel- 
liegenden, auf Melikertes oder auch auf Arion äo lung in der Tat nicht; s. auch Pauly- Wissowa- 
bezogenen Menschen stand. Auch auf dem Kroll s. v. Skaphephoroi. Innerhalb der grie- 
Tainaron, und wahrscheinlich am dortigen Ein- chischen KunBt erscheint der Totenschifter erst 
gang in die U., war ein derartiges Bildwerk auf einer dem 6. Jahrh. angehörigen schwarz- 
aufgestellt, das ebenfalls durch die Arionsage figurigen attischen Eschara (Furtwängler, Arch. 
erklärt wurde; Herod. 1,24; Paus. 3,25, 7 u. a. f. Bel.-Wiss. 8 (1905), 191 ff.) und dann um 
Pfister a. a. 0. sieht in dem Delphin, der den die Mitte des 5. Jahrh. auf weißgrundigen 
Schiffbrüchigen rettet, nur das Tier des Mee- attischen Lekythoi; vgl. Calderini, Di una ara 
res, in dessen Gestalt man sich ursprünglich, greca dedicatoria agli dei inferi, Mailand 1907, 
wie aus dem Apollon Delphinios und aus dem 16 ff. Doch setzen diese Kunstwerke bereits 
Delphin als Attribut Poseidons gefolgert wird, 30 eine lange künstlerische und auch dichterische 
den Meergott selbst gedacht habe. Das kann Ausgestaltung voraus. Es war auch ein Trug- 
für einzelne Sagen und Kunstdarstellungen schluß, wenn früher aus dem Fehlen des Cha- 
zutreffen, aber schwerlich für solche, in denen ron in llias und Odyssee die verhältnismäßig 
der vom Delphin Getragene tot ist. Aber in späte Entstehung dieser Vorstellung gefolgert 
der Tat hatte der Delphin wahrscheinlich im wurde. Gewiß ist er keine rein poetische 
Mytbos noch andere Bedeutung und in der Schöpfung. Die Minyas (frg. 1 bei Paus. 10, 
bildenden Kunst noch andere Verwendung, und 28, 2), die ihn zuerst nennt, kann ihn nicht 
deshalb würde ein weiteres Eingehen auf diesen erfunden haben, da bei ihr Charon den The- 
Vorstellungskreis in allzu unsichere Gebiete seus und Peirithoos eben nicht übersetzt (Furt- 
führen oder wenigstens längere Begründung 40 wängler 198); höchstens ist denkbar, daß sie 
erfordern. ihm zuerst den Namen Charon gab (Bader- 

44. Die Seelen konnten aber auch das die macher, Das Jenseits im Myth. d. Hell. 90 ff.). 
U. abschließende Gewässer als Vögel oder auf Denn es ist zweifelhaft, ob Charon von Anfang 
Vögeln überfliegen. Von der ersten dieser Vor- an den Totenfergen bezeichnete. Nach v. Wi- 
stellungen liegt vielleicht ein Nachklang in lamoicitz, Herrn. 34 (1899), 227 ff., dem sich 
der Odyssee (<o 6; vgl. II. W 101 und o. Bd. 3, Herzog, Arch. f. Bel.-Wiss. 10 (1907), 222 f. und 
Sp. 3203, 58) vor, wo Hermes die zwitschern- Badermacher, Wien. Stud. 34 (1912), 30ff. an- 
den Seelen zum Hades treibt. Diese Vorstel- schließen, wurde Charon ursprünglich als Raub- 
lung und die von der durch Vögel ins Jenseits tier vorgestellt oder als Hund. Nach Herzog 
getragenen Seelen, die Lagrange, La Crete 50 ist der Charongroschen , der in den Gräbern 
anc. 107, der altkretischen Kultur zuschreibt etwa seit Ende des 5. Jahrh. erscheint, an die 
und mit der ägyptischen von der durch die Stelle der niXiTovrra getreten, mit der ursprüng- 

fute Hathor als Vogel ins Jenseits getragenen lieh Kerberos besänftigt wurde. Badermacher 
eele vergleicht, führten dann weiter dazu, erinnert an das Beiwort xaj^apo'orofioe , das 
daß die Toten überhaupt als Vögel oder als Kerberos auf einem Zauberpapyrus (Berl. phil. 
vogelartig oder auch als Schmetterling oder Wschr. 32 (1912), 4) führt. In der Tat er- 
Biene vorgestellt wurden; vgl. oben Bd. 3 scheint Charon als Hundenamen unter Aktaions 
Sp. 3213 ff.; 4,608, 49 ff.; Weicher, Seelenvogel; Hunden, und bei Ps.-Luk. v. Demon. 46 wird 
Waser, Arch. f. Bel.-Wiss. 16 (1913), 853 f. der Höllenhund geradezu Charon genannt. Es 

45. Nach einer andern Vorstellung trug ein 60 fehlt indessen in dem späteren Hadesbild nicht 
Roß die Toten in die U. oder sie nahmen an Zügen, die nach einer anderen Richtung 
selbst die Gestalt dieses Tieres an; vgl. Furt- hinweisen. Daß im neugriechischen Volksglau- 
uängler, Idee des Todes J ; Malten, Arch. Jb. ben Charos oder Charontas Totengott und Herr 
29(1914),179ff. — Sehr verbreitet war die Vor- der U. ist (s. zuletzt J. C. I.awson, Modern 
Stellung, daß besonderen Dämonen die Pflicht Gr. Folklore and anc. Belig. 98ff.), würde an 
obliegt, die Toten über das große Wasser in sich nichts beweisen ; aber schon im Altertum 
die U. zu befördern. Da war es das natür- hießen die Höhlen, in denen Hadeseingänge ver- 
lichste, sich den mit diesem Dienst Beauftrag- mutet wurden, Charoneia {Str. 12,571; Antig. 



73 Unterwelt Unterwelt 74 

Karyst. 123 u. ö.), Xaomvtiov die Tür, durch sah, zeigen zahlreiche Funeralinschriften und 
welche die Verurteilten zur Hinrichtung ab- Denkmaler der GrabkunBt, welche die Ent- 
geführt werden (Poll. 8, 102; Diogenian. 8, 68), führung deB Toten in die U. ganz so darstellen, 
zao&vwi xUucneg die Treppe, durch die im wie es für die der Köre üblich war. Diese 
Theater die Toten heraufstiegen (l'oll 4, 182). Symbolik, mit der höchstens eine nachträgliche 
In Etrurien ist der Name Charun auf einen Beziehung auf die Wiederbelebung desPflanzen- 
häßlichen, krummnasigen, meist ganz mensch- lebenB im Frühjahr vereinbar ist, entspricht 
lieh gebildeten Todesgott, der auch als Seelen- so genau dem Inhalt des Mythos, daß sie weit 
geleiter und als Wächter an der Grabestür eher ihm zugrunde zu liegen, als später in 
gilt (o. Bd. 1, Sp. 886, 10), übergegangen. Dem- 10 ihn hineingelegt zu sein scheint. Durch den 
nach ist es nicht wahrscheinlich, daß Charon Einfluß von Eleusis ist dieser Mythos weit ver- 
ursprünglich einen einzelnen tierisch gebildeten breitet worden und hat andere ähnliche Fas- 
Dämon der U. bezeichnete und Kurzform zu sungen wie die ebenfalls attische von Echelos 
Xavon6s oder zu Xdeoy 'funkeläugig' ist, wie und BasiJe verdunkelt. Das ionische Epos 
jetzt meist angenommen wird. Daß einst ein nennt Hades und Persephone als Herrscherpaar 
Gott Charon hieß, machen die zahlreichen nach in der U. und kennt den Mythos von der Be- 
ihm genannten Menschen wahrscheinlich ; denn freiung der Köre nicht oder will ihn nicht 
diese sind schwerlich nach einem Ungeheuer kennen. Beide Auffassungen haben während 
oder dem Fährmann genannt, sondern heißen, des ganzen Altertums nebeneinander gestan- 
wie das zu allen Zeiten häufig geschah, nach 20 den, obwohl im Grunde unvereinbar. Wahr- 
einem verschollenen Gott, der eine zugleich scheinlich hat ein ionischer Dichter nach Aus- 
für Löwen, Hunde und andere Tiere und auch Scheidung des auf die Erlösung der Seele hin- 
für Erdschluchten passende Benennung trug. weisenden Zuges Persephone, nachdem sie in 
Darf aus den verschiedenen Verwendungen des der Legende als erste Erlöste Königin im Lande 
Namens ein Schluß auf den ursprünglichen der Seligen geworden war, zur Königin der U. 
Sinn gezogen werden, so empfiehlt sich 'Ver- gemacht. Dann kann freilich der Mythos vom 
schlinger'. Der Name ist dann wohl aber nicht Raube Persephones in Eleusis, wo er zuerst 
indogermanisch, sondern der Sprache der Cr- bezeugt ist, nicht entstanden sein, da diese 
bevölkerung entlehnt. Laphystios (zu Xacpvaam) Kultstiitte im 7. Jahrh. nur eine örtliche Be- 
ist vielleicht Übersetzung von Charon; am La- 30 deutung hatte; aber das ist auch deshalb 
phystion, wo Herakles den Kerberos herauf- wahrscheinlich, weil noch der homerische Bym- 
holte, hieß HerakleB Xaeoty, Paus. 9,84,5. nos den Raub nicht, wie das bei einem in 
Charubd, griech. Charybdis, kann von Charon Eleusis entstandenen Mythos natürlich gewesen 
wohl nicht getrennt werden; danach ist wahr- wäre und später auch wirklich geschah, nach 
scheinlich mit volkstümlicher Andeutung der dieser Mysterienstätte verlegt, sondern Nvaiov 
Heraklesbeiname gebildet. &n ittäiov (v. 17). Der Persephonemythos ist 

46. Weniger Spuren als der Totenferge von vornherein (vielleicht in der Argolis) in 
haben die Dämonen hinterlassen, die den dem Sinne gedichtet, daß die Göttin erlöst 
Toten in die U. tragen sollten. So etwa wird. Wenn diese Befreiung in der nachge- 
die Harpyien (s. d.). Vielleicht hat auch Tha- 40 bildeten eleusinischen Legende nur für einen 
natos, der bei Eur. Alk. 259 die Verstorbene Teil des Jahres gilt, so wird sich dies wie die 
in das Totenreich führt, in älterer Auffassung äjroo'Tjjiica der Götter bei andern Heiligtümern 
als Träger der Seelen gegolten. Die Darstel- (s. zuletzt Pauly- Wissowa-Kroll Suppl. 4, 302 i ) 
lung des eine kleine Figur auf dem Rücken aus dem eleusinischen Festkalender erklären, 
tragenden Kabiros bezieht Furtwängler, Arch. Der Befreier Persephones hieß wahrscheinlich 
f. Sel.-Wiss. 10(1907), 329 unter Vergleichung in der ursprünglichen Legende mit einem viel- 
des Ptah, der den Toten den Weg weist, auf die leicht vorgriechischen Namen Hermes. Das 
Beförderung der Seele in das Jenseits [s. dagegen Epos, das" von der Erlösung der Seelen so 
jetzt K ern bei Pauly- Wissoua- Kroll 10, 1448]. wenig wie von dem erlösenden Gott etwas 

47. Hades als Entführer der Seelen 50 wissen wollte, hat den Hermes dann zum 
erscheint im homerischen JHymnos auf Demeter. Geleiter in die ü., zum yv%oitopit6s, vexvec- 
Auf die Entführung des Mädchens folgt ihre yoiyo's, vixQonofinög , ^>v%oezolog usw. ge- 
Befreiung während des dritten Teiles des Jahres, macht; s. o. Bd. 1, Sp. 2373ff. Daß dies eine 
Allerdings ist dieser Mythos wie in neuerer nachträgliche Umgestaltung ist und daß Her- 
Zeit so schon von den alten Gelehrten anders meB ursprünglich die Seelen nicht in den Ha- 
gedeutetund zwar meist auf das jährliche Ent- des, sondern aus ihm herausführte, wie in dem 
stehen und Vergehen der Vegetation und be- eleusinischen Hymnos (v. 377), ist nicht nur 
sonders des Getreides bezogen worden. Diese deshalb wahrscheinlich, weil dem religiösen 
Deutung verstößt aber, wenn sie den unter- Lied eher als der Heldensage das Festhalten 
irdischen Aufenthalt Kores auf die Zeit bezieht, so an dem ursprünglichen Sinn der Legende zu- 
wo das Samenkorn in der Erde liegt, gegen zutrauen ist, sondern auch deshalb, weil Her- 
die Naturgeschichte, da die Körner keineswegs mes in mehreren verwandten Mythen Erlöser 
während deB Winters unten verborgen bleiben, des Mädchens ist, das die Seele bedeutete, z. 
sondern im Herbst bald nach der Aussaat auf- B. in der Iosage (s. N. Jbb. 41 (1918), 300). 

SBhen, oder sie nötigt zu der unwahrschein- Es ist ja auch wahrscheinlicher, daß Hermes 

chen Annahme, daß der Dichter die Scheune göttlicher Prototyp der Nekromanten wurde, 

der ü. gleichgesetzt habe. Daß das Volks- weil er die Erlösten aus der U. emporholte, 

empfinden in Persephone ein Bild der Seele als der umgekehrte Bedeutungsübergang. 



75 Unterwelt Unterwelt 76 

48. Außer dem langen und beschwerlichen läßt, um ihm wenigstans die zeitweilige Rück- 

Weg, den die Toten zurücklegen müssen, um kehr zu ermöglichen; und Athena hält dor 

an ihre Stätte zu gelangen, gab es nach dem geraubten Persephone einen Zweig entgegen. 

Glauben der Alten auch kürzere Verbindungen, Jedenfalls handelt es sich hier um eine sehr 

die an zahlreichen Heiligtümern gezeigten alte Vorstellung. Diese ist jedoch frühe durch 

Hadeseingänge und Nekyomanteia. Wenn man eine andere, urverwandte, durchkreuzt worden, 

von hier aus so schnell in die U. gelangte, so Wie bei manchem andern Zauber scheint auch 

drängte sich die Frage auf, warum die Geister bei der Totenbeschwörung ein goldener oder 

nicht diesen so viel kürzeren Weg benützten. vergoldeter Zweig benutzt worden zu sein, mit 
Sicher aus diesem Grunde mußten die Inhaber 10 dem die U. erschlossen werden sollte. Das 

solcher Stätten Schwierigkeiten erfinden, welche göttliche Gegenbild des Nekromanten ist der 

die Benützung dieser bequemen Verbindung Seelenführer Hermes, der jiQvaiQQaxig, der mit 

mit der U. nur demjenigen gestatteten, der der gdß/Sos rgtnizriXog die Pforten der Hölle 

gewisse Zaubermaßregeln kannte oder im Be- öffnet. Der Zauberstab des Hermes entspricht 

sitze gewisser Zaubergeräte war, Natürlich unserer Wünschelrute und scheint ursprüng- 

schrieben sie 6ich selbst das Wissen von jenen lieh die Nachbildung eines Mistelzweigs zu 

und die Verfügung über diese zu. Wo die sein, der so oft als Wünschelrute gedient hat. 

Priester nicht selbst den Verkehr mit der In diesem Zusammenhang ist immerhin be- 

Geisterwelt übernahmen, mußten diejenigen, merkenswert, daß Verg. Aen. 6, 205ff. den 
die einen derartigen Hadeseingang benutzen so goldenen Zweig zwar nicht der Form, aber 

wollten, sich mühseligen, Aufmerksamkeit er- doch der Farbe nach einer Mistel vergleicht, 

fordernden Sühnungen und Reinigungen unter- [Es ist aber überhaupt auch die alte Vorstel- 

ziehen, wie dies für Lebadeia bezeugt ist. Weit lung zu beachten, daß der Zweig wie der Kranz 

verbreitet scheint die Benutzug einer Zauber- seinen Träger heiligt und ihn mit Kraft er- 

rute gewesen zu sein. Wenn Vergil seinem füllt, also als Amulett gewissermaßen dienen 

Helden den Eintritt in die U. durch einen kann. Wer ihn trägt (z. B. der Bittflehende), 

goldenen Zweig ermöglicht sein läßt, den er steht unter dem Schutz dieser Kraft und diese 

zuvor von einem dunkeln Baum bricht (Aen. steht ihm zu Diensten; vgl. Pauly- Wissowa- 

6, 140; vgl. Ov. met. 14, 114), so ist er gewiß Kroll Bd. 11, Sp. 2147]. 
nicht der Lehre gefolgt, den ein Scholiast (zu 30 

v. 1S6) ihm zuschreibt und von welcher Fra- "• Dle Bewohner der L. 
zerts Golden Bough (\, 1, S. 11 und 7, 2 S. 284, 3), 49. Bewohnt wird der Hades ebenso wie 
noch dazu mit einem Mißverständnis (Berl. die Oberwelt von Göttern, Dämonen, Menschen 
phil. Wschr. 1912, 745; 1914, 1557), den Aus- und Tieren. Die tierischen und halbtierischen 
gang nimmt, der Lehre, daß der goldene Zweig Gestalten gehören alle dem Mythos an und 
derselbe sei wie der, den ein entlaufener Sklave sind wie die menschlich gestalteten Ungeheuer 
im Hain von Aricia brechen mußte, wenn er der U. aus Dämonen hervorgegangen. Alle 
den tödlichen Zweikampf mit dem rex Nemo- diese Wesen bilden gegenüber den verstorbe- 
rensis um dessen Würde wagen wollte. Aber nen Menschen eine einheitliche Klasse, Bind 
die freie Erfindung eines derartigen Zuges 40 aber unter sich sehr verschieden. Wir finden 
entspricht nicht der Art Vergils und wird hier neben den eigentlichen Gottheiten der U. und 
auch dadurch ausgeschlossen, daß Charon den ihren Gehilfen, zu denen auch die Dämonen 
Aeneas in den Kahn läßt, als er das donum der Vergeltung gerechnet werden können, die 
venerabile, longo post tempore visum (409) er- personifizierten Fehler der Menschen, sofern 
blickt. Damit weist der Dichter auf seine jetzt diese als Ankläger der Toten oder als Rächer 
verlorene Quelle hin. Wahrscheinlich war diese gefaßt werden, die Schicksalsgottheiten, den 
eine Beschreibung von Herakles' Abstieg. Das Schlaf und die Träume, endlich die verkörper- 
älteste Lied von den 12 Kämpfen ermöglichte ten seelischen und körperlichen Leiden der 
dem Helden den Zugang in die U., wie es Menschen. Die Zahl aller dieser Wesen ist 
scheint, durch den Goldzweig vom Baum der r>osehr groß, wobei zuletzt die von Anfang an 
HeBperiden; s. Pauly -Wissowa-Kroll, Suppl. nicht fehlenden Leiden und Leidenschaften 
3, 1077, 17 ff. Der altargivische Dichter war überwiegen. Außer vielen gelegentlichen Er- 
wohl durch eine Mysterienlehre geleitet, nach wähnungen sind mehrere Aufzählungen bei rö- 
welcher dem Mysten, der den Zweig im heili- mischen Dichtern ( Verg. Aen. 6, 273 ff. ; Sen. 
gen Garten gebrochen hatte, der Zutritt in das Herc. für. 690ff.; Sil. lt. 13, n7Uff.; Stat. Theb. 
Paradies, den Göttergarten oder vielleicht all- 8, 24 ff.) erhalten, die zwar alle von ihren Vor- 
gemein die Rückkehr aus der U. freistand. gängern abhängen, sich aber im einzelnen so- 
Von dieser Vorstellung finden sicli auch sonst wohl hinsichtlich der Auswahl wie der Benen- 
Spuren. Auf einem Grabgemälde aus Antium nung große Freiheit nehmen. Folgende grie- 
trägt die aus dem Hades zurückgeleitete AI- so einsehe und lateinische Namen sind überliefert: 
kestis einen Zweig (Robert, S.-B. B.A.W. Adrasteia ist bei Plut. seru num. vind. 22, 
1915, 709 ff., der auch auf die folgenden Dar- 564 die oberste Bestraferin im Hades. / Ab- 
stellungen aufmerksam gemacht hat), ebenso stores (0. Bd. 1, Sp. 222), Luk. ve%vo\i. 11. / 
Persephone auf einer Vase des Museo S. An- Alekto, Sil. It. / Ananke. Über Find. Ol. 
gelo; einen Zweig nimmt auf einem Sarkophag 2, 61 8. u. nr. 55. Auf einer rotfigurigen Vase 
des Lateran der zur Jagd ausziehende Adonis ( Wiener Vorlegebl. Ser. E. Taf. VI) wird eine von 
aus dem Schoß Aphrodites, die ihn dem Ge- drei erinyenähnlichen Frauen, die sitzende 
liebten nach Robert, Ant. Sark. 3, 1, S. 23 über- oder die sich zu Sisyphoa niederbeugende als 



77 Unterwelt Unterwelt 78 

...vav... bezeichnet, was zu k]vttv[*n oder 775; s. o. nr. 41f. / Teisiphone, V 'erg. Aen. 

M]av[ia ergänzt werden könnte; [s. A. Wink- 6,555. 571; Ov. met.4,474; Stat. Theb. 8,66; 

ler Brest phil. Abh. 3,5. 1888, S. 25] / Aska- Nonnos 12,218; Luk. Katapl. 23, 25. / Thana- 

laphos, o. Bd 1, Sp. 611. / Bella, Sen.; Sil. tos, Bes. Theog. 759; G. de Nicola, Buü.d'arte 

It I Ära, De.mosth. 25, 52. / Blasphemia, 2 (1908), 88ff./Titanes, Bes. Theog. 669; Born. 

Demosth. 26,52. / Briareos, Besiod. Theog. hym. 2,167; Verg. Arn. 6, 580. Vgl. II. Ä279./ 

817; Verg.; Sil. It. vgl. Obriareos. / Brimo, Tu^ul^a, etruskischer Raehegeist, der den The- 

Luk vs*vou 20. / Charon, s. o.nr. 46. / Chi- seus und Peirithoos bedroht; o. Bd. 3, Sp. 1787; 

maira, Verg.; Luk. vi*. 14. Sie zerfleischt in Bd. 6, Sp. 677f. 1281; dazu Athene e Borna 17 

der U. einen Tempelräuber ; Luk. mort. dial. 10 (1914), 156 Fig. 6. 

80,1. / Curae, Verg.; Sil. It. / Dike, Flut. 60. Wie diese Wesen selbst, so sind auch 
«er. num. vind. 22, 564. Vasenbilder o. Bd. 3, die Vorstellungskreise, denen sie entstammen, 
Sp. 1783 f. Zweifelhaft Wiener Vorleyebl. Ser. E. und die Gründe, aus denen sie in die Unter- 
Taf. I. [S. auch Dieterich, Arch. f. Bel.-Wiss. 11 weit versetzt sind, mannigfacher Art; öfters 
(1908), 159 f.] / Discordia, Verg.; Sil. It. / Do- mögen mehrere Gründe zusammengewirkt ha- 
lor, Sen. I Echidna, Eur. Phoin. 1020; Art- ben. Wenn viele dieser Anlasse von selbst ein- 
köpft. Ran. 473. / Egestas, Sil. It./ Empusa, leuchten, es z. B. klar ist, daß die Gottheiten 
Aristoph. San. 293. / Erinys, s. o. Bd. 1, des Schicksals, des Schlafes und der Traume, 
Sp. 1310ff.; Dieterich, Nek. 54ff. / Error, Sil. des Rechtes deshalb in die ü. versetzt sein 
It. I Eumeni des schleppen nach Aisch. Eum. so können, weil man an deren Eingängen das 
267 den Frevler zur Bestrafung in die U. — Schicksal befragte, Traumorakel einholte und 
E. im Hades: Bor. c. 2,13,86; Verg. georg. 4, Rechtsentscheidungen fällte, wenn die Leiden 
481 ; Aen. 6, 280; Prof). 4, 11, 21 ff.; Stat. Theb. und Leidenschaften deshalb hier erscheinen, 
8, 57; silv. 6, 3, 280 u. ö. / Eurynomos, s. o. weil man in ihnen höllische Dämonen erblickte, 
Bd. l', Sp. 1427. / Farnes, Verg. / Fata, Stat. so sind diese naheliegenden Erklärungen nicht 
Theb. 8, 26. Auf dem Vibiabild stehen die drei die einzig möglichen, und es können minde- 
Fata divina rechts vor dem thronenden Paar stens neben diesen Ursachen auch noch andere 
Dispater und Aera Cura; s. o. Bd. 1, Sp. 1186f. / mitgewirkt haben. Nicht jedes einzelne dieser 
Funus, Sen. / Furiae, Stat. Theb. 8,24; Sil. Wesen ist in diesem Zusammenhang alt, aber 
lt. 13, 604; Matt. 10, 5, 18; vgl. Ov. met. 4, 463; so die oben unterschiedenen Gattungen lassen sich 
Sen. Thyest lff.; Val. Fl. 2, 106. / Geryones, alle bis in die Anfänge der griechischen Dich- 
Verg. Aen. 6, 289. / Gigantes, Sil. It. / Gor- tung verfolgen. Die körperlichen Leiden strö- 
gones am Eingang d. 0., parodiert in rojy<S- men aus dem Faß der Pandora hervor (Besiod 
ves TiVoäeiai bei Aristoph. i?an. 477. Verg. %. xol foi. 91 ff.), das ursprünglich das Faß 
Aen. 6,292. rooyiin *e<palrj Od. 1684. / Gy es, der U. war; und daß auch die schlimmen 
Besiod. Theog. 734. 817. / Harpyiae, o. Bd. 1, Stimmungen der Seele einst schon in diesem 
8p. 1844, 16 ff. / Hekate, o. Bd. 1, Sp. 1895f. / Zusammenhang genannt waren, läßt die Nen- 
Hekatoncheires, Bes. Theog. 669. / H y d r a , nung der Elpis vermuten, die nicht, wie Girard, 
Verg. Aen. 6, 676; Stat. Silv. 6,3, 280. / Hy- Bev. it. gr. 22 (1909), 217 meint, etwas Gutes ist, 
pnos,ifes. Theog. 759; vgl. Somnus, Sopor./In- 40 als das sie allerdings später gefaßt ist, sondern 
sidiae, Sil. It. ' Kentauren, Verg.; Sil. It. j (Waltz ebd. 28 (1910), 49 ff.) nurwiedie übrigen 
Kottos, Set. Theog. 784; 817. / Kyklopes, in Pandoras Faß eingeschlossenen Wesen ein 
Sil.lt. 13,440. /Labos, Verg./ Letum, Verg./ Übel gewesen sein kann. 
Livor, Sil. It. I Luctus, Verg.; Sen.; Sil. It. / 61. So groß die Zahl der höllischen Götter 
Macies, Sil It. / Maeror, Sil. It. / Megaira, und Geister ist, so sind doch der toten Men- 
Sil. It. 13, 575. 592. 611; Nonnos 12, 218. / Me- sehen natärlich weit mehr. Wie bei verschie- 
noitios, Bes. Theog. 514. / Metus, Verg.; Sen. denen Völkern des Orients ist in Griechenland 
/ Moirai, Luk. Philops. 25: Sarkophag bei los. die ü. die 'Stätte der Versammlung.' [Ein an- 
Keil, Österr. Jahresh. 17 (1914), 143; s. Fata, Par- tikes Zeugnis, in welchem die ü. direkt so be- 
cae. / Morbi, Verg.; Sen. / Mortes, Verg. ; so zeichnet wird, habe ich augenblicklich nicht 
Stat. Theb. 8, 24. / Naides ä^tfißioi i* TaQza- zur Hand. Doch ist vielleicht ein Hinweis auf 
ttov ilioitai, mythologisierende Geschieh ts- die syrischen Akten des Cyriakus und der Iu- 
schreiber bei Dion. Bai. Thuk. 6. / Neikos, litta gestattet, die Stocks, Ztschr. f. Kirchen- 
Demosth. 25, 62. / Nemesis, s. Buhl, De mor- gesch. 31 (1910), lff. besprochen hat. Dort wird 
tuor. indic. 97. / Orthros, Sil. It. 13, 844ff. / eine Reise ins Jenseits geschildert, und schließ- 
Pallor, 5(7.7«. / Parcae, Claud. 35,306. / lieh kommt der Held der Erzählung 'nach je- 
Pavor, Sen. / Phthonos, Demosih, 25. 52. / ner Stadt, wo der See der Versammlung ist' 
Poinai, Ps.-Plat. Axioch. 13, 371e; Luk. vsx. Dort fand er Schlangen und ein Heer vieler 
11; Verg. Cul. 375; vgl. Plut. ser num. vind. Dämonen und große Drachen und den König des 
22,564cf.; Stat. Theb. 8,25. / Prometheus 60 Gewürms der Erde, dessen Schwanz in seinen 
bei Bor. c. 2, 13, 37, ist wie ein menschlicher Mund gesteckt war. Schon Stocks hat auf die 
Büßer gedacht; vgl. Wilamoioitz, Aisch. 142, 1. ,/ Ähnlichkeit dieser Erzählung mit Stücken des 
Pudor serus, Sen. I Rosse des Diome- Alexanderromans hingewiesen; s. auch Theol. 
des, Sil. lt. 13,440. / Scyllae, Verg.; Stat. Lit.-Ztg. 1912,573. In der Tat begegnet uns 
silo. 5,3,280; Sil. It. 13,440. / Senectus, Sil diese Episode in der Alexandertradition meh- 
It.; Sen. / Somnus, Ov. met. 11, 593.7 Sopor, rere Male; insbesondere das Gegenstück zu 
Verg.; Sen. Berc. für. / Sphinx, Sil. It. / Sta- jenem See (s. u. nr. 67) findet sich in Ps.-Kall. 
sis, Demosih. 25, 52. / Styx, Besiod. Theog. 2,31 p. 86; 8, 17 p. 122; 8,81p. ISO; Ep. ad 



79 Unterwelt Unterwelt 80 

Arist. p. 198 X = 26 Pf. — Auf die Ähnlich- Beleidigung Letos (Od. X 680), also für eine 
keit der Cyriakus-Erzählung mit Ps.-Kall. 3, 17 Schuld büßen läßt, die mit irgendwelchen 
hat Stocks schon hingewiesen. Beide gehen in Weihen in Zusammenhang zu denken wir kei- 
letzter Linie auf eine gemeinsame Quelle zu- nen Anlaß haben. Nun könnte freilich Homer 
rück, die vom Gilgamesch-Epos beeinflußt ist. oder einer seiner Vorgänger die Begründung 
In dieser Quelle war aber jene Stätte wohl als der Strafe verändert oder verschwiegen haben, 
&&Qoia[ia bezeichnet; denn die einzige Hand- aber auch die Durchmusterung der großen Zahl 
schrift des Ps.-Kall, die dieses Stück über- sonst überlieferter Büßer führt in keinem Fall 
liefert, bietet TJigoiejia, wofür Müller Zdeiv/iu darauf, daß sie als «Jjmjjjtoi büßen. Es haben 
in den Text setzte, da Iul. Vol. aquationetnjo sich also einmal drei Jenseitsanschaunngen 
bietet.] Hades heißt ky^eaviQoe, 'AysaiXag, gegenüber gestanden; nach der ersten, die wir 
&yr)tsiXaos, fysaiXaos, ijyrjtlXevs , xoivog, vexgo- die epische nennen dürfen, weil sie bei Homer den 
tiyiiav, itdyxoivog, itayxoirug, ltdvioxog, noXv- beiden anderen übergeordnet ist und von ihnen 
Siynav, itoXvdixrris, »oWxoiros, icoXvfevog usw., nur Reste übrig gelassen hat, ist außer der 
s. auch Gruppe, Handb. 400, 2. Die Totenpfor- Bestattung, die für die Aufnahme in die Unter- 
ten heißen ebenfalls itoU&vai (Soph. Oed. Kol. weit erfordert wird, eine Verbesserung des Lo- 
1570), die Toten noXvdväeioi und sehr häufig ses im Jenseits durch religiöse Veranstaltungen 
nUoveg, plures; Gruppe 1. c. weder des Lebenden noch seiner Hinterbliebe- 
Mit ihrem Eintritt in die U. sind die To- nen möglich, und ebensowenig können diese oder 
ten nach der Aoweriscben Auffassung von jedem 20 andere Lebende durch ihn beraten oder unter- 
Verkehr mit dem Diesseits abgeschlossen; sie stützt werden. Nach der zweiten Auffassung, 
empfangen nach dem Ende der Feuerbestattung, die wir die mystische nennen können, gehen 
die ihnen den Hades erschließt, keine Opfer von die Geweihten in das Land der Seligen ein. 
den Hinterbliebenen und können auch ihrer- Die dritte Anschauungsweise ist moralisch, sie 
seits nicht mit diesen in Verbindung treten, bestimmt das Los der Toten nach den Taten 
wenn nicht ein Sterblicher zu ihnen vordringt des Lebenden. Alle drei Vorstellungsweisen 
und sie ihrem gewöhnlichen Dämmerzustand haben während des ganzen Altertums bestan- 
entreißt. Von einem Totengericht oder einer den, und zwar überwogen später in den Krei- 
Aufnahmefönnlichkeit wird nicht gesprochen ; sen, die am Volksglauben festhielten, die zweite 
auch hat der Mensch im Leben keine Möglich- 30 und die dritte, die sich allenfalls ausgleichen 
keit, sich durch religiöse Maßregeln ein besse- ließen; darum dürfen sie aber nicht gegen- 
res Los im Jenseits zu verschaffen. Daß Mene- über der epischen als jünger betrachtet wer- 
laos in das Elysion eingehen wird (Od. ä 563), den. Die Annahme, daß die sie enthaltenden 
und daß Minos unter den Toten Hecht spricht, Stücke der Odyssee nachträglich hinzugedich- 
steht damit äußerlich nicht im Widerspruch, tet seien, hat sich als unwahrscheinlich er- 
denn jener soll überhaupt nicht sterben , also geben ; rührt aber die ganze Beschreibung der 
auch nicht in den Hades eingehen, sondern U. von demselben Dichter her, so beweisen die 
durch die Gnade der Götter in das Elysion Änderungen, die er oder ein Vorgänger vor- 
versetzt werden, und Minos richtet nicht über genommen hat, um die Vorstellungen vom 
die Taten der Lebenden, sondern setzt nur wie 40 Lande der Seligen und vom Totengericht wenig- 
Orion seine oberirdische Tätigkeit fort. Inner- stens äußerlich einigermaßen seiner Grundvor- 
lich muß freilich schon hier ein Widerspruch Stellung anzupassen, daß er jene bereits vor- 
gegenüber der sonst herrschenden Auffassung gefunden hat. Grund der Veränderung könnte 
anerkannt werden, denn es hatte keinen Zweck, z. B. der Glaube gewesen sein, daß die Wei- 
sich eine Stätte der Seligen auszudenken, wenn hen zur Zeit der epischen Handlung noch nicht 
sie nicht für die gerecht Befundenen bestimmt bestanden: Die Unterdrückung aller mit ihnen 
sein sollte, und die Rechtsprechung des Minos zusammenhängenden Vorstellungen wäre dann 
läßt sich weder mit seiner und der übrigen das Ergebnis einer zielbewußten Stilisierung. 
Toten Bewußtlosigkeit vereinen, noch kann sie Vermutlich hat diese wirklich dazu beigetragen, 
ursprünglich etwas anderes gewesen sein als so den Prozeß so weit zu führen. Allein, da nicht 
die Beurteilung der im Leben verübten Taten. absehbar ist, woraus der spätere Ursprung der 
Noch deutlicher wird der Widerspruch bei der Mysterien erschlossen werden konnte, bo ist 
Bestrafung der Frevler, die sowohl Bewußtsein das Stilgefühl schwerlich der erste Anlaß für 
der Leidenden alB auch ein Gericht über das die Schaffung des epischen Jenseitsglaubens 
Leben zur Voraussetzung hat. Diese steht aber gewesen. Gewöhnlich nimmt man an, daß die 
auch in innerem Widerspruch zu der Anschau- ionischen Dichter und die Edelen, an die sie 
ung, daß die Teilnahme an gewissen Kulten sich wendeten, sich gegenüber den Kreisen, 
ein besseres Los im Jenseits verbürge. Denn die noch voll Bangigkeit an das Schicksal im 
wenn auch die Teilnehmer an solchen, die My- Jenseits dachten, die Toten beschworen und 
sten, wie sie sich später nannten, sich natür- uo ihnen lange nach der Bestattung Opfer dar- 
lieh gern als frömmer und sittlich besser hin- brachten, als die Aufgeklärteren fühlten. Aber 
stellten als die Nichtgeweihten , so mußte es es war wohl nicht vorzugsweise und jedenfalls 
die Bedeutung der Mysterien nicht erhöhen, nicht ausschließlich religiöser Freisinn, der den 
sondern geradezu herabdrücken, wenn nicht Umschwung herbeiführte. Eine ähnliche Ent- 
die Unterlassung der Weihe ihre Bestrafung wickelung hat ja das Judentum durchgemacht, 
herbeiführte. Davon ist aber bei Homer keine dessen Literatur nicht durch einen aut'geklär- 
Rede, der einen Grund der Strafe überhaupt ten Ritteradel die Richtung erhielt. Es wer- 
nur bei Tityos angibt, und zwar ihn für die den also vielmehr staatliche Maßnahmen ge- 



81 Unterwelt Unterwelt 82 

wesen sein, die schließlich die Auffassung an- Luk. vexvop. 11; Philostr. Imag. 1, 4 S. 382. Bei 
derten. Wurden diese im theokratischen Ju- römischen Dichtern beißen sie meistens die 
dentum durch religiöse Gründe bestimmt, so Schweigenden ; z. B. Verg. Aen. 6, 264. 482 ; Ov. 
werden es in Ionien volkswirtschaftliche und met. 6, 866; 16, 772; [s. auch J. Kroll, Beitr. t. 
politische Erwägungen gewesen sein, die sie ver- Descensus ad inferos 36, 1J. Aus der unermeß- 
anlaßten. Die Schädigung des Volkswohlstan- liehen Anzahl der von der Sage genannten 
des, die durch den ausgearteten Totenkult Toten wählen das Heldenlied und die von ihr 
früherer Zeiten herbeigeführt worden war, die abhängige bildende Kunst natürlich je nach 
Ausbeutung der Abergläubischen durch die dem Zweck, dem die Nekyia im einzelnen Fall 
Unternehmungen, die sich mit den Beschwö- 10 dienen soll, bisweilen auch ohne Eücksicht auf 
rungen befaßten, dieBenutzung dieser zu manch- einen erkennbaren Zweck (wie schon beim 
mal verbrecherischen Zwecken, endlich die Ge- Prauenverzeichnis in der Odyssee X 235 ff. und 
fahr, welche die weltscheue Mystik für den Verg. Aen. 6, 446 ff. ein Zusammenhang mit der 
Staat bedeutete, scheinen in der zweiten Hälfte Gesamtdichtung vermißt wird) verhältnismäßig 
des 7. Jahrh. die Staatsleiter in Ionien dazu wenige aus. Immerhin bat sich unter dem Ein- 
geführt zu haben, den Totenkult einzuschrän- fiuß berühmter Vorbilder oder vermöge der 
ken, die spiritistischen Anstalten zu unter- symbolischen Kraft, die einzelnen Gestalten 
drücken und überhaupt die mystische Beschäf- innewohnt, eine Art Überlieferung gebildet, 
tigung mit dem Jenseits womöglich zu verhin- die gewisse Helden und Heldenfrauen bevor- 
dern. Die Anschauungen dieser Staatslenker so zugt werden läßt. So erscheinen z. B. auf un- 
sind es., die sich in den ftomerischen Vorstel- teritalischen Vasenbildern öfters Megara und 
lungen von der U. widerspiegeln. Zunächst ihre Kinder; sehr oft wird Alkestis, die treue 
sind sie nicht nur im griechischen Kleinasien Gattin, genannt. 

durchgedrungen, sondern haben z. T. auch im 63. Die Büßer. Von der Masse der To- 

Mutterland Nachfolger gefunden. Daß die neuen ten, die ein zwar freudloses, aber auch schmerz- 

Ideen nicht ohne Kampf und nicht ohne Ge- loses Schattendasein führen, werden im Epos 

waltmaßregeln zur Herrschaft gelangten, macht die Frevler unterschieden, die in der U. für 

das Anschwellen der mystischen Bewegung Verschuldungen im Diesseits bestraft werden 

wahrscheinlich, das während des 6. Jahrh. in (vgl. Dummler, Kl. Sehr. 2, 140ff.), und die, 
Sizilien und Italien bemerkbar ist: die Schwie- so wenn sie ihre Qualen ganz empfinden sollten, 

rigkeit, die eigenen Ideen in den ionischen als mit vollem Bewußtsein begabt vorgestellt 

Gemeinden zu verkünden, wird manchen klein- sein müssen. Dem Beispiel der Odyssee (3. 576 ff.) 

asiatischen Mystiker mit dazu veranlaßt haben, folgend bringen mehrere jüngere Beschreibun- 

in die westlichen Kolonien überzusiedeln. In- gen des Hades Verzeichnisse der dortigen 

zwischen hatte aber die Mystik auch in Grie- Büßer, z. B. Ps.-Plat. Axioch. 18, 871e; Verg. 

chenland durch eine aus dem Morgenland kom- Am. 6, 648ff. (Eadermacher , Eh. M. 63 [1908], 

mende Bewegung neue, welterschütternde Ge- öSOff.); Tib. 1, 8, 68ff.; Prop. 4,11,23; Ov. met. 

danken aufgenommen, die sich mit den alten 4, 467 ff.; Sen. Thyest. 6ff.; Herc. für. 760ff.; 

Vorstellungen von der U. verbanden. Stat. Theb. 8, 50f.; Luk. vhmop. 14; Anth. Lat. 
62. Die große Masse der Toten, die 40 2, 1186, 14. Die Auswahl der Büßer ist z. T. 

sich weder der Liebe der Götter erfreut, noch willkürlich; bei Vergil z. B. fehlen gerade die 

deren Groll durch besondere Schändlichkeit zu- bekanntesten, Sisyphos, Tantalos und die Da- 

gezogen hat, lebt nach der epischen Vorstel- naiden, nach Eadermacher, weil der Dichter 

lung ungefähr in dem Zustand fort, der nach nach Originalität strebte. Als Büßer werden 

der älteren Anschauung den Nichtgeweihten genannt: Die Aloidae, Vera. Aen. 6, 683 ; Cu- 

beschieden war. Zwar geraten diese nach der lex 233; Hyg. fab. 28. / Amphion, Minyasfrg. 

später in mystischen Kreisen verbreiteten An- S bei Paus. 9,6,9. / Cadmeidas, Sen. Herc. 

schauungsweise in eine noch schlimmere Lage, für. 756. / Danaides, o. Bd. 1, Sp. 960, 16 ff.; 

und daß die Epiker ältere Vorstellungen un- vgl. Verg. Aen. Cul. 243; Sen. Herc. für. 767; 
verändert beibehielten, ist unwahrscheinlich; so Eadermacher, Mhein. M us. 63 (1908), 535. 644 f. / 

allein die ungefähre Übereinstimmung mit der Ixion, o. Bd. 2, Sp. 768,45. / Lapithen, Verg. 

älteren biblischen Literatur, die Homer in die- Aen. 6,601. Oknos (o. Bd. 3, Sp. 821) stammt 

sem Punkte zeigt, beweist, daß bei ihm wenig- nach Eadermacher, Eh. Mus. 63 (1908), 648 aus 

stens im großen und ganzen Anschauungen einem lustigen Schwank, den er wie schon 

bewahrt sind, die einmal in Griechenland und Boßbach, in die Gesellschaft des Margites 

einem Teil des Orients herrschend gewesen stellt. Boll, Arch. f. Eeligionsw. 19, 161 ff. sieht 

sein müssen. Die Toten geraten bei Homer in in der Vorstellung von Oknos die Spiegelung 

einen Zustand der Bewußtlosigkeit oder da eines Behindeiangstraumes. Der von Paus. 10, 

mit dieser die Unterhaltung zwischen Achilleus 29, 1 f. erzählten Sagenfassung ähnlich ist ein 
und Agamemnon (tu 24 ff.) streitet, wenigstens 60 Traum des Königs von Kosala in Mahä supina 

des geschwächten Bewußtseins. Sie sind &(ie- jätaka; nach G. J. Warren, Feestbundei Prof. 

vrjvct xa(>tivo(8.o.Bd.3, Sp.3219f.; Waser,Arch. Boot, Leiden 1901, 69ff. hat die unter Claudius 

f. Bel.-Wiss. in [1913], 378 ff.). Nur wenn sie nach Rom geschickte Gesandtschaft {Plin. n.h. 

Blut getrunken haben, wird den Seelen eine 6, 84) die Sage nach Indien mitgenommen, 

kurze Rückkehr zu einer Art Leben, die Mög- Aber vielleicht ist sie umgekehrt aus dem 

lichkeit der Unterredung mit einem Lebenden Morgenland nach Westen gewandert. Der Name 

zuerkannt. Wie bei Ies. 8, 19 und 29, 4 ist ihre Oknos, der, von tntv elv abgeleitet, als abstrak- 

Sprache in der Odyssee ein Flüstern, a 5 ; vgl. ter mythischer Personenname seltsam wäre, ist 



83 Unterwelt Unterwelt 84 

vielleicht so wenig griechisch wie der zufällig wenden, daß auch in der griechischen Sage 
gleichlautende des Mantuaners und die Be- die Büßer ursprünglich namenlos waren. In 
Zeichnung der Rohrdommel. Wenn der von einzelnen Fällen sind tatsächlich in der bil- 
Apul. 6, 18 erwähnte Eseltreiber mit den herab- denden Kunst Büßer nur nach der Art ihres 
gefallenen Holzscheiten wirklich Oknos war, Frevels bezeichnet worden, z. B. der Frevler 
wie ziemlich wahrscheinlich ist, wird der Name gegen seinen Vater (Paus. 10, 28, i) und der 
und die Vorstellung wie so vieles in dem Psyche- Tempelräuber (ebd. 5) auf Polygnots Nekyia in 
märchen aus einer orientalischen (kleinasiati- Delphoi; und die Wasser in Sieben Schöpfen- 
schen?) mystischen Dichtung stammen und (im den sind auf älteren Kunstwerken z. T. männ- 
Anfang des 6. Jahrh.?) von Griechen übernom- lu lieh, es können also hier nicht die Danaiden 
men sein. Unter diesen Umständen scheint es gemeint sein, deren Namen tatsächlich auch 
mir zweifelhaft, ob Furtwänglers und Roberts erst im 3. Jahrh. (Ps.-Plat. Axioch. 13, 371 e; 
(8. 0. Bd. 3, Sp. 825) scharfsinnige Kombination Plat. Bep. 2, 363 d spricht nur von kvoeioi und 
der Apuleiusstelle mit dem sf. Vb. in Palermo äSmoi) jenen Büßerinnen beigelegt wird. Es 
die Urform der Sage wiederhergestellt hat ist unwahrscheinlich, daß die Orphiker den al- 
und nicht vielmehr eine den Sinn der Erzäh- ten namenlosen Gestalten volkstümlicher Er- 
hing zerstörende Umformung, die vorgenommen Zählungen die heroischen Namen beigelegt ha- 
wurde, damit der Name Oknos zu ixvelv zu ben, ebensowenig ist wahrscheinlich, daß in 
passen schiene. — Vgl. über Oknosdarstellun- den Überlieferungen- dieser Mysterien schon im 
gen auf Sarkophagen Bull, d'arte 1908, 88 if. / so 6. Jahrh. ein Verzeichnis der mythischen Frevler 
Orion X 672; Minyas fr. 6; Hör. c. 2, 13, 39. aufgestellt wurde. Im Gegenteil kann von den 
/ Peirithoos, o. Bd. 3, Sp. 1767, 84ff.; vgl. X später überlieferten Büßern kein einziger einer 
631 iwohl mit Unrecht verdächtigt); Brückner, alten Mysterienüberlieferung mit Wahrschein- 
Österr. Jahresh. 13 (1910), 51; Studniczka, Arch. lichkeit zugeschrieben werden. Von der orphi- 
Jahrb. 41 (1916), 190f. ' Phineus, Sen. Herc. sehen Literatur, in deren Besten überhaupt 
für. 759; Dümmler, Kl. Sehr. 142. / Salmo- keiner der bestraften Frevler genannt wird, 
neus, o. Bd. 4, Sp. 292, 41ff. / Sisyphos, o. kommt, wenn von der unbeweisbaren Annahme 
Bd. 4, Sp. 964. / Tantalos, o. Bd. 5, Sp. 79ff. eines Einschuba der die Büßer behandelnden 
/ Theseus, o. Bd. 5, Sp. 716ff. / Tityos, o. Verse der Odyssee abgesehen wird, der Zeit 
Bd. 5. Sp. 1036ff. so nach höchstens die älteste orphische Theogonie 
54. Wie diese Sünder aus der Zahl der (o. Bd. 8, Sp. 1120 ff.) in Betracht, die sich aber 
übrigen Toten heraustreten, so werden sie auch nicht mit dem Jenseits befaßte , und die My- 
bisweilen an einen besonderen Ort versetzt, stiker des 6. Jahrh.s, an welche Dieterich dachte, 
der nach Verg. Aen. 6 , 548 f. vom Tartareus schlagen ebenfalls ganz andere Richtungen ein. 
Phlegethon umgeben und mit dreifacher Mauer In ihren Theogonien und Kosmogonien stellen 
umschlossen ist; nach Flut. ter. num. vind. 22, sie das Weltgebäude so dar, daß das persön- 
S. 564 f. stößt Erinys die schwersten Unheil- liehe, der Sinnenwelt unterworfene Dasein als 
baren Sünder eis tö &qqi\tov «al iogarov. trügerisch, unheilvoll, das Aufgehen in das 
Hen. 22, 11 kennt einen Strafort, an dem die All-Eine als das einzig Erstrebenswerte erscheint 
Gottlosen bis zum Tage des Gerichtes abge- 40 (o. Bd. 3, Sp. 1139 ff.), in ihren Eschatologien 
sondert verweilen. Wenn man von einer hölli- (o. Bd. 3, Sp. 1182 ff) zeigen sie, wie der Mensch 
sehen Feuerglut sprach, wird diese entweder der Sinnenlust entfliehen und sich von dem 
wie Vergih Phlegethon an jene Stätte der Ver- Zwange der Seelenwanderung frei machen 
dämmten verlegt, oder die ganze U. galt, ent- könne. Mit diesen Gedanken steht die Vor- 
gegengesetzt der Stätte der Seligen, als Straf- Stellung von den Büßern zwar nicht in so offen- 
ort. Vielleicht knüpft das Strafgericht, das barem Widerspruch, daß beide, nachdem sie 
den abgefallenen Juden an der Stätte ihres einmal gegeben waren, nicht hätten nebenein- 
heidnischen Kultus auf der Grenze zwischen andergestellt weiden können, wie dies bei 
Juda und Benjamin angedroht wird (lerem. 7, Vergil wirklich geschieht; aber daß die Vor- 
82; 19,6; vgl. Ies. 66, 24), an Vorstellungen 50 Stellung von den heroischen Büßern eben in 
vom höllischen Feuer an, die noch in der Christ- den Kreisen entstand, welche die Seelenwande- 
lichen Literatur nachwirkten (loh. änox. 9, rang lehrten, ist doch ganz unwahrscheinlich. 
If; 11; 11,7; vgl. 19,20; 20,10; Luk. 8,21) Und doch führt genauere Betrachtung der in 
und die schon früh mit dem im Tal Hinnom der Odyssee genannten Büßer auf die Vor- 
geiibten, nach Ansicht der Propheten ruchlosen Stellung von der Eitelkeit des Sinnengenusses 
Götzendienst verbunden waren. Daß die Strafen und des rastlosen Strebens, also wenigstens in 
der Frevler schon in der vorepischen Literatur die Nähe jener Orphiker, die der Zeit und 
der Griechen und auch schon in der Kultur auch ihren sonstigen Bestrebungen nach jene 
der vorgriechischen Bevölkerung und im Orient Gestalten nicht geschaffen haben können. Der 
ausgemalt waren, ist nicht unwahrscheinlich, so Hauptvorwurf, den die Prediger der Weltflucht 
aber die berühmten mythischen Namen, die gegen das Begehren und Streben richten, ist, 
sie bei Homer und den Späteren tragen, können daß es nie zur Ruhe kommt, daß vielmehr 
ihnen erst im Laufe der Entwickelung des dem befriedigten Wollen immer ein neues nach- 
gviechischen Heldengesanges beigelegt sein. Es wächst zu frischem Leiden des in der Sinnen- 
ist deshalb grundsätzlich gegen Dieterichs (Nek. weit befangenen Menschen: diesen Gedanken 
68 ff.; s. dagegen Dümmler, Kl Sehr. 140 ff.), drückte die von der Odyssee benutzte Nekyia 
später von Badermacher, Bh. Mus. 63 (11(08), durch den Mythos von Tityos aus, der die 
530 ff. aufgenommene Vermutung nichts einzu- Leto begehrte und dem zwei Geier die immer 



85 Unterwelt Unterwelt 86 

nachwachsende Leber, nach assyrischem {Mor- Bestrafung nahe legen. Die Frevler nicht na- 
ra Jastrow, Belig. Babyl. u. Assyr. 2, 218 ff.) menlos zu lassen, sondern sie «agenberühmten 
und griechischem {Aisch. ky. 791; E*(t. 134, Helden gleichzusetzen, verstand sich für diese 
Soph. AI 938; Eur. 'Pfja. 425; Ixer. 699; Plut. Vorläufer der Mystik fast von selbst, wenn sie 
el äiS. 1) &». 11, S. 450 F) Glauben den Sitz sich, wie sie es wahrscheinlich taten, der epi- 
aller Gemütserregungen, auch der erotischen sehen Form bedienten. Tantalos, Sisyphos, 
{Theokr. 11, 16; 13,71), ausfressen. Die Nichtig- wahrscheinlich auch Tityos und Iiion hatten 
keit alles irdischen Strebens betonen der My- als Ahnen machtiger Geschlechter gegolten, 
thos von Sisyphos, der den immer wieder herab- die gegen Ende des 7. oder am Anfang des 
rollenden Stein hinaufwalzt, und die in der io 6. Jahrh. gestürzt worden waren, und wie 
Odyssee noch nicht benutzte Vorstellung der ihren Nachkommen hatten die Sieger auoh 
Seelen, die Wasser mit durchlöcherten Krügen ihnen die Ehren genommen ; so boten sie sich 
schöpfen oder ein Faß ohne Boden füllen sollen. von selbst den Weltverächtern als Beispiele 
Daraus ergibt sich, daß auch in den jüngeren für die Nichtigkeit irdischer Macht und welt- 
Überlieferungen von den Büßern dieselben Ge- liehen Genusses. 

danken enthalten sein können wie in den von 65. Die Totenrichter. Die Strafe wird 
dem Dichter der Odyssee benutzten. Ein ande- den Gottlosen nach der späteren griechischen 
rea Beispiel dafür ist Ixion, ein Bild für den Auffassung in einem geordneten Gerichtsver- 
der Sinnenlust frönenden Menschen, der das fahren zuerkannt; von einem solchen ist schon 
höchste Glück, die Umarmung der Götterköni- »u in altägyptischen Texten die Bede. Als Zeu- 
gin zu genießen glaubt, aber durch eine Wolke gen treten bei Luk. vt*vop. 11 die Schatten 
getäuscht und zur Strafe immer auf dem feuri- auf, welche die Körper bei Lebzeiten geworfen 
gen Bad der Leidenschaften umhergewirbelt haben und daher alle Handlungen der Men- 
wird. Einen ähnlichen Gedanken drückt der sehen kennen; auch werden die Menschen von 
Tantalosmythos in seinen beiden Fassungen aus. allem Schein entkleidet und zeigen alle Schä- 
Nach der Odyssee hascht er in ewigem Durste den, welche ihre Verfehlungen an ihnen zu- 
nach Genüssen, die ihm stets entgleiten, weil rückgelassen haben {ebd. 12, daraus n&ch Helm, 
des Genusses wandelbare Freuden ewig der Be- Luc. u. Menipp. 78 vielleicht Julian ffwfi*. 
gierde Fluoht rächt; nach der in anderen Quel- 809c; s. auch Plat. Oorg. 623). Bei römischen 
lea überlieferten Sage (o. Bd. 5, Sp. 79, 81 ff.), so Dichtern werden die Seelen meist durch Folter 
die aber nicht in der Unterwelt spielt, sitzt er gezwungen, selbst ihre Schuld zu gestehen, 
an dem reich besetzten Tisch der Götter, kann s. z. B. Verg. Aen. 6, 567; Culex 375 f.; Stat. Th. 
aber, weil über ihm ein drohender Felsen hängt, 4, 530 ; Claud. 5, 476. Der Bichter, der die Strafe 
nicht zum Genuß der dargebotenen Gaben ge- erkennt, wird in der Odyssee nicht genannt, 
langen. Alles das sind Gedanken, die zwar, Am nächsten läge es, daß der Unterweltsge- 
weil sie der Seelenwanderungslehre wider- bieter selbst oder seine Gattin, die bisweilen 
sprechen, noch nicht der in der zweiten Hälfte als eigentliche Herrin des Totenreiches er- 
deB 6. Jahrh. voll ausgebildeten Mystik an- scheint, über daB Los ihrer Untertanen ent- 
gehören können, aber deren Weltverachtung scheidet; und in diesem Sinn ist schon von 
doch schon wirksam vorbereiten. Denn wie 40 einem Teil der älteren Ausleger (schol. 104 b) 
gleichzeitig in Indien und vermutlich auoh in Pind. Ol. 2, 58 ff. t« 8' iv räSt Jibg &qx$ &lt- 
den die Vennittelung zwischen diesem und tfä xarit yS« ätxäfs» «e h&t$ ( orter h&Q<*) 
Griechenland herstellenden vorderasiatischen Uyov cpqaeut.s (oder yetLacas') ivdfx^c (oder 
Geburtsländern des Mystizismus ging der See- kvdyxa), die älteste Stelle, in der das Toten- 
lenwanderungslehre eine Bewegung voraus, die gericht in der griechischen Literatur erwähnt 
zwar schon die Verachtung alles Begehrens wird, gedeutet worden. Während Maaß, Orph. 
lehrte, aber die Erlösung durch Unterbrechung 272, Buhl, De mortuor. iudic. 35,2 u. a. mit 
des Kreises der Wiedergeburten noch nicht ge- einem Teil der Scholien (108 d) den Nominativ 
fanden hatte. Dadurch ist zugleich annähernd bevorzugen, so daß die Entscheidung über das 
die Zeit bezeichnet, in der die ftomerischen so Schicksal der Toten der Ananke zufällt, da 
Büßergestalten geschaffen sein müssen; über Bhadamanthys, der Gebieter auf der Insel der 
den Anfang des 6. Jahrh. wird die Vorberei- Seligen {Pind. a. a. O. 75), nicht gemeint sein 
tung der Mystik schwerlich hinaufreichen. Mit könne, wird jetzt (z. B. von Malten, Arch. Jahrb. 
der O. haben diese Frevler ursprünglich nicht 18 ri913], 47, 3 und von Schröder auch in der 
notwendig etwas zu tun; ihre Strafe wird auch 2. Aufl.) meist ns als Subjekt genommen und 
nicht immer in den Hades verlegt. Tantalos der unbestimmte Ausdruck entweder auf Hades 
sitzt beim üppigen Mal mit den Göttern, Ixion oder auf einen anderen (damals vielleicht noch 
(o. Bd. 2, Sp. 768, 61 ff.) wird in den älteren unbenannten) Bichter in der U. bezogen. Deub- 
Quellen in der Luft gepeinigt, Phineus ist als ner, Herrn. 43 (1908), 638, deutet mit Buecheler 
irdischer Seher in die Argonautensage gekom- so v. 57 auf die Bache, welche die Unterdrückten 
men. Die Übernahme dieser Gestalten in die sofort nach dem Tode ruchloser Tyrannen neh- 
Unterwelt kann aber schon von Anfang an men, indem sie z. B. die Leichen aas den Grä- 
dadurch vorbereitet gewesen sein, daß der bern reißen, und übersetzt iv rääe z/iöj &o%ü 
Dichter das Leben in der Sinnenwelt, wie es 'unter der gegenwärtigen Begierung des Zeus . 
ein halbes Jahrh. später häufig geschah, als Er nimmt nämlich an, daß Pindar die von 
Tod bezeichnet hatte; auch daß verwandte .Rat.rof y.79,523ebezeugteSagenform kannte, 
Büßergestalten seit uralter Zeit in den Hades nach der ursprünglich die Lebenden über die 
versetzt wurden, mußte diesen als Ort für die Toten richteten, daß aber Zeus wegen der Un- 



87 Unterwelt Unterwelt 88 

Gerechtigkeit ihrer Urteile einen besonderen Miva tvv&axog (-= ovv&axoe) xuq' eiaeßiaiv 

Unterweltarichter einsetzte. Wen aber auch genannt wird. Triptolemos wird neben den 

Pindan xis bezeichnen mag, spater ist Hades drei anderen Bichtern auch von die. Tust. 1, 
nicht selten Totenrichter. In einer Grabinschrift 41, 98 genannt und erscheint neben zwei an- 

(Kaibel, Epigr. 611a, 2) führt der Eronide, deren auch auf dem unteritalischen Unter- 

d. h. Hades, den frommen Toten ins Elysion. weltsbild bei Furtwängler-Beichhold 1, 10 (Text 

Pluton (Val. Flacc. 4, 267 ff.) oder PerBephone S. 48; vgl. Mon. d. i. 8, 9; Koehler, Ann. dell' 

{Pmd. fr. 188, 1; Apoll. Shod. 2, 916 ff.) sendet inst. 86 [1884], 26; Gerhard, Ges. Abh. 1,418; 

die Toten wieder herauf, Persephone bitten Stephani, Compt. rend. 1869, S. 78, 6). Nach 

die Toten auf den Goldtafelchen von Thurioi 10 Sohde, Psyche l',311, 1 haben die Athener den 

um Zulassung zu den 6Sp<u e&ayitov. An sie ihnen als Landesfeind verhaßten, von der Tragö- 

und Dis soll Nebris die Bitte richten (Anihol. die verunglimpften (Flut. Grits. 16) MinoB durch 

Lat. 2 , 898 , 4) , ihr sedes honoratas zu geben ; ihren Triptolemos ersetzt. War die» wirklich 

ebd. 1262 werden die numina inferna um Ver- ihr Gedanke, so sind sie damit jedenfalls nicht 

leihung der ewig lichten Haine gebeten. Prop. durchgedrungen, denn von allen Totenrichtern 

4(6), 11,18 schwankt, ob der Vater (Dis) oder wird Minos am häufigsten genannt. 
Aeacus richtet; einen Totenrichter neben Ha- 

des will Gerhard, Auserl. Vasenb. 3, S. 164 auf Die Stätte der Seligen. __ 
dem rf. Vb. ebd. T. 189 erkennen, obwohl dort 66. Die dritte Klasse der Toten kommt an 
auch alle drei Totenrichter dargestellt zu sein »o einen 'besseren Ort' (Kaibel, Ep. 649, 1), der 
scheinen. Bei Sil. It. 18, 648 heißt es zwar von bei seinen nahen Beziehungen zu den hier be- 
Rhadamanthys poenas expetit, aber die 'Kö- handelten Vorstellungen auch in Betracht zu 
nige' richtet ebd. 601 coniux lunonis Avernae. ziehen ist, obwohl er schon seit alter Zeit nicht 
Dafür, daß Hades der eigentliche Richter der immer und später nicht einmal überwiegend 
Toten ist, lassen sich noch anführen Aisch. als Teil der U. betrachtet wurde. Er heißt 
£*(t.273; Ixet. 280 (von v. Wilamowitz, Aisch. namentlich auf Grabschrifien (vgl. Kaibel) x«>- 
S. 26 auf das ägyptische Totengericht bezogen); pos liaeßiav, iäfai eiayimv, 'HXvsiov, (j«xä- 
Eurip. fr. 466 (Aristoph. ßarg. 768 mit Schal); e<av vfjeoi, jjeipos iiccxaqav, fiaxagav neSiov [cvee- 
Val.Flacc. 3,386; Stat. Theb. 8,21; Anth. Lat. ßierv Sifiog Grabepigramm aus Kos, Herzog, 
2, III, 7, 4 usw. Auf dem berühmten Wandbild 30 Philol. 79 (1924), 399, 15 u. ö.; s. o. nr. 39] u. a. 
des Vincentiusgrabes in Rom wird die fromme Die Ausdrücke ElysischeB Feid und Inseln der 
Vibia von Hermes und Alkestis vor Dispater Seligen müssen früh für gleichwertig gegolten 
und Aeracura geleitet, um dort in Gegenwart haben ; vgl. Od. S 664 mit Pind. Ol. 2, 75. Auch 
der Fata ihr Schicksal zu empfangen (Abb. Malten, Arch. Jb. 28(1913), 86 ff. hält beide 
bei Garrucci, Storia dell' arte Christ. 6, 171, Bezeichnungen für gleichbedeutend, trennt sie 
T. 488; Wilpert, Die Malereien der Kata- aber von dem %&qos tiacßciov, der erst im 
komben Borns, T. 132. Auf einem anderen Vb. 6. Jahrh. im Kreise der Orphiker als Name 
{Bartoli, Pitt, del Sepolcro dei Nasoni, T. 8; für die Stätte der frommen Mysten aufgekom- 
MüUer -Wieseler, Denkm. d. alt. Kunst 2, 69, men sei. Nach Malten können die (taxäoav 
nr. 860, 8. 87) führt Hermes eine oder zwei 40 vffioi ursprünglich nicht das Totenland be- 
Tote vor das thronende Paar Hades und Per- zeichnen, weil erstens (icxcpes in der älteren 
sephone, von denen aber diese nicht mitzu- Sprache oft ein Beiwort der Götter sei (es 
richten scheint. Ähnlich wie auf dem Vibiabild findet sich übrigens auch nicht selten wie tia- 
ist die Auffassung auf einem ephesischen Sar- xagtla von lebenden Menschen gesagt) und 
kophag (Jos. Keil, Österr. Jahresh. 17 [1914], 143), diese auch ohne Hinzufügung eines Hauptwortes 
wo anscheinend neben Hades die Moirai zu bezeichne, zweitens aber Menelaos ohne zu 
entscheiden haben. — In den späteren Dar- sterben in das Elysion gelangte. Richtig ist, 
Stellungen des Totengerichtes, über die B. Seim, daß noch ein Teil der jüngeren Schriftsteller 
Luc. und Menipp 81 f.' handelt, überwiegt aber das Elysion und die Inseln der Seligen von 
die Vorstellung, daß nicht der Herrscher der 60 der U. trennt. Während Vergil seinen Helden 
Unterwelt selbst, sondern eigene Richter die unmittelbar von dieser in die amotna virecta 
Taten der Menschen beurteilen. Gewöhnlieh fortunatorum nemorum sedesque beatas gelangen 
werden drei genannt: Minos, Rhadamanthys, läßt und zwar diese, wie es scheint, in der 
Aiakos (Plat. rooy. 79 ff. , 623 ff. ; Flut. cons. Nähe von dem Königshause Persephones (Aen. 
ad Ap. 36; Demosth. 18, 127; Sen.Herc. für. 732 6,681 verglichen mit 142) ansetzt, bei der 
u. a. 8. o. Bd. 4, Sp. 82, 48 ff.) , in der Piatoni- sonBt die frommen Toten auch in anderer Über- 
sehen Apologie (82, S. 41a) erscheinen aber lieferung verweilen, trennt ein Grabgedicht 
außerdem Triptolemos xa! älloi oeoi r&v ^|it- {Kaibel, Ep. 414, 6) den 'OeeioiSos •ShSxos, d. h. 
ftiav Sixaioi iyivovro iv x& iavx&v ßito. Daß die Stätte der Seligen, von der der tp&ljievoi, 
nicht allein jene drei Totenrichter wegen ihrer «o ein anderes (ebd. 649,8; vgl. 3) versetzt es 
im Leben bewiesenen Frömmigkeit zu diesem avyatg iv xa&aQaleiv 'OXifinov itXr\aLov, und 
Amt berufen sind, wird auch sonst oft hervor- der jäpos (laxä^av (ebd. 324, 3 f.) wird bei den 
gehoben; viel seltener begegnet die hier aus- Gestirnen angenommen. 'Im Hades' r)i nov iv 
gesprochene Vorstellung, daß auch andere tiaxäoeeoi xuz' 'HXvaiov xiSov uüve weilt Me- 
Fromme Beisitzer beim Gericht sind ; sie scheint mnon bei Qu. Smyrn. 2 , 660 und ebd. 14, 22fr 
sich noch bei Sen. Herc. für. 744 und auf einer wird im Elysion oifarov i£ ixdtov xuruißaeiv 
ägyptischen Grabschrift (Arch. f. Papyrusf. 5 &voSig *» angesetzt. Das Grabgedicht bei Kai- 
[1918], 164, nr. 12) zu finden, wo der Tote bei, Ep. 664,6 spricht vom fiaxäpcov «Sijp und 



89 Unterwelt Unterwelt 90 

läßt den Toten {reöv jisVojjos werden. Die In- 2,78; vgl. Apollod. 8, 39). Solche Umdeutungen 
sein der Seligen setzt Plin. n. h. 4, 119 den In- sind nicht vereinzelt. Radthes {Herrn. 36 [1901], 
sein der Götter gleich, und weit verbreitet ist 43) Vermutung, daß die Kadmeia wegen des 
die Vorstellung, daß die Toten in den Himmel thebanischen Ammonion (vgl. die Ammonioi 
zu den Göttern eingehen und zu Sternen (Pas- der Oase jiaitdomv vfjaoe, Herod. 3, 26; Huris 
cal, Riv. filol. class. 88 [1910], 427 ff.) oder selbst b. Steph. Byz. Atoadio) Inseln der Seligen ge- 
zu Göttern (Romsei, Rev. it. anc. 14 [1912], 380) nannt wurde, trifft vielleicht insofern das Rich- 
werden können. Die Totenvergötterung ist ur- tige, als später die auffallende Bezeichnung 
alt. Nichts hindert die Annahme, daß auch auch durch diese Zusammenstellung begründet 
in der Welt, in welcher der Dichter der Odys- 10 sein kann. MaKaqav vfjaoi ergibt sich aus die- 
»ee lebte und in welcher der Totenzauber un- sen Benennungen von Heiligtümern noch nicht 
tersagt war, sich einzelne Spuren der unter- als Aufenthalt der glückseligen Toten, ist aber 
drückten Vorstellung erhalten hatten, und daß als solcher deshalb anzunehmen, weil der My- 
Menelaos, der aus den Vorstellungen der ho- thos Helden und Heroinen durch Zeus dorthin 
merischen Epen heraustritt, deshalb nicht stirbt, versetzt werden läßt; See. Op. 171. — Wenn 
weil ein alter Glaube ihn im Jenseits weiter- Rhadamanthys in der Fassung der Legende 
leben ließ. Menelaos und Helena scheinen aus nicht ursprünglich ist, die das Paradies als 
der Legende einer Kultstätte zu stammen, die Inseln der Seligen bezeichnet, so wird zu die- 
sich vermaß, das Schicksal der Toten in der sem ursprünglich ein anderer Gebieter gehört 
U. zu bessern. Auch der Name Elysion deutet 20 haben, und da liegt Kronos am nächsten, 
auf eine solche Mysterienkultstätte. Er gehört, den Hes. Op. 169 und Pind. Ol. 2,70 (vgl. o. 
wie mit Recht angenommen wird, zu Eleusis. Bd. 2, Sp. 1466 f.) dort wohnen lassen, und der 
Die alte Ableitung von iXev&a ist unanfecht- vielleicht als Herr der Seligen dem Zalmoxis 
bar. Dies Wort hat die Bedeutung 'bringen, gleichgesetzt wurde ; Phot. Zalfim^ig nach M nas. 
hervorbringen', intransitiv oder medial 'kom- EHG 8, 153, 28; Hesych Säly,. 
men, hervorkommen, sprießen, gedeihen'. Eleu- 57. Wer einmal in das Land der Erlösten 
tho oder Eileithyia ist die Göttin, die hervor- eingegangen ist, hat den Tod nicht mehr 
bringt, im\lvelr\ ein Zauber, der das Wachstum zu fürchten. Daher läßt die Sage auf den 
verhindert, r\i.va iov, ivrikieiov ein Platz, der Inseln der Seligen das Kraut wachsen, dessen 
durch einen einschlagenden Blitz geheiligt 30 Genuß Unsterblichkeit verschafft (Alex. Ait. b. 
(Suid. a.'HX.; Hesych, Et. Magn. 341, 5; vgl. Athen. 7, 296e; Schol. Bern. Georg. 1,437). 
Petersen, Burgtempel der Athena 82; Pauly- Die Vorstellung wird später in der Geschichte 
Wissowa^Kroll 10, 2461 f.; 11, 2139 f.) und da- des Glaukos von Anthedon (0. Bd. 1, Sp. 1679, 
durch nach dem Glauben der Alten zu einer 15 ff.) verwendet, und wahrscheinlich hat ein 
8tätte des Gedeihens geworden ist; Eleusis, Hymnos in der boiotischen Stadt, wo vielleicht 
das Heiligtum, wo die Göttin der Hervorbrin- auch von Rhadamanthys erzählt wurde , von 
gung alles Guten im Diesseits und Jenseits den Inseln der Seligen gesungen. [So zeigt 
verehrt wird. Rhadamanthys gehört wahrschein- auch Utnapischtim im Lande der Seligen dem 
lieh der kretischen Urbevölkerung an und ist Gilgamesch, wie er das Lebenskraut aus dem 
von den Griechen durch Menelaos übersetzt 40 Süßwassersee holen kann. DieBer Süßwasser- 
worden. Es ist doch kaum ein Zufall, daß Od. see spielt auch in der Sage von Alexanders 
i 564, r\ 323 auch er £av&6g heißt wie sonst Zug zum Lande der Seligen eine große Rolle; 
Menelaos, und es ist nicht gerade wahrschein- er wird erwähnt Ps. Kall. 2, 31; 8, 17 p. 122; 
lieh, daß es von Anfang an zwei Herren im 3, 21, p. 130; Ep. ad Arist.6 p. 198ÜT. = 26P/'. 
Elysion gegeben habe. Gehörte Rhadamanthys Hier ist die Säule des Sesonchosis, der an die 
in die Legende, die den Ort der Seligen mit Stelle Utnapischtims getreten ist. Dieser See 
diesem Namen bezeichnete, so entstammt er wird in den Cyriakusakten 'See der Versamm- 
wohl dem Sagenkreis des Eileithyiaheiligtums lung' genannt; s. 0. nr. 51.] Der Dichter des 
der knossischen Hafenstadt Amnisos (Str. 10, boiotischen Hymnos wollte die Hoffnung auf 
476; Paus. 1,18,5). Doch ist er in der späte- 50 das Fortleben nach dem Tode begründen, die 
ren Überlieferung, die zwischen Elysion und den Teilnehmern am Kulte winkten, wenn sie 
Inseln der Seligen nicht unterscheidet, gewöhn- von der am Orte wachsenden Zauberpflanze 
lieh nach diesen versetzt. Hier läßt ihn Pind. genössen. Er hat damit einen neuen Mythos 
Ol. 2, 75 wohnen, und wahrscheinlich nach dem geschaffen, aber die ihm zugrunde liegende 
Heiligtum, an dem von ihm erzählt wurde, Vorstellung von der Pflanze der Unsterblich- 
hat ein Dichter die Insel Kreta paxäoeiv i>7;<xos keit ist älter; sie findet sich nicht nur auch 
(vgl. Plin. 4, 58) genannt. Erythrai, das seinen in der Sage vom kretischen Glaukos (0. Bd. 1, 
Gründer zum Sohn des Rhadamanthys machte, Sp. 1687, 35), sondern gehört überhaupt wie 
heißt 'Land der Seligen' (Kaibel zu ep. 904). die von den Früchten des Lebensbaumes zu den 
Theben, dessen Burg jiaxägcov vijaoi genannt 60 am weitesten verbreiteten. Wie neben dem 
wurde (Lykophr. 1204; Armenid. bei Suid. und Wasser der Lethe die Blume des Vergessens 
Hesych. s. v.), hat diese Bezeichnung ebenso steht, so entspricht der Blume oder dem Baum 
wie den Rha damanthys und dessen Gattin, die des Lebens das Lebenswasser. Die Geschichte 
nach den Inseln der Seligen überbrachte Alk- dieser Vorstellungen, die wahrscheinlich ur- 
mene, aus der Oberlieferung von Okaleia oder verwandt sind, sich dann aber verselbständigt 
Haliartos (0. Bd. 4, Sp. 84, 58 ff.) übernommen; und nachträglich wieder unter einander und 
später ging die Versetzung ins Paradies auf mit der von Nektar und Ambrosia durchkreuzt 
den Eponymos der Kadmeia über (Pind. Ol. haben, kann hier nicht gegeben werden; vgl. 



91 Unterwelt Unterwelt 92 

im allgemeinen Gruppe, Griech. Myth. und häufen durch einen Adler in den Himmel ge- 
Religiotugcsch. 816,9; 872,1; 1039,2; 1680,6; tragen; Herodian 4,2; Cass.Dio 66,42; 74,6; 
Wünsche, Die Sage vom Lebensbaum und Lebens- Artemid. 2, 20. Vgl. auch Lukian Peregr. 39. 
wasser Leipzig 1905 und über das neugriechi- Der Alexanderroman gibt zwei Berichte über 
sehe &&ävazo veoii W. Klinger, Phil. 66 (1907), Alexanders Tod; nach dem einen, wohl ur- 
340. Obwohl die Pflanze, der Baum und das sprünglichen (Ps.-Kaü. 3,83 p. 147 M.), der 
Wasser der Unsterblichkeit in den zahlreichen bei Valerius, in der armenischen Übersetzung 
abgeleiteten Formen nicht immer in das Para- und in ß steht, steigt ein Adler vom Himmel 
dies verlegt werden, ist diese Ansetzung, die herab und erhebt sich wieder zur Höhe em- 
Greßmann, Arch. f. Religionswiss. 10 (1907), 10 por, als Alexander gestorben ist.l 
850 auch für die hebräische Religion (Prov. Wie die Greifen den Sonnenwagen ziehen, 
10,11; 13,14; 14,87) voraussetzt, doch als ur- so tragen sie auf einem Grabdenkmal von der 
sprünglich anzunehmen; die einzelnen Heilig- Via Appia den Toten zu den Sternen (Cumont 
tümer wollten den Festgenossen einen Vorge- a. a. O. 164). Die Annahme, daß diese Vor- 
schmack der sie erwartenden Freuden im Jen- Stellung bereits auf dem Sarkophag von Hagia 
seits geben und malten daher dieses mit Zügen Triada ausgeschmückt sei (s. zuletzt Deubner 
aus, die dem bei ihnen geübten Ritual ent- a. a. 0. 12) bestreiten A.J. Reinach, Eev. arch. 4, 
sprachen. Ser. 12 (1908'), 285f.; Rev. hist. rel. 60(1909*), 
58. Die Lage des Landes der Seligen. 241 und Dussaud, ebd. 58 (1908'), 370. Aber 
Hinsichtlich des Ortes, an dem die Statte der so uralt ist die Vorstellung von der Himmelfahrt 
Seligen gedacht wurde, hatten seit alter Zeit der Seele, zu der noch Paribeni, Mon. ant. R. 
im Morgenland verschiedene Auffassungen ge- occ. dei Lincei 19 (1908), 81 ff. und Waser, 
herrscht, die sich auch in Griechenland nach- Arch. f. Rel.-Wiss. 16 (1918), 887 zu verglei- 
weisen lassen. Mit der Bezeichnung räf oe ei- chen sind, jedenfalls auch im Mittelmeergebiet. 
asBiav usw. verbindet sich gewöhnlich, wie es In der hellenistischen Kunst fährt der Tote 
scheint, die Vorstellung eines unterirdischen bisweilen im Sonnenwagen aufwärts, geleitet 
Raumes, wahrend das Elysion und die Inseln von Phosphoros {Deubner a. a. 0. 8), auf einem 
der Seligen, wenn diese Bezeichnungen sich nicht Sarkophag in Venedig benutzt er zum Aufstieg 
auf eine bestimmte Kultstiitte beziehen, ge- den Wagen Selenes (ebd. 10 ff.); [über die 
wohnlich am Rande der Erde oder imOkea- so Himmelfahrt Trajans auf dem &oua Xevxonco- 
nos gesucht werden. Pindar, bei dem die Xov u. a. s. Kornemann, Klio 7 (1907), 278 ff.] 
mystischen Vorstellungen des 6. Jahrh. hinein- Bei Pind. Ol. 2, 77 ist dibs 6Sbv von Sergk 
spielen, verbindet beide Vorstellungen und be- und, trotz Sohdes Zweifel, neuerdings von 
nutzt sie, um die Stätte der iaXoi, der einmal Capelle, De luna stellis lacteo orbe animarum 
im Leben Erprobten (v. 61 ff.), von der der sedibus, Diss. Halle 1907, 38 auf die Milch- 
dauernd Erlösten zu trennen, die sich in drei strafie bezogen worden, den Seelenweg. Diese 
Verkörperungen frei von Schuld gehalten ha- Vorstellung scheint Ausgangspunkt in Hera- 
ben und ein wonniges Leben auf den Inseln kleides Pontikos' Dialog 'E^-nefötifios rj xsgl 
der Seligen führen (68 ff.); vgl. Malten, Arch. oi-qav&v gewesen zu sein (vgl. Varro b. Serv. 
Jahrb. 18 (1918), 48f. Aber zu beiden Schilde- «o Georg. 1,34), aus dem nach Capelle a. a. 0. 45 
rungen werden dieselben Farben verwendet, Cic. Rep. 4 (== Somn. Scip.), 13 und Manu. 1, 
und auf der Insel der Seligen wohnen nach 758 schöpfen. Jedenfalls ist seit dem 5. Jahrh. 
epischer Erinnerung Peleus und Kadmos, und (Gruppe, Bdbch. 1498, 1) die allerdings meist 
Plat. roQy. 79, 524 a hat den Tonoe tiaeß&v aus ihrem mystischen Zusammenhang gelotste 
und die Insel der Seligen geradezu gleichge- Vorstellung weit verbreitet, daß die Seligen 
stellt, indem er diese in die Unterwelt verlegte. als Sterne am Himmel wohnen ; vgl. außer 
Eine dritte Auffassung war die von der Stätte Capelle besonders Gundel, De stellarum appel- 
der guten Toten im Himmel. Schon der ve- latione et relig. 1907, 129; Pascal, Siv. di fil. 
dische Sänger (Rig-Veda 9. 113, 7ff.) wünscht class. 88 (1910), 427ff.; Stenzel, Festschr. zur 
am Firmament unsterblich zu sein; auf assy- w Jahrh.-Feier der Universität Breslau 1911, 86ff. ; 
rischen und griechisch-römischen Denkmälern Pfister, Berl. phü. Wschr. 1912, 1123 ff.; Greß- 
aus Hierapolis findet Cumont (Rev. hist. rel. mannn, Protestantenbl. 49 (1916), 661 ff.; Pfeiffer, 
62 (1910'), 119 ff. und gegen Gardiner, der ihm Stud. zum ant. Sternglauben 118ff. 
brieflich die Vermutung ausgesprochen hatte, Wenn das Land der Erlösten unter die Erde 
daß die Seleukiden die Vorstellung aus Ägypten oder an ihren Rand versetzt wurde, dachte 
übernahmen, ebd. 63 (1911), 213; vgl. auch man es sich gewöhnlich als einen Teil der U. 
Lidzbarxki, Ephem. f. sentit. Epigr. 3, 8 (1911), oder ihr wenigstens benachbart und von dem- 
188 f.) die Vorstellung ausgedrückt, daß ein selben Götterpaar beherrscht. Geradezu wird 
Adler die Seele zur Sonne emportrage. Auf dies in älterer Zeit nicht und auch später 
dem Relief einer römischen Grabstele geleitet 60 nicht oft ausgesprochen (z. B. bei Kaibel, ep. 
ein fackeltragender Knabe (der Morgenstern?) 189,6 öäpctta Higastfövrn %a>Qiti tv sieeßiwv; 
den vom Adler emporgehobenen Toten zum vgl. Anth. Lat. 2, 501, 3), aber wenn seit Hes. 
Sternenhimmel (Cumont a. a. 0. T. 1, Fig. 2 i. x. 15. 171 die Inseln der Seligen an den Okea- 
S. 141). Deubner, der sich (Eüm. Mitt. 27 (1912), nos gesetzt zu werden pflegen, wohin nach 
ltf.) an Cumont anschließt, weist auf Davstel- der Odyssee die Toten gelangen, wenn bei Verg. 
hingen des von einem Adler getragenen Zeus Aen. 6, 637ff. der Held unmittelbar von Perse- 
oder Serapis hin. [Auch die Seelen der kon- phones Haus in das Gebiet der Seligen ge- 
sekrierten Kaiser dachte man sich vom Scheiter- langt, wenn in den späteren Grabschriften, 



93 Unterwelt Unterwelt 94 

die so oft den Aufenthalt des Toten im Ely- manthys, ebenfalls ein Fürst in diesem zu- 
sion oder auf den Inseln der Seligen betonen, gleich oder nachtraglich mit dem Amt eines 
der Tote doch immer wieder als in das Reich Richters in der U. betraut gewesen. Es lag 
des Gottes der U. eingegangen bezeichnet wird, ja auch sehr nahe, dem Herrn des Paradieses 
wenn bei Claud. 35, 284 Pluton der Proser- die Entscheidung über die Zulassung in dieses 
pina die elyBische Sonne und das Wohnen im zu fiberlassen und ihn damit zum Hadesrichter 
reineren Licht mit deutlicher Beziehung auf zu machen. Wenn Menelaos die griechische 
die Unterweltschilderung bei Verg. Aen. 6, 641 Entsprechung von Rhadamantbys ist und sein 
verheißt, so scheinen dies Reste einer in alter Name mit Recht zu kyrjeiXaog und anderen 
Zeit weit verbreiteten Anschauung zu sein, 10 Bezeichnungen des Hades gestellt wird, muß 
nach der das Land der Verdammten und das dieser Bedeutungsübergang sich spätestens im 
der Frommen zusammenhingen. Wahrschein- 8. Jahrh. vollzogen haben, 
lieh bestand der Vorzug dieser dann eben dar- 69. Das Leben der Seligen. Für die 
in, daß sie in nächster Umgebung der Unter- Schilderung des Glückes der Erlösten war de 
weltsfürsten sich aufhalten und sich ihres gött- attischen Dichtern des 5. und 4. Jahrh. das 
liehen Umgangs erfreuen durften. Der gestor- Treiben in der Weihenacht von Eleusis im 
benen edlen Alkestis ruft der Chor bei Eurip. Boedromion vorbildlich. Wie dort die Mysten, 
Ülx. 746 nach "JiSov vvjMprj Tiaoeigsvois. In die in der vom Meerwind gekühlten lauen 
der Tat nimmt Alkestis in der späteren über- Septembernacht einen Vorgeschmack von den 
lieferung eine besondere Stelle ein; mit Mer- so ihrer wartenden Freuden im Jenseits zu kosten 
curius geleitet sie auf dem Grabgemälde des wähnten, Bich bekränzt bei Wein, Tanz und 
Sabaziospriesters Vincentius (abgebildet z. B. Musik ergötzten, so sollten es auch die Glück- 
bei Maaß, Orph. zu 8. 219) dessen Gattin Vi- seligen im Elysion tun. Oft werden die linden 
bia und zusammen mit andern tugendhaften Lüfte hervorgehoben: JmiavitUlts aifai, Pind. 
Frauen, Penelope und Eurydike, die Culex Ol. 2, 72; aioca 'HMaiai, Kaibel, Ep. 1046, 22; 
(Verg. Cul. 260ff.). Das Zusammentreffen ist vgl. Luk. v. hist. 2, 5; Prop. 4, 7, 60 u.a. Nach 
schwerlich zufällig. Da Admetos nach einer Badermacher, Wiener Studien 26 (1914), 827 
fast allgemein gebilligten Vermutung 0. Müllers bedeutet der Name der Hyperboreer, die er 
Unterwelts- oder Todesgott und Admete wahr- als die Bewohner des Paradieses faßt, 'die 
scheinlich in der alttroizenischen Rechtspflege so über den (rauhen) Winden'. [Die timoctala toO 
die Priesterin war, welche als Todesgöttin die Wjos ist überhaupt nach der Ansicht der an- 
zum Tode Verurteilten symbolisch mit ihrem tiken Geographen und Naturforscher vom Au- 
Gürtel band (Pauly-Kroll, Suppl. 3, 1060), so tor »epl &igav an das Zeichen eines von der 
haben allerdings ursprünglich Admetos und Natur bevorzugten Landes; 8. auch etwa Be- 
Alkestis nicht neben Hades und Persephone hat. von Abdera bei Diod. 1,10; ffippys von 
gestanden, sondern statt ihrer; und deren Ehegion FHG 2 p. 13; Potyb. 34, 8, 4; sie wird 
Namen Bind entweder Übersetzung oder volks- daher außerordentlich häutig auch in Schilde- 
etymologische Umdeutung vorgriechischer Be- rungen von Utopien, die Bich ja derselben 
Zeichnungen des Königspaares der U. Allein Farben wie die Beschreibungen des Landes der 
einmal muß doch die Vorstellung ausgesprochen 40 Seligen und des Schlaraffenlandes bedienen, 
sein, daß die zum frommen irdischen Weib erwähnt; so etwa Iambul. bei Diod. 2,56,7; 
herabgesunkene Alkestis bei Persephone weile. 57,1; Hehat. von Abdera bei Diod. 2,47,1; 
Diese selbst scheint ursprünglich die Gebiete- Commonit. Fall. p. 2, 10 Pf. = Ps.-Kall. 8, 7 ; 
rin im Lande der Seligen gewesen zu sein. Plut. Sertor. 8 ; s. auch Fiat. Tim. 24c. Axioch. 
Zwar kennt Homer Persephone und Hades nur 371 d] 

als die Schrecklichen (inaivoi); aber diese Auf- Die Darstellung des glückseligen Mysten- 

fusung ergab sich von selbst, nachdem die chors bei Aristoph. San. 811 ff. entspricht, wie 

Befreiung vom Hades aufgegeben war. Aus es scheint, den Freuden, welche die Geweihten 

Mysterien, die diese versprachen, scheint we- in der heiligen Nacht auf der Au von Eleusis 

nigstens die Gestalt Persephones zu stammen. 50 erwarten. Außerdem hatte freilich die Vor- 

Durch eine symbolische Vermählung mit ihr Stellung von den Gelagen im Elysion zugleich 

flaubten wahrscheinlich die Geweihten in an der uralten Sitte, den Toten Speisen und 
lleusis die Gewähr eines besseren Loses im Getränke vorzusetzen, einen Anhalt. Den grie- 
Jenseits erlangt zu haben. Der Mythos von chischen Philosophen war natürlich die Vor- 
PersephoneB Raub, der allerdings in sehr früher Stellung von sinnlichen Freuden im Jenseits 
Zeit bereits mehrere schwer abzugrenzende anstößig. Fiat. Mep. 2, 863 c verspottet den 
Cmdeutungen erfahren haben muß und auf den Musaios und seinen Sohn — d. i. Eumolpos 
hier nicht näher eingegangen werden kann, (o. Bd. 2, Sp. 32.S6, 44ff.), nicht Orpheus, wie 
ist ursprünglich oder wenigstens sehr früh — Dieterich, Nek. 72, Kircher, Die sairale Be- 
nenn auch nicht in Eleusis selbst — ein my- 60 deutung des Weins RGW 9, 2 (1910), 69 u. a. 
tisches Bild für die Entführung der Seele und glauben — , die von den Gelagen der Seligen 
ihre Wiederbefreiung gewesen. Das konnte er und der ewigen Trunkenheit der oaioi im Ha- 
aber kaum werden, wenn nicht die Mysten des fabelten. Aber der wirklich gläubige Athe- 
eben zu ihr gelangen sollten. — Wie Peree- ner hat wahrscheinlich auf das Schlaraften- 
phone nicht nur und vielleicht nicht Ursprung- leben als Lohn für die Mysten wirklich gehofft; 
lieh Beherrscherin des Hades, sondern auch vgl. Aristoph. Tayrjvieral; Laitan, lup. con- 
und ursprünglich vielleicht allein die des glück- fut. 17; Plut. ser. num. vind. 22, 566 f.; Luk. 
seligen Landes der Erlösten war, ist Rhada- v. h. 2,14; Ps.-Plat. Axioch. 13, ii"lc; Diele- 



95 Unucsall- Uphstie 96 

rieh, Nek. 78 ff. [Auch das Leben der Seligen gere (üng-sia), wie Cinxia (Thes. ling. Lat., 
im Himmel der Veden wird mit ähnlichen sinn- Onomasticon 2, Sp. 452) von cingere [zur Wort- 
lichen Farben geschildert; Kirfel, Kosmographie bildung wird verwiesen auf M. Pokrowskij, Zeit- 
derinder 43 ff.] Die sog. Totenmahle (o. Bd.l, sehr. f. vergl. Sprachforsch. 38 (1906), S. 282 f.]. 
Sp. 2571 ff.; Gruppe, Handbuch 1049, 1) dürfen Der Name bezieht sich auf den Brauch, die 
aber jetzt nicht mehr als Beweis für diese Pfosten der Eingangstüre zum künftigen Heim 
weit verbreitete Vorstellung angeführt werden; der Neuvermählten mit wohlriechendem öl zu 
denn sie stellten ursprünglich überhaupt nicht salben, Bossbach, untersuch, über die röm. Ehe 
die Toten, sondern die Götter, die durch ein S. 356 ff. (o. Bd. 2,1, Sp. 689). Arnob. 3,26 (es 
Mahl geehrt wurden (so zuletzt Bhomaios, Ath. 10 ist die Rede von divi tutelares): unetionibus 
Mitt. 39 (1914), 189ff.), vielleicht besonders superest (= praeest) Unxia, cingulorum Cinxia 
fremde Götter, di<) gastlich aufgenommen wa- replicationi. Ders.1,21: si caper caedatur lovi, 
ren (Svoronos, Ath. Nat. Mus. 1, 558), dar. Seit quem patri sollemne est Libero Mercurioque 
dem 3. Jahrh. begegnet der Typus zwar auch maetari, aut bos si sterüis Unxiae, quum Pro- 
auf Grabdenkmälern (Svoronos 561), scheint serpinae tribuitis, quod ritxi atque observatione 
aber hier vielmehr die Teilnahme des Toten praeeipitur : quid facinoris in hoc erit usw.? 
an dem bei seinem Grabe gefeierten Mahl aus- Martian. CapeUa 2, 149: Iterducum et Domidu- 
zudrücken. Noch zweifelhafter ist, ob aus der cam, Unxiam, Cinxiam mortales puellae /debent 
Lage der auf den linken Arm gestützten Lei- in nuptias convocare, ut earum et itinera pro- 
chen in einem mykenischen Grabe in Volo 20 tegas et in optatas domos ducas et cum postes 
{Berl. Phil. Wochenschr. 20 (1900), 704) die Vor- ungant faustum omen afflyas et unguium po- 
stellung von dem Gelage im Jenseits erschlossen nentes in thalamis non relinquas. Preller -Jor- 
werden darf. Eher könnte eine kyrenäische dan, Böm. Mythol. 3 1, S. 280 und 2, S. 2)7. 
Schale des 6. Jahrh. Zeugnis ablegen, auf wel- G. Wissowa, Belig. u. Kult. d. Böm.' S. 186, 1. 
eher dienende Geister in Gestalt von geflügelten B. Peter o. Bd. 2, 1, Sp. 173. (147). 228, Art. In- 
Jünglingen und Menschenvögeln Wein und digitamenta (doch vgl. Amt, Beal-Encyclopädie 
Kränze für fünf zum Trunk gelagerte Männer derclass.Altertumswissenseh, Neue Bearbeitung, 
herbeibringen {Weicher, Seelenvogel 15 ff.). Die 3, 2, Sp. 2663, Art. Cinxia). Daremberg- Saglio, 
hier erwähnten Kränze haben wiederum einen Dict. des antiq., Fase. 49 (Halbband 9) p. 601 
Anhalt im Totenkult; s.o. Bd 2, Sp. 2322, 30 ff. 30 verweist auf J. A. Hild, Art. Iuno, ebd. 3, 1 
Die Kränze der glückseligen Toten (vgl. Diete- (Halbbd. 5), p. 684, Col.I. Thulin in Beal-En- 
rich a. a. O. ; Pascal, Cred. d'Oltrat. 1, 35 f. ; Jos. cyclop. d. class. Altertumswiss., Neue Bearbeitimg, 
Klein, Der Kranz bei den alten Griechen 40) 10, 1, Sp. 1118, Art. Iuno § 7. [Keune.] 
sind oft mit den beim Totenkult üblichen ver- Uö s. u. U. 
glichen worden. Von Reigen in der U. spre- Uöab (Ovioäß) s. u. U. 
chen u.a. Ps.-Flat. Axioch. 13, 371 d; Verg. Hoch (Oi<i>x), böser Geist der 14. Donners- 
Aen. 6,657; Tib. 1,3,59; Val. Fl. 1,845 und tagstunde, entgegengesetzt dem guten Geist 
ein Grabgedicht (Kaibel 1046,67). Synesios Bokiel (Boxte*); Beleg wie bei Veros. 
(Hymn. 8, 16 Fl.) wagt es, die Mysterienvor- [Preisendanz.] 
Stellung auf fromme Christenseelen zu über- 40 Uo-u, Dämonenname im demotischen Zauber- 
tragen, die er eiayimu jjopo/ nennt und Chri- papyrus von London-Leiden (ed. Grif/ith-Thom- 
stus zu preisen, der Xvaag &nb m\uaxav ibvi&v pson 1 [19041, 81) col. 10,30: 'Ich bin JJJ, EEE, 
öaiovs x°eobs »ideois iv &xrjgdToig dem Vater He He He, Ho Ho Ho; ich bin Anepo ('great' 
Hymnen darbringen (9, 16 ff.). Wie bei Syne- oder 'eider Anubü' , Griff.) . . . Aroui, Ouoou.' 
sios so waren schon in der Heldendichtung Die Überlieferung gibt kopt. TOT, eine Glosse 
Vnlin, de I w° P » le ' T "jf si K ch di ? äer die nach Griffith- Thompson <may be incom- 

l!Ä£ * ■ - T^,? e e " d6n ^° ß T n " P Ute ' und TOn ihne " «ganzt wird nach col. 

liehen Genüssen auch höhere genannt worden; 27> 9 . < Ich bin Ane . . \ Thibai der ß 

Zl» ören , von / ltterl j, e hen Übungen, musika- Ärouii 0u oou (w'w), Jaho.' [Preisendanf.l 

lachen und anderen Kunstdarbietungen, end- 5 o Uöthi, üastnen - Uöthi, Oamenöth, Entho- 

^,t fifiM P ff P° P V,°) en A Ge YT}V!i I er9 - much(O,00^:O«« ff » f ,oW«:O^ WO #:£^o- 

Aen. 6, 651 ff.; Ps.-Plat. Axioch. 13 371 cd „^ Namen des HermeS) wie £ in den vier 

„ , r , Gruppe. (Pflster.)j Ecken des Himmels stehen und leuchten, nach 

Unucsall- { Lersch, Bonn. Jahrb. 12, S. 45 f. Pap. Gr. Brit. Mus. 122, 7 Die Namen ent- 

Orelh-Henzenö92b) ist der in CIL 13,7912 sprechen den Gestalten des Gottes: im Osten 

(Brambach, CIBhen. 669) = Lehner, Die anti- Ibis, im Westen Hundsaffe, im Norden Schlange, 

km Steindenkmaler des Provmzialmuseums in im Süden Wolf; ebd. Z. 9—11. Hermes heißt 

Bonn (1918) nr. 246 [Fundort: Embken bei Zül- hier 'Vielnamiger'; seine 'barbarischen' Namen: 

pich (Kreis Düren)] zu Anfang verstümmelte Pharnathar Barachel Chtha (Z. 21). Schließlich 

Name der durch andere Weihinschriften ge- 60 sein 'wahrhafter' Name: 6 Zegyaewvvouawi 

sicherten VeaSunuxalis (Smmxsalis) oder Su- der aus 16 Buchstaben besteht (weshalb nicht 

nncsanis (Holder, Altcelt. Sprachschatz 2, Sp. Ooegy . . . sondern ö 2s 9 y ... zu schreiben sein 

d ,' n il °- B , d - 4 ' 3 Sp - 1602f ' KeUHe in dürfte), Z. 43; sein 'zweiter': Aürasax, Z. 49. 

Panlys Beal-Encyclop. d. AUertumsiciss., Neue Vgl. Beitzenstein, Poim. 20, Hopfner, Offen- 

Bearbtg., Art. SunucsaT). [Keune.] barungszauber s 406. [Preisendanzj 

Unxia, Beiname oder Sondemame der Iuno Uphstie liest man unter dem Fuße einer 

in ihrer Eigenschaft als Ehegöttin (Iuno Iuga tazza des britischen Museums, die im Katalog 

oder Iugalis, Iuno Pronuba), abgeleitet von ««- des genannten Museums 1, 366, nr. 1174, PI. B 



97 Upis Urania 98 

und danach von Gamurrini, Append. nr. 862 Sequana, Matruna, Icauna, Souconna, Divona 
Yeröffentlicht ist. Gamurrini deutet es entweder (Devonä) u. a. machen diese Deutung unwahr- 
als 'Etfiiari.og oder als Namen des 'dio Vul- scheinlich. — Über die Verehrung der Laves 
cano "Hcpaiezoe' . Letztere Deutung hat sach- Augusti s. /. Toutain, Les cultes paiens dam 
liehe und sprachliche Gründe gegen sich. Sach- l'Empire rom. 1, S. 73. G. Wisxoua, Relig. und 
lieh ist daraufhinzuweisen, daß ein Nominativ Kult.d.Bvm.'n^f.wad o.Bd. 2,2,Sp.l881. Über 
— und ein solcher ist das uphstie — auf Ge- eultores vgl. Dessau a. a. 3, S. 570. Thesaurus 
fäßen den Besitzer bezeichnet und die Dedi- ling. Lat. 4, Sp. 1319. — Literatur bei Hirsch- 
kation an einen Gott im allgemeinen durch feld (1888), CIL 12, 3076 und Esperandieu (1907), 
den Genetiv ausgedrückt wird, also hier durch 10 Becueil gin. des bas-reliefs de la Gaule rom. 1, 
eine Form auf -s (-ä). Auch der etr. Anlaut u- p. 298, nr. 432. S. noch Germer-Durand et All- 
ist mit dem griechischen ?;- lautlich nicht zu mer, Inscriptions ant. de Nimes (1893) p. 87 f., 
vereinigen. Endlich entspricht die etr. Endung nr. 18. Holder, Altcelt. Sprachschatz 8, Sp. 34. 
-ie einer griechischen -toe; für griechisch -og Maver, Einfluß der vorchristl. Kulte auf die 
findet sich etr. immer der Ausgang -e. Laut- Toponomastik Frankreichs, 1914 (Sitzungsber. 
lieh wäre etruskisches uqpstie vielmehr gleich der Akad. d. Wiss. Wien, Philos.-Hist. Kl., Bd. 
'Onie&ioe. [C. Pauli.] 176, 2), S. 18. 34. 36. Otto Stübinger, Die röm. 
Upis s. Opis. Wasserleitungen von Nimes und Arles, 1910 
uprinn kommt wahrscheinlich einmal auf (Zeitschrift für Geschichte der Architektur, Bei- 
«inem Spiegel von Vulci als etr. Bezeichnung so heft 3), S. 17. 62. 64 (= S. 263. 298. 300). CIL 
des Hyperion vor. Deecke, B. B. 2, 184, 23. 12, 2926. [Keune.] 

Veröffentlichungen Bull, dell' Inst. 1847, 117 f. Urania. 1) Beiname der Aphrodite, beson- 
Gerhard, Etr. Sp. 4, 116, Tf. CCCLXIV = Fa- ders in Athen und Umgegend, a) am Kolonos 
bretti, CII nr. 2142. Die Darstellung zeigt zwei agoraios nahe dem Hephaistosteinpel, also dem 
Figuren, links eine geflügelte weibl. Gottheit mit sogenannten Theseion, gab es ein Heiligtum der 
Strahlenkranz ums Haupt und der Beischrift Aphrodite U. mit Kultbild von der Hand des 
usil, rechts einen Mann; upriun mit der Chla- Phidias. Paus. 1,14,6 gibt dazu einen Kom- 
mys bekleidet, welcher der' Göttin anscheinend mentar aus einer Atthis mit Einmischung von 
zwei Strahlenkränze reicht. Die Lesung upriun Leset'rüchten aus Herodot (Wilamowitz , Aus 
ist nicht sicher, ebenso usil (vgl. dort). Im so Kydathen 158). b) Ihr Tempel iv xtj«o(s, Paus. 
Bulletino und bei Fabretti wird upriuS gelesen, 1, 19, 2, enthielt außer dem Skulpturwerk des 
Gerhard hat auf der Tafel upriuni, im Text Alkamenes einen alten hermenartigen Kult- 
uprium. Deecke gibt upriun, was sprachlich pfeiler mit einer Inschrift, worin sie die älteste 
griechischem 'Txtqimv am besten entsprechen der Moiren genannt war. Auf dieses zweite 
würde. Was für eine mythologische Szene dar- Heiligtum, welches unmittelbar bei demjenigen 
gestellt ist, läßt sich nicht ersehen, doch darf des Aigeus, einem Teil des Delphinions, lag, 
man wohl annehmen, daß die Gestalten trotz bezieht man die Nachricht von Aigeus als Stif- 
der nicht gesicherten Lesungen der Beischrif- ter, welche Pausanias irrig an der ersten Stelle 
ten auf Hyperion und die Sonnengottheit usil (a) gebracht hätte (Wachsmuth, Gesch. d. Stadt 
zu deuten sind. [Pauli-Fiesel.] lo Athen 1,411. Wilamowitz, Kyd. 158). Wachs- 
Upust b. Wep-wawet. muth 412,2 vergleicht das hermenförmige Aphro- 
Ura, fons, heute Font d'Aüro, Fontaine diteidol des von Theseus auf Delos gestifteten 
d'Eure bei Uzes im Departement du Gard, eine Kultes, c) Vom Piraeus kennt man eine Sta- 
Quelle, welche mit einer anderen Quelle die tuenbasis der Göttin mit Weihinschrift einer 
Wasserleitung des Pont du Gard speiste und Aristoklea aus Kition (auf Cypern): Kekule, 
somit an der Quellwasserversorgung von Nimes Die alten Bildwerke im Theseion nr. 76; das N 
beteiligt war. Die Quelle genoß göttliche Ver- noch schräg mit kurzer zweiter Hälfte, N . 
«hrung, denn ein Altar, gefunden im J. 1742 d) Von ebendaher stammen Inschriften, die 
zu Nimes 'pres de la Fontaine' ( Vincens-Bau- einen Thiasos der Göttin, also eine Kongrega- 
mes, Topographie de la ville de Nismes et de so tion oder Kultgemeinschaft bezeugen: Schaefer, 
<o banlieue 1802), im J. 1816 für das Museum Phil. Jahrb. 121 (1880), 425. Bull. corr. hell. 8, 
zu Lyon erworben, ist den Schutzgottheiten des 510. e) In Theben beschreibt Paus. 9, 16, 8, 
Kaiserhauses geweiht von einer Kultgemeinde, ohne von einem Tempel zu sprechen, drei hol- 
der Genossenschaft der Verehrer der Quelle zerne Xoana einer Aphr. U., einer A. Pande- 
Ura, CIL 12, 3076 = Dessau, Inscr. Lat. sei. mos und einer A. Apostrophia. f) In Elis lag 
4847 : August(is) Laribus eultores Urae fontis. zu P.' Zeit, 6, 20, 6, ihr Tempel in Trümmern, 
Die Inschrift ist unterbrochen von dem Bild nahe bei der Eileithyia, ebenso g) in Megalo- 
eines nach römischer Sitte opfernden Mannes ; polis, 8, 32, 2, wo man noch ihr Standbild, daB 
Abbildungen des 86 cm hohen Weihdenkmals der Pandemos und einer dritten, namenlosen 
aus weißem Marmor, welches Hirschfeld der eo bewahrte, h) In Argos, 2, 23, 8, scheint sie den 
Wende des 2. zum 8. Jahrh. n. Chr. zuweist, Tempel mit Dionysos zu teilen, wenn P.s Wort- 
bieten u. a. Boissieu, Inscr. de Lyon p. 49 und laut genau zu nehmen ist. i) Die Kulte in 
Esperandieu a. a. O. — Wohl könnte man ver- Amorgos, Smyrna (hier mit Eros Uranios zu- 
sucht sein, mit Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, sammen!), in Phanagoria, Journ. hell. st. 23 
Sp. 469 in Ura einen der zahlreichen keltischen (1 903), 27, hier neben einer Aphrodite Unäzov- 
männlichen Namen auf -a (Holder a. a. O. 1, oos, machen den Eindruck, als ob sie erst un- 
Sp. 4 und 3, Sp. 468 f.) zu sehen, aber die gleich- ter attisch - ionischem Einfluß , also zu Zeiten 
falls göttlich verehrten Quellen und Flüsse des Seebundes entstanden seien. Unbestimmt 

Rosarot, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. VI 4 



99 Urania Urania 100 

Segesta, CIG 6643. Man opferte ihr in Athen ser gab und alles Leben sich außerhalb der 

nur vmpülia: so der Mnemosyne, Eos, dem He- engen Hütten abspielte {Mayer, Molfctta). Ist 

lios, der Selene, den Nymphen (u. Aphr. U.), aber die Stiftung der Pandemos nach obenhin 

Polemon, FHG. 8 p. 127. Bei Lukian, der stets zeitlich so begrenzt, wie wir dies annehmen 

die Meisterwerke der hohen Kunst im Sinne müssen, so rficlt der Aesi'odische und Yorhesiodi- 

hat (ihr Gürtel: dea Syr. 82 p. 478, die Enidi- sehe Uranianame aus der Stellung eines bloß 

dische des Praxiteles ist ihm keine andere, differenzierenden Beiwortes in eine höhere Ka- 

Imagg. 28), schwärt die Hetäre bei ihr, dial. tegorie und erscheint als integrierender Teil 

mer. 6,4, und soll ihr ein Kalb, der Pandemos eines Doppelnamens wie Pallas Athene, wo er 

eine weiße Ziege opfern (ebd. 7, 1). Herodot 10 denn gleichwertig mit dem ersten die Wesen- 

1, 106. 181 identifiziert sie mit der assyrischen heit der Person selber irgendwie angeht, wor- 

Mylitta, der phönikischen, auch karthagischen über weiter unten. 

Ashera (Astarte, vgl. Dio Cass. 79, 12. Hero- Des Paus. (1,14,7) attische Lokalquelle 
dian 5,64), der arabischen Alilat (a-lilat = brachte den Kult mit dem Gau Athmonon und 
Nacht?) und der Skythengöttin Artimpara: Par- einem von dessen mythischen Herrschern, dem 
allelen, für die auf Gruppe, Myfh. 1364 zu ver- Porphyrion, in Verbindung, der zu Zeiten des 
weisen ist, dessen Darlegungen wir zugleich Urkönigs Aktaios gelebt hätte (wörtlich: als 
den Hinweis entnehmen, daß Hesiod Th. 989, dessen Vorgänger). Das ist in mehrfacher Hin- 
indem er Aphr. zur Uranostochter machte, die sieht interessant. In jenem Gebiet nordöstlich 
A. Urania schon gekannt haben muß. Recht :o von Athen bausen, bei Pallene, die wilden 
wenig in hellenischem Geist Detrachtet Piaton, Pallassöhne, die Pallantiden, welche Felsblöcke 
Symp. 180 c— d, dem Xenoph. Symp. 8,9. Ale- schleudern wie die Giganten (Mayer, Gig. u. 
xandriner (Theokr. fr. 13 = Anth. Pal. 6, 840. Tit. 184 f.). Älter als diese Theseische Sagen- 
Nikander fr. 9, 10?), das Epigramm Kaibel Schicht ist Porphyrion, der in der chalkidi- 
811,8, Paus. 9,16,4, Himer. ecl. 18 a und Kir- sehen Gigantomaehie von Pallene in erster 
chenväter folgen (Ulem. AI. ström. 3, 4, 27), diese Linie gegen die Götter kämpft. Höchst wahr- 
Göttin als Vertreterin einer reinen, himmlischen scheinlich ist Name und Figur dieses Feindes 
Liebe, als ob das Himmelreich der echten Hei- der Götter und der Heroen aus Korinth her- 
lenen den Göttern nicht die weitgehendsten übergekommen, wie Medea und so vieles, was 
Freiheiten auf dem Gebiet des Geschlechts- so über den Isthmus in den Kreis des Aegeus 
lebenB einräumte. Die Gegenüberstellung mit eindrang. Denn dort hat der Herrscher Sisy- 
der ndtvSrjiiog war schief und willkürlich, um phos zu Söhnen den Porphyrion und den H al- 
so mehr als daneben noch eine dritte hier wie mos (Schol. Ap. Bh. 3, 1094), welcher letztere 
in Böotien ihren Platz hatte. Die Pandemos notorisch = Almoneus, Salmoneus, und unter 
am südwestlichen Burgabhang, neben der troi- diesem zweiten, bekannteren Namen Feuer- 
zenischen ktpQoihri iid ' InitoJJrm, wird zutref- brande gegen die Götter schleudert. Es ge- 
fender mit dem Zeus Pandemos verglichen; sie wänne darnach ganz den Anschein, als ob von 
hing mit der Theseischen DemenverfasBung jenem Zentrum des fremdländischen Aphrodite- 
oder sonst einer konstitutionellen Einrichtung kultes auch die Urania über den Isthmus ge- 
zusammen (Paus. 1, 22, 6. Apollodor. fr. 18, 40 langte. Die Kypris ist und bleibt nun einmal 
FHG. 1 , 4SI. Harpokration und Suidas) und eine Gestalt aus dem Osten des Mittelmeeres, 
hatte, wie schon Petersen, Ann. d. Inst. 2 (1865), Und es fragt sich höchstens, wie sie in Athen 
106, erkannte, ursprünglich nicht den niedrigen unter die Moiren gelangte (vgl. Epimenides, 
Sinn, den man ihr mit der Zeit unter dem wo Aphrodite, die Moiren und die Erinyen von 
Einfluß der Philosophie beilegte. Was hätte Kronos erzeugt werden: Wachsmuth 412, 8). 
auch die Venus vulgivaga an dieser Stelle der Das ist ein Vorgang, der sich, nur in umge- 
Burg zu tun gehabt; man hat Mühe, der Nach- kehrter Abfolge wie in Athmonon, im nahen 
rieht Glauben zu schenken (Nik. a. a. O.), wel- Rhamnus wiederholt, wo die den Moiren so 
che die Stiftung dieses Burgheiligtums mit der verwandte Nemesis in absteigender Linie durch 
solonischen Regulierung des Prostitutionswesens 60 Leda und Helena in den Kreis der peloponne- 
in Verbindung Dringt. Skopas, der die Pandemos sischen Schwanengöttin, der Kypris, hinein- 
auf dem Bock reiten ließ, stand wohl schon führt, diesmal nach dem Zeugnis eines kypri- 
unter Platonischem Einfluß. Und Phidiae selbst sehen Dichters. Auch die Nemesis, gleich den 
mochte, ohne es zu wollen, diesen gegensätz- Moiren, existierte in der Mehrzahl, und zwar 
liehen Gedanken gefördert oder angeregt haben, halten manche diese von Smyrna bekannte 
als er der Elischen Aphrodite Urania (vgl. Ke- Kultform für die ursprüngliche. Zu beachten 
kuli, Gr. Skulptur', Handbücher d. Berl. Museen ist auch der von der attischen Sage gegebene 
p. 106) die Schildkröte unter den Fuß gab, Hinweis auf Aktaios und die Akte, d. i. den 
welche als oIkovqo( und Sinnbild häuslichen mittleren Teil der Südküste von Attika. Dort 
Wesens aufgefaßt wurde. Ob diese letzte Idee so existierte am Kap Kolias, von Haus aus gewiß 
auch wirklich den Grund abgab, weshalb von untrennbar von der Aphrodite Kolias, zuerst 
jeher die Frauen Votivschildkröten in jeglichem im 5. Jahrh. nachweisbar, der Fremdkult der 
Material weiblichen Gottheiten darbrachten, Geburtsgöttin Genetyllis, auch in der Mehrzahl 
läßt sich nicht genau sagen, zumal wenn wir als Genetyllides ; daß er sie 1, an einem etwas 
die Schildkröte als Haustier sehen , mit dem abgelegenen Winkel vorfindet/ und keine rechte 
junge Mädchen spielen, und sie gar in prä- Entwicklung aufweist, ist noch kein Grund, 
historischen Kindergräbern finden, an Stätten, ihn mit Usener (Götternamen) in die Klasse der 
wo es überhaupt noch keine eigentlichen Hau- schemenhaften, blutlosen Sondergötter zu ver- 



101 Urania Urania 102 

weisen. Schon die weite Wanderung über das Aphr. Urania und Adonis angerufen werden. 
Meer schützt ihn vor solcher Deklassierung; An Piaton schließt sich noch an: Plut. qu. 
denn Paus. 1,1,6 erkennt darin die Genaides conviv. 9, 746 B. Orph. h. 76, 9. — Auf den Mün- 
von Phokaia wieder; ausdrücklich wird gesagt: zen der von Kassanders Bruder in Makedonien 
|ertx?j fred. Man mache die Probe an zwei gegründeten Stadt Uranopolis, ca. 800 v. Chr. 
Zufo'anstellen, Am. 42 und Pseudol. 11, und (Head, Eist, num.' p. 206. Brit. Mut. Cat. Ma- 
wird finden, daß einmal Genetyllis und die cedonia p. 188 f.) ist gewöhnlich Aphrodite Ura- 
phrygische Göttin als wenig bekannte Götter- nia dargestellt, und zwar anf einer Kugel sitzend, 
namen angeführt werden, die das andere Mal welche den Himmelsglobus darstellen soll; vgl. 
Genetyllis und Kybebe (d. i. Kybele) heißen. 10 unten nr. 2; Hev. Sonnenkugel mit Strahlen, 
M.Maass in seiner einschneidenden, aber gerech- Stern und Mondsichel. — Ein neuer genealo- 
ten Kritik des üsenerschen Buches, D. Lit.-Ztg. gischer, aber belangloser Zug findet sich bei 
17 (1896), 880, hat diese Umstände übersehen. Nonnus, der öfter auf die Geburt der Aphr. 
Eine andere, bekanntere Geburtsgöttin, Eilei- Ur. aus dem Meere Bezug nimmt, 18,440; 88, 
thyia, die wir neben der Aphr. U. fanden (ob. 68; 41,44; 46,265; er macht die Göttin zur 
Sp. 98, 57), wird danach zu beurteilen sein Mutter des Hymenaus; ein Irrtum begegnet 
und als schwache Hypostase und Dienerin einem ihm 41,99; s. unten Sp. 106, 46 ff. 
größerenGötternamen(Eiletbyia,Eleutho,Leto?) 2) Eine der Musen Bes. Tkeog. 78. Apollod. 
untergeordnet werden können. Nur nähert sich bibl. 1, § 18. Wie ehemah die drei Musen (de- 
die Genetyllis mit ihren Hundeopfern, die kein so ren ursprüngliche Bedeutung in Pierien in tiefes 
Zeichen besonderer Fruchtbarkeit sind, zugleich Dunkel gehüllt ist, wie schon die Etymologie 
der Hekate und vielleicht der Amarynthischen erkennen laßt) nur gemeinsam wirkten, so sind 
Artemis von Athmonon und Euböa, läßt also auch die Gebiete und Charaktere der am He- 
möglichenfalls noch etwas von dem universel- likon herrschenden Neunzahl nicht geschieden, 
leren Charakter erkennen, welcher der Urania Ihre Namen beziehen sich anf Dichtkunst und 
und der großen korinthischen Göttin zweifellos Gesang — auch Terpsichore hängt nicht mit 
anhaftet, mag auch die griechische Dichtung Tanz, sondern mit Chören zusammen—, so daß 
immer nur Ansätze in dieser Richtung unter- Ur. auf besondere Eigenschaften nicht mehr 
nehmen und sich nie zu der grandiosen Auf- Anspruch erhebt als Erato oder Thalia, mag 
fassung wie Lueree bei seiner Aeneadum ge- so auch Piaton mit diesen letzteren Deutungsver- 
netrix emporschwingen (vgl. PrellerSobert 865. suche anstellen. Eine Sonderüberlieferung ist 
Orph. h. 56, 1). die von Ur. als Mutter des Linos, Hes. Möen, 
Uranos geht in griechisch-religiöser Begriffs- fr. 192 St-, wozu Paus. 9,29,6 ergänzend als 
sph&re weniger den Tageshimmel an, der nur Vater einen Amphimaros nennt; vgl. Diog. 
durch die Manifestation des Donnerers etwas Laert. prooem. § 4, wo Anaxagoras zitiert wird, 
von dem Abstrakten, Wesenlosen verliert, als Möglich, daß man sich hierbei etwas Besonde- 
vielmehr den gestirnten Nachthimmel, der das res dachte und vielleicht gar in die orientali- 
Gewölbe erst sichtbar und machtvoll in die sehe Richtung der Aphrodite geriet. Auch die 
Erscheinung treten ließ. Darin urteilt Aristo- von Mimnermos (Paus. 9, 29, 4) vertretene Auf- 
teles (bei Sext. Empir. 9, 22. Cic de nat. d. 2, 10 fassung von zwei Musengruppen, einer älteren, 
87, 96) richtiger als Usener; die Sonne und ihr Uranostöchtern, und einer jüngeren, Zeustöch- 
vorhistorischer Kult sind wieder etwas Beson- tern, hatte irgendwie besondere Gründe. Inner- 
deres für sich, das sich nicht mit Uranos deckt. halb der geläufigen Heihe der Musen aber ver- 
So bedeutet denn Urania ein Nachtgestirn und bleibt U. stets im Hintergrunde. Und während 
sein agens, ursprünglich also wohl den Abend- auf den Vasenbildern die verschiedensten At- 
stern. Nicht nur, daß sich Aphrodite U. mit tribute aufkommen, Schreibtafel, Buchrolle, 
Phagthon, dem notorischen Morgenstern, ver- Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente, die, wenn 
miiUt (Eur. fr. 781, 15 2V. 1 ), Aphrodite war über- auch promiscue gebraucht, sich zur Not den 
haupt in diesem Sinne von vornherein Meeres- sechs Hauptnamen anpassen ließen, ist dies 
göttin, stinXoia, xovrla, &u\ae<siu, ncXayla, ya- 60 bei Ur. nicht gut möglich. Ja selbst nachdem 
Itivairi (vgl. Gruppe 804; 1088; 1861), darum die Plastik mit Rücksicht auf das Dramn die 
jedenfalls auch Hyifidvr) (Hesych, Preller-B. Maske eingeführt hatte und Musen mit tra- 
365, 2); vermutlich die Ophir(= West)-Wan- gischer, dann auch komischer Maske geschaffen 
delnde, /< qpß-ö<Jmjs : so, denke ich, besser als hatte, das begann schon im 6. Jahrh. (z. B. 
die Schaumwandelnde (wie Kretschmer will; Muse in Mantua, Arndt- Amelung, Einzelverkauf 
vgl. PWME, Aphr. 2778), wo uns die zwei I nr. 9 u. p. 17), änderte sich nichts au Gunsten 
unverhüllten Appellative nebeneinander stören. der Urania. Das Attribut, welches diese schließ- 
Angesichts der nackten mykenischen Tauben- lieh erhielt, und zwar nur sie allein, war der 
göttin haben wir keinen Grund mehr, die Globus: aber das geschah erst in hellenisti- 
vergleichung der Aphr. U. mit Istar, Astarte eo sehen Zeiten, vielleicht in der zweiten Hälfte 
zu beanstanden, wie es noch Wilamowitz, Pia- des 8. Jahrh. v. Chr. Etwas Passenderes läßt 
ton 1,862, tut. Welcher, Qr. G. 1,677 ff. nahm sich kaum finden, sollte man denken, als die 
daneben noch eine hellenische Aphr. an, ein Himmelskugel. Fast will es Wunder nehmen, 
Verhältnis, für das die Entwickelungsgeschichte daß man nicht früher darauf verfiel. Seit den 
wirklichen Kults und wirklicher Sage keinen Anfängen griechischer Philosophie war die Ku- 
rechten Platz hat. — Ohne tiefere Bedeutung gelgestalt der Erde, der Gestirne, des Welt- 
ist vielleicht Orph. h. prooem. 41, wo zum Schluß gebäudes mehr und mehr angenommen und 
einer langen, bunten Götterreihe Attis, Men, Grundlage mathematischer und astronomischer 



103 Urania Urania 104 

Berechnungen. Es fragt sich nur, ob diese Lehre gleich fast die einzigen Bilder mit dem in- 
in weitere Kreise gedrungen war und ob die schriftlichen Namen Urania. Es sind dies das 
breite Menge bereitwilliger darauf einging als Monnusmosaik von Trier, d. h. das darauf be- 
die Zeitgenossen des Kopernikus. In die grie- zügliche Teilstück (E. Maass, Comment. in Ara- 
chische Kunst war sie nicht eingedrungen. tea reliquia p. 173, nach Ant. Denkm. 1889 
Niemals hatte man den Atlas, den Träger des Taf. 48. Hettner, III. Führer d. d. Prov.-Mu- 
Himmelsgewölbes, mit einer Kugel gesehen; seum Trier 1903, p. 65) und die Zeichnung eines 
außer zwei unteritalischen Vasenbildern, Heyde- Madrider Codex des 12. Jahrh. , welche die 
mann, Vasi Caputi (Hall. Winckelmann-Progr. gleiche antike Komposition, nur mit einem 
1884) p. 8, kennen wir nur das Neapeler Skulp- 10 Säulenhof dazu, wiedergibt, ebd. p. 172, nach 
turwerk als eine späte Ausnahme. Sonst Bethe, Rh. M. 48 (1888), p. 91. In der Mitte der 
ist in Plastik, Vasen, Spiegelzeichnungen usw. Globus auf einem Gestell, rechts stehend die 
immer nur eine große runde Scheibe, eine Art Muse, die Hand darauf legend, links sitzend 
Kugelschnitt oder Zone in Seitenansicht dar- Arat — entgegen der Tracht seiner Zeit mit 
gestellt; nichts anderes war der »<Uoe (früher kurzem Vollbart, also den bekannten Porträts 
mißverstanden, z. B. von Sittl, Adler u. Welt- entsprechend — , der mit Stift oder Zirkel die 
kugel, Phil. Jahrb. 1886, Suppl. p. 42), den At- Kugel berührt. Ein drittes Bild, ebd. p. 174, 
las an dem Schatzhaus der Epidamnier in Olym- eine Miniatur, genauer Bildinitiale, in einem 
pia trug, übereinstimmend mit der Metope vom Codex des 13. Jahrh. zeigt den rechts sitzenden 
Zeustempel daselbst. Erst um 300 v. Chr. sah so Arat mit einem Gnomon (Sonnenuhr) zur Lin- 
man Demetrios Poliorketes auf einer Erdkugel ken beschäftigt, die Muse links etwas erhöht 
sitzend gemalt (Duris b. Ath. 12, 636 a = Eu- sitzend, weil der runde Raum es so verlangte 
stath. z. Som. II. E 449, p. 670), und aus der Von Hause aus konnte die Muse neben Globus 
gleicheu Zeit stammen die oben erwähnten und Gestell natürlich immer nur stehend dar- 
makedonischen Münzen von Uranopolis. gestellt sein. Die ganze Bildszene, wie sie hier 
Aber auch die spät genug so ausgestattete zugrunde liegt, erinnerte den Herausgeber an 
Muse hat noch zu Erörterungen Anlaß gegeben. das bekannte Menanderrelief (früher auf Schau- 
Was soll, fragte man (Trendelenburg, Der Mu- Spieler oder Handwerker bezogen) im Lateran, 
senchor), die Astronomie zwischen den Be- N. Jahrb. f. A. 21, Taf. 9, 1. Brunn- Bruckmann, 
schützerinnen der Dichter, der Sänger? und, so Denkm. Taf. 62 b. M. Bieter, Denkm. z. Theater- 
fügen wir hinzu — der Tänzerinnen? Darauf wesen im A. Taf. 88. Unmittelbarer läßt sich 
ließe sicherwidern, daß auch die Auswahl jener jetzt das Euripidesrelief in Konstantinopel, 
mnsischen Künste ungleich ausfiel, insofern bu- Mendel, Cat. d. sculpt. II nr. 574, Bieber Taf. 46 
kolische und Landbau- Dichtung nicht berück- vergleichen, dies ebenfalls von hellenistischer 
sichtigt waren; andererseits, daß die Weltkugel Konzeption, nur durch ein fremdes, hadriani- 
mehr als die eine Wissenschaft bedeuten und sches Götterbild erweitert (vgl. A.Anz. 34 [1919], 
der rpdoeotpice überhaupt gelten konnte; denn p. 122). Die Kopfneigung und etwas vorgebeugte 
seit Demokrit und Aristoteles bildeten wenig- Haltung der Frauengestalt ist dabei etwas We- 
stens die exakten Wissenschaften eine unge- sentliches, das, obscbon ursprünglich im Zwie- 
teilte Reihe, die durch Himmels- und Erdkunde 40 gespräch von Grabrelief- Szenen wurzelnd, hier 
zur Mathematik, Physik und Medizin über- noch durch das gemeinsame Betrachten eines 
führte; auf den bekannten griechisch-römischen Gegenstandes (Maske, Globus) bedingt wird. 
Philosophenmosaiks bildet der Globus, ziemlich Noch das Archelaosrelief, 150 — 126 v.Chr. 
im Mittelpunkt placiert, den Gegenstand der (63. Berl. Winck. - Progr. Taf. I), hält an der 
Aufmerksamkeit für alle. Das erste Moveelov, vorgebeugten, lehrhaften Seitenbewegung fest, 
die von den Ptolemäern den Musen geweihte als ob die gegenüberliegende Figur auch hier 
Anstalt (Literatur bei Gardthausen, Die alexan- ein Philosoph, nicht eine Musikbeflissene wäre. 
drin. Bibliothek, Leipzig 1922, p. 2) sollte nicht Gerade hier, wo die Kugel auf einer massigen 
der Literatur allein, sondern allen Wissens- hohen Basis ruht, wäre Gelegenheit gewesen, 
zweigen dienen. Und im Grunde bewegte sich 50 die Figur, wenn sie als eine selbständige kon- 
schon Herodot in solcher Gedankenrichtung, zipiert war, demgemäß durch Aufstützen des 
wenn er seinen einzelnen Büchern die Musen- Armes zu behandeln. Aber dazu eignete sich 
namen vorsetzte. Aber all das trifft nicht den der Apparat von Hause aus nun einmal nicht. 
Kern der Dinge, wo es gilt, der faktischen Ent- Und der Pfeiler ist von anderen Musentypen 
Wickelung gerecht zu werden. Ein entscheiden- herübergenommen und modifiziert worden, ohne 
des Moment liegt vielmehr darin, daß in jenem der Gestalt den nötigen Rückhalt zu geben. 
Diadochenzeitalterfiermes»'ano^,Bermip»osund Fraglos mußte der Globus drehbar in einem 
vor allem Arat die Stern- und Himmelskunde besonders dazu eingerichteten Gestell ruhen, 
in die epische Dichtung eingeführt hatten (Bo- so wie es die obigen Gruppenbilder aus- 
bert, Eratosth. 246), im Grunde auf Hesiods 60 weisen und selbst die kleinen Pomponius-Musa- 
Astronomie zurückgreifend, die aber wirkungs- Münzen mit der Urania (Bie, Die Musen in d. 
los geblieben war, und daß auf diesem Umwege, alten Kunst p. 27, Fig. 14) erkennen lassen. Er 
gefördert durch höfische Gunst, die damals war zur Stütze schlechterdings ungeeignet, und 
etwas vermochte, die Astronomie, vor allem die er mußte zugleich eine gewisse Größe haben, 
Sternbilder und ihr Mythenkreis, in weiteren um das Aufsuchen bestimmter Punkte mit dem 
Kreisen populär wurden. Wirklich zeigen drei Finger oder Stift zu ermöglichen (nicht genau 
seither bekannt gewordene bildliche Darstel- heißt es manchmal, die Muse zeige auf das 
lungen die Muse mit dem Dichter vereint, zu- Objekt, Fr. -Wolters 1629. Bie 61). Diese Be- 



105 Uranides Uranos 106 

dingungen wurden übersehen, wo man die Ku- oboavoG. 1) Kronos Hes. theog. 486. Pind. 

gel auf den Pfeiler legte oder sie gar klein Pyth. 2, 38. 3, 4. Apoll. Bhod. 2, 1282. — 2) Die 

wie einen Ball der sitzenden oder stehenden Kyklopen Hes. theog. 502. — 8) plur. Oiga- 

in die Hand gab: z. B. Pompej. Gemälde Heibig viSca 'Üranosabkömmlinge' oder 'Himmlische', 

889; Boschera Lex. Art. Musen, Sp. 3278; Pe- allgemein statt &tol, wobei das genealogische 

tersburger Gemme, Furtwängler Taf. 28, 16; Moment so sehr zurücktreten kann, daß bei 

in der Skulptur meistens, soviel ich sehe, von Pind. Pyth 4, 194 auzi q' Oiqaviä&v Zfjvu steht, 

Ergänzungen herrührend (auch Konstantinopel vgl. Callim. h. 1, 3 Zrjva . . . ämaaxbXov OvQavi- 

118, A. Anz. 21 [1906], Fig. 10, ist keine Ura- tfjjiff». Eur. Hec. 146 differenziert fl-sotig toi!« 
nia). Vollends die Kugel am Boden neben dem 10 x' ovgaviSag xovg #' 4«4 yalav. Vgl. noch Eur. 

Pfeiler scheint mir schon durch die Herrscher- Phoen. 823. Apoll. Mhod. 2, 342. Theoer. 17, 22. 

kugel, welche Iuppiter und Fürsten führen Orph. lith. 745. Ps.-Phocyl. 71. Kaibel, Epiyr. 

(Sittl 47), bedingt: Sarkophag Louvre, Koscher Gr. 618, 38. [Ziegler.] 

Bd. 2,2, Sp. 2068; Daremberg-Saglio Fig. 5217. UranlonallOüpayti»«'««), Femininum zu üra- 

Es ist also nicht ganz leicht, eine Urania- niones 2, nur Kaibel, Epigr. Gr. 1046a, 5 be- 

figur nachzuweisen, welche unabhängig von legt (verbunden mit frsai). [Ziegler.] 

dem Gruppenbild eine eigene, ältere Konzep- Uraniones {Ovgaviavsg) , 'Sprößlinge des 

tion darböte. Die Pomponiosmünzen, deren Uranos', und zwar 1) speziell die Titanen, II. 

Typen Bie p. 24 — 31 auf die Musengruppe von 5, 898 ivifxsg'ig Oigavimvtov, auf welche Stelle 
Ambrakia zurückführt, als eine hellenistische 20 die Notiz des Suid. Oigaviavig' ol Tix&veg 

Schöpfung des späteren 3. Jahrhunderts, bieten ovru Uyovxai offenbar Bezug nimmt, und Orph. 

gerade in der Urania nur etwas ganz Kümmer- frg. 57, p. 137 Kern (= Athenag. pro Christ. 18, 

liches, das etwa an Allegorien oder an le- p. 21 Schwartz) tovgovg i' Oigavimvag iysivaro 

bende Bilder gemahnt. ■xötvia dxla, oBs 81} *"l Tixfivag ini%l.r\aiv »a- 

Das Auftreten der den übrigen Musen ziem- Uoveiv, owtxa xuaua&nv piyuv Oiguvbv &axt- 

lich heterogenen Sternmuse war ganz dazu an- göevxa. — 2) Allgemein die Götter, wobei 

getan, die Frage nach den einzelnen, noch Ur. ebensowohl 'üranosabkömmlinge' wie ein- 

immer nicht abgegrenzten Gebieten der ande- fach 'Himmelebewohner' oder 'die Himmlischen' 

reu in Fluß zu bringen. Wie schwankend die bedeuten kann; der Gebrauch auf ein paar Stel- 
Verteilung auch jetzt noch blieb, und wie spät so len bei Homer und den von ihm abhängigen 

man, unter den Körnern, zu einer gewissen Epikern beschränkt: verbunden mit freoi II. 

Einhelligkeit gelangte, lehren die Zeugnisse 1,570. 17,196. 24,612. Od. 7, 242. 9, 15. 18, 41. 

bei Bie p. 96 ff. Übrigens meine ich dort be- Orph. frg. 168, 16 (p. 201 Kern); ohnefoo/, doch 

ziiglich der Auffassung der Ur. mehrere Zweige zuweilen mit Beiwörtern verbunden II. 5, 878. 

in der Überlieferung zu unterscheiden. Auf 21,275. 509. 24,547 (nicht in der Od); Hes. 

den OneBtosbasen von Thespiae a. a. 0. 76 theog. 461. 919. 929. Theoer. 12, 22. Orph. lith. 

heißt es — Ur. selber spricht — : aaxigag 279. Quint. Smyrn. 2, 448. 3,187.6,142.7,704. 

fjQsvvijaa, dazu gehört Ausonius: Urania poli 14,48. Nonn. Dion. 26,361. Kaibel, Epigr. Gr. 

motus scrutatur et astra. Anderswo, Anth. 9, 288, 6. 999, 1 (= II. 6, 378). Anth. 14, 72, 13. — 
606, ist sie die Lehrerin: Oigavir] ipiqcpoio 10 8) Hesych.: oioaviavctg' xovg inb xr\v O&gavoti 

fthoggr\ta xivl phgip | äaxQtpr)v iSiiala naXiv- &g%riv xexay[tivovg. [Ziegler.] 

Sivrjxov ' &oiSr\v, dies nähert sich mehr der Uranos {Oigavbg), vermittelst der interpre- 

von den Bildwerken vertretenen Anschauung. tatio latina oft identifiziert mit Caelus (s. d.) 

Vgl. noch allgemein Paroemiogr. gr. 2, p. 494 oder Caelum, ein Wesen der Urzeit, das aus 

W. (Apost. 10,38 b) und Schol. Luk. Imagg. einem rein räumlichen Begriff zu einer die Erde 

p. 342 Jac. — Ohne Bedeutung ist Nonn. 41,99, befruchtenden Naturkraft, dann zu einer my- 

äer die Aphrodite U. mit der Muse U. ver- thologischen Figur, einem Ahnherrn der Götter- 

wechselt und daraufhin dem Sohne der erste- weit, geworden ist. 

ren eine Kugel zuteilt; richtiger 38,31 u. 40. Nach Hes. Th. 126 f. gebar die aus dem 
In dem bekannten, aber unbedeutenden römi- 60 dunklen Schöße des Chaos hervorgegangene 

sehen Mosaik von Italica (Spanien) ist unter breitbrüstige Gaia (s. d.) zuerst den ihr glei- 

den Medaillons mit Brustbildern der einzelnen chen, gestirnten Ur., damit er sie überall rings 

Musen auch Urania, durch Beischrift kennt- bedeckte und für die seligen Götter stets ein 

lieh gemacht, aber ohne Attribut: Laborde, sicherer Wohnsitz wäre; ebenso brachte sie die 

Voyage en Espagne 3, 85. Gebirge und das Meer hervor, und zwar alle 

Diodors (4,7) Quelle weiß noch nichts von diese Wesen einschließlich des Ur. ohne Gat- 

der astronomischen Muse und stellt sie, teil- ten (v. 132: uxsq <jpi1otijtos icpttiigov). Die 

weis Piaton Phaedr. 259 d folgend, an den Schluß ausdrücklich bezeugte Gleichheit Gaias mit 

mit Kalliope zusammen, wie schon Hes. Theog. ihrem Sohne Ur. bezieht sich einmal auf die ge- 
75 ff. Plato Symp. 187 unterstellt der Muse U. 60 waltige Ausdehnung, sodann auf die feste Form 

den himmlischen Eros, der Polymnia den Eros und unvergängliche Dauer. Heißt doch Ur. jis- 

mivSriiiog (vgl. ob. Aphr. Ur., Sp. 99,31). yag: Hes. Th. 176. 208; Apoll. Bhod. 3, 716; 

8) Eine Okeanide Hes. Theog. 360. — Anthol Pal. 9,26,9; Orph. fr. 48, 1 Abel; eioig: 

4) Eine der Nymphen, die als Gespielinnen 11. O 36; Od. 1 184; hymn. 1,84; 2,156; Hes. 

der Perseplione in Eleusis genannt werden, Th. iö; Orph. fr. 89 , 1 ; oder, wie Gaia (Hes. 

liom. hymn. in Cer. 423. [Mayer.] Th. 117), tvgvsxigvog: Orph. Lith. 645; Anthol. 

I'iaiiides (Oigavllng), Üranossohn oder Plan. 803, 5; und wegen der Festigkeit %a%%eog 

-Sprößling; vgl. Hesych. : Oi'gaviSr,v iinb xoü (P 426; Anthol. Pal. 15,24,11), «oM^alxoe (ganz 



107 Uranos Uranos 108 

ehern: E 604; y 2), atSfaeos (o 829), vgl. Pind. nannt wird; auch Cicero (nat. deor. 8, 17, 44) 

Nein. 6,3: 6 Sh %dX%eog &<HpaXtg ulkv lios y.1- bezeichnet diesen ah Vater des Caelus, wah- 
rst oieav6s, sowie die einschlägigen Beiwörter rend sonst manche Dichter den Aither mit 

in dem Orph.hymn. 4,1: ■nötfutv (lioos ulev Ur. identifizieren (0. Gilbert, Gr. Götterlehre 

&Tn.(is, v. 4 : olxe &sä>v (LccxäQcov, u. a. ; ferner S. 29, 1) und zum Gatten der Erde machen : 

heißt er, wie bei Bes. Th. 106. 127. 463. 473. Eur. Ion. 1078 (&angax6s At&fa), fr. 484. 941. 

891, auch sonst oft &mst6u$: Hom. hymn. 6, 1023 Nck.' (Nestle, Eur. S. 166 f.); Lucret. 1, 

88; 30,17; 81;8; Orph. Lith. 650 ; Orph.fr. 89,3; 261f.; Verg. Georg. 2, 326f. Zwischen Aither 

Kallimach. fr. 146 Sehn.; Kaibel, Epigr. 812, 11; und Ur. unterscheidet deutlich Aisch. Beliad. 

1087, 6 u. ö.; &<tTQoßU<fiaQos: Orph. Lith. 671 ; 10 fr. 70 Nck. 1 — Nach Orph. fr. 89, 1 sind Dr. 

vgl. Kritiat, Sisyph. fr. 1, 83 Nck.'y. 771: iare- und Gaia Kinder der Nacht (s. d. Art. Nyx, 

Qtanbv oigavov eiXag; endlich &ott<)6va>Tog: Bd. 3, S. 672 f.), also Geschwister; nach fr. ü8 

Nonn. D. 2,334. Ebenda finden wir ihn aber haben beide zum Vater den Phanes (s. d, 

auch viia rairie genannt, vgl. Bes. Th. 126, Sp. 2263), eine dem Eros verwandte, in orphi- 

womit der räumliche Begriff Ur. in den einer sehen Dichtungen vielfach behandelte Gottheit ; 

mythologischen Person übergeht (s. u.). vgl. Orph. fr. 91. 93. 94. 95 Abel; Kern, Hermes 

Auf die feste Fügung des Himmels , zwar 25, 6 f. 

nicht aus Metall (s. o.), sondern aus Stein, Doch weder als Gaias Sohn (Bes. Th. 126 f.) 

würde man auch das Wort Üxfira* beziehen noch als ihr Bruder (Orph. fr. 89 u. 38) noch 

müssen, wenn es als Ur.' Beiname oder 8yno- so vollends als ihr Enkel (Alkman. fr. 111 Bergk*, 

nymon durch Eustath. II. 1150,69 u. Besych. s. o.) verdient Ur. besondere Beachtung, wohl 

s. v. sicher genug verbürgt wäre; denn daß aber als Gatte der Gaia (0. Gilbert 8. 26 f.; 

aeman im Sanskrit und Zend, außer dem Schleu- Dieterich a. a. 0.), zumal da er mit ihr eine 

deratein, dem Amboß und dem steinernen Harn- zahlreiche Nachkommenschaft erzeugt, 

mer, merkwürdigerweise auch den Himmel be- Himmel und Erde rufen nämlich eine ganze Welt 

zeichnet (Curtius, Etym. S. 181*), ähnlich wie neuer Götter ins Dasein: Bes. Th. 44f. 108f.; 

lat. caelum Meißel und zugleich Himmel be- ihre Zahl, die Reihenfolge ihrer Geburt und 

deutet, kann für die griechische Mythologie manche Einzelmythen schwanken freilich in den 

jener Gleichsetzung bei Eustath. und Besych. einzelnen Berichten. Nach Bes. 27». 188 f. 207 f. 

kaum ah Stütze dienen; vielmehr bezeichnet so waren die ersten Kinder die Titanen Okeanos, 

ein Vers des Besiod(1) oder wohl richtiger des Koio», Krios, Hyperion, Iapetos, Theie, 

Alkman, fr. 111 (s. Bergk, Lyr. 8 4 , 68): rata Rheia, Themis, Mnemosyne, Phoibe, 

(tiv "Jkjiov' ÜTixtev, &ni i' "^xitovoj Oiga- Tethys und Kronos; vgl. v. 4211 644f.; 

»dg, abweichend von jener ohnehin zweifei- ihnen folgten die drei Kyklopen Brontes, 

haften Genealogie, den Akmon als Sohn der Steropes und Arges; ihnen wieder die He- 

Gaia und Vater des Ur., und dieser letztere katoncheiren Kottos, Briareos und Gyes 

heißt daher manchmal Hxpovlärig: Antimach. (s. die betr. Art.). Dieselben achtzehn Spröß- 

Coloph. fr. 36 Kinkel; Kallimach. fr. Hl Sehn., linge nennt auch Apollod. bibl. 1,1 f. TT., nur 

u. Simmias in der Anihol. Pal. 15,24,1; vgl. daß er zuerst die Hekatoncheiren , dann die 

auch die Art. Akmon u. Akmonides, Bd. 1, Sp. 40 Kyklopen, endlich die sechs Titanen von Okea- 

211. — Auf den zweckmäßigen Bau des Hirn- nos bis Kronos und die sechs Titaninnen von 

melsgewölbes deutet Orph. fr. 170,1: &eoQ jii- Tethys bis Theie aufzählt, letzteren als sie- 

yäXov aotpov Ifyov. bente noch die Dione (s. d.) hinzufügt. Von 

Als Naturkraft, welche sich selbst Ps.-Clem. Rom. Bomil. 6, 2 werden die näm- 

erzeugt (daher abxoX6%evto<i: orac. aneed. 46 liehen Titanen erwähnt, unter den Titaninnen 

bei Buresch, Klaras S. 108, 19) und die Erde aber statt der Phoibe die Demeter, die jedoch 

befruchtet, erscheint Ur. bei Aisch. Danaid. nach Euhemeros bei Diodor 6 fr. 1 von Ur. 

fr. 44 Nck.' u. Lucret. 2, 990 f. Hier, wie auch und Hestia abstammt (s. u.). Auch nach Orph. 

später, namentlich bei deutschen Dichtern des hymn. 37, 1 sind die Titanen Kinder von Ur. 

17. Jahrh. (M. Opitz, P. Fleming, Simon Dach, 60 und Gaia, nach Aisch. Prom. 208 Kirchh., was 

Fr. v. Logau), wird der Stoffwechsel im Welten- dasselbe besagt, von Ur. und Chthon. Nach 

räume als ehelicher Verkehr von Himmel Orph. fr. 95 beträgt die Zahl der von Ur. und 

und Erde, der Frühling als deren Vermäh- Gaia erzeugten Titanen und Titaniden vierzehn ; 

lung, der Regen als Weltsame aufgefaßt; vgl. denn zu den ersteren kommt hier noch P h o r - 

Preller- Robert, Gr. Myth. 1*, 44; Gruppe, Myth. kys (s. d., Bd. 3, Sp. 2438). Überhaupt ist die 

S. 425, 2; Dieterich, Mutter Erde S. 45 f.; Beloch, Zahl der Kinder des Ur. kaum bestimmbar: 

Gr. Gesch. I 8 , 146. Somit wird Ur. auch hier nach Diodor 3, 57 beläuft sie sich auf fünf- 

wieder personifiziert und als mythologische undvierzig, wobei jene achtzehn (von Hesiod 

Figur dargestellt. Ihr gilt vornehmlich, ja aus- aufgezählten) Sprößlinge der Ge oder Titaia 

schließlich die folgende Betrachtung; treilich 60 mitgerechnet sind; als älteste Tochter des Ur. 

herrscht bei der Kennzeichnung solch eines ur- erscheint hier Basileia (s. d), die nachmals 

zeitlichen Gebildes dichterischer Phantasie in ganz mit Kybele zusammenfällt. Doch erhöht 

den verschiedenen kosmogonischen Systemen sich jene Ziffer sogar noch, da weiterhin 

keine Konsequenz. ganze Gruppen hinzukommen. Als Söhne von 

Denn im Gegensatz zu Hes. Th. 126 f. 182, Ur. und Ge bezeichnet Kleitodem. fr. 19 (Miil- 

wo Gaia ihn ohne Gatten zur Welt bringt, ist ler 1. 363) dieTritopatores,Wind-undAhnen- 

nach der Titanomach. fr. 1, Kinkel f. 6, Aither geister, deren Einzelnamen mit denen der He- 

(s. d.) sein Vater, ohne daß dessen Weib ge- katoncheiren übereinstimmen. — Der von Bes. 



109 Uranos Uranos 110 

Th. 136 erwähnten Mnemosyne, die auch Pin- die Mutter der Hekatoncheiren und Kyklopen 
dar in einem neugefundenen Paian, fr. ltDiehl', ist. Über die Gleichsetzung von Gaia mit Hestia, 
'ür. schöngekleidete Tochter' nennt ,. reihen die mit ür. den Kronoe, die Rheia, die De- 
aich die sogenannten alteren Musen an: Alk- meter und den Titan (Pan?) hervorbringt (Dio- 
man fr. 119 (Bergk., Lyr. 8 4 , 71); Mimnerm. fr. dar 6, fr. 1), s. o.; vgl. Gruppe, Mythol.8. 1406, 
13 (Bergk. 2 4 , 80), Anihol. Pal 9,86, 9 f.; über 1. — Sodann wird Atlas, dessen Genealogie 
ihre Unterscheidung von den neun bekannten ziemlich verwickelt ist (s. d. , Bd. 1 , Sp. 707 f. 
Musen vgl. Preller -Robert 1«, 484,2. — Auch u bei Pauly -Wissowa 2,2120), Sohn des ür. 
den Eros leitet Sappho (fr. 132 Bgk.') im und Bruder des Kronos genannt: Diodor 8, 60s 
Schwünge ihrer Diohtersprache von ür. her 10 nach Theon bei Schot Arat. 266 f. sind seine 
und gibt dem Liebesgott zur Mutter bald Ge, Eltern Caelus undClymene, denen auch Pro- 
bald Aphrodite (Schol. ApoU. Bhod. 8,26; Ar- metheus sein Leben verdankt, wahrend dieser 
gutn. Theocrit. 13). — Die Moiren sind Töch- selbst bei Lucian. Prom. 16 sein und anderer 
ter von Ur. und Gaia nach der Orphischen Götter Dasein auf ür. und Ge zurückfuhrt. — 
Theogonie (Orph. fr. 39 Abel). — Griechischen Wie Ur. bald der Sohn, bald, und zwar über- 
Lokalmythen ist es zuzuschreiben, wenn Ur. und wiegend, der Gatte Gaias ist, so heißt er das 
Ge Eltern des Adanos, des Gründers von Adana eine Mal auf einer Inschrift aus Kios in Bi- 
in Kilikien, sowie seiner Brüder Sandes, tbynien EitpoovlSrit, d. i. Sohn der Eii- 
01ymbros(?) und Ostakos oder Ostasos qppdvrj oder Nyx (Kaibel, Epigr. nr. 1029, 6; 
(Steph. Byz. a.'Aäava), ferner des attischen Gau- so C. I. Gr. 2, 8724; s. auch d. Art. Bd. 1, Sp. 1408), 
heros Euonymos (s. Eiavviista) , sodann des und zugleich Vater der Isis; vgl. Anthol. Pal. 
Kalydnos, der für den ältesten König des app 281; ebenso ist er Sohn der Nyi nach 
boiotischen Theben gilt (s. K6Xv8vu u. Schol. Orph. fr. 89 u. 96; dann aber erscheint er auch 
Lykophr. 1209), endlich des Anax, des Epo- als Gatte der Nyx, mit der er die Lyssa 
nymos von Anaktoria, dem späteren Milet (s. (s. d.) zeugt: Eur.H.F. 844, vgl. 822 f. 884. — 
Mllrpos u. Pausan. 1, 35, 6; 7, 2, 5), genannt Seltsamerweise ist jedoch nicht nur die Nacht 
werden. — Der attische Lokalheros Tripto- Ur.' Mutter bzw. Gattin, sondern in dem glei- 
lemos von Eleusis (s. d.) ist nach Pherekyd. chen Doppelverhältnis steht er zu der Tages- 
flr. 12 (Müller 1,72) ein Sohn von Ur. und Ge. göttin: Hemera nämlich ist nach Cramer, 
Wenn bei Apollod. 1 , 82 W., der Quellenstelle so Anecd. 1, 76 Gattin des Aither und von ihm 
dieses Fragments, die Lesart zwischen Oiga- Mutter des Ur., ebenso wie bei Cic. n. d. 3, 
voi und 'SIxbuvov schwankt und des letzteren 17, 44 Aether und Dies Eltern des Caelus, 
Vaterschaft durch Musaiosfr. 11 (Kinkel p. 226) bei Hygin. fab. praef. Eltern der Erde, des 
gleichsam bekräftigt wird, so ist doch zu be- Himmels und des Meeres sind. Hemera ist 
achten, daß ür. und Ok. bisweilen identifiziert, aber auch Ur.' Gattin: Caelus und Dies sind 
bzw. verwechselt werden; vgl. Etym.Magn. 821, nämlich die Eltern der älteren Aphrodite 
18 s. 'Slxeavds- — Ferner ist die BiziÜBche Nym- oder Venus (Cic. 8, 23, 69; Lyd. mens. 4, 44) und 
phe Aitne nach Alkimos fr. 2 (Müller 4,296) des Hermes oder Mercur (Cic. 3,22,66, wo 
eine Tochter von Ur. und Ge. — Die Geburts- man unter Dia, falls nicht auch hier Dies zu 
sagen von Pan sind sehr mannigfaltig (s. Bd. to lesen ist, gewiß die Tagesgöttin zu verstehen 
8, Sp. 1879f); im Schol. Theocrit. 1, 123 wird hat, vgl. Interp. Serv. Aen. 1,297;4,677; Ampel. 
auch er ein Sohn jenes Götterpaares genannt; 9,6; Myth. Vatic. 2,41; Schol Stat. Th. 4,482). 
bei Diodor6, fr. 1, wo Kinder des ür. und Fünf Gattinnen desür. sind also be- 
der Hestia aufgezählt werden, unter ihnen zeugt: Gaia (oder Chthon), welche die übri- 
auch Demeter, findet sich gleichfalls Pan; doch gen an Kinderzahl weit übertrifft, Hestia, 
hat man hier, zumal nach dem Zitat aus En- J£lymene,NyxundHemera. Bisweilen bleibt 
nius' Euhem. fr. 64 (Vahlen S 228') b. Lactant. bei der Nennung von Ur.' Kindern seine Gat- 
div. instit. 1,14,2, wohl die Lesart Titan vor- tin unerwähnt: so beißen auf einer Inschrift 
zuziehen. Im Orph. hymn 11, 2 f. werden Hirn- von Pergamon (Kaibel, Epigr. nr 1036, 7; C. I. 
mel, Meer, Erde und Feuer als Glieder (jiÜtj) 60 Gr. 2,3538, 17) die Kabiren S'ihne des Ur., 
des Pan bezeichnet, unter dem hier der Dich- und nach Cic. n. d. 8, 22, 66 sind seine Kinder 
ter das Weltall (Iläv) versteht. — Von den sogar auch Volcanus und Minerva. Endlich 
vier Heroen Namens Aristaios (s. d., Bd. 1, ist Ur. noch Vater Homers (Anthol Plan. 
Sp. 660), die Bakchylides (fr. 45 Bloss) unter- 296), worin man nur ein poetisches Gedanken- 
scheidet, stammt der eine von Ur. und Ge ab. spiel, keine tiefere mythologische Beziehung 
— Deren Kinder sind nach Plat. Tim. 40 E erkennen mag. 

Okeanos und Tethys, was ja auch Hesiod Bedeutsam ist, daß dem Ur. auch ohne 

bezeugt (s. o.); Kinder dieses Geschwisterpaares Zutun eines Weibes Nachkommenschaft er- 

wiederum Phorkys, Kronos und Rhea, xal ofloi wächst, wie ja umgekehrt nach Hes. Th. 127. 

fiEta Toirav, wonach also diese drei, abwei- 60 132 er selbst, die Gebirge und das Meer, von 

chend von Hesiod, Apollodor und Orph. fr. 95, der Mutter Gaia axeQ q>iX6xr\xos icpififoov zur 

Ur.' Enkel sind. Auch sonst gelten vielfach Welt gebracht worden sind (s. o.). Über den 

nicht Ur. und Gaia, sondern Okeanos und Te- Anfang des Mythos gehen die beiden Haupt- 

thys für die Ureltern des Göttergeschlechts (s. quellen auseinander. Hes. Th. 164 f. erzählt: 

die betr. Art.), während andrerseits wieder Gaia Ur. haßte seine Kinder, verbarg jedes nach 

und Tethys identifiziert werden (Schol. AD II. ''er Geburt yairig iv xev&fiwvi. und freute sich 

S201; Suid., Hesych., Etym. Magn. 766,37 s. dann darüber. Gaia sann auf Eache, fertigte 

Trftvi). woraus sich erklärt, daß dann letztere eine große stählerne Sichel (äginavov oder 



111 Uranos Uranos 112 

&Qitri) und stiftete ihre Kinder, die Titanen, an, Arg. 18; Lith. 689 f.; fr. .S9 u. 114 Abel; Ov. Ib. 
den Vater damit zu entmannen. Nur Kronos 271 f. mit Sckol. ; Mythogr. Vatic. 8, 1, 7 ; Augu- 
erklärt »ich bereit und verübt die Schandtat. stin. C. I). 7, 19; Tertull. adnat. 2, 12. Bisweilen 
Aus den abgeschnittenen Schamteilen träufeln wird der phantastische Mythos mit einem sehr 
Blutstropfen herab, die Gaia aufnimmt; von ähnlichen vermengt oder verwechselt, der gleich- 
ihnen befruchtet, gebiert sie die gewaltigen sam die Fortsetzung zu ihm, bzw. sein üegen- 
Erinyen, die großen Giganten und die Me- stuck bildet, so bei Lyd. mens. 4, 44 u. Mythogr. 
tischen Nymphen (s. die betr. Art.). Anders Vatic. 1, 105; vgl. 3, 1, 7, wo Aphrodite aus dem 
vollzieht sieh jene erste Revolution in der Göt- abgeschnittenen Gliede nicht des Ur., sondern 
terwelt bei Apollod. 1,2 TT. ür. verstößt die 10 angeblich des Kronos geboren wird. Auf die- 
Kyklopen und Hekatoncheiren , die hier seine sem, der die Titanen (Oigaviäag), seine Brü- 
ersten SBhne sind (s. o.), in den Tartaros. der, aus dem Tartaros befreit (fies. 500f.), be- 
Darüber erzürnt, verführt Ge die spätergebo- ruht nun das weitere Schicksal der Götterwelt, 
renen Titanen zur Kastrierung des Vaters; hier Daß der entmannte Ur. seinen aufrühreri- 
verübt mit der Sichel gleichfalls Kronos den sehen Söhnen oder auch nur dem Kronos ge- 
Gewaltakt. Daß dem Apollodor eine ältere Quelle flucht und ein gleiches Verhängnis auf ihre 
vorgelegen hat, sieht man an Homer, der im Häupter beschworen hätte {Preller- Robert l 4 , 
übrigen deB ür. und seiner Herrschaft nicht 60), wird wohl nicht berichtet; nur eine Pro- 
gedenkt, sondern als Stammeltern der Götter phezeiung der Ge und des Dr., die nach ihrem 
gelegentlich Okeanos und Tethys erwähnt (S 20 folgenschweren, schrecklichen Zerwürfnis wie- 
201. 302), wohl aber an den Höllensturz der der versöhnt zu sein scheinen, erzählen Bes. 
üranossöhne (Oioavinvis) erinnert (E 898, vgl. Th. 463f. u. Apollod. l,iW.: auch Kronos werde 
1». 479 f. O 226) und von den Titanen we- nämlich vom eigenen Sohne der Herrschaft be- 
nigstens Iapetos und Kronos nennt (@ 479. raubt werden. In der Tat stürzt und kastriert 
O 226), letzteren außerdem häufig als Vater später Zeus seinen Vater Kronos, der somit 
des Zeus und der anderen Hanptgötter. Sonst an sich die gleiche Gewalttat erleidet, die er 
sind bei ihm die Oioaviaves nicht die Titanen, vorher dem Vater zugefügt hat: Orph. fr. 114; 
sondern die 'himmlischen' Götter, deren Wobn- Ov. Ib. 271 f. (s. o.); auf die beiden entthronten 
sitz freilich der Olymp ist. Eingehend erörtert Weltbeherrscher Ur. und Kronos bezieht sich 
und deutet die Versionen der 'Uranoslieder' so auch Aisch. Prom. 965 f. Kirchh.; s. Wecklein zu 
Gruppe, Gr. Kulte «. Mythen 1, 684 f. ; vgl. auch d. St., die freilich der Schol. anders deutet 
O. Gilbert, S. 177 f. 244 f. (s. u .). Vgl. über den ganzen Mythos die Art. 

Das dem Ur. abgehauene Glied wirft Kro- Kronos (Bd. 2, Sp. 1470 f. 1642 f.) n. Zeus. 

nos rücklings ins Meer: Hes. 180 f.; Apollod. 1, Eine zweite Weissagung erteilen Ur. und 

8 TT.; es wird von den Wellen lange umher- Ge ihrem Enkel Zeus, seine (erste) Gattin Me- 

getragen, bis aus dem weißen Schaume (äqppös) tis (s. d., Bd. 2, Sp. 2989) werde eine Tochter, 

Aphrodite geboren wird: Hes. 188f.; Serv. dann einen Sohn gebären, dem das Königtum 

Aen. 5,801; sie heißt daher v. 196 u. Orph. bestimmt sei. Um der Gefahr der Entthronung 

hymn. 1,11 &<ptoyivrjg, vgl. auch fr. 101 Abel. zu entgehen, verschlingt Zeus die Metis, d. i. 

Zugleich entsteht aus dem alpa Oieävtov der 40 die Klugheit, und bringt dann die Athene, 

WunderfischPompilos(8.d.):.XeMo»ied./h3 mit der jene schwanger war, selber aus seinem 

(Müller 2, 43). Nicht genug : aus dem Blute des Haupte zur Welt : Hes. TA. 886 f. 924 f. Anders 

entmannten Ur. entspringen die Phaiaken schildert das Ereignis Apollod. 1, 6 W., nämlich 

(s. d.); die sichelförmige Gestalt ihrer Insel hat ohne Erwähnung des Ur. Dieser befindet sich 

die wunderliche Gedankenverbindung mit jenem hier bereits im Ruhestand, und ein anderes 

Sgdjtavov des Kronos herbeigeführt: Alkaios Göttergeschlecht mit Zeus an der Spitze ist 

fr. 116 (Sergk, Lyr.S', 186, denkt eher an Alk- heraufgezogen. Unter seinem Regiment steht 

man); Akusil. fr. 25 {Müller 1,108); Lykophr. die ganze klassische Dichtung schon seit Ho- 

761; Apoll. Bliod. 4, 992 mit Schol.; Timaios mer; eine Ausnahme bildet Hesiod; bei ihm 

fr. 64 (Müller 1, 203); vgl. auch Preller-Bobert so bringt es das Thema der Theogonie mit sich, 

l 4 , 629 f. Schließlich ist nach Serv. Ecl. 6,13 die Götterwelt auf ihre Anfänge zurückzufüh- 

auch Silenus aus jenen Blutstropfen entstan- ren, die er in Ur. und Gaia mehr künstlich 

den und vermehrt also noch Ur.' übernatür- als naiv verkörpert. Während sich ihm die ge- 

liche Nachkommenschaft (s. Bd. 4, Sp. 510). lehrte mythographische Literatur der Folgezeit 

Die Kastrierung des Ur. verlegt, abweichend anschließt, liefern weder Ilias und Odyssee 

von jener Lokalisierung im Lande der Phaiaken, noch Pindar noch die Tragödie mit ihrem 

Paus. 7,28,4 ni»ch Achaia, dessen nördliches reichen mythologischen Inhalt einen nennens- 

Vorgebirge Drepanon gleichfalls nach der Si- werten Beitrag für die Kenntnis jener Ureltern, 

chel des Kronos benannt sein soll; ein Vers- die sich auch unter zahlreichen Nachkommen 
zitat bei Steph. Byz. s. AqsTtu.vr[ nach Bithynien; 60 und blutigen Familiengreueln nicht zu an- 

Macrdb. 1 . 8, 12 nach Sizilien, weil er die Frucht- schaulichen Göttergestalten abklären. Kronos 

barkeit der Insel vom Blute des Ur. herleitet, (Saturnus) ist gewiß eine vorliterarische Gott- 

womit Serv. Aen. 3, 707 die bei jener Gelegen- heit: zumal als König des goldenen Zeitalters 

heit geborene Venus Erycina verknüpft. Des (Hes. Op. 111) hat er sich schon früh einer le- 

grellen Vorgangs wird, auch ohne geographi- bensvollen Charakteristik und dann auch einer 

sehe Angabe, sonst noch oft gedacht: Anti- weitverbreiteten religiösen Verehrung erfreut 

mach. Coloph. fr. 35 Kinkel; Lucian. sacrif. 6; (s. d. Art. Kronos, Sp. 1458 f. 1607 f.). Seinen 

saltat. 37; Philopseud. 2; Kronosol. 12; Orph. Vater Ur. dagegen kann man nur ein künst- 



113 Dranos Uranos 114 

liches dichterisches Produkt nennen, das erst 2 W. den Titaninnen als siebente bei (s. o.), 

dem einen oder anderen kosmogonisohen Sy- rechnet sie also gleichfalls zu der großen Fa- 

atem zuliebe geschaffen nnd daher auf griechi- milie des Ur. Diesen selbst nimmt für die 

sohem Boden ohne Kultus geblieben ist; 'man phönizische (punische) Mythologie auch Lac- 

konnte den Cr. in seinem eigenen Himmel tont. 1, 16, 8 in Anspruch und nennt ihn unter 

unter den Olympiern nicht gebrauchen nnd verschiedenen Stadtheroen und Landesgöttern. 

hat ihn zu den Titanen in den äußersten Win- — Nach Brugsch, Belig. u. Mythol. d. allen 

kel gestürzt' (TJsener, Götternamen S. 815; s. Ägypter S. 128 f., -weißt es auf ägyptische 

auch Dieterich S. 17, 1). Über die durch die Vorstellungen hin, wenn Euandros b. Zenob. 

Völkermischung und Göttervermengung im rö- 10 6, 78 (Paroemiogr. 1, 151) Oif., ßDj, "Wag, ri), 

mischen Reiche bedingten, für Hispania Tarn- SeljinnfHUog, MlfrQug, JVv| als die acht Haupt- 

conensis und die Stadt Rom bezeugten Kulte gottheiten bezeichnet; s. d. Art. Nyx, Bd. 3, 

des Caelus (C. I.L. 2, 2407; 6, 81. 88. 84) und Sp. 678. Über die Isis als Tochter des Oif. 

die ihm gewidmeten Hypaethraltempel (Fi- Eiiwoov. s. o. 

truv. 1, 2, 6) s. d. Art., Bd. 1, Sp. 844 f. — Ge- Umgekehrt gibt es bei den Griechen noch 

wiß ist es wichtig, daß bei Ur. auch ge- andere Benennungen für Ur. Über Akmon als 

schworen wird, und zwar erscheint neben Synonymem (oder angeblichen Beinamen) ist 

ihm auch dabei bisweilen Gaia: II. O 86; Od. bereits gehandelt (s. o.). — Die Makedonen 

i 184; Hom.hymn. 2, 166; immerhin sind doch nennen ihn <£<5 j) nach Hesych. s. v. M. Schmidt 

weder diese homerischen Belege noch die son- so bringt dies mit ecftrifo (Curtius, Etymol. S. 260*) 

stigen (Orph. fr, 170 Abel; Lucian. Prometh.l) in Verbindung, während es Clook, Cl. Bev. 17, 

häufig und stehen hinter Stellen, wo andere 177, mit 'ASeve — 'A£evg -» Zeig erklärt. — 

Gottheiten wie Zeus, Apollon, die Erinyen, Daß die Stelle des Ur., auch als des Gatten 

die Styx als Zeugen angerufen werden, an der Gaia, bei manchen griechischen und na- 

Zahl und Bedeutung zurück; Tgl. übrigens mentlich römischen Dichtem Aither vertritt, 

Ev. Matth. 6, 84; 28, 22. — Wenn der Komiker ist schon erwähnt worden (s. o. u. d. betr. Art.). 

Amphis einen Oigavoe gedichtet hat {Koch, — Um eine Stellvertretung anderer Art han- 

Com. 2, 244) und bei Lucian.- saltat. 37 von delt es sich endlich, wenn nach späteren or- 

einem Tanze die Rede ist, der Ur.' Kastrierung phischen Mythen nicht Ur. und Gaia die Ur- 

(Oifavov roftijv) darstellte, so sind diese Spu- ao eitern und ältesten Weltbeherrscher sind, son- 

ren einer gewissen Popularität vereinzelt, ebenso dernOphion undEurynome (s. d. betr. Art.), 

vereinzelt Quellenstellen wie Orph. hymn. 4, wo die des Thrones verlustig gehen und dem Kro- 

er von einem Mysten in überschwenglichen nos und der Rhea weichen müssen: Orpheus 

Worten angefleht und als nayytvixaf, als &</xi) b. Apoll. Rhod. 1,494 f. 603 f.; Tieti. Lyk. 1191. 

navttav navrav xe xelsvxrj, als xodfioxparap ge- Der Schol. Aisch. Prom. 956 Kirehh. bezieht o'iff- 

friesen wird, oder Orph. Lith. 671 mit dem tobt xvQävvovg ixiteaövxag statt auf Ur. und 

rädikat: ßaedtvg jiaxapcav itQeaflixaxog. Ur. Kronos fälschlich auf Ophion und Kronos, mit 

gilt wohl auch sogar dem Weltall gleich und Unrecht deshalb, weil der alte Tragiker von 

stimmt überein mit dem späteren (pythago- Ophion noch nichts weiß. Übrigens sind nach 

reischen) xdffpog: Gerhard, Mythol. § 104, 2. 40 Myth. Vatic. 1, 204 Ophion und die 'ältere The- 

Demgegenüber stellt Euhemeros b. Lactant. div. tis ', unter der man vielleicht Eurynome zu ver- 

instit. 1, 11, 61. 66 (Enn. Euhem. fr. 62, Vahlen stehen hat, des Caelus Eltern; s. bes. d. Art. 

S. 223') auch ihn nur als Menschen dar, der Ophion, Bd. 3, Sp. 924. 

im Ozean ums Leben gekommen und in der Die Ableitung des Namens Oigavög 
Stadt Aulacia (?) begraben worden sei; nach Dio- ist nicht zweifelhaft; er entspricht dem indi- 
dor 6, fr. 1 ist er wenigstens ein gütig walten- sehen Yärunas, von skr. rar, bedecken, und 
der, reieberfahrener, namentlich astronomisch bedeutet, wie dieses Wort, Umfasser, nur mit 
wohlbeschlagener, aber freilich menschlicher dem Unterschied, daß Värunas den Wassergott 
König. bezeichnet {Curtius, Etymol. S. 360*; Brugmann, 
Die Anwendung griechischer Benennungen so Grundriß d.vergl. Gramm. 2,154; Preller -Bo- 
auf ausländische Götter brachte es mit sich, bert 1*, 40, 1; TJsener, Götternamen S. 316). 
daß auch der Name Uranos zur Bezeichnung Varunas und Uranos darf man also nur sprach- 
fremder, besonders orientalischer Gottheiten lieh, nicht mythologisch gleichsetzen; vgl. Burs. 
diente. Alexander d. Gr. tadelte die Araber, Jahresber. Bd. 124, S. 440. Durch diese über- 
weil sie nur zwei Götter verehrten: Dionysos zeugende Erklärung erledigt sich einmal die 
und Zeus (Strab. 16, 741) oder Uranos (Arr. im Glossar Bopps, der oÜQav6e von skr. varsh, 
Anub. 7, 20, 1). Die doppelte Benennung an- regnen, herleitet, aber erst recht die antike in 
scheinend für denselben Gott lehrt, wie wenig Orph. fr. 90 Abel b. Achill. Tat. in Amt. p. 85 : 
treffend die Gleichsetzung des griechischen Got- 6 rov 'Oprpeaig Oigav6g oipog aal xävtav 
tes mit dem arabischen sein mochte. — Nach so <pvXal- elvai ßovXszai, wonach beide Wörter 
phönizischen Mythen, überliefert von Phi- mit Sqüco zusammenhängen würden, was doch 
Ion v. Byblos 2, 14. 16. 25 (Müller 3, 667), zeugt nur von ovQog gilt. 

Ur. mit seiner Schwester Ge vier Söhne: Elos Von Darstellungen des Ur. in der bilden- 

oder El (== Kronos), Baitylos, Dagon und Atlas den Kunst sind zwei literarisch bezeugt; ein- 

(s. die betr. Art.); außerdem ist er, ohne daß mal beschreibt Eur. Ion. 1146 f. ein herrliches 

die Gattin genannt wird, Vater von Astarte Teppichgemälde im Apollontempel zu Delphi; 

und Dione. Letztere, schon in der Ilias (E 381) auf ihm ist zu sehen: Oiqavhg &&qoL£u>v äaxf' 

die Mutter der Aphrodite, gesellt Apollod. 1, iv atöigog %iida. Eb folgt die Schilderung des 



115 



Uranos 



Urbisalvienses 



116 




1) Uranos im Kampfs mit alnem Giganten {Alttrt. ». Ptrgamon III S, Tat 6), 



Helios, der Nyz und mehrerer Sternbilder des 
Firmaments. Der Dichter gibt wohl den eige- 
nen Eindruck von einem dort vorhandenen 
Kunstwerk wieder, da er v. 190 — 218 ja auch 10 Schreibung d. ant. Skulpturen in Berlin nr 



s. Abb. 1. — Zwei Bildwerke, 
die bereits der römischen Kunst 
angehören, zeigen den Him- 
melsgott in beinahe gleicher 
Haltung: nämlich als bärtige 
Gestalt mit nacktem, allein 
sichtbarem Oberleib, wie er 
— zur Andeutung des Him- 
melsgewölbes — über seinem 
Haupte bogenförmig das Ge- 
wand hält. So sieht man ihn 
einmal auf dem Harnisch der 
berühmten Marmorstatue 
des Augustus von Prima 
Porta im vatikanischen Brac- 
cio nuovo (Heibig, Sammlungen 
Borns 1», 4 f.; Mon. d. I. VI, 
VII, Taf. 84, 1; Bruckmann, 
Denkmäler nr. 826; Rom. Mitt. 
1910, S. 81 f.); und dann an 
einem Sarkophag in der 
Villa Medici zu Rom mit 
einer figurenreichen Darstel- 
lung des Parisurteils (Robert, 
Ant. Sarkophagreliefs 2, Taf. 6, 
nr. 11; abgebildet zu den Art. 
Nyx, Bd. 8, Sp. 678, n. Paris, 
Sp. 1626). Beidemal erscheint 
er in beschaulicher Buhe und 
Würde unter anderen Gott- 
heiten, die hier dem bereits 
vollzogenen Urteil beigewohnt 
haben und zum Teil in den 
Olymp zurückkehren, dort die 
Befriedung unterworfener Völ- 
ker des Erdkreises voller Teil- 
nahme mitansehen. — Einen etwas anderen 
Typus des Caelus verkörpert eine Berliner 
Statuette des 2.-3. Jahrh. n. Chr., vgl. Be- 



den Metopenschmuok des älteren Heiligtums 
aus wirklicher Anschauung darstellt, dessen 
einstige Giebelfelder Paus. 10,19,4 nur nach 
Berichten, nicht mehr nach Autopsie beschreibt; 
s. Hitzig- Blümner zu Paus. a. a. 0. S. 736 f. — 
Sodann erzählt Polyb. 81, 8, 16 (= Athen, 5, 
195 b), beim Triumph des syrischen Königs 
Antiochos IV. Epiphanes über Ägypten c. 167 
v. Chr. seien ihm die Statuen der Ge und des 



s. Abb. 2. Hier ißt er in ganzer Figur, aber 
knieend und nach oben aufblickend dargestellt ; 
übrigens wölbt er auch hier wieder den Mantel 
als Himmelszelt. — Über Uranos als Greis mit 
flatterndem Peplos sohwebend, von Sternen 
umgeben, auf einer Lampe, vgl. 0. Jahn, Arch. 
Beitr. 91, 60, sowie Ber. d. Sachs. Ges. d. W. 
1849, S. 66. [Johannes Schmidt.] 

Urassae, irrtümlich als Beiname der Mutter- 



Ur., der Eos und der Mesembria, der Nyx 60 göttinnen ausgegeben, z. B. von Vallentin, in 



und der Hemera vorangetragen worden, um. 
wie Stephani, C. R. 1860, S. 67 f., wohl richtig 
deutet, die freudige Huldigung, die das Uni- 
versum dem siegreichen König darbringt, zu 
veranschaulichen. 

Unter den erhaltenen Kunstwerken bean- 
sprucht besonderes Interesse das Bild des Ur. 
auf dem Fries des Zeusaltars von Per- 
gamon. Es zeigt ihn bärtig, mit zwei großen 

Flügeln, auf deren linkem, allein vollständig so eerata, Andree, Handatlas' 
erhaltenem man ein Doppelauge hat erkennen 127/128, D 1). Diesen hat 

wollen; bekleidet ist er mit einer kurzen Exo- - - — 

niis, während er um den linken Arm, mit dem 
er den Schild hält, ein Mäntelchen geschlagen 
hat. Mit hocherhobenem Schwert holt er gegen 
einen Giganten aus, der vor ihm zu Boden 
sinkt; vgl. Wmnefeld, Altert.v. Perg. III 2, Taf. fi, 
S. 88, u. Führer durch d. Perg.-Mus. 1902, S. 17; 



folge Mißdeutung der Inschrift CIL 12,8127; 
s Ihm, Bonn. Jahrb. 83, 
S. 104. [Keune.] 

Urbisalvienses, di deae- 
que — , die Stadtgottheiten 
der Urbs Salvia oder Urbi- i 
salvia in Picenum [CIL 9, 
Tab. IV, Dde], heute Urbi- 
saglia (südwestl. von Ma- 



ein in Ürbisalvia beheima- 
teter kaiserlicher Oberver- 
walter der Finanzen wäh- 
rend seines Aufenthaltes 
im Osten des Reiches ein 




„r ., , . , . , , 2) Caelus ; Berliner £>ta- 

Weihgeschenk geschickt, tuotle {Be , cM i >g . d . „„,. 
auf welches sich die im stuipi. in Btriin nr. 8S) 



117 Ureios Urios 118 

J. 1776 bei den Resten des Amphitheaters tum am Bosporus gemeint.*) Nun enthält eine an 

jener Stadt gefundene, noch erhaltene In- der Stelle des alten Ghalkedon gefundene und 

schrift bezieht, CIL 9, 6529 = Dessau, Inscr. von Chishull nach England gebrachte Inschrift 

Lat. sei. 8990: Dis Deabusq(ue) Urbisalvien- eine Weihung an Zet>sO#j«>s: ClG2,B197(=app. 

sibus T. Flavius Maximus procfurator) Au- epigr. .4P2 p.847; JTai&rfepior. 779) Otöntov Jx 

g(usti) ab orient(e) donum misit. — Zu den «ovpvwg zig iSnyrjzfjfa xaXatm | Zf)»o, »oii 

Schutzgöttern der TJrbs Salvia gehört in erster nQOZovmv laziov inaszcusag. | slz' ixl Kvaviag 

Linie die Salus, deren Käme ja mit dem von Sivag djöjios, Ivd-cc TloasiSäiv \ xafircvlor tlllaaei 

salvos abgeleiteten Beinamen der Stadt nächst- xfijta nagä Uiufidfrois, | el'zs xaz' Alyat-nv novrov 

verwandt ist (s. W. Schulze, Zur Gesch. d. latein. 10 nXana voaxov igevvä, | vtte&a z&Ss ßalav 

SigennamenS. ill; wenn Holder, Altcelt. Sprach- il>aiezd naoä £,odvm. \ &tt zbv sidvzrizov &sl 

schätz 3, Sp. 89 Urbisalvia als keltisch einreiht, itsbv 'Avzmuzqov nutg \ ezfjae $LXav &ya&fjg 

so ist dies ein starker Mißgriff). In Urbisaglia evpßoXov tiitXotng. Man darf mit Boeckh (CIG 

sind Ziegel vom Tempel dieser Göttin gefun- 2 p. 975) wohl ohne weiteres annehmen, daß 

den, mit der Inschrift: Salutis Augfustae) Sal- die Inschrift zu der im Heiligtum de« Z. 

viens(is), CIL 9, 5530 — 6078, 1 ; auch ist eine CMSptoe aufgestellten Statue gehört habe und 

ihrer Priesterinnen durch deren noch erhaltene zufällig nach Chalkedon verschleppt worden sei. 

Grabschrift bekannt, ebd. 5584. [Keune.] Bloße Vermutung ist dagegen die von Chishull, 

Ureios (O#fM0ff,"OpEK>s, auch'Öpjjosl. Kommt Bentley und Sillig ausgesprochene Anschauung, 
als Eigenname eines der am Lapitbenkampf so der in der Inschrift erwähnte Philon sei iden- 
beteiligten Kentauren vor bei Hesiod scut. 186; tisch mit dem Bildhauer gleichen Namens, der 
Paus. 3, 18, 16. Satyrname ist "Ogstog auf einer zu Alexanders Zeit lebte (Plin. n. h. 81, 91 ; 
Vase bei Jahn, Vasenb. (1839) S. 24 (vgl. Ger- Tatian. c. Gr. c. 56 p. 118. 121). Die Identität 
hard, Bullett. 1830, S. 129 ff.), wie denn mit zugegeben, mußten wir die Inschrift als ältestes 
Sqos zusammengesetzte Namen im Kreise der datiertes Zeugnis für den Kult des Z. U. an- 
Satyrn und verwandter Wesen häufig sind sprechen; deren Wortlaut spricht aber ganz 
('OfBiiiax(x)os , 'Oqox<&(/tis Ch. Fränkel, Satyr- entschieden gegen die Gleiehsetzung (Brunn, 
u. Bacchennamen, Bonn 1912, S. 24; 'Ooö(i.yßiog Gesch. d. gr. Künstler* 1, 295). Danach hat ein 
für einen Kentauren auf der Pran9oisvase nach Philon zum Dank für glückliche Fahrt das £6avov 
Hes. scut). Sonst erscheint CMipeioe als Bei- so des Gottes errichtet; welcher Künstler das Werk 
name (oder adjektivisches Epitheton?) für Göt- ausführte, ist nicht gesagt, über die Lage des 
ter, die mit der Bergwelt in Beziehung stehen, 'Iiq6v .Jtos Ovgiov am Bosporus sind wir durch 
so Pan (Eurip. Iph. Taut: 583), Dionysos u. a. die antiken Periploi genau unterrichtet. Ar- 
Daß Personifikationen von Bergen der griechi- rian, Peripl. Pont. Eux. 25, 4 [37, G. G. M. 1, 
sehen Kunst in ihrer Blüte fremd sind, betont 401, 16]: 'Ex 8h Kvavsav inl zb Uobv toC dibg 
Bobert, Arch. Hermen. S. 55, wo spätere Bei- toü Oioiov, ivaitio zb azopa zoi H6vzov, ezd- 
epiele dafür genannt sind (S. 243, 346, 347). Sia re eaagdxovza , ebenso Anon. Peripl. Pont. 

[Kiek] Eux. 90 (G. G. M. 1, 422, 16). Das Hieron des 

Uriel (Ovoiril), guter Geist der 1. Mittwoch- Z. U. ferner genannt von Menippos bei Steph. 

stunde, entgegengesetzt dem Luzifer (Aovzti- *a Byz. s. v. XaXxridav und bei Marcian. p. 122 

<p£o); Beleg wie bei Ueros. [Preisendanz.] Müller; noch auf der Tabula Peutingeriana 

Urlos (Oüptos), Beiname des Zeus als Spen- heißt die Stelle lovisurios (darnach im Geogr. 
ders des guten FahrwindeB. Während ihn als Bavenn. : Urion). Heute steht an der Stelle das 
solchen schon Homer (Od. 5, 176) kennt, tritt Ioros (OÜQiog\) kalessi genannte genuesische 
der Beiname Oügiog später, so bei Cicero auf. Schloß bei Anadoly kawaghj (vgl. Oberhummer, 
Er wirft Verres in oratio 4, 128 vor (ex aede Bosporus P.-W. 3,752). Weit zahlreicher sind 
Iovis religiosissimum simulacrum Iovis Impera- die Stellen , wo die Kultstätte schlechthin als 
toris, quem Graeci Oüqiov nominant, pulclier- 'Itgbv bezeichnet wird. Daß die gleiche Örtlich- 
rime factum nonne abstulixti ?) , ein hochge- keit gemeint ist, ergibt sich aus den angege- 
schätztes Standbild dieses Gottes in Syrakus 50 benen Entfernungen und der sonstigen Beschrei- 
geraubt zu haben. Von diesem Iuppiter Impe- bung. Schon Herodot 4,85 berichtet, Dareioa 
rator habe es überhaupt nur drei Standbilder habe vom Hieron aus den Pontos betrachtet 
auf der Welt gegeben, außer dem syrakusani- (vgl. 87); ferner ohne Angabe der Gottheit ge- 
sehen ein von T. Flamininus aus Makedonien nannt bei Demosth. 20, 36; 85,10; 50, 17 ff., 58 9. 
gebrachtes und dann auf dem Kapital aufge- Polyb. 4, 39, 5 ff. 43,1. Skylax 67 u. 92. Sirabo 
stelltes (eadem specie ac forma Signum § 129) 7, 319 spricht von einem tepo»' zdtv XaXxr)So- 
und als drittes dieser signa Iovis Imperatoris vlmv, das von dem gegenüberliegenden hobv 
uno in genere pulcherrime facta ein solches in r&v Bv£ai>ri(av etwa 20 Stadien entfernt sei; 
Ponti ore et angustiis. Dieses letztere war im die Breite an dieser Stelle zwischen den beiden 
J. 70 noch unversehrt (quod aatem est ad in- 00 Uod ist von Polyb. 4, 39, 6 auf 12 Stadien, von 
troitum Ponti, id, quom tarn multa ex Mo mari Slcylax 67 auf 7 Stadien angegeben. Aus Poly- 
beUa emenerint. tarn multa porro in Pontum bius a. a. 0. wissen wir, daß das dem ltg6v des 
inveeta sinl, usque ad hanc diem integrum in- Z.U. gegenüberliegende Heiligtum dem Sarapis 

violatumiiue sercatum est § 130); L. Calpurnius 

P; « v,«*- m:„ ;~, D'„ uk qr\ a„~ 7„,.\ tt~i; *) Dieie Annahme Ist irrig. Denn Urii bei Cic. in 

lao hat (Ctc. in Pis. Ao, 85) das Iovis (jru ' . , , t _ _ " . x ^ . . , yy . 

j. .:.. . ,' ' ,.. Pnon. nt alte Besserung von Turnebus itatt der h»l. Über- 

fmmm antiquissimmn barbarorum sanctisstmum- u , fernng vel , uri< in woIchor aber j, tzt Tie i m ehr treffend 

que als Statthalter von Makedonien (i. J. 66) dM ,hraki.ohe (Znu) zbehurdw (Sceiiurdui) erkannt ist: 

geplüudert. Offenbar ist auch hier das Heilig- » den Artikel 7Muurd<a, nr. 9. [Kenne.] 



119 Urios Urios 120 

geweiht war. Pomponius Mela 1, 19, 101 nennt Tradition vom Zwölfgötteraltar und vom Po- 
zwar als numen des auf der asiatischen Küste seidontempel stecken wird. Nirgends ist also 
gelegenen Tempels lupiter, jedoch ohne Zu- in älterer Zeit von Z. ü. die Kede gewesen, 
satz, und gibt an, Jason sei der Gründer des und die Angabe bei Pomponius Mela a. a. 0. 
Tempels (conditor est Iaso, em. Bursian aus erscheint als Ausgleichung der Argcmautentradi- 
eonditore iaso des cod.). Die eingehendsten An- tion mit den spaten tatsächlichen Verhältnissen, 
gaben über die Lage des Hieron macht Petrus Vereinzelt steht der Bericht des Ptolemaios da, 
Gülius (Pierre Gilles aus Alby), der auf Grund der 6, 1 ein hgov kfrifuSos nennt. Kult der 
von eigenen Beobachtungen an Ort und Stelle Zwölfgötter im Gebiet von Chalkedon i8t be- 
nnd mit starker Benutzung des von ihm ent- 10 zeugt durch eine in Anadoli-Kavak gefundene, 
deckten und nur auB seinem Werke bekannten von Cwrtius (Monatsber. d. Äkad. d. W. Berlin 
jlvditlovi Booadoov des ^tovvetog Bv£dvtios 1877, S. 475) veröffentlichte Inschrift, in der 
(schrieb jedenfalls vor 196 n. Chr.; vgl. Diony- vom Kauf von Priesterstellen die Bede ist, und 
sios nr. 114, P.-W. 6,1, 971) De Bosporo Thra- die wohl vom Hieron stammen wird (Ditten- 
cio libri III verfaßte. Sein Aufenthalt in By- berger, Herrn. 16, 1881, S. 166.). 
zanz fallt in die Jahre 1648/49. (Vgl. M. Ober- Die zweite Stätte, wo Kult des Z. ü. be- 
hummer, Jahresber. d. geogr. Ges. München 1896. zeugt ist, ist Delos. Eine delische Inschrift 
1897,34. Die frg. des Dionysios in der Über- (Bull. Hell. 6, 1882, S. 328, nr. 22 = Ditten- 
setzung des Gülius und dessen eigene Dar- berger, Syll. 8", nr. 1126, etwa 100 v. Chr.) ent- 
stellung bei Müller, G. G. M. 2, 1—101, dazu so hält eine Weihung an Z. ü., Sarapis, Isis, Anu- 
Praef. p. I— XIV. Wieseler, Spicüegium ex loeis Mb und Harphokrates für den Dedikanten, seinen 
scriptorum vet. ad Bosporum Thrac. spectanti- Sohn und ini» z&v nXöi£o\Uvtav advrav. Eine 
bus, Gotting. 1876; Dionysii Byz. de Bosp. zweite im Sarapistempel auf Delos gefundene 
navigatüme quae supersunt ed. 0. Wescher, Paris Inschrift (Bull. Hell. 6, 1882, S. 348) enthalt 
1875, dazu Wieseler, G.G.A. 1876, 321—369). eine Weihung an Z. U. allein, und zwar für 
Das Hieron lag, wie Gülius übereinstimmend den König Mithradates Eupator und seinen 
mit den antiken Berichten feststellt, auf dem Bruder Mithradates Chrestos. (über die Herr- 
asiatischen Ufer, etwa 40 Stadien von den schaft des MithradateB auf Delos vom J. 86—84 
Kyaneen entfernt (p. 8 Müller). Zur Zeit seiner v. Chr. vgl. Boeckh z. GIG 2, 2277 a.) Man wird 
Reise lag an der Stelle ein türkisches Kastell, so mit Ad. Busch (De Sarapide et Iside in Graecia 
nachdem der Ort schon im Altertum umstritten cultis, Diss. Berlin 1906, S. 48) annehmen dür- 

§ewesen war (p. 80 M.). Über Kauf dee Hieron fen, daß Z. U. hier und in der ersten Inschrift 

uroh die Byzantier und Eroberung durch mit Sarapis identifiziert ist. Dieser ist ja bis 

Prusias I. von Bithynien s. Polyb. 4, 60, 2 ff.; in späte Zeiten Beschützer der Seefahrt, was 

beim Friedensschluß mußte Prusias die aus in seiner altbabylonischen Natur als Meergott 

dem Tempel geraubten Ziegel u. dgl. wieder begründet ist, und wird auch gelegentlich mit 

erstatten (Polyb. 6, 62, 7). Wer am Hieron Kult dem Beinamen Neptunus bedacht. (Das Nähere 

gehabt habe, gibt Dionysios nicht an (p. 8 Jf.); bei Lehmann-Haupt, Myth. Lex. 4, 367/8.) über 

wenn Gülius (p. 77 M.) trotzdem sagt, er spreche Darstellungen des Sarapis auf Münzen der spä- 
von einem Tempel des Z. U. , so ist das ün- 40 teren Kaiserzeit, wo er an Bord eines Schiffes 

genauigkeit des Berichts. mit Szepter und segnendem GeBtus erscheint, 

Außer den oben angeführten Traditionen, s. Weitz ebd. 376/6. Berücksichtigt man diese 

die das Heiligtum Z. ü. bzw. Zeus ohne Epi- Gleichheit des Z. U. mit Sarapis, so wird man 

theton zusprechen, gab es noch drei abwei- das von Polybius a. a. 0. angeführte Sarapieion 

chende, desgleichen über den Gründer der Kult- auf der Gegenseite des Hieron am BosporoB 

statte. Nach Pindar, Pyth. 204 gründen die als Doppelung der alten Kultstätte ansehen 

Argonauten auf der Fahrt nach Kolchis In dürfen. 

i&tvov exoyM *«ji»o>ei>ot ein *e><-vos für Po- Nicht gleich durchsichtig ist das Verhältnis 

seidon. An der Stelle sei bereits ein /Smaös des Z. U. zu Iuppiter Imperator, mit dem ihn 
vorhanden gewesen, dort hat nach Herodoros so Cicero (Verr. a. a. 0.) gleichsetzt. Das Nächst- 

Schol. Apoll. Bhod. 2, 532 (FHG 2, 39, frg. 47) liegende ist natürlich anzunehmen, Cicero habe 

Argos, der Sohn des Phrixos, auf der Heim- das Epitheton Imperator für entsprechend dem 

fahrt aus Kolchis bereits geopfert. Nach ApoU. griechischen Otiewg gehalten, doch ist schlech- 

Bhod. 2, 531 hätten die Argonauten einen Altar terdings nicht einzusehen, warum gerade diese 

der Zwölfgötter gestiftet (ebenso Hesychios Mil. beiden Epitheta sich entsprechen sollten. Der 

von Jason FHG 4, 152, § 33), während Timo- Beiname Imperator (vgl. Levezow, De Iove im- 

sihenes Schol. z. d. St. Phrixos als Gründer die- peratore, Berol. 1826) weist in eine ganz andere 

seB Altars, die Argonauten aber als Stifter eines Sphäre als in die des Wind- und Meerbeherr- 

Poseidontempels nennt. Nach Polyb. 4, 39, 6 schers. So ist man (Buttmann, Lexilogus 2, 32 ff. r 
opfert Jason auf der Rückfahrt aus Kolehis so Mythologus 2,33. Jahn, Arch. Aufsätze S. 31— 

am Altar der äwSe*a »toi. Dionysios Byz. fr. 46. Preller-Bubert', Griech. Mythol. 1, 1 S. 168) 

47 (p. 67 M.) verlegt dieses Opfer an das euro- auf die Annahme verfallen, die Art, wie Z. U. in 

päische Ufer, wo auch ein 'Icqov gewesen sei. Bildwerken dargestellt gewesen sei, etwa dem 

Schol. Demosth. p. 468,,, spricht nur von der Wind und Wetter gebietend, sei den Römern 

Gründung eines leobv xmv 9tmv. Plin. 5,150 'imperatorisch' erschienen, so daß sie die 

endlich nennt, offenbar allerdings auf dem euro- Statue Iuppiter Imperator genannt hätten. Es 

päischen Ufer, nach unbekannter Quelle 'Estias, gab allerdings römische Iupiterdarstellungen, die 

templum Neptuni', worin eine Vermengung der den Namen Imperator hatten, wie eine solche 



121 Urnia Urphe 122 

Statue nach Liv. 6, 29, 8 von T. Quinctius von Avicantus. — Vgl. noch Maver in der zu Ura 
Praeneste aufs Kapitol gebracht wurde. Ohne angeführten Abhandlung (1914), S. 18. 35. 86. 
Grund nimmt Jahn a. a. 0. an, bei Cicero sei [Kenne.] 
diese Statue gemeint, wo er von der makedo- üro brociae oder -ii oder Urobrocae, -i, ört- 
mschen redet. Da aber von Darstellungen des liche Benennung von Gottheiten, nach einer 
Z. U keine Spuren, von solchen des Iuppiter Im- In8ohrift von Carpentras (Carpentorate in der 
perator keine sicheren erhalten sind so bleibt N arbonensis; 'gefunden 1791'), die uns nur 
die Annahme, Gleichheit der Darstellung habe bekannt ist durch eine Handschrift des Esprit 
die Gleichsetzung der Gottheiten hervorgerufen, Calwt auB Avignon und die aich lediglich be- 
zwar in sich wahrscheinlich, aber ohne weitere 10 . _ . , „ ,. „, ., Tr^nn-on.^Tc, n-rr 
Stütze. W. Abeken (Annali delV instit. 11, 1839, s « hrä '^ t ™f ^ Weihnng VROBRO|ClS, CIL 
S. 62-72) wollte in einer Zeusdarstellung auf * 2 ' » 8 ?- Dl « handschriftliche Sammlung des 
einer syrakusanischen Münze eine Wiedergabe im übrigen hochverdienten Calvet (1728-1810) 
des Z. ü. erblicken. Der Gott erscheint mit * n r thäl * verdachtige Inschriften, s. Hirschfeld 
einem Speer in der Hechten, die Spitze auf <? /7 l ^, p 131. Wenn unsere Inschrift echt ist, 
die Erde gestützt, den linken Arm in die Seite ^K* fm keltischer Name vor (Holder, Altcelt. 
gestemmt Da Darstellungen des in Karien hei- Sprachschatz 3 , Sp 41), zusammengesetzt aus 
mischen Zeus Stratios oder Strateios (vgl. HO- ""'t und * r °f- = br °t (Bj>J<& \ S P\** 1 nd 
fer, Myth. Lex. 4, 1542 ff. Kuhnert, ebenda 1 • S P;. 6 "7 8 "- ."• S P' 98 . 2 f)' . Es *»""*<» 
1545 ff.) auf Münzen von Amastris eine ahn- io männliche Gottheiten gemeint sein oder viel- 
liche Gestaltung zeigen, wollte A. die beiden me „ hr ^ ei £J bl '« he (^m, Bonn. Jahrb. 88, S. 103 
Gottheiten in Zusammenhang bringen. Dieser ™° und S - 169 > nr - * 32 ) ! « letzterem FaUe liegt 
dürfte nur insofern bestehen, als es sich in die . Alm ä me eines , ortll °]"»i Beinamens der 
beiden Fällen zunächst um pontische Lokal- Muttergöttinnen nahe denn diese werden 
kulte gehandelt haben wird. An Ähnlichkeit 5«** 8elten ™ T ^ dl « sen Beinamen unter 
in der Darstellung wird man, da das syraku- Weglassung der Bezeichnung Mate, Ma- 
sanische Münzbild als Z. ü. ja gar nicht er- <;™ nae benannt. Zur Kurze der Weihinschrift 
wiesen ist, nicht glauben. Zeus ü. hatte, als ('*«*•« «npolOus ,mrae tarnen mtegntatif: 
Dionysios das Hieron besuchte, dort keine Calvet) vgl. z. ii. 07X5,4914: lulhno (s. d.). 
Statue mehr. Er fand dort eine 'statua aerea so [Keune.] 
. . . antiquae artis, aetatem puerilem prae se fe- Urphe (urqpe) erscheint als etruskische Uni- 
rens, tendens manus' {fr. 59, p. 78 M.), über formung des griechischen Orpheus (Deecke in 
deren Bedeutung allerlei gefabelt wurde. Bezzenbergers Beiträgen 2, 170, nr. 104) auf 

An Zeugnissen, wo der Beiname Otigios für einem im Museum von Perugia befindlichen 

Zeus noch erscheint, sind zu nennen: Aeschyl. Bronzespiegel. Dieser ist erwähnt im Bull. 

Siket. 574; Meleager, Anthol. Pal. 12, 53, 8 mit <*«H' J nst- 1858, Sä und veröffentlicht von Ger- 

Sarrioios zusammen; Alkiphr. ip. 2,4. Die Wd, T&r. Sp. 4, 104, Tf. CCCLIV, und von Fa- 

Ortsnamen Urion in Daumen und Uria in Spa- oretti, CII nr. 1072 bis. Identisch mit ihm ist 

nien haben zu Z. U. keine Beziehung. iet TOn Vermiglioli im Bull. delV Inst. 1841, 

„ , , T „ , , „ ■ , „..,. , , .. „„„. 74 veröffentlichte Spiegel (vgl. Fabretti, CII 
o Z* n°°l ^e™*; e **( 18 «°.«„r. 1066), obwohl Vermiglioli die Inschriften 

p H p * , ' r""W?T V 7 lh rill' "<** ™» ; K ™ 1««« ™ ßte - Die E e n *eit die- 

Ä^no« ™, ffit i Mll 9 l0ns 9 esc ' 1 - *> stabile (Mon. di Perugia 4, 509) und Benndorf 
8B4. 1098, . 1U«J 8 . Lß-WK .j (Archäol. Zeit. 1868, 77 f.), die annehmen, er sei 
Urnia, wahrscheinlich Quellgöttin von Ne- eine Nachahmung der betr. Darstellung auf der 
mausus-Nimes (eine Quelle Ourne entspringt Cista des Kircherschen Museums, ausgeführt 
im Schlösse von Saint -Felix de Pallieres, im nicht nach dem Original, sondern nach der 
Canton Lasalle des Departement du Gard), ge- Abbildung des Museum Kircherianum. Auf die 
nannt in einer Weihinschrift, welche seit der Ähnlichkeit beider Darstellungen hatte schon, 
ersten Hälfte des 18. Jahrh. in Nimes, außer- so ohne den Verdacht einer Fälschung zu äußern, 
halb der Stadtmauer, zu sehen war und noch Garrucci in der Sitzung des Archäologischen In- 
heute erhalten ist, CIL 12, 3077 mit Add. p. 834 stitutes vom 22. Januar 1858 hingewiesen (vgl. 
{Dessau, Inscr. Lot. sei. 4846. Holder, Altcelt. Ann. delV Inst. 1857, 349 und Bull. delV Inst. 
Sprachsch.3, Sp. 43, auch 1, Sp. 313. 2, Sp. 592. 1858, 35). Auch Deecke (a. a. 0.) ist von der 
7»6): Sulpic(ius) Cosmus rest(ituit). || [LJaribus Echtheit nicht überzeugt. Unter dieser Reserve 
Aug(ustis) sacrum et Minervae, Nemauso, Ur- alBO gebe ich kurz die Beschreibung: die Dar- 
niae, Avicanto T. Cassius T(iti) l(ibertus) Fe- Stellung enthält zwei Figuren, links den Lyn- 
licio exs vöt(o). Die voraufgeschickte Zeile ist keus (lunc), der eine Amphora an einem Felsen- 
in kleinerer Schrift nachträglich zugefügt. Mi- quell füllt, rechts den Orpheus (urijpe), der aus 
nerva ist hier offenbar römische Benennung 60 einer gefüllten Schale trinkt. 'Beide Figuren 
einer Heilquellgöttin, wie in Baden-Baden, sind aus der umfangreichen Darstellung wasser- 
Bath und anderswo. Nemausus, Schutzgott der schöpfender Argonauten auf der Ficoronischen 
gleichnamigen Stadt, war der Name einer Quelle Cista fast ohne Änderung hier wiederholt', 
(Auson.), s. o. Bd. 3, 1, Sp. 114 f. Die Quellgott- sagt Bchon Gerhard, indem auch er daran die 
heiten sind paarweise geordnet, doch (gegen Mahnung schließt, 'genau nachzuforschen, ob 
die Gewohnheit) mit Voranstellung der weib- auch die Echtheit von Bild und Inschrift durch- 
lichen Gottheit : Minerva- Nemausus und Urnia- aus verbürgt sei.' [C. Pauli.] 



123 Urste usil 124 

Urste (urste) und l'rusthe (urusfre) sind die (chitmsta); ersterer verfolgt die fliehende Mut- 
etruskisehen Umformungen des griech. Orestes ter und ist im Begriff, sie mit seinem Schwerte 
(Deecke in Bezzenbergen Beitr. 2, 170, nr. 10S). zu durchbohren. Auch der Spiegel unbekain- 
Die erstere Form, urste, findet sich auf zwei ter Herkunft enthält nur diese zwei Figuren: 
Denkmälern belegt, einer Alabasterurne von Orest (urusfre) hat mit der Linken die ihm 
Volterra (zweimal) und einem Bronzespiegel zugewandte Klytaemnestra (clutumita, wofür 
von wahrscheinlich Clusinischer Herkunft. Ein schon Fabretti clutumsta vermutet) um den 
vierter Beleg, der sich auf einem Serpentin- Nacken gefaßt und hat in der Rechten das 
stein der Sammlung des Herzogs von Blacas Schwert bereit, sie zu durchbohren. Die Dar- 
befindet (Fabretti, CII nr. 2514 bis) , iBt eine 10 Stellung des Spiegels von Volci ist gewisser- 
plumpe und ungeschickte Fälschung in Nach- maßen eine Verschmelzung der beiden Szenen 
ahmung der Urne von Volterra. Über die even- der Volterraner Urne: rechts haben wir die 
tuelle Lesung urste des Spiegels, Gerhard Tf. Klytaemnestra (clufrumnsfl-a) in halbliegender 
CCCLXXXV, vgl. unter ufrste. Die zweite der Stellung, das rechte Bein vorgestreckt, auf 
Formen, urustfe, begegnet zweimal, und zwar dem linken knieend und ebenso mit der linken 
auf Bronzespiegeln, deren einer aus Volci Hand auf den Boden sich stützend, während 
stammt, während der andere von unbekannter sie die Rechte dem Orest abwehrend entgegen- 
Herkunft ist. Diese Denkmäler sind verüffent- streckt; dieser, in ausschreitender Stellung, hat 
licht: die Urne von Volterra von vielen Auto- mit der Linken das Haupt der Mutter gefaßt, 
ren, die ich unter priumne, puluetre Myth. Lex. so in der Rechten aber hat er das Schwert, wel- 
Bd. 3, 2, Sp. 2995 u. Sp. 8280 aufgeführt habe, ches er ihr in die Brust zu stoßen im Begriff 
der Spiegel von Clusium, jetzt im Museum zu ist; links hinter ihm steht eine Furie, durcli 
Perugia, von Körte, Etr. Sp. 5, 116, 2 = Ga- Hauzähne und eine Schlange in jeder Hand 
murrini, Append. nr. 951; der Spiegel von als solche gekennzeichnet und mit der Bei- 
Volci von Braun, Oreste stretto al parrieidio schrift nafluni versehen; die unterhalb dieser 
dal fato (1841), von Gennarelli, La moneta Szene befindliche Darstellung steht mit Orest 
primitiva 147, tav. VII, von Gerhard, Etrusk. in keinem Zusammenhang. IC. Pauli.] 
Sp. 3,221, Tf. CCXXXVIII und von Fabretti, Ein Gentilname urste scheint in der In- 
G'JJ nr. 2156, behandelt auch von Cavedoni, schritt CII 469 vorzuliegen. Auf den Füßen 
Ann. deW Inst. 1842, 47 f.; der Spiegel unbe- so einer Statuette steht cnei urste. Müller, Etrus- 
kannter Herkunft von Gerhard, Etr. Sp. 3, ker 1', 474. Deecke, Etr. Forsch, 3. 97. Ül er 
221, Tf. CCXXXVII und von Fabretti, CII nr. den Konsul Gn. Aufidius Orestes und das Ver- 
2549. Auf sämtlichen vier Denkmälern ist der hältnis der lat. und etr. Gentilnamen dieser 
Muttermord des Orest dargestellt, jedoch mit Sippe zu dem Orestes der Mythologie vgl. 
Abweichungen im einzelnen. Die Urne von Vol- W. Schulze , '/.OLE 203 — Lautlich ist die 
terra zeigt zwei Szenen nebeneinander: in der Form urste die korrekte Wiedergabe des grie- 
erBten sehen wir den Orest (urste), wie er sein ehischen Namens, mit der durch etruskischen 
Schwert der Klytaemnestra (clutmsta), die vor Initialton entstandenen Synkope des Mittel- 
ihm kniet und sein Knie umfaßt, in die Brust silbenvokals. In nrusö-e liegt Assimilierung 
zu stoßen im Begriff ist; rechts von ihnen liegt 40 eines Reet-(oder Sproß ?)• Vokals an das vorher- 
ein Mann am Boden, den ein anderer zu töten gehende u vor, und die Dentaltenuis ist zur 
6ich anschickt; es ist anzunehmen, daß dies Aspirata -•&- geworden. [Fiesel.j 
Aegisth und Pylades sind, obwohl beide Kigu- usil, eine etruskische Bezeichnung für einen 
ren keine Beischriften haben ; die zweite Gruppe, Sonnengott, wohl auch für die Sonne selbst. 
links von der soeben beschriebenen, besteht Der Name ist als usil, usil und in der Genitivforin 
aus drei Figuren: Orest (urste) und Pylades usils bezeugt. Auf einem Volcenter Spiegel des 
(puluetre, wörtlich JTvAöxrraj), von den Furien Vatikan. Museums, Etr. Sp. Tf. LXXVI = Fti- 
verfolgt, sind zum Altar geflohen, auf den Orest bretti, CII 2097, steht in der Mitte usil, durch 
sein rechtes, Pylades sein linkes Knie stützt, Aureole und Bogen als Sonnengott gekenn- 
beide mit dem Schwert bewaffnet; eine der so zeichnet, zu Beiner Rechten sitzt nefruns (Nep- 
verfolgenden Furien hockt rechts unten vom tnnus), zu seiner Linken steht fl-esan (Aurora), 
Altar, als solche durch eine sich emporbäu- vgl. Pauli, Myth, Lex. unter thesan, und zur 
mende Schlange und eine Fackel in der Rech- Interpretation der nicht sicher gedeuteten Szene 
ten bezeichnet; ihr entsprechend kauert rechts K.O. Müller, Etrusker 2*, 54. Deecke, Etr. Forsch, 
unter dem Altar Charon (jjarun), wie gewöhn- 2, 141. Ein anderer Spiegel aus Volci, Etr. Sp. 
lieh mit dem Hammer in der Hand, bereit, Tf. CCCLXIV — Fabretti 2142 (vgl. die Be- 
die Seelen der beiden Jünglinge, nachdem Schreibung unter upriun), enthält vermutlich 
diese den Furien erlegen, in Empfang zu neh- die Namensform usil, wie die Herausgeber 
men und in den Hades zu führen. Nach dieser übereinstimmend angenommen haben. DieBei- 
soeben gegebenen Beschreibung ist die früher 60 schrift findet sich neben einer weiblichen Ge- 
(s. v. puluetre) gegebene zu berichtigen, wo ich stalt, daher hat Pauli in seinem Manuskript 
noch nicht erkannt hatte, daß auf unserer Urne vermutet, es sei hier *ucil zu lesen, und das 
zwei verschiedene Szenen dargestellt sind. Wort sei ein etruskischer Name der Eos. Diese 
Die Darstellung des Clusinischen Spiegels ist Hypothese ist unwahrscheinlich und wird auch 
der ersten Szene der Volterranischen Urne ahn- durch die ifesi/cJiglosse «ixjflms ftaj vnb Tv$- 
lich, doch enthält sie nur einen Teil des dort (gftv&v nicht genügend gestützt. Zu der Glosse 
Dargestellten, sofern sie nur zwei Personen vgl. Mommsen, Unterit. Dial. 849. Etruskische 
zeigt, den Orest (urste) und die Klytaemnestra Götternamen generis communis kommen auch 



125 Usire Usire 126 

Bonet gelegentlich vor, Tgl. lasa, {ralna, agvizr, erdrückende Fülle der Angaben in den Texten 
Thulin, Seligionsgesch. Vers. u. Vorarb. 8, 46; aber den wahren Sachverhalt tauschen lassen. 
Fiesel, Forsch, z. griech. u. tat. Gramm. 7, 8 f. 38. Galt doch Abydos vom Mittleren Reich ab als 
Solange die Lesungen dieses Spiegels nicht die Stätte, zu der jeder Ägypter eine Wallfahrt 
revidiert sind, läßt sich freilich kein sicherer zu machen wünschte, wenn nicht bei Lebzeiten, 
Entscheid treffen. Auf dem rechten Lappen so doch als Mumie. Wir besitzen viele Denk- 
der konvexen Seite der Leber von Piacenza steine in Form von Grabsteinen, die bei diesen 
steht der Genitiv nsils, auf dem linken die Besuchen Lebender und Toter in Abydos auf- 
Korm tivs. Beecke, Etr. Forsch. 4,7. Körte, Böm. gestellt sind, und wir kennen Darstellungen 
Mitt. 20, 364. thulin a. a. 0. 10. Für usus wird 10 der Fahrt der Leiche im Scbiff nach Abydos. 
von Besehe und Körte die Bedeutung 'solis', Alles dieses geschah, um nur einmal 'an der 
für tivs (nicht tivr! Körte a. a. 0. 864, 1) die Treppe des großen Gottes' zu weilen. Dort lag 
'lunae' angenommen, während nach Thulin 14 sein Grab, wenigstens das Gebäude, das man 
und 18 auch hier der Sonnengott gemeint als das Grab des Os. ansah. In Wirklichkeit 
ist. — Auf der Agramer Mumie 7, 11, CIE II, war es ursprünglich das Grab des Königs Zer 
2, S. 19 ist vielleicht usil zu ergänzen. Über (Chent) der 1. Dyn. auf dem Boden von Umin 
die vermutlich zu ubü gehörigen Formen 'uslan, el-Ga'äb im äußersten Westen des Friedhofs 
usli vgl. unter uslan. — In usil haben wir ver- von Abydos. Leider haben die Arbeiten von 
mutlich ein italisches Lehnwort zu sehen. Wie Amelineau (Tombtau d'Osiris, 1891t) den Platz 
Mommsen a. a. 0. vermutet hat, ist der Name 20 zerstört und lassen auch für spätere Nachfor- 
zu verbinden mit sabinisch ausel, lateinisch schungen keine Hoffnung auf gründliche Auf- 
aurora; vgl. auch den Spiegel Etr. Sp. 5, 78, klärung über die Ausgestaltung, die man dem 
wo ein etr. Sonnengott die Beischrift aur hat. Grabe des Os. in späterer Zeit gegeben hat. 
Körte, Rom. Mitt. üO, 370, 3. Thulin a. a. 0. 60. Wir haben aus ihm nicht viel mehr erhalten 
Über ital.-etruskische Götternamen vgl. unter als den Steinsarkopbag mit der auf dem Deckel 
uni. [Pauli-Fiesel.] liegenden Figur des Os. als Mumie, auf ihm 

Usire (Osiris), ägyptischer Totengott. Isis als Falke (jetzt im Museum von Kairo). 

Die Stätte des Os.-Grabes bei Abydos hieß 
A. Name. Peker oder Ro-Peker und besaß einen großen 
Die eingeführte griechische Namensform Osi- so Baum, in dessen Schatten das Grab lag; dort 
ris gibt die ägyptische Aussprache der späte- fanden die Aufführungen der Festspiele statt, 
ren Zeit ungefähr richtig wieder, die uns im in denen das Leben des Os. dargestellt wurde 
Koptischen als Usire erhalten ist; sie kehrt im (vgl. G.). Der Platz ist das Vorbild der vielen 
Namen der Stadt Busiris im Delta wieder, sonstigen Stätten, die als Schauplatz der Fest- 
ägyptisch Per-Usire 'Haus des Osiris'. Der spiele und Kulthandlungen in späterer Zeit 
früher nicht richtig erkannte Konsonantenbe- bei den meisten Tempeln vorhanden waren, 
stand des ägyptischen Namens ist wsjr. Die auch wenn Os. in ihnen nicht als Hauptgott 
Ägypter haben den Namen in spielender Weise verehrt wurde. 

mit dem Schriftzeichen begonnen, das den der 3. An anderen Orten. Nachdem Os. in 
Isis bezeichnet; erst allmählich ist man sich 40 Memphis dem dortigen Totengott Sokar und in 
darüber klar geworden, daß dieses Schrift- anderen Städten den jeweils vorhandenen Toten- 
zeichen (ein Thron) in beiden Fällen verschie- göttern angegliedert war. entstanden in ganz 
den gelesen werden muß. Ägypten Kultstütten des Os. Sie wurdon zahl- 
los, als Os. seit dem Mittleren und Neuen 
B. Lokalkulte. Reich die übrigen Totengötter verdrängt oder 

1. Busiris. Wie Maspero zuerst erkannt in sich aufgenommen hatte. Die Verbreitung 
hat, ist die eigentliche Heimat des Os. die Stadt des Os wurde gefördert, als er und seine Fa- 
Dedu im Herzen des Deltas, später Busiris ge- milie in die ' Neunheit von Heliopolis' aufge- 
nannt. Dort ist auch sein Symbol, der Ded- nommen war. Viele Städte glaubten, seit ur- 
Pfeiler, zu Hause, der ursprünglich wohl einen 50 alter Zeit den Os. zu verehren und eine Re- 
entlaubten Baumstamm darstellt und später liquie von ihm zu besitzen. Die dem Os. -Grabe 
auf das Rückgrat des menschengestaltigen Os. von Abydos bei ihnen entsprechende Kultstätte 
umgedeutet worden ist. In Busiris ist Os. als erhielt den Nimbus eines urzeitlichen Vereh- 
Vegetationsgott angesehen worden, und zwar rnngsplatzes und ahmte das Vorbild von Aby- 
besonders als die in der Erde ruhende Kraft, dos und Busiris nach, 
durch die Bäume und Pflanzen im Frühjahr put 
neues Leben erhalten. Der Erdgott umschließt C. Familie. 
auch die Toten und verhilft ihnen zu einem Die Betonung des Familienlebens ist ein 
Fortleben im Jenseits, um desssn willen der besonderer Zug des Os.-Mythus, und die An- 
mächtige Herr von Busiris angerufen wurde, eo gehörigen des Gottes spielen in seinem Sagen- 
2. Abydos. In geschichtlicher Zeit erscheint kreis eine größere Rolle als bei mancher an- 
der Kultus des Os. in Abydos (Oberägypten) deren Gottheit. Er ist unzertrennlich von seiner 
dem von Busiris ebenbürtig, in gewissem Sinne Gemahlin Isis, dem Vorbild der treuen Gattin 
sogar stärker als jener. Vom Mittleren Reich und fürsorglichen Mutter. Ihr gemeinsamer 
ab haben die Ägypter nicht mehr gewußt, daß Sohn Horus ist der Erbe des Vaters, der sein 
Os. erst nachträglich von Busiris nach Ober- Amt übernimmt, nachdem Os. den Nachstel- 
ägypten übertragen worden ist, und so haben lungen seines Bruders, des bösen Setech-Ty- 
sich auch neuere Gelehrte anfangs durch die phon, entgangen ist. Neben diesen vier Haupt- 



127 Usire Usire 128 

peraonen stehen einige untergeordnete, bei denen ägyptischen Theologie sind uns aber nicht er- 
es nicht sicher ist, in welchem Verwandtschafts- halten , und in den Hymnen und Totentexten 
grade sie zu Os. stehen; die Texte geben ihn wird die Kenntnis der Legende vorausgesetzt, 
zu verschiedenen Zeiten in verschiedener Weise Wäre schon eine kritische Ordnung und Sich- 
an. Nephthya wird meist die Schwester von tung der Anspielungen und Wiedergaben von 
Os. , Isis und Setech genannt und ist in ge- einzelnen Zügen der Os.-Sage veranstaltet wor- 
wissen Traditionen die Gattin des Setech; sie den, so würden wir angeben können, welche 
wendet sich aber dem Os. zu und beklagt sei- Teile des Mythus die älteren und welche die 
nen Tod gemeinsam mit Isis. Ferner gehört jüngeren sind. Diese Arbeit ist aber noch zu 
hierher Anubis, zuweilen der Sohn von Os. und xo leisten. So sind wir darauf angewiesen, zu- 
Nephthys genannt; er hat die Einbalsamierung nächst den Sagenkomplex als Ganzes hinzu- 
des Os. vollzogen. Oft erscheint er in Gestalt nehmen und seine Durcharbeitung von der Zu- 
eines bundsköpfigen Mannes, oder er wird von kunft zu erhoffen. Eine wichtige Grundlage 
Hunden begleitet, die Os.' Leiche aufspüren. gibt dabei die Erzählung der Legende bei 

Die genannten Gottheiten tragen in sich, Plutarch, De Iside et Osir., die auf guten äl- 

wie es im ägyptischen Pantheon üblich ist, teren Quellen beruht und sich in den wesent- 

noch andere Züge als die aus der Os.-Sage liehen wie in Einzelzügen als überraschend 

stammenden. Welches die ursprünglichen Eigen- zuverlässig herausgestellt hat. 

Schäften der Gottheit des betreffenden Namens Nach den Grundzügen der Sage, die meist 

sind, läßt sich meist nicht sagen. Es ist mög- 20 schon in den Pyramidentexten des Alten Reichs 

lieh, daß in die Persönlichkeit von Isis und belegt und den späteren Texten gemeinsam 

Nephthys Züge hineingeflossen sind, die von sind, war der Hergang der Handlung etwa 

uralten kosmischen Gottheiten stammen, bzw. folgender: Os. lebte auf Erden als König von 

hei Anubis' Charaktereigenschaften des alten Ägypten und lehrte seinen Untertanen mildere 

Totengottes gleichen Namens, den wir in Ober- Sitten, gab ihnen Gesetze und leitete die Ver- 

ägypten kennen. Jedenfalls hat es den An- waltung mit Weisheit. Sein Bruder Setech 

schein, daß in der Familie des Os. von Busiris (Typhon) stellte ihm nach und wußte ihn bei 

Götter vereinigt worden sind, die, wenigstens günstiger Gelegenheit lebend oder tot in einen 

in einigen ihrer Charakterzüge, nichts mitein- Sarg zu bringen, den er in den Nil warf. Isis 

ander zu tun haben. Diese Verbindung wesens- 30 irrte klagend im ganzen Lande umher, um die 

fremder Gestalten zu einer Familie wurde noch Leiche des Gatten zu suchen, bald allein im 

gewaltsamer durch die Kanonisierung der 'Neun- Delta, wo die einheimischen Gottheiten ihr 

heit von Heliopolis', in der die Os.-Gruppe an halfen, bald gemeinsam mit ihrer Schwester 

die kosmischen Gottheiten zur Bildung der Nephthys. Der Sarg des Os. ist nach einer 

ersten 'Großen Neunheit von Heliopolis' ange- späten Lesung, die aber vielleicht auf eine 

hängt wurde. Hierdurch wurde Os. zum Sohne alte Überlieferung zurückgeht, bei Byblos in 

des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Syrien angespült, wo eine schnell emporwach- 

Die letztere spielt in alten Liedern an Os. schon sende Ceder ihn durch ihren Stamm vollstän- 

eine bedeutsame Bolle, so daß sie vielleicht dig verhüllte. Durch eine Verwandlung, die 

Züge in sieh aufgenommen hat, die von einer 40 bei Plutarch mit novellistischen Zügen ausge- 

Göttin aus Bnsiris stammen, die dort als Mut- schmückt ist, gelang es Isis, den Sarg nach 

ter des Os. bekannt war. Ägypten zurückzubringen. Später finden wir 

Schon vom Alten Reich ab wird die weit die Leiche des Os. in Ägypten in vierzehn Teile 
verzweigte Familie des Os. in vielen Texten zerstreut, und zwar rühmen sich viele Tempel 
als ein einheitliches Ganzes aufgefaßt; die ein- des Besitzes' eines Stückes von der Leiche des 
seinen Glieder derselben werden zueinander in Os. Hier mag zugrunde liegen, daß der Kör- 
Beziehung gesetzt und unterstützen sich gegen- per, wie es sich bei der Bestattungsweise der 
aeitig in höherem Maße, als es die von anßen Urzeit ohne Anwendung von Konservierungs- 
herangezogenen Gottheiten tun, die mit irgend- mittein von selbst ergab, in seine Teile aus- 
einer oesonderen Aufgabe den Tendenzen der 50 einandergefallen war : eine offenbar spätere Er- 
Os.-Legende dienstbar gemacht werden. Die klärung gibt an, daß Typhon die Leiche zer- 
Familienangehörigen werden oft mit ihren Ver- rissen hat. Isis mußte jeden Körperteil einzeln 
wandtschaftabezeichnungen angegeben ohne suchen, und sie hat ihn dort bestattet, wo sie 
Rücksicht darauf, ob es uralte oder jüngere ihn fand; dieses wiederum offenbar eine Er- 
Mythen sind, nach denen sie sich zur Familie findung der späteren Zeit, in der das Vor- 
zusammengefunden haben. handensein zahlreicher Os.- Gräber glaubhaft 
_ gemacht werden sollte. Nach der alten Form 
V. Mythus. des Mythus ist die vollständige Leiche an einem 

Der Sagenkreis des Os. ist im Laufe der einzigen Orte bestattet worden, und dabei er- 
Generationen wesentlich bereichert und ver- so eignete sich der Vorgang, der für das Wesen 
größert worden, und je länger desto mehr sind des Os. bezeichnend ist. Der Körper hatte 
in ihn fremde Züge hineingebracht worden, nämlich, gewiß durch das Fortwirken der gei- 
die der ursprünglichen Legende fremd waren. stigen Zaubermächte, so viel Kraft in sich, 
Eine vollständige Aufzeichnung liegt uns in daß er neues Leben gewinnen konnte. Von 
der ägyptischen religiösen Literatur nicht vor, ihm empfing Isis, die sich auf ihn legte, ihren 
obwohl diese unendlich umfangreich ist und Sohn Horus. Os. selbst wurde wieder leben- 
an zahllosen Stellen auf einzelne Züge des dig, richtete sich auf, und wir finden ihn dann 
Os.-Mythus hindeutet. Die Lehrbücher der als Totenherrscher in der Unterwelt wieder. 



129 



Usire 



Usire 



130 



bis flüchtete in das Delta, wo sie den Horus 

febar, der, unter allerlei Abenteuern im Ver- 
orgenen aufwachsend, zuletzt zum Bächer 
«eines Vaters wurde. Horus überwand den 
Seteoh, entweder dnrch einen Prozeß vor dem 
Göttergericht in Heliopolii, bei dem Thot die 
Saohe des Ob. und des Horus vertrat, oder 
durch einen Kampf mit den Waffen. 

Die Ausschmückung der Einzelheiten dieser 



dort über das Reioh der Toten regiert wie der 
Pharao auf Erden und der Götterkönig im 
Himmel. In den Tempeln tritt der Totengott 
Ol. natürlich gegenüber den auf das irdische 
Leben der Menschen wirkenden Gottheiten des 
Himmels zurück. Aber in den Grabern und 
auf allen dem Totendienst geweihten Denk- 
mälern ist seine Darstellung und Erwähnung 
unzählbar. Immer wiederholt sich das Bild 



Uie Ausscnmucnung aer ninztMusiwu uima ""«™™' *— ■" " ~ — - 7 7 -r eZi 

Sage ist Banz verschiedenartig. Zuweilen wird 10 des Grabherrn, wie er vor Os. betet und opfert 
^ i . _7i.-a .1.0 /1-u j -tt«^«- „«j TT*.- a«p ia#i*m AiTiT.AinAn ftAorenstand der Urabans- 



ans berichtet, daß Geb, der Vater und Vor 
ganger des Os., das Königtum seinem Sohne 
fibergeben hat. Thot ist zwar meist der kluge 
Kenner des Rechts, dem Os. die Rechtferti- 

fung im Gerichte verdankt; aber an anderen 
teilen steht er im Bunde mit dem Bruder- 
mörder Setech. Anubia, der an fast allen 
Stellen nachträglich eingeschoben zu sein 
scheint, wird gelegentlich der vierte Sohn des 



Auf jedem einzelnen Gegenstand der Grabaue- 
stattung steht das an Os. gerichtete Opferge- 
bet, beginnend schon im Alten Beich, später 
immer häufiger und einseitiger werdend, so daß 
alle übrigen Totengötter nahezu verschwinden. 
Der Tote sucht das Vorbild des Gottes dadurch 
zu erreichen, daß er selig und verklärt werden 
will wie er. In den Pyramidentexten des Alten 
Beichs (z. B. Spruch 167 ed. Sethe) wird die 

«. . . 1 i_ i i vx.: :4 ru 



scheint, wird gelegentlich der vierte oonn aes ubicub <z. d. oprwt »■». "JT""'. " .. r~ 
Sonnengottes Be genannt. Statuen und Bilder M Gleiohsetzung des verstorbenen Königs mit Os. 



DVI1UQUVVUWD WO gw»..M.».w. wmwv.» w>- — — - — — - 

stellen es dar, wie Os., im Begriffe, neues 
Leben in sich aufzunehmen, sich mühsam auf- 
richtet. Besonders zahlreich sind die Varia- 
tionen, mit denen der Kampf zwischen Horus 
und Setech (s. d.) ausgeschmückt wird. Für 
die Beisetzung des Os. in seinem Grabe haben 
wir aus hieroglyphisohen Inschriften römischer 
Zeit (Hadrian) anf der Insel Philä zwei Götter- 
dekrete, die das Ritual und den Frieden der 



schon vorausgesetzt, und bei dem Pharao hat 
es eine innere Beziehung, wenn man sich vor- 
stellt, daß er im Jenseits als Herrscher der 
Toten weiterlebt. Aber bald wird die Vor- 
stellung auch auf den Vornehmen übertragen, 
und schließlich sinkt sie bis zu dem gewöhn- 
lichen Bürger hinab. Dann wird auch der ge- 
meine Mann ein Abbild und Nachfolger des 
Os. Gelegentlich schleichen sich auch in Pri- 



dekrete, die das Kitual und den urieaen aer «js. weiegüiiHiuii ««'»"■»■ -•« - --•"- -- --- 

Grabstätte sichern (H.Junker, Das Götterdekret to vatgräber Amulette, Bilder und Texte ein, die 
.vi— j„o Ah„* n „ ,-ti n~*i,,*hr AlrnA Wim nhil- sich auf den im Jenseits regierenden König 



Ober das Abaton, in Denksehr. Akad. Wienphü.- 
hist. 56, 1918, IV). (Abb. 1.) Aus drei verschiede- 
nen Tempeln kennen wir die Anweisungen für 
die Vollziehung der Totenwache an der Leiche 
des Os. für die vierundzwanzig Stunden, in denen 
Os. aufgebahrt war. In ihnen beklagen Isis und 
Nephthys den Verstorbenen, Anubis balsamiert 
ihn, seine Mutter Nut beschützt ihn, sein Sohn 
Horus sorgt dafür, daß 



sich auf den im Jenseits regierenden König 
beziehen, und der darin liegende Widerspruch 
nimmt sich wunderlich genug aus. Im allge- 
meinen sind gerade diese Gedankengange be- 
greiflicherweise zurückgetreten, und man malt 
es sich lieber ausführlich aus, daß der Tote 
von Beiner Gattin und Schwester beklagt wer- 
den soll, wie einBt Isis und Nephthys es taten; 
daß sein Körper wohl erhalten bleibe wie die 




norus Borgi umui , u»« u»» ■>»"• «■"["" . 7. ,7 TZ1 I V . T 

dem Vater nichts fehlt, und *o von den Göttern fürsorglich behütete Leiohe 



1) Ollris als Mumie 

mit oberftgyp tischer 

Könlglkrone, Krumm- 

itab und GeiSel. 

(Hildeiheim nr. 38».) 



des Os.; daß sein Sohn ihm im Amte nach- 
folge wie HoruB dem Os., und daß ihm im Jen- 
seits nichts mangele wie Os., dem König der 
Unterwelt. Der Tote dankt es dem Gotte durch 
Hymnen und Lieder an Os., die an den Grab- 
wänden und auf den Beigaben, besonders im 
Totenbuch, aufgezeichnet werden. Kein Gott 
außer dem Sonnengott wird von den Ägyptern 
aesvogeiBjrnomi^ 8 .ujuw, so häufig und langatmig besungen wie Os. 
gesprochen bojnew und von 60 Der Verstorbene weiß sich kein mehrverspre- 
j« fj»;A/.v.or> Ham PVininix chendes Beiwort zu geben als 'gerechtfertigt 
und selig bei Osiris'. 

Os. selbst erscheint in den Gräbern am häu- 
figsten in der Bolle des Königs. Er sitzt auf 
dem Throne unter einem Baldachin wie der 
Pharao und hält die Zepter, die auch dieser 
zuweilen trägt. Ihn schmückt die Königskrone, 
und ihn umgibt ein Hofstaat, der zunächst aus 
seinen Familienangehörigen besteht, zu dem 
60 aber auch andere Götter in einer ihnen durch 
ihre Eigenart zugewiesenen Rolle erscheinen. 
Z. B. versieht Thot das Amt eines Schreibers. 
Das Bild ist am eingehendsten ausgemalt in 
dem Totengericht, das Os. in der Unterwelt 
über jeden verstorbenen abhält (Gedankengang 
aus dem Alten Reich, durchgebildet und fest- 
gelegt im Mittleren Reich). In der Gerichts- 
halle, der 'Halle der doppelten Wahrheit', 



bringt ihm die kleinen Gott 
heiten zu besonderen Dien 
sten heran (H. Junker, Die 
Stundenwachen an der Leiche 
des Os., in Denkschr. Akad. 
Wien phü.-fast. 64, 1910). 
In einigen Texten erscheint 
die Seele des Os. in Gestalt 
des Vogels Phönix (äg. bjnw 
gesprochen bojnew und von 
den Griechen dem Phoinix 
gleichgesetzt). Der Vogel 
hat in seinem Wesen keine 
Züge, die ihn innerlich mit 
Os. verbinden, und die Ver- 
knüpfung mutet wie eine 
theologische Kombination 
späterer Zeit an. 

E. Herr der Unterwelt 
und Schützer der Toten. 

Von allen Zügen im 
Mythus des Os. hat keiner 
eine so umfangreiche Aus- 
prägung in den Denkmä- 
lern gefunden wie der, daß 
Os. in der Unterwelt als 
König herrscht, und daß er 



131 



Usire 



Usire 



132 



thront Os. Vor ihm steht eine Wim, auf der 
das Herz des Toten gegen die Wahrheit auf- 
gewogen wird. Wer die Probe besteht, ist 
'wahr an Bede', d. h. gerechtfertigt und selig. 
Ihn erwarten all die Freuden und Genüsse in 
den Gefilden der Seligen, von deren Schilde- 
rung die Totentexte voll sind. Wessen Herz 
zu wicht befunden wird, der fällt dem Höllen- 
hunde anheim, dem 'Fresser der Toten, der 



und die Götter leben von der Feuchtigkeit, 
die aus dir kommt'. Die Vorstellung ist alt 
und in den Pyramidentexten erwähnt, wenn 
Os. das 'neue Wasser', das die Felder grünen 
last, genannt wird. Sie bleibt bis in die 
späteste Zeit bestehen, in der Überschwem- 
mungswasser in einem kruggestaltigen Bilde 
des Os., der 'Kanope', in der Prozession ge- 
tragen wird. Plutareh (de Is. 38, 86, 89 usw.) 



von ihrem Blute lebt', einem Mittelding zwi- 10 hat die Vorstellung ausgestaltet zu einer ihm 



sehen Krokodil, Löwe und Nilpferd. Die Texte 
malen es nicht gern aus, was mit den schul- 
dig befundenen Sündern geschieht; jeder setzt 
es von sich voraus, daß er die Prüfung be- 
stehen wird. Dazu lernt er ein Gebet, in dem 
er den Herrn des Geriohts anruft, der zusam- 
men mit zweiund vierzig Göttern richtet, 'die 
von den Sündern leben und ihr Blut schlacken 
an jenem Tage der Abrechnung' Das Gebet 



angeblich von den Priestern überlieferten 
Theorie von Os. als Wasser des Nils im Gegen- 
satz zu Typhon als dem unfruchtbaren Wasser 
des Meeres und zu bis als der Erde, die das 
befruchtende Wasser in sich aufnimmt und 
die Pflanzen hervorsprießen läßt. Das Wasier 
im Kruge spielt eine große Kolle im spät- 
ägyptischen Gottesdienst und hat immer seine 
Deutung erhalten als das Element, das die 



ist eine vielfache Versicherung der Sündlosig- so Kräfte der Natur zur Entfaltung bringt. Hand 



keit; der Sprechende beteuert, das und das 
nicht begangen zu haben. Zuletzt wendet er 
sich an jeden einzelnen der zweiundvierzig 
Totenrichter und versichert ihm, daß er die 
Sünde, über die der Betreifende zu urteilen 
hat, nicht begangen habe. Zuletzt wendet das 
Gebet sich wieder dem Os. zu, dessen treuer 
Diener der Verstorbene sein will. (Vgl. Abb. 2 : 
Totengericht.) 

F. Erde und Ml. 

In einer Vorstellungsgruppe, die der älte- 
sten Zeit angehört und wahrscheinlich in Bu- 
siris entstanden ist, hat Os. die Rolle eines 
Gottes der Fruchtbarkeit. Im einzelnen sind 
die Vorstellungen schwer zu fassen, da sie 
verdrängt wurden durch die überragende Be- 
deutung des Totengottes. Sie scheinen ihre 
Wurzel darin zu haben, daß Os vorzugsweise 



in Hand mit diesen Vorstellungen gehen immer 
noch die anderen, die Os. als einen Bringer 
der Ordnung und des Gesetzes feiern; in ihnen 
spiegelt sich der König der Vorzeit wider, 
der den ägyptischen Staat geordnet und ge- 
setzmäßig verwaltet hat. 

fi. Kultus. 

Man hat schon aus Texten des Alten Reich» 
so den Eindruck, daß sie bei einer dramatischen 
Vorführung der Osirissage gesprochen worden 
sind, und lebendige Schilderungen der Vor- 
gänge stellen sie uns so vor Augen, daß man 
auch für diese Zeit schon an Darstellungen 
im Schauspiel glauben möchte. Aus einem 
Bericht des Mittleren Reichs lennen wir ein 
solches Kultspiel mit Sicherheit (Denkstein des 
Ichernofret in Berlin, ed. H. Schäfer, Die My- 
sterien des Osiris in Abydos, 1904). In ihm 



gedacht ist als Erde und als Nil. Das Lied 40 läuft der hundegestaltige Wepwawet (s. d.) 



dem Ob. voraus: er ist der Vorgänger der bei 
Plutareh, De leide Kap. 14 erwähnten Spür- 
hunde, die den Os. suchen. Os. selbst erscheint 
zunächst als ein Kämpfer, der mit seinem Ge- 
folge die Feinde niederwirft. Dann stirbt er, 
und wir haben in dem Bericht die große und 
oft erwähnte Szene zu ergänzen, bei der in 
irgendeiner Form seine Leiche verloren geht, 
gesucht und unter großem Jubel wie- 



eines verbannten Dichters aus dem Neuen Reich, 
das am deutlichsten davon spricht, nennt zwar 
nicht den Namen des Os., aber dieser scheint 
doch nach dem Zusammenhange gemeint zu 
sein. 'Der Erdboden trägt dich, und seine 
Ecken ruhen auf dir bis hin zu den vier Stützen 
des Himmels; regst du dich, so bewegt sich 
die Erde . . . Tempel, Denkmäler, Äcker und 
Gräber, sie alle ruhen auf dir, und du bist es, 

der sie schafft; sie Hegen auf deinem Rücken' 50 dergefunden wird." Die Beisetzung 
{Erman in Z. ägypt. Spr. 88, 1900, 19 ff.). In der sorgfältig unter Mitwirkung von 
dem großen Mythus von der Himmelskuh Göttern hergerichteten Leiche in dem 
(Boeder, UrJc. Sei. alt. Ägypt. 
147) befiehlt der Götterkönig 
die Schlangen der Erde nicht 
nur dem allgemeinenErdgotte 
Geb an, sondern auch sei- 
nem Sohne Os. 

Ebenso offenbart Os. sich 
in dem Wasser, das vom Nil 
her dem Boden die Frucht- 
barkeit bringt. Ramses IV. 
ruft Os. auf seinem großen 
Denkstein aus Abydos (iHa- 
riette, Abydos 2,pl. 54 — 56) 

an: 'Du bist der Nil, groß 2) Totengerioht TOt oeiri.: du Hon dat Toten wird abgewogen; hinter dem Ver- 
»Uf den Ufern am Anfang .torbenen der P»»l«n (beil. Tier dea Thot, Oottei der Weieheit) und M»'»t (Göttin 
der Jahreszeit; die Menschen dei Reohti) »li Huter gerechten urteil«. 




133 



Usire 



ügire 



134 



Grabe bei Peker 
wurde vorge- 
führt. KönigRam- 
aei IV. (Marütte, 
Abydoii,b4-bl>) 
hat selbst einmal 
teilgenommen an 
dem Zeremoniell 
und dabei dem 
Ol. Licht ange- 
zündet an dem 
Tage der Balsa- 
mierung der Lei- 
che; er hat dabei 

auch den bösen Setecb an der Leichenschän- 
dung verhindert und den guten Sohn Horus 
alsErben teinei Vaters Ol. auf den Thron 
gesetzt. 

An vielen Stellen der ägyptischen Uber- 




i.) Tuch mit gekeimten Getreldekornern als Bild der iu neuem Leben erwachten Mumie des 
Oilris. (Kairo, Ägyptliohes Hueeum.) 



Menge nicht erlaubt war. Gewiß fallen die 
Grundlagen für die erschwerte Zulassung zu 
diesen geheimen Festfeiern und die schritt- 
weise Einführung des Gläubigen durch be- 

___ sondere Weihen, wie wir sie aui griechiich- 

lieferung werden uns einzelne Szenen des reli- «o römischer Zeit kennen, schon weit in die pha- 
giösen Dramas anschaulich, und wir können raoniache Zeit hinein. Ein tieferes Verstand 



lie uns in den Zusammenhang eingliedern, 
nachdem dieser aus Andeutungen und durch 
Kombination erschlossen worden ist. Eine zu- 
sammenhängende Darstellung ist in ägypti- 
schen Quellen nicht gegeben; um so notwen- 
diger wäre es, die Bruchstücke und Hinweise 
zu sammeln, um den Hergang der Kultfeiern 
zu erschließen, für die ein großes Material aus 



allen Zeiten vorliegt. Die Aufführung der so nehmen dürfen 



nis für den Sinn der kultischen Vorgange ist 
auch damals nicht ohne eine gewisse geistige 
Bildung möglich gewesen, und dadurch wird 
sich ohne weiteres der Kreis der Anteilneh- 
menden verringert haben. Aber auch abge- 
sehen davon betont der alte Ägypter es all 
eine besondere Gunst und Auszeichnung, wenn 
er an der Vorführung der Os.-Sage hat teil- 



'Osirismysterien' in allen großen Tempeln 
brachte es mit sieb, daß überall ein Schau- 
platz geschaffen werden mußte, der ungefähr 
dem von Abydos entsprach, wo man sich in 
geschichtlicher Zeit das Os.-Grab gedacht hat. 
Man bestimmte also einen einsam gelegenen 
Ort, etwa eine Insel, als OB.-Grab und sicherte 
dieses 'Abaton' durch besondere Bestimmungen 
gegen jede Störung. Aus Philä Bind uns zwei 



Zu den Hauptpersonen des Kultspiels ge- 
hört Isis, die den Gatten sucht und beklagt. 
Neben ihr steht Nephthys als Schwester von 
beiden, wobei es nach den ägyptischen Lebens- 
gewohnheiten nicht ausgeschlossen ist, daß 
auch Bie den Os. ihren Gatten nennen darf. 
Die beiden Schwestern Isis und Nephthys lassen 
eine Totenklage ertönen, bei der sie oft in 
Plastiken und Malereien dargestellt werden 



ekrete der Götter aus römischer Zeit evhal- <o und das Vorbild liefern für das Verhalten ir- 



ten, in denen die täglichen Riten und Opfer 
festgestellt werden, sowie laute Musik und 
Jagd nach Vögeln und Fischen auf der Insel 
verboten wird (/unter, Das Götterdekret über 
das Abaton, Wien X918, Denkschriften Wien. 
Akad. 66). 

Auf dem Dache des Tempels von Dendera 
liegt in einer Ecke eine kleine Kapelle, die 
bei gewissen Riten der Os.-Feier den Mittel- 



diseber Witwen bei der Beisetzung des Gatten. 
Sie klagen bei der Mumie mit langen, poetisch 
durchgearbeiteten Liedern, die auch dem Volke 
bekannt gewesen sind und oft zitiert werden. 
Volkstümlich sind auch andere Momente 
des Hergangs gewesen. Die große Menge hat 
teilgenommen an dem Suchen der Leiche und 
brach überall in Jubel aus, wenn sie gefunden 
wurde. Der Angriff des Setech und seine Ab- 



punkt bildete. Dort wurde z. B. im Monat so wehr, dann die Durchsetzung des Horus als 



Choiak das Wiederaufleben deB Gottes darge- 
stellt. Hier liegt eine Anknüpfung an den 
Vegetationsglauben von Busiris vor. Von dort 
stammt das Bild des Os. aus Erde, aus der die 
Getreidekörner ihre grünen Halme hervorsen- 
den. Die Wiederbelebung des Gottes und der 
durch ihn symbolisierten Natur wurde sinn- 
fällig gezeigt. (Vgl. Abb. 3—4 mit dem Bilde 
der Mumie des Os.). Die Anlage der Kapelle 



Nachfolger seines Vaters waren mit Kämpfen 
zwischen den Parteien verbunden, und grie- 
chische Berichte werden nicht übertreiben, 
wenn sie die leidenschaftliche Ekstase einzel- 
ner Beteiligter schildern, bei der Verwundete 
und sogar Tote liegen blieben. Nächtliche 
Umzüge, anfangs in Trauer, später mit dem 
Jubel einer gelegentlich ausgelassenen Festes- 
freude, geboren zu den Festfeiern und sind 



auf dem Dache, dessen weite Fläche genügend so mit dem Anzünden von Lichtern in den Häu- 

RaumzurAuf- sern und auf den Straßen verbunden. Die Feier 
führung eines des in der Natur wiedererwachenden Gottes 
Schauspiels hat zuweilen eine Hingabe an den Zeugungs- 
biet et, zeigt, gedanken mit sich gebracht, der die geBchlecht- 
daß die Teil- liehe Vermischung in das religiöse SchauBpiel 
nähme an den hineintrug. 
») Getreide .pri.it au. der Mumie de. 'Mysterien' Inschriften in den Tempeln von Dendera, 
Oiirie. der großen Edfu und Philä haben uns das Ritual bewahrt, 




135 



Usire 



Usire 



136 



nach welchem die Wache an der Leiohe de« Ol. 
ausgeführt worden ist. Fax die zwölf Standen 
de» Tage« und die zwölf Standen der Nacht 
ist einzeln angegeben, wai zu gesohehen hat, 
und was die Darsteller sprechen sollen. Die 
Leiche des Ol. ruht auf einer Bahre in einer 
bestimmten Kapelle. Isis und Nephthys sinken 
Trauerlieder. Horus bringt dem Vater Opfer 
uud ruft die großen Götter zu seinem Schutze 
an. Anubis, Thot und andere Gottheiten er- 
scheinen mit besonderen Gaben und sprechen 
Worte, durch die diese als Geschenke der 
Götter von besonderer Heilkraft gerühmt wer- 
den. Auch Priester treten auf, besonders der 
Cherheb (Vorleser) und der Sem (Opferer), und 
legen die Ingredienzien für die Reinigung der 
Leiche und ihre Einbalsamierung nieder: Was- 
ser, Weihrauch, öl, Salben und Drogen (Junker, 
Stundeninachen in den OsirismysUrien, Wien 
1910, Denkschr. AJcad. Wien 64, 1). 

H. Darstellung. 

Die ägyptischen Plastiken und Reliefs zei- 
gen Os. stets menschengestaltig; niemals hat 
er Tiergestalt, einen Tierkopf oder überhaupt 
eine Beziehung zu einem Tiere. Der Körper 
des Mannes wird selten wie der anderer Götter 
wie bei lebenden Menschen mit ausschreiten- 
den Beinen gebildet. Meist verwendet man 
vielmehr den sog. Mumienleib, d. h. eine ge- 
schlossene Gestaltung, den Körper 'mit anlie- 
genden Armen und ohne Trennung der Beine 
voneinander; diese Darstellung ist in der Ur- 
zeit für Götterbilder als die primitivste Form 
der Modellierung und Schnitzerei gewählt wor- 
den und erst später zur Mumie umgedeutet. 
Bei Os. hat diese Umdeutung wegen seines 
Mythus und seiner Aufgaben als Totengott 
einen inneren Sinn erhalten. Die Mumie wird 
gelegentlich aus Ton nachgebildet und mit 
Getreidekörnern besteckt, die man durch Be- 
sprengen zum Keimen brachte; dadurch wurde 
handgreiflich das Sterben und Wiedererwachen 
der Natur vor Augen geführt. 

Der Kopfschmuck, in welchem die stärkste 
Charakterisierung der Götterbilder zu liegen 
pflegt, kennzeichnet Osiris als König von Ober- 
ägypten. Er trägt als Kernstück stets die 
weiße oberägyptische Krone, meist mit aus- 
schmückenden Zutaten wie Straußenfedern, 
Widderhörnern und Schlangen. Zum Unter- 
schied von allen anderen Göttern hält Os. in 
den Händf»n dieselben Zepter, die wir bei 
Königen finden, und zwar sowohl bei leben- 
den wie bei verstorbenen: die G-ißel (Peitsche) 
und den Krummstab. Auch darin dürfen wir 
eine Erinnerung an Os. als König erblicken. 
Als König von Oberägypten konnte Os. erst 
nach seiner Übertragung von Busiris nach 
Abydos angesehen werden. Wenn auch die 
unterägyptische Krone bei ihm nicht üblich 
ist, kann doch die Königsgestalt des Os. im 
Delta ihren Ursprung haben. 

Aus Busiris scheint das Symbol zu stam- 
men, das als einziges dauernd mit Os. ver- 
bunden ist: der Ded-Pfeiler. Er hat eine sti- 
lisierte Form erhalten, der nicht anzusehen 
ist, was der Gegenstand ursprünglich darge- 




stellt hat; sowohl die Er- 
klärung als Rückgrat des 
Gottes wie als entlaubt 
dastehender Baum be- 
ruhen auf Kombination 
(vgl. Abb. 6). Gelegent- 
lich wird eine aus dem 
Ded- Symbol und einem 
menschlichen Körper zu- 
10 sammengestellte Form des 
Os. gezeiohnet. 

J. Angleichnne an andere 
fiolter. 
1. An Totengötter. 
Die in Abschnitt E ge- 
schilderte überragende Be- 
deutung des Os. als To- 
tengott in ganz Ägypten „, Dtd-Pfeller, F.y.uoe. 

so führte es herbei, dafi sich (mid«>h«im nr. m.) 
ihm andere Totengötter 
angliederten, die an einzelnen Orten vorhanden 
waren, entweder dort bodenständig und auf 
diese Gegend beschränkt oder von auswärts dort 
hingetragen und eingewurzelt. Zu diesen dem 
Os. angeglichenen Totengöttern gehört zuerst 
der Chenti Amentiu 'Erster der Westlichen', 
in Abydos als liegender Hund verehrt und unB 
als besonderer Gott aus der Frühzeit bekannt, 

90 dann aber in den Hintergrund getreten: vom 
Alten Reioh ab lebt 'Erster der Westlichen' 
nur noch als ein farbloses Beiwort des Os. fort, 
in dem man nicht den ursprünglichen Namen 
eines selbständigen Gottes vermuten würde. 

Die Gestalt des liegenden Hundes, die bei 
Os. nicht auftritt, ist außer dem Chenti Amen- 
tiu von Abydos auoh dem Anubis eigen, und 
zwar ebenfalls seit der Urzeit. Wir beobachten 
sie bei dem Anubis an verschiedenen Orten, 

40 z. B. in der Gegend vom Memphis, wo sich 
die Totengebete der 4. Dynastie noch an ihn 
richten, während seit der 6. Dynastie meist Os. 
angerufen wird; hier vermögen wir also deut- 
lich die Zeit zu erkennen, in der die Verdrän- 
gung des einheimischen Totengottes Anubis 
durch den fremden Os. erfolgt. Es ist die 

?;leiche Zeit, in der die Osirissage und die 
dentifizierung des verstorbenen Pharao mit 
Os. in den Totentexten der Pyramiden durch- 
60 geführt wird. Außerhalb der Residenz Mem- 
phis lebte der Totengott AnubiB noch länger 
fort, z. B. in Siut in Mittelägypten, wo er als 
liegender Hund verehrt wird neben dem ste- 
henden Wolf, dem Stadtgott Wepwawet (s. d.). 
In Memphis ist noch ein anderer Toten- 
schützer seit der Urzeit verehrt worden, der 
auf dem Sande mit ausgebreiteten Flügeln lie- 
gende Falke namens Sokar (s. d.). Auch wird 
er schon im Alten Reich mit dem Os. zuBam- 
eo mengeworfen und erscheint in den Pyramiden- 
texten als eine Nebenform von ihm. Der Gott 
Sokar -Osiris, zunächst in Memphis der Herr 
des Totenreichs, wird nach Abydos uud dann 
in alle anderen ägyptischen Tempel übertragen. 
Zuletzt behält er nur noch wenige Züge des 
memphitischen Sokar und bedeutet nicht viel 
mehr als der allgemein bekannte Os., wenn 
auch vielleicht vorzugsweise in seiner Gestalt 



137 Usire üsire 138 

des tot daliegenden Gottes. Von Sokar bat ligion aneinander gekettet wurden, ist in pha- 

Os. einige seiner charakteristischen Züge über- raoniseher Zeit nur selten aufgenommen wor- 

nommen, z. B. dessen Tempel Rosetaw bei den, lebhafter in griechischer, als man natur- 

Sakkära, die Barke für das Fest des 'Umzugs philosophische Theorien in der ägyptischen 

um die Mauern' und die Kapelle Schetit in Götterwtlt wiederlinden zu können glaubte 

dieser Barke. Da Sokar andererseits dem Ptah, (Tgl. Sonne N I a). 

demStadtgottvonMeinphis,gleichgesetztwurde, Auch der Mond hat ursprünglich keine Be- 
ergab sich eine Gottheit Ptah-Sokar-Osiris, die Ziehungen zu Os. Weshalb einige Bronze- 
von allen dreien Züge in sich trägt und auch figuren des Mondgottes Jah (äg. j'h) diesen 
für Os. eintritt. 10 Osiris-Jah nennen, vermag ich nicht zu deuten. 

Wie es mit der Entstehung des Beiwortes Der Gott wird dargestellt als Mann (nicht 
Wennofre (äg. Wnn-nfre 'gutes Wesen') bei Mumie) mit menschlichem Kopfe, auf dem der 
Os. steht, ist nicht klar. Vielleicht ist es wirk- Mond als Krone sitzt, also ohne jede Anspie- 
lich nicht mehr als eine Bt-hmückende Benen- lung auf Os. 

nung, aber vielleicht steckt auch in ihm der Vereinzelte Stellen fügen Os. mit Orion zu- 

Kame eines an irgendeinem Orte heimischen sammen, dem großen Sternbilde, dem die Isis 

und uns verschollenen Totengottes, den Os. in als Sirius (äg. Sopdet, vgl. Sothis) folgt. Die 

sich aufgenommen hat. Verbindung der Isis mit dem Sirius ist alt 

Die ägyptische Ausgestaltung des Serapis und häufig. Von ihr ist man wohl ausgegan- 

(vgl. £ am Ende) hat dem Os. die Veibindung 20 gen, als man auch Os. in den Gestirnen am 

mit dem Apis gebracht, dem heiligen Stier Himmel i nterbringen wollte, und dafür ergab 

des Ptah von Memphis, der als Erscheinungs- sich leicht das benachbarte und auffallende 

ioim des verstorbenen Os. galt. Osiris-Apis Sternbild des Orion (äg. Sahu). Eine größere 

ist Herr von Memphis und wohnt dort in Bedeutung hat die Zusammenstellung nicht be- 

Bosetaw, dem urs| rünglichen Heiligtum des kommen, aber sie spielt in denjenigen reli- 

Sokar. Er setzt dessen Aufgaben als Toten- giösen. Texten eine gewisse Holle, in denen 

gott fort und nimmt von Os. alle seine Ange- Isis als Sothis gefeiert wird, 
hörigen, besonders Isis und Horus als Gattin 

bzw. Sohn, in seinen Kreis auf. Osivis-Apis K. Geschichtliche Entwicklung. 

oder i-dgamf bzw. Serapis werden in ägyp- so Für die Frühzeit besitzen wir keine gleich- 

tischer wie in griechischer Sprache zu Bestich- zeitigen Denkmäler als Quellen zu Feststel- 

nungen des Ob., und man ruft ihn unter diesem hingen über Os. Aus Busiris sind wie aus 

Namen an, wenn man bei den großen Fest- den meisten Oiten des Deltas wegen des feuch- 

feiern »einen Leichnam sucht. ten Bodens keine Funde erhalten geblieben, 

2. An Naturgottheiten. Die schon in so daß wir an einheimischen Belegen nicht 

pbaraonischer Zeit belegte und s) äter aus- bestätigen körnen, was uns durch Kombina- 

gebildete Vorstellung von Os. als Träger des tion erschlossen ist: daß Os. in der Frühzeit 

fruchtbringenden Wassers (vgl. F) hat ihn zu- und schon seit der Urzeit in Busiris verehrt 

weilen eine enge Verbindung mit dem Gotte wurde. Wahrscheinlich als ein Vegetations- 

des Nils eingehen lassen. Dieser hieß Bapi 40 gott, der im Frühjahr die I flanzen sprießen 

(8g. H'pj) wie der Fluß selbst und ws.r ein in läßt. Gewiß schon in Verbindung mit dem 

der Tracht der Fischer und Schiffer darge- Symbol des Ded, der den entlaubt auf das 

stellter fetter alter Mann mit Wasserpflanzen neue Leben waltenden Baum darstellen mag 

an und um sich. Osiria Hapi weicht in seh,em und später als Pfeiler zum Symbol des Os. 

Wesen davon scheinbar nicht viel ab, und so wurde. Vielleicht auch schon ah Schützer der 

ist die Zusammtnliigung v.ohl nur vorgerom- Toten, die in der Erde ruhen und auf ein 

men worden, um dem Flußgott größeres An- W iederer»achen zu besserem Leben hofien. 

sehen zu verleihen. Möglicherweise schon mit einer Andeutung 

Die Sonne in allen ihren Erscheinungsorten jener Gedankengänge, die Os. als den Tiäger 
steht ursprünglich dem Toteni,oU Ob. völlig so der fruchtbaren 1-rde und des lebenbringenden 

fern; Himmel und Unteiwelt sind eben durch- Nils ansehen. In Busiris scheint Os. schon die 

aus voneinander geschieden. Nun steht in gemmten Vorstellungen vom Lei en und seinem 

einer schon im Mittleren Beich vorhandenen Ursprung duichdrungen zu haben. Er -wird 

Glosse des 17. Kap. des Totenbuchs ein Hin- dort wohl auch schon seine Familienangehö- 

vveis auf einen Mythus, nach dem die Seelen rigen erhalten halen, oder wenigstens einen 

des Os. und des Ee sich in Busiris »usanmen- Teil ven ihnen, wobei die Verbindurg mit der 

gefunden halen, und man hat diese Stelle für Theologie vonBelio] olis mitgewiikt haben mag. 

einen alten Beleg der Beziehungen beider In den Pyiamidentexten und in den Opfer- 
Götter in Anspruch nehmen vollen. Aber gebeten des Alten Reiches treten die meisten 

völlig mit Unrecht. Denn im Mittleren Reiche 60 Züge iius deni Wesen des Os uns schon klar 

ist sowohl die Zersetzung der eins einen Götter- entgegen. Wären die Quellen nicht so ein- 

persönlichkeiten wie ihre Kombination mit seitig nach Heikunft und Charakter, -Bürden 

anderen ihnen wesensfremden Göttern seit wir wahrscheinlich weit mehr eikennen kön- 

langem im Gange. Und gerade diese Stelle nen. Damals scheinen sich wenigstens alle 

macht duicbauB den Eindruck später theolo- die Veränderungen vollzogen zu haben, die 

gischer Spekulation. Die Verbindung des Os. uns im Mittleren Reiche als vollendete Tat- 

mit dem Sonnengotte Re, durch welche die sachen entgegentreten. Schon im Alten Reiche 

beiden wichtigsten Teile der ägyptischen Re- ist Os. von Busiris aus nach anderen Orten 



139 Usire Ussubius 140 

Ägyptens vorgedrungen, in Memphis und in Altert.' 1 (1909), § 178. — Übersetzungen: Boe- 

Abydos verdrängte er die einheimischen Toten- der, UrJc. Bei. alt. Ag 1923, — Kritische Unter - 

§ Otter und wurde dadurch zum beherrschen- suchung: Hugo Gressmann, Tod und Aufersteh- 
en Totengotte des ganzen Landes, dem sich ung des Osiris nach Festbräuchen und Urningen 
alle übrigen mehr oder weniger angliederten. (Alter Orient 23, 3) 1923. Bei ihrer Bespre- 
Aus dem König der Vorzeit, der dem Staate chnng in Or. Lit. Ztg. 27 (Juni 1924), »22 be- 
durch seine glückliche Herrschaft Ordnung und tont Pieper die Vermutung, daß Os. aus Byblos 
Segen brachte, wurde ein Gott der Unterwelt, nach Ägypten eingewandert sei. [Roeder.] 
ein Herrscher der Toten und strenger Richter "uslan darf vielleicht als von dem etruski- 
über Gut und Böse. Die moralisierende Aus- 10 sehen usil abgeleiteter Name (vgl. dort) er- 
deutung der Tätigkeit des Os. überwiegt je schlössen werden. Das Wort muß etwa 'Sonne' 
länger desto mehr. oder eine Sonnengottheit bedeuten. Auf der 
Das Neue Reich brachte für Os. keine we- Agramer Mumie V, 21, CIEU,2, S. 18 findet 
sentlich neuen Züge seines Charakters, aber sich die Verbindung: cisum »esane uslanec. 
eine ungeahnte Steigerung seiner Verehrung »esan ist eine von Spiegeln bekannte Göttin 
in vielen Tempeln des Landes. In den Fried- der Morgenröte. Da wir eine ganze Reihe von 
höfen herrschte er fast ausschließlich, so daß Götternamen mit Suffix -an kennen (laran, 
in den Gräbern und auf Gegenständen der mean, turan usw.), ist Bosenberga Vermutung 
Grabausstattung Anrufungen an andere Gott- Glotta 4, G2 sehr ansprechend, daß nämlich 
heiten als Os. selten sind. Das hat sich durch so ein "uslan als Reimwort zu »esan gebildet 
die ganze Spätzeit erhalten. Und als die ägyp- worden sei. Die Form uslane-c hätte dann das 
tische Religion innerlich erstarrte und aus -e- wegen der antretenden konsonantischen 
einer renaissanceartigen Wiederholung alter Partikel -c- = 'und' erhalten und ihrerseits 
Kultur neues Leben bringen wollte, da stand wieder eine Bildung fresane veranlaßt. Mög- 
Os. wieder und immer noch im Mittelpunkte lieh scheint allerdings ebensogut, daß fresane, 
des Glaubens und der Hoffnungen. Unsere uslane neben ■fresan, *uslan zum Zweck der Be- 
Quellen zur Religion der Spätzeit sind aller- deutungsdifferenzierung gebildet worden sind, 
dings recht kümmerlich ; aber nach den erhal- Die genaue morphologische und Bedeutungs- 
tenen Denkmälern scheint es so, als ob man funktion der Formen kennen wir nicht. Zu 
auch an den Orten, an denen man früher le- so usil, uslanec ist auch vermutlich die Form 
bendigere Gottheiten gekannt hatte, doch den usli der Mumie VII, 13 zu stellen, 
bleichen Schemen bevorzugte, zu dem Os. ge- [Pauli-Fiesel.] 
worden war. Ussia (Holder, Altcelt. Sprachschatz 8, Sp. 54), 
Da kam mit dem Eindringen der Griechen in einer vor der Fontaine de Bellegarde zu 
eine neue Wendung. Ptolemaios I. suchte in Aix-en- Provence (Aquae Sextiae) gefundenen, 
seinem Streben nach einer innigen Verschmel- seitdem verschollenen Weihinschrift des Mer- 
zung der eingewanderten Griechen mit den curius, CIL 12,508 mit Add. p. 813, ist keine 
einheimischen Ägyptern nach einer beiden ver- Göttin. Mehrere Gewährsmänner stimmen un- 
ständlichen Gottheit, die er in dem neugeord- gefähr in der Lesung überein: VSSIAE ROS 
neten Reiche zur herrschenden machen konnte. 40 MEKCVRIO (MERCVRI) | V-SL-M. Eine 
Er führte von außen den Serapis für die Grie- Handschrift des Balthasar Burle aus Aix(f 1598) 
chen herein und erklärte ihn den Ägyptern gibt über Z. 1 eine Verstümmelung des Steines 
als den Osiris -Apis, eine Vereinigung ihres an. Es scheinen Oberreste von Personennamen 
Totengottes Os. mit dem Stier von Memphis. vorzuliegen. [Keune.J 

Geschicktes Vorgehen hat den Os. in der neuen Ussubins, ein Genius loci, und zwar kelti- 
Gestalt (vgl. J 1 am Eude) volkstümlich ge- scher oder iberischer Name einer göttlich ver- 
macht. In den ägyptischen Tempeln freilich ehrten Quelle in der gallischen Provincia Aqui- 
blieben die Priester bei ihrer alten Überliefe- tanica, zwischen Agen (Aginnum) und Bordeaux 
rung. Es mag trotz aller Ergebenheit der (Burdigala). Dem Quellgott hat im 1. Jahrh. 
Dynastie gegenüber doch etwas Opposition da- so n. Chr. sein damaliger Priester ein Wasser- 
bei gewesen sein, daß sie in großem Umfange becken (hibrum) gestiftet und, unter Voraus- 
aus den Archiven die Texte heraussuchten, Schickung der üblichen Ehrung des Kaiser- 
die Os. in der Gestalt feierten, in der er dem hauses, diese Schenkung durch eine Weihin- 
Vulke vor Jahrhunderten vertraut gewesen war, schritt beurkundet, CIL 13, 919 (Dessau, Inscr. 
die in seine alten Mythen von seiner Familie Lat. sei. 3734. Hulder, Altcelt. Sprttelischatt 3, 
und seinen Schicksalen hineingehörten und die Sp. 55): Tutelae Augi ustae) , Ussuhio laltrum 
seine Festfeiern verherrlichten. Den Priestern, Silvinus Sciptoiu's ffilius) antistes d(at). Die 
die große Wandflächen ihrer Tempelneubauten Inschrift ist angebracht auf einem Rundpfeiler, 
in ptolemäischer und römischer Zeit mit In- wohl dem ehemaligen Träger des Labrum. 
Schriften bedeckt haben, verdanken wir die DO Verehrung des weiblichen, als Tutela bezeich- 
Kenntnis vieler wichtiger Texte, in denen das neten Schutzgeistes war gerade in Aquitanien 
wertvollste Material zum Mythus, Kultus und und im nördlichen Hispanien eingebürgert. 
zum Wesen des Os. steckt. Der Stifter war, wie die Nameugebung beweist, 
Literatur. In allen Handbüchern sind Dar- ein Provinziale; der römische Name Scipio ist 
Stellungen zu finden, in allen Sammlungen von aus der Aquitanica auch in keltischer Schrei- 
Übersetzungen einige einschlägige Texte. Zu- bung Scipiu bekannt (Holder 2, Sp. 1398. Bahn, 
nächst nachzuschlagen: Ad. Erman , Die iig. CIL 13, 3, 1, p. 120, Co! I). Dem Quellgott U. 
Beligion', 1909, Index. Ed. Meyer, Gesch. d verdankt die Ortschaft Ussitbium ihren Namen 



141 usus Uto I 42 

(Tgl. Vintius-Vintium, Aximus-Axima, Nemau- mianus (Cohen' 6, p. 664, nr. 694) und ihrer 

sus u. a.). Dieser durch Mn. Anton, und, in Caesares, des Galerius (Cohen* 7, p. 127, nr. 

etwas entstellter Schreibung, Tab. Peut, auch 248) und des Constantius Chlorus (Cohen' 7, 

Ptolem. bezeugte Ort (Holder a. a. 0.) lag an p. 92, nr. 347 f.), sowie des Severus II als Cae- 

<Jer römischen Straße Burdigala— Aginnum (C. aar (J. 806 f. Cohen' 7, p. 140, nr. 80) und des 

Jullian, Inscr. de Bordeaux 2, p. 220—228. K. Maiiminus II Daza als Caesar (J. 805f. Cohen' 

Miller, Hin. Born., Sp. 107. mit Karte Sp. 97 1)8. 1, p. 164, nr. 221), schließlich des Kaisers Con- 

Kiepert, Form. orb. ant. XXV, Kf). Ob jedoch stantinus I des Großen (Cohen' 7, p. 317/318, 

die Örtlichkeit 'Le Mas d' Agenais', wo die nr. 756. J. Maurice, Numismatique Constanti- 

Weihinschrift des ü. sich noch im J. 1898 in 10 nienne, Münzstätte Arelate-Arles , 2, p. 151 f. 

der Kirche (als Träger eines Weihwasserbeckens) mit Abb. Taf. 5, 12). Mit Ausnahme der Münzen 

befand, auch die Statte der genannten Ortschaft des Constantinus I stellt das durch die ge- 

ist, ist unbestimmt; denn wenn auch hier rö- nannte Beischrift U. p. gekennzeichnete Bild 

mische Reste festgestellt sind, so könnte die eine stehende Frau, nach links gewendet, dar; 

Inschrift doch verschleppt sein (Hirschfeld, die Hände oder Arme hat sie (wohl immer) in 

CIL 13). — Der Vollständigkeit halber sei noch ihr Gewand gehüllt. Die Geldstücke des Con- 

angeführt Maver (s. zu Trittia, Um u. a.), S. 18. stantinus I stellen dagegen eine auf einem 

[Keane. | Schiff stehende Frau mit Wage und Füllhorn 

Usus, der (die Erfahrung bedingende) Ge- dar; rechts von ihr der als behelmter Krieger 
brauch und Verkehr, und Memoria, die Erin- «0 dargestellte Kaiser, der ihr die Hand hinstreckt 
nerung, waren Vater und Mutter der Weisheit, und in der anderen Hand eine Kugel mit der 
Sophia = Sapientia, genannt in einem Stück Siegesgöttin hält. — Die zu den Art. Tran- 
des Afranius, s. Gellius 13,8. L. Deubner, Per- quillitas (0. Bd. 5, Sp. 1096, 56 f. > und Uberitas 
sonifikationen, 0. Bd. 3, 2, Sp. 2107 und Höfer, angeführte Abhandlung von W. Köhler war 
Sapientia, 0. Bd. 4, Sp. 337. (Die mit Memoria mir nicht zugänglich. [Keune.l 
gleichbedeutende griechische Mneme oder Mne- ütltom (Oittir&u), guter Engel der 19. Diens- 
mosyne, in lateinischer Übersetzung Moneta, tagstunde, dem bösen Geist Niöech (iVtro^) ent- 
galt als Mutter der Musen, Mneme auch als gegengesetzt. Beleg wie bei Tyrrhytor. 
eine der Musen, s. 0. Bd. 2,2, Sp. 3075 ff.). [Preisendanz.] 

[Keune.| so Ut-Xaplstliu neuere Lesung für Sit-Napistim, 

Utaet (OÜTc»ir),* böser Dämon der 8. Donners- s. 0. Bd. 2. Sp. 793—801 nebst Anm. 4itf. 

tagätunde, dem guten Geist Skia 1 (Zxucji.) Uto, Schutzgöttin von Unterägypten Die 

entgegengesetzt. Beleg wie bei Uems. Aussprache des hieroglyphisch überlieferten 

[Preisendanz.] Konsonantenbestandes w'dj.t ist nach dem 

Utasplos (Oiräeitios). Die Weihinschrift auf Griechischen etwa u'döjet gewesen, so daß 

einem Relief mit der Darstellung des thraki- wir auf die in französischen Werken übliche 

sehen Reiters lautet: "Hqat OiraB%i(o(t) X'agi- Umschreibung üazit und die sonst eingeführte 

<inJQiov, Hei. arch. 1912, 2,491 nr. 292 = G. Ka- Wiedergabe Buto verzichten können. Aus 

mrow ,'' Zum Kultus des thrakischen Meiters in u'döjet ist in späterjeit udö geworden. Die 

Bulgarien in " ' — ... - 



Vuniversite nat 



Xenio Hommage international ä 10 Griechen habeu den Namen der Göttin in der 
iionale de Grece ä l'oceasion du selben Form überliefert wie den der ihre: 



75« annieersaire de sa fondation (1912), p. 109. Heimatstadt Per-U'döjet, 'Haus der Uto', näm- 

[Höt'er.] lieh in beiden Fällen Bovrw. 

Utat (Oirdz), einer der Namen, bei denen Lokalkult. Die Heimat der Göttin Uto 

Ares beschworen wird in der nQoaevp] toü ist die Hauptstadt des 7. Gaues von Unter- 

"AQeng der Hygrom. Salom. cod Mon. gr. 70. ilgypten (Harpunengau), die im Nordwesten 

Cat. cod. ustr. gr. 8,2, 155. [Preisendanz.] der Mitte des Deltas an dem See von Burlus 

Üthani, Dämon im demotischen Zauberpap. lag. Sie bestand aus den beiden Städten Pe 

von London-Leiden (ed. Griffith- Thompson 1 und Dep auf den beiden Ufern des s»benny- 

ri'.'Ol], 1k9) col. 16, verso 1 (Liebeszauber): 'Ar- 50 tischen Nilarms und war in vorgeschichtlicher 

mioout, Sithani, Outhani (wth'ny)' usw. Zeit die Hauptstadt eines unteriigyptischen 

[Preisendanz.] Reiches, dexsen Könige dem Stadtgotte Horus 

Uthlo, Dämonenname, s. u. Uebui. dienten und als 'Horusverchrer' in geschicht- 

ulhure, einen etruskischen Namen •ufture licher Zeit bekannt geblieben sind. Der Ur- 
als Entsprechung der Göttin Inturna will Bugge sprüngliche Name dieser Hauptstadt war Ne- 
finden innerhalb der Inschrift einer weiblichen chen. Uto heißt gelegentlich Herrin von Ne- 
Statuette, Fabretti, C1I m: 255, tab. XXXIII. chen oder von Pe und Dep, worin sich aus- 
Bu')ge,Etr. Forsch. u.Stu. 4, 41 ff. Die Zerlegung spricht, daß sie in jenen Orten beheimatet 
der Inschrift ist unsicher und die Zusammenstel- gewesen ist, auch wenn sie eigentlich mehr 
lung des herausgelösten Genitivs *u»url mit Iu- 60 Landes- als Stadtgöttin war. 
turna sprachlich so unwahrscheinlich, daß sich Das Gegenstück zu Uto ist die oberägyp- 
ein weiteres Eingehen auf diese Möglichkeit tische Schutzgöttin Nechbet, die in der vor- 
hier erübrigt. [Pauli- Fiesel.] geschichtlichen Hauptstadt Oberägyptens na- 

Utilitas publica, Personifikation des öffent- mens Necheb (heute Elkab, griechisch Hiera- 

lichen Nutzens, der Gemeinnützigkeit, auf der kopolis) zuhause ist. 

Kehrseite von Geldstücken des Diocletianus Wesen. Der wichtigste Zug im Charakter 

(Cohen, Descr. hist. des monn. fr. sous l'Empire der Uto ist ea für alle Zeiten geblieben, daß 

roro.*6,p. 477, nr. 647), seines Mitkaisers Maxi- sie das Delta vertritt. In dieser Eigenschaft 



143 



Uto 



utuse 



144 



wird sie oft zusammen mit ihrem Gegenstück 
Nechbet dargestellt. Beide zusammen stehen 
neben dem König oder umschweben ihn schüt- 
zend und symbolisieren dadurch, daß dem 
Pharao Beine Länder dienen und ihm Schutz 
verleihen. Wenn nur eine der beiden Göt- 
tinnen erscheint, so liegt stets eine besondere 
Beziehung auf die betreffende Landeshälfte 
vor, und der König tritt an jener Stelle mit 
Betonung als Herr derselben auf. Hiermit geht 10 
es Hand in Hand, wenn in vordynastischer 
oder frühdynastischer Zeit der König der einen 
Landeshälfte mit der dieser eigenen Krone dar- 

festellt wird, vielleicht sogar als Bezwinger 
er anderen. 
Als Schutzgöttin des Deltas erscheint Uto 
gelegentlich in einigen Mythen, in die sie wohl 
erst ziemlich spät hineingekommen ist; ihren 
eigenen Sagenkreis kennen wir nicht, so daß 
wir uns nur rückschließend an vereinzelte Züge 20 
desselben herantasten können. In der Osiris- 
sage behütet Uto den kleinen Horusknaben, 
den die vor dem bösen Setech - Typhon in die 
unzugänglichen Sümpfe des Deltas geflohene 
Isis dort geboren hat. Sie schützt ihn so für- 
sorglich gegen Gefahren, daß späte Mythen- 
züge der Uto den kleinen Horus sogar als 
ihren eigenen Sohn zugesellen — eine Ab- 
irrung, die sich aus dem Wunsche ergab, daß 
auch diejenigen Göttinnen , denen alte Legen- 30 
den keinen Sohn gegeben hatten, nachträglich 
einen solchen erhalten sollten. 

Als in der griechischen Zeit eine Anzahl 
von Orakeln berühmt geworden waren, ist auch 
eines der Uto in der Stadt Buto erteilt wor- 
den. Herodot 2, 83 sagt, daß es unter allen 
Orakeln Ägyptens am angesehensten sei, und 
erzählt 2, 188 eine Orakelgeschichte vom König 
Mykerinos. 2, 165 beschreibt er den Tempel 

der Leto in Buto , in dem das 40 
Orakel erteilt wird ; mit Leto kann 
nur Uto gemeint sein. Diese Deu- 
tung wird bestätigt durch die 
Erzählung von Letos Beschützung 
des Apollon (Horus), die sich ge- 
nau mit der Überlieferung der Ho- 
russage deckt (2, 166). 

Darstellung. Uto hat ur- 
sprünglich die Gestalt einer 
Schlange, und als solche wird sie 50 
durch die ganze ägyptische Ge- 
schichte dargestellt, zuweilen mit 
ausgebreiteten Flügeln, mit denen 
sie den König schützend umgibt. 
Ihr Bild kann vereinigt werden 
mit der Darstellung des Papyrus, 
der Wappenpflanze von Unter- 
uto ms ägypten; gewöhnlich richtet die 

aufPspyrns Schlange sich dann auf der Dolde 

eines Papyrusstengels auf, wäh- 60 
rend ihr Schwanz sich um ihn herum ringelt. 
Zuweilen erhält die Schlange auf dem Kopfe 
die rote Krone von Unterägypten, als deren 
Verkörperung gelegentlich auch der Name der 
Uto genannt wird. 

Sind Uto und Nechbet zusammen darge- 
stellt, so behält die letztere meist die ihr aus 
der Urzeit zugehörige Gestalt des Geiers. Geier 




und Schlange sind die typischen Schutzgöt- 
tinnen des Königs als Vertreterinnen der bei- 
den Landeshälften, z. B. bei ThutmoBis III. in 
Elephantine(iep«»W, Dentm.lll,ii); die gleiche 
Darstellung der beiden Landesgöttinnen wird 
auf die Sonne übertragen, neben der Uto und 
Nechbet erscheinen, z.B. auf einer Holzstele 
der Spätzeit (Berlin 7772 = Äg. Inschr. 2, 358). 
Sie bilden tiuch einen der fünf Titel des Königs, 
mit welchem gemeint ist, daß der Pharao sich 
in der Gestalt der beiden Landesgöttinnen 
offenbart. Die häufige Zusammenstellung der 
beiden Göttinnen hat es herbeigeführt, daß 
beide in späterer Zeit zuweilen in gleicher 
Gestalt dargestellt werden, also beide entweder 
als Geier oder als Schlangen (z. B. Sarg Ber- 
lin 20134 = Äg. Inschr. 2, 550—) : Bb + Db). 
Es kommt sogar vor, daß, wenn nur eine der 
beiden im Bilde erscheint, sie nicht ihre eigene 
ursprüngliche Gestalt hat, sondern die ihres 
Gegenstücks; so kann Uto in späterer Zeit als 
Geier dargestellt werden. 

Vermischung mit anderen Göttinnen. 
Aus unbekannten Gründen ist üto in späterer 
Zeit der Kampfgöttin Sachmet von Memphis 
angenähert worden; die Heimatstädte der bei- 
den Göttinnen liegen weit auseinander, und 
in ihrem Wesen sind keine gemeinsamen Züge 
vorhanden. Bronzefiguren der Spätzeit stellen 
eine frauengestaltige Göttin mit Löwinnenkopf 
dar und nennen sie Sachmet'-Uto. Auch Uto 
allein i»t als Frau mit Löwinnenkopf durch 
Bronzen belegt. Dann hat Uto meist eine 
große, sich frei aufrichtende Schlange auf dem 
Kopf, während Sachmet die Sornenscheibe mit 
Uräus trägt. Duressy , Statuts <le Dicmitrx 
{Gatal. Gener. Caire 1U05 — 6). Denkmäler des 
Pelizaeusmuseums zu Hildesheim 1921, S. 119. 
Ausf'ührl. Verzeichn. Ägypt. Altertümer Berlin. 
1899, S. 294. 

Literatur: Erman, Ägypt. Religion*, 1909. 
lioeder, Urk. Belig. alt. Äg.*, 1923. Erman-llanke, 
Ägypten', 1923, sämtlich 8. Index. |Roeder.| 

Ütoloell {Oixoi.6%), böser Dämon der 13. Mon- 
tagstunde, dem guten Engel Aresiel (kgrjaij'ß) 
entgegengesetzt; Beleg wie bei Uistos. 

|Preisendanz.| 

l'tupon (Oi)Tov7ttov). einer der Namen, bei 
denen Selene in der n^oaivp) n)g Ee^vrjg be- 
schworen wird, Hygrom. Salom. cod. Mon. gr. 70. 
Cat. cod. a-str. gr. 8, 2, 157. Die anderen Namen : 
Zaßar]X, Boai'jX, 'SIvit&q, ünagov. ZbiQTr'iQ%a. 
rafir'iS, Ovt., KcuxoXrß, ratitätjv, MaQ^ßar. 
[Preisendanz.J 

utuse. utuse, utuse, utuze, uOuze, uiruste, 
utfste, utzte sind die etiuskischen Bezeich- 
nungen für den griechischen 'Oövaatif, die Bicli 
auf Spiegeln, Gemmen, einem Wandgemälde 
und einer Urne finden. Die Monumente werden 
nachfolgend kurz besprochen, zur weiteren 
Orientierung vergleiche man jeweils Gerhard- 
Kurte, ]£tr. Sp. 1 — 5. Furtivänglcr, Antike Gem- 
men und die angegebenen Art. des Myth. Lex. 
— Dem Sagenkreis der Odyssee sind folgende 
Darstellungen entnommen: Ein Wandbild der 
T. dell' Orco in Tarquinii, Fabrctti, C1I spl. 
1, 413, zeigt die Blendung des Polyphem. Odys- 
sens (uduBte") bohrt den Balken in das Auge 



146 utuse Uxellimus 146 

des Kyklopen (cuclu), wie das ziemlich zer- ein derartiges Schwanken in der Wiedergabe 
störte Bild noch deutlich erkennen laßt. Abbil- des griechischen Namens, das sonst bei Etruski- 
dungen Monum. ined. 9, Tf. XIV, XV. Weege, sierungen nicht begegnet. In utuse, utufe.utuze, 
Etr Malerei 28, Abb. 23. Eine Szene ans der utfuze, liegen die zu erwartenden, lautlich kor- 
Nekyia enthält der Volcenter Spiegel, Etr. rekten Entsprechungen vor; das -ea- des Gne- 
Spiegel Tf. CCXL = Fabretti 2144: Odysseus chischen hat man auf verschiedene Weise wie- 
(utuze) vom Hermes Psychopompos (turms aitas) derzugeben versucht ; ein nicht erklärtes Schwan- 
in die Unterwelt geleitet, betragt das ttta- ken von Tenuis und Aspirata (t : «•) bei dem- 
h>v des Teiresias (hinfrial terasiaä); vgl. Pauli selben Wort findet sich auch sonst. Dagegen 
unter teratia. Drei Spiegelbilder sind dem 10 ist sehr befremdlich die Endung -ste in ufrste, 
Abenteuer bei der Zauberin Kirke entnommen. ufruste. Es wäre ja möglich, daß hier Analogie 
8ie zeigen nur geringe stilistische Abweicbun- zu Bildungen wie urste, urusfle (Orestes) vor- 
gen voneinander: Etr. Sp. Tf. CCCCII1, 1 = Fa- liegt; vgl. Deedce, B.B. 2, 196. Doch muß dar- 
bretti 2277 bis B, ein Spiegel des Louvre aus auf hingewiesen werden, daß tür die verwickel- 
Tarquinii; dessen Replik Etr. Sp. 5, Nachtr. 22, ten lautlichen Probleme des grieehisch-itah- 
vermutlich aus Vetulonia; Tf. CCCC1II, 2 — Fa- sehen Odysseusnamens unter Umständen die 
bretti 2687 unbekannter Herkunft. Kirke (cerca) etruBkische Form bedeutungsvoll werden kann, 
sitzt zwischen dem sie mit dem Schwert be- J^'t 86 ^- 
drohenden Odysseus (u#ste) und Elpenor (vel- Uxacanus {Uxsacanus), örtliche Gottheit in 
parun) Zu ihren Füßen ein Schwein, dessen 20 der Narbonensis in der Gegend von Carpento- 
menschlich gebildete Hinterfüße wohl die Ver- rate (Carpentras, Depart. Vaucluse), und zwar 
Wandlung der Freunde des Odysseus andeuten wohl Name einer Quelle. Dem vermutlichen 
sollen. — Einige Darstellungen enthalten Grup- Quellgott war eine bei B&loin (Bedouin, ä 
pen mit aus dem Epos bekannten Gestalten, Sainte-Magdalene) gefundene Inschrift geweiht, 
ohne daß eine bestimmte Szene als Vorbild CIL 12,1178, berichtigt Add. p *23 {Dessau, 
nachgewiesen ist. Der Spiegel au 8 Castiglione Inscr. Lat. sei. 4698): L. Eppius Leo üxsaiano 
bei Orvieto, Etr. Sp. 6. Tf. 118 — Gamurrini, v(otum) s(ölvit) l(ibens) m(ertto). Eine der bei- 
Äfipend. 660 zeigt drei Krieger: Über den in den Quellen in der Nähe der Kapelle der hl. 
die Knie gesunkenen pentasila (JIm»ittti.uu\) Magdalena am Fuß des Mont-Ventoux bei B6- 
beugen sich Odysseus (utuse) und Diomedes so doin [CIL 12, Tab. II, De. Andree, Handatlas* 
((z)imite). Merkwürdig iBt die Bezeichnung pen- 93^94, E 1 : nordöstl. von CaipentraB] gilt für die 
tasila neben einer männlichen Figur. Auf einem heilige Quelle ü. — Allmer, Bevue epigr. 2, 
Spiegel von To*canella, Fabretti, spl. 2, 106, p. 117, nr. 646. Holder, AlteeU. Sprachschatz 8, 
finden sich Menelaos (menle), Helena (elinei), Sp. 68. Die Schreibung Uxsacanus ist bedingt 
Odysseus (utfste), Thetis («etfis) und Achilles durch die Behr beliebte Verschärfung des ml 
(a*le). Ob das Bild auf die Versöhnung zwi- enthaltenen S-Lautes in Aussprache und Schrift 
sehen Menelaos und Helena gedeutet werden {Dessau a. a. 0. Bd. 8, p. 887 f.), die sich auch 
darf? Vgl Pauli unter »e&is. Etr. Sp. 6, Tf. 86, häufig in keltischen Namen findet {Holder a. 
1 = Fabretti, spl. 1, 448 ein Spiegel aus Cer- a. 0. 3, Sp. 460, der aLer hier XS = %s, chs zu 
vetri, dessen z. T. sehr zerstörte Beischriften 40 deuten geneigt ibt). Zur Namenbildung TJx-ac- 
Körte ergfinzt: Odysseus (nfrste), Kassandra onus vgl. Holder 8, Sp. 69ff. 1, Sp. üOff und 
(caä(tr)a), Minerva ^(m)e(n)e(r)va) und Diomedes 8, Sp. 488 ff. 1, Sp. 167 und 8, Sp. 680 f. [Keune.] 
(ziumitfe). Vermutlich ist auch ein anderer Uxeliui a. üxellus, nr. 2. 
Spiegel aus Cervetri hierherzustellen: Etr. Sp. Uxellimos, keltischer Beiname oder örtlicher 
Tf. CCCLXXXV — Fabretti 2346 bis C. Er ent- Sondername des Iuppiter in einer Weihin- 
hält Menelaos (menle}, Odysseus (u<hite), Kly- schrill von Noricum, CIL 8,6146 mit Suppl. 
taimestra (clutmsta),'Palamedes (talmitfe). Das 1, p. 1829 = Dessau, lnscr Lat. tel. 4626: I(ovi) 
■»- in u#ste ist nicht deutlich; doch scheint O(ptimo) M(aximo) üxellimo Serandius (so!, 
die Schiffermütze der bezeichneten Gestalt, die statt Servandius?) Verinus dec(urio) Cel(eiae) 
wir aus anderen Darstellungen des Odysseus 50 p(oni) ifussit), Pomp(onial) Ursula eius cum 
kennen, diese Lesung wahrscheinlich zu machen. Urso ß(io) v(otum) s(olv.) l(ib.) m(erito). Fund- 
Deecke nimmt an, es stehe urste da (der etr. ort des Weihdenkmals ist Lukovc oder Lukovce 
Name des Orentes), wozu ja die Anwesenheit (nicht: Bukovce u. ä.) am Fluß Sann, linkem 
der Klytaimestra gut passen würde. Eine Urne Nebenfluß der Sava oder Sau (Savus), flußab- 
anB Perugia, Not. d. Scavi 1914, 322 f. zeigt wärts von dem 'Eömerbad' genannten Badeort 
Achilles, Odysseus und Paris (a^le, utzte, pa- bei Tüffer in der südlichen Steiermark (s. CIL 
ris), ein Sardonyx aus Bolsena, Furtuängler 1, 8, Suppl. 2, p. 2688. 2708 mit Sonderkärtchen 
Tf XVI 28; 2 78,28, OdysBeua und Achilles Tab. VIII. Gxy; flußaufwärts von Römerbad und 
(utuse, ä*ele). ' Ganz ähnlich ist der ebenfalls Tüffer liegt Cilli =- Celeia). Das Weihdenkmal 
aus Bolsena stammende Skarabäus, Fabretti so war gelobt von einem Mitglied des Gemeinde- 
2094 bis, A, mit utuze und a^ele. Odysseus rats \on Celeia, nach dessen Tod seine Frau 
(uOuze) allein findet sich auf einem ziemlich mit ihrem Sohn das Gelübde erfüllt hat (vgl. 
archaischen Skarabäus aus Chinsi, Furtwäng- CIL 18,6076. 7982). — Zur Ableitung des 
ler 1, Tf. LX1V, 29; 2,291,29. Unecht ist die Namens U. s. Holder, Altcelt. Sprachschatz: 3, 
Gemmeninschrift Fabretti 2647 mi ulis. Sp. 61: uxellos, -a, -on = erhaben, hoch, und 
Die etruskische Namenslbrm. die in Mittel- Holder 2, ?p. 37: -Xmo-. Holdtr 3, Sp. 61, der 
und Südetrurien etwa vom 6. Jahrh. ab sich U als 'latinisierten Superlativ' bezeichnet, 'nach 
findet, ist sprachlich interessant. Auffallend ist Ernault = -ismos, var. von -t«o»i<w, vgl. Mo- 



147 Uxellus Vacallinehae 148 

lismus, Uxisama', und vor ihm Mowat, Bull. V als Abkürzung eines unbestimmten Götter- 

Soe. Antiq. de Fr. 1888, p. 257 stellen daher namens findet sich nach Holder, Alteelt. Sprach- 

1. 0. M. 0. zusammen mit den Weihungen schätz 8, Sp. 70 in den Weihinschriften 1) eines 

I. 0. M. summo excellentissimo oder exsuperan- Marmortäfelchens, gefunden zu Settimo Vittone 

tissimo, vgl. auch Iovi (alto) summuno (Belege an der Dora Baltea, flußaufwärts von Ivrea — 

bei Dessau a. a. 0. Bd. 3, p. 537) und I. 0. M. Eporedia (CIL 5, Tab. II. Andree, Handatlas* 

culminali oder culminari (CIL 3, Suppl. 2. 125/126, B 2, an der Straße über Aosta = AuguBta 

p. 2514, Col. II). — S. d. Art. Uxellus. [Kenne,] Praetoria nach dem Kleinen St. Bernhard = 

Uxellus, keltischer Name eines Gottes in Alpis Graia), CIL b, 6819b: M. Titius Acratus 

Gallia, belegt durch zwei Weihinschriften. Das 10 V. v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito); 2) einer 

keltische Wort uxellos, -a, -on (ux-ello-) be- Gemme aus Vermand (westnordwestlich von 

deutet 'erhaben, hoch' und ist auch als Orts- St.Quentin) im Gebiet der Viromandui in Gallia 

name Uxellon, Uxellus ticvs u. ä., vgl. Uxelio- Belgica, CIL 18,3,2, p. 628, nr. 10024,24: ¥. 

dunum, belegt, s. Holder, Altcelt. Sprachschatz Alexan[der ex] voto [d(uno) d(edit)?]. [Dagegen 

3, Sp. 61 ff. und den Art. Uxellimus; zum Suffix ist die von Holder a. a. 0. ebenfalls aufgeführte 

-ello- s. Holder 1, Sp. 1415 Über den Gott handelt CIL 13, 3, 1 , p. 381 , nr. 10010, 1951 : Q. V. C. 

Moicut. Bull. Soc. Ant. de Fr. 1888, p. 255—258. keine Weihnng, sondern Herstellermarke eines 

1) Tessera aus Bronze, unbekannter Her- Sigillatatöpfers.] [Keune.] 

kunft, im Cabinet des M^dailles et Antiques Vacallinehae, auch belegt in anderer, ähn- 

der Nationalbibliothek zu Paris, deren Echtheit so Hoher und gleichwertiger Schreibung (s. u.), 

mit Unrecht angezweifelt worden war, Mowat örtlicher, wohl germanischer Beiname der Mut- 

a. a. 0. Babelon-Blanchet, Catal. des bronzes tergöttinnen (Ihm, o. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) in 

ant. de la Bibl. nat. (1895), p. 710 f., nr. 2306. fruchtbarer, wohlhabender Gegend im Nordteil 

Dessau, Inscr. Lat. sei. 4693 a: Aug(usto) sa- der Eifel südlich von Zülpioh- Euskirchen (s. 

cr(um); deo Uxello. Die Inschrift ist auf die Baedeker, Bheinlande* 1 , Karte zu S. 2311 Die 

beiden Seiten der gehenkelten Tessera (Berech- Göttinnen V. sind bekannt durch zahlreiche 

tigungsmarke) verteilt, so daß der Name des Weihinschriften, welche mit Ausnahme von 

Gottes U. auf der Kehrseite steht. Vgl. die ge- vier verschollenen (B 1, b) samtlich im Provin- 

henkelte Tessera mit Weihinschrift CIL 7, 1262, zialmuseum zu Bonn verwahrt werden (X = 

auch die 'Tessera' von Trier, CIL 13 (4), 11316, so H. Lehner, Die antiken Steindenkmäler des Pro- 

welcheaufderVorderseiteeineWeihinsehrifthat. vinzialmuseums in Bonn, 1918). 

3) Steininschrift der Gallia Narbonensis, ge- A. Name. In den meisten Fällen lautet die 
fanden zu Hyeres (östlich von Toulon), 'ä la Weihung (unter Auflösung der häufigen Liga- 
Font des Horts ', CIL 12, 387 (nach Baron turen): Matronis Vacallinehis, CIL 13, 7962. 

de Bonsletten, Carte archeol. du dep. du Var . . . L 349. 361—354. 357—361 usw.; nur zweimal 

aecompagnee d'un texte explicatif, Toulon 1873, ist der Beiname bestimmt mit einem l ge- 

p. 25 ["1888, p. 31]). Mowat a. a. 0. 266. Revue schrieben, CIL 13, 7951, ebenso (Vacalinihis) 

epigr., Heft 59 (1890), p. 49, nr. $30: [Deo] Uxelio L 355 (in anderen Namen ist dieser Wechsel 

v(otum) s(oloit) [l(ibens) m(eritn)] C. Proper- häufiger). Mehrere Inschriften von Pesch (B 2) 

t(ius) A[ ]. Uxelio ist fahrlässige Schrei- 40 schreiben aber Vocallin-, 7^366 — 371. 1433 

bung des Steinmetzen ütatt Uxelio, wie oft / (solche Schreibung für A findet sich öfter, 

im Stein eingehauen ist statt L (vgl. z. B. Vei- vornehmlich nach V, z. B. vocatio statt oacatio, 

launus = Vellaunus); allerdings findet sich auch Quodratus statt Quadratus u.a., s. Dessau, 

das Suffix -elius in keltischen Namen (Holder Inscr. Lat. sei. Bd. 3, p. 827). Wie in sonstigen 

1, Sp. 1415). — Hyeres (CIL 12, Tab. I, Pg. mit -nehue gebildeten Beinamen der göttlichen 

Andree, Handatlas 1 93/94, F 2) ist Fundort von Mütter (s. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 31—34) sind 

CIL 12, 385— 390. [Keune.] auch in V. statt -nehis gebraucht: -neihis, L 

L'xovinns, keltischer Name einer örtlichen 348. 366, oder -nihis, L 355. 880, oder -neis, 
Gottheit der Gegend von Apta Iulia in Gallia L 356. 376. 384. 392. 1433. 14*6. 600. 508. 609, 
Narbonensis (Apt im Depart. Vancluse), bezeugt 50 oder -nehabus, L 363. 375, oder -neabus, L 367. 
durch einen Altar mit schlechter Schrift, CIL 370. Abgekürzt ist VacaWn., L 304, und, wie 
12, 1105 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 4694, ge- es scheint, Va., L 362. Während sie sonst ge- 
funden 1841 zu Bonnieux, südwestl. von Apt wohnlich ais Matronae bezeichnet sind, führen 
(CIL 12, Tab. II, Ef. Andree, Handatlas' 1 93,94, sie iu der vereinzelten Weihnng von Bonn (B 3) 
E 2), jetzt im Museum zu Saint- Eemv: Uxovino die [nach einer anderen Bonner Inschrift (L 317 
vfotum) s(olmt) hibens) m(erito) Q. Ännius Bot- = CIL 13. 8021: vgl. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, 
tus. Zur Namenbildung Ux-oo-inus s. Holder, S. 11 f.) übrigens gleichwertige] Benennung 
Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 59—68. 2, Sp. 895 Matres, L 509, ebenso auf einem Bruchstück 
und 47. Bottus ist ein keltischer Name, s. Hol- von Pesch, L 410; mehrfach aber ist ihre Be- 
der 1, Sp. 496. 3, Sp. 915 f. Nach einer Mittei- eo Zeichnung als Matronae oder Matres abgekürzt: 
lung von de Lagoy 1842 (s. zu CIL 12) soll'kürz- Mat., L 355. 360. 1434.606, und M., L 349. 
lieh' am selben Ort eine zweite Inschrift mit dem 352. 353. 406. Nicht selten ist jedoch diese 
Namen des Gottes ü. aufgefunden sein. [Keune.] Bezeichnung ganz weggelassen, und die Göt- 

Uxsacauns s. Uxacanus. tinnen sind gleich vielen anderen der Mütter 

Uxnnuel (OviovvovriX) , guter Geist der 23. lediglich mit ihren Beinamen benannt, L 354. 

Samstagstunde, entgegengesetzt dem bösen 361. 366. 375-S 382. 398. 4o3. 1433. 508 (anders- 

äainav MoifQ&v; Hygrom. Salom. cod Mon.gr. wo ist der Stein im Anfang verstümmelt, so 

70. Cat. cod. astr. gr. 8, 2, 154. [Preisendanz.] CIL 18, 7963. L 368. 367 u. a.). Nur Matronae 



149 Vacallinehae Vaoallinehae 150 

heißen sie, ohne Beinamen, X 872. 874 (vgl. Savoyen: . . Matri deum et Matronis Salven- 

CIL 18, 7954?), abgekürzt Mal L 873. Da- nis (Keune in Neubearbeitung von Paulys 

gegen führen sie noch einen zweiten Beinamen Beal-Encyclopädie Bd. 1A, Sp. 2016). Über die 

in L 364 (CIL 13, 12020): [MatronisV] Vacallin. Bauanlagen 8. Lehner, Bonn. Jahrb. 1%5 mit 

Leudinis, vgl. L 365. Ob auch in den Bruch- Rekonstruktionsversachen von Schnitte. DieAn- 

stücken L 413 und 414 Reste von anderen Bei- fange der Siedelüng mit der Tempelanlage 

namen der Mütter erhalten sind, ist zweifei- fallen nach Ausweis der Einzelfunde etwa in 

haft. — Zur Deutung s. C. die Mitte des 1. Jahrh. n. Chr., der umbau nach 

B.Fundstätten. Zwei Tempelstätten sind 200 n.Chr., weitere Neubauten seit etwa 880 

nachgewiesen: 1. bei Lessenich im Kreis Eub- 10 n. Chr., das Ende der Anlage in den Beginn 

kirchen und 2. bei Pesch im Kreis Schieiden. des 5. Jahrh. Die Namen der Stifter der Weih- 

1) a) Etwa 20 Minuten südlich von Lesse- denkmäler, insbesondere der älteren, sind noch 
nich sind drei Weihdenkmäler der M. V. ge- keltisch, die Mehrzahl aber romanisiert oder 
funden, CIL 18, 4, 12017—12039. L 506—608. doch latinisiert (Bonn. Jahrb. 125, S. 126); viel- 
Vgl. Lehner, Böm.-Germ. Korrbl. 1 (1908), § 36. leicht findet sich darunter ein Soldat der [U- 
— Von dieser Tempelstätte waren sehr wahr- gio XJXX U(lpia) V(ictrix), L 1489, welche 
scheinlich verschleppt: b) vier verschollene im Lager Vetera (bei Xanten) lag. — Vgl. noch 
Denkmäler, welche im benachbarten Antwei- Esperandieu, Eecueil general des bas-reliefs, 
ler zum Vorschein gekommen sind, eineB, mit stat. et bust. de la Gaule rom. 8 (1922), nr. 6854 
Bildwerk geschmückt (CIL 13, 7952), bereits 20 und 6371. 

im 16. Jahrb., die übrigen beim Abbruch der Vereinzelt ist 8) die zu Bonn-Endenich 

Kirche ums J. 1852, CIL 13, 7951—7954. Ihm, gefundene Weihinschrift eines Soldaten der im 

Bonn. Jahrb. 83, S. 188, nr. 224— 227; s. Katz- Lager von Bonna-Bonn liegenden Legion, £609 

fey-Freudenberg, Bonn. Jahrb. 19 (1853), S 85tf. ; = CIL 13, 8003 a (Ihm, Bonn. Jahrb. 88, S. 187, 

c) ein Denkstein des Bonner MuseumB (L 505, nr. 216): Matribufs VJacallineis Atticifus) Ma- 

vgl. Lehner, Führer durch die antike Abteilung ternu[sj m(iles) l(egionis) I M(inerviae) P(iae) 

1916, S. 193f. CIL 13,4, 12036), welcher im ius(su) ipsa[r(um)] l(ibens) m(erito). DieserSol- 

benachbarten Satzvey (an der Eisenbahnlinie dat wird nach Lehner (Bonn. Jahrb. 126, S. 124) 

Trier- Köln, zwischen Mechernich und EuBkir- aus der Heimat der Verehrung der V. stammen 

chen) in einem Haus vermauert war. so und während seiner Dienstzeit in Bonn sein 

2) Zahlreiche Inschriften und andere Funde Gelübde erfüllt haben. 

haben die Ausgrabungen eines Tempelbezirkes C. Deutung. [Kern, Germaansche woorden 
am Hang der 'Addig' benannten Höhe unweit in Latijnsche opschriften aan den BenedenBijn 
östlich von Pesch (6 km südwestl. von Münster- = Veralagen en mededeelingen der K. Akad. van 
eifel und etwas über 8 km von Lessenich-Ant- Wetenschappen (Amsterdam) , Afdeeling Letter- 
weiler entfernt) durch das Provinzialmuseum kuwte* 2 (1872), S. 805 ff. (franz. Übers, in Reoue 
Bonn ergeben, s. Lehner, Führer (1915), S. 282 f. celtique 2, 153 ff.). Ihm, Bonn. Jahrb. 88 (1887), 
Bonner Jahrb. 123, S. 68— 76 und besonders S. 23/24. v. Grienberger, Franos Vindobon. 1893, 
ebd. 126 (1919), S. 74—162 (wo auch S. 130— S. 262. Holder, Alteelt. Spraclischati 3, Sp. 71 f. 
134 die zur Siedelüng gehörigen Grabstätten 40 Förstemann- Jellinghaus , Altdeutsches Namen- 
nördlich von Pesch besprochen sind, L 232. buch 3 2, 2 (1916), Sp. 1172 (auch Sp. 1176. 1215). 
782f.), mit Tafeln 8 — 34 und Nachtrag im M. Schönfeld, Wörterbuch der altgerman. Per- 
Korrbl. Germania 1920, Nr. 3/6, S. 63— 67; die sonen- u. Völkernamen (1911), S. 248. Much in 
Steindenkmäler bei L 82 — 85. 848—504. 1082 Soops, Reallexikon der German. Altertumskde. 
—1055. 1174—1176, mit Nachtr. 1438—1453. 4, S. 387 (Vacalns § 3).] Gleich allen Namen 
Die Inschriften, über welche vgl. Bonn. Jahrb. mit der nämlichen Endung scheint auch V. 
125, S. 124 — 128 mit Taf. 24— 25 (teilweise auch germanischen, nicht keltischen Ursprungs zu 
in CIL 13, 4, 12016 — 12034), sind hauptsächlich sein. Doch ist Ableitung vom alten Namen des 
in einem Tempelhof gefunden worden, der als Flusses Waal (Vacalus, Vahalis, s. Holder a. 
Aufstellungsraum für Weihdenkmäler gedient so a. 0. 3, Sp. 72 f. Förstemann a. a. 0., Sp. 1176. 
haben muß (Bonn. Jahrb. 126. S. 90), doch war Mach a. a. 0.) zu verwerfen. Dagegen ist ge- 
eine kleinere Zahl, einer älteren Anlage ent- meinsamer Ursprung des in V. enthaltenen ver- 
stammend, beim Umbau in den Mauern des mutlichen Landschaftsnamens mit dem ersten 
nämlichen Hofes als Bausteine verwendet (ebd. Bestandteil der Namen Wachendorf (südlich 
S. 126). Außer Weihinschriften, von welchen von Antweiler), Wakelendorp (in niederländ. 
L 378 (Bonn. Jahrb. 125 , Taf. 25, 2) vielleicht Geldern) u. a. nicht unwahrscheinlich. Den zwei- 
als Hauptinschrift über dem Tempeleingang ten Beinamen Leudinae (L 364. 366) leitet Leh- 
angebracht war und L 381 (= Bonn. Jahrb. ner (Bonn. Jahrb. 128, S. 74. 125, S. 124 und 
125, S. 129, Abb. 14) ein verzierter Opfertisch Stdkm. S. 163 f.) ab von einem Ortsnamen Leu- 
gewesen zu sein scheint, sind auch Reste von 60 dium, in welchem er den Namen des bei dem 
Steinbildern der Matronen und von Opferdar- Heiligtum von Pesch (B 2) gelegenen, seither 
Stellungen gefunden, außerdem aber auch Bruch- verschwundenen Vicus erkennen möchte, 
stücke von anderen Steinbildern, so vom Stand- Wie die Muttergöttinnen überhaupt, so sind 
bild eines Iuppiter und von einem Reliefbild auch die V. Göttinnen des Segens, und zwar 
der Kybele mit Attis? (Bonn. Jahrb. 125, S. 118 vornehmlich der Fruchtbarkeit des Baumlandes. 
— 124, Taf. 21—23, auch S. 15« — 158V Zusam- Dies findet seinen Ausdruck in dem den Weih- 
menstellung der Muttergöttinnen mit Kybele denkmälern beigegebenen Bildschmuck, wie den 
war bisher nur belegt mit einer Inschrift aus Friichtekörben u. dgl. auf dem Schoß der Mut- 



151 Vaccaburius Vacuna 152 

ter, der Darstellung von einzelnen Baumfrüch- C. Potnponius v. s. I. m. und CIL 9 , 4752 — 

ten, bes. Äpfeln und Birnen (auf einem Teller Dessau 8485 Esuvius Modestus Vacvnfae p]ro 

oder ohne einen solchen) und von Bäumen, raletudine patfrisj v. [».]; auf diese Gegend 

letztere auf den Seitenflächen, auch von Füll- bezieht sich auch die Erwähnung der Vacunae 

hörnern (C/L 18, 7952. L 349. 853. 355. 366. nemora im Zusammenhange mit Reate und 

S7h. 882. 386. 418. 430. 469—461. 467. 471. 474. dem Avens bei Plin. n. h. 8, 109. Endlich be- 

489. 493. 499. 605. 506. 608. 509. 1437). Unter zeugt Horaz epist. 1,10,49 haec tibi dictabam 

den häufigen Bildern der Muttergöttinnen ist po»t fanum putre Vacunae, daß sich in der 

außer den Resten von lebensgroßen Freiskulp- Nähe seines Sabinergütchens, im Tale der Di- 

turen besonders beachtenswert das ebenfalls 10 gentia (über die Lage s. N. FriUch, Jahrb. f. 

nur in einem Bruchstück erhaltene Bild einer Fhilol. 161, 1895, S. 67 ff.), eine verfallene Ka- 

Matrone mit Kind (L 468. Bonn. Jahrb. 126, pelle der Göttin befand. Die Scholien zu dieser 

S. 121). Darstellungen von Opfern (CJX 13, Sonwstelle geben den Niederschlag dessen, was 

7962. L 476. 488. 498 u. a.) entsprechen dem die römische Gelehrsamkeit über die Göttin zu 

Bilderschmuck anderer Matronendenkmäler. ermitteln gewußt hatte; es ist blutwenig, eine 

Auch das in kleiner Gestalt beigegebene Bild Reihe gleichberechtigt nebeneinander stehender 

eines Anbeters (Bonn. Jahrb. 126, 8. 122, nr. 10 und unter sich unvereinbarer, daher sich gegen- 

mit Taf. XXIII 4) entspricht anderen Bildern seitig aufhebender Deutungen: Vacuna in Sa- 

(vgl. Hettner, Steindenkm. Trier nr. 98 und Leh- binis dea, quae sub incerta specie est formata; 

ner, Provinzialmus. Bonn , Sculpturen, Heft 2, m hanc quidam Bellonam, alii Minerram, alii 

Taf. VII, 6 [Steindenkm. nr. 163J = Esperandieu, Dianam (putanty, Porphyr. — Vacunam alii Ce- 

Becueil 8, nr. 6458). rerem, alii deam vacationis dicunt, alii Victo- 

Zur Verehrung der keltoromanischen Ma- riam, qua favente curis vacamus. Vacunam 

tronen bei der Mischbevölkerung der germani- apud Sabinos plurimum cuUam quidam Miner- 

schen Grcnzlande am Niederrhein s. K. Helm, vam, alii Dianam putaverunt, nonnulli ettam 

Altgerman. Beltgionsgeschichte 1 (1913), S. 391 ff. Vtnerem esse dixerunt; sed Varro primo rerum 

Vgl. noch K. Schumacher, Siedelungs- und divinarum (frg. 1 Agahd) Victoriam ait, quod ea 

Kulturgeschichte der Bheinlande 2 (1928), S. 180. maxime hii gaudent, qui sapiintiae vacent, Acr. 

TKeune.] Der varronischen Deutung Vacuna = Victoria 

Vaccaburius, wohl iberischer Name eines so ist Dionysios von Halikarnassos gefolgt, falls 
örtlichen GotteB in Hispanien, nach der Weih- die am See von Cutilia (Nissen, ltal. Landesk. 
inschrift einer Marmortafel, gefunden in der 2, 476 f.) verehrte und von ihm als A'ixij be- 
Landschaft Leon zu Astorga (Asturica) [CIL zeichnete Göttin wirklich Vacuna war, was 
2, Suppl, Tab. I, Dg. Andree, Handatlas' 121/ aber nur eine ansprechende Vermutung ist 
122, D 2], jetzt in der Provinzialhauptstadt Leon, (vgl. L. Preller, Ber. d. sikhs. Gesellsch. d.Wits- 
C1L 2, Suppl. p. 912, nr. 6666 (daher Holder, sensch. 1856, 191 ff. = Ausgew. Aufsätze S. 266 ff.). 
Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 73): DE VAC Auf keinen Fall aber hat man ein Eecht, die 

CABV bei Rocca Giovane im Digentiatale gefundene 

RIO Bauinschrift CIL 14, 3485 = Dessau 3813 Jm- 

zu leBen nach Hübner: Deo Vaccaburio [nicht: 40 p(erator) Caesar Vespasianus Aug(ustus) pon- 

De(o) Vacocaburio, wie Ephtm. epigr. 3, p. 42, tifex waximus trib(uniciae) pottslatis censor 

nr. 26 mit Holder a. a. 0. 3, Sp. 80]. Auf der aedem Victoriae retuttate delapsam »uo impensa 

Kehrseite der Tafel sind Reste einer (nach restituit auf Vacuna zu deuten, da die Weih- 

Hubner) älteren Inschrilt erhalten. — M. Ma- inschrift eines Tempels die Göttin bei ihrem 

das, Epigrafia Bomana de la ciudad de Astorga richtigen Namen nennen mußte und diesen 

ist mir nicht zugänglich. [Keune.] nicht durch eine gelehrte Deutung ersetzen 

Yaeocabiirius, irrige Lesung statt Vaccabu- konnte. Ausonius freilich, der ja seine Gelebr- 

rius, s. d. samkeit auch dadurch zeigt, daß er Belenus 

Viuuun, alte Göttin des Sabinerlandes, deren und Consus statt Apollo und Xeptunus sagt, 

Verehrung noch in der Kaiserzeit bezeugt ist. so setzt einfach Vacuna iür vktoria ein, epist. 14, 

Wir können sie an drei verschiedenen Funkten lOOf. (p. 249 Peip) quas ei soheris, o poeta, 

dieser Gegend nachweisen. Erstens im oberen nugas, totam traüo tibi sinntl Vacunam. Wenn 

Velinustale, wo sich der Name der Göttin noch Orid fast. 6, Stil f. unter den Belegen für die 

in dem Ortsnamen Bacugno erhalten hat (vgl. Bedeutung des Herdes u. a. anführt nunc (juo- 

W. Schuhe, Zur G esch. lut. Eiginnamen S. 477 1: que, cum filmt avtiquae sacra Vacunae, ante 

in der nächsten Nachbarschaft dieses Ortes Vacunalcs stantque sedoitque focos, so weist 

sind zwei Inschriften gelunden worden, in La- dus auf eine Herdgottheit nach Art der rümi- 

culo CIL !), 4(>SC = JJei-sau 3484 Q. Murrius sehen Vesta bin, andererseits lassen Gelübde 

Cm. /'■ Vacunae vot(um) dat lubens merito und an sie pro ndilu ex Afrka (CIL 9, 4751 = 

neuerdings in Posta Dessau 9248 P. Flaeidius 60 Dessau 348c!) und pro raletudine ptrtri» {CIL 

L. f. Septuminus prac/fectus) classi Vacunae; 9, 4762 = Dessau 3485) auf ganz andere Seiten 

wahrscheinlich hat also hier ein Tempel der ihres Wesens schließen, und die gelehrten lieu- 

Vacuna gelegen (vgl. X. Persichetti, Böm. Mitte il. tungen auf Ceres, Diana, Venus, Minerva, Bel- 

■J4, li)09, S. 242tf.). Der Fundort zweier anderer lona, Victoria lauten so weit auseinander, daß 

Inschriften (Poggio Fidone unweit Kieti) iührt sie sich schwer aus einer eil heitlichen Gruud- 

in die Gegend von Heate im Tale des Avens: auffassung heraus erklären lassen. Wahrschein- 

C1L 9, 4761 = Dessau i)486 pro reditu L. Acesii lieh war die Göttin in alter Zeit für den lokal 

i'X A/rica vor! Vacunae Aredia DaphfneJ et beschränkten Kreis ihrer Verehrer die Gottheit 



153 Vaeav . . . Vagdavercustis 154 

schlechtbin, an die man sich in allen Nöten Weihgeschenk gelobt hatte und, nach seiner 

des häuslichen wie des öffentlichen Lebens Erhebung zum Obersten der Kaisergarde zu 

wendete, und da bei einem mannhaften Volke Eom, dieses Gelübde in Köln, als Hauptstadt 

wie den Sabinern die kriegerischen Anliegen der Provinz, wohl abwesend, erfüllt hat (6). 

an sie eine hervorragende Bolle gespielt haben Als Heimat der Göttin darf das Land der lia- 

mögen, hat das auch die Auffassung der Göttin tarer angesehen werden. Der Name V. ist 

beeinflußt, so daß die Deutung als Minerva, Bei- gesichert; in einer nicht mehr erhaltenen In- 

lona, Victoria möglich wurde, während anderer- schrift (1) ist überliefert:' VAGDAVERCVSTI 

seits auch der Bauer (Ceres) und Jäger (Diana) (s. den Art. Vagdavera), doch scheint der tren- 

ihr seine Sorgen vortrug. Babelons (Monn. 10 nende Punkt nicht beabsichtigt oder irrig. Eine 

de la republ. Rom. 2,312 nr. 4, vgl. S. 310f.) Inschrift (-1) zerlegt den abgekürzten, mißver- 

Deutung der behelmten und bekränzten Frauen- standenen Namen in seine zwei Beatandteile 

büste mit Flügeln an den Schultern, Bogen Vage (so statt Vagde = Vagda-) und Vercu(sti). 

und Köcher und einem Füllhorn auf dem Avers Von diesen Wortteilen 'ist -vercuitis von ger- 

von Denaren des M. Plaetorius Cestianus (um manischem werk ungefähr so gebildet wie lie- 

70 v. Chr.) auf Vacuna geht von der unhalt- mistus, Segestes von rimis, sigis, s. Kern und 

baren Voraussetzung aus, daß der Münzmeister v. Grienberger a. a. 0. ; größere Schwierigkeit 

in seinem Bilde die Gesamtheit der (zu seiner bietet die Bedeutung von vagda-, das vielleicht 

Zeit noch gar nicht vollständig vorliegenden) mit Siebs und v. Grienberger zu ahd. kiwegida, 

gelehrten Deutungen nach Art der signa pan- so ,vegetamen, vegetandi vis 1 zu stellen ist: dann 

ihea habe zusammenfassen wollen. Die von wäre Vagda- vercustis die .Lebenskraft schaf- 

Usener (Götternamen 8. 367) angenommene Ver- fende 1 (v. Grienberger a. a. 0.)': Schönfeld 

bindung der Familiennamen Voconius, Vocul- S. 250 (s. u.), auch Richard M. Meyer, Altger- 

lius mit Vacuna hat W. Schuhe {Zur Gesch. man. Religionsgeschichte (1910) S. 408. Mucli 

röm. Eigennamen S. 260 f.) als unhaltbar er- a. a. 0. faßt die Göttin V. als Verkörperung 

wiesen. [Wissowa.] der Virtus militaris. — Einen von V. abgelei- 

Vaeav . .., ein unsicherer (örtlicher) Beiname teten Personennamen [VJagdafvJarcustus er- 
der Matronae nach der Lesung und Ergänzung kennt F. Haverfield, Ephem. epigr. 9, p. 667, 
einer am Niederrhein bei Calcar auf dem 'Born- nr. 1124 in einem der vier vermutlich germa- 
schen Felde', d. i. der Stätte des alten Bargi- 30 nischen Namen der Stifter der oben, im Arti- 
natium gefundenen, sehr verstümmelten Weih- kel Unseni angeführten Weihinschrift in der 
inschrift, jetzt im Museum zu Utrecht, CIL Nähe des Hadrianswalles in Britanuia. 

13,8665: [matro]n[i]s Vaeav [.. . cur]- 1) CIL 13,8805, nach Ianssen (Brambach, 

a.n[teL.]Dom(itio)fPapiiiiano,v(iro)/c(larissi- ÜIRhen. 67. Dessau, Inscr. Lat. sei. 2536), auf 

mo), legfatn) [A]ug(usti) pr(o) [pr(aetore) ..../. rundem Bronzesockel, wohl von einer Statuette, 

— Holder, Altcelt. Sprachschats 3, Sp. 83. Sie- gefunden bei Hemmen in der Landschaft Gel- 

bourg, Bonn. Jahrb. 107, S.152, nr.6, derS.136ff. dem (Niederlande), beim Reinigen des Bettes 

über die Fundstätte handelt mit Karte Taf. IX. der Linge, eines rechten Zuflusses der Waal, 

[Keune. J a l s0 zweifellos im Gebiet der Batavi: Deae 

Vaeosus, zweifelhafter Beiname des Ianm 40 Varjdavercusti Simfpßicius Super dec(urio) alae 
in einer Weihinschrift in der Nähe von Cade- Vo'contior(um) exerciftjuus Britannici. — Die 
net [CIL 12, Tab.I, Meundll, Ff. Andree, Hand- Ala Vocontiorum, die eine Zeitlang in Britan- 
atlas'' 93/94, E 2 : südlich von Apt (Apta Iulia)l, nien gestanden hat (Dessau zu nr. 2610), unter- 
als Teil einer Krippe mißbraucht, auf einem scheidet Cichorius in Pauly-Wissowa, Real- 
Landgut 'pres de Laval', CIL 12, 1065 (aus Encyclnpädie 1,1, Sp. 1269 f. von der in Ägyp- 
Roland, Cadenet p. 259, mit Abbildung), in teil- ten nachweisbaren Ala V. — exercituus = ver- 
weise verwaschenen Buchstaben: lano Vaeoso citus, s. Dessau, Bd. 3, S. 860. — Zum Namen 
Cor/. Mamertußljus v(otum) sColcitt Ifibens) Super s. Joerres, Bonn. Jahrb. 100, S. 114 ff. und 
m(erito) pro Placido fratr[e]. — Holder, AU- Riese, Korrbl. Westd. Ztschr. 24 (1906), § 26. 
celt. Sprachschatz 3, Sp. 83. [Keune.] 50 2—3) Gefunden zu Rindern (nördlich von 

Vagdavera, irrtümlich angenommener Name Cleve) beim Mauerbau der Kirche, jetzt im Mu- 

einer Göttin infolge der Überlieferung der seum zu Cleve. Rindern liegt wahrscheinlich 

niederländischen Weihinschrift CIL 13, 8805 an der Stelle des Truppenstandortes Harena- 

■ Brambach, CIRhen.67. Dessau, Inscr. Lat. sei. tium und zwar sicherlich im einstmaligen Ge- 

25»6) durch Ianssen: VAGDAVER ■ CVSTI. biet der Bataver, am alten Rheinlauf (s. Bonn. 

S. Vagdavercustis. [Keune.] Jahrb. 107, Taf. IX, 2). — 2) CIL 18, 8703: 

Vagdavercustis, germanischer Name einer f Vagdavjercust(i) [saerjum [...i]us Iustus 

uiederrheinischen Göttin, belegt durch vier [?mil(esj legCionis)] XXX ü(lpiae) V(ictricis) 

Weihinschriften im Gebiet der Batavi und im [pro se] et suis. Hauptquartier der von Traia- 
anstoßenden Grenzgebiet der Cugerni, sowie 60 nus gegründeten 30. Legion war seit Hadrianus 

durch eine fünfte zu Köln, also im Gebiet der das Lager Vetera (bei Xanten). — 8) CIL 18, 

Cbii. Die Stifter dieser Weihdenkmäler waren 8702 (drei Bruchstücke): [DJeae Va[g]daver- 

aber alle Angehörige der römischen Besatzung fejusti [. pro se] et suis v(otum) 

der Germania inferior, und zwar waren vier s(olvit) l(ibensj [m(erito)] Imp(eratore) n(ostro) 

Soldaten (1, 2, 4, auch 3, obschon hier die An- IUI coi'n)s(uie), d. i. im J. 213 n. Chr. 
gäbe des Weihenden jetzt fehlt), einer aber 4) CIL 13,8662, Bronzetafel, gefunden auf 

war ein vornehmer Römer, der als Beamter den Höhen westlich von Calcar, bei der Stätte 

der nieelerrheiniscben Provinz der Göttin ein des alten Burginatinm (s. Siebourg, Bonn. Jahrb. 



155 Vagitanus Valens 156 

107 S 169f.), jetzt im Museum zu Utrecht: gibt auf Grund einer Nachprüfung im J. 1881 

Al(a)e Nor(icorum) IuUus Quint(us) Vage ■ Vercu an, dafi nach der Nennung der beiden Magistn 

vo(tum) so(lvit) l(aetus) l(ibens) m(erito). - der Gemeinde einstmals noch eine Zeile auf 

Überäie Ala Noricorum s. Cichorius a. a. 0. dem Steine gestanden zu haben scheine. Zur 

g 1S62 iberischen Endung -aegus s. den Art. ltauran- 

51 Po'ppelreuter, Böm.-Germ. Korrbl. S (1910), ceaicus. Die vorhergehenden Bestandteile des 

« 1 mit Abbildung, nebst Erläuterungen von Namens, vago- und besonders donn-, gestatten 

l. Domaszewski ebd. § 2 (daher Dessau, Add., auch Annahme keltxschen Ursprunges s Jlol- 

Bd 8 p.XLII, nr.9000, auch Bev. archeol. 1 15 der, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 84 und 11, bp. 
= 1910 1 p 839 nr. 67). CIL 18 (4), 12057, 10 1805-1307. — M. Monas, Eptgrafia Bomana 

Altar aus Jurakalk, gefunden zu Köln (in der de la ciudad de Astorga. [Keune.] 

Nahe des Neumarkts): Deae Vagdavercusti Ti- Valab- s. Vallab. 

ius Flavius Consta«* praef(ecL) praet(orio) Valens 1) 'star k, kräftig' .^ ^fV^ 
emdnentimmus) v(ir). Unterhalb der Inschrift name des Iuppiter in Inschriften des AAulap- 
ffiCg einer 'feierlichen Opferung nach tempels zu Lambaesis in der afnkanischen 
römischem Ritus; auf jeder der beiden Schmal- Provinz Numidia, CIL 8 2679 mit Suppl. 2, 
selten Bild eines Lorbeerbaumes. Mit einer p. 1743, nr. 18089. Die hauptsächlich Aesculapio 
außerordentlichen Verwendung des Gardeprä- et Saluti geweihte Tempetstätte ><mUta auch 
fekten T. Flavius Constans bei Kämpfen in u. a. linkB (auf der Nordseite) und rechts (Süd- 
Germania inferior in den J. 166-167 erklärt 80 seite) zwei lovi Volenti und Sth-ano geheiligte 
v. Domaszewski a. a. 0. die Weihung der bäte- kleine Rundtempel; die Anlage war vom Kai- 
vischen V., anders Dessau a. a. 0. Aus Poppet- ser Marcus Aurelius und seinem Mitregenten 
reutet wiederholt die Abbildung Esperandieu, L. Verus (seit 161 n Chr.) durch die ^ dritte 
Becueil gen. des bas-reliefs ...dela Gaule vom. Kaiserlegion errichtet nach der auf drei ver- 
8 (1922) p. 345, nr. 6439, ebenso Germania Bo- schiedenen Seiten fortlaufenden Inschrift des 
mono, Mder-Atlas herausg. von der Böm.-Germ. Epistylium CIL 8, 2679 a-c - Uh^A «£ 

Kommission des Deutsch. Archäolog. Instituts Lot. sei. 3841: has aedes (Namen der 

MMsT Taf 52 9 Kaiser) per leg(ionem) III Aug(ustam) fecerunt]. 
( Literatur': P. Joerres, Bonn. Jahrb. 100, Der Statthalter der Numidia in den Jahren 
S. 114/116. M. Siebourg, ebd. 107, S. 162 f. Kern, so 160-162 (Prosopogr.Imp. Bom. 2 S\ 86 1 § 81«. 
VerslLen en MededJhngen der K. Akad. von Groag in Pauly - Wtssou-a , Beal-Encyclopadie 
Wetenlchuppen, Amsterdam, Letterkuncle' 2 6, 2, Sp. 2848 ,f., § 28) hatte sowohl .dem Iuppiter 
(18721 S 844 ff., auch Bevue celtique 2. Siebs, Valens wie dem Silvanus mit Beinamen Pega- 
Ztschr. für deutsche Phüol. 24, S. 46U f. v. Grien- sianus Inschriften in ^» Sonde ^«vd? ■ "» 
berger, Ztschr. f. deutsch. Altert. 85, S. 393 ff. u. J. 162 geweiht (CIL 8, 2o79 d. e = Dessau 8084. 
36 S. 814 f. M. Schönfeld, Wörterbuch der alt- 3689); die erstere lautet: lovi Volenti D.Fon- 
german. Personen- und Völkernamen (1911), Ums Frontinianus , L. St f^.**"»*** 
§ 250. K. Helm, Altgerman. Beligionsgeschichte tus) Augustorfum) pr(o) pr(aetme), co(n)s(ul) 
1 (1918) S. 877 f , § 227. B. Much, Zeitschr. für desig(natus). - Über den genannten Askulap- 
deutsch. 'Altert. 56 (1914), S. 284ff. Fr. Drexel *o tempel s. CIL 8 1, p. SOSff [*W 
Götterverehrung im röm. Germanien, Bericht d. 2, die von de nat. deor.S, 22 § 66 ge- 
Böm.-germ. Kommission D. Arch. Inst. 14 (1922, brauchte lateinische Übersetzung für den grie- 
erschienen 1923), S. 41. - AI. Biese, Das rhein. einsehen Namen des Lapithen Ischys, Sohnes 
Germanien in den antuen Inschriften (1914) des Elatos und mit Apollo Gatte der Koro- 
8 3« I Keune 1 nis . der Mutter des Asklepios, s. o. Bd. 2, 1, 
Vagitanus s.JJ. Peter, o. Bd. 2, 1, Sp. 228. Sp. 359 f. mit Bd. 2, 2, Sp. 1856 nr. 31 (Ischys), 
Vagodonuaegus, wohl iberischer, nicht kel- auch Bd. 1, iSp 616-618 (Asklepios und Bd. 
tischer Name eine örtlichen Gottes im nörd- 2, 1, Sp. 1887 ff. (Koronis) Poulys ^ff^' 
liehen Hispanien , bekannt durch die Inschrift Neue Bearbtg. 2, 2, Sp. 1646. 16ol und Bd. 11 2 
einer Marmortafel, welche mit Gebäuderesten 60 Sp. 1432 f. Cicero a. a. Ü. nennt ihn als Vatei 
(Mosaikfußboden) gefunden wurde beim Dorf eines zweiten Mercurius = Hermes (desBiu- 
la Milla del Rio (comune de Llamas de la Ri- ders eines ebd. % 57 erwähnten zweiten Aescu- 
bera, jurisdiccion de Astorga), nicht weit vom lapius = Ask epios): alter (^ercurtus) Valen- 
Fluß Orbigo [nordöstlich von Astorga (Asturica tis et Corontdis fihusts qm sub terris habetur 
Augusta) una nordwestlich von Liön (Legio), idem Trophonius. 'Als Vater des Trophomos 
CIL 2 Suppl., Tab. I, Cg], und welche jetzt zu wird aber Ischys sonst nicht genannt (bchoe- 
Le6n verwahrt wird,' CIL 2, 2636 (vgl. Suppl. mann zuCic. a a. 0.). Als Bildnis dieses Va- 
ry 911) = Dessau, lnscr. Lat. sei. 4609: Deo Uns hat Boro» de Witte, Le geantlalens (ISoO) 
Vagodonnaego sacrum. Bes publica) Ast(urica) = Beoue numismat. 1849, das Munzbild auf 
Aug(usta) per mag(istros) G(avium) Pacatum so der .Kehrseite eines Denars des L. Valerius 

et Fl(avium) Froculum [. .] ex donis. Asciculus Munzmeister im J. 708,9 Roms = 

CuraTuZio ApoU(inari). Die Tafel war offen- 46/45 v. Chr.) ^^^^«JL«?^"^- 

bar über dem Eingang eines kleinen Tempels bein.gen Gigant mit Blitz darstellt Baft^on, 

angebracht, welchen die Gemeinde Astm-ica Monn. de la Bepubl. vom. 2 p. 520, nr. 21 und 

(Astorga) aus Spenden ihrer Bürger dem von dazu p. 617 t. Dagegen wird der schlangenlei- 

<ler ganzen Landschaft verehrten Gott an seiner bige Gigant auf einem um 135 v- Chr. geschla- 

ihm geheiligten Stätte errichtet hatte. Hübner genen Denar des Cn. Cornelius L f. Sisen(n)a 

setzt die Inschrift ins Ende des 2. Jahrh. und als Typhon gedeutet, Babelon a. a. 0. 1, p. 393 1. 



167 Valentia Valeria 168 

Ebenso hatte Borghesi den Giganten auf dem alljährlich der luno eine Jungfrau geopfert 

Denar des Asciculus benannt, doch kann seine werde. Dieser Sprach wurde befolgt. Eines 

Beziehung auf die Niederlage des Sex. Fom- Jahres traf das Los eine Jungfrau, Valeria Lu- 

peius nicht richtig sein. Zu den Münzen des perca mit Namen. Als diese sich anschickte, 

L. Valerius AsciculuB s. Cavedoni, Bull. d. Inst. sich mit dem Schwerte zu opfern , entriß ihr 

11 (1839), p. 818 ff., bes. 320—822, und Haakh ein heranfliegender Adler das Schwert und legte 

in Pauly, Real-Encyclop. 6, 2 (1862), S. 2360 f., auf den Opferaltar einen kleinen Stab mit daran 

§ 94, wo die verschiedenen Deutungen aufgeführt befestigtem Hammer, das Schwert aber warf er 

werden. — S. 0. Gruppe, Art. Irophonios, ob. auf eine Färse (junge Kuh), die neben dem 

Bd. 5, Sp. 1266/66. Arnobius 4, 14, der Cic. nat. w Tempel weidete. Valeria verstand den Sinn, 

deor. 3, 22, 66 ausgeschrieben, aber gekürzt hat, opferte die Färse und nahm den Hammer an 

nennt den Namen Valens = Ischys nicht (auch sich. Sie ging in ihrer Heimat herum, schlug 

nicht Ampel. 9, 6). [Keune.J sanft mit dem Hammer die Kranken und er- 

Yalentla, in der aus Varro (Antiqu. rer. divin. weckte sie dadurch zum Leben mit den Wor- 

1 frg. 62b Agahd) stammenden Liste von in ten: Sei geBund (vale)!, eine Zeremonie, die 

Rom nicht anerkannten Sondergottheiten ita- seither bräuchlich geblieben sei. 

lischer Städte bei Tertull. apol. 24 als Göttin Mit dieser Legende hat zuerst Ch. Lenor- 

der umbrischen Stadt Ocriculum angeführt, aus mant, Nouvelles Annales publie'es par la section 

der wir auch eine aus dem 3. Jahrb. n. Chr. francaise de V Institut archiol. de Borne, Bd. 2 

stammende inschriftliche Erwähnung ihrer Ver- «o (18.H8), p. 142 ff., die Münzbilder der von L. Va- 

ehrung besitzen, CIL 11, 4082 = Dessau 40u2 lerius Acisculus (Münzmeister im J. 708/9 Born» 

pro Salute itus ac reditus d(omini) n(ostri) sanc- = 46/46 v. Chr.) geschlagenen Geldstücke in 

tissimi finvicjti Augfueti) aediculam con- Zusammenhang bringen und erklären wollen, 

cili deorum dearumque Aurelius Faustus pro- s. Babelon, Monnaies de la BApubligue rom. 2 
t(ector) divini lateris Aug(usti) n(ostri) ex visu (1886), p. 614 ff. Das offenbar mit Bezugnahme 
deae Valentiae s(ua) p(ecunia) f(aciundam) c(u~ auf den Beinamen des ValeriuB gewählte Münz- 
ravit). Eine verlorene Inschrift des benachbar- bild eines kleinen Hammers {acisculus, s. Mau, 
ten Interamna (CIL 11, 4246, vgl. Buecheler, Real- Encyclopädie der Altertumswissenschaft, 
Carm. ep. 1826) ist so schlecht gelesen und so Neue Bearbeitung, Bd. 1, 1, Sp. 260/261) deutet 
stark interpoliert, daß die Überlieferung einer 90 er als jenen von einem Adler der Valeria über- 
Abschrift Z. 9 Valentiae sancte ohne Gewähr ist. brachten Hammer und bringt den Namen Aci- 
Über das Wesen der Göttin wissen wir nicht sculus zusammen mit 'Axfatos (Heilspender). 
mehr, als ihr Name besagt (vgl. die römische Auch stelle der auf mehreren jener Münzen 
Pollentia, Liv. 39,7, 8), mit dem angeblichen (Babelon nr. 14 — 16) vorhandene Kopf die Va- 
uralten Stadtnamen Roms Valentia (Solin. 1, 1. leria Luperca dar [nach anderer Annahme die 
Serv. Aen. 1,278), der nur eine Rückübersetzung luno von Falerii; ein ähnlicher iCopf auf Müo- 
von griech. prä(i7] ist (vgl. Corp. gloss. lat. 2, 429, zen des T. Carisius (Münzmeister im J. 706 
14 valentia pm|«i rj lvvay.it), hat sie nichts zu tun. Roms = 48 v. Chr.), Babelon a. a. 0. 1, p. 316, 
Mommsens Einfall (Eph. epigr. 2, 1877, p. 86), nr. 10, wird dagegen als Sibylla gedeutet, s. 
in den Fasti Allifani zum 12. August V(eneri) to Babelon 1, p. 818 Ende], und ebenso sei die 
V(ictrici), H(onori) V(irtuti), V [alentiae] , Fe- auf einer Färse reitende Frau anderer Münzen 
licitaßi] in theatro Pompei zu ergänzen, ist mit des Aciscnlus (Babelon nr. 16—17) die Valeria 
Recht von ihm selbst (CIL 1' p. 824) zurück- (nicht Europa auf Stier, wie die gewöhnliche 
genommen worden; bezeugt doch Tertullian Deutung ist). Auch die in der früher gewöhn- 
a. a. 0. ausdrücklich, daß Valentia in Rom liehen Lesung bei Plin. nat. hist. 10 (8, 1), 6 ge- 
nicht verehrt wurde. [Wissowa.] nannte lateinische Bezeichnung valeria für eine 

Valentins (Stark, Ableitung von Valens), Be- von den Griechen ptXavuezds benannte Adler- 
nennung des Silvanus in der stadtrömischen, art ist mit jener Sage und einem Münzbild des 
an der Via Labicana gefundenen Weihinschrift Acisculus (Babelon nr. 18) in Zusammenhang 
CIL 6, 698 (Dessau, Inscr.Lat. sei. 3669): Va- io gebracht worden. Doch bieten die Hss. des 
lentio Siloano, von einem A. Plutius Athenaeus, Plinius nicht (aquila) melanaetos a Graecis 
offenbar einem Freigelassenen griechisch-orien- dieta eademque valeria, sondern eadetn in va- 
talischer Abkunft. — Silvanus ist wesensver- leria, was Detlef sen als Glossem (Valeria, Na- 
wandt mit Hercules und, gleich diesem, Schutz- me einer spätrömischen Provinz an der Donan) 
gott der Steinbrecher und Steinbrüche, s. R. eingeklammert hat. 

Peter o. Bd. 1,2, Sp 2960 ff., Bd. 4, Sp. 844 f., und Den angeführten, an sich schon fraglichen 

Keune in Paulys Real-Encycl. d Alt., Neue Deutungen wird aber vollständig der Boden 

Bearbtg., Bd. 2 A, 1, Sp. 287. — Annahme einer entzogen, wenn die mit Schriften des Plutarch 

männlichen Gottheit Valentius neben der weib- überlieferten Parallela minora 'eine plumpe 

liehen Valentia von Ocriculum (Bormann, CIL «o Fälschung' sind (Christ, Gesch. d. griech. Litt.* 

11, 2, p. 596. Wissoica, Selig, u. Kult. d. Rom.' S. 650, nach Hercher), denn der von dieser Schrift 

S. 60, 2) ist wohl ausgeschlossen. [Keune.] als Gewährsmann genannte Aristeides scheint 

Valeria. 1) Die in die sog. Moralia des zu den 'erlogenen Zitaten' zu gehören, 'mit 
Plutarchos eingereihte unechte Schrift Parallela welchen der Verfasser um sich wirft' (s. auch 
(min.) 86 erzählt unter Berufung auf ein Werk W. Schmid , Real - Encyclop. d. Alt., Neue Be- 
amte Aristeides (Italika) folgendes : Als in Fa- arbtg., Bd. 2, 1, Sp. 886, 30 ff., Aristeides nr. 28. 
lerii eine Seuche wütete, verkündete ein Orakel- — Rohde, Gr. Roman, 1876, S. 41, 8 bemerkt 
Spruch das Aufhören des Schrecknisses, wenn allerdings, daß 'alle Zitate dieser Schrift kei- 



159 Valeriana Valetudo 160 

neswegs erschwindelt' seien). Vgl. auch Cave- und 6112, ausgegraben bei Fossombrone = 
doni, Bull. d. Inst. 1845, p 188 ff. (Ann. d. Inst. Forum Semprouii: [1 Bonae Vajletudini [sa- 
li [1839 1, p. 320 f.) und H'iakh in Pauly, Real- c]rum, (Namen eines Freigelassenen, welcher) 

Encyclop. d. Altert., Bd. 6, 2 (1852). S. 2351 f. .... gratuit(o) d(ecreto) d(ecurionum) de- 

2) Schwester des P. Valerius Poplicola, Ter- dit. — CIL 3, 727» (Suppl 1, p. 1813)= Des- 
anlaßte nach der Legende den Zug der Frauen, sau 3832, gefunden zu Athen am Südhang 
durch den Marcius Coriolanus im J. 266 Roms der Akropolis, in den Resten des Asklepieion: 
= 488 v. Chr zur Umkehr bewogen wurde (vorauf geht eine griechische Inschrift) || L. 
(Dionys. Halte. 8, 39 f. Plularch Vit. parall. 16, Außdius Bassus M . . Maior Aesculapio et 
83). An der Stelle, wo Coriolanus umkehrte, 10 Valetudmfi] . — Zwei Inschriften der afrikani- 
wurde ein Heiligtum der Fortuna muliebris ge- sohen Provinz Mauretania Caesariensis : CIL 8, 
weiht, deren erste Priesterin Valeria war (Dionys. 96i0 (Dessau 3831), gefunden zu Miliana = 
8,55,4. Preller- Jordan, Rom. Mythol.', Bd. 2, Manliana : Bonae Valetudini sacrum, ex responso 
S. 184. JB. Peter o. Bd. 1, 2, Sp. 1519 f. Otto, Herculs L. Pese(ennius) Honoratus sac(erdos) 
Real-Encyel. d. Alt, Nette Bearbtg , Bd. 7, 1, e«'i«8 dfonum) d(edü) d. [so!], (erg. anno) p(ro- 
Sp. 20 f. Wissowa, Bei. u. Kult. d. Rom.' S. 258). vinciae) CCXXII = J. n. Chr. 261 und CIL 8, 
8) TochLer des Poplicola, spielt in der 20747 (Suppl. 8, p. 1961), zwei Bruchstücke, aus- 
sage neben Cloelia eine Rolle in dem Kriege gegraben im Gebiet von Auzia (jetzt Aumale): 
Roms gegen Poraena (Plutarch, De mulier. vir- Deae [Bonae VJaletudini sanc(tae) L. Cassßus 
tut. 14 und Vit. parall. 8, 18,2—19, 3. 5; vgl. so Best(it)u]tus ex dec(urione) vet(eranus) fl(amen) 
H. Peter, Die Quellen Plutarchs in den Biogr. p(er)p(etuus) eo[l(oniae) et Glo]d[i]a Luciosa 
der Römer S. 49 f. Plin. nat. hist. 84, 28. 29. eins (vgl. CIL», 9062) templ[um cum ornajmen- 
Münzer, Real-Encycl. d. Alt., Neue Bearbtg., tis sua peeunia fece[runt dedicajveruntque et 
Bd 4, 1, Sp 110). [Keune.l reip(ublicae) do[no dederjunt (anno) pr(ovin- 

Valerimia, Beiname der Diana in einer stadt- ciae) CLXXXXVI, d. i. im J. 285 n. Chr. [Lage 

römischen Weihinschrift, CIL 6, 135 = Deisau, der Fundorte: CIL 8, 2, Tab. III, BCh und Cl. 

Inscr. Lat. sei. 8254: P. Valerius Bassus prae- Andree, Handatlas'' 180/181, 1 1 und TU 8'J. — 

fectus fabruin et Caecilia Progne Diana* Va- Nord-Dalmatien, Zelengrad, Jahresheße Oster- 

lerianae d(ono) d(ederunt). Der Beiname ist reich. Archäol. Inst. 12 (1909), Beiblatt, Sp. 34 f. 

offenbar abgeleitet vom Geschlechtsnamen des so (daher Revue archeol* 16 == 1910, 2, p. 358, nr. 

Mannes Valerius, vgl. Fortuna Tulliana u. a. 81) mit Abb., Altärchen: Val(etudini)Sta(bili?) 

(s. den Art. Tulliuna). Die Weihung deB Ehe- sac(rum), von einer Lurnio Cal. gestiftet \Bor- 

paares scheint der Diana als Geburtsgöttin zu mann hat ergänzt Sta(tae), vgl. Höfer 0. Bd. 4, 

gelten. Vgl. auch die mit Grabschriften von Sp. 1422J; zwischen der Inschrift ungeschickte 

Frauen verbundenen Weihungen der Diana, Darstellung einer Frau. — Badeort bei Tüffer 

Dessau 8064—8066. [Keune ] in Süd-Steiermark, jetzt 'Römerbad' genannt, 

Valetudo, Göttin der Gesundheit, lateinische im Gebiet von Celeia = Cilli (Noricum), wo 
Benennung der griechischen Hygieia (in latei- auch drei Nymphis Aug(ustis) geweihte In- 
nischen Inschriften der Kaiserzeit Hygia ge- Schriften gefunden sind, CIL 3, 6149, Inschrift 
nannt, vgl. Mirtial. 11, 60, 6), deren Verehrung m der Geaimsleiste eines Altars: Valetud(ini) , die 
mit der des Asklepios-Aesculapius von Epidau- Hauptfläche des Altars hat keine Inschrift, 
ros seit dem 3. Jahrh. v. Chr. in Rom und La- welche aber, aufgemalt, verlöscht sein könnte 
tium eingeführt war, gleichbedeutend mit der (Lage des Fundortes: CIL 3, Tab. VIII, Sonder- 
älteren Salus, deren Name ursprünglich eine kärtchen Gxy. Andree 1 77/78, D 3 u. 79/80, B 5). 
allgemeinere Bedeutung hatte. — Zwei Bronzetäfelchen in Gallia Transpadana, 
Die ältesten Belege für Verehrung der V. zu Pavia (eines zu S. Genesio bei Pavia = Ti- 
sind zwei Inschriften aus dem Land der Marsi cinum in einer Wasserleitung gefunden), CIL 
in MHtelitalien, bei Castelluccio (casale di 5, 6414: tu oder tu(m) plac(a) Iovem, Mine[rJ- 
Lecce), von welchen die jüngere die Weihung vam, Valetudinem und 6415: pia Esculapiu(m), 
eines sonst unbekannten Vicus beurkundet, und 60 Bonam Valetudinem, Martern; vgl. dazu Momm- 
Geldstücke des Münzmeisters Manius Acilius sen, CIL 5, 2, p. 709. 

Glabrio vom J. 700 der Stadt Rom = 54 v. Chr. Von Schriftstellern nennt V. nur Martian. 

CIL 9,3812 (Dessau, Inscr. Lat. sei. 3830) = Cap 1,55: venu ex altera (parte) Fortuna et 

CIL 1 ! , 2, 1, p. 408, nr. 390, 'litteris vetustissi- Valitudo Vgl. Heinr. Nissen, Das Tem- 

mis': V. Vetius Sa. f(ilius) Valetudne (= Vale- plum (1869\ S. 182 ff. — Bin Heiligtum der V. 

tudini) d(onum) d(at) l(ibens) m(erito). CIL 9, auf dem Capitolmm hat Jordan, Topogr. d. St. 

3813 (Dessau 3829) = CIL 1", 2, 1, p 408, nr. Born 1, 2, S. 46 mit Unrecht aus Petron. 88 ge- 

391, 'litteris vetustis': Aninus vecus (— vicus) folgert. 

Valetudne donum dant. E. Babelon, Monn. de Die Gleichwertigkeit von Valetudo = Hy- 
la Bepubl. Rom. 1, p 106, nr. 8 mit Abb., Vor- so gi(ei)a — Salus ergibt sich aus ihrer Verbin- 
derseite: Kopf der Salus mit Beischrift Sa- düng mit Aesculapius, die für V. einmal (CIL 
lutis und Rückseite: Bild der Hygieia mit Bei- 3,7279, s. o), häufig für Hygia, seltener für 
schrift Valetu(dinis) zwischen der Angabe des Sato belegt ist (Thesaur. Ling.Lat. 1, Sp. 1081). 
Münzmeisters M'. Acilius Illvir, vgl. p. 106. Wenn V. durch Zusatz von Bona und Sta(bi- 
100/101 (Plin. nat. hist. 29, 12). lis'l) oder Sta(tal) gekennzeichnet wird, so er- 
Außerdem sind bekannt folgende Weihun- klärt sich dies aus der Zweideutigkeit des 
gen: CIL 11, 5059, Bevagna = Mevania, Bruch- Wortes valetudo, die (wenigstens seit Cicero 
stück: .... Valetudini .... | ... . magister . . . . , und Caesar) auch eine mala, incommoda, ad- 



16 t Vallabneihiae ? Vanisne(n)si(um), Genius — 162 

versa, aegra, infirma sein kann (vgl. Bonus -neihiabus, -neidbus s. Ihm, Bonn. Jahrb. 88, 

Eventus). S. 31 — 34. Der Name ist wohl nicht keltisch 

Vereinzelt ist Weihung 'der guten Gesund- (». Grienberger, Eranos Vindob. 189a, S. 264. 
heit' einer (wohl hochgestellten) Privatperson Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 93), sondern 
durch zwei Männer, gewiß vormalige Soldaten germanisch. Vgl. M. Schönfeld, Wörterbuch der 
der Lagerbesatzung, in Carnuntum (Pannonia altgerman. Personen- und Völkernamen (1911), 
superior), aus Anlaß ihrer Ehrung durch die S. 253, auch Förstemann-Jellinghaus, Altdeutsch. 
Gemeindewürde der Ädilität, Bormann, Der Namenbuch 2,2» (1916), Sp. 1216. [Fehlerhafte 
röm. Limes in Österreich 5 (1904), S. 127 bis 129 oder ungenaue Lesungen sind: VaUamuch-, 
(daher Revue archeol. 1 5 = 1905, 1, p. 498, nr. 10 Vallamnatr-, Vallamaenilihiabus]. Gleich den 
286): Bonae Valetudin(i) A. Iuli Sevefri) Sali. ähnlich gebildeten Beinamen kennzeichnet er 
<J[pt]atus et Ulp. Sen[e]cio ob honor(em) aedfij- die Muttergöttinnen nach einer Landschaft oder 
liftjaßis] d(onnm) d(ant) im Jahr 178 n. Chr. Bauerschaft oder Dorfschaft oder einem Grund- 
Der Altar mit dieser Weihinschrift ist an sei- stück (Pagus, Vicus, Praedium, Fundus) des 
nem ursprünglichen Standort gefunden zusam- Ubierlandes. Vgl. auch Siebourg. Bonn. Jahrb. 
men mit einer Weihung an den Genius einer 105, S. 87 f. — Von den Namen der Weihenden 
Centuria vom J. 188 n. Chr. und einer Weihung sind nicht lateinischen Ursprungs Acconius 
an Ifuppiter) Ofptimux) M(aximus) Tavianus, (keltisch: Holder 1, Sp. 16. 3lf. und 3, Sp. 480/ 
dessen Beiname hergeleitet ist von Beiner Tem- 481. 496/497), Genetus oder Genetius, Lclla (auch 
pelstätte Tavia oder Tavium in Galatien (vgl. 20 CIL 13,7899). [Keune.] 
Strab. 12,6,2 = C, p. 567 und zwei in Dacia Vallairineneihiae = Vallabneihiae, s. d., mit 
gefundene Inschriften, CIL 3,860 und 1U88. Verwandlung des Lippenlautes b in m (vgl. 
Dessau 4082). Bormann hält den A. Iulius Se- scamnum neben scabellum, Samnium neben 8a- 
verus für einen Verwandten der aus galatischem bini, somnus neben sopor, amnegaverit: Des- 
Königsgeschlecht stammenden Iulii Severi, der sau, Inscr. IM. sei., nr. 8156) und Einschal- 
vielleicht als Comes der Kaiser M. Aurelius tung eines Selbstlautes zwischen zwei Mitlau- 
und Commodus mit diesen im J. 178, bei Er- ten, wie auch sonst nicht selten. [Keune.] 
neuerung des Krieges gegen die Markomannen, Vallamnatrlae s. Vallabneihiae. 
an die Donau gekommen sei (zustimmend: Vallamucliiae s Vallabneihiae. 
Paulys Real-Encyclop., Neue Bearbtg., Bd. 10, 30 V(a)llogon sac,Jlf atres -, beruhen auf schlech- 
1, Sp. 822). Der Wortlaut der Weihung ist nur ter Lesung der Weihinschrift des Ma(rs) TW- 
andere Ausdrucksweise für die häufigen Wei- tullus (s. o.) bei /. de Wal, De Moedergodinnen 
hungen pro salute (insbesondere des Kaiser- (1846), p 133 f., nr 168. [Keune.] 
hauses). Vallonta s. R. Peter, 0. Bd. 2, 1, Sp. 228. 

Literatur: Thraemer 0. Bd. 1, 2, Sp. 2786. Tannmian . . ., örtliche Benennung der Mut- 

Wissowa 0. Bd. 4, Sp. 300, auch Relig. u. Kult. tergöttinnen , ohne Zusatz von Matronae oder 

d. Köm.' S. 308, Anm. 10. /. A. Htld in Darem- Matres, nur bezeugt durch die rechts und 
berg-Saglio, Dictionn. des antiq., Fase. 49 (1914) unten verstümmelte Weihinschrift eines Altars, 
= 5, 1 (Halbband 9), p. 625 f., auch 4, 2 (Halb- gefunden zu Thorr im Kreis Bergheim (Rgbz. 
bd. 8), p. 1058. L. Deubner, Personifikationen, 40 Köln) beim Abbruch der alten Kirche im J. 1905, 
■0. Bd. 3,2, Sp. 21u8. 2163. [Keune.] C/il3(4), 12069. Lehner, Die antik. Steindenkm. 

Vallabnelbine (auch mit nur einem l ge- des Provinzialmus. in Bonn (1918), nr. 847: 

schrieben) oder Vallamaenelhiae, örtlicher, Udrovarßnehis et] Vanamianfehis (es folgen 

wohl germanisch -ubischer Beiname der Ma- zwei verstümmelte Namen von Stiftern). Der 

tronae (Ihm, 0. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) in drei wohl ubisch- germanische Beiname ist vereint 

Weihinschriften, welche zu Köln, Unter Fetten- mit einem anderen, s. den Art. Udravarinehae. 

hennen, dem Dom gegenüber (Klinkenberg, Das [Keune.] 

römische Köln = Giemen, Kunstdenkm. d. Rhein- ? Vanauntes oder ? Vaiianns, unsicherer Na- 

provinz 6, S. 228/229) mit vielen anderen Ma- me eines provinzialen Gottes in einer Weihin- 

tronendenkmälern gefunden sind, .jetzt im Mu- 5J schritt vom Hadrianswall in Britannien, 'at Wal- 

seum zu Köln, CIL 13, 8226—8228 (= Dessau, ton house' [Bruce, The Toman Wall' S. 276 ff.), 

Inscr. Lat. sei. 4808—4810 mit Add. Bd. 3, in der Nähe (nordöstl.) von Castlesteada oder 

p. CLXXXIV). Carabeckfort, CIL 7, 8S8: N(umim) Aug(usti), 

CIL 8226: Matronis Vallalmeihiabus (mit Deo Vanaunti(?) Aurel(ius) armiger dec(urio) 

verschlungenem VA und El) L. Acconius Can- princ(eps). Abbildung des Altars bei Bruce, 

didus pro se et suis ex im[p(erio)] ips(arum) Wall 3 S. 283. Zweifelhaft ist, ob der Gott ein 

e. s. I. Am. 7; 8227: Matronis Valabneiabus (mit örtlich-britannischer war oder ein bchutzgeist 

, , vT™ /-, t, • ■ ■ ■ a der Heimat des Stifters aus dem Lande der 

verschlungenem NE) Q. Pr—is Appms « e Qh „ ^ JB dßr „^ p e . 

* l m. (auf der rechten Seitenflache ist ein - • . Pauly-Wissowa, Real- 

Baum abgebildet); 8228: [? Matronxs]Valla- Encydop £ d l 4< u Sp . Ui ) Holder, Altcelt. 

maeneihiabus (mit verschlungenem MAE; frü- Sprachschatz 3, Sp. 98. [Keune.] 

here Lesung des größerenteils verstümmelten Vanisne(n)sl(nni), Genius — , Schutzgeist 

Namens: Vallamneihiabus , Brambach, CIRh. der Bewohner einer sonst nicht bekannten Ort- 

838, auch Ihm, Bonn. Jahrb. 107, S. 288, au- liebkeit an der Grenze der Provinzen Maureta- 

derB Ihm ebd. 88, S. 146, nr. 278) Iulia Geneti niae Caesariensis und SitifenBis, verehrt in der 

ftüia) Lella ex imperio (auf beiden Schmal- Inschrift eines Cippus der römischen Ruinen 

Seiten sind Bäume dargestellt). — Zur Endung von Hassnaüa (14 km nordöstlich von Bordj- 

Bosohbr, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. VI. 



163 Vanth Variccala 164 

bou-Arer!dj [CIL 8, 2, Tab. III, Cn. Andree, num alicubi sub trib(us) stemmatis eiusdem aeta- 
Eandatlas 180/181, VW 8], CJX 8, 20627 (Supp?. tis virorum' (es waren jedenfalls weibliche, 
3 p. 1948) — Dessau, Inscr. Lat. sei. 4490: nicht mannliche Bildnisse): In h(onorem) d(o- 
nundina annu(a) quod praecepit Iovis et Iuba mus) d(ivinae) dis dtab(us)qlue) omnib(us), Ma- 
tt Genius Vanitnesi, quod pr(a)eceperunt dii tribus Vapthiabus et Genio loci suerum, G. Tau- 
Ingirozogleiim. — Iovis ist die alter- und volks- ricius Verus b(ene)f(iciariut) co(n)s(uhs) pro 
tüniliche Benennung des Iuppiter. Über die se et suis v(otum) s(olvit) l(tbens) m(ertto), po- 
Verehrung von nordafrikanischen Königen (Iuba suit et dedi(cavit). Die Weihinschnlt stammt 
u. a.) durch die Landesbewohner s. Kenne in (wegen der Einleitungsformel) aus der Zeit nach 
PaulyWissowa- Kroll, Beal-Encyelop. , Suppl- 10 J. 150 n. Chr. und hat zum Urheber einen Bene- 
Bd 8 Sp 1802 f. 866. 1149 f. — Zur Abkürzung ficiarius, der an eine der Heer- und Poststraßen 
Vani'sne(n)si. vgl. z. B. CIL 8,17625: stat. Va- am Rhein für den Cursus publicus komman- 
laivi. — stationis Vazaivitanae. [Keune.] diert war. — Der Beiname der MuttergöttmneD 

Vanth (van#) igt der Name einer Unterwelts- Vap\thiubus ist gewiß (auch infolge der ub- 

göttin, die auf dem clusinischen Marmorsarge liehen Ligaturen) irrig gelesen, doch darf nicht 

der Titi Afunei dargestellt ist. Derselbe ist etwa Vatuiabus geändert werden {Ihm, Bonn. 

veröffentlicht von Inghirami Storia della Tose. Jahrb. 88, S. 19; s. den Art. Vatuiae). Zur fcn- 

tav XXIX ; von Micali Stör. tav. LX; von Fa- dnng -abus s. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 32—34. 

bretti, CII nr. 564 und von Corssen 1, 381 ff. Vgl. noch M. Schönfeld, Wörterbuch d. allgerm. 
Taf XII Die van* steht neben der Tür zur 20 Personen- u. Völkernamen (1911), S. 257. Bi- 

Unterwelt uud hat den Schlüssel zu derselben. churd M. Meyer, Altgtrman. Beligionegcschichte 

Durch die geöffnete Tür tritt soeben eine an- (1910), S. 402 und K. Helm, Altgerman. Beh- 

dere Unterweltsgöttin, die eulsu, in ähnlicher gionsgeschichte 1 (1913), S. 407/408, wo Much, 

Bekleidung wie die van», in Chiton nnd Stie- Ztschr. f. deutsch. Altert. 35, S. 318 angetührt 

fein, eine Fackel über der rechten Schulter ist. [Keune.] 

und eine Schere in der Linken. Damit ist der Varcilenae oder Yarcilens(es), Nymphae —, 

Charakter beider Göttinnen als Unterweltsgott- örtliche Benennung von Qnellgöttinnen in Hi- 

heiten hinlänglich sichergestellt. Vgl. Herbig, spania Tarraconensis, in der Inschrift eine« Al- 

Etr. Lwdr. 12—19 u. Mittig. der Schles. Ges. f. tares, der als Pfeiler eines Weihwasserbeckens 
Volksk. 23, § 24 f. Was den Namen van» an- so diente in der Kirche zu Arganda ('lugar que 

langt, so iBt derselbe, wie ähnliche Bildungen, estä quatro leguas de Alcalä de Henares') \CIL 

z. B. lein», snena», natürlich etruskisch, doch 2, Suppl. , Tab. I, Jl, südöstlich von Madrid], 

fehlt es für seine etymologische Erkläruug an CIL 2, 3067 : L. I(ulius) Bufinus Nymphis Var- 

jeglichem Anhalt. [Pauli.] cilenßjs v(otum) l(ibens) s(olvit). Die Uberlie- 

Es wäre zu fragen, ob man den Namen ferung des Beinamens V. iut geteilt, da meh- 

nicht mit den lykischen Formen vanaä, vanal: rere Quellen VARCILERIS bieten, ein Gewährs- 

'Grab' verbinden darf. Derselbe Wortstamm mann aber VARCILENS; er könnte daher Var- 

scheint in der Form vanalasial der Lemnos- cilenis oder, mit lateinischem Suffix, Varcilen- 

inschrift vorzuliegen. Vgl. auch etr. vanva s(%bus) gelautet haben. Holder, Altcelt. Sprach- 
Lwdr. 10, p. 8. Sachlich und lautlich scheinen 40 schätz 3, Sp. 106 führt den Namen als keltisch 

keine Bedenken zu bestehen, da von der Be- auf (vgl. ebd. 1, Sp. 1440: -eno-, -ena). Weibin- 

deutung 'Grab' zu dem Namen einer Todes- schriften der 'Nymphae' ohne oder mit ört- 

göttin sich semasiologisch gut eine Brücke lichem Beinamen sind besonders häufig in Hi- 

schlagen läßt. [Fiesel.] Spanien und auch im südlichen Gallien (,s. CIL 

1 Vantit, zweifelhafter Name einer Gottheit 2, Suppl. p. 1129. Holder 2, Sp. 809 ff. Bloch, 

in Noricum in einer Weihinschrift, gefunden o. Bd. 3, 1, Sp. 646 ff.). [Kenne.] 
zu Traianiberg, d. i. Trojana bei St. Oswald Variccula, vermutlich punischer Name einer 

— Atrans, zwischen Celeia-Cilli (in Noiicum) örtlichen oder Landesgöttin inThabraca (jetzt: 

und Emona- Laibach (in Pannonia superior) Tabarka) an der nord afrikanischen Küste, an 
[CIL 8, Suppl. 2, Tab. VIII, NOu], CIL 8, 11671 60 der Grenze des alten Numidien, d. i. des König- 

(— 6118), jetzt im Museum zu Laibach: Vantit. reiches des Masinissa [CIL 8, 2, Tab. II, Bi. 

Beg(alius) Megalis, lulia Aquilin(a) ex vot(o). Andree, Handatlas'' 180/181, M 1 u. Z 7/8], CIL 

Pococke hatte die erste Zeile gelesen: FVANTNT, 8, 17330 (Suppl. 1, p. 1646) — Defsau, Inscr. 

doch ist CIL 8, Suppl. 1, p. 1828, nr. 11671 als Lat sei. 4458: [.....] Plut. Variccalae Aug. 

richtige Lesung VANTIT oder /VANTIT fest- f. ijus Adventus sacerdos temfplum aj solo 

gestellt. Die Ergänzung der Ortsgottheit Atrans, suis sumptib(us) fecit et dedic(avtt). — J. lou- 

also Atranti (Dativ), wie in CIL 3, 5117 (vgl. tain {Melanges d'arch. et d'hist. 11 [1891], p. 81) 

CIL 3, 2, p. 627. Holder 1, Sp 268 u. 3, Sp. 728), ergänzt: [Ueo] Plut(oni) Variccalae Auy(usto) 

ist daher ausgeschlossen; Mommsen, Ephem. und faßt F., welches er aus dem Pumschen 
Epiqr 2 p. 440, nr. 965 hatte luuantib(us) ge- 60 = frugifer deutet, als Beiname des Pluto. Doch 

lesen. — Holder, Altcelt. Sprachschatz 8, Sp. 100. Jo. Schmidt, CIL 8, 17380 »chlägt vor: [Iovi], 

[Keune.] Plut(oni), Variccalae Aug(uslis) und fußt V. — 

Wapthlae, zweifelhafter örtlicher Beiname Ceres, welche Göttin öfter in afrikanischen In- 
der Matres (Bim, o. Bd. 2, 2, Sp. 2464 ff.) am schriften mit Pluto verbunden erscheint (CIL 
Rhein (wohl Niederrhein) in einer Weihinschrift, 8, 8442. 9020 f. 16698, vgl. 16498), ebenso wie 
welche nur erhalten iBt durch Gruter 90, 10 Iuppiter. — Unsicher ist, ob zwischen templum 
(daher Brambach, CIBhen. 1998. Ihm, Bonn. und a solo noch etwas gestanden hat. 
Jahrb. 83, p. 186, nr. 196. CIL 18, 8841), 'ad Bhe- [Kenne.] 



165 Varneno oder Varnenus Vassocales oder Vassocaletis 166 

Varneno oder Yarnenn», wohl örtlicher Gott und 3, Sp. 798), der auch in Zusammensetzung 
im Gebiet der germanischen Sunuci (nach CIL sich findet. Holder 8, Sp. 116 führt V. als kel- 
der ULii), nur bekannt durch die zuerst von tischen Mannesnamen auf. Die Endung -ecus 
AI. Miese, Das rhetn. Germanien in den antiken weist auf iberischen Ursprung, s. den Artikel 
Inschriften (1914), nr. 2802 und 8641, veröffent- Tiauranceaicus. Abbildung bieten nach den Fa- 
uchten Weihungen auf zwei Bronzetafelchen pieren des Portugiesen Canaes die Proceedings 
(Tabellae votivae) des Bonner Museums, welche of the Soc. of Antiquaries of London (Ser. 1), 
mit einem [nach Fr. Dreocel, Bericht der Rom.- Bd. 2, 1849/53, p. 46. [Keune.] 
germ. Kommission D. Arch. Inst. 14 (1922, er- Vasio, wohl keltischer Name einer als Gott- 
schienen 19-8), S. 8U, Anm. 1x0] noch nicht ver- 10 heit verehrten Quelle, jetzt Ouveze geheißen, 
oft entlich ten , der gei manischen ^unucsal oder Quelle des gleichnamigen Flusses, nach welchem 
Sunuxal (s. Ilm o. Bd. 4, Sp. 1602 f. Keune in die anliegende Stadt Vasio (jetzt Vaison) in 
Pavlys Rtal-Encycl., Neue Btarbtg., u. d.W.) Gallia Narbonensis benannt ist, ebenso wie 
geweihten Bronzetäfelchen gefunden sind in z. B. A'emausus (Nimes) nach einer gleichnami- 
einer Tempelstätte bei Cornelimünster, südöst- gen Quelle (s. o. Bd. 8,1, Sp. 114—115). Die 
lichvonAachenfvgl.i'V. Cramer, Rom.- germ. Stu- Gottheit V. ist bekannt durch vier Weihinschrif- 
dien (1914), S. 1(6. 174; H. Rtiners in C'lemen, ten von Vaison und Umgegend [Andree, Hand- 
KunstdenkmälerderRhiinprovinz, Bd.9,2(1912), atlas'' 98/94, DE 1], welche alle verschollen 
8. 406f. = (Landkr. Aachen) S.40f.; Fr. Cramer sind, CIL 12,1801 und 1886—1388. Davon ist 
in der Kifel/estsclirift 1913, S. 233; Jos. Bogen, so eine, 1801 •= Dessau, Inscr. Dat. sei. 4841, aus 
Römerbraten dir Lheinprovmz, 1923. S. 146.] Vaison, seit J. 1717/1781 überliefert : Marti et 
Vgl. Korrbl. Germania 8 (1924), 2, S. 76— 78. Vasioni Tacitus. Die übrigen aber sind nur 
l)DeoVarntnoni M .FvcissiusStctinddus,sex- durch die handschriftliche Sammlung des Sua- 
Vtralis Augusiorum C(oloniaej C(laudiae) A(rae) resius in der Vaticana (Ms. 9141) bekannt {J. 
A(grippinensium) votum sohit, also geweiht M. de Svaris oder Suarez, geb. zu Avignon 1699, 
von einem gewesenen Kölner Sevir Augustalis. f zu Bom 1677, war Bischof von Vaison 1688 
— 2) G(tnio) Varneni C. P. S., wo die Kamen bis 1666, s. Eirschfeld, CIL 12, p. 162f), nämlich 
des ttifters, wie häufig, durch die Anfangs- 1886, Vaison, Bruchstück: Va*ion(i) usw., Wei- 
bucbstalen nur angedeutet sind. Zur Weihung hung eines Freigelassenen, Eirschfeld ergänzt 
an den Genius eines Gottes s. o. Bd. 6, Sp. 982, so zu Anfang: [Marti et] Vasion(i)- 1837, 'in po- 
40 ff. CIL 18, 6426. 6464. 6487 u. ö. dio Guignonis iGuigonis) Vationensis dioecesis' 
Der Gott heißt also in der einen Inschrift = Piegon, Dorf zwischen Vaison und Njons 
Varneno, in der anderen Varnenus, wie über- \CIL 12, Tab. II, Ce]: VLAV | VASIONI | R1VII, 
haupt in gallischen Namen die Endungen -o Bruchstück, wo in 1. 1 Suaresius hat herstellen 
und -us nebeneinander gebräuchlich sind, s. wollen: Dulovio, also den Namen deB Gottes 
O. Hohn, CIL 13, 3, 1, p. 119. Col.il Ob dieser der Weihinscbriften von Vasio CIL 12, J279f. 
Name aber keltisch ist (zum Suffix -eno- s. 1338, 'Merindolii' = Dorf Me'rindol zwischen 
Eolder, AUcelt. Sprachschatz 1, Sp. 1440) oder Vaison und Le Buis [CIL 12, Tab. 11, Ce]: Va- 
geiuianischen Ursprungs, wage ich nicht zu siort(i) \ essius (Bruchstück). — Die Verbindung 
entscheiden. Die alte, weite Tempelanlage mit 40 mit dem in Gallien als Sammelname für Göt- 
anliegendem Dorf lag über dem heutigen Cor- ter der Heilung und des Segens beliebten Mars 
nelimünster 'auf beherrs< hender Hochfläche, in CIL 12, 1301 empfiehlt in F. eine weibliche 
nahe der älteren Ortskiiche' (Cramer a a. 0. Gottheit zu sehen, vgl. z. B. Tempelstätte bei 
S. 26, vgl. auch S. 116). Über die Ergebnisse Trier 1. M., dreimal: (Ltno) Marti et Ancamnae. 
der Grabungen s. Rtiners a. a. 0. — In Var- Eolder, Alteelt. Sprachschatz 8, Sp. 118. — 
■neni der zweiten Intcbrift Genetiv eines Orts- Über die Stadt Vasio s. Eirschfeld, CIL 12, 
namens Varnenum zu sehen, ist irrig, wenn- p. 160ff. Fsperandieu. Recueit 1, p. 212ff. und 
gleich V. örtliche Benennung (vielleicht einer Eolder 3, Sp. 116—118. — Marer (s. zu Uro), 
Quelle) sein wird. [Keune.] S. 18, auch S. 27, 1. 87. [Keune.] 

Yasetus, vermutlicher Name eines örtlichen 60 Vassocales oder Yassocalells, keltischer Bei- 
Gottes in Lusitania in der Inschrift eines sehr name des Mercvrius in einer Weihinschrift aus 
kleinen Altärchens (hoch etwa 26 cm) mit fluch- Bitburg = Beda im Gebiet der Treveri, CIL 
tiger. spätzeitlicher Schrift, gefunden im J. 1825 18,4130 = Dessau, Inscr. Lot. sei. 4604: [IJn 
bei Soure ('na quinta da Magdalena usw.': Ca- h(onorem) dComus) [d(tvinae)] Deo Mercurfio] 
naes) in Portugal (südwestlich von Coirobra, Vassocalcti Mondaloniufs] Grotus d(ono) [d(e- 
s. CIL 2, Suppl ., Tab. 1, Jb. Andree, Handatlas 1 dit)]. Die EinleitungBformel beweist, daß die 
121/122, B4), jetzt in Lisboa (Lissabon), CIL Inschrift in die Zeit nach J. 150 n. Chr. fällt. 
2,868 mit Supjl. p. 818: B(ene) mer(iio) Ya- Wie durch den Beinamen, so wird auch durch 
seco M arinianus animo libefnjs pnno ; mer(enti) den Zusatz von dtus die Gottheit als eine pro- 
ma(xime). Die Lesung BMEE | VASECO | usw. so vinziale, dem römischen Mercurius (Caes bell. 
ist siel er und deshalb eine Änderung D(eo) Gall. 6, 17, 1) angeglichene gekennzeichnet. Zu 
Mer(curio) Vaseco ausgeschlossen. Allerdings den halb keltischen, halb lateinischen Namen 
ist die Deutung nicht sicher. Steuding, o. Bd. des Stifters s. Lothr. Jahrb. 9 (1897), S. 184 f. u. a. 
1, 1, Sp. 788, hat als Namen des Gottes Bmer- Derselbe Name F. liegt zweifellos vor bei Gre- 
vasegus aufgenommen, aber bemerkt, daß B gor. Turon. hist. Franc. 1,32 (Mon. Germ. Script. 
vielleicht Abkürzung sei für den Namen einer rer. Meroving. 1, 1, p. 49 f.): (Chrocus Alaman- 
hispanischen Gottheit Bamdua (o. Bd. 1, 1, Sp. norumrex) reniens Arrernus (= Arvernos, d.h. 
749/750. Holder, AUcelt. Sprachschatz 1, Sp. 840 nach Clermont-en-Auvergne) delubrum illud, 



167 Vassus Vataranehae 168 

quod Gallica lingua Vasso Galate (Var.: Gala- Galeti = CIL 13, 4130, wie auch bei Gregor, 
tae, Galla'e) vocant, incenäit, dintit atque aub- Turon., hist. Franc. 1, 32, doch sind die beiden 
vertu (folgt Beschreibung des aus Stein erbau- Bestandteile zu einem Namen zu verbinden, 
ten, mit Blei bedachten, innen mit Marmor s. den Art. Vassocales. [Keune.] 
und Mosaiken geschmückten Prachttempels, Vataranehae, latinisiert Veteranehae, Vete- 
dessen Reste Gregor zweifellos selbst gesehen rahenae, örtlicher, wohl ubisjh-germanischer 
hatte). Gemeint scheint das Landesheiligtum des Beiname der Matronae (Ihm, o. Bd. 2, 2,8p. 
Mercurius Dumias auf dem Gipfel des Puy de 2464 ff.), bekannt durch zwölf Weihinschriften 
Dome, weshalb auch H. de Villefosse, Revue auf Altären, welche von zwei benachbarten 
ipigr. 6, Heft 108 (1903), p. 9 f. (mit Tat'. 1) und 10 Fundstellen, westlich von Zälpich im angren- 
Heft 112 (190t), p. 78 die auf drei in den Resten »enden Kreis Düren, bei Embken und Wollen- 
des Tempels gefundenen Tongefäßen eingeritz- heim (Baedeker, Rheinlande' 1 , Karte zu S. 231. 
ten Inschriften, CIL 13 (3,2), nr. 10017, 95Sa— c: Clemen, Kunstdenkm. der Rheinprovine 9 , 1 = 
GVKRF gedeutet hat: G(enio) V(asso)- Kreis Düren, S. 127. 350, mit Karte S. 859), 
K(aleti) r(egis) f(elici!<). Vgl. auch Giesebrecht, stammen, wo sie, vielfach gespalten, mit an- 
Geschichtschr. der deutsch. Vorzeit 1 , S. 367 f. deren Steintafeln zur Zusammenstellung von 
Auch in zwei Weihinschriften des ebenfalls fränkischen Grabstätten benützt waren. Sie 
einem gallischen 'Mercurius' vornehmlich ge- waren zu den nicht weit voneinander entfernten 
heiligten Borgen Donon im Gebiet der Medio- Gräbern gewiß aus dem nämlichen Matronen- 
matriker (CIL 13, 1, 2, p. 690 f. Esperandieu, so heiligtum herangeholt. Neun Denksteine sind 
Ricueil 6, p. 39 ff. Pöhlmann, Korrbl. Germania gefunden 1840 'auf Embkener Markung, aber 
2 [1918], S. 89 ff), CIL 13, 4550 und 4552 hat an ihrer äußersten Westgrenze, in nächster 
Mowat, Reo. archeol., nouo. ser. 29 (1875, 1), p. 31 Nähe der Burg Gödersheiin, der Gmde. Wollers- 
bis 36 herstellen wollen: Mercurio Vassicaleli heim.' (Clem<n\ L.Lersch, Bore». •Toftro. 12(1848), 
(s. d. Art. Secate in der Neubearbtg. von Paulgs S. 42—53 mit Taf. Ulf. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, 
Real-Encyclopädie, Bd. 2 A, 1, Sp. 971). S. 139 f., nr. 235-243. CIL 18,7903—7911. Leh- 
Der Name ist keltisch, s. Holder, Altcelt. ner, Die ant. Steindenkm. des Procinzialmus. in 
Sprachsch. 3, Sp. 122, auch 1, Sp. 697 und 3, Bonn (1918), nr. 515—523, nebst einer Weihin- 
Sp. 1047; er setzt sich zusammen aus vasso-s, schrift der DeaSunucsall (=» Sunuxal), CIL 13, 
d.i. Diener (Holder 3, Sp. 122— 121, andere Ab- so 7912 = Lehner nr. 246 und einem Altar mit lu- 
leitungen Sp. 119 tf.), und calet- (Htlier 1, Sp. schriftresten CIL 7913 = Lehner nr. 560 [in der 
696 ff., Sp. 698: cal-eto- = hart; 3, Sp. 1046 f.). Nähe der 'Göde(r)sheimer Burg' sind auch bedeu- 
D'Arbois de Jubiinnille hat den Namen ge- tende römische Gebäudereste festgestellt]; drei 
deutet als 'Diener (vassos) des Caletos oder Ca- Denksteine sind 1857 gefunden am 'Pützberg', 
letios' oder als 'Diener cales (hart?)', Stokes westlich von Wollersheim, A. Eick, Bonn Jahrb. 
dagegen = vasson (gen. plur. von vanos = *fa- 25 (1857), S. 162 f. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 139, 
srdj) und "calete = templum. nr. 232— 234. CIL 13,7821— 7823(7822 = Lehner 

Über die Tempelanlage des gallischen Mer- nr. 524). Zwei Inschriften sind verschollen, CIL 
curius der Arverni (Plin. nat. hist. 34, 45) auf 13,7821. 7823, alle anderen befinden sich jetzt 
dem Puy de Dame und die Ergebnisse neuerer 40 im Bonner Provin^ialmuseum (Lehner a. a. 0.1. 
Grabungen s. Hirschfeld, CIL 13,l,l,p. 194, In drei Inschriften lautet oder lautete die 
Col. I, wo in Anm. (8; Schriften von P. P. Ma- Weihung: (Matronis) Vataranehabus , CIL 13, 
thieu (1876) und A. Tillion (1876) angeführt 7903—7905 = Lehner nr. 519—521, in allen 
sind, mit Nachtr., Adl., 4, p. 19 , sowie Audol- anderen aber in Angleichung an das latei- 
lent in Academie des Inscr. et Beiles- Ltttres, nische Wort (vetus) veter-: CJtatronis) Vetera- 
Comptes-rendus 1902, p. 299 ff. 471 ff. 1906, nehis (6 mal) oder -nehabus (lmal, CIL 13, 
p. 393 ff., in Revue des c'tudes ane. 8 (1906), 7906), oder noch mehr latinisiert Veterahenis 
p. 341f. und in Melange* G. Kurth (angeführt (CIL 13,7823. 7911; vgl. bes. ahenits [= a(h)e- 
in Reone des etules anc. 10 [1908], p. 268) u. a. neu*], Thes. ling. Lat. 1, Sp. 1444). Über diese 
Die auf der Höhe und am Fuß des Berges ge- 60 verschiedenen Endungen auch in zahlreichen 
fandeneu insehriftlichen Denkmäler hat gesam- anderen Beinamen der Muttergöttinnen s. Ihm, 
melt Hirschfdd, CIL Vi, 1517—1528 u. 11164 Bonn. Jahrb. 83, S. 30— 34. Übrigens ist Matro- 
(Add. CIL 13, 4, p. 20); CIL 13, 1523 (Dessau nis dreimal fortgelassen (CIL 13,7905. 7910f. 
4600) ist geweiht: Deo Mercuri(o) Duni'ati. — L'hner nr. 520. 518. 523), einmal ist abge- 
Mit beachtenswerten Gründen unterscheidet kürzt M (CIL 13, 7U07 = Lehner nr 522). Die 
Aiiiollent die Teinpelstätte des Mercurius Du- Namen der Stifter machen den Kindruck, daß 
mias auf dem Puy de Domo und einen in Cler- es Leute (fast alles Männer) aus der ländlichen 
mont selbst gelegenen, von Gregor beschriebe- Umgegend waren, einige mit teilweise unrömi- 
nen Prachttempel des V. — Vgl. noch Fr. Dre- sehen (keltischen?) Namen, wie in CIL 13, 
xel, Bericht ihr R'im.-germ. Korn nission D. Arch. 60 7904. 7910. 7911 (auch 7912), die meisten je- 
Inst. 11 (1922, erschienen 1923), S. 32. Über doch lateinisch-römisch benannt. Die Weihe- 
'die kelt. Epitheta des Merkur auf den In- formein entsprechen denen der sonstigen Mütter- 
schriften' handelt E Win lisch, Das kelt. Brit- inschriften. Ebenso der Bilderschmuck der Al- 
tannien . . . , S. 88 — 89. [Keuue.] täre: Darstellung der drei Matronen in üblicher 

Vassus, Vassos wurde früher als besonde- Tracht, siUend, mit Körben auf dem Schoß 

rer Göttername gefaßt in der Inschrift von (Lehner nr. 516 — CIL 13, 7908; vgl. Esperan- 

Beda — Bitburg (ttgbj. Trier), Brambach, CI dieu, Recueil qcneral des bas- relieft ■ ■ . de la 

Rhen. 835 (daher 0. Bd. 2, 2. Sp. 28281'.): Vasst Gaule com. 8 [1922 J,p. 291f., nr. 6350), drei Me- 



169 Vaticauus Vazaivi 170 

daillons mit den Brustbildern der Göttinnen welcher auch durch Aflims neben Afliabus und 
und auf den Schmalseiten OpferdarBtellungen Saitchamims oder Saitchamimt [s] neben Sait- 
(Lehner nr. 622 mit Abb. Skulpturen 1, Tat'. (c)hawia [b(us)] belegt ist, s. Ihm, Bonn. Juhib. 
XXXVII, 4 = CIL 13, 7907 — Esperandieu, 83, S. 34— 36. Much, Ztuchr. f. deutsch. AHert. 
Becueil 8, p. 294, nr. 6365), ferner, meist auf den 31, S. 365 und 35, S. 816 f. Christ, Bonn. Jahrb. 
Schmalseiten, Füllhörner mit Feld- und Baum- 86, S. lfiöff. Siebourg, ebd. 106, S. 95. M. Schö'n- 
frücbteD, Vase mit Früchten, dreibeiniges Tisch- feld, W örterbuch der allgerman. Fers.- u. Völker- 
chen mit Korb, Bäume. Blattschmuck, Früchte. namen 1, S. 3. K. Helm, Altgerman. Beligions- 
Deutung (Ihm, Bonn. Jahrb. 88, S. 26,26. gesch. 1, S. 399/401. Diese germanische Flexion 
Weitere Literatur s. M. Schonfeld, Wörterbuch 10 spricht für germanischen Ursprung des Na- 
der altgerman. Personen- u.Völkernamen S. 259). mens, wenn sie diesen auch nicht ganz ein- 
Mit Castro Vettra und mit den Veterani hat wandfrei macht. Denn in lateinischen Inschrif- 
derName nichts zu schaffen, er ist nur meist ten findet sich z. B. die griechische Genetiv- 
in der Schreibung an veter- angeglichen (s. o.), endung aes (= -»]s) nicht bloß an griechische 
wie übrigens auch der Käme des Legionslagers Namen angehängt, sondern auch an lateinische, 
Vetera bei Xanten als wahrscheinliche Umdeu- und ebenso z. B. die keltische Endung -u auch 
tung eines einheimischen Ortsnamens erkannt bei lateinischen Namen (Frontu u. a.), doch 
ist (F. Cramer, Bhein. Ortsnamen, S. 127— 132). sind letztere 'maccaronische' Bildungen Aus- 
Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 124 und 263 nahmen; vgl. Kenne, Westd. Ztschr., Ergän- 
(Liefg. 17 u. 18) hat V. aufgenommen; doch ist so zungsheft 10(1901), S. SO. Daher ist denn auch 
der Name eher germanischen Ursprungs. Frei- germanische Herkunft für V. wohl allgemein 
lieh die Deutung von Kern, Versl. en Med. d. K. angenommen, s. Schonfeld a. a. O. (1911), S. 'J59. 
Akad. ran Wetensch., Lttterk.' 2 (1872), S. 823ff. Beim a. a. 0. (1U18), S 401 : 'Die Vatviae können 
= hospitales ist abzulehnen, da Ableitung von die Matronen eines Bezirkes an einem Gewässer 
einem Ortsnamen, Namen eines Pagus, Fundus sein', unter Verweisung auf Kauf/mann, Der 
u. dgl. vorliegen muß. [Keune.] Motronenlultus in Germamen, Ztschr. des Ver- 
Vadeanus s. B. Peter, o. Bd. 2, 1, Sp. 185, 26 ff. eins f. Volkskunde, Berlin, 2 (1892), S. 44, der 
Vntin., keltischer Beiname der Matres im die Matronae V. Nersihenae in CIL 13, 7883 
Gebiet der Lingones in der Inschrift einer zu als M. des Wasserlandes am Flusse NierB deu- 
Langres im J. IV 46 gefundenen 'Stela liiteris so ten wollte (das Quellgebiet der in nördlicher 
non bonis' des dortigen Museums, CIL 18. 5673: Eich tung zur Maas fließenden Neers oder Niere 
.... et Majtrabtts) Vatin(iisl) Magninüs pro liegt noch im 'Jülicher Land', an dessen Nord- 
Lupercllä (so statt Lupercula) fif(ia) v(otum) grenzen); Tgl. auch Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 22 
s(olvit) l(ibens) m(erito). Der wohl örtliche Bei- und o. Bd. 8, 1 , Sp. 273. Bichard M. Meyer, 
name scheint gelautet zu haben: Vatiniae (oder Altgerman. Btligionsgeschichte (1910) S. 402. Zur 
Vatinae), nicht aber Vaiineae — Vatinthae, wie Veibindung von zwei örtlichen Beinamen der 
Bolder, Altcelt. Sprachschats 3, Sp. 125. Zum Muttergottbeiten s. Ihm, Bonn.Jahrb 83, S. 71. 
Dativ Matrdbus = Matribus s. M. Siebourg, Lehner, Stetndenkm. Bonn (1918), S. 149 zu nr. 
Wistd. Zttchr. 7 (1888), S. 116, 1 und Bonner 326. Die Namen der Stifter der Weihdenkmäler 
Jahrb. 105, S. 86 gegen M. Ihm, Bonn. Jahrb. 40 der V., wohl alles umwohnende Landleute, er- 
83 (1887), S. 8—10 und o. Bd. 2, 2, Sp. 2466. geben nichts für die Frage germanischer Ab- 

[Keune] leitung von V., denn diese Personennamen sind 

Vatulae oder Vatviae, wohl germanischer provinzial-lateinisch,dazumeistgewöhnlich,und 

Beiname der Matronae (Ihm ,o. Bd. 2, 2, Sp. ob Super (CIL 13,8510) — übius ist (P.Joer- 

2464 ff.) in der Gegend von Jülich, belegt durch res, Bonn. Jahrb. 100, S. 114 ff.), ist sehr frag- 

6 Weihinschrii'ten. Als Fundorte sind bezeugt lieb, s. A. Biese, Korrbl. Westd. Ztschr. 24 (1905), 

(vgl. Karte zu Baedeker, Bheinlande' 1 S. 270): § 26. — CIL 13, 7892 und 7893 sind abgebil- 

ein Hügel bei Rödingen (nordöstlich von Jü- det bei Ksperandieu , Becueil generul des 6ns- 

lich), CIL 13, 7891—7893, gefunden zusammen reliefs ...de lu Gaule rom. 8 (1922). p. 292, nr. 

mit 7885—7890, alle im Museum zu Mannheim so 6351 und 6352. [Keune.] 

(Giemen, Kunstdenkm. d. Bheinpinv. 8, 1 — = Kreis Vazalri ( Vazaiui), einheimischer Name einer 

Jülich S. 200), und der in der Richtung gegen örtlichkeit der römischen Provinz Numidia, 

Jülich nächstgelegene Ort Güsten, CIL 13, wo ein militärischer Posten mit. wechselnder 

7884 (verschollen), ferner der noch im Jülicher Besatzung war, statio Vazaivituna , heute 'A'in 

Lande (ehemal. Herzogtum Jülich) gelegene Ort (== Quelle) Zu'i von den Lanoesbewohnern ge- 

Lipp bei Bedburg (an der Eisenbahnstrecke heißen; s. B. Cagnat, L'arme'e rom. d'Afrique 

Düren-Neuß), CIL 18, 8510, an der Kirche von usw. (1892), p. 58o f. Jo.Schmidt-B.Dessau,CIL 

Lipp vermauert (Clemen, Kstdlcm. d. Bheinprov. 8, Suppl 2 (1894), p. 1671. Kiepert, CIL 8, 2, 

4, 3 = Kreis Bergheim S. 116), schließlich: ge- Tab. 11, Fef, wo noch die frühere, irrige Benen- 
funden 'im Jülicher Land', CIL 13, 7883, jetzt 60 nung Vazanis eingetragen ist. Hier sind meh- 
im Museum zu Köln [Ihm, Bonn. Jahrb. 83, rere Inschriften gefunden, welche nebst ande- 

5. 149, nr. 297—299. S. 160, nr. 303. S. 147 f., ren Gottheiten dem Schutzgeist der Statio Va- 
nr. 291. S. 162, nr. 314; vgl. S. 26. 52J. Die Wei- zaivitana von Soldaten geweiht sind oder eine 
hung lautet viermal Matronis Vatuiabus (CIL andere Fassung haben, in welcher Mars und 
18, 7884. 7891. 7898 und, mit zugefügtem zwei- Mercurius als die Schutzgeister der Bewohner 
tem Beinamen Nersihenis, 7888), dagegen zwei- vonV. benannt werden, CILS,Suppl.'i,p.l6Tlf., 
mal Matronis Vatuims (7892. 8510). Letztere nr. 17623—17626. 
Bildung ist ein germanischer Dativus Pluralis, CIL 8, 17625 (Dessau, Inscr. Lat. sei. 



171 Veator Vegoia 172 

Gradivo Patri, Genio stat(ionis) Vazaiui(tanae) Vediantiae, Beiname der Matronae (Ihm, 

et Diis conservatoribus, Weihung eines cor(ni- o. Bd. 2, 2, Sp 2461 ff.) a's Beschützerinnen des 

cuter»««; prae[f(ccti)] legfionis) III Aug(ustae) ; (keltischen oder vielmehr ligarischen) Stammes 

Gradivus pater (auch Verg. Aen. 3, 35) = Mars. der Vediantii in den Alpes Maritimae mit dem 

— 1762« (= 10718, nach Masqueray, Reo. Afr. Hanptort Cemenelum =- Cimella oder Cimiez 

22) : fl(ooi)] O(plimo) M(aximo), [MJarti Vic- bei Nizza [CIL 5, 2, Tab. II und 12, Tab. I, Mkl. 

[torij, DiifsJ i[u]enntibus [Gejnioque stationis Kiepert, Form. orb. ant. X.tlll, Gcd und XXV, 

Vaza[iu]itanae (überl.: Vtzanitanae), Weihung Lno. Mummten, CIL 5, 2, p. 916. Ihm, Bonn. 

eines [b(ene)f iciarius)] leg(ionis) III Au[g(u- Jahrb. 88, S. 16. Andree Handatlas'' 9S/94, Son- 
stae) exjpleta [sjtatione prfoj motus nd [lc(en- 10 derkärtchen], bekannt durch mehrere Weihin- 

turionatum)] leg(ionis) II Italicae; diis iuvan- Schriften jener liegend, Holder, Altcelt. Sprach- 

tibus ist auch 07X8,17619 geweiht; zu ex- schätz 3, Sp. 136. 

pleta statione vgl. ebd. und Cagnat a a. 0. 1) CIL 5, 7872, 'Turretis dioecesis Nicaeen- 

p. 581, 5. — 17623 (= 10716, nach Masqueray sis', 'ä la Tnurette dans la propriete" de . .. .oü 

a a. 0.) und 17624, zwei Weihungen (ergänzt): ü sert d'auge' (181?), 'au pied de la colline de 

Geniis Marti Victori Mercurio Vazaiuitanorum ToureUe' [gemeint ist Torretta, nördlich von 

fautoribus sacrum (17623 ist überl.: Vazan-), Niz/.a — Cimella |Cimiez)|, Weihnng eines Ce- 

es folgen die Namen der Stifter, 17623 eines menelensis, eines aus Cemenelum (s. o.) stam- 

b(ene)fßciarius) co(n)s(ulis), 17624 ist am Ende menden gehobenen Soldaten der Legio XXII 
unvollständig erhalten. (Keune.) 80 Primigenia Pia Fidelis (Westd. Ztschr. 22 [l'JOSJ, 

Veator (Mercwim), s. Viator. S. 171, nr. 242h Matronis Vediantiabus usw. 

Vecn(vecu) ist der etruskische Zuname einer (Ihm, Bonn. Jahrb. §3, S. 113, nr. 27. Djssau, 
Lasa auf einem Spiegel unbekannter Herkunft. Inscr. Lat. sei. 4823). — 2) CIL 5, 7873, in 
Derselbe ist veröffentlicht von Gori, Mus. etr. einem Hause, bevor man kommt zu den 'piani 
1, tab. LXXXV1 (vgl. 1, tab. XXVIII, II 200 ff.); di Revel (Plan de Reveli verso Torretas', Wei- 
Passeri, Lett. Rone. 7, 455; Mus. Kirch. 1,59, hung eines Soldaten der Legio XIM Gemina 
tab. XIV, nr. 1; Lanzi 2, 203 = 161, tab. X, Martia Victrix: [Numini oder Numinibus Ma- 
in. 6 ; Inghirami, Monum. etr. tom. II ( = vol. IV), tronarum] Vediantiarum usw. ( Ihm, Bonn. Jahrb. 
tav. LXXI und Storia della Toscana tav. XL, 83, S. 113 f., nr. 28). — 8) Pais, Additam. ad 
nr. 4; Gerhard, Gottheiten der Eirunker Taf V, so CIL 5, nr. 104-j, Cimiez: [Deubjus oder viel- 
nr. 5 und Etr. Spiegel 3, 22, Taf. XXXVII und mehr [Matronabjus VediafntiabusJ (Matrona- 
Fabretti, CII nr. 2484. Die Darstellung enthält bus auch in zwei Weihinschriften der Gallia 
zwei Personen, links die sitzende Minerva Transpadana, zwischen Cremona und ßriiia, 
(menrva) mit Helm und Lanze, rechts, vor ihr CIL 5,4137. 4159). [Keune.] 
stehend, die lasa vecu, geflügelt, wie stets die Vüdlovis s. Veiovis. 
Lasen, und der Minerva einen Zweig reichend. Vedius s. Veiovis. 

Gerhards Deutung der laaa vecu als Sieges- Vegnius, einheimischer, wohl keltischer Name 

göttin aus lat. Vica, Sabin. Vacuna verstößt ein;s örtlichen SchutzgeUtes im Lande der Tre- 

gegen die etruskischen Lautgesetze und wird verer, dem Mars als Beiname gegeben, wel- 
dadurch unmöglich. Dagegen hat Alibrandi 40 chem in Gallien überhaupt einheimische Seh itz- 

vermutet, daß der Name gleich Vegoia, Ve- und Heilgötter angeglichen sind (so in der 

gonia und Begoä sei, und damit vermutlich CivitasTreverorum: Lnus,Intarabus,Smirtrius, 

die richtige Deutung getroffen. Vgl. auch ebenso der auch Mercurius benannte Landes- 

Wissowa, RE. 8,1,194 unter Begoe; Deecke, gort loxantucarits), CIL 13,4049, Tafel ('Ta- 

Etr. Forsch. 4, 43 und 88. Man würde aber, bula ansata') aus Bronze im Museum zu Luxem- 

nach den Regeln der etr Femininbildung eine bürg, gefunden zu Dalheim (an der römischen 

Form vecui, bzw. vecu(n)ia erwarten. In dem etr. Straße Trier — Metz auf der linken Moselseite) : 

Gentilnamen vecui liegt auch tatsächlich die Marti Vegnio Adiutor Sollt f(ilius) v(otum) 

feminine Form vor, die der lateinischen Vegoia s(olvit) l(ibens) m(erito). Hdder, Altcelt. Sprach- 
lautlich genau entspricht, vgl. W. Schulze, 50 schätz 3, Sp. 137. Zu den Namen des Stifters 

ZGLE. 250; Herbig, Mittig. d. schles. Gesellseh. (dessen Vater noch keltisch benannt war, wäh- 

f. Volksk. 28, § 21. Nach Pauli bietet der Bei- rend er selbst schon einen lateinischen Namen 

name Vecu der lasa dieselbe unerklärte Er- führte) s. Lothr. Jahrb. 9 (1897), S. 182. 15 

scheinung auf u endigender Feminina, wie sie (1903), S. 483. 16 (19'i4), S. 338. [Keune.] 

vereinzelte mitteletruskische Gentilnamen zei- Vegoia. Im Palatinus der lateinischen Agri- 

gen; vgl. Fiesel, Forsch, z. griech. u. lat. Gramm. mensoren fol. 118' (daraus im Gudianus fol. 161, 

7, 104. Herbig dagegen hält eben wegen dieser vgl. C. Thulin, Die Handschriften des Corpus 

Endung , die im allgemeinen nur maskulinen agrimensorum Romanorum, Abhandl. Akad. Ber- 

Gentilicien eignet, die Verbindung der lasa vecu lin 1911, S. 53 f. 58 ff.) steht die Überschrift ea; 
mit der oben genannten italisch ■ etruskischen so libris Magonis et Vegoiae über einem Stücke 

Gruppe für zweifelhaft. Es muß aber m. E. der allgemeinen Limitationslehre, das von Grenz- 

hier damit gerechnet werden, daß die etr. lasa zeichen, Brücken, Wasserleitungen und Fluß- 

nach Art der etr. dei involuti auf kein be- regelungen handelt (1,348, 16— 350, 16 Lachm.), 

stimmte* Geschlecht beschränkt ist; so trägt dann folgt erst der Abschnitt, auf den sich 

auf einem Spiegel ein Jüngling die Bezeich- offenbar das Vegoiae der Oberschrift bezieht, 

nung lasa sitmica, Gerhard, Etr. Sp. Taf. 115, mit neuer Überschrift idem Vegoiae Arrunti 

vgl. auch Thulin, Religiomgesch. Vers. u. Vor- Veltumno (Fal. fol. 120 r = Gud. fol. 158) eine 

arb. 3,46; Fiesel a. a. Ö. 8 f. [ Pauli-Fiesel.] in prophetischem Tone gehaltene Verkündigung 



173 Veica Noriceia Veiovis 174 

über die Heiligkeit der Grenzen und die dem P. Kandier ihm zur Verfügung gestellten hand- 
Grenzfrevler drohenden Strafen unter Hervor- schriftlichen Aufzeichnungen über Inschriften 
hebung des Juppiter als des Herrschers über von Istrien (CIL 6, 1, p. 2) ohne genauere Orts- 
die terra Aetruriae und Hinweis auf die Zeit angäbe vorgefunden hat, CIL 6, 717 = 1, 1466 
prope novissimi octavi saeculi (1, 350, 17—851, — 1«, 2, 1 (1918), p. 694, nr. 2217 (fehlerhaft, s. 
11 Lachm), über den Inhalt vgl. M. W. v. Goethe, Corrig. p. 714), auch Dessau, Inscr. Lat. sei. 4889 : 
De fragmento Vegoiae cuius sit momenti in trac- Veicae Noriceiae A. Poblicius D(eeimil) l(i- 
tandis antiquitatibus iuris Bomani, Stuttgartiae bertus) A[. . . .], P. Postumius PI. (— Pubh li- 
tt Tubinqae 1845. C. Thulin, Die etruskische bertus) Pau. (?) coir. (= curaverunt). — Holder, 
Disäplin 8 (Göteborg 1909) S. 52f.; das achte io Altcett. Sprachschatz 8, Sp. 138, auch 2, Sp. 762. 
saeculum der etruskischen Zahlung schloß nach Der Beiname Noriceia scheint vom Namen einer 
Plutarch Sulla 7 (s. dazu Thulin a. a. 0. 8 örtlichkeit (oder einer Familie?) abgeleitet. 
S. 66) im J. 666 u. c. = 88 v. Chr. ab. Wie [Keune.] 
hier mit dem etruskischen Propheten Arruns, Veilannug s. Vellaunus nr. 2. 
als dessen Lehrerin sie vielleicht galt (Thulin Tetnalla s. Vinaliä. 

a a 0. 1 S 7 f. ergänzt in der Inschrift des Teiorls, in älterer Form Vediovis {CIL 14, 

M. Tarquitius Priscus CIL 11, 8370 = Dessau 2387 = Dessau 2988. Varro de 1. 1. 5, 74 [über- 

2924 [sacra, quibus placare njumina Aru(n)s liefert Vedio Iovi]. Fest. p. 879. Gell. 5, 12, 1) 

a mfagistra edoctus erat] usw. und versteht und Vedius (Corp. gloss. lat. Vidius [Vedius 
unter der magistra Vegoia), so wird sie bei so Buecheler] XnoXXmv vo>toe. Martian. Cap. 2, 

Ammian. Marc. 17, 10, 2 mit dem Gründer der 142. 166. Mythogr. Vat. 8,6,1), altrömischer 

etruskischen Religion Tages zusammengestellt: Gott, dem naoh dem Zeugnisse der Fasti Ve- 

ut in Tiigeticis libris legitur <t>«J eingeschoben nusini unter den Festen der ältesten Ordnung 

von Preller und Haupt} Vegoicis fulmine mox das Agonium am 21. Mai galt, das zwischen 

tangendos adeo hebetari, ut nee tonitrum nee den Totenfesten der Lemuria (9. 11. 13. Mai) 

matores aliquos possint audire fragores; da sich und Carnaria (1. Juni) liegt (CIL 1* p. 818). 

dieses Bruchstück auf die Blitzlehre bezieht, Der Name, der den Römern selber rätselhaft 

hat Salmasius mit Recht mit dieser Vegoia erschien (Cic. de nat. deor. 3 , 62) , stellt seinen 

die von Serv. Aen. 6, 72 erwähnte Begoe nym- Träger durch die Bildung mit der Vorsilbe ve- 
pha, quae artem scripserat fulguriatorum (so so in Gegensatz zum Himmelsgotte Juppiter, GeU. 

Thulin a. a. 0. 1 S. 4; überliefert fulguritarum) 6,12, 8 cum Iovem igitur et Diovem a iuvando 

apud Tuscos identifiziert, deren Buch angeb- nommassent, eum contra deum, qui non iuvandi 

lieh zusammen mit den Orakeln der Sibylle potestatem, sed vim nocendi haberet — nam deos 

und der Marcii im palatinischen Apollotempel quosdam tit prodessent celebrabant, quosdam ut 

aufbewahrt wurde Der Name Vegoe begegnet ne obment placabant —, Vediovem appellaverunt 

auch in einer Grabschrift aus Ostia CIL 14, dempta atque detraeta iuvandi facultate, er wird 

1738 d(is) m(anibus) Vegoe infanti dulcissi- daher von den Späteren gewöhnlich mit Dis 

mae Yitalis maier, er entspricht etruskischem pater (Mart. Cap. 2,166, vgl. 142) oder Orcus 

vecui (vielleicht durch faliskische Vermittlung, (Mythogr. Vat. 8, 6, 1 Vedius id est malus deus 
vgl Thulin, Born. Mitteil. 22, 1907, S. 262 f.). 40 et Veiovis id est malus Iovis, sed et Orcus ap- 

Mit der Begoe des Servius hat 0. MüUer (Müller- pellatur) gleichgesetzt und mit Dis pater und 

Deecke, Etrusker 2, 80 A. 46) die Stelle des den di manes in der jüngeren Fassung der De- 

Fulgentius serm. ant. 4 p. 112, 11 Helm: Labeo, votionsformel bei Macr. S. 3, 9, 10 verbunden. 

qui diseiplinas Etruscas Tagetis et Bacitidis Als einem zu den Unterirdischen gehörigen 

quindeeim voluminibus explanavit, ita ait: Gotte ist ihm die Ziege heilig, die ihm als 

'fibrae iecoris sandaracei coloris dum fuerint, Totenopfer dargebracht wird: immolaturque 

manales tunc verrere opus est petras' zusam- ritu hutnano capra, Gell. 6,12,12, vgl. mit 

mengebracht, aber, wenn es sich hier auch Paul. p. 108 humanuni sacrifeium tdieebant, quod 

nicht, wie früher meist angenommen wurde mortui causa fiebat. Da die Ziege auch ein 
(auch oben Bd. 2, S. 2039), um ein Schwindel- 50 bevorzugtes Opfertier des griechischen Apollo 

zitat handelt (vgl. Thulin, Etrusk. Diszipl. 2 ist (Wissowa, Belig. u. Kultus d. Bömer' S. 296, 

S. 43 f.), so ist doch die Überlieferung des 2 ; über die Ziege neben Apollo auf Bildwerken 

Namens bacitidis (Varianten bacchiridis, bacur- vgl. Stephani, Compterendu 1869, S. 100 ff.) und 

tidis, baaetidis u. a.) von Begoe oder Vegoia dieser auch als Todesgott verehrt wurde, wählte 

so weit entfernt, daß es sich kaum um dieselbe man zur Darstellung des Veiovis den Typus 

Person handeln kann. Eine klare Vorstellung eines jugendlichen Apollo (man deutete dazu 

von der unter dem Namen der Vegoia gehen- den Namen als 'kleiner d. h. jugendlicher' Jup- 

den Literatur vermögen wir heutzutage ebenso piter, Ovid. fast. 3,487. 448. Fest. p. 879) mit 

wenig zu gewinnen, wie seiner Zeit 0. Müller, Pfeilen (Gell. 5, 12, 11) und einer Ziege zur 
der von einem 'Haruspex Vegone' redet (Müller- 60 Seite (Ovid. fast. 8 , 443. GeU. 6 , 12 , 12). Ein 

Deecke, Etrusker 2, 298 f. 312); wenn Thulin solches Bild aus Zypressenholz stand nach Pli- 

(a. a. 0. 1 S. 8) in den Texten der Agramer nius n. h. 16,216 seit dem J. 560 u. c. = 194 

Mumienbinden Bruchstücke aus ihren Büchern v. Chr. in arce, oder richtiger mter arcem et 

erkennen möchte, so entbehrt diese Vermutung Capitolium (Gell. 5, 12, 2) oder mter duos lucos 

der sicheren Grundlage. [Wissowa.] (Vitruv. 4, 8, 4. fort. Prarn. z. 7. März, CIL 1« 

Veica Noriceia, Göttin in Istrien, genannt p. 811; lucos... ante duos Ovid. fast. 8,480), in 

in einer Weihinschrift aus der Zeit der romi- der Einsattelung zwischen Burg und Capitol 

sehen Republik, welche Mommsen in den von an der Stelle des angeblichen romulisohen Asyls 



175 Veiovis Velins 17» 

(quem locum deus Lucoreus [d. h. 'Ait6lXav Av- pella und der Bronzeleber von Piacenza, Be- 
xagsvs], sicut Piso ait, curare dicitur, Serv. Aen. ligionsgesch. Vers. u. Vorarb. 8, 1 S. 29 f.) sehr 
2,761), wo dereine der beiden uns bekannten unsicher ist, zumal für die Verehrung einer 
römischen Tempel des Gottes gelegen war. Er dem Veiovis entsprechenden Gottheit in Etru- 
feierte seinen Stiftungstag am 7. März (Ovid. rien jedes Zeugnis fehlt. (Wissowa ] 
fast. 3,429 ff. fast. Praen. a. a. 0.) und war im Tel^ans. Diesen etruskischen Namen des 
J. 662 u. c. = 192 v. Chr. gestiftet worden; Schmiedegottes Vulcanus glaubte man aus einer 
Livius, der darüber 86,41,8 berichtet, hat frei- Abkürzung Telj; ergänzen zu dürfen auf der 
lieh aus aedes Vediovis in Capitolio irrtümlich 11. Region der konvexen Seite der Leber von 
aedes duo Iovis in Capitolio gemacht und die- 10 Piacenza. Deecke, Etr. Forsch. 4, 63 u. a. m. 
sen angeblichen Doppeltempel wieder mit dem Aber nach Kartei eingehender Revision ist 
zwei Jahre vorher 560 = 194 von L. Furius nicht velj;, sondern Tel zu lesen, Itöm. Mitt. 20, 
Purpureo auf Grund eines in seiner Praetor 365. Da sich aber die Verbindungen lvsl vel 
554 = 220 gemachten Gelöbnisses (Liv. 31, 21, auf dem Templum und Lysna Volcanus — Mul- 
12, wo Merkel richtig deo luvi in Veiliovi emen- eiber bei Martianus Capeila zu entsprechen 
diert hat) geweihten Tempel des Vediovis auf scheinen, hält Thulin die Ergänzung zu vel- 
der Tibeiinsel verwechselt, der seinen Stiftungs- (^ans), das lautlich genau römischem Volcanus 
tag am 1. Januar beging (fast. Praen. [Aescu]- entsprechen würde, dennoch für wahrschein- 
lapio Vediovi in insula, CIL 1' p. 305; dieses lieh. Eine Entscheidung ist kaum zu treffen. 
Zeugnis beweist, daß Ovid. fast. 1,293 Juppiter 20 Wegen des etwaigen weiteren Materials folgt 
fälschlich für Vediovis gesetzt hat, was ebenso der ltestartikel von Pauli, dessen Folgerungen 
Liv. 34, 53, 7 und Vitruv 3, 2, 3 tun); vgl. über aber ganz hypothetischer Natur sind. IFiesel-l 
diese Verwirrung Mommsen CIL 1* p. 805. Derselbe Gottesname vel^ans liegt, wie ich 
Hülsen-Jordan, Topogr. Roms 1, 3 S. 635; die glaube, vor in der dritten Inschrift des Bronze- 
Ausführungen von Jordan, Comment. Mommsen. eimers vom Berge Cembra, inbetreff dessen ich 
S. 369 ff. und M. Besnier, L'ile Tiberine dans auf meine Altit. Forsch. 1,17, nr. 37 verweise, 
l'antiquite S. 249 ff. kommen zu unhaltbaren wo die frühere Literatur angegeben ist. Diese 
Ergebnissen. An Zeugnissen für älteren Kult Inschrift lautet veljjanu, und diese Form ist 
des Veiovis fehlt es vollständig, denn daß in schon von Poggi (Bronio Piac. 15, nr. 27) und 
der lex sacrata des Eomulus gegen denjenigen, 30 Deecke (Etr. Fr. 4, 53) als vielleicht verwandt 
der die heiligen Satzungen des KlientelVerhält- mit dem vel(j;) des Plac. Templums hingestellt 
nisses verletzte, die von Dionys. Halte. 2, 10, 8 worden. Auch ich seibot (a. a. 0. 105) habe be- 
gegebene Exsecrationsformel zhv Sk älövza xä reits von der Möglichkeit, daß in dem velj;anu 
ßovUpivn Kreivnv offtof i)v ras früfia tov »«'- ein Göttername vorliege, gesprochen. Ich möchte 
tux#ovlov Aiöt sich auf Veiovis bezieht, ist jetzt mit größerer Bestimmtheit, als damals, 
zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher; der Um- in dem vel^anu einen Götternamen sehen, da 
stand freilich, daß Varro de 1. 1. 5, 74 den Veiovis gerade das Suffix -anu auch BOnst (Tgl. s. vv. 
zu denjenigen Göttern rechnet, deren Altäre von alpanu und tipanu) zur Bildung von Götter- 
Titus Tatius errichtet sein sollten, hat nichts namen Terwandt ist und die Identität des 
dagegen zu besagen. Unter diesen Umständen 40 vel^anu mit veljjans durch die Verschiedenheit 
ist die Wahrscheinlichkeit, auf der republikani- des Suffixes in keiner Weise gehindert wird, 
sehen Münzprägung Darstellungen des Veiovis zu So haben wir bei ein und derselben Gottheit 
finden, sehr gering, und in der Tat haben sich nebeneinander die Formen tina, tinia und tinä 
die Versuche, Köpfe vom Typus eines Jugend- (vgl. s. t. tinia), so alpan und alpanu (vgl. s. v. 
liehen Juppiter oder Apollon auf diesen Gott alpan in den Nachträgen), so zipna und zipanu 
zu deuten, als unhaltbar herausgestellt (vgl. (vgl. s. v. zipna), und ebenso können demnach 
A. Klügmann, Arch. Zeit. 36, 1878, S. 106 ff.). auch hier vel^ans und vel^anu nebeneinander 
So bleibt das einzige unmittelbare Zeugnis der stehen. Da wir einerseits gefunden haben, daß 
Veiovisverehrung aus republikanischer Zeit der die Formen selvans und setflans pelasgisch- 
zu Bovillae gefundene Altar des iulischen Ge- 60 etruskische Formen sind, deren Ursprung auf 
schlechtes mit der Inschrift (CIL 14, 2387 = Vorderasien weist (vgl. s. tt.) und da es an 
Dessau 2988) Vediovei patrei genteiles Iuliei, dererseits, worauf schon 0. Schröder (Spruch- 
rechte Nebenseite) Vedifovei] aara, (linke Ne- vergl. und Urgesch. 229) und Poggi (Broneo- 
bereite) leege Albana dicata, die einen Fami- Piac. 16) hingewiesen haben, an einer klaren 
lienkult dieses Gottes durch die Iulier bezeugt, und sicheren indogermanischen Etymologie für 
in dem man mit Recht einen Anknüpfungs- Volcanus fehlt, so ist sicher auch der Name 
punkt für die spätere Apolloverehrung des vel^ans pelasgisch-tyrrhenisch. Und das wird 
Augustus gefunden hat (vgl. Wissowa a. a. 0. nun glänzend bestätigt durch den Zeus Vel- 
S. 296, 8). In der Kaiserzeit ist der Gott ganz- *anos auf Münzen der kretischen Stadt Phai- 
lich vergessen, so weit nicht gelehrte Forschung so stos (Gerhard, Gottheiten der Etrvsker 6 u. 29, 
ins Spiel kommt und man auf Grund solcher Anm. 54; Poggi a. a. 0.; Deecke a. a. 0. 53). 
seinen Namen für den des Dis pater einsetzt; Dies Vel^anos bat natürlich auf Kreta dorische 
auch in den Götterreihen des Martianus Ca- Form, würde aber ionisch (Fitifrivös lauten 
pella 1, 59, der aus der 15. Region Veiovis ac und somit dieselbe Suftixbildung zeigen, wie 
di piMivi herbeigerufen werden läßt, ist kaum Tve<sr[v6$, SnXrivos (vgl. daselbst), auch dadurch 
an etwas anderes zu denken, da die Verglei- seinen vorderasiatischen Ursprung bestätigend, 
chung mit dem retisl der placentinischen Bronze- Da auf Kreta Pelasger wohnten (vgl. Pauli, 
leber (Thalin , Die Götter des Martianus Ca- Lemnosi tisch rift 2,1, p. 47), so ist das Vorhan- 



177 velena velena 178 

densein der Form Velcbanos dort nicht auffällig. so wird vielleicht eine Revision möglich sein, 
Vgl. .Fajßaytots) GDI 86. Die Doppelbenennung die sachlich und sprachlich eine Aufhellung 
enthalt natürlich eine Kontamination zweier dieses interessanten archaischen Denkmals brin- 
ursprünglich verschiedener Götter, des alten gen könnte. Vgl. an älterer Literatur Deecke, 
pelasgischen velranos mit dem hellenischen An/n. dell' Ist. 1881, 160 f., tav. d' agg. L/M; 
Zeus. Der Grund zu dieser Kontamination ist Vhrlich, Zwei Vasen ältesten Stils 187; Beinach, 
leicht zu sehen. Beide sind Götter des Feuers, Bsp. des vases peintes 1, 346; Perrot-Chipiee 
and da überdies Vulcanus nach etruskischer tab. VII, 118; Pauli, Etr. Stud. 8, 48. Sicher 
Lehre (vj>1. K 0. Müller, Etr. 2 l , 84 = 2', 86) belegt ist die Form velena auf einer Ciste mit 
zu den blitzwerfenden Göttern gehört, so war 10 pränestinischenNamensinschriftenCZXl 4,4107; 
ein Zusammenwerfen leicht. Es fragt sich nun, M(,num. 6 — 7, tav. LV. Vgl. auch Mutthies, 
was die Form vel^ans bedeutet. Oben (s. v. Pränestinische Spiegel 61; zum Sprachlichen 
setflans) haben wir gesehen, daß der gewöhn- Meillet, Mem. d. I. soc. ling. 13, 385; Jordan, 
liehe etruskische Name des Volcanus , eben Beitr. 60. Für das pränestinische velena sowie 
Se^lans, wahrscheinlich 'ferrarius' bedeute; nun den Akkusativ fs Xivav bei Priscian 1, 20 und 
aber heißt Hephaistos bei Homer (IL 16,30») die sonstigen späteren Schriftstellerzeugnisse, 
gaixcvg, und es liegt nahe zu vermuten, daß die den Namen mit anlautendem Digamma 
das veljjans vielleicht eben diesen jjaljisiie überliefern, findet sich vom Etruskischen aus 
bezeichnet habe. So hätten wir dann in der keine Stütze, denn auf dem etruskischen Spie- 
älteren Bezeichnung vel^ans, — denn daß sie iu gel auB Orvieto ist alpnu zu lesen und nicht 
das ist, zeigen die Belege der Form — , den vilenu, wie die früheren Herausgeber annah- 
faber 'aerarins', während in der jüngeren Be- men; Körte, Eir. Spiegel 5,84; Walters, Cat. 
nennung setflans, wie wir oben s. v. gesehen of Brit. Mus. 7" = CII 2094 bis B bzw. spl. 8, 
haben, der faber 'ferrarius' vorliegt. Dann 311. Demnach sind die auf diese Namensform 
wäre also der neue Name aufgekommen, als bezüglichen Bemerkungen bei Deecke, Etr. 
das Eisen die Bronze verdrängte. Das ist ja Forsch. 4, 63 und sonst und bei anderen Auto- 
nur eine Vermutung, weil der Nachweis bis ren hinfällig. Die etruskische auf Spiegeln sehr 
jetzt nicht zu erbringen ist, daß der Stamm häufige Wiedergabe des Namens Helena lautet 
velj;- 'aes' bedeute, aber diese Vermutung elina, elinai, elinei. Vgl. Deecke, B.B. 2, 167,63. 
scheint mir vernunftgemäß und gibt uns die «o Die Belege sind folgende: elina; Etr. Sp. 
Riohtung an, in der wir in bezug auf die Ety- Tf. 197 — CII 1064; Tf. 198 — Ci/2495; vgl. 
mologie von velyans weiter zu forschen haben. Etr. Sp. 6, S. 140; Tf. 879 = CII 2726. eline?: 
Es wird schließlich in diesem Zusammenhang Etr. Sp. Tf. 877 = CII 2528. elinai: Etr. Sp. 
auch noch von dem Namen der kretischen Tf. 181 — CII 2600; Tf. 196 -= CII 2513 ; 6, 
Stadt Fhaistos zu sprechen sein, von der die 58 — Append. ad CII 884; 6, 107 ■= Append. 
Münze mit dem Zbub Velcbanos herrührt. Der ad CII 884; 6, 107 a = Append. ad CII 384. 
Name erinnert so unmittelbar an den Namen elinei: Etr. Sp. Tf. 882, 1 = CII 44; 6, 78 = 
Hephaistos, daß es schwer fällt, an einen Zu- CII spl. 1,262; 6, 84, 2 — CII spl 2,98; 6,118 
sammenhang beider Formen nicht zu glauben. — Bull, dell' Ist. 1880, 202 und CII spl. 2, 106. 
Für HSphaUtos gibt es keine zweifelfreie indo- to eljnei: Etr. Sp. Tf. 207, 1 = CII 2621. 
germanische Etymologie (O. Schröder, Sprach- Ferner findet sich elina allein dargestellt 
vergl. und Urgesch. 229) , obwohl eine Anzahl auf einer Gemme ; Furtwängler, Antike Gemmen 
Versuche dazu gemacht sind (vgl. Mythol. Lex. 1, Tf. XVIII, 82. Dagegen ist die Lesung elena 
s. v. Hephaistos und weiter Bezienberger, Beitr. der Gemme CII tab. XXX, 482 in reve zu be- 
2, 166, wozu Fick, Griech. Personennamen* HO). richtigen. Furtwängler a. a. 0. 2, 194: Tf. XIX, 
Ein Zusammenhang der beiden Namen Fhaistos 41. Ein Gefäß aus Vulci zeigt elinai und aivas 
und He-phaistos mit tpuivm wäre ja lautlich (Alas). CII 2151 = Annali dell' Ist. 1884, 242 
und sachlich schon möglich, aber sicher ist er not. 1 und 280. Gefälscht sind die Inschriften 
nicht. Das Wort phaistos kann ebenso gntauch des Spiegels CJ7 2681; vgl. Körte, Etr. Sp. 6, 
einer nichtindogermanischen Sprache angehören, so 147 a. Vielleicht enthält den Namen eineunver- 
Wegen weiterer Kombinationen ist s. v. äe*lans «ffentlichte Inschrift aus St. Giuliano: elnei 
nahzusehen. Die Deutung des uphstie (s. das) ramtfac (ram*a ist ein femininer etr. Vorname; 
unter einer tazza [Gamurrini, Append. nr. 852) elnei würde dann Synkope des Mittelsilben vokals 
als "Htputetos ist sachlich wie sprachlich ab- zeigen); vgl. Herbig, Glotta 4, 176, 2. Zu tren- 
zulehnen. [Pauli.] nen von dem Namen der Heroine ist die Be- 
velena. Man hat geglaubt, eine etruskisierte Zeichnung helenaia, die eine weibliche Spiegel- 
Form des Helenanamens velena =■ ftltva gestalt, vermutlich eine Bacchantin, trägt. Sie 
in der Inschrift einer mythologischen Darstel- erscheint auf einem jungen Spiegel neben fu- 
lung auf dem altertümlichen Krug von Traglia- fluns (Bacchus), Etr. Sp. Taf. 84 — CII 2601, 
tella zu finden: mi velena mi ftes a&ei mi amnu so Tgl. Herbig, BE 7, 2 und Glotta 4, 176, 2. Die 
arce. Aber vermutlich ist velelia zu lesen, ein etruskischen Belege des Namens der Helena 
weiblicher etruskischer Name, der in mehreren reichen in das 6. bis 6. Jahrh. hinauf, vgl. 
Inschriften aus Volsinii überliefert ist: Daniels- Tf. 879. Helena ist auf allen Spiegeln in Ver- 
ton ad CIE. 4938. Es wird hier deshalb von bindung mit Figuren des griech. Mythenkreise» 
einer Beschreibung der auf dem Krug darge- dargestellt, häufig zusammen mit Paris, vgl. 
stellten Szenen abgesehen, um so mehr als deren Tf. 198; 5,107. 118. Nicht immer sind die 
Deutung ganz unsicher ist. Da das Gefäß sich Szenen sicher zu deuten, vgl. vor allem Tf. 181, 
im Besitz des Herrn Tittoni zu Rom befindet, wo es sich um eine unbekannte Sage oder um 



179 Vellavuius Vennectis 180 

eine willkürliche Zusammenstellung griechi- Daß V. einmal dem Mars als Beiname ge- 
scher und etruskischer mythologischer Gestal- geben ist, dessen Gleichstellung mit einheirni- 
ten handeln kann. Jedenfalls muß die Helena- sehen Schntzgeistern in Gallien und Britannien 
sage sehr früh in Etrurien bekannt gewesen sehr beliebt war, ein anderes Mal aber dem 
sein. Was die sprachliche Form angeht, so ist Mercurius, auf den die so häufige Ehreubezeich- 
es wichtig, daß der Name stets ohne den epi- nung des Mars, Victor, übertragen ist, darf nicht 
sehen unerklärten Spiritus asper erscheint, ob- befremden, da ja auch im Trierer Land der 
wohl das Etr. den h-Laut sonst in griechischen Mercurius Iovantucarus (CIL 18,4266) in der 
und einheimischen Namen verwendet. DieMittel- eben erwähnten Tempelstütte bei Trier 1. M 
silbe zeigt die durch den etr. Initialakzent ver- 10 als Mars Iovantucarus durch neueste Funde 
anlaßte Schwächung des Vokals e : i. Bezüglich festgestellt wurde; s. auch Keune, Korrbl. Westd. 
des Verhältnisses der etr. Endungen zu den grie- Ztschr. 16 (189«), Sp. 57 und 16 (1897), Sp. 86. 
chischen und untereinander vgl. Fiesel, Forsch. Wissowa, Archiv für Beligionswiss. 19, S. 27 (zu 
z. griech. u. tat. Gramm. 7, 11 f. [Fiesel.] Vintius vgl. Keune in Neubearbtg. der Beal- 
VellauniiS (oellaunos) ist keltischen ür- Encyclop. f. Altertumswiss. 1 A, 2, Sp. 2311 und 
sprungs und bedeutet 'gut'; das Wort ist be- unten, Art. Vintius). [Keune.] 
legt als Personenname {CIL 18,8094: ein Bi- velparun ist die etruskisierte Form des Na- 
turix, also ein Gallier) und in ZusammenBetzun- mens 'Ekitrivtaq. velparun ist auf drei Bronze- 
gen (VeUaunodunum, Catuvellauni, Cassivellau- spiegeln, die stilistisch eng verwandt sind, in 
«ws, IcoceUauna usw.), auch als Beiname zu so Verbindung mit cerca (KLqxti) und u{rste (Oivts- 
Götternamenj s. Holder, AUcelt. Sprachschatz 3, aevg) dargestellt. Gerhard, Etr. Sp. Tl. 403 , 1 
Sp. 149 f. = CII 2277 bis B , dazu die Replik Etr. Sp. 

1) Weihdenkmal mit Bildresten (wohl von 6, Nachtr. 22; ferner Tf. 403, 2 = CII 2687; 
Darstellung des Mars mit Gans), aus Venta vgl. Deecke, B. B. 2, S. 166,48, sowie die ein- 
Silurum, jetzt Caerwent [CIL 7, p. 87, Col. II, gehende Beschreibung der Spiegelszene Myth. 
mit Karte. Kiepert, Form. Orb. Antiq. XXVI, Lex. unter utuse. Sprachlich ist bemerkenswert, 
Kik. Andree, Handatlas'' 103/104, D 2: östlich daß das etr. v- einen Beweis für anlautendes 
von Newport, nach der Bucht des Severn zu], Digamma erbringt, das die griech. Namens- 
Haverfield, Korrbl. Westd. Ztschr. 24 (1905), Nr. formen nicht überliefern und das auch nicht 
3/4, S 16 und Ephem. epigr. 9,4 (1918), p. 524, so mit Sicherheit metrisch aus den homerischen 
nr. 1009. Dessau, Inscr. Lat. sei. 9302 (Add. Gedichten erschlossen werden kann, velparun 
Bd. 3, p. CXII): [Deo] Marti Leno [s]ive Ocelo muß auf eine griech. form mit dorischem bzw. 
Veüaun(o) et num(ini) Augfusti) M. Nonius äolischem -ä- gegenüber ionisch-attischem -rj- 
Bomanus ob immunitat(em) collign(ii = coUegii, zurückgehen. Hinsichtlich der Endung hat das 
s. CIL 12, 22) d(onum) d(e) s(uo) d(edit) Gla- EtruskiBche in diesem Namen Metathesis von 
brion(e) et H[omJul(l)o co(n)s(ulibus) , X k(a- Liquida und Nasal vollzogen. [Fiesel.] 
Und.) Sept, d. i. am 23. August 162 n. Chr. — Venntrlx, Beiname der Diana auf einer hi- 
V. ist also hier dem vermutlich britannischen spanischen Weihinschrift: Diane Venatrici, C. 
Gott Ocelus (s. o. Bd. 8, 1, Sp. 698. Holder 2, 1. L. 2, S. 5638. Dessau, Inscr. Lat. sei. 3262. 
Sp. 827 f. Haverfield, Eph. epigr. 9,4, nr. 1010, 10 Boletin de la Beal Academia de la Historia 
Carlisle im nordwestlichen England, Cumber- 69 (1911), 399. [Höfer.] 

landshire: Deo Marti Ocelo) als Beiname ge- Veuilla s. B. Peter, o. Bd. 2, 1, Sp. 228—230. 
geben, der durch sive als gleichwertig bezeich- Vennectis, Pagus—, ist zum Rang einer 
net wird dem Landesgott der Treveri Lenus Gottheit erhoben in der Inschrift eines Bau- 
Mars (so die gewöhnliche Reihenfolge der Na- werkes (einer Schaubühne), gefunden 1851 zu 
men, s. o. Bd. 2, 2, Sp. 1942f. CIL 18,3654. Nizy-le-Comte im Depart. Aisne (Ninitiacum 
3970. 4030. 4122. 4187. 7661 nebst neuesten im Gebiet der Remi, an der Straße von Duro- 
Funden von der Tempelstätte bei Trier 1. M. cortorum — Reims nach Bagacum — Bavay, s. 
Paulys Beal-Encyclop., Neue Bearbtg., Suppl.- Hirschfeld, CIL 13, 1, 2, p. 523, Col. I, nach 
Bd. 8, Sp. 98 f., Ancamna; 9. Bericht d. Böm.- 80 Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 172 : Vinicta- 
germ. Kommission Archaol. Inst. 1916, S. 145 f. j cuml; vgl. auch Kiepert, Form. Orb. Ant. XXV, 
unten, Art. Xulsigiae). Ek), jetzt im Museum zu Soissons, CIL 18, 

2) Altar mit ungefüger Schrift, zu Hieres 8450 ('litteris bonis') : Num(ini) Aug(usti), Deo 
(Depart. Isere), östlich von Lyon im (südlichen) Apollini, Pago Vennecti proscaenium L. Magius 
Rhönetal [CIL 12, Tab.I, De], Allmer, Inscr. Secundus dono de suo dedit. — Wenn diese 
de Vienne 3, p. 191 f., nr. 521 mit Atlas 269, 84 'Lokalpersonifikation' eines Gaues (Pagus) von 
= CIL 12, 2373 (Dessau 4602): Augfusto) so- Steuding, o. Bd. 2, 2, Sp. 2132, 'ganz vereinzelt' 
cr(nm), Deo Mercurio Victori Macniaco Vei- genannt wird, so ist das insofern nicht ganz 
launo (Hirschfeld verb.: Magniaeo Vellauno) zutreffend, als wir im Gebiet der benachbarten 
C. Capitoius Macrinus restituit. — VEILAVNO eo Treveri die andere Unterabteilung der Oivitas, 
ist sicher verschrieben, wie oft inschriftlich I den Vicus, ebenso einer Gottheit gleichgestellt 
eingehauen ist statt L. — Nach Ansicht von finden, s. CIL 13,3649: I(ovi) O(ptimo) M(a- 

Bhys ist Magniacovellauno zu einem Beinah ximo) et Vico Vocla(nnionum) d(ono)dfat), 

men zu verbinden. Man hat darauf aufmerk- 3660 : [In h.J d. d. I. 0. M. [et Vico] Voclan- 

sam gemacht, daß in der Nachbarschaft, bei nionum calinam restituerunt , 

Belley, jenseits der Rhone (Depart. Ain), Ge- CIL 13,4,11316: In h. d. d. Vico Seniae usw. 

meinden mit Namen Magnieu und Billieu lie- Es liegen hier also Kürzungen vor für die 

gen. — Bevue epigr. 4, nr. 1309. sonst üblichen Weihungen Genio Pagi, Genio 



181 Venti Venti 182 

Vici oder Genio mit folgendem Genitiv des Aures [CIL 8, Tab. II, i'Gcd. Andree, Hand- 

Ethnikon. atlas*- ' 180/181, WX 9, auch KL 2] sind zwei 

Zum keltischen Namen V. hat de Sauicy, zusammengehörige Marmoraltäre gefunden, CIL 

Revue numismat., n. s. 3 (1858), p. 438f. ver- 8, 2609. 2610 mit Suppl. 2, p. 178« (Dessau, 

glichen den Personnamen auf keltischen Geld- Inscr. Lat. sei., nr 3061. 3936), geweiht von der 

stücken der Parisii: Vene%tos (Belege bei Hol- leg(io) III Augusta dedicante Q. Fabio Catul- 

der 3, Sp. 168). Zur Schenkung eines Proscae- Uno leg(ato) Aug(usti) pr(o) pr(aetiire), der eine 

nium in einer Weihinschrift vgl. CIL 13,4182 lovi O(ptimo) M(aximo) iempestatium divina- 

(= Dessau 5646) . Stiftung zugunsten des Vi- rum potenti, der andere Ventil bonarum tem- 

cus Bedensium (Bitburg, Bz. Trier) vom J. 198 10 pestatium potentibus (auf den Seitenflächen, 

n. Chr. [Kenne.] wie häufig, Opferkrug und -teller). Diese Wei- 

Veiiti. Über die Winde als göttliche Wesen hungen stehen im Zusammenhang mit dem Be- 

und ihre bildliche Darstellung s. den Artikel such der afrikanischen Provinzen durch Kaiser 

Windgö'ter von Steuding. Ihre Verehrung bei Hadrianus im Sommer des J. 128, denn wie 

den Hörnern (Preller jordan, Hörn. Mißhol.' 1, dessen Biograph Spartianus (Script, hist. Aug.) 

S. 329— 831. Wissowa, Religion u. Kultus der 22. 14 berichtet, quando in Africam venit, ad 

Bonner*, S 228. Daiemberg-Saglio, Biet, des adoentum eins post quinquennium pluit, atque 

antiq., Lrt. Venti, 5, 1 = Halbbd. 9, p. 719) wird— ideo ab Africanis dileetus est; s. Dürr, Reisen 

abgesehen von den den Tempestates betätigten des Kaisers Hadrian S. 39, Anm. 167 und Weber, 

Weihungen (s. Steuding o. Bd 6, Sp. 860 f.) — so Unters, zur Gesch. d. K. Hadrianus S. 204, Anm. 

durch folgende Zeugnisse erwiesen: 729, angeführt von Dessau, Inscr. Lat. sei. 3, 

1) Als Octavianus Caesar im Sommer des p. CLXXX. Die Legio HI Augusta hatte im ge- 
J. 718 Roms == 36 v. Chr. mit seiner Flotte nannten unwirtlichen Gebirge, auf der Stätte 
gegen Sex. Pompeius und Sicilia in See stach des heutigen Ortes Mena'a eine Statio, s. CIL 
(Gardthausen, Augustus und seine Zeit Bd. 1,1, 8, p. 273 f.", p. 952 und (Suppl. 2) p. 1714. Über 
S. 263), opferte er von seinem Admiralschiff den Befehlshaber dieser Legion Q. Fabius Ca- 
aus auch 'sanften Winden', Appian., bell. civ. tullinus s. Groag in Pauly- Wissowa, Real-En- 
5,98: o ii Kalaao (äv>j'yero) ix ^ixamp^aias cyclop. 6, 2, Sp. 1761 f., § 61. 

(= Puteoli), &vav ajia xai aitivSav ä*6 tiJs 4) Zu Nimes (Nemausus in Gallia Narbo- 
vavaQiiSos veäis ig rö ntiayos aviuoig sittots 30 nensis), in einer (ehemaligen) Vorstadt, 'e re- 
nal &a<pu).ei<p noaeiSävi xal äxiSfjovi ftaldaarj, gione fontis', ist im J. 1765 ein verstümmelter 
««Hrjjtrojas aitä xar' ix&Q&v nutQamv yevi- Altar aus gewöhnlichem Stein (hoch 87 cm) 
<r#ai. Vgl. dazu ' Pretter a. a. O., S. 331, 3. gefunden, von Hirschfeld, CIL 12, 3136 ins 
Derselbe Octavianus hat als Augustus, wäh- Ende des 2. Jahrh. n. Chr. gesetzt, jetzt im 
rend seines Aufenthaltes in Gallien (738 741 Museum zu Nimes: Severa Nigri f(üia) Vol- 
Roms = 16 — 13 v. Chr.), dem südgallischen cano et Ventifs] vfotum) sfoloit) l(ibens) m(e- 
Nordnord westwind Circius (Mistral) durch einen rito); unter der Inschrift Darstellung des Vol- 
Tempelbau (in Gallia Narbonensis) gehuldigt, canus, stehend, in der linken Hand ein Stab- 
Seneca, natur. quaest. 6, 17, 6: ... Galliam Cir- zepter (oder eine Lanze), in der rechten einen 
cius (infestat), cui aedißeia quassanti tarnen in- 40 Hammer, zu seinen Füßen liegt eine Zange, 
colae gratias agunt tamquam salubritatem caeli links kniet eine Frau mit geblähtem, flattern- 
tui debeant ei; divus certe Augustus templum dem Gewand (die Stifterin des Altars?), auf 
Uli, cum in Gallia moiaretur, et vovit et f'ecit. den beiden Schmalseiten geflügelte (spitzohrige) 
Vgl. Gardthausen a. a. 0„ Bd. 1, 2, S. 668 mit Köpfe von zwei Windgöttern, links bärtig, d. i. 
Anm. Bd. 2, 2, S. 360 und über den Circius Boreas, rechts unbärtig, d. i. NotuB [vgl. bes. 
(Plin., nat. hist. 2, 121: in Narbonensi provincia die Bilder der Winde an den Altarbildern von 
elarissimus ventorum est circius usw.) Thesaurus Mithreen]. Dessau, Inscr. Lat. seh, nr. 8294. 
ling. Lat. 8, p. 1101 und die hier angeführte Allmer, Revue epigr. 1, p. 300, nr. 400. Germer- 
Literatur, auch Allmer (-Terrebasse) , Inscr. de Durand et Allmer, Inscriptions ant. de Nimes 
Vienne 2, p. 406 f. Maaß, Jahreshefte d. Österr. 50 p. 22 f., nr. 9. Esperandieu, Recueil gen. desbas- 
Archäol. Inst. 9 (1906), S. 176 ff. reliefs de la Gaule rom. 1 (1907), p. 298 f., nr. 

2) Unter den drei zusammen gefundenen 433 mit zwei Abbildungen. Die ungewöhnliche 
und zusammengehörigen marmornen Bundaltä- Zusammenstellung des Volcanus mit den Venti 
ren von Porto d'Anzio = Antium an der Küste ist nicht bloß durch die beliebte Alliteration 
von Latium (s o. Bd. 6, Sp. 1096, Art. Tran- zu erklären, sondern gewiß durch eine andere 
quillitas, nr. 1) trägt einer, CIL 10, 6644 (Des- Veranlassung (Brand mit günstigem Verlauf?). 
sau, Inscr. Lat. sei, nr. 8279) und Stuart Jones, Zu den lateinischen Namen der Provinzialin 
Museo Capitolino p. 331, nr. 27 a, mit Abb. PI. vgl. Lothr. Jahrb. 9 (1897), S. 188. Verhandl. d. 
80, die zwiefache Inschrift: Ära Ventorum, 46. Philol.-Vers. Straßburg (1901), S. 106. 
während die beiden anderen als Ära Neptuni 60 Zur Darstellung der Winde vgl H. Steinmeß., 
und Ära Tranquillitatis bezeichnet sind. Das Jahrb. d. K. D. Arch. Inst. 25 (1910), bes. S. ;>9 
Sonderbild des Altares der Winde stellt einen bis 41, und Cumont, Textes et mon. fig. rel. aux 
Windgott dar, nach links fliegend, in der Rechten myst. de Mithra 1, p. 93 ff. und o. Bd. 2, 2, Sp. 3041. 
eine lange, gewundene Muschel, in die er bläst H. Dmgendorff und E. Krüger, Das Grabmal 
(eine Darstellungs weise, die auch sonst belegt ist). von Igel, Trier 1924, S. 72 f. 

8) In der einstmaligen römischen Provinz 5) Bei Auch, dem Hauptort der Ausci im 

Numidia, südlich von Lambae^is (Lambese), eigentlichen Aquitanien (zwischen Pyrenäen und 

'pres d'Ain - Boubenäna' im Gebirge (Djebel) Garonne), ist gefunden 'au Garros' ein seither 



183 Ventina Venus 184 

verschollener Marmoraltar, CIL 18, 441 (Dessau vetierari (Plaut. Poen. 278 hanc equidem Vene- 
ra. 8936): Ingenua Ventis v(otum) s(olvit) l(i- rem venerabor; Mud. 306 nunc Venerem hanc 
bens) m(erito). veneremur bonam, vgl. 1348 f.) und venustus 
Aus römischer Zeit stammt auch eine grie- (Quintil. 6, 3, 18 venustum esse, quod cum gratia 
cbische Weihinschrift von Pergamon, Hepding, quadam et venere dtcatur, apparet), da» häufig 
Athen. Mitteil. 35 (1910), S. 457, ergänzt: |Tofs mit ihrem Namen verbunden erseheint, z. B. 
yi]vifioig KaaiytrjTos (nißaiuoe. Diese Weihung Plaut. Most. 161 o Venus venusta; Poen. 1177 
ist eingetragen auf der 1. Seitenfläche eines im digna dea venustissima Venere; Bacch. 115 Vo- 
J. 1909 verstümmelt aufgefundenen Marmor- luptas, Venus, Venustus usw. Wie noch später 
altars, dessen Vorderseite eine andere grie- 10 ihre Verehrung als Gartengöttin (s. unt. Sp. 187) 
chische Inschrift des 2. Jahrh. n. Chr. trügt, zeigt, ist sie, ebenso wie die griechischen Cha- 
wohl Ssofe &y[vmdT0is], 'unbekannten Gott- riten, als 'Göttin des Reizes und der Blüte aller 
heiten' geweiht: der Altar war also 'nach kur- sinnlichen Erscheinung, der Heiterkeit, Sihön- 
zer Zeit umgeweiht'. heit, Anmut, zunächst in der Natur, aber auch in 
Zum Art. Tempestates, o. Bd. 5, S. 860/361 der menschlichen Sitte und Lebensweise' (Prel- 
seien noch nachgetragen die Verweisungen: ler-Pobeii, Griech. Mythol. 1,481) gedacht. In 
Preller, Die Segionen der Stadt, Pom (1846), letzterem Sinne wird der Name auch noch 
S. 3 und 8. 118. CIL l s , 2, 1 (1918), p.879, nr.'J häufig metonymisch gebraucht, z B. Plaut. 
(= l 1 , nr. 82). G. Mancini, Notizie degli scavi Mit. gl. 666 venerem, amorem, amoemtatem ac- 
di ant. (°18), 1921, p. 121, 2, zu p. 120 mit Abb. so cubans exerceo (vgl. 660 lepidum sinem . .plane 
Taf. I, neugefundener Kalender von Antium educatum in nutricatu Venerio) und in persön- 
(Anzio), zum 23. Dezember: Tempe(statibus) ; lieber Fassung Horaz epist. 1, 6, 38 ac bene num- 
also war dieser Tag ihr Festtag, nicht der matum clecorant Suadela Venusque; sehr kühn 
l.Juni. — Der nachträglich von mir eingesehene Bpricht bei Stat. silv. 1, 2, 168 Venus zu der 
Art. Venu von P,. Lantier in Daremberg-Saglio, Braut non idto tibi tale decus vultusque super- 
Dict. d. ant, a. a. 0. enthält Irrtümer. [Keune.J bos meque dedi; sehr olt auch im Plural ve- 

Ventina, Name einer Quelle zu Pinna Ve- neres = jjdp.rfs, z. B. Plaut. Stich. 278 piofecto 

stina im östlichen Mittelitalien [CIL 9, Tab. amoenitates omnium venerum et venustatum af- 

III, CDhi, jetzt Civita di Penne; Andres, Hand- fero; mehr bei 0. Gross, De metonymtis ser- 
atlas'' 127/128, D 2, südsüdwestl. von Atri == so monis latini a deorum nominibus petttis (Diss. 

Hadria, Hatria]. Diese Quelle haben zwei der philol. Hahns. 19, 1911) S. 406f. Viel häufiger 

Gemeindevorsteher (Quattuorviri) von Pinna auf ist freilich die auf der Gleichsetzung mit Aphro- 

Anordnung des Gemeinderates fassen und über- dite beruhende metonymische Verwendung im 

wölbte Wasserkammern herstellen lassen und Sinne von amor oder cvncubitus u. ä. 0. Gross 

haben nach Abnahme des Baues diesen ge- a. a. 0. S. 400 if. Die antiken Etymologien, die 

weiht, aquam Ventinam ex s(enatus) c(onsuVo) das Wort mit venire (Cic. de nat. deor. 2, 6» 

cludendam ceüasqlue) fotitis et Ventinae et Vi- quae autem dea ad res omnes veniret, Venerem 

rium faciendas concamerand(as) cura(ve)runt, nostri nominaterunt, atque ex ea potius vtnu- 

probarunt dedicuruntque, CIL 9, 3361 — Dessau, stas, quam Venus ex venustate, vgl. 3, 62. Arnob. 

Inscr. Lat. sei. 6781. Der Name V. iBt alliterie- u> 8, 88) oder venia (Serv. Aen. 1, 720 nam Vene- 

rend verbunden mit den Vires, den (durch das rem vocari quid am propter promptam veniam 

Quellwasser gestärkten) Körperkräften, welche dieunt) oder vis zusammenbringen (Augustin. 

göttlich verehrt wurden, wie acht bis neun Weih- de civ. de» 6, 9 ob hoc etiam dicitur nuneupata, 

inschriften lehren, von denen zwei sie den Nym- quod sine vi femina virgo esse non desmat = 

phen, eine dem Neptunus zur Seite stellen, s. den Varro unt. rer. div. 14, frg. 58 bei Agahd, Jahrb. 

Art. Vires. — Als Ethnikon (oder als Beiname?) f. Philol Suppl. 24, 176; vgl. Varro de l. I. 5, 61 

ist Ventin(us) belegt mit CIL 2, 1176 (Holder, et horum vinetionis vis Venus), sind nicht ernst 

Ältcelt. Sprachschatz 3, 8p. 175). [Keune.] zu nehmen. 

Venulus. nach Vergil. Aen. 8,9 und 11,242. Altitalische Venusdienste. Nach dem 
742 ein Latiner aus Tibur, der als Gesandter 60 Zeugnisse des Strabo 5,232 lag ein gemein- 

zu Diomedos geschickt war und den der Etrus- sames Venusheiligtum der Latiner in Lavinium, 

ker Tarchon im Kampfe überwältigte. Der ein zweites, das ebenfalls von ganz Latium 

Name kommt auch vor bei Silius 4, 181 und aus besucht wurde (ov xavriyvgi^ovai Aatlvoi), 

wird von Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 176 bei dem benachbarten Avdea, dem in Struhoe 

als keltisch bezeichnet, da er durch eine bei Zeit auch die Vorstandschaft des laviniatischen 

Metz gefundene Grabschrift, CIL 18, 4411, und Gottesdienstes zustand (iniiiiXovvrai di aÜTov 

als Venula durch eine Ziegelmarke (einer der iiä nooxoXaiv jlDÖsätai); wahrscheinlich ist 

älteren Privatziegeleien) der Narbonensis, CIL also das vielleicht ältere laviuiatische Heilig- 

12,6679,74 belegt ist, s. Keune, Lothr. Jahrb. tum von dem ardeatiseben überflügelt und zu 
16 (1903), S. 424. — Vgl. Steuding, Art. Turnus, 60 einer Art Filiale des letzteren herabgedrückt 

o. Bd. 6, Sp. 1294/95. [Keune.] worden. Jedenfalls kann das von Pomp. Mela 

Venus, altrömische Göttin, später mit der 2, 71 und Plin. n. h. 3,67 (qunndam Aphro- 

griechischen Aphrodite gleichgesetzt. disium) zwischen Antium und Ardea genannte 

Das Wort venös (so auf der Spiegelinsehrift Aphrodisium nur das ardeatische sein. Seine 

CIL 14,4096 — l s , 500), ursprünglich sächlichen Bedeutung geht auch daraus hervor, daß im 

Geschlechts wie genus u. a., bedeutet Liebreiz, J. 637 = 217 die römischen Decemviri sacris 

Anmut (Plin. n. h. 35, 79 deesse iis unam vene- faciundis Ardeae in foro maioribus hostiis saeri- 

rem dicebat, quam Graeci charita vocanf), davon fkarunt (Liv. 22, 1,19), ein Opfer, das nur der 



185 Venus Venus 186 

Venus gegolten haben kann; da unter den Pro- sau 3165 Venerus Herucfinae)). Was es mit der 
digien, durch welche die zahlreichen Opfer- Göttin Frutis (Veneri matri, quae Frutis dici- 
handlungen jenes Jahres hervorgerufen wurden, tur), der nach der Erzählung des Cassius He- 
keines ist, das mit Ardea zusammenhängt, so mina (frg. 1 Peter bei Solin. 2, 14) Aineias im 
muß das Opfer durch das Ansehen, das der Gebiete der Laurenter das aus Sizilien mitge- 
dortige Venusdienst genoß, veranlaßt sein. Alt führte Bild weiht, für eine Bewandtnis hat, wird 
ist jedenfalls auch die Verehrung der Venus sich wohl nie ermitteln lassen, da diese Nach- 
in einzelnen Orten des südlichen Latium und rieht ganz allein steht; jedenfalls geht es nicht 
Gampaniens, in denen uns — wenn auch teil- an, wie es von Scaliger bis auf 0. Keller (La- 
weise erst in Insohriften der Kaiserzeit — ge- 10 tein. VoOcsetymol. S. 87) immer wieder versucht 
meiusame Priesterinnen der Ceres und Venus worden ist, den Namen nur für eine Gntstel- 
begegnen, wie in Casinum (CIL 10,5191 = lung von 'AtpgoSitri zu erklären, da Verrius 
Dessau 3350), Surrentum (CIL 10, 680 [sacer-] Flarcu* noch die Bezeichnung Frutinal für das 
doti public(ae) [Venerjis et Cereris, vgl. 688), Heiligtum der Frutis bezeugte (Paul. p. 90). Ob 
Pompei (Eph. ep. 8, 316 = 855 = Dessau 6371 die aufgemalte Inschrift eines gerieften Ton- 
Macerd(os) VfenerisJ [e]t Cererfis pujblfica)), kruges aus Tarquinii Veneres pocolom (CIL 
denn in der Verbindung mit Ceres ist Venus 11,6708,11 = 1", 461) der italisohen oder der 
wohl sicher als Beschützerin des Gartens ge- griechischen Göttin gilt, ist nicht mit Sicher- 
dacht, da in dieser fruchtbaren Landschaft die heit auszumachen , da sich unter den Gotthei- 
Gemüsezucht ebenso in Blüte stand wie der 20 ten dieser Gruppe von Gefäßen ebensowohl 
Getreidebau (Strabo C , 2 42 ; vgl. auch die Be- zweifellos einheimische (Vesta, Laverna, Ke- 
zeichnung Campaniens als ein summum Liberi rus u. a.) wie sicher griechische (Aisclapius) 
patris cum Cerere certamen bei Plin. n. h. 8, 60 befinden. 

= Flor. 1,11 und Nissen, Pompej m. Stud. In Rom gehört Venus nicht zum Kreise 

S. 327 ff.). Priesterinnen desselben Götterpaares der alteinheimischen Gottheiten, die älteste 

sind auch in Sulmo im Lande der Paeligner Festtafel und Priesterordnung kennt ihren Na- 

nachweisbar (CIL 9, 3087. 3089. 3090 = Dessau men nicht, was speziell für den ihr später als 

3351), solche der Venus allein in dem nicht besonders heilig geltenden Monat April bereits 

weit davon entfernt gelegenen Corfinium (CIL alte Gelehrte wie Cincius und Varro hervor- 
9, 3 166 f. = Dessau 8187), ferner in der Gegend 30 hoben, um damit die Ableitung des Namens 

von Atina im südlichen Latium (CIL 10, 6144 Aprilis von Aphrodite zu widerlegen (Macr.S. 

=- 6,2272 = Eph. ep. 8,687), in Allifae (CIL 1, 12, 12 f. sed Gingius in eo libro, quem de fa- 

9, 2 158; ebenda ein contubernium Veneria CIL stis reliquit, ait imperite quosdam opinari Apri- 

9, 2354 = Dessau 6512) und in Bovianum Un- lern mensem antiquos a Venere dixisse, cum nul- 

deeimanorum in Samnium (CIL 9, 2569), ma- lus dies festus nullumque sacrificium insigne 

gistrae Veneris im Lande der Vestiuer in Furfo Veneri per hunc mensem a maioribus institutum 

(CIL 9, 8518: zwei Freie, zwei Freigelassene sit, sed ne in carminibus quidem saliorum Ve- 

und eine Sklavin), sowie in Picenum bei Ha- neris ulla ut ceteromm caelextium laus celebre- 

tria (CIL 9, 6065) und in Cupra Maritima (ebd. tur. Cingio etiam Varro consentit adßrmans no- 
6295). Wenn sich auch das Alter der Gottes- 10 men Veneris ne sub regibus quidem apud Mo- 

dienste an den einzelnen Orten nicht feststel- manos vel latinum vel graecum fuisse et ideo 

len läßt, so ergeben doch diese Zeugnisse in non potuisse mensem a Venere nominari; vgl. 

ihrer Gesamtheit ein so zusammenhängendes Varro de l. I 6, 83. Flut. Numa 19). Die später 

und geschlossenes Verbreitungsgebiet, daß wir allgemein verbreitete Auffassung der alten Göt- 

in ihm mit großer Wahrscheinlichkeit die Hei- tinnen Murcia, Cloacina und Libitina als Son- 

mat des Kultes erkennen dürfen. Auch einzelne derformen der Venus beruht auf nur zum Teil 

SonderformHn sprechen dafür, so der Kult der noch für uns durchsichtigen Kombinationen der 

Venus Iovia in Capua (CIL 10, 3776 = 1", 676 römischen Gelehrten und setzt durchweg nicht 

= Dessau 3185 vom J. 646 = 108: ..heiscema- die altitalische, sondern die bereits helleni- 
gistreis Venereis Iooiae murum aedißcandum 50 sierte Venus voraus. Denn bei Murcia stützt 

coiraoerunt . .) und Abella (AoiUiafe] Aeliane sie sich auf Ableitung des Namens von der 

. . sacerdotfij IooiafeJ VenerfiaeJ AbellanorfumJ Myrte, der heiligen Pflanze der griechischen 

CIL 10, 1207 = Dessau 3186) und die rätsei- Aphrodite (Plin. n.h. 15, 120 f und mehr oben 

hafte Venus flsica von Pompei (CIL 4. 1520 = Bd. 2, Sp. 3232 f.; Venus Murcia zuerst bei 

Buecheler, Carm. ep. 354; 10, 928 = Dessau31S0). Varro de l. I. 5, 154); die neuerdings durch die 

Dagegen scheint der Beiname felix erst von Inschrift eines Siebes aus dem 6. Jahrh. d. St. 

der sullanischen Kolonie Pompei ans Verbrei- bekannt gewordene mater Mursina (CIL 1*, 

tung auch in der Umgebung gefunden zu haben 580) ist wahrscheinlich wirklich eine Mvgalvri, 

(s. unt. Sp. 193). Von der oskischen Göttin He- hat aber dann nichts mit Murcia zu tun, son- 
renta(ti)s wissen wir zu wenig, als daß wir 60 dem gehört in den Kreis der Aphrodite: eine 

beurteilen könnten, aus welchen Gründen und alte und ursprüngliche Beziehung der Myrte 

wann ihre Gleichsetzung mit Venus erfolgt ist: zur italischen Göttin Venus besteht nicht, 

daß sie erfolgt ist, zeigt die Inschrift der Mar- und wenn Plinius (n. 7t. 15, 125) meint, der 

morplatte eines Opfertisches aus Herculaneum, Feldherr, der bei der Siegesfeier der ovatio den 

Conway, IM. (IM. nr. 87, mit der Widmung Myrtenkranz trug, sei myrto Veneris Victricis 

Serentatei Herukinai, wo zweifellos Veneri Eru- coronatus einhergeschritten, so ist das ebenso 

einae zu erklären ist (vgl. die Inschrift eines nur ein Deutungsversuch, wie der des GelHus 

Dachziegels aus Puteoli CIL 10, 8042, 1 = Des- (6, 6, 22), die Veneris frons sei um der Leichtig- 



187 Venus Venus 188 

keit des erfochtenen Sieges willen gewählt, verkennen: in der hier vorliegenden Berührung 
quod non Martius, sed quasi Venerius quidam beider Anschauungen iBt die Grundlage für die 
triumphus fvret. Die Kloakengöttin wird von zwei Generationen später erfolgte Gleichsetzung 
Plinius n. h. 16,119 (danach Serv. Aen. 1,720) der griechischen Aphrodite mit der italiscbenVe- 
als Venu» Cluacina bezeichnet, wobei er einer nus gegeben, tibrigens haftete die Vorstellung 
bedenklichen Etymologie (cluere = purgare) zu- von der Gartengöttin Venus so fest im Be- 
liebe den Namen Cloacina in Clvacina ändert, wußtsein der ltaliker, daß sie sich noch weit 
Für Libitina, die ihrerseits wieder mit einer über die Zeit des Eindringens des griechischen 
von ihr veiscbiedenen Göttin Lubentia (Plaut. Aphroditedienstes erhalten hat. Nicht nur Plau- 
Asin. 268) zusammengeworfen wurde (s. oben 10 ius sprach von der Göttin in diesem Sinne 
Bd. 2, Sp. 2034 f.), bildete die Brücke zur Ver- (Plin. n h. 19, 60 quamquam hortos tutelae Ve- 
bindung mit Venus, und zwar in der griechi- neris adsignante Plauto = frg. ine. 26 Leo), son- 
schen Auffassung als Liebesgöttin, die etymo- dem auch eine pompeianische Gefäßinscbrift 
logische Herleitung von libido (Varro de l. I. (CIL 4,2770) lautet: praesta mi sincerußO, sie 
6, 47 a lubendo libido, libidinosus ac Venus Li- te amet que custodü ortu(m) Venus, und wenn 
bentina et Libitina, sie alia; vgl. Varro bei das vor der Porta Colliua gelegene Heiligtum 
Non. p. 64. de. de nat. deor. 2, 61. Serv. Aen. der griechischen Venus Erucina (s. unt. Sp. 190) 
1,72«. Placid. Corp. gloss. lat. 6,30,14f.), zu- in der Kaiserzeit als das der Venus hortorum 
gleich aber auch die Tatsache, daß einer der Sallustianorum bezeichnet wird (CIL 6, las — 
ältesten, wahrscheinlich überhuupt der älteste so Dessau 8184 aeditui Veneris hortorum Sallustia- 
stadtrömische Tempel der Venus im Haine der norum, ebenso 6, 824M; vgl. 32468 minMer al- 
Libitina gelegen war (Fest. p. 266), der darum [maej Vener's ex hofrtis] Sallustian[isJ , dazu 
vereinzelt auc h lucus Veneris Lubentinae ge- R. Lanciani, Süll arch comun. 16 [1888J, S. 3 ff. 
nannt wird (Varro bei Non. p. 64; vgl. 'Ayoo- Hülsen, Köm. Mitteil. 4 |188'J], S. 270 ff.), so ist 
tft't7] iv alau xa^iSgviiivri, JDion. Hai. 4, 16, 6). der ZuBatz nicht eine bloße Ortsbezeichnung, 
Daß Venus hier als Beschützerin der Gärten sondern eine Wiederaufnahme alter Vorstel- 
und Patronin der Gemüsezüchter (holitores) lungen. Wenn Naevius in komischer Ubertrei- 
verehrt wurde, wird ausdrücklich bezeugt, da- bung der Metonymie sagen konnte: cocus edit 
her war auch der Stiftungstag des Tempels auf Neptunum, Cirerem et Venerem expertam Vol- 
den Tag der Vinalia rustica am 19. August so eunum, Liberumque obsorbuit pariler (com. 121 ff. 
gelegt, da zwischen Wein- und Gartenbau enge Sibb. aus Corp. gloss. lat. 5,621 666), so muß 
Beziehungen bestanden (Fest. p. 266 eodem autem Venus als Göttin der hotera dem Publikum 
die Ventri templa sunt consecrata, alterum ad damals noch ganz geläufig gewesen sein; bei 
circum maximum, alterum in luco Libilinensi, Plautus iud. 146 f. Cereiem te meliust qvam 
quta in eiusdem deae tutela sunt horti; vgl. Venerem seetarier: amori haec curat, tritico cu- 
p. 289 . . omnes horti in (tutela Venerisy. Varro rat Ceres und Terenz Fun. 732 verbum hercle 
de 1. 1. 6, 20 quod tum Veneri dedicata aedes et hoc verum erit : 'sine Cerere et Baccho friget 
(hyorti ei deae dicantur ac tum sunt feriati Venus' (weiteres dazu bei Otto, Spriihuörter 
olitores); obwohl die Vinalia rustica von Haus d. Homer S. 366) haben wir in ähnlicher Ver- 
ans ein Juppiterfest wan-n, trat bald die jün- 40 bindung die später bo überaus häufige Met- 
gere Göttin so in den Vordergrund, daß man onjmie Venus = awor. Selbst in der Vorschrift 
in erster Linie an sie dachte: Varro der.r. 1, des Vitruv 1, 2, 6 Veneri Floiae Proxeipivae 
1, 6 item adveneror Idinervam et Venerem, qua- ftmtium nymphis Corinthio genere constitutae 
rum unius procuratio oliveti, alter iv 8 hortorum; aptas videbuntur habere propiietates, quod his 
quo nomine rustica Vinalia instituta ; derselbe diis ptopter teneritatem graeihora et florida et 
Gelehrte gab einer seiner menippeiBchen Sati- volutis ornata opera facta augere videbuntur 
ren die Überschrift Vinalia »ffi atpooiieitav, ivstum deemem wirkt vielleicht noch ein Best 
sicher mit Bezug auf die Vinalia rustica, da der alten Vorstellung nach, während die Lie- 
er von den Vinalia priora im April an anderer be6göttin deutlich hervortritt ebd. 1, 7, 1 extra 
Stelle (de l. I. 6, 16) mit deutlicher Ablehnung 60 murum Veneris Volcani Mortis fana ideo con- 
abweiebender Ansichten ausdrücklich sagt: hie locari, uti non insuescat in urbe aduletcentibux 
dies Jovis, non Veneris. Ein zweiter Tempel seu matribus familtarum Veneria libido. 
derselben Göttin, der sein Stiftungsfest am glei- Die Hellenisierung des römischen 
chen Tage beging (Fest. p. 265. Fast. Voll. z. Venusdienstes und damit die Umwandlung 
19. Auijust, CIL 1 ! , p. 826), lag beim Circus der Gartengöttin zur Liebesgötlin knüpft an 
maximus [Hülsen- Joi dun , Topogr. 1,3, S. 114), das berühmteste Aphnxüteheiligtum Großgrie- 
seine Errichtung ertölgte nach Livius 10,31,9 chenlands, das auf dem Beige Eryx im west- 
im J. 469 — 296 durch den Aedilen Q. Fabius liehen Sizilien gelegen war und, wenn auch ur- 
Gurges ex midtaticio aere, aus Strafgeldern sprünplieb wohl phönikitchen Ursprungs, zu 
wegen Unzucht verurteilter Matronen. Wenn so der Zeit, als es die Römer bei ihrer dreijiibri- 
auch dieser letztere Umstand sowie der aller- gen Besetzung des Berges im ersten Pumschen 
dings nur in dem sehr unzuverlässigen Scholion Kriege (607—510 = 247—244) näher kennen 
des Serv. Aen. 1,720 ihr beigelegte Name Ob- lernten, durchaus griechischen Charakter ge- 
sequens (s unt. Sp. 202) bereits auf die Liebes- tragen zu haben scheint (\gl. E. Ciaari, Culti 
göttin, also auf griechische Auffassung, hinzu- e miti nella ttoria dell' antica Sicilia, 1911, 
weisen scheint, so bißt doch andererseits die S. 76ff.). Die offizielle Aufi.ahme dieses Kultee 
Wahl des Stiltungstages, eben der ländlichen in Korn erfolgte in der religiös sehr stark be- 
Vinalien, die Beziehung zur Gartengöttin nicht wegten Zeit am Anfange des hannibalischen 



189 



Venus 



Venus 



190 



Krieges. Bei dem großen Zwölfgötterlectiiter- 
nium nach der Schlacht am Trasimenischen 
See im J. 687 — 217 (Liv. 22, 10, 9) ericheint 
zum ersten Male auch Venus, und zwar ge- 
paart mit Mars, also sicher die griechische 
Liebesgöttin (ebenso bei Enn. ann. 6ü Vald. 1 ), 
und gleichzeitig wurde auf Geheiß der sibylh- 
nischen Bächer der Venus Erucina durch 
den Diktator Q. Fabius Maiimus ein Tempel 
auf dem Capitol gelobt, dessen Einweihung 10 
zwei Jahre später stattfand (Liv. 22, 9, 9 f.; 10, 
10. 23,80,18f.;81,9; Tgl. dazu F. Munter, Born . 
Adelsparteien und Adelsfamilien, 1920, S. 79 f.). 
Ein Menschenalter später folgte ihm ein zwei- 
ter, im Kordosten außerhalb der Stadt vor Porta 
Collina gelegener, vom Consul L. Porome im 
Kriege gegen die Ligurer (670 — 184) gelobt 
und von seinem Sohne 673 = 181 geweiht (Liv. 
10, 84, 4). Daß sein Stiftungstag auf die andern 
Vinalia, die sog. Vinalia priora am 23. April, 10 
gelegt war (fast. Antiat. vet. [Notit. d. seavi 1921, 
78 ff.J. Ovid. fast. 4, 871 ff. mit mehrfachen Dn- 
genauigkeiten), beruht wohl auf beabsichtigter 
Anlehnung an die einheimischen Venusvorstel- 
lungen; mit dem Charakter des Tages hängt 
jedenfalls auch der von Plutarch (Qu. Born. 46) 
bezeugte Festbrauch zusammen, reichlich Wein 
aus dem Tempel der Venus auszugießen (itoXvv 
olvov ix%iovatv ix ro« Uoov xijs Uqpjojir j)t), 
d. h. doch wohl vor dem Tempel eine reichliche so 
Weinspende darzubringen. Der von einem sehens- 
werten Säulengange umgebene Tempel, der als 
die eigentliche römische Filiale des sizilischen 
Heiligtumes galt (Strabo 6, 272), wird wieder- 
holt erwähnt, so von Ajipian. b. c. 1, 98 bei der 
Einnahme der Stadt durch Sulla; Livius 30, 
88, 10 läßt irrtümlich schon im J. 662 — 202, 
d. h. mehr als 20 Jahre vor seiner Erbauung, 
die Apollinarspiele wegen einer Tiberüber- 
schwemmung extra portam Collinam ad aedem 40 
Erucinae Veneris gehalten werden. Auf einen 
Neubau des Tempels in augusteischer Zeit weist 
ein zweiter Stiftungstag desselben am 24. Ok- 
tober; denn auf diesen Tag hat Hülsen (Atti 
d. Pontif. Acead. Born, di archeol. 1921) mit 
Recht das von Benzen fälschlich dem 23. April 
zugewiesene Bruchstück der fast. Areal, fixiert 
(vgl. Winsowa, Hermes 68 [192S], S. 378). Daß 
daB Publikum dieses Gottesdienstes namentlich 
aus Frauen der Halbwelt bestand, deutet Ovid so 
(fast. 4,871 vgl. mit 865 f.) an (daher wird 
sein Stiftungstag am 23. April in den fast. 
Praen. geradezu als dies meretricum bezeichnet, 
CIL 1*, p. 3li>), daß dort Losorakel erteilt wur- 
den, zeigt der sortüegus ab Vettere Erucina 
CIL 6, 2274. Auf das Kultbild, das sicher dem 
des sizilischen Tempels nachgebildet war (vgl. 
WiSKOwa, Gesamm. Abhandl. 8. 11 ff.), bezieht 
sich Ovid rem. am. 649 ff. est prope Collinam 
templum venerabile portam (im/ osuit templo no- so 
mina cehus Eryx) : est Wie Lethaeus amor, gui 
pectora satiat usw., aus dessen Worten hervor- 
gebt, daß die Göttin dort von Eros begleitet war. 
Ihren Kopf (entweder den des römischen oder 
des sizilischen Bildes) wird man auf der Vor- 
derseite der Denare des C. Considius Nonianus 
aus ciceroniseber Zeit (Babelon, Mann, de la re- 
publ. Born. 1, 876, nr. 1, hier Abb. 1) erkennen 




1) Denar dei G. Comiriiui NouUnut 

(n&oh Bahrten, Hon*, de la rSpubl. 

Rom. 1, 376 , ST. 1). 



dürfen, da die Bückseite derselben Denare das 
Heiligtum auf dem Berge Eryx (mit der Bei- 
schrift ERVC) zeigt; dagegen darf der Versuch 
E. Petersens 
(Born. Mitt. 7 /^ä»»öfX 
[1892J, S. 88 ff., /XfiffleStL \ 
bes. 8. 77 f.), den l&-aBxmm \ 
von einer ar- 
chaischenAkro- 
Hthsta tue stam- 
menden Kolos- 
salkopfderVilla 
Ludovisi (Hei- 
big, Führer 
durch die öffentl. Samml. class. Altertümer in 
Born' 2, 88 ff., nr. 1288) für das vom Eryx 
nach Rom gebrachte Kultbild in Anspruch 
zu nehmen, als gescheitert gelten (vgl. Heibig 
a. a. O. 2, 78. Studniczka, Jahrb. d. arch. Inst. 
26 [1911], S. 162). Da Aineias als der Grün- 
der des erycinischen Tempels galt (s. oben 
Bd. 1, 8p. 171 f.), so ist die vielfach ausgespro- 
chene Vermutung (s. namentlich H. Nissen, 
Jahrb. f. Philol. 91 [1866], S. 886 f.) berechtigt, 
daß eben im Anschlüsse an diesen Kult die 
Aineiassage für Rom eine solche Bedeutung 
gewann, daß sie alle übrigen Versuche, die 
römische Gründungsgeschichte an griechische 
Überlieferungen anzuknüpfen (darüber beson- 
ders B. Niese, Hislor. Zeitschr. N. F. 28 [1888], 
S. 481 tf.), zurückdrängte und dem Glauben an 
die troische Herkunft der Römer allgemeine 
Geltung verlieb. So erklärt es Bich auch, daß 
der römische Staat das erycinische Heiligtum 
mit besonderer Ehrfurcht behandelte: die 17 
treuesten Städte Siziliens versehen im Auftrage 
des Senates den Priesterdienst, eine Wache von 
200 Soldaten sorgt für die Sicherheit, die nach 
Sizilien kommenden Konsuln und Prätoren brin- 
gen dort feierliche Opfer dar (Viodor. 4, 83, 
6 f.), Erneuerungsbauten des Tempels haben 
noch die Kaiser Tiberius und Claudius vorge- 
nommen (l'ac. ann. 4, 43. Suet. Claud. 25, 6; 
vgl. auch das Weihdenkmal der beiden Apronii 
Caesiani CIL 10, 7257 = Buecheler, Carm. ep. 
1626); alles das taten die Römer to yivog iti 
vavtriv (die Aphrodite vom Eryx) avaniunovzes 
*al Itä rofao iv ralg »pälsoi» innvxitf Svtse 
(Diod. 4, 83, 6), und es verdient das um so mehr 
Hervorhebung, als sonst die Zeugnisse für die 
Verehrung der Venus Erucina außerhalb Sizi- 
liens (vom Eryx selber stammen die Inschriften 
IG 14.281ff. CIL 10,7268— 7255 = De«««« 81 63 
bis 3164 a, aus Syrakus CIL 10, 7121) recht spär- 
lich sind ; sie finden sich nur vereinzelt in Cam- 
panien (Potentia CIL 10, 134 vom J. 210 n. Chr.; 
Puteoli 10, 8042, 1 — Dessau 3 1 66 ; Herculaneum 
s. oben Sp. 186) und Afrika (Carthago CIL 8, 
24528; Thibilis in Numidien Cugnat- Besnier, 
L'annee epigr. 1908, nr. 8), anderes wie CIL 14, 
2584 (Tusculum) ist zu unsicher, um herange- 
zogen zu werden. Wichtig ist, daß seit der 
zweiten Hälfte des 2. Jahrh. v. Chr. das Bild 
der auf einem Zweigespann fahrenden Venus, 
neben der ein kleiner geflügelter Eros schwebt, 
auf der Rückseite von Denaren erscheint, deren 
Münzmeister sog. familiae Troianae angehören, 
zuerst auf denen der Gens Iulia (Babelon a. a. 0. 




191 Venus Venus 192 

2, 8, nr. 2, hier Abb. 2; spater Venus auf einer von diesem Tempel gehört als Stiftungstag der 
fliegenden Eroten gezogenen Biga, ebd. 5, nr. 4), 1. April (Ovid. fast, 4, 169f.), der nachher als 
nachher auf solchen der Gens Memmia (ebd. allgemeines Frauenfest unter dem Namen Ve- 
2, 214, nr. 2 ; 216, nr. 8). Von aol- neralia (Philoc.) große Volkstümlichkeit genoß 
chen Darstellungen Bcheint das (s. Art. Verticordia) und mehr noch als der Na- 
Bild bei Varro sat. Menipp. 87 talis der Venus Erucina am 23. April der Mei- 
Buech.: ludere, esse, amare et Ve- nung derjenigen Gelehrten zur Stütze diente, 
neris teuere bigas entnommen, und die den ganzen Monat April für der Venus 
auch die horazische Vorstellung heilig erklärten und seinen Namen von <4qppög 
von der von locus und Cupido, 10 ableiteten (Fulvius und Iunius bei Varro de l. I. 
S) Denar des d. h. von zwei Eroten, umflat- 6, 33. Censorin. 22,9. Macrob. Sat. 1, 12, 8. Ovid. 
Sei. Juiiu« o»i- terten Erycina (c. 1, 2, 33 Ery- fast. 4, 61 f. u. a., Anspielung darauf bei Horai 
sar (nach Sa- CJMO r id ens> quam locus circum- c. 4,11,15 qui dies mensem Veneria marinae 
wo« ». a. o. », mlat et Cupido .^ eine Mehrzahl fmdit Aprüem). Da jedoch der Name Verticor- 
' von Eroten bei Venus oft in rö- dia nur den Gelehrten bekannt ist und der 
mischer Dichtung, z. B. Ooid. am. S, 2, 55 Tempel nie wieder eiwähnt wird, scheint der 
nos tibi, blanda Venus, puerisque potentibus Zusammenhang des Festes am 1. April mit 
arcu plaudimus. Sil. Ital. 7, 171 Venus alige- diesem Tempel ganz in Vergessenheit geraten 
rum sie fatur mater Amorum. Stat. silv. S, 4, und der Dienst der Verticordia in der Menge 
80. Claudian. in Eutrop. 1, praef. 68) liegt so der sonstigen Venuskulte aufgegangen zu sein. 
davon nicht weit ab. Der Venusdienst der Einen besonderen Aufschwung nimmt der 
Iulier mit den an ihm hängenden Traditio- Gottesdienst der hellenisierten Venus im letz- 
nen ist später durch C. Iulius Caesar für das ten vorchristlichen Jahrhundert, da die größten 
ganze Reich von Bedeutung geworden, zu Ehren Machthaber dieser Zeit, Sulla, Pompejus, Cae- 
des Hauses der Memmier aber hat Lucrez die sar und Augustus, Verehrer der Göttin in ver- 
schöpferische Naturkraft, die er im Prooemium schiedenen Formen waren. Sulla betrachtete 
seines dem C. Memmius, Praetor 6:)6 = 58, ge- sich als unter dem besonderen Schutze der 
widmeten Lehrgedichtes de rerum natura in Venus stehend, seitdem ihm nach der Besie- 
schwungvollem Hymnenstile anruft (vgl. dazu gung des Mithradatea ein griechisches Orakel 
H.Diels, S.-B. Akad. Berlin 1918, 920ff. F. Ja- so geoffeubart hatte, daß ihm xodtos piyu Kvxgig 
coby, Hermes 56 [1921], S. 46, 1), Venus genannt. ftSraxf» Alveiov yivirj uensXrt^rr], und ihm an- 
Da der Dichter in den oft nachgebildeten An- befohlen hatte, der Göttin der karischen Stadt 
fangsworten (vgl. z. B. Auson. ecl. 11,7; epigr. Aphrodisias ein (goldenes) Beil zu stiften, was 
62, 2, p. 98. SH1 Peip. Buecheler, Carm. ep. 1526 er auch tat unter Beifügung einer Weihinschrift, 
C 6) die Göttin ausdrücklich als Aeneadum ge- in der er darauf hinwies, wie er Aphrodite im 
netrix anruft und die Memmier ihren Stamm- Traume gesehen habe &vä argaririv Siinovaav 
bäum auf einen Gefährten des Aineias, Mne- revxeaiTole"Agfös naQvajiivnv faonXov (Appian. 
stheus, zurückführten (Verg. Aen. 5, 117 und b. c. 1,97). Er gab der Dankbarkeit für diese 
dazu Serv., offenbar aus Varros Buche de fa- göttliche Spenderin seines Glücks und seiner 
miliis Troianis), ist der Zusammenhang völlig 40 Erfolge dann dadurch Ausdruck, daß er den 
klar (so auch E. Norden, N. Jahrb. f. Mass. von ihm angenommenen Beinamen Felix in 
Altert. 7 [1901], S. 258), und es bewarf nicht griechischen Urkunden offiziell durch die Be- 
der geistreichen, aber auch künstlichen Kom- Zeichnung ixatpQoätrog wiedergab (Appian. a. 
binationen von F. Marx (Bonner Stud. f. B. a. 0. Diodor. 38,15. Flut. Sulla 34; de fort. 
Kekule, 1890, S.llöff., vgl. N. Jahrb. 3 [189!)], Bom.i; so im SC über Oropos 7G7.413, Z.52), 
S. 542 ff), der von der Annahme ausgeht, daß weil itletatov kcpgoShris rj rv%r\ \ieTlemxiv 
die Venus des C. Memmius die des Sulla ge- (Plut. de fort. Born. 4). Von der Gründung eines 
wesen sei, von der sogleich zu reden sein wird. Venustempels durch Sulla erfahren wir nichts, 
Unbekannter Herkunft ist der Kult der Ve - wohl aber kennen wir das Bild, unter dem er 
nus Verticordia, deren Bild gegen Ende 60 die Göttin verehrte, aus den Denkmälern der 
des zweiten Punischen Krieges, um dieselbe von ihm gegründeten und unter den Schutz 
Zeit, in der auch der Gottesdienst der Großen der Venus gestellten Kolonie Pompei, colonia 
Mutter in Rom Aufnahme fand, auf Senats- Veneria Cornelia (CIL 10,787 = Dessau 5915), 
beschluß durch eine vornehme Frau von beson- die ganz und gar als Stadt der Venus galt 
ders bewährter Keuschheit geweiht wurde, wäh- (vgl. Buecheler, Carm. ep. 44 amoris ignes si 
rend sie einen Tempel erst ein Jahrhundert sentires, mulio, magi properares ut videres Ve- 
später im J. 640 = 114 erhielt; beides geschah nerem, d. i. Pompei). Die in den Inschriften als 
auf Veranlassung der sibyllinischen Bücher, es Venus Pompeiana wiederholt erwähnte (CIL 
handelt sieh also zweifellos um eine griechi- 4, 26. 538 [= Dessau 5138]. 1520 [= Buecheler, 
sehe Gottheit, und sowohl der Name ('Aitoetqo- 60 Carm. ep. 3541. 2457) Göttin, von deren Tempel 
cpla, Iva tnifrvpiag zs &vopov xai loyav ävo- auf der dem Meere zugewandten, hochragenden 
eimv &Ttoaroicprj t6 yivos täv ötv^gäitau, Paus. Ecke des Stadthügels seit 1898 erhebliche Reste 
9,16,4), wie das, was über den Anlaß dieser aufgedeckt worden sind (vgl. Mau, Böm. Mitteil. 
Stiltungen berichtet wird, zeigen, daß dieser 15 [1900], S. 270 ff; Pompeji in Leben u. Kunst* 
Gottesdienst dazu bestimmt war, einen heil- S. 120 ff.), tritt uns in einer ganzen Reihe von 
samen Einfluß auf die sich lockernde Zucht Wandbildern immer in der gleichen eigenarti- 
im Liebesleben namentlich der Frauenwelt aus- gen Auffassung entgegen, deren Deutung als 
zuüben (die Zeugnisse im Art. Verticordia). Zu Venus (Pompeiaua) durch das Zwölfgötterbild 



193 



Venus 



Venus 



194 



an der Außenwand eines Eckhauses {Helbig, 
Wandgemälde nr. 7 = Annali d. Inst. 1850, tav. 
d'agg. K) gesichert ist: zu den Bildern bei 
Helbig a. a. 0. nr. 60. 65 f. (nr. 65, hier Abb. S) 
295 f. 1497 (dazu 0. Roßbach, Jahrb d. arch. 
Inst.S [1893], S. 67 ff.) sind neuerdings einige 
weitere getreten, Notiz, d. Scavi 1912, 138 
(die Göttin zwischen zwei fliegenden Eroten) 
und 177 (die Göttin auf einer Elephanten- 
quadriga). Die stehende, in einen mit Ster- 
nen besäten Mantel gehüllte Göttin, neben 
welcher Amor steht, tragt auf dem Haupte 
eine Mauerkrone und hält in der rechten Hand 
einen Ölzweig, während der linke Arm, an dem 
das Zepter lehnt, "uf dem oberen Ende eines 
mit dem Griffe nach unten aufrecht stehenden 
Steuerruders ruht. Da das letztere ein bekann- 
tes Wahrzeichen der Tyche - Fortuna und der 
ramm felicis olivae ( Verg. Aen. 6, 23») ein eben- 
so häufiges Attribut der Felicitas ist, so kenn- 
zeichnen diese Beigaben deutlich eine schick- 
salsmächtige und glückverleihende Gottheit, 
während Amor sie als Venus erkennen läßt 
und Zepter und Mauerkrone der Stadtgöttin 
zukommen. Daß wir hier Venus in derjenigen 
Gestalt vor uns haben, welche ihr die Auffas- 
sung Sullas gab, darf als sicher gelten {Wis- 
sowa, Ges. AblnJlg. S. 18 ff.), der Diktator hat 
also weder das Bild der bewaffneten Aphrodite 
rtxnqpönog , von der er in der oben erwähnten 
Weihinschrift, sprach, übernommen, noch, wie 
F. Marx meint {N. Jahrb. f. klass. Altert. 3 
[1899], S. 543 ff.), das die große vorderasiatische 
Naturgöttin verkörpernde Idol von Aphrodisias 
(über dieses s. C. Fredrieh, Athen. Mitteil. 22 
[1897], S. 361 ff.), sondern in originaler Weise 
einen neuen Typus geschaffen, in welchem er 
— ein für die Homer charakteristisches Ver- 
fahren — durch neue Kombination der Attri- 
bute einen besonderen Gedankeninhalt zum 
Ausdrucke brachte. Man wird diesem Bilde den 
Namen Venus Felix, obwohl er für dasselbe 
nicht bezeugt ist, nicht vorenthalten dürfen, 
nur daß dabei nicht an eine alte, in Campa- 
men heimische Verehrungsform der Göttin ge- 
dacht werden darf {Preller, Rom Myth. 1 3 , 448, 
vgl. Nissen, Pompejan. Stud. S. 343), sondern au 
die zu Sulla Felix gehörende Venus Felix, die 
dann außer in Rom {CIL 6, 781. 78i [= Des- 
sau 3166]. 8710), von Pompei aus sich verbrei- 
tend, auch in Unteritalien hie und da Ver- 
ehrung fand, so in Peltuinum (CIL 9, 3429 eine 
saccrdos Veneris Felicis im J. 242 n. Chr.) und 
Caiatia {CIL 10,4570); wie der Glanz des pom- 
peianischen Veiui!.dienstes die ganze Umgegend 
verklärte, zeigen Stelleu wie Martial. 4,44,5 
haec Veneris sedes Lacedaemone gratior Uli, hie 
locus Herculeo nomine clarus erat und 11. 80, 1 
littus beatae Veneris aitreum Bains. 

Die waffentragende und siegverleihende 
Aphrodite, die einst Sulla im Traumbilde ge- 
sehen hatte, und die im griechischen Osten 
außer an anderen Orten (Gruppe, Gr. Mythol. 
2, 1352, 4) auch in Pergamou als JVixrjij öpos ver- 
ehrt wurde (Polyb. 18, 2, 2 = Liv. 32, 33, 5; 34, 
9), hat bald nachher durch Cn. Pom peius 
Magnus als Venus Victrix (diese Bezeich- 
nung schon in dem Bruchstücke aus einer Pal- 



liata, ine. ine. 13 Mibh. bei Varro de l. I. 5, 62 
hui, victrix Venus, videsne hatc?) in der Weise 
einen eigenen Kult erhalten, daß ihr die Haupt- 
eigenBchaft der sullanischen Venus Felix als 
besondere göttliche Personifikation Felicitas 
zur Seite trat. Auf der Höhe des von Pompeius 
im J. 699 = 55 eingeweihten ersten steinernen 
Theaters (darüber Hülsen-Jordan, Topogr. 1 , 3, 
S. 525 ff.) erbaute er nämlich einen Tempel der 

10 Venus Victrix (so Plin. n. h. 8, 20, dagegen 
nennt Victoria Tiro bei Gell. 10,1,7; Venus 
schlechthin Plut Pomp. 68. Tertull. de spect. 10. 
Porphyrio zu Hör. sat. 1, 2, 94) und andere Hei- 
ligtümer {cum prius apud superiores aedes 
supplicasset , Suet. Claud. 21,1). Daß es außer 
Venus Victrix (auf welche sich die in dieser 
Gegend gefundene Weihinsehril't CIL 6,785 
bezieht) Felicitas und das Götterpaar Honos 
und Virtus waren, die hier verehrt wurden, 

20 lehrt uns eine Notiz der fasti AmiU-rnini ;ähn- 
lich die fast. Allif.) zum 12. August: Veneri 
Victrici, Honfory Virt(uti), Felicituti in thentro 
marmoreo {CIL l s , p. 324;, und daß die Ver- 
bindung von Venus (Victrix) und Felicitas eine 
Umbildung der sullanischen Vorstellung von 
Venus Felix darstellt, kann um so weniger 
zweifelhaft sein, als sie noch in einer zweiten 
Notiz derselben fasti Amiternini sowie der 
fasti Arvalium zum 9. Oktober {CIL l a , p. 331) 

80 wiederkehrt: Genio public(oi, faustae Felicituti, 
Vener(i) Victriici) in Capitolio (von der hier 
erwähnten Venus Victrix auf dem Capitol soll 
weiter unten Sp. 199 die Rede sein). Zur Ver- 
bindung von Venus mit Honos und Virtus läßt 
sich Verg. Cul. 299 quorum conubiis Venus el 
Virtus iniunxit honorem vergleichen; schon bei 
PlaulM* Baech. 893 stehen Virtus Venu* neben- 
einander. 

Tief in den Schatten gestellt wurden aber 

40 die Venusdienate sowohl des Sulla wie des 
Pompeius durch den des Caesar, der weder 
der glückbringenden noch der siegverleihenden 
Göttin galt, sondern der Stammutter des eige- 




3) Venus Pompeiana, von einem pompejanisehen Wandbildu 
(nach N. Jahrb. f. d. *fa»j. Alttrl. 1 [1S!)8], S. 170). 



195 



Venus 



Venus 



196 



nen Geschlechts (ab Anchise et Vettere deducens 
genus, Vellei. Totere. 2,41,2), die zugleich die 
des römischen Volkes (Veneria gens, Sil. Itdl. 
4, 133. 12, 324) war. Schon in seiner Leichen- 
rede auf seine Tante Iulia, die Witwe des 
C. Marina, im J. 686 = 68 hob Caesar hervor: 
nam ab Anco Marcio sunt Marcii Beges, quo 
nomine fuit mater; a Venere Iulii, cuius gentis 
familia est nostra (Suet. Caes. 6,1), und im 
J. 706 = 49 bezeichnet M. Caelius Rufus (Cic. 
epist. 8, 16, 2; vgl. Cicero bei Sueton Caes. 49, 3 
a Venere orti) den Caesar höhnisch als Vettere 



Vio. 43, 43, 3, nach welchem er auch in einem 
Ringe ein 'A<pvodizr)s yWjijia ?»o«iloi> zu tragen 
pflegte, dessen Abbild uns vielleicht noch in 
gewissen Prägungen der caesarischen Münz- 
meister aus dem J. 710 = 44 erhalten ist, Wis- 
sowa a. a. 0. S. 38) xaqiazrjQiov iv 'Pröjtjj jtom(- 
euv, während Pompeius in derselben Nacht 
träumte, er weihe in Rom einen Tempel der 
Venus Victrix (Appian. b. c. 2, 69 ; beideB durch- 
10 einandergeworfen bei Serv. Aen. 1 , 720 Gene- 
trix ex Caesaris sumnio sacrata). Es mögen Er- 
wägungen politischer Klugheit gewesen sein. 




i) Belief in Villa Medioi (n»oh Brunn, Kleine Sehrißen 1, 111). 



proynatus ; im folgenden Jahre ehren die Städte, 
Demen und Stämme der Provinz Asia Caesar 
als zbv &nb "AQtag xai 'A^QoSs[i.]zr]t freir ini- 
Kfuvfi xal ytoivbv zov &v&qghiLvov ßlov GGizf]Qcc 
(C1G 2967 = Dittenberger, Sylt 1 760). Von i 
grundlegender Bedeutung wurde diese Verbin- 
dung für die religiöse Begründung der Mon- 
archie. In der Nacht vor der Schlacht bei Phar- 
salos hatte nach Appian b. c. 2, 68 Caesar Mars 
xal zr\v tavzoG itgoyovov 'AcpgoSiznv angerufen 
und gelobt veäv aizfj rtxrjqpöpm (also als Vic- 
trix; diesen Namen gab er auch bei Pharsalos 
als Parole aus, Appian b. c. 2, 76, vgl. 104. Cam. 



die Caesar bestimmten, bei der Erfüllung des 
Gelübdes den über römische Bürger erfochte- 
nen Sieg weniger stark zu betonen als die 
Hilfe, die ihm von seiner und zugleich des 
i römischen Volkes Ahnfrau geworden war, und 
daher den Tempel nicht der Venus Victrix, 
sondern der Genetrix zu weihen (Appian. 6. 
c. 2, 102 &viezr\et v.a\ zy revezeiQoc zbv vewv, 
(öffTtsp rji>£"ro fiiXliov iv &aeedla \ta%£i<süa.i\ 
vgl. Cass. Dio 43, 22, 2 äs xal ttQxriyiziSos tot) 
ysvovs aizoV ovaris); daß die Freude über den 
Sieg ebenfalls zum Ausdrucke kam, dafür sorgte 
die Verbindung der neuen Venus Genetrix mit 



197 



Venus 



Venus 



198 



Victoria, welche nicht nur durch die Denkmaler 
(s. unt. Sp. 199) , sondern auch durch die Tat- 
sache bezeugt wird, daß die bei der Gründung 
des Tempels eingesetzten Spiele bald als ludi 
Veneria Genetricis (Plin. n. h. 2, 93. Obsegu. 68 
[128]. Appian. b.c. 8,28. Cass. Dio 49, 42, 1), 
bald als ludi Victoriae Caesaris (Suet. Aug. 10, 1. 
fast. JUaff. u. Amit. CIL 1', p. 322) bezeichnet 
werden. Der hochberühmte und oft genannte 



Giebelgruppe darstellendes Relief der Villa Me- 
dici (Monum. d. Inst. 5, 40. M. Petersen, Ära 
Pacta Taf. III, nr. VII, vgl. S. 68 ff., hier Ab- 
bild. 4), das eine Zeitlang irrtümlich als ein 
Bestandteil der Ära Facis angesehen wurde 
(dagegen Petersen, Archäol. Ameiger 1908, 
S. 186; Bömische Mitteil. 18 [1903], 8. 882 f. 
Studniezka, Jahrb. d. arch. Inst. 21 [1906], S. 84), 
und eine Altarbasis in San Vitale in Ravenna 



(die Zeugnisse am vollständigsten bei Hülsen- 10 (Conze, Die Familie des Augustus, Halle 1867. 



Jordan, Topogr. 1,8, S. 439 f., vgl. Wissowa a. 
a. 0. S. 27 f.) Tempel bildete den Mittelpunkt 
des mit großer Fracht angelegten neuen Fo- 
ium Iulium und wurde mit diesem am 26. Sep- 
tember (CIL 1*. p. 330) 708 = 46 durch eine 
froße Festfeier eingeweiht, deren alljährliche 
irneuerung erst durch ein Kollegium, dann mit 
verändertem Datum (20.— 30. Juli, s. darüber 
Mommsen, CIL 1", p. 822 f.) durch Augustus 



Michaelis -Wolters, Kunst d. Altert." S. 493, 
Fig. 929, hier Abb. 6) die wichtigsten sind. 
Auf dem erstgenannten Belief steht im Giebel 
des Tempels Venus neben Mars (Studniezka a. 
a. 0. S 86 ff. will in der Figur vielmehr einen 
Divus und zwar Hadrian erkennen), auf dem 
zweiten sehen wir neben anderen Mitgliedern 
der kaiserlichen Familie Augustus und Livia 
(wenn Studniezka, Rom Mut. 26 [1910], S. 64, 2 



selbst vollzogen wurde (Cass. Dio 45, 6, 4. Suet. so an ihre Stelle den Namen der Iulia setzt, weil 
a. a. 0.). Bei der Bestattung 
Caesars pro rostris auruta 
aedes collocata est ad simula- 
crum templi Veneria Genetricis 
(Suet. Caes. 84, 1), und die 
Leichenspiele fanden vor dem 
Tempel der Venus Genetrix 
statt (Serv. Aen. 8,681 dum 
sacrificaretur Veneri Genetrici 
et ludi funebres Caesari ex- 
hiberentur; vgl. Plin. n. h. 2, 
98. Smeca nat. qu. 7, 17, 2); 
als bei ihnen der berühmte 
Komet erschien, wurde von 
Augustus eine Erzstatue des 
Caesar mit dem Stern über 
dem Haupte in jenem Tem- 
pel aufgestellt (Cass. Dio 46, 
7, 1 ; vgl. Suet. Caes. 88. Serv. 
Ecl. 9, 46. Obaequ. 68 [128]). 
Der nicht nur von Caesar 
selbst, sondern auch von den 
folgenden Kaisern des iuli- 
schen Hauses mit Kunstwer- 
ken und Weihgeschenken_ 
überreich ausgestattete Tem" 
pel genoß in der frühen Kaiserzeit ein ganz 
hervorragendes Ansehen und wurde gelegent- 




6) Altarrelief aus Sau Vitale in Ravenna (naoh Conze, Die Familie det Auguatua Tf. 1). 



Livia, deren Ehe mit dem Kaiser unfruchtbar 

blieb, unmöglich als Genetrix dargestellt ge- 

lich auch zu Senatssitzungen benutzt (Tue. ann. wesen sein könne, so erledigt eich dieser Ein- 

16, 27; vgl. CIL 11, 3805 = Dessau 6679). Das 50 wand durch die Bezeichnung der Livia als 



Tempelbild rührte von dem berühmtesten der 
damals lebenden Bildhauer, Arkesilaos, her und 
mußte, da der Künstler es bis zum Stiftungs- 
tage nicht ganz fertigstellen konnte, halbvoll- 
endet geweiht werden (Plin. n. h. 86, 156). Die 
früher übliche Zurückführung eines älteren 
Aphroditetypus, der die Göttin in ein durch- 
scheinendes Gewand gehüllt zeigt, dessen Zipfel 
sie mit der rechten Hand über die Schulter 



Genetrix orbis auf der spanischen Inschrift CIL 
2, 2038 und auf Münzen , vgl. Eclhel , Doctr. 
num. 6, 164), dargestellt als Mars und Venus. 
Venus erscheint beidemal und ebenso auch auf 
anderen Monumentalreliefs als vollbekleidete 
majestätische Frauengestalt mit Diadem und 
Zepter, hinter ihrer linken 
Schulter ein kleiner Amor (eine 
ähnliche Anordnung schon auf 



emporzieht (Friederichs-Wolters, Bausteine zur so der Rückseite der Denare des 



Gesch. der griech. Plastik nr. 1208. Bernoulli, 
Aphrodite 8. 86 ff. Selbig, Führer' 2, 237 f., nr. 
1689, vgl. Gruppe a. a. 0. 2, 1870, 1), auf die 
Venus Genetrix des Arkesilaos darf heute als 
erledigt gelten (vgl. Wissowa a. a. 0. S 29 ff.). 
Dagegen ergibt sich die Anordnung des Bildes 
auB einer Reihe von Denkmälern (Wissowa 
S. 38 ff.), unter denen ein eine Tempelfront mit 



M'. Cordius Rufus etwa vom 

J. 706 — 48, Babelon a. a. 0. 

1 , 388, nr. 1 , hier Abb. 6, wo 

aber Venus eine Wage in der 

Hand hält, vgl. Wissowa a. a. 

0. S. 44 f.), der zu ihr zu reden 

scheint, offenbar im Hinblicke i^l^Babetm 

auf den Liebesbund mit Anchi- o. i, 883, nr. l). 




6) DenaT dei M 1 . 
Cordius Rufus 



199 



Venus 



Venus 



200 



ses, durch den Bie Mutter des Aineias und damit 
die Stammmutter sowohl des römischen Volke) 
wie des iulischen Hauses wurde (vgl. dazu die 
Inschrift von Castulo CIL 2, 3270 — Dessau 5513 
Signa Veneris Genetricis et Gupidinis). Die in die- 
sen Denkmälern immer wiederkehrende Zusam- 
menstellung der Venus Genetrix mit Mars ist 
wohl darauf zurückzuführen, daß auch in ihrem 
Tempel neben ihrem eigenen Bilde das des Mars 
aufgestellt war (darum heißt es auch im Fest- 
verzeichnisse von Cumae CIL 10, 8375 — Des- 
sau 108 zum Geburtstage Caesars am 12. Juli 
Marti UUori Veneri [Genetrici]), wie umgekehrt 
durch Ovid trist. 2, 29-5 f. venerit in magni tem- 
plum, tua munera, Martis: stat Venus Ultori 
iuncta, vir ante fores sicher stellt, daß im Tem- 
pel des Mars Ultor Venus neben dem Inhaber 
des Heiligtums stand (s. dazu Winsowa a. a. 0. 
S. 601'.), und auch im Pantheon beide Gotthei- 
ten eine Gruppe bildeten (Cass. Dio 63,27,2; 
die Statue der Venus erwähnt Plin n. h. 9, 121 
= Macr. Sat. 3, 17, 18). Ein viertes Beispiel 
derselben Vereinigung bot vielleicht ein für 
die frühere Kaiserzeit bezeugter Tempel der 
Venus auf dem Capitol (Suet. Calig 7; Galba 
18,2), auf den sich, wie Mommsen (CIL 1*, 
p. 831) gesehen hat, die früher (Sp. 194) er- 
wähnte Kalendernotiz zum 9. Oktober Genio 
publicfo), faustae Felicitati, Vener(i) Victr(ici) 
in, Capitolio bezieht: es war danach eine Ve- 
nus Victrix. Da sich nun auf Münzen des ersten 
Jahrhunderts der Kaiserzeit, von denen die älte- 
sten, von Octavian geprägten, noch bis in die 
Zeit vor seiner Erhebung zum 
Augustus hinaufreichen (Ba- 
belon a. a. 0. 2, 50, nr. 108. 109 
[|Nt*»*Ä , EuJw\ "™ @°h en > m ^d impir. 1, 72, nr. 
63, hier Abb. 7), und auf 
zahlreichen geschnittenen Stei- 
nen (die Belege bei Wissowa 
„ D a. a. 0. S. 67 f.) ein seiner gan- 

vlttZS.h'Lwo'Ü z ? n Anordnung nach offenbar 




».» 0.2,50, nr.108). 



eine bekannte Statue wieder- 



geben les und durch Beischrift 
gesichertes Bild der Venus Victrix findet, so 
hat die Vermutung viel für sich, daß die Vorlage 
dafür das Kultbild ebendieses kapitolinischen 
Tempels war. Die Göttin steht, vom Bücken und 
der rechten Seite aus gesehen, nur unterwärts 
bekleidet, mit dem linken Arme, in dem die 
Lanze ruht, auf einen Pfeiler gestützt, an dessen 
Fuße ein Schild lehnt, und hält in der rechten 
Hand einen Helm: die eigentümliche Seiten- 
ansicht würde sich am besten erklären durch 
die Annahme, daß das Bild zu einer Gruppe 
gehört, in der zur Rechten der Göttin Mars 
stand, um von ihr die Waffen zu empfangen. 
Die stets wiederkehrende Verbindung von Ve- 
nus und Mars war zwar durch den griechischen 
Mythos und die Paarung beider Gottheiten bei 
dem Lectisternium vom J. 637 ==217 vorgebildet 
und äußert Bich auch sonst, so in der Aufstel- 
lung der Aphroditestatue des Skopas im Mars- 
tempel des Brutus Callaicus (Plin. n. h. 36, 26) 
und in dem Wortspiele des Cicero Verr. 2, 5, 
132 in üla autem calamitate not Martern fuisse 
communem sed Venerem: aber erst jetzt bekommt 
sie für den Römer einen bedeutungsvollen In- 



halt, indem man einerseits bei Venus an die 
Stammutter des römischen Volkes und bei Mars 
an den göttlichen Vater der Stadtgründer (Macr. 
Sat. 1, 12, 8 a quibus esset Momani nominis origo, 
cum kodieque in sacris Martern patrem et Ve- 
nerem genetricem vocemus), andererseits bei Ve- 
nus an die Ahnfrau des iulischen Gesohlechtes 
und bei Mars (Ultor) an den Rächer der Er- 
mordung Caesars denkt. 

10 Unter der Regierung des Augustus und auch 
der folgenden Kaiser des iulischen Hauses steht 
der Kult der Venus in höchster Blüte. Wie 
Augu<tus selber als almae progenies Veneris 
(Horaz carm. 4, 15, 32) und clarus Anehisae Ve- 
nerisque sanguis (Horaz carm. saec. 60) gefeiert 
und Venus als seine besondere Schutzgottheit 
angesehen wird (Neptunus, Venus und Minerva 
als Beschützer des Kaisers bei Actium, Verg. 
Aen. 8, 699 ; vgl. Prop. 4, 1, 46 vexit et ipsa sui 

so Caesaris arma Venus), so zeigt auf Lesbos von 
zwei Zwillingsbasen die eine (CIL 3, 7166 = 
Dessau HT) die Inschrift Iuliae Caesaris ffiliae) 
'IovXioc KaiaaQos &vyuzoi, die andere (CIL 3, 
7157 = Dessau 8171) Veneri Genetrici 'AcpQO- 
Sl[trf\ reviftv« (s. aber dazu P. Riewald, De 
imperatorum Romanorum cum certis dis et com- 
paratione et aequatione, Dissert. philol. Halens. 
20 [1912], S. 811, 1), und als viaAyoodhrj wird 
sowohl Iulia als Dmsilla auf kleinasiatischen 

10 Münzen (wohl aus Pergamon stammt die Münze, 
die auf der Vorderseite Livia mit der Umschrift 
AIBIAN HPAN, auf der Rückseite Iulia mit 
IOYAIAN A0POAITHN zeigt, Imhoof- Blumer, 
Porträtköpfe auf röm Münzen Taf. 1, 10) und 
Inschriften (die Belege bei Riewald a. a. 0. 
S. 311 ff.) bezeichnet; die Gemahlin des jünge- 
ren Drusus heißt auf einer Inschrift aus der 
Troas (Lebas- Waddington, Arne min. nr. 1089 
= Dessau 8787) Aeißlu #t a 'ÄrpQol!itr\ 'Ay%Mias. 

40 Die 1 im J. 710 — 44 nach Caesars Tode gegrün- 
dete Colonia Genetiva Iulia Urbanorum (Urso) 
in Hispania Baetica feiert von Gemeinde we- 
gen neben dreitägigen Spielen für die Götter 
des Capitols nur noch eintägige der Venus 
(CIL 2, 5439 — Dessau 6087, c. 71), offenbar in 
Anlehnung an die römischen der Venus Gene- 
trix, von der die Kolonie den Namen Genetiva 
trägt (Mommsen, Ges Schrift. 1, 252). Dagegen 
ist der Venusdienst der augusteischen Kolonie 

50 Sicca in Numidien (colonia Iulia Veneria Cirta 
nova, CIL 8, 16367 — Dessau 6783) nicht der 
kaiserliche, sondern orientalischer Herkunft, 
da in ihm Tempelprostitution getrieben wird. 
Valer. Max. 2, 6, 15 Siccae enim fanum est Ve- 
neris, in quod se matronae conferebant atque 
inde procedentes ad quaestum dotes corporis 
iniuria contrahebant; nach der Inschrift CIL 
8, 15881 — Dessau 6505 errichteten die Venera 
einem curator reip(ublicae) col(oniae) Siccen- 

60 sium et Veneris eine Statue zum Danke für die 
Wiederherstellung des von Räubern entführten 
Bildes der Göttin: Venerii sind wohl (gegen- 
wärtige und ehemalige) Tempelsklaven der 
Venus, wie die von Cicero (div. in Caec. 66 von 
einer liberta Veneris Erycinae: ut mos est in 
Scilla omnium Veneriorum et eorum, qui a 
Venere se liberaverunt, . . dixit et se et sua Ve- 
neris esse, vgl. pro Cluent. 43 in Sicilia permulti 



201 Venus Venus 202 

Venerü sunt; in Pompei CIL 4, 1146 — Dessau Severue mit Iulia Domna erwähnte 'Ayqoiloiov 
6406 b Paquium d(uovirum) i(ure) d(icundo) tA vara to TLaXazutv (Voss. Dio 74, 8, 1), um 
Fe««»« [d. i. Venerü] rogant) erwähnten in Si- von dem apokryphen Zeugnisse Bist. aug. tyr. 
zilien; ein Vtn(eris) ser(vus) in Sicca, CIL 8, trig. 82, 6 Calpurnia . . ., cuius statuam in 
15946, ein deae Veneria actor ebd. 15894. Bei templo Veneris adhuc vidiwus acrolitham sed 
der cirtensischen Kolonie Ruaicade dürfen wir auratam abzusehen. Von einer Kapelle oder 
aus dem Namen colonia Veneria Kaskade (CIL einem Bilde trug eine Straße der 12. Region 
4 7960 = Dessau 6077) vielleicht auf ähnliche den Namen vicus Veneris almae (CIL 6, 975 = 
Verhältnisse schließen (s. auch unt. Sp. 207). Dessau 6073; ober die Lage Hülsen- Jordan, 
Die enge Verbindung des Venuskultes mit 10 lopogr. 1, 3, S. 198, 39; für das häufige Beiwort 
der regierenden Dynastie fand mit dem Er- alma die Zeugnisse im Thesaur. l.l.l, 1708). 
löschen des iulischen Hauses ihr Ende, aber Unter den Tempeln von Ostia, die im 2. Jahrh. 
mit dem Gedanken an den römischen Staat n. Chr. P. Lucilius Gamala erbaute oder wieder- 
und seine Anfänge war die Göttin so unlös- herstellte, befand sich auch einer der Venus, 
lieh verbunden, daß, als Hadrian die gött- und zwar wird er unmittelbar neben dem des 
liehe Personifikation der Reichshauptstadt un- Stadtgottes Volcanus genannt (CIL 14, 3751. 
ter die Staatsgötter erhob und der Roma einen = Dessau 6147 [ijdem aedem Volcam sua pe- 
prächtigen Tempel auf der Höhe der Velia er- eunia restiluit. [ijdem aidem Veneris sua pecu- 
baute (s. F. Richter oben Bd. 4, Sp. 188ff.), er nia constituit), stand also zu diesem wohl in 
dieser als Hans- und Knltgenossin die Venus so Kultbeziehung. Ein Tempel der Venus Ob- 
zugesellte. Der als templum Romae et Ve- sequens ist 1894 auf dem Monte S. Angelo 
neris (Mommsen, Chron. min. 1, 146. 2, 142. bei Terracina aufgefunden worden, gesichert 
Notit. urb. reg. 4. Prudent. c. Symm. 1, 221 f. durch die Inschrift Notiz, d. Scavi 1894, S. 102 
atque Urbis Venerisque pari se culmine tottunt — Dessau 3169 a Dextev Veneri ObsequenU l. 
templa. Cass. Dio 69, 4, 8 *o« rtjg 'AtpQodirne tfls m - don - ( v 8 l - auch ebd - S - 108 Carjnnatia For- 
re 'P«b(tns »ao«; 71, 81, 1 lv « xm ktpQuSioia in tuna a Veneri v. s. I. »>.), wodurch nicht nur 
« 'PaiiaLa) bezeichnete Doppeltempel wurde die bisher verdächtigte tiburtinische Inschrift 
am 21. Ap'iil (dem Palilienfeste) 121 n. Chr. ein- CIL 14, 8569 lulia L. f. [G]ratil[l]a Veneri 
geweiht (so richtig J. Dürr, Reisen Hadrians Obseqventi d. s. I. m., sondern auch die unter 
S. 25 ff. und W. Weber. Untersuch, z. Gesch. d. so die falsae von Terracina verwiesene CIL 10, 
Kaisers Hodrianus S. 104, A. 348, während Hül- 866* ad Venere(m) Obsequente(m) ihre Kecht- 
sen, Das Forum Romarmm* S. 218 und F. Rieh- fertigung erhalten. Das Beiwort ist offenbar 
ter a. a. 0. Sp. 184 mit Unrecht der unzuver- dahin zu verstehen, daß Venus die Geliebte 
lässigen Angabe des Cussiodor CTiron. min. 2. dahin bringen soll, den Wünschen des Lieben- 
142 folgen und das Jahr 185 annehmen). Von den willfährig zu sein (obsequi). Zahlreiche 
den beiden mit den Rückseiten aneinander- im Tempel von Terracina gefundene Weihge- 
stoßenden Cellen (s. über den Tempel Hülsen schenke, die den Charakter von Spielzeug tra- 
a a. 0. 218 ff. und Hühen-Jordan, Topogr. 1, 3, gen, führen zu der Vorstellung, daß die Mäd- 
S. 17 ff.) gehörte der Venus die östliche, nach chen dort vor der Hochzeit ihr Spielzeug zu 
dem Kolosseum zu gelegene. Die Statuen bei- « weihen pflegten ( öetö«/, Führer'2, 218, nr. 1616; 
der Göttinnen waren Sitzbilder (Cass. Dio 69, vgl. unten). Wenn das sehr schlechte Schohon 

4, 5) und einander entsprechend gebildet, beide des Serv. Aen. 1, 720 auch die Venus des von 
waren lang bekleidet und durch das Zepter Q. FabiusGurges 459 = 295 erbauten stadtrömi- 
ansgezeichnet, Roma trug nach Ausweis der sehen Tempels (oben Sp. 187) als Obsequens 
Münzen auf der ausgestreckten Hand eine Vic- bezeichnet, so hat sie diesen Namen besten- 
toria, Venus in gleicher Weise einen Amor; falls nur im Volksmunde geführt, denn der 
Nachbildungen der letzteren finden sich auf Gründnngsbericht bei Livius 10, 81, 9 erwähnt 
Münzen Hadrians (Wissowa a.a.O. S. 60 f.) und ihn nicht. 

auf den Rhea-Silvia-Sarkophagen (erkannt von Im privaten Gottesdienste der Kai- 

C. Robert, Die antiken Sarkophagreliefs 3, 2, so serzeit spielt Venus eine verhältnismäßig be- 

5. 230 ff.). Die Vereinigung derselben beiden scheidene Rolle. Wenn Tnmalchio bei Petron 
Göttinnen begegnet auch in einer Inschrift aus 29, 8 in einem großen Heiligenschrein (arma- 
Cirta CIL 8, 6965 = Dessau 8181 Veneri Aug(u- rium) zwischen den silbernen Statuetten der 
stae) L. Iulius L(ucii) f(üius) Q(uirina) Mar- Laren ein marmornes Venusbild aufgestellt hat, 
tialis Illvir, aed(ilis) et q(uaestoriae) pot/esta- so heißt das doch wohl, daß er die Venus Ge- 
tis) simulacru») aereum Veneris cum aede sua netrix des iulischen Hauses unter seinen Pe- 
et Cupidimbus ex Uberalitate L. luli Martialis naten verehrte. Persius 2, 70 erwähnt die der 
patris sui, super aliam liberaliiatem Romae Venus geschenkten Puppen, und die Schohen 
aeternae, quam Victoris fratris [su/i posuisset, ergänzen das unter Berufung auf Varro dahin, 
dedit. dec(urionum) dec(reto). m daß die Mädchen bei der Verheiratung ihre 

Sonstige stadtrömische Heiligtümer Puppen der Venus zu weihen pflegten (Venen 

sind nach Alter und Bedeutung nicht näher zu pupae, quas virgines nubentes donant; solebant 

bestimmen, so der alte, nach dem Berichte des enim virgines antequam nuberent quaedam vir- 

Iulius Obsequens S[6-i] im 3. 576 = 178 bei einer ginitatis suae dona Veneri consecrare. hoc et 

die Forums^egend heimsuchenden Feuersbrunst Varro scnbit); hier scheint Venus in jüngerer 

vollkommen niedergebrannte (sine ullo vestigio Zeit an die Stelle der Herdgottheiten getreten 

cremata) Tempel, ferner aus späterer Zeit das zu sein, denen ursprünglich die Darbringung 

bei Gelegenheit der Vermählung des Septimius der Puppen galt (Schol. Cruq. zu Horaz sat. 1, 



203 Venus Venus 204 

5, 69 egressi antws pueritiae iam sumpta toga C. f. Pontiae uxoris M. Marius Paulus l. d. d. d. 
dis penatilms [Porphyrio hat statt dessen apud Wenn man bei der Venus Victrix solcher Grab- 
Lares] bullas suas consecrabant, ut puellae pu- denkmäler zunächst nicht an die siegreiche 
pas, vgl. dazu Wissowa, Arch. f. Beligionswiss. Göttin der römischen Heere, sondern an eine 
7 [1904J, S. 63 f.), während sich ein ahnlicher ganz abgeblaßte Vorstellung (etwa von der 
Brauch, die Weihung der Kinderkleider, an siegreichen Gewalt der Liebe) zu denken ge- 
Fortuna (virginalis) wendet (Arnob. 2,i>7, vgl. neigt ist, so wird das widerlegt durch die dal- 
Wissowa, Ges. Abhdlg. 8. 267; Relig. u. Kultus matinische Inschrift CIL 3, 2770 = Dessau 8177 
d. Römer 1 8. 267). An die Stelle der Juno ist Veneri Victrici Particae aug(mtae) sac(rum) in 
Venns getreten, wenn junge Mildchen anstatt 10 memoriam Antoniae Decfimi) f(üiae) Paulae 
bei ihrer Juno vielmehr bei ihrer Venus schwö- Dec. Antonius Proculus dec(urio) Salon(itanus) 
ren, Lygdam. 6, 48 etsi perque .mos f'allax iura- et Coponia parentes l. d. d. d.; die Göttin steht, 
vit oceüos Iunonemque suam perque suam Ve- wie Mommsen richtig betont hat, vollkommen 
ne rem, eine Wendung, durch welche auf Stellen der Victoria Parthica aug(usta) CIL 8, .'354 
wie Plaut. Bacch. 217 ni nanctus Venerem es- = Dessau 306 gleich, es ist also die Gottheit, 
sem, haue Iunonem dieerem, Seneca apocol. 8, 2 die dem Kaiser den Sieg über die Parther ge- 
sororem suam . . , quam omnes Venerem voca- schenkt hat , welche hier zur göttlichen Ver- 
rent, maluit Iunonem vocare und die Saloni- körperung einer lieben Verstorbenen gewählt 
taner- Inschrift CIL 3, 1962 = Dessau 3182a ist. In der stadtrömischen Inschrift CIL 6, 
Mescenii Valcntina imperio Veneris Iunonem 20 12281 Arabia Firma Venus Afra vixit annis 
d. d. Licht fällt. Besonders weit verbreitet ist X VII m(enses) IUI dies tres hat man wohl 
der Brauch, die Gräber von jungen Mädchen eher mit Marini (CIL 6, 34055) Venus(iana) 
und Krauen unter den Schutz der Venus zu zu lesen. ' Die Grabschrift eines im Alter von 
stellen oder mit einer Venusstatue (die dann noch nicht 16 Jahren verstorbenen Mädchens 
meist die Porträtzüge der Verstorbenen trug) aus Ostia CIL 14, 610 = Dessau 8062 Arriae 
zu schmücken, woraus sich von selber die Vor- P. f. Maximinae statuam Veneria infelicissimi 
ehrung der Verstorbenen unter dem Namen parentes flliae dulcissimae usw. erläutert die 
der Venus ergab. Im J. 168 n. Chr. stiftet in zahlreichen Fälle (s. W. Schwarzlose, De titulis 
Gabii (CIL 14, 2793 = Dessau 5449) ein Sei- sepulcralibus latinis quaestionum capita tria, 
denhändler A. Plutius Epaphroditus zu Ehren 30 Diss. Halts Sax. 1913, S. 46 f.), in denen auf dem 
seiner verstorbenen Tochter Plutia Vera Veneri Grabe jugendlich verstorbener Frauen Statuen 
Verae Felici Gabinae . . . Umplum cum signo der Venus, gewöhnlich mit den Porträtzügen 
aereo effigie Veneris item signis aereis n(umero) der Verstorbenen, aufgestellt waren; diesem 
IUI dispositis in zotltecis et balbis aereis et Brauche verdanken die im Deukmälervorrate 
aram aeream et omni eultu und ein Kapital, unserer Museen häufig sich findenden Ve- 
aus dessen Zinsen alljährlich am Geburtstage nusstatuen aller Gattungen mit Porträtköpfen 
der Verstorbenen ein Festmahl gehalten wer- (z. ß. Bemoulli, Aphrodite S. 243 f. 286) ihre 
den soll: der Name Venus Vera Felix Gabina Entstehung. Auch die aus Salona stammende 
zeigt deutlich, daß unter ihr die Verstorbene Statue einer nackten, von Amor begleiteten 
(Plutia Vera aus Gabii) zu verstehen ist. Ebenso 40 Venus mit der Inschrift Vener(i) victr(ici) CIL 
errichtet in Born (CIL 6, 15592—94 = Dessau 3, 1964 = Denkschr. d. Wien. Akad. 7, 2 (1856), 
8063) ein kaiserlicher Freigelassener M. Ulpius S. 38 f., Taf. 4, 7 ist wohl eine Grabstatue; daß 
Crotonensis seiner Gattin Claudia Semne ein die Göttin in ihrer Darstellung nichts von der 
Grabdenkmal mit aedieulae, in quitms simu- Siegesgöttin zeigt, fällt nicht auf, da wir aus 
lacra Claudiae Semnes in formam dearnm, näm- den Bildern der Kaisermünzen sehen, daß die 
lieh Fortuna, Spes und Venus, mit der Inschrift Beinamen Felix, Victrix, Genetrix schließlich 
Fortunae, Spei, Veneri et memoriae Claud(iae) ganz inhaltlos geworden waren und ohne Ün- 
Semnes saerum. Dazu stellen sich Inschriften terschied den verschiedensten Darstellungen 
wie CIL 6, 1424 = Dessau 8061 Glaucopi Ve- der Göttin beigesehrieben wurden (Beispiele 
neri Gelliae Agrippiane c(larissimie) p(uellae) 50 bei Wissowa, Ges. Abh. S. 31 f.). Vereinzelt be- 
Aurelia Soteris et Mussius Chrysonicus nutri- gegnet auch der Fall, daß eine Frau zu Ehren 
tores lactaMi; CIL 6, 20167 =. Dessau 8060 eines verstorbenen Mannes eine Venusstatue 
Ti. Iulius Orpheus sibi et Orfitae f(iliae) an- weiht, CIL 6,778 Claudia Ti. f. Claudiana 
(norum) XIV virgini Veneri Cupidini infero- Hfojnorata ...in memoriam Fl(avii) Afqui-] 
r(um): CIL 2, 4415 = Dessau 8059 (Tarraco) Uni Signum Veneris d.d. 
Veneri Latinillae M. Spedius Maternianus ma- Abgesehen von den früher (Sp. 184 f.) er- 
ritus. Eine etwas andere Form zeigt eine an- wähnten Spuren älteren Venusdienstes in Mittel- 
dere Gruppe von Inschriften, wie CIL 5, 836 und ünteritalien sind die inschriftlichen Denk- 
(Aquileia) Veneri aug. Vetilia L. f. Putens in maier der Venusverehrung in Rom und 
memoriam Calviae Bassil[l]ae fdiae suae posuit; so Italien weder besonders zahlreich noch er- 
CIL 2, 6064 = 3977 (Saguutum) Veneri san[c- geben sie viel Neues für die Auffassung der 
tae] in h(onorem) mfemforiae) Postumijae C. Göttin. Daß hier wie auch in den Provinzen 
f. [ Marcel Jlinae an(norum) L V Cor(nelius) My- unter den Weihenden die Frauen stark vertre- 
rismus nxori ; CIL 2, 23 = Dessau 3175 (Mero- ten sind, liegt in der Natur der Sache, sie 
briga) Veneri Victrici aug(ustae) sacr(um)rin bringen auch anderen Göttern Bilder der Ve- 
honorem Luciliae LepiJinue Flaria Titia ftliae nus als Weihgabe dar, so in Augusta Praetoria 
pientisximae ; CIL 3, 1965 = Dessau 3176 (Sa- der capitolinischen Trias (CIL 6, 6829 = Des- 
lonae) Veneri Victrici in memoriam Albuciae sau. 3182 Tovi Iunon(i) Miner(oae) Antoniu 



205 



Venus 



Venus 



206 




8) Belief einer Thronstutze aus Solunt (nach Jahrb. tt. 
arch. Intl. 4 [1888], 8. 8ä7). 

M(arci) lib(erta) Aphrodisia scyphos 11, Vene- 
rem, speculum douo dedit), in Ostia der Isis 
(CIL 14, 21 = Dessau i31i Isidi Bubasßi] Ve- 
ner(em) argent(eam) p(ondo) (unius et dimidii) 
. . . Galtü(ia) Diodora Bubastiaca testamento 
dedit). Kapellen und Bilder der Göttin werden 
mehrfach erwähnt, so in Umbrien in Tuficum 
(CIL 11, 6687 C. Caesius C. f. Ouf(entina) Sil- 
vester p. p. aedem Veneris s(olo) p(rivato) p(e- 
cunia) sfua) f(ecit) , vgl. 5688 = Dessau 5465 
Mamilia ürbana, Tifania Amoena basim aedi- 
culam Veneri aram d(e) s(uo) dtedicant)) und 
Hispellum (CIL 11, 5264 M. Granius Sex. Lol- 
lius IIvir(i) quin(quennales) Signum et basem 
Veneria ex d(ecurionum) d(ecreto) f(aciunda) 
c(uraverunt) eidemq(ue) prvbfaveruntj); in Gru- 
mentum begegnet ein collegium Beneris (CIL 

10, 228), in Aquae Cutiliae eine Weihung von 
Veneris et Spei [s]igna (CIL 9, 466S). Die In- 
schrift aus Vettona(CZ£ 11, 5165) Veneri Mar- 
tiali [Vicjtoriae Isidi erinnert in den erstge- 
nannten Gottheiten an die Kultbeziehungen der 
Venus sowohl zu Mars (Sp. 199) wie zu Vic- 
toria (Sp. 197), die uns auch auf Denkmälern 
entgegentritt (Wissowa, Ges.Abh. S. 40 ff.), von 
denen namentlich die sog. Basis Pamfili (Mo- 
num. d. Inst. 6/7, 76, 1—3, vgl. U. Köhler, Annali 
d. Inst. 1863, 159 ff.) und das Belief einer Thron- 
stütze auB Solunt in Sizilien (Jahrb. d. arch. Inst. 
4 [1889], S. 257, hier Abb. 8) Hervorhebung ver- 
dienen: beide zeigen neben anderen Figuren in 
verschiedener Zusammenstellung Venus, Mars 
und Victoria, die erstgenannte in Anlehnung an 
die Genetrix des Arkesilaos. Die für den öffent- 
lichen Kult geprägten Beinamen Victrix (CIL 

11, 5928 = Dessau 3173, Tifernum; 10, 7018 = 
Dessau 3178, Hybla in Sizilien: Veneri Vic- 
triei Hyblensi C. Public(ius) Donatus d. d.\ 5, 
2805 Patavium) und Genetrix (CIL 14, 2903 = 
Z)«ssom3172, Praeneste; 9, 1553 ^Dessau 3171a, 
Beneventum; 9,2199, Telesia) begegnen auch 
auf den Inschriften privaten Uroprunges, sind 
aber offenbar so verblaßt, daß sie wesentliche 
Unterschiede der Auffassung nicht mehr be- 
deuten; die inschriftlich als Venus Felix be- 
zeichnete (CIL 6,782 = Dessau 8166) Statue 
des Vatikans zeigt Venus (mit Porträtziigen) 
im Typus der knidischen Aphrodite des Praxi- 
teles, ohne jeden Hinweis auf ihre Sondereigen- 
schaft als Felix (abgebildet bei Visconti, Museo 



l'io-Clem. 2,52; vgl. Heibig, Fuhrer' 1,87, nr. 
189. Amelung, Vatikan 2, 112 ff., nr. 42). Ver- 
einzelte andere Beinamen sind offenbar erst 
aus den Anlässen der jeweiligen Weihung her- 
aus geprägt, wie z. B. Veneri pudicae [CJlau- 
dia MaximillfaJ ex viso donum posuit (CIL 6, 
784 = Dessau 3168) oder Veneri plaeidae sa- 
crum (CIL 6, 788 = Dessau 3167), letzteres 
wohl die Göttin, die nach Zerwürfnissen die 
Liebenden wieder versöhnt. Sonstige nament- 
lich bei Serv. Aen. 1, 720 aufgezählte Beinamen 
entstammen teils dem griechischen Kult (wie 
Equestris = "EqpMBroe, At^vnala, AiTopuTn, 
Emiairia), teils haben sie Wenig Gewähr (J. 
B. Carter, De deorum Moman. cognominibus 
S. 80 f.) ; was Servius a. a. 0. von der angeblich 
schon auf Ancus Marcius zurückgehenden Sta- 
tue einer Venus Calva erzählt, worauB Spätere 
(Lactant. inst. div. 1, 20, 27. Hist. aug. Maximini 

äO duo 83,2) sogar einen Tempel dieser Göttin 
gemacht haben, beruht auf ätiologischer Erfin- 
dung (Wissowa, Ges. Abh. S. 182f). Daß nach 
Venus Bäder benannt waren (ein balneum Ve- 
neris in Liternum Dessau 5698, in Pompei 
CIL 4, 1186 = Dessau 5723), kann bei dem 
bekannten Zusammenhange von balnea vina 
Venus nicht Wunder nehmen. In den Bereich 
der Fremdkulte führt uns die stadtrömische 
Verehrung der Venus Cnidia (Bona dea Venus 

so Cnidia heißt sie CIL 6, 76 = Dessau 3516), 
deren Kult von einem Phaedimus gestiftet war 
(CIL 6, 2278 — Dessau 3188 Fedimus condttor 
8acrari Veneris Chendies [so] cum porticum et 
cocinatorium costitui et ente[t] donavi); nach 
ihm bezeichnet sich die Kultgenossenschaft 
(eultores [Venerjis Cnidiae, CIL 6, 4872) als 
invieta spira [PJhaedimiana (CIL 6, 76 *= Des- 
sau 8616). Daß unter der an verschiedenen Or- 
ten Italiens (CIL 6, 780. Cagnat-Besnier, L'an- 

«0 nee epigraph. 1909, nr. 202, Rom; CIL 9, 2682 
= Dessau 3169, Bovianum; CIL 6, 8187 f., Pola) 
auftretenden Venus Gaelestis eine orientalische 
Gottheit, und zwar ohne Zweifel die kartha- 
gische Himmelsgöttin Tanit, zu verstehen ist, 
zeigt die Feier eines Taurobolium in ihrem 
Dienste zu Puteoli im J. 184 n. Chr. , CIL 10, 
1696 — Dessau 4271. Eine philosophisch be- 
einflußte universalistische Auffassung der Ve- 
nus als das All durchdringende schöpferische 

60 Kraft begegnet uns in dem (wohl dem 8. Jahrh. 
n. Chr. angehörenden) Pervigilium Veneris (An- 
thol. lat. 200 M. * Baehrens, Poet. lat. min. 4, 292ff.), 
als dessen Schauplatz Sizilien gedacht ist (v. 
49 ff.), und in einem verwandten inschriftlichen 
Gedichte aus Cumae, CIL 10, 8692 *= Dessau 
3170 (Buecheler, Carm. ep. 256) mit der Wid- 
mung Veneri probae sanctis(simae) Ti. Clau- 
dius Marcion; vgl. auch Apuleius metam. 4, 30 
en rerum natwrae prisca parens, en elementorum 

60 origo initialis, en orbis totius alma Venus (anklin- 
gend an das Prooemium des Lucrei, o. Sp. 191). 
In den Provinzen des römischen Westens 
ist die Verbreitung des Venusdienstes eine 
sehr ungleiche (vgl. J. Toutain, Les cultespaUns 
de l'empire Romain 1 , 384 ff.). Für die Tres 
Galliae, Germanien, Britannien und die Alpen- 
länder fehlen Zeugnisse vollständig*), in der Nar- 

*) [Vgl- den Nachtrag am Ende des Buohtt. V.] 



207 Venus Venus 208 

bonensis, Pannonien und Dacien sind sie spar- dem Zollgebäude der Steuerpächter, erscheint, 
lieb, zahlreich nur in Africa, Spanien und in der Africa proconsularis CIL 8, 12314 = 
Dalmatien. Ein Teil der hier gefuudenen Wei- Dessau 1664 Vettert aug(ustae) sac(rum). De- 
hungen rührt von Römern oder romanisierten lius Äbascanti Aug(usti) vü(ici) vic(arius) telo- 
Provinzialen her und bewegt sich ganz im rö- neum a fundammtis sua impensa restituit et am- 
mischen Vorstellungskreise, z. B. wenn in Apu- pliavit und in Halikarnaß, wo zwei actores (noay- 
lum in Dacien (CIL 3, 1115 = Dessau 3174) /lazevzui) eines Pächters (&gx&vrjg) der Quadra- 
ein haruspex col(oniae) der Venus Victrix pro gesima portuum Asiae zb ztXmviov xa[l] thv 
sal(ute) imperi et s(enatus) p(opuli)q(ue) B(o- uiztp moitv &[nb] z&v friitehav xaztmitvaaav 
mani) einen Altar weiht; ebenso sind zu be- 10 xal zi)v AcpQoditrjv i%Qvoaouv (Dittenberger, 
urteilen die Weihungen an dieselbe Gottheit Or. gr. 626 = Dessau 8858). Zur Bezeichnung 
von einem Veteranen in Napoca in Dacien, einer syrischen Ba'alath ist Venus geworden in 
CIL 8, 864 = 7668, und von einem vil(icm) der Paarung mit Juppiter 0. M. HeliopolitanuB 
kal(endarii) Septimiani in Savaria, CIL 3,4162 in Carnuntum (CIL 3, 11139 = Dessau 4285), 
— Dessau 7119. An anderen Stellen ist deut- meist in der Trias Juppiter 0. M. Heliopolita- 
lich die griechische Aphrodite gemeint, z. B. nus, Venus und Mercurius (über diese Trias s. 
wenn auf der dalmatinischen Insel Sohwarz- P. Perdrizet, Compt. rmdus de Vocodern, d. inscr. 
korkyra Signia Ursa Signi Symphor(i) f(ilia) 1901, S. 218 ff. L.Jalabert, ebd. 1906, S. »7 ff.), 
templum Veneri Pelagiae a solo fecit et Signum so in Athen CIL 3, 7280 — Dessau 4284, Stock- 
ipsius deae posui[t] sac(erdote) L. Cornificio so stadt CIL 13, 0658 (aus dem J. 249 n. Chr., 
Secundo k(alendis) Mais (CIL 3, »066 = 10083 von einem Cohortenpraefecten gesetzt; Venus 
= Dessau 3179). Aber in der großen Mehrzahl führt den Beinamen Felix) und Nordafrica 
der Fälle tritt in den genannten Provinzen der (Cagnat-Besnier, L'ann. epigr. 1901, nr. 65). 
Name Venus offenbar als interpretatio Romana Die von römischen Gelehrten versuchten 
einheimischer Gottheiten auf. Am deutlichsten physikalischen Deutungen der Göttin Venus 
ist das in Africa. Daß die Göttin, von der die haben durchweg ihre Identität mit der griechi- 
numidischen Städte Sicca und Rusic&de ihre sehen Aphrodite zur Voraussetzung und stützen 
Benennung als colonia Veneria hernahmen, nicht sich auf Kulttatsachen und Mythen der letz- 
die römische , sondern eine orientalische ist, teren. So hat Varro, wenn er im 16. Buche der 
wurde oben Sp. 200 f. hervorgehoben. In der so Antiqu. rer. divin. (frg. 62 Agahd, Jahrb. f. 
numidischen Opferordnung von Aziz ben Tellis Philol. Suppl. 24,219 aus Augustin. civ. dei 7, 
an der mauretanischen Grenze (CIL 8, 8246 f. 16) Venus mit dem Monde gleichsetzte, darin 
= Dessau Uli. 4477a) erscheint Venus neben wenigstens für bestimmte Kultformen der Aphro- 
sicher einheimischen Gottheiten wie Sdturnus, dite schon in Philochoros einen Vorgänger ge- 
Nutrix und TeBtimonius mit dem Opfer einer habt (Macr. S. 3,8,3); eine andere Auffassung; 
agna oder (h)aedua; in Mactar in der Byza- sah in ihr das Feuer verkörpert (Schol. Stat. 
cena begegnet eine 80jährige sacerdos Veneris Theb. 5, 66). Auf derselben Gleicbsetzung be- 
CIL 8, 680. Wenn die Inschrilt CIL 8, 16678 ruht die Bezeichnung des Planeten Venus (z. B. 
zu Mustis in Africa proconsularis ein templum CIL 6, 6056 unter den Planetenbasen vom Val 
Liberi putris et Veneris bezeugt, so ist Venus 40 di Non bei Trient) und des entsprechenden 
vielleicht hier und anderswo dieselbe einhei- Wochentages (die Zeugnisse bei G. Gunder- 
mische Göttin, die in der mauretanischen In- mann, Zeitschr. f. deutsche Wortforsch. 1 [1900], 
schrift CIL 8, 9016 als Libera neben dem Li- S. 183. W. Schürer, Zeitschr. f. neutestam. Wis- 
ber genannten, ebenfalls einheimischen Gotte sensch. 6 [1906], S. 26 ff.), ebenso die Unterstel- 
steht (s. oben Bd. 2, Sp. 2029 f.); die Venus Ge- lung des Monats Aprilis unter die tutela Ve- 
neirix aug(usta) der Inschrift bei Cagnat-Bes- neris in den römischen Bauernkalendern (CIL 
nier, Vann. epigr. 1911, nr. 11 ist wohl die 1", p. 280 f. = 6, 2305 f. = Dessau 8746), welche 
des stadtrömischen Tempels. In Dalmatien wird die Gleichsetzung der zwölf großen Götter mit 
die Bezeichnung als Victrix bevorzugt, in Spa- den Zeichen des Tierkreises zur Voraussetzung 
nien heißt die Göttin vereinzelt dumina (CIL 50 hat (s. darüber Wissowa, Apophoreton der Graeca 
2,1638f.,iliturgicolainBaetica),bäunga«ffus«a. JSalensis, 1903, S. 33ff.); an diese Verbindung 
Wenn auf einem jetzt verstümmelten Relief der Venus mit dem Monat April knüpft die 
von Italica (CIL 2, 1111) Venus (der Kopf er- Etymologie an, die Aprilis von äqppog und 
halten) als eine Art Pronuba zwischen einem Aphrodite herleitet (oben Sp. 192). Griechisch 
Mädchen (Proßjis) und einem Jüngling (Tu[l-J ist wahrscheinlich auch die Benennung deB 
Ifijanus) erschien, so darf man es vielleicht besten Wurfes im Astragalenspiel als Venus 
damit zusammenbringen , daß gerade in Spa- oder iactus Venerius (schon bei Plaut. Asin. 905 
nien Martin von Bracara (f 680) in seiner Büß- hoc Venerium est; pueri, plaud/te et mi ob iac- 
predigt de correctione rusticorum unter anderen tum mulsum date; vgl. Cic. de divin. 1, 28. 2, 48. 
heidnisch- abergläubischen Bräuchen, vor denen eo 121. Prop. 4, 8, 45. Horaz can». 2, 7, 25. Suet. 
er seine christlichen Zuhörer warnt, auch das A ug. 71,2), obwohl der griechische Name 'Acpfo- 
Veneris diem in nuptiis observare nennt (c. 16). Sizr\ erst bei Lucian (Amor. 16) belegt ist. 
In Dacien tritt in den Bädern von Mehadia Identifikationen der Venus mit anderen römi- 
(ad Medias) Venus an die Seite des dort als sehen Göttinnen, von denen Murcia, Cloacina 
Heilgott verehrten Hercules (CIL 3, 1567). Ein und Libitina bereits oben Sp. 187 f. erwähnt 
eigentümlicher Zufall, aber wohl nicht mehr, sind, beruhen auf etymologischer Spielerei: 
ist es, daß zweimal an ganz verschiedenen Or- so wenn man sie mit Venilia. einer alten Kult- 
ten Venus in Verbindung mit dem ztXmviov, genossin des Neptnnus, gleichsetzte (Schol. 



209 Vera Veraudunus 210 

Veron. Aen. 10, 76), desgleichen mit Salacia als weiblicher Schutzgeist genannt ist, wie 
(tjuae proprie meretricum dea appellata est a CIL 2, 4416 = Dessau 806«, Tarraco: Veneri 
veteribus, Serv. Aen. 1, 720, s. ob. Bd. 4, Sp 279) Latinillae Spedius Maternianus maritus, ebenso 
und gar mit der Marica von Minturnae, deren Rom, CIL 6, 1424. 20167. 16592— »4 = Dessau 
Namen man von mare ableitete, um sie als 8061. 8060. 8063; einem im Alter von fast 
eine Venus marina erklären zu können (Serv. 16 Jahren verstorbenen Mädchen haben ihre 
Aen. 7, 47 dicunt alii, per Maricam Venerem Eltern statuam Veneris geweiht, CIL 14, 610 = 
intellegi debere, euius fuit sacellum iuxta Ma- Dessau 8062 (Ostia). Gewöhnlich heißt der 
ricam, in quo erat scriptum TTONTIH A0POAITH, Schutzgeist einer Frau Juno, s. Dessau 8063 — 
vgl. dazu B. Peter, oben Bd. 2, Sp. 2375). 10 8058. M. Ihm o. Bd. 2, 1, Sp. 616—617 und u., 
Die Darstellungen der Venus in der rö- Art. Verecundia; aber auch Diana ist so ge- 
mischen Kunst können nur im Zusammen- braucht, Dessau 8064 — 8066. — Den Namen 
hange mit der Kunstmythologie der griechi- Felix trug Venus seit Sulla, der seinen flei- 
schen Aphrodite behandelt werden, deren letz- namen Felix griechisch wiedergab durch 'Ena- 
tes Kapitel sie bilden. Auch da, wo Venus auf cpQÖdiroe (so hieß ja auch der Vater der Vera) 
römischen Denkmälern inmitten römischer Er- und die Venus als Glücksgöttin (Felicitas) ver- 
eignisse erscheint, z.B. in den Darstellungen ehrte, s. Wissoica, Belig. u.Kult. d.Bäm. ',8.291 
der römischen Gründungssage auf der Ära Ca- und o. Sp. 192 f. u. 208 f. — Die Inschrift steht 
sali (Heibig, Führer" 1, 101, nr. 154. Amelung, auf einer großen Marmortafel, die wohl als 
Vatikan 2, 2?6, nr. 87a) und dem jetzt im rö- so Bauurkunde über dem Eingang in die äußere 
mischen Thermenmuseum befindlichen Altar Tempelwand eingelassen war. [Keune.] 
aus Ostia (Strong, Roman seulpture Taf. 78. 74. Veraudunus, örtlicher Gott im Gebiet der 
Beibig a. a. 0. 2, 207, nr. 1463), ist es der künst- Treverer, mit seiner Gefährtin Inciona genannt 
lerischen Bildung nach die griechische Göttin in der Weihinschrift einer Steinplatte von 
und ihre Erscheinungsform dem Typenschatze 1.03 m Länge, 0.39 m Höhe und 0.17 m Dicke, 
der griechischen Kunst entnommen. Ein Ansatz gefunden im J. 1915 auf dem 'Widdenberg' bei 
zur selbständigen Abwandlung der überkom- Mensdorf, nordöstlich von Luxemburg, zwischen 
menen Formen auf Grund römischer Vorstel- dieser Stadt und Grevenmachern (an der Mo- 
lungen findet Bich nur in der Gestaltung der sei): In h(onorem) d(omus) dfivinae) Deo Ve- 
Kultstatuen für die besonderen römischen Ver- 30 rauduno et Incionae M. PI. Bestitutus ex voto 
ehrungsformen der Venus Felix (Pompeiana), Alpiniae Lucanae matris. — P. Medinger, Pu- 
Genetrix und Victrix und die Venus des ha- blications de la Sect. hist. de V Institut G.D. de 
drianischen Doppeltempels. Diese sind oben Luxembourg, Vol. 6» (1923), S. 370 f. mit Abb., 
in Kürze behandelt worden auf Grund des in wo angeführt wird N. van Werveke in den Me- 
der Abhandlung de Veneris simulaeris Bomanis moires de l'Acadentie de Metz, 1914 — 1920, 
(Wissowa, Ges. Abh. S. 1— 62) vollständig vor- p. 87—112 [mit Tafelabbildung; nachträglich 
gelegten Materials, auf die hier verwiesen wer- von mir verglichen: Fundstelle auf dem Wir- 
den muß. Die zahlreichen Venusdarstellungen tenberg (in der Aussprache den Volkes: 'Wide- 
der kaiserlichen Münzprägung bedürfen noch berech', zwischen Mensdorf und Flaxweiler, 
einer eingehenden Untersuchung. [Wissowa.] 40 unter einem mächtigen Baumstumpf. Der 
Vera, Rufname der Tochter eines reichen, Denkstein wurde für das Museum zu Luxem- 
sicher aus dem Osten, aus 'Syria' stammenden bürg erworben ]. 

Seidenhändlers (negotiator sericarius) A. Plu- Die Inschrift ist eine Tempelinschrift, d. h. 
tüis Epaphroditus zu Gabii in Latium (östlich die Steintafel war über dim Eingang zum 
von Rom). Dieser hat im J. 168 n. Chr. seiner Heiligtum des Götterpaares, einer Kapelle, in 
(verstorbenen) Tochter Plutia Vera unter dem die Wand eingelassen. Die Einleitungsformel 
Namen Venus Vera Felix Gabina zu Gabii einen der Inschrift weist diese in die Zeit nach 
Tempel errichten lassen mit einem Bronzebild- J. 160 n. Chr., s. Haug-Sixt, Die rvm. Insvhr. 
nis in Gestalt der Venus, sowie mit vier Bronze- u. Bildwerke Württembergs 1 S. 43, zu nr. 12. 
bilden) in Nischen, mit Bronzetüre, einem 50 Die Paarung von Gott und Göttin ist in Gallien 
Bronzealtar usw. [templum cum signo aereo effl- beliebt, Belege s. z. B. zu Ucuetis. Der pro- 
gie Veneris item signis aereis n(umero) IUI vinaiale Gott ist als deus bezeichnet, s. Bobert, 
dispositis in zothecis et balbis (— valvis) aereis Epigraphie de la Moselle 1, p. 67/68. Biene, 
et aram aeream et omni cultu a solo sua pe- Westd. Zeitschi: 17 (1898), S. 16 ff.; bei dem 
cunia fecit}; aus Anlaß dieser Weihung hat Namen seiner Genossin ist aber die Bezeich- 
er auch unter die decuriones und seviri Augu- nung dea fortgelassen, wie in anderen Weihun- 
stales, sowie unter die tabernarii intra murum gen, z. B. Deo Sucello (et) Hantomelt(a)e, Deo 
negotiantes Geldspenden verteilt und an die Ucueti et Bergusiae, Deo (Apollini) Borvoni 
Gemeindekasse von Gabii einen Geldbetrag ein- et Damonae, Deo Apollini et Sironae, Deo Mer- 
gezahlt, aus dessen Zinsen jährlich am Ge- 60 curio et Bosmertae, s. Paulys Real-Fntyrlop., 
burtstage seiner Tochter die Dekurionen und Neue Bearbtg., Bd. 1 A, 2, Sp. 1134 Der bisher 
Sevirn ein Essen unter sich 'publice' zu ver- unbekannte, keltische Name des Gottes ist 
anstalten hätten, widrigenfalls ein bestimmter lautlich gleichwertig mit dem häufigen Orts- 
Betrag sofort an die Nachbargemeinde Tuscu- namen Verodunum, Virodunum (Verdun, Virton 
lum abgeführt werden solle: CIL 14,2793 = u. a., s. Holder, Altcelt. Sprachschatz, Bd. 3, 
Dessau, Inscr. Lat. sei. 5449 (vom 15. Mai 168 Sp. 389—892). Da der Name des Fundortes in 
n. Chr.), jetzt zu Paris im Louvre. Zu verglei- älterer Schreibung 'Wirtenberg' oder 'Wirden- 
chen sind die Grabschriften, in welchen Venus berg' lautet, so hat N. van Werveke a. a. 0. 



211 Verbeia Verecundia 212 

ihn mit Verodunum zusammengestellt, denn unwahrscheinlich. — 2. im Gebiet der Treveri, 

auch der 'Wirtenberg' bei Cannstatt-Stuttgart, Altarchen aus Sandstein mit schlechter Schrift, 

dem die Grafschaft, dann Herzogtum, zuletzt gefunden in einem linken Seitental der Mosel, 

Königreich Württemberg den Namen verdankt, bei Bad Bertrich, auf der Bonsbeuerner Flur 

mittelalterlich: 'Wirtin', 'Wirten', wird auf (Kreis Wittlicli) an einem Abhang, an welchem 

Virodunum, Verodunum zurückgeführt (Holder sich die Grundmauern eines Gebäudes hin- 

a. a. 0., Sp. 392, nr. 28. Forstemann, Altdeut- zogen, auf dem Mörtelestrich dieses Baues 

sches Namenbuch, 2 [Ortsnamen]', 2, Sp. 1386: (Bonn. Jahrb. 28, S. 109), jetzt im Museum zu 

'Wirtinisberk'). Gleichnamigkeit von Örtlich- Sigmaringen, Abguß im Prov.-Museum zu Trier, 

keiten und Gottheiten im einstmaligen Gallien 10 Hettner, Die rüm. Steindenkmäler des Provinzial- 

ist noch heute häufig nachweisbar, s. z. B. museums zu Trier nr. 111. CIL 13, 7667 (Des- 

Nemausus, Vasio, Triitia, Vintius, Luxovius sau, Inscr. lat. sei. 4713): De(ae oder Deabusj 

usw. Der Sohn, der dem Gelübde seiner Mutter Vercane et Medune L. T(. . . ius) Ace(e)ptus 

entsprechend die Kapelle auf dem luxembur- v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito). Annahme von 

gischen Wirtenberg gestiftet hat, hat als Ein- zwei weiblichen Gottheiten, Brunnennymphen, 

heimischer seinen den Römern nachgemachten mit dem bei keltischen Namen gewöhnlichen 

Geschlechtsnamen Pl(autius1) abgekürzt, weil Dativ auf -e, ist wahrscheinlicher, als Zusam- 

für ihn sein Rufname Restitutus wichtiger war, menstellung eines De(us) Vercane» (Dativ -e, 

s. Krüger, Trierer Jahresberichte 6(1912), S.4/5; wie ücuete u. a.) mit einer Genossin Meduna, 

die Mutter trug gleichfalls romanisierte Namen so wie sie sonst allerdings so sehr beliebt ist. 

(vgl. Lothr. Jahrb. 9 [1897], S. 180 ff.).- [Inciona Ober die Namen der beiden Quellnymphen s. 

erklärt van Werveke p. 108f. als Name einer Fr. Cramer, Korrbl. Germania 1918, Heft 1, 

{göttlich verehrten) Quelle.] [Keune.] S.8— 10. Das Altärchen war vielleicht ein Trag- 

Verbeia, Göttin, welcher der Befehlshaber altar, und das Zapfenloch der Oberseite hatte 
einer hauptsächlich aus Galliern rekrutierten zur Befestigung eine« Tragringes, nicht einer 
Hilfstruppe in Britannien, zu Ilkely (Ilkly, in Statue, gedient. Gleichzeitig wurde (außer zahl- 
Yorkshire: Andree, Handatlas'' 106/106, 1 5) am reichen Tonbildchen) gefunden eine Marmor- 
Fluß Wharfe, wahrscheinlich an der Stelle des gruppe der jagenden Diana, jetzt in Sigma- 
alten Ortes Olicana, eine Inschrift geweiht hat, ringen, Abgüsse in den Prov.-Museen zu Trier 
CIL 7, 208 = Dessau, lnscr. Lat. sei 4731: so und Bonn, Hettner - Lehner, Steindenkm. Trier 
Verbeiae sacrum, Clodius Fronto praef(ectus) nr. 654. Ijehner, Prov.-Museum Bonn, Abbil- 
coh(ortis) II Lingon(um) [auf der rechten Seite: düngen von Skulpturen 2 (1917), Taf. 8,2 und 
Bild einer Opferschale]. Die Inschrift, über- Die ant. Steindenkmäler (1918), nr. 173. Espe- 
liefert durch Camden (1600), war zur Zeit von randieu, Recueil des bas-reliefs, statues et bustes 
Horsley (f 1731) noch vorhanden, aber fast de la Gaule rom. 6, p. 296 f., nr. 5107. Von der- 
voltständig verlöscht. Mit Recht hatte Camden selben Fundstelle stammt das Bruchstück der 
den Namen V. in Verbindung gebracht mit Bauinschrift eines templum im Trierer Museum, 
dem Nroren des vorbeifließenden Wherfe (jetzt Krüger, Trierer Jahresberichte 4 (1911 [1913]), 
Wharfe geschrieben); vgl. auch Holder, Altcelt. S. 26 mit Abb. CIL 13, 4, 11977; Abguß im 
Sprachschatz 8, Sp. 181. Über die 2. Kohorte 40 Bonner Museum, Lehner, Steindenkm. nr. 30. — 
der Lingonen und ihre britannischen Garnisonen Über Bertrich als römisches Bad s. K. v. Veith, 
e. Cichorius in Pauly -Wissowa, Seal- Ency dop. Bonner Jahrb. 85 (1888), S. 6 ff. K. Schumacher, 
4, 1, Sp. 309. [Keune] Mainzer Zeitschr. 8/9 (1913/14), S. 97ff., wo S. 100 

Vercana, Quellgöttin mit wohl keltischem bis 101 unsere Tempelanlage besprochen ist. 
Namen, den zwei Weihinschriften der Gallia Vgl. auch die Fundangaben der zu CIL 13, 
Belgica nennen: 1. im Gebiet der Mediomatriei, 7667 = 7668 angegebenen Literatur. 
Brunnenschale, gefunden zn Ernstweiler (bei Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 183 hat 
Zweibrücken) in der bayr. Rheinpfalz, jetzt im die Deutung des NamenB V. durch d'Arbois de 
Museum zu Speyer, CIL 18, 4611. Hildenbrand, Jubainville, 'la deissede la coUre', Ableitung 
Der rum. Steinsaal des Hist. Museums der Pfalz 60 von (keltischem) *verga = 'Zorn', angenommen, 
zu Speyer (1911), S. 39, nr. 108 mit Abb. S. 37: die gesucht und durchaus unwahrscheinlich ist. 
In h(onorem) d(omus) dftvinae) Deae Vercanu Auch Ableitung vom germanischen werk, wirken 
i(i)sd(em) co(n)s(ulibus) ips(e) ANT ■ Q ■ F ■ (Schönfeld, Wörterb. d. altgerman. Personen- u. 
POS AQ(=aquarius1 mit vorhergehenden, ab- Völkernamen, S. 250. 261; vgl. Richard M. 
gekürzten Personennamen, oder posuerunt aquae- Meyer, Altgerman. Religionsgeschichte [1910], 
ductumll) V Id(us) Mai(as). Der Wortlaut der S. 401. K. Helm, Altgerman. Religionsgesch. i 
Inschrift, welche (wegen der Einleitungsformel) [1913], S. 874 f., § 223) ist verfehlt. [Keune.] 
in die Zeit nach J. 150 n. Chr. zu setzen ist, Verecundia, neben dem weiblichen Schutz- 
nimmt Bezug auf eine jetzt verlorene Haupt- geist Iuno genannt in der Grabschrift eines 
inschrift. Die keltische Endung -u ist nach- eo Mädchens von 6 1 /, Jahren, gefunden zu Ostia 
weisbar als Nominativus Singularis Masc. =■= an der Mündung des Tiber, verschollen, CIL 
-o(n), als Dativus Singularis der männlichen 14,1792 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 8057 ('Area' 
-o-Deklination (Nomin. -os, also = lateinisch -o oder ' ürna ') : Iunoni et Verecundiae Ulpiae 
von Nomin. -us) und auch als Nominativus Sin- Compses . . . . M. Ulpius Aug(usti) libfertus) Eu- 
gularis vom Femininum, s. Holder, Altcelt. Spr. tropus pater. Vgl. M. Ihm o. Bd. 2, 1, Sp. 616, 
8, Sp. 4— 5; hier aber muß ein Dativus Sing. der (Sp. 615— 617) die Iunones als Frauengenien 
Feminini vorliegen. Daß Vercana (= Vercanae) (Wissowa, Religion u. Kult. d. Römer* S. 175 f. 
mit umgekehrtem A oder A zu lesen sei, ist 182 f. Dessau 8053 ff.) behandelt. Vgl. die Pie- 



213 Vergötterung Verminus 214 

tati oder Memoriae et Pietati Verstorbener ge- sein in der Grabschrift von A'in-Tunga = Thig- 

widmeten Grabschriften, Dessau 8041—8048. nioa in der Provinz Afriea prooonsularis [CIL 

8046; 8046 = CIL 6, 28668 : . . . ßi(i) piissimi 8, 1, p. 173 f. und 8, 2, Tab. II, Ck], CIL 8, Suppl. 

reliquiae annorum X Villi consecratae Pietati 4, p. 2668, nr. 25916 = Dessau, Inser. Lat. sei, 

et Genio inferno von seinen Eltern. [Keune.] Add., vol. 8, p. CXLIII, nr. 9486 : D(is) M(ani- 

Vergötterung ((btoö'&Dfljs), s. Heros o. Bd. 1, bus) s(acrum) ; M. Antonius Rufus, Honorati 

Sp. 2544 ff., Kaiserkult o. Bd. 2, Sp. 901 ff. und fil(ius), Tr , Thig(nica), Genius Veritatis, 

unten Verwandlungen. pins vixit anfnis . . .], h(ie) sfitus) e(st); o(ssa) 

Vergule(u)sis, Beiname des Apollo, abge- t(ua) b(ene) qfuiescant); t(ibi) t(erra) l(evis) 

leitet von der thrakischen Stadt Bergale, die ios(it); den Schluß der Inschrift bildet ein Vers 

seit Ende des 4. Jahrb.. n. Chr. Arkadiupolis aus Hom. II. 6, 146. — Angabe der Heimat in 

hieß (s. Oberhummer in Paulu -Wissowa, Real- Grabschriften von Verstorbenen, die in ihrer 

Encyclopädie 3, 1, Sp. 293. Kiepert, Form. orb. Heimat begraben waren , ist ungewöhnlich, 

an t. XVII, Hp ungenau: Bergulae), in einer der kommt indessen öfter vor; vgl. CIL 2, 2016 bis 

Inschriften, welche im 3. Jahrh. n. Chr. aus 2020, auch 11,6074. 5118. — 8) Dichterische 

Thrakien gebürtige Angehörige der Cohortes Personifikation ist in dem Klagelied auf den 

Praetoriae bei ihrem Lager in Rom geweiht Tod des Quintilius (Varus), Sorat. carm. 1, 24, 

haben (Wissowa, Religion u. Kultus d. Römer' 7: nuda Veritas, neben Pudor et Iustitiae so- 

S. 376), CIL 6, 4, 2 (Additam.), p. 3356, nr. 82570 rar, incorrupta Fides (vgl. o. Bd. 1, 2, Sp. 1481 

(= nr. 2798) = Dessau, Inscr. Lat. sei. 4057, 20 bis 1483; Bd. 2, 1, Sp. 762; Bd. 3, 2, Sp. 2148f. 

auf einem Cippus aus Marmor: Deo Domino 2156. 3277) und vorher bei Varro Menipp. 

Apollini Vergulesi Ulpius Marcus mil(es) coh(or- fg. 141 (Buecheler, hinter Petronius 1882, p. 177) : 

tis) VI pr(aetoriae) p(iae) vfindicisi voto feci . . . accedit cana Veritas, Attices phüosophiae 

et posioi (= posui). — Zu Vergulesis = Bergtt- idumna (Nonius p. 86. 243). Eine gelehrte Fa- 

lensis vgl. Belege bei Dessau a. a. 0., vol. 3, bei in Anthol. Lat. rec. AI. Riese nr. 802 (Ap- 

p. 834 (V = B\ und p. 826 [-esis = -ensis); im pend. Phaedr. 4) besagt: Olim Prometheus s(a)e- 

Itin. Hierosol. (Corp. Script. Eccles. Ltt. 39, p. 12 culi figulus novi cura subtili Veritatem fecerat, 

— 669, 6 Wess.) heißt der Ort nicht Bergule ut iura posset inter homines reddere usw., (v. 18:) 

(wie z. B. im Hin. Ant.), sondern Virgolis. Zur modesto gressu sancta incessit Veritas. — L. 

Benennung deus dominus vgl. CIL 2, 5552 30 Deubner, Personifikationen, 0. Bd. 3, 2, Sp. 2108/ 

(= 2375) und die Belege bei Wölfflin, Die 2109. 2110. [Keune.] 

alliterierenden Verbindungen der lat. Spr. (Sitz.- Verlugodumuus, keltischer Name eines viel- 

Ber. d. Münchener Akad. d. Wiss., philos.-philol.- leicht örtlichen Gottes des Gebietes der Am- 

histor. Gl. 1881, Bd. 2, 1) S. 53, dominus deusque biani in der römischen Provinz Gallia Belgica, 

als Bezeichnung des Domitianus (Friedländer mit Apollo verbunden in einer Inschrift des 

zu Martial. 6, 8, 1) u. a. Keune, Lothr. Jahrb. 3. Jahrh. n. Chr. auf einer Steintafel, gefunden 

8 (1896), 1, S. 80, über die Bezeichnung von im 17. Jahrh. in der Klosterkirche Saint- Acheul 

Gottheiten als dominus, -a. [Keune.] bei Amiens (Depart. Sorame), jetzt zu Paris, 

Verldlca, Wahrsagerin, heißt Inno in der CIL 13,3487 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 4645 

Weihinbchnft eines zu S. Nicola Manfredi, süd- u> Pro Salute et victoriae (so) Aug(usti) Apollini 

östlich bei Benevento-Beneventum (s. CIL 9, et Veriugodumno triburmlia dua (= duo) Setu- 

Tab. II, Bm) gefundenen Cippus, Ephem. epigr. bogius Esuggi f(ilius) d(e) s(uo) d(editj. Da 

8, p. 22, nr. 103: Iunoni Veridicae (es folgten V. mit Apollo vereint ist, so scheint er ein 

fünf oder mehr Zeilen, die ausgekratzt zu sein Heilgott, vielleicht ein heiliger Gesundbrunnen 

scheinen). Früher war die Lesung V. z.B. von gewesen zu sein (vgl. Caes. bell. Galt 6,17,2: 

Kernen, Inser. Lat. sei. 3, p. 135 zu Orelli nr. .IpoUinem morbos depellere und die Götter von 

1311 mit Unrecht angezweifelt und daher eine Heilbrunnen Grannus, Borvo u.a.). — tribunal 

andere, unrichtige Lesung Iunoni reginae in und sein Stammwort tribuna bezeichnen einen 

CIL 9, 2110 aufgenommen worden, die aller- erhöhten Bau oder Bauteil, eine Bühne, auf 

dings übereinstimmt mit dem Beinamen der so welcher die Götterbilder Aufstellung fanden, 

luno in der derselben Fundstätte entstammen- oder halbkreisförmige Nischen mit Ruhesitzen, 

den Grabschrift einer Priesterin dieser Göttin, Der Name des Stifters wie der seines Vaters 

CIL 9, 2111. sind keltischen Ursprungs. Ebenso ist der Name 

Veridicae sorores heißen bei Martial. 5, 1, 3 des Gottes V. keltisch, s. Holder, Altcelt. Spr., 

die beiden Fortunae einer Tempelstätte zu An- Bd. 3, Sp. 216/217, auch ebd. Bd. 3, Sp. 217: Ve- 

tium (in Latium), deren Orakelsprüche berühmt riugus und Bd. 1, Sp. 1369 f.: dumno-; ob aber 

waren (Nissen, Ital. Landeskunde 2, S. 629. die Deutung von d'Arbois de Jubainville : 'dieu 

Preller - Jordan , Rom. Mytliol." 2, S. 192 f. R. au tn's grand joug, le dieu remarquable par U 

Peter 0. Bd. 1, 2, Sp. 1546—1548. Otto in Pan- grand joug, auquel sont attaches les chevaux qui 

Igs Real-Encgclop. , Neue Bearbtg., Bd. 7, 1, 60 trainent sont char' richtig ist, bleibt fraglich. 

Sp. 22—23. Wissowa, Relig. u. Kult d. Rom.' — Abbildung der Inschrift des V.: E. Babelon, 

S. 259). [Keune.] Guide ill. au Cabinet des tnidailles et antiques 

Veritas, 1) Beischiift Veritas Aug. auf eini- ile la Bibl. nat., Les ant. et les objets d'art 

gen römischen Kaisermünzen, Cohen, Monn. (l'JOO) p. 1, fig. 1. [Keune.] 

frupp. sann V Empire rom.' ü, p. 11)6, nr. 106 und Verminus (vgl. 0. Bd. 2, 1, Sp. 18 t), ein Gott, 

p. 212, nr. 32, verpriigt (oder verlesen) statt der bloß bekannt ist durch die stadtrömische 

IJhtrilnx Aug.,. s. IJberitas. — 2) Als Genius Inschrift eines Altars, welcher nicht weit vom 

Veritatis scheint der Verstorbene bezeichnet zu Wall (Agger des Servius Tullius zwischen den 



215 Vero . . . rtitianus Verticordia 216 

beiden Toren Quirinalis und Viminalis im Sp. 241 als vermutlicher Name eines Gottes 

J 1876 irefunden wurde, CIL 6, l,p. 838 (Add.) gedeutet: Verpant(o) | Bomulus l(tbens). Doch 

nr 3132 = 6 4 2, p. 8049, nr. 81067 — 1", 2, 1, wird die Deutung als Grabschnft, die seinem 

p 661 nr 804 1= bessern, Inacr. Lat. sei. 4019: früheren, keltisch benannten Herrn F. sein 

Vermino A. Postutmus, A(uli) ftilius), A(uK) Freigelassener, Ißbeiius), mit dem ganzen Grab- 

nfepos), Albifnus), duovtr lege Pluetoiia. Ab- denkmal gesetzt hat empfohlen durch die 

bildung- Sullarch. mtmicipale 1876, p. 24. Den Fundumstände. Zur Wortbildung Verp-antos 

Namen des Gottes hat Henzen zusammengestellt vgl. Holdtr 3, Sp. 636 (l, Sp. 161 1.): -anto-. 
mit der von verminet abgeleiteten Benennung / [Keune. | 

einer Viehkrankheit, verminatio (Plin. nat. hist. 10 Verstirnnng (*aTü<!TiQtatwe), s. Sterne o. Bd. 

28, 180. 30,144: iumentorum ».). Zu seiner Eh- 4, Sp. 1427 ff. und unten Verwandlungen. 
rung waren aus unbekanntem Anlaß, auf Grund Yert., unbestimmter Beiname der Ceres in 

einer anderswo nicht genannten Lex Plaetoria, einer noch erhaltenen Weibinschrift von Po- 

Duoviri aedi dedicandae eingesetzt, und zwar tentia (Potenza) in Lucania, CIL 10, 129 ('rep. 

in einem unbestimmten Jahre des 7. Jahrh. der cum anaglyphis vaccae lactantis et cervae') — 

Stadt Eom, und der genannte A. PostumiuB Dessau, Inscr. Lat. sei 3337 : (über der Inschrift 

Albiinus) [nicht identisch mit dem Konsul des sind dargestellt Kopf eines Ziegenbocks mit 

J. 603 d. St. = 151 v. Chr., sondern später] hat Opfermesser und Opferteller) Cereri Vert. sa- 

die Weihung des Tempels vollzogen. — Jordan- e(rum), Bona Maxima sacerdos X Vviral(is) ...... 

Huelsen, Topogr. der Stadt Eom im Altert, Bd. so zu welcher Dessau bemerkt: 'Sacerdotes quin- 

1, 1, S. 218, 81 und 1, 8, S. 882, 3. Kiepert- Huel- decimvirales praeterea non novimus nisi Matris 

s'en, Formae ürbis Bornas antiquae, Taf. 1, Er, Magnae Iiiacae', vgl. Marquardt, Staatsverwal- 

mit Nomenciator topogr., p. 6. Wissowa, Eelig. tung 3*, S. 396, 4 und Dessau Bd. 8, S. 581. 

«. Kult, der Bömer' S. 66, 4. [Keune.] — Im CIL 10,2 (Index), p. 1132 ist ergänzt: 

Vero . . .rtltlaBUS, rt'cus — , Ortschaft bei Ceres vert(ens'>), dagegen bei Marquardt a. a. 

dem Kastell Cius in Moesia inferior, heute 0. S. 396, 7: Cereri Vert(umno). In letzterem 

Hassarlik (Assarlyk, in der Dobrogea, Rumä- Fall wären also die Götteinamen Ceres und 

nien, nahe der Donau; CIL 3, Suppl. 1, p. 1363 Vertumnus (s. d.) asyndetisch zusammengestellt 

und Suppl. 2, Tab. IV, Cr). Dem Scbutzgeist (Korrbl. Westd. Ztschr. 15 [1896], Sp. 58). Doch 

dieses Vioue hat ein Veteran, ehemaliger Sol- so vgl. Wissowa unten, Sp. 221. [Keune.] 

dat der in NiedermoeBien stehenden Legio V Verticordia, Kultbeiname der Venus (inde 

Macedonica, als Dorfschulze gehuldigt mit CIL Venus verso nomina corde tenet, Ovid. fast. 4, 

3, Su/ipl. 2, p. 2101, nr. 12479 (Holder, Altcelt. 160), unter dem die Göttin angerufen wurde. 

Sprachseh. 3, Sp. 228), gefunden zu Hassarlik: q U0 facilius virginum mulierumque mens a libi- 

[Genio] vici Vero.. | ..rtitiani C. Iulius Va- dine ad pudicitiam converteretur (Valer. Max. 

le(n)s veter(anus) leg. V Maced. mag(ister) vici 8, 15, 12), wie in Theben die Aphrodite 'Ano- 

v. s. I. m. [Keune] etciocpia verehrt wurde, iva Iniffvpiiag rs <tv6- 

Verora, Dativ: Verore, ist als Name einer ^ ov Ma fc Hgyav tivooicov etnoergifr) rb ytvog zäsv 
hispanisch -iberischen Gottheit erschlossen aus är&qm-jtav (Pausan. 9,16,4; haltlose Vermu- 
der Weihinochrift von Lucus Augusti in Cal- 40 tungen und Kombinationen über das Wesen 
laecia = Lugo (CIL 2, Suppl, Tab. I, BCd. dieser Göttin bei K. Tümpel, Jahrb. f. Philol. 
Andree, Handatlas 121/122, C 1,2), CIL 2, 257« Suppl 11 [1880], S. 698ff.); die Deutung de» 
= Dessau, Inscr. Lat. sei. 4607 : Verore Sufus Namens in den Schol Stat. Theb. 6, 65 «t awio- 
M.1 ecx vii-u, abgekürzt Vero. und Ver.: ebd. res inieiat, rursum ut auferat macht daneben 
2577 und 2678 (jedesmal bildet der angegebene den Kindruck des Gekünstelten und Willkür- 
Göttername die erste Zeile der Weihinschrift; liehen. Die erste Erwähnung der Göttin fällt 
das von Holder, Alteelt. Sprachsch. 3, Sp. 240 m die Zeit des zweiten Punischen Krieges, 
außerdem aufgeführte Bruchstück CIL 2, 2579 nicht lange nach der Einführung des Dienstes 
ist ganz unsicher). Es fragt sich aber, ob nicht der Venus Erucina (s. Art. Venus) und vor die 
auch in Verore eine Abkürzung vorliegt, denn 50 Übernahme des Kultes der Großen Mutter 550 
mit Recht haben Hübner (CIL 2, Suppl, Index = 204 (über die Zeit s. Wissowa, Ges. Abhandl. 
p. 1130), Holder (a. a. 0), Dessau (a. a. 0.) den s. 13,4): aus unbekanntem Anlasse, der aber 
Namen zusammengestellt mit CIL 2,2575: mit der öffentlichen Sittlichkeit der Frauen im 
VIRRORE | VIIIAEGO lALTMIIVS | PATER- Zusammenhange gestanden haben muß, be- 
NVS I VS-LM, wo in Z. 1/2 zweifellos eine schließt der Senat auf Anregung der sibylli- 
Weihung an einen iberischen Schutzgeist vor- nischen Orakel die Stiftung eines Bildes der 
liegt, dessen Name auf -aegus endigt (s. den Venus Verticordia, dessen Weihung durch die 
Artikel Tiauranceaicvs), nach Holder: Virro- nach allgemeinem Urteil keuscheste der römi- 
revi[ljiaegns\ es folgen die Namen des Stifters: sehen Matronen erfolgen soll: zu diesem Ehren- 
(?) . . . ius Patemus mit der Weiheformel votum 60 dienste wird durch ein in doppelter Auslosung 
solvit libens merito. Die vier Inschriften CIL 2, bestimmtes Wahlkollegium von zehn Frauen (ex 
2575— 2578 hat Hübner in Lugo gesehen, jedoch Omnibus matronis centum, ex centum autem de- 
nicht lesen oder abschreiben können. [Keune.] cem sorte duetae de sanetissima femina iudi- 

Verpant. in einer Inschrift im Gebiet der dum faeerent, Val. Max. a. a. 0.) Sulpicia, die 

Pietones (Poitou) , bei Le Langon im J. 1858 Tochter des Ser. Sulpicius Pater eulus (cos. 496 

gefunden ('rep in sepvlcro, übt supra por- = 258) UDd Gattin des vierfachen Konsulars 

tarn olim fuisse videtur'), CIL 13, 1180. ist von Q. Fulvius Flaccus (cos. 517, 530, 542, 545 = 

Hirschfeld mit Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, 237, 224, 212, 209\ als die würdigste bezeich- 



217 Vertioordia Verticordia 218 

net {Val. Max. a. a. 0.; vgl. Plin. n. h. 7, 120 auch für gewöhnlich die Männerbäder benutz- 
= Solin. 1, 126, die den Beinamen Verticordia ten, in diesen; nach Lyd. de mens. 4, 66 W. xatg 
nicht ausdrücklich nennen). Einen Tempel er- roivvv xalivSaig 'Axortiuig ul eeuval yvvatxüv 
hielt dieselbe Göttin rund ein Jahrhundert spä- ineg duovolag xal ßiov eaipQovog iriuav xijv 
ter, ebenfalls auf Veranlassung der sibyllini- 'Aq>Qoiiznv, al ih ro« «Ijjö-orj yvvctlxsg iv rolg 
sehen Bücher, als im J. 640 =114 ein be- t&v avtgmv ßalaveioig ilotWro agos &sga- 
sonders gräßliches Prodigium (die Tochter eines ntttv airf/g uvgatvri iatsuuivai hat Mommsen 
römischen Ritters wird zu Pferde vom Blitze (CIL 1 ! , p 314) mit Kfcht die Notiz der prä- 
getroffen und getötet vestimento dedueto in- nestmischen Fasten zum 1. April folgender- 
guinibus, exerta lingua, per inferiores locos ut 10 maßen ergänzt: frequenter muUres supplicant 
ignis ad os emicuerit, Obseq. 37 [97 1; vgl. Oros. (honestiores Veneri Verticordiae ,> Fortunae 
5,15, 20 f.) auf schwere sittliche Verfehlungen Virili humiliores, etiam in balineis, qitod in 
einiger Vestalinnen hinwies (Obseq. a.a.O. Ooid. iis ea parte corporfis] utique viri nudantur, 
fast. 4, 157 ff.). Daß der Stiftungstag dieses Tem- qua feminarum gratia desideraiur, nur hatte 
pels der 1. April war, darf man aus seiner Ei- Verrius Flaccus es gewiß deutlicher hervor- 
wähnung unter diesem Tage bei Ooid a. a. 0. gehoben, daß alle Frauen das Fest durch ein 
schließen, wenn auch die übrigen Zeugen für rituelles Bad begingen, das aber nur die un- 
den Venusdienst dieses Tages, deren Angaben terste Klasse von ihnen im Männerbade suchte, 
ebenso wie die Ovids sämtlich auf Verrius Da das rituelle Bad ebenso wie die Bekrän- 
Flaccus zurückgehen (vgl. H. Winther, De fa- 20 zung mit Myrten sicher mit dem Gottesdienste 
stis Verrii Flacci ab Ovidio adhibitis, Diss. Berol. der Aphrodite Venus zusammenhängen, hat die 
1885, S. 21. 27), die Göttin nicht ausdrücklich Annahme W. Warde Fowlers (The Roman festi- 
als Verticordia bezeichnen. Der Tag, der in vals S. 68), daß das Fest ursprünglich ganz der 
dem Kalender des Philocalus den Namen Fe- Fortuna Virilis gehört habe und Venus Verti- 
neruha trägt und durch Spiele ausgezeichnet cordia erst später an ihre Seite oder an ihre 
ist (CIL l", p. 262), ist nach dem Zeugnisse Stelle getreten sei, nichts für sich, eher liegt 
der Steinkalender augusteischer Zeit ein dies das Verhältnis umgekehrt, zumal es an Zeug- 
fastus, gehörte also nicht zn den alten feriae nissen für ein höheres Alter des Kultes der 
publicae, was zu der Angabe des Cincius de Fortuna Virilis fehlt (denn daß Plutarch Qu. 
fantis bei Macr. 8 1, 12, 12 stimmt, daß nullus so Rom. 71 ihn wie die meisten Fortunendienste 
dies festus nullumque sacrificium insigne Veneri für eine Schöpfung des Servim Tullius ei klärt, 
im April von den Vorfahren eingesetzt Bei, hat nichts zu bedeuten) und die verhältnis- 
eine Angabe, die durch Verrius Flaccus ebd. mäßig junge Einrichtung öffentlicher Bäder es 
§ 15 dahin ergänzt wird: hoc die (nämlich am verbietet, an ein sehr hohes Alter des Brauches 
1. April) postea constitutum, ut matronae Ve- zu glauben; eher kann man ihn mit der Ver- 
neri sacrum facerent Es liegt daher kein Grund ehrung der Fortuna balnearis, CIL 2,2701 
vor, die Festfeier des 1. April für älter zu hal- (—Dessau 3719). 2763. 6.30708(=7>mo»3720). 
ten als die Gründung des Tempels der Verti- 13, 6552 (= Dessau 2605), die auch Fronto 
cordia, zumal die Festbräuche zu der griechi- p. 157 bezeugt, zusammenbringen, indem die 
sehen Herkunft der Verticordia stimmen. Nach 40 im Männerbade badenden Dirnen ihr Gebet 
Ooid (fast. 4, 138 ff) wurde das Bild der Göttin anstatt an Venus an Fortuna Virilis im Sinne 
von den Frauen entkleidet und gebadet, dann der Fortuna balnn virilis richteten. Auf die 
wieder angekleidet und mit Blumen geschmückt; Verbindung von Fortuna Virilis und Venus 
auch die Frauen selber badeten und bekränz- Verticordia geht wohl auch das entstellte Zeug- 
ten sich mit Myrten (vgl. Plut. Numa 19 xal nis des Plutarch de fort. Rom. 10 ten Si xal 
ralg xaXavSaig — nämlich des April — {an- iiuqu xbv rfjg A(f>goditi]i 'EmvaXaglov ßoiubv 
ipavuuivai al yvvalxeg fivgaivn Xoinvrai). auch "Aggevog Tv%r]g läog, denn eine Aphrodite 'auf 
tranken sie eine Mischung aus Milch. Mohn- dem Korbe' ist weder bezeugt noch verstiind- 
saft und Honig (vgl. K. Wyß, Die Milch im lieh, es steckt wohl die 'Axoeroorpia (oder atlen- 
Kultus der Griechen und Römer, RGW 16, 2, 60 falls 'Emergocpla , wie in Megara, Pausan. 1, 
S. 12). Da die Myrte gewöhnlich aus etymo- 40,6) dahinter. Daß am 1. April die meretrices 
logischen Gründen mit der (mit Venus ideuti- ebenso von ihren Verehrern beschenkt zu wer- 
tizierten) Göttin Mureia zusammengebracht den pflegten, wie am 1. März die Ehefrauen 
wurde (Varro de 1. I 5, 1!>4. Plhi. n. h. 15, 121. von ihren Gatten, folgt aus Orid a. a. 0. 405 f. 
Plut. Qu. Rom 20, vgl. Bd. 2, Sp. 3232, 54 ff), sive dies suberit nutalis, sive Kalendae, quas 
haben die Fei-ji/scholien Murcia und Verticor- Venerem Marti continuasse iuvat. Zeugnisse 
dia zusammengeworfen und den Tempel der für das Fortleben des Kultes der Venus Verti- 
letzteren in die vallis Murcia, d h. in das Tal cordia besitzen wir nicht, ihr Name wird nur 
des Circus, versetzt, was keinen Glauben ver- in den erwähnten Znsammenhängen genannt 
dient, Serv. Dan. Aen. 8,636 (über die vallis 60 (vgl. auch Sero. Dan. Aen. 1,720 est et Verti- 
Murcid) . . alii quod fanum Veneris Verticordiae cordia, est et Militaris Venus. Corp. gloss lat. 
ibi fuerit, circa quod nemus e murtetis fuisset, 5,682,40 Verticordia dea paganomm), daher 
immutata littera Murcinm appellatam. Für die entbehrten auch die Versuche,, ihr Bild auf 
Venusfeier des 1. April ist es bedeutsam, daß Münzen (namentlich den Denaren des M'. Cor- 
die Frauen außer der Venus auch der Fortuna dius Eufus, Babelon, Mann, de la rip Rom. 1, 
Virilis ein Weihrauchopfer (Ooid a. a. 0. 145. 383 f.; s. dazu F. Quilling, Die Juppitersäule 
150 1 ! darbringen, und zwar in den Bädern, die den Samus u Sererus, Leipzig 1918, S. 101 f.) 
Frauen niederer Stände und die Dirnen, die oder Wandgemälden (Heibig, Wandgemälde S. 



219 Vertumnus Vertumnus 220 

273) finden zu wollen, von vornherein jeder nam quid ego adiciam, de quo mihi maxima 

Grundlage und dürfen als aufgegeben gelten. fama est, hortorum in manibus dona probata 

[Wissowa.] weis? cairuleus cucumis tumidoque Cucurbita 
Vertumnus (ältere Form Vortumnus, vgl. venire me notat et iunco brassica vincta levi, 
Soltnsen, Studien zur lat. Lautgeschichte S. 20 f.), nee flos ullus hiat pratis, quin Me decenter im- 
eine Hauptgottheit der Etrusker (deus Etru- positus jronti langueat ante meae, vgl. v. 18 ff. 
riae prineeps, Varro de l. I. 5, 46) , verehrt ine- prima mihi variat liventibus uva racemis et co- 
besondere in Volsinii (Prop. 4, 2, 4), dem Vor- ma lactenti spicea fruge turnet, hie dulces ce- 
orte des etruskischen Städtebundes (über diesen rasos, hie autumnalia pruna cernis et aestivo 
vgl. Mommsen, Staatsr. 8, 666 f., A. 1. E. Bor- 10 mora rubere die. insitor hie solvit pomosa vota 
mann, Archäol.-epigr. Mitteil, aus Oesterr.-Un- Corona, cum pirus invito stipite mala tulit; s. 
garn 11 [1887], S. 103 ff. A. Mosenberg, Der auch Ovid. mtt. 14, 687 ff.), ähnlich wie dem 
Staat der alten Italiker S. 61 ff.), wo es auch Priapus, mit welchem Fulgentius (serm. ant. 11, 
eine Göttin Voltumna (s. d. Art.) gab, bei deren p. 116, 6 ZT. semones dici toluerunt deos, quos 
Heiligtume die Bundesversammlungen statt- nee caelo dignos ascriberent ob meriti paupei- 
fanden. Eine Zusammengehörigkeit beider Gott- tatem, sicut sunt Priapus Epona Vertumnus, 
heiten ist sehr wahrscheinlich, ihre Namen hat nee terrenos eos deputare vellent pro gratiae te- 
W. Schulze (Zur Geschichte lat. Eigennamen neratione) den Vertumnus auf eine Stufe stellt. 
S. 252) mit den Gcschlechtsnamen ultimni (Vel- Wahrscheinlich haben aber auch sonst die klei- 
tymnus, Veldumnius) und vertimna (allerdings 10 nen Leute und Bewohner dieses lebhaften und 
zur Zeit noch unbelegt) zusammengebracht; betriebsamen Stadtviertels, Fischer, Wagen- 
ist das richtig, so beruht das lateinische Aus- lenker, Hirten, Krämer, Soldaten u. a. dem 
sehen des Namens ('bis name like Picnmnus, Gotte häufig die Geräte und Kleidungsstücke 
is beyond doubt Latin', Fowler, Roman festi- ihres Berufes alB Weihgeschenke dargebracht 
vals S. 201) auf Zufall. Rom kennt den Gott und an seinem Bilde aufgehängt, so daß sich 
nur als etruskischen Einwanderer. Sein Bild daraus erklärt, was Properz (4, 2, 21 ff.) und 
stand seit alter Zeit in dem das Forum mit dem Ovid (metam. 14, 643 ff.) unter Ausdeutung des 
Velabrum und dem Zirkustale verbindenden, Namens von der Fähigkeit des Gottes zu er- 
überaus verkehrsreichen und namentlich dem zählen wissen, die Gestalt aller Altersklassen 
Kleinhandel zum Sitze dienenden vicus Tnscus, 30 und Berufsstände anzunehmen. Neben dieser 
dessen Namen die römischen Gelehrten von einer Auslegung als Gott der unbeschränkten Ver- 
etruskischen Invasion, sei es des Lucumo (Prop. Wandlungsfähigkeit (Tibull. 4, 2, 13 talis in 
4, 2, 61 f.), sei es des Caeles Vibeuna ( Varro de aeterno ftlix Vertumnus Olympo mitte habet 
1. 1. 5, 46), die beide dem Komulus gegen Titus ornatus, milk decenter habet; vgl. Ovid. fast 
Tatius zu Hilfe gekommen sein sollten (viel- 6,409 conveniem diversisiste pguris), auf Grund 
leicht führt darum Varro de l. I. 6, 74 Vortum- welcher Horuz (sat. 2, 7, 14) einen nnbestän- 
nus unter den Gottheiten des T. Tatius auf), digen Mensehen als Vertumnis, quotquot sunt, 
oder auch des Porsenna (Liv. 2, 14, 9) ableite- natus mitjuis bezeichnet und Ovid (metam. 14, 
ten (das Material vollständig bei Jordan, To- 623 ff.) sein Märchen von der Liebeswerbung 
pogr. d. Stadt Som 1, 1, S.278f. 296; 1,2, S.469). 40 des Gottes um Pomona erfunden hat (er er- 
Dieses Signum Vortumni (Liv. 44, 16, 10 pone scheint der spröden Schönen in den verschie- 
Veteres ad Vortumni Signum; Cic. Verr. 2, 1, densten Gestalten und gewinnt sie schließlich 
164 quis a signo Vortumni in circum maximum in der eigenen, als schöner Jüngling), stehen 
venit und dazu Ps. Ascon. p. 2öö St. Signum verschiedene andere: da er die Gaben aller 
Vortumni in ultimo vico turario est; nur Por- Jahreszeiten erhält, gilt er als Gott des annus 
phyrio zu Hör. epist. 1, 20, 1 redet irrtümlich von vertens (l'rop. 4, 2, 11); weil sein Bild ungefähr 
einem sacellum des Gottes in vico turario) an der Steife steht, bis zn der das Hochwasser 
war ein Wahrzeichen der ganzen Stadtgegend des Tiber zu steigen pflegte, schrieb man ihm 
und wird als solches häufig erwähnt (Hör. die Abwendung der von dem Strome drohenden 
epist. 1, 20, 1 Vertumnuni Ianumque, liber, spec- 50 Gefahren zu (nomeu ab aveno ceperat amne 
tnre videris; CIL 6,9393 = Dessau 7696 faber den», Ovid. fast. 6,410; Vertumnus veno tlicor 
arg(eniarius) [ad VJortumnnm), es war ein Erz- ab amne deus, Prop. 4, 2, 10: vgl. Serv. Aen. 8, 
bifd (Prop. 4,2,61, dessen Angabe, daß das 90 von der /icus ruminalis und dem Lupereal: 
Erzbild an Stelle eines alten , 'daedalischen ' hac tnim labebatur Tiberis, antequam Yertumnn 
Holzbildes getreten sei, natürlich freie Erfin- factis sacrifieiis averteretur); oder wegen des 
düng ist) und wurde noch in der Zeit Diocle- um sein Bild herum betriebenen regen Han- 
tians erneuert, wie die eben an dieser Stelle delsverkebrs machte man ihn zum praeses ver- 
gefundene Inschrift CIL 6, 804 = Dessau iiüisS tutidurum verum, hoc est emendarum ue venilen- 
Vortumniistcwporibus Diocletiani tt Maximiaiti darum (Porph. zu Bor. epitt. 1,20,1; vgl. Ps.- 
beweist. An dieses Bild und an die Ausdeu- 60 Ascon. p. 256 St. Vertumnus uutem deus inver- 
tung des von vertere abgeleiteten Namens knüpft ttndaritm verum est, id est niercaturue), eine 
alles das an, was uns die Dichter der augu- Vorstellung, die sowohl dem (ulumella 10. 308ff. 
steiseben Zeit von dem Gotte zu berichten wis- mereibus ut vernis tlives Vortumnus abumlet, et 
sen. über das Aussehen des Bildes erfahren titubante gradu invito madefactus laccho aere 
wir leider nichts Bestimmtes, sondern nur, daß sinus gerulus pltnos gratis urbe nporhl vor- 
es Brauch war, es mit den Blumen der Jahres- schwebt wie Plautvs, wenn er (Cure. 484) im 
zeit zu bekränzen und ihm die jeweils reifen Tuscus vicus Menschen sich aufhalten läßt, 
Früchte in die Hände zu legen (Pvop. 4, 2. 41 ff. vel ijui ipsi vovsant vel qui aliis ubi rovseiitur 



221 Vertumnus Veruniensis 222 

praebeant (Jordan, Hermes 16 [1880], S. 128, tus) viel naher liegen. Ganz in der Luft aber 
dagegen Leo zu v. 470); die griechische Über- schwebt die von L. A. Milani {Notiz, d. Scavi 
aetzung £to6<pio« {Corp. gloss. Vit. 8, 290, 22 1884, S. 270 ff.) mit großer Sicherheit vorgetra- 
Vortumnus 2tooq>ioe, vgl. 8,8,87; 82,70 Vul- gene Deutung einer in Fossombrone (im öst- 
turnus 2/rpd<pioe) läßt die genauere Auffassung liehen Umbrien) gefundenen und jetzt im Ar- 
nicht deutlich erkennen. Ein öffentlicher Kult chäologischen Museum in Florenz befindlichen 
knüpfte sich an das Bild im Vicus Tuscus hochaltertümlichen Bronzestatuette (Milani, 
nicht; einen solchen erhielt Vertumnus erst Museo topografico dell' Etruria S. 47. Amelung, 
nach der Eroberung und Zerstörung seiner Führer durch die Antiken in Florenz S. 258, 
Heimatstadt Volsinii im J. 490 = 264. Daß 10 nr. 260; abgebildet auch bei Martha, L'art 
er tnter proelia Volsinii mit Rom vertauschte, etrusque S. 821, n. 219), deren wichtigstes Attri- 
bezeugt Propere (4, 2, 8 f.), und da im römi- but ein von dem Gotte in der Hand gehalte- 
schen Tempel des Vertumnus ein Gemälde den ner gekrümmter Stab ist, in dem Milani die 
M. Fulvius Flaccus, der im genannten Jahre de arundo des Fischers oder Vogelstellers sehen 
Vulsiniensibus triumphierte (CIL 1", p. 172), will, welche Vertumnus nach Propere (4, 2, 33) 
im Triumphalgewande , der toga pieta, dar- und Ovid (metam. 14, 651) in einer seiner vielen 
stellte {Fest. p. 209 M.), so ist damit der Zu- Verwandlungsformen trägt. Aber einerseits las- 
sammenhang gesichert. Nach dem Zeugnisse sen andere Darstellungen desselben Typus, z. B. 
der Steinkalender (CIL l s , p. 826) lag der Tem- die noch ältere unter dem Lapis niger auf dem 
pel auf dem Aventin (in loreto maiore, fast, so römischen Comitium gefundene Bronzestatuette, 
Voll.; vgl. Hülsen-Jordan, Topogr. 1, 3, S. 162) Bendic. d. accad. d. Lincei 1900, S. 800, fig. 7 
und feierte seinen Stiftungstag am 13. August; (vgl. auch eine aus dem Tiber stammende Blei- 
das Zusammenfallen dieses Tages mit dem Stif- Statuette im Thermenmusenm zu Rom, Heibig, 
tungstage des Tempels der Diana auf dem Führer 3 nr. 1494) und die Notiz, d. Scavi 1892, 
Aventin ist sicher ebenso zufällig wie das S. 462 und 468 abgebildeten beiden Cippen 
mit den natales von Tempeln des Hercules, (der erste auch bei Milani, Museo topografico 
Castor und Pollux und Flora (dies gegen Mer- S. 126), das Gerät deutlich als einen Lituus er- 
lin, L' Aventin dans l'antiquite S. 202). Eine kennen, andererseits würde es, auch wenn es 
Rolle in der volkstümlichen Religion hat Ver- eine arundo (oder ein Pedum) wäre, für Ver- 
tumnus nicht gespielt; die wenigen ihm gel- so tumnus nichts beweisen ; denn Propere und Ooid 
tenden Weihinschriften (CIL 10, 129 = Dessau zählen eine so lange Reihe von Ausstattungs- 
3837, aus Potentia, und 12,5963, aus Narbo, gegenständen auf, die der Gott bei seinen zahl- 
sind von ganz unsicherer Ergänzung und Deu- losen Verwandlungen anlegt (z. B. die Sichel 
tung), von denen keine aus Rom oder Etru- oder den Korb des Schnitters, das Schwert des* 
rien stammt, sind weit verstreut (CIL 11. 4644a, Soldaten, das Plektron des Apollo, das Netz 
Tuder, Vertumno [vojtum solvit [Bestitjutus; des Jägers, den Treibstachel des Ochsentrei- 
9,6892, Ancona, Vertumno augusto sacrum Ka- bers, die Leiter des Obstpflückers usw.), daß 
rus A . . . . disp(ensator) v. s. ; 5, 7286 = Dessau es nicht angeht, aus der langen Liste einen 
3590, Segusio, Genio munic(ipi) Segu[s(ino- beliebigen herauszugreifen und an ihm deu 
tum)] ex testam[e]nto Miniciae P. f. Sabinae 40 Gott erkennen zu wollen. Die von Milani eben- 
de peeunia, quae superfuit operis Vertumni, C. falls zum Beweise seiner Deutung herangezo- 
Pinar(ius) Taurus heres f(aciundum) c(uravit); gene Behauptung einer solarisch-apollinischen 
3, 14206 10 , Philippi, deo Vertumno domino aram Natur des Vertumnus (er nennt den Gott auch 
evotam Zipas Murgulas v. s. I. m.) und inhalt- usil-aplu) beruht auf ganz willkürlichen und 
lieh unergiebig; daraus, daß in Canusium zwei unhaltbaren Voraussetzungen (vgl. auch C. Thu- 
IHIviri de munere gladiatorio ex s(enatus) lin, Die Götter des Martianus Capella und der 
c(onsulto) gleichartige Basen der Vesta und Bronzeleber von Piacenea, BVV 3, 1, S. 52). 
dem Vortumnus errichten (CIL 9, 326. 827 = [Wissowa.] 
Dessau 3316. 8689), läßt sich für die Auffas- Veruniensis, Beiname der Fortuna in einer 
sung des Gottes nichts gewinnen. Bei dieser 60 verschollenen Weihinschrift von Aquileia, CIL 
Sachlage besteht keine große Wahrscheinlich- 6,778 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 3717a: For- 
keit, daß es gelingen könnte, in unserem Denk- tunae Veruniensi, impe'r(io = iussu deae) Octu- 
mälervorrat Bilder deB Vertumnus nachzuwei- wo Quinta l(aeta) l(thent) p(osuit) [auf den 
sen. Nachdem eine Reihe früher auf Vertumnus Seitenflächen waren Opfergeräte, Patera und 
gedeuteter Darstellungen von A. Beifferscheid Urceus, dargestellt]. O. Keüermann, Bull, dell' 
(Annali d. Inst. 1866, 8. 212 f., A. 2) mit vollem Inst. 1838, S. 42, nr. 204 hat die Besserung Ve- 
Rechte für Silvanus in Anspruch genommen ronensi (von Verona) oder Virunensi (von Viru- 
worden sind, zeigt sich noch eine gewisse Nei- num in Noricum) vorgeschlagen, von welchen 
frung, göttliche Gestalten jugendlichen Alters, er die letztere vorzieht wegen der VerkebrB- 
die Blumen oder Früchte im Gewandbausche 60 Verbindungen von Aquileia mit den Donau- 
tragen (z B. den lateranischen Antinous, Benn- ländern; Mommsen (CIL 5): V [ijruniensi. Vi- 
dorf-Schoene, Antike Bildwerke des lateran. Mu- runum in Noricum (Zollfeld bei Klagenfurt in 
neums nr. 79 = Heibig, Führer durch d. Samml. Kärnten) war also wahrscheinlich Heimat (do- 
klass. Altertümer in Born' nr. 1152, oder die mus) der Stifterin, die in der Fremde die hei- 
von Heibig, Bull. d. Inst. 1877, S. 56 beschrie- matliche Glücksgöttin verehrt hat (Fortuna do- 
bene Dresdener Bronze) Vertumnus zu nennen, mestica: CIL 3, 4838. 1989. 1009. auch 18,6934 
obwohl dafür kein sicherer Anhaltspunkt vor- und 14, 6; s. o. Bd. 1, 2, Sp. 1528 und Paulus 
liegt und andere Benennungen (wie Bonus Even- Beal-Encyclop., Neue Bearbtg. 7, 1, Sp. 35). Ve- 



223 Vervactor Verwandlungen 224 

runiensi scheint aber richtig aberlieferte, volks- eigentümlichkeiten der Götter, wie bereits bei 

mäßige Schreibung statt Viruniensi (CIL 8, Homer zahlreiche Erzählungen erkennen lassen. 

4870. 6031) = Virnnensi (CIL 8, 4868. 15205; Erst auf dieser Entwicklungsstufe ist aber die 

6, 1569) zu sein. [Keune] klare Vorstellung einer Umgestaltung oder Ver- 

Yervactor s. B. Petef, o. Bd. 2, 1, Sp. 280. Wandlung (iiezcc^oQipaais) vorauszusetzen, denn 

Verwandlungen (Mtrafiogcpmesig). Litera- das göttliche Wesen muß zuerst in einer be- 

tur: J. G. L. Mellmann, comm. de causis et stimmten Gt-stalt gedacht werden, ehe es diese 

auctoribus narrationum de mutatis formte. Leip- in eine andere verwandeln kann. So empfiehlt 

zig 1786. — Meineke, Über mythol. Verwandl., es sich von den bei Homer vorkommenden Ver- 
vornehmlich in Hins, auf Oeids Metamorph., 10 Wandlungen auszugehen und hieran die Masse 

Soest 1792. — C. E. Zedritz, De orig. et nat. der später auftretenden, nach Gattungen ge- 

metamorph. ex Ocidiano mnx. Metamorph, op. sondert, anzureihen. 

con*id. disquisitio. Progr. Upsala 1889. — Platz, .. ,, . 

Die Götterverwandlungen. Karlsruher Lyceal- Verwandlungen bei Homer. 

progr. 1857. — J. Bolte, De monum. ad Oilys- 2) Als besondere Eigentümlichkeit besitzt 

seam pertinent. cap. sei. Anhang. Berlin 1882. der Meergott Proteus die Fähigkeit der Selbst- 

— G. Wentzel, Mythograph. Mise. II im Philo- Verwandlung (Hom. Od. 4, 417 ff. 455 ff.), offen- 
logus 51, S. 46 — 64. — B. Ehvcald, Bericht über bar deshalb, weil das Wasser selbst keine blei- 
Ovid in Bursian- Müller- Körtes Jahresber. 80, bende Gestalt hat, wie sich die gleiche Fähig- 
1894, S. 3« ff.— 42, 1914, S. 100 ff. — E Mar- 20 keit später auch bei Nereus (o. 3, 246 f.), Ache- 
tini, Antonini Lib. metam. syngr. Praefatio. loos, Triton, Thetis und Phorkys (3, 2434) zeigt. 
Leipzig 1896. — M. W. de Vißer, De Graec. Aber auch die übrigen Gottheiten vermögen 
diisnonrefer. spec.hum Leiden 1900. — M.Hol- beliebige Gestalten anzunehmen lediglich in- 
fand, Mythogr. Beitr. im Philol. 69, 1900, S. 347. folge ihrer göttlichen Machtvollkommenheit 

— H. Kienzle, Ovidius qua ratione comp, my- daher sie gewöhnlich in der Gestalt bestimrn- 
thol. ad metam. adhib. comp. Basel 1903. — ter Personen auftreten, sobald sie mit Men- 
M. W. de Vißer, Die nichtmenschengestalt. Gut- sehen verkehren wollen. So erscheint Athene 
ter d. Griechen. Leiden 1903. — G. Liifaye, Les in der llias als Phoinix (17, 55'), Laodokos 
metam. d'Ovide et leurs modilrs Grecs. Paris 1904. (4.87), Deiphobos (22, 227), als Wagenlenker 

— J. D etzc, Komp. u. Quellenben. in Oüids so des Diomedes (5, 793 ff.) und als Wollspinnerin 
Metam. Hamburg 1906. — L. Castiglioni, Studi (3,386); in der Odyssee als Mertes (1,105), 
intorno alle fonti et alla compositione delle me- Mentor (s. d 1), Telemachos (2, 383), als Toch- 
tam. d'Oeidio. Pisa 1906. — W. Volgraff, Ni- ter des Dymas (6, 22), Wasserträgerin (7, 20), 
kander und Ovid, I. T. Groningen 1909. — Herold (8,8), Mann (8,194), Hirt (13, 222) und 
W. Bubbe, De metam. Graec. cap. sei Halle 1913. Frau (13,288. 16,158. 20,31). In der llias 

— J. Burckhardt, Griech. Kuturgesch. 2, S. 5 ff. ferner Hera als Stentor (6, 785), Apollon als 

— A. Laudien, Der röm. Saginkreis in Ovids Mentes (17,73), Periphas (17,323), Agenor (21, 

Metamorph, in Sokrates 2, 1914, S. 281 ff. 600), Lykaon (20,81), Asios (16,717) und Phai- 

, — . . , j it ,, ... nops (17, 583); Poseidon als Thoas (13, 216), 
I. Entstehung der Verwandlnngsvorstellung. 40 Ka ^ a fa ^ und als alter Mann \ u ] 188) '; 

1) Die Vorstellung von der Möglichkeit eines Iris als Polites (2, 791) oder Laodike (8, 121 ff.); 
Gestaltwecbsels stammt aus der Urzeit, denn Ares als Akamas (5, 462); der Klußgott Xan- 
sie ist mit den Grundannahmen des Animatis- thos als im Strudel stehender Mann (21, 213), 
mus oder Fetischismus, des Totemismus und Poseidon und Athene als Männer (21, 285), end- 
des Animismus aufs engste verwachsen. Wenn lieh Hermes als fürstlicher Jüngling (24, 847). 
man vor einem unheimlich erscheinenden Ge- Seltener nehmen sie, und zwar jedenfalls nur in 
genstand Furcht empfindet und ihm Verehrung Rücksicht auf die Schnelligkeit der Bewegung 
erweist, so setzt man unbewußt voraus, daß in und den Aufenthalt im Luftraum, auch Vogel- 
ihm eine geheimnisvolle Macht Gestalt gewon- gestillt an, so daß Athene einem Kaubvogel 
nen hat; wenn der Stamm im Totemtier seinen so' (II. 19,350), einem Seeadler (Od. 3,372), einer 
Ahnherrn sieht, so meint er, daß Mensch und Schwalbe (Od. 22, 240), einem Vogel (Od. 1,320), 
Tier in diesem Ursprungswesen zu einer Ein- sie und Apollon zwei Geiern (II. 7, 59), Hypnos 
heit verschmolzen gewesen sei, was nur durch einem Nachthabicht (II. 14, 291), Ino-Leuko- 
Annahme der Tiergestalt seitens eines Men- thea einem Taucher (at&via, Öd. 5, 337. 363) 
sehen erklärt werden kann. Ganz offenkundig gleicht. In ähnlichem Sinne verwandelt sieh 
ist dies die Anschauung des Animismus, da er Boreas in ein windschnelles Roß (II. 20, 224; 
beim Tode des Menschen seine Seele aus dem vgl. 16,160), Athene aber erscheint sogar gleich 
Leibe scheiden und in andere Menschen, in einem fallenden Sterne (II 4,76), wobei frei- 
Tiere, Pflanzen oder sonstige Dinge übergehen lieh nicht zu entscheiden ist, ob der Dichter 
läßt. Daß diese Vorstellungsweise einst auch 60 eine Verwandlung oder einen bloßen Vergleich 
in Griechenland geherrscht hat, ist längt an- im Sinne hat. Doch auch Orion und seinen 
erkannt und von de Vißer durch reichhaltige Hund Seirios versetzt er bereits unter die Stern- 
Sammlungen erwiesen worden (M. W. de Vißtr, bilder (II. 18, 4H6 ff. 22, 26 ff.). 
De Graecorum diis non rrferentibus speciem Die Götter legen bei ihrem Verkehr mit 
humanam. Leiden 1900. Derselbe, Die nicht den Menschen deshalb ihre eigentliche Gestalt 
menschengestaltiqen Götter der Griechen. Leiden ab, weil der Anblick den meisten von diesen 
1903). Dementsprechend gehört die Fähigkeit Unheil bringt (II. 20, 131; s. o. 4, 671); mil- 
des Gestaltenwechsels später zu den Wesens- wenige wie Priamos (II. 24, 460 ff. 682 ff.) und 



225 Verwandlungen Verwandlungen 226 

insbesondere Achilleus als Sohn einer Göttin 1,10; vgl. Lucret. 6, 793 ff. Pompon. llda 1,9, 

vermögen ihn zu ertragen (II. 1, 198. 18, 166. 3). Bienenschwärme ließ man aus den Leibern 

182). Niemand kann sie gegen ihren Willen gefallener Stiere hervorgehen (o. 1,648; vgl. 2, 

«rkennen (Od. 10,573. 16,169ff.), anch wenn 2640), ebenso Wespen aus denen von Pferden 

sie unter dem Volke Fremdlingen gleichend (Archelaos bei Varro, rer. rustic. I. 8, 16, 4), die 

in allerlei Gestalt verkehren (Od. 17, 485 ff.; Störche sollten im Alter zu Menschen werden 

vgl. 13, 312 f.). (Alexandr. v. Mund, bei Aelian. de anim. 3, 28), 

8) Infolge ihrer Macht sind die Götter im- und alles mögliche der Art, was Plinius in 

stände, die Verwandlung auf Menschen und seiner Naturgeschichte anführt. 
Dinge zu übertragen, wobei sie sich oft eines 10 Schon in verschiedenen Dichtungen des 

Zauberstabes (QÜßäog, eytr\nävtov) bedienen; Euphorion und in den Alna des KaUimachos, 

dieser ist ursprünglich lediglich der den Herr- einer um 250 v. Chr. entstandenen Sammlung 

scher als Inhaber der Strafgewalt kennzeich- von Ursprungs- und Gründungsgeschichten, mö- 

nende Züchtigungsstock, der durch seinen gen sehr viele Verwandlungssagen enthalten 

Schlag die sofortige Ausführung des Verwand- gewesen sein, da sie oft als Quellen für solche 

lungsbefehls erzwingt. Bei Hermes ist er zum genannt werden; insbesondere aber behandelte 

ständigen Zeichen seiner Zaubermacht gewor- ein frühalexandrinischer Dichter, der seine in 

den (Od. 6, 47). Durch die Berührung mit einem Hexametern verfaßte Ornitbogonia einer sagen- 

Stabe verwandelt Athene den Odysseus in einen haften delphischen Priesterin Boiä zuschrieb, 
Bettler (Od. 13, 398. 429 ff.), und sie benutzt 20 die Verwandlungen von Menschen in Vögel 

ihn auch wieder bei der Rückverwandlung (Od. (Susemihl, Alex. Litter. 1, 879); Metamorphosen 

16, 172), ebenso Kirke bei der Verwandlung verschiedener Art stellte Nikandros von Kolo- 

seiner Gefährten in Schweine (Od. 10, 238. 293. phon in seinen Heteroiumena um 150 v. Chr. 

319. 389), während Poseidon durch einen Schlag zusammen. Diese beiden Werke, besonders aber 

mit seinem axtjsäviov den beiden Aias Schnei- dasjenige des Nikander, bildeten neben einem 

ligkeit und Kraft verlniht (I l. 13, 69 ff.), was mythologischen Handbuche die Hauptquellen 

die Auffassung als bloßes Machtzeichen bestä- für die Metamorphosen des Oeid, der freilich 

tigt, da sie der Schlag offenbar zur Anspannung auch die Werke des Euphorion und Kalli- 

ihrer Kräfte anspornen soll (vgl. II. 15, 694). machos selbst einsah, sowie für die prosaischen 

Die Verwandlung eines Menschen in eine so Nacherzählungen des um 200 n. Chr. anzu- 
Gottheit findet Bich nur bei Ino-Leukothea (Od. setienden Antoninus Liberalis (Ehwald, Jdhresb. 
6,333); dagegen wird die Tochter des Pandareos über Ooid bei Sursian- Müller 80, 1894, S. 41. 
(Agdon-Philomela) nach Tötung ihres Sohnes 44; vgl. ebenda S. 62 dessen Urteil über die 
Itylos zur Nachtigall (OX19, 518), Niobe und ihre enarrationes metamorph, des sog. Lactantius), 
Untertanen werden zu Steinen (11. 24, 611 ff.). welche uns etwa 190 Erzählungen dieser Art 
Zeus versteinert eine Schlange (II. 2,319), Po- überliefert haben, während unten 9—18 über 
seidon macht ein Phäakenschiff zu einem Felsen 400 zusammengestellt worden sind. Auch Anti- 
\Od. 13, 163). Bei dem Übergang in Tiergestalt gonos von Karyntos der Jüngere hat zwischen 
bleibt den Menschen das Bewußtsein (Od. 10, 60 u. 40 v. Chr. klloimeeie und Parthenios von 
240 u. Schol. dazu und zu 10, 329; vgl. Oeid. 40 Nikaia in Rom zur Zeit des Augustus Meta- 
mer 2,485. Nonn. Dion. 5, 322 f. Aesop. fab. 294 morphosen gedichtet (Susemihl, Alex. Litt. 1, 
Halm. Luk. Asin. 16. Apul. met. 8, 26. August. 193); diejenigen des Apuleius samt ihrem Vor- 
«o. Dei 18, 18, p. 278, 11 ff. Domb.); haben doch bilde, dem Aovxios f; 6 oVos des Lukianos, be- 
aueh die Tiere eine Seele (Od. 14, 426). Selbst nutzen die Verwandlung nur als Einkleidunga- 
bei der Versteinerung wird dies wenigstens in form für romanartige Schilderungen. Auf einen 
Rücksicht auf Niobe (II. 24, 617) vorausgesetzt; Quellennachweis und den Quellenzusammen- 
Schlange und Schiff bewahren bei derselben hang im einzelnen kann hier nicht eingegan- 
ihre Gestalt, gen werden. 

Verwandlungssagen in nachhomeri- 50 II. Vorübergehende Verwandlungen. 

scher Zeit. 5) ß e j <jer Einteilung der Verwandlungs- 

4) Da alle Hauptarten von Verwandlungen sagen ist zunächst zwischen zeitlich vorüber- 

bereits bei Homer auftreten, ist ob nutzlos, ihr gehenden und dauernden Verwandlungen 

weiteres Vorkommen im Anschluß an die ein- zu scheiden. 

zelnen zeitlich aufeinanderfolgenden Quellen Wie bei Homer, so wird auch später oft 

zu beobachten. Die eigentliche Metamorphosen- die Annahme von Menschen-, Tier- oder son- 

dichtung entwickelte sich erst in alexandrini- stigen Gestalten durch Götter erwähnt. Der 

scher Zeit. Die durch Alexanders Heereszüge Zweck ist dann meist: den Verkehr mit einer 

hervorgerufene Ausbreitung der geographischen geliebten Person zu ermöglichen oder zu yer- 
und naturwissenschaftlichen Kenntnisse ver- 60 heimlichen, der Liebesverfolgung oder einer 

anlaßte nämlich bei mangelhafter und unkri- anderen Gefahr durch die Verwandlung zu ent- 

tischer Beobachtung, jedenfalls im Anschluß gehen, zuweijen auch sonst eine Absicht durch 

an die tatsächliche Metamorphose der Lurche die Täuschung zu erreichen. So gesellt sieh 

und der meisten Insekten, die Annahme aller Poseidon der Melantho als Delphin (2, 2683), 

möglichen sonstigen Verwandlungen. So sah der Demeter- Erinys und einer Harpyie als 

man z. B. in den vom zurückgetretenen Nil Hengst (8, 2803); die Gestalt des Flußgottes 

[unterlassenen Lachen Mäuse, die noch zur Enipeus (s. d. u. vgl. o. 3, 104) nimmt er an, 

Hälfte aus Schlamm bestehen sollten (Diodor. um mit Tyro oder mit Iphimedeia verkehren 

SnsoHER, Lpxikon der gr. u. röm. Mythol. Vi 8 



227 Verwandlungen Verwandlungen 228 

zu können, ebenso Zeus die des Amphitryon, Min jaden zu warnen und dann um sie zu be- 
um sich der Alkmene zu bemächtigen, und strafen, tritt ihnen Dionysos zuerst als Jung- 
Apollon (oder Helios) der Leukothoö (s. d. u. frau und nachher als Stier, Löwe und Panther 
2, 1246 f.) wegen diejenige ihrer Mutter Eury- entgegen (2, 3014); Nereiden verwandeln sich 
nome; der Dryope (s. d.) halber wird er zu in Löwen und Panther, um Herakles vom 
einer Schildkröte und dann zu einer Schlange. Kampfe mit Nereus abzuschrecken (3, 217. 248), 
Dionysos verwandelt sich der Alphesiboia 4 dieser selbst aber wird dabei zu Wasser und 
zuliebe in einen Tiger (1, 261)), Asklepios der Feuer (3, 247). Aphrodite nimmt die Gestalt 
Aristodeme2wegenineinenDrachen(l,661),der einer alten Frau an (3, 2272), Athene die de» 
Flußgott Krimisos wird aus ähnlichem Grunde 10 Melas 6, wobei sie von Teuthis-Ornytos (8, 1060) 
zu einem Bären oder Hund, Eronos aus Liebe verwundet wird, Apollon diejenige eines Knaben 
zur Philyra zu einem Roß (3, 2854) Nach grie- und tötet den Phorbas 2 im Faustkampf (8, 2427). 
chischem Muster nimmt auch der italische V or- In hervorragendem Maße besitzen die Gabe 
tumnus (s. d.) als Liebhaber der Pomona ver- der Selbstverwandlung die Göttinnen des Ge- 
schiedene Formen an, was freilich zugleich in spensterglaubens Hekate, Empusa und Antais> 
seinem ursprünglichen Wesen als deus vertendi (1, 1898. 1248), sowie die Oneiroi, die Götter 
begründet ist. der Traumbilder, Morpheus, Ikelos-Phobetor 

Zum Stier wird ZeuB aus Liebe zu Europa und Phantasos (s. d. u. 3, 902). Auch den Tel- 

10 und zu Io (2, 264 f.), aus Leidenschaft für chinen (6, 287) ist sie eigentümlich. 

Leda zum Schwan, zum Adler bei der Ent- so „ .. , , _ ,, 

führung desGanymedes und der Aigina U, 148), Grunde der Verwandlungen, 

zur Taube bei seiner Vereinigung mit Phthia 1, 7) Als Grund für die Annahme von Tier- 

zu einem Stein beim Raube der Aigina (1, gestalt durch Götter und Dämonen wird die 

642 f.), zu goldenem Regen bei der Verführung ursprüngliche Tierform derselben in Anspruch 

der DanaS (1,947), zu einer Ameise bei Er- genommen. Gerade in Rücksicht auf die später 

zeugung des Myrmidon (2, 3313), zu einem allgemein verehrten griechischen Götter ist 

Geier bei derjenigen der Paliken (8, 1293) und diese aber nur in wenigen Fällen sicher zu er- 

zu einem Wiedehopf bei der Verbindung mit weisen. Tatsächlich erklärt sich hieraus die 

Lamia (8, 2666). In der Gestalt eines Drachen Kultverwandlung des Dionysos in Stier oder 
erzeugt er endlich mit Kora-Persephone den so Bock (1, 1067 ff. 4, 662), die bocks- und pferde- 

Dionysos- Zagreu» (s. d.). Der mythische Zau- artige Bildung des Pan, der Satyrn und Seileno 

berer und Astrolog Nektanebos wohnt der Kö- (4, 629), die RoßgeBtalt des Poseidon (3, 2823), 

nigin Olympias in wechselnden Gestalten, be- die stierköpfigen oder als Stiel e mit Menschen- 

sonders in der einer Schlange, bei (3, 888). antlitz gebildeten Flußgötter (1, 1489 ff. ; vgl. 

Demeter- Erinys verwandelt Bich auf der Marx im Arch. Jahrb. 4 [1*89], S. 128f.), der 

Flucht vor Poseidon in eine Stute (b. Aieion fiscbleibige Triton (s. d.) und vielleicht die Ver- 

u. 8, 2803. 4, 1572), Nemesis, um der Verfol- Wandlung des SabazioB in eine Schlange (4, 

gung des Zeus zu entgehen, in einen Fisch, 262 f.), während diejenige des Zeus Meilichios 

einen Polypen («jjti'a 3, 3119), eine Gans und (2, 2561. 3, 743) und des Asklepios (1, 619ff. 
andere Tiere (3, Hbf. 2, 1928) nnd ähnlich 40 3, 308) diese Götter ebenso wie den Agathos 

Tbetis (s. d.) im Kampfe mit Peleus (2, 1836 ; Daimon und den Sosipolis (4, 1222) oder den 

vgl. 8,239); vgl. auch Metis 1. Auf der Flucht Kadmos (2, 889), den Trophonios und die He- 

vor Aiakos wird die Nereide Psamathe zu einer roen überhaupt nur als gtidviot bezeichnet. 

Robbe (ijpräxTj, 3, 2418) oder zu einem sich im Der Zusammenhang und die tileichsetzung des 

Seetang verbergenden Fisch (qpiix7j, 8,3194), Zeus mit einem stiergestaltigen Gott ist wenig- 

die Musen auf der vor Pyreneus vielleicht zu stens wahrscheinlich (2, 3011. 5, 148. 162. The- 

Schwänen (3, 3346); Zeus entgeht der Verfol- sc«s6,753). Auch von denjenigen Verwandlungs- 

gung des Kronos in der Gestalt einer Schlange sagen, die der neueste Bearbeiter von Meta- 

(s. Helike 3). morphosen auf ursprünglichen Theriomorphis- 

Im Anschluß an ägyptische Sagen werden 60 mus zurückführt (Bubbe, De met. Grate, cap. 

Zeus, Hera, Apollon, Hermes, Ares, Artemis, tel. S. 2ff.), ist dies nur bei wenigen wirklich 

Dionysos, Herakles, Hephaistos und Leto aus einleuchtend. Ob Aktaion tatsächlich einst als 

Furcht vor Typhon zu Tieren (Ovid. met. 5, Gott in Hirschgestalt in Boiotien und lo als 

526 ff. Antonin. Ltb. 28), aus Trauer um ihren kuhgestaltige Göttin in Argos verehrt worden 

Gatten Isis zur Schwalbe (3, 113); über die Tier- ist, bleibt zweifelhaft. Wahrscheinlicher ist, 

Verwandlungen der rein ägyptischen Nephtbys daß Kallisto, die von Zeus Stammutter der Ar- 

8. 3, 199; doch ist überhaupt bei allen in kader wird, einst eine bärengestaltige Artemis 

Tiergestalt oder mit Tierköpfen vorgestellten Kalliste gewesen ist (Bubbe S. 16; vgl. 2, 984. 

ägyptischen Gottheiten ihre Selbstverwand- Preller-Bobert, Gr. Myth. 1, 303), und auch 
lungskraft vorauszusetzen, so daß sie hier nicht so die Verwandlung der Taygete in eine Hindin 

einzeln anzuführen sind. mag mit deren Beziehung zur Artemis Elaphia 

6) Um Semele zu verderben, besucht sie zusammenhängen (Bubbe S. 20), obwohl eine 

Hera in der Gestalt ihrer Amme Beroe 1 (s. d. hirscbgestaltige Göttin schwerlich vorausgesetzt 

u. Ovid. met. 3, 27a ff.), Artemis verwandelt sich werden darf (Gruppe, Gr. Myth. 840,2). 

in eine Hirschkuh, um die Aloi'den zu vernich- In der Sage des Arkaders Lykaon (o. 2, 

ten (1, 679), Iris sucht in der Gestalt der Be- 2171) tritt uns die uralte aus der Zeit des To- 

roe 4 die geflüchteten Troerinnen zur Verbren- temismus stammende Werwolf- oder Mannwolf- 

nung der Schiffe zu bereden (1, 7841; um die Vorstellung entgegen, ohne daß man deswegen 



229 Verwandlungen Verwandlungen 230 

einen besonderen arkadischen Wolfsgott (Bvbbe Bei Herakles (s. d.) iBt sie nooh nicht völlig 

8. 17) anzunehmen hat. Ähnlich steht es mit durchgedrungen, da er einerseits ah Gott be- 

der in einen Hund verwandelten Hekabe (1, trachtet wird, andererseits aber als Schatten- 

1882), denn auch der leicbenfressende Hund bild in der Unterwelt fortlebt (Born. II. 18, 

ist ein Seelentier, in dessen Gestalt unselige 117 ff. Od. 11, 601 ff.). Die Tochter des Kadmos 

Menschen bei ihrem Tode übergehen (Ovid. Ino wird zur Göttin Leukothea (Hom. Od. 5, 

met. IS, 668 ff.). 383 ff.; vgl. Halia 2 und 5, 288), spater ebenso 

Ganz abzuweisen ist die Vermutung, daß ihr Sohn Palaimon zum Meergott (8, 1266 ff.). 

Odysseus eine Nebenform des roßgestaltigen Der Seher und Held Amphiaraos wird nach 

Poseidon Hippios sei (Bubbe S. 18), wie dies 10 seinem Tode zu einem unterirdischen Gotte, 

bereits durch Johannes Schmidt 8, 668 ge- was er sicher schon ursprünglich gewesen 

schehen ist. Die Angabe des Servnts (Vera. war (1,302); die zur Heroine herabgesunkene 

Jen. 2, 44), Athene habe den Odysseus in ein Ariadne steigt nach ihrer Verbindung mit 

Pferd verwandelt, wird durch ihre Verbindung Dionysos wieder zu ihrer alten Stellung als 

mit der zweifellos spät erfundenen Sage über Fruchtbarkeitsgöttin empor (1,684), und in 

die Abkunft des Pan von Penelope als unzu- ähnlichem Sinne wird Semele von diesem 

verlässig gekennzeichnet. Die Vorstellung von ihrem Sohne zur Göttin Thyone erhöht (1, 

Göttern in Tiergestalt behandelt auch Höfer 1047). Nach den Kyprien und Hesiod wird 

unter Porkos (8, 2772 f.). Iphigeneia nach Taunen entrückt und zur Göt- 

8) Dagegen ist hervorzuheben, daß die Göt- so tm Hekate gemacht (2,302), oder sie wird 
ter, wenigstens nach späterem Glauben, ihren zur Gottheit der Geburtshilfe Orsilocheia, die 
Lieblingen zuweilen die Gabe der Selbstver- der Artemis Ao%ia gleichsteht (8, 1208); Saron 
Wandlung verleihen, wie dies Poseidon mit lebt als Meergott fort; ein Fischer aber wird 
seinem Enkel Periklymenos (3, 1968. 2824) und zum Meergott Glaukos (1, 1678ff.; vgl. 4, 387) 
mit seiner Geliebten Mestra (1, 1876 ff. 2, 2845), und Titaia, die Mutter der Titanen (s. d.), zur 
Zeus mit Lamia (2, 1819) tut. Viel häufiger Ge. Rhadamanthys wird in die Elysischen 
aber geben sie ihnen vorübergehend selbst eine Gefilde am Ende der Welt entrückt (4, 81), 
andere Gestalt, um ungestört mit ihnen ver- Alkmene auf die Inseln der Seligen ver- 
kehren zu können. So verwandelt Zeus die Io setzt und erhält göttliche Ehren (1, 248); die 
in eine Kuh und Poseidon die Theophane in so keusche Aspalis wird zur Genossin der Arte- 
ein Schaf (3, 2824). Oder sie verändern ihre mis (1,644). Achilleus lebt auf Lenke fort 
Gestalt, um sie zu irgendeinem besonderen und wird als Gott verehrt (1,61); lasion wird 
Zweck unkenntlich zu machen, wie man sich zu den Göttern entrückt (2, 61). Kaineus in die 
verkleidet oder vermummt. Abgesehen von der Erdtiefe. Apollon erhebt die Hirtin Kyrene zur 
Umformung des OdyBseus in einen alten Bett- Nymphe (2, 17*2); die sieben Lesbierinnen wer- 
ler bei Hemer (3, 609) vor seinem Besuch des den zu Musen (2. 1962 ff.); Apollon rettet die 
Eumaios und der Rückkehr in seinen Pa- Töchter des Staphylos Rhoio, Parthenos und 
last, verwandelt Eos den Kepbalos in einen Molpadia aus Todesgefahr und verleiht ihnen 
anderen Mann, um ihm die Prüfung Beiner göttliche Ehren, Molpadia erhält den Namen 
Gattin Prokris zu ermöglichen (2, 1908), Arte- 40 Hemithea (4, 1418). Ebenso genoß Neoptolemos- 
mis aber die Ta\gete in eine Hirschkuh, damit Pyrrhos göttliche Verehrung (8, 172), dagegen 
sie den Nachstellungen des Zeus entgehe (3, wird Oidipus zwar entrückt, aber nur als He- 
1210. 6, 154). Um ihn zu bestrafen, gibt Hera ros verehrt (3, 786), und, ebenso werden Kad- 
dem Teiresias eine Zeitlang die Gestalt eines mos und Harmonia in Drachengestalt zu Schutz- 
affenartigen Menschen, der den Namen Pithon heroen der Illyrier und Encheleer (2, 860 ff. 
(s. d.) erhält. 889). Penelope und Telegonos werden von Kirke 

mit der Unsterblichkeit begabt und auf die 

III. Dauernde Verwandlungen. Inseln der Seligen versetzt, ohne zu eigent- 

9) Besonders zu betrachten sind die in spä- liehen Gottheiten zu werden (5, 2S0. 266). In 
terer Zeit außerordentlich häufig auftretenden 50 Rom lebt Aineias als Iuppiter Indiges (1, 181. 
dauernden Verwandlungen. Ihr Zweck ist oft 3, 477), Romulus als Quirinus (4, 15. 200), Her- 
eine Belohnung oder eine Bestrafung des Um- silia als Hora Quirina (1, 2591), Anna als Anna 
gestalteten, letzteres besonders bei der Ver- Perenna (3, 477j, Ilia oder Rea Silvia als Gattin 
strinerung; zuweilen bildet die Umformung des Flußgottes Anio oder Tiberinus fort, der 
aber auch für die mitleidige Gottheit das Mittel, König Phorcus aber wird zum Meergott (8, 2422). 
um einen Unglücklichen aus seinem Elend zu 10) Auf derselben Voraussetzung beruht die 
erlösen. Die höchste Belohnung besteht dage- Vorstellung vom Grabe des Zeus (s d.) in Kreta 
gen in der Apotheose, d. b. in der Verwand- und des Dionysos in Delphoi (Gruppe, Griech. 
lung eines Menschen in eine Gottheit durch Myth. S. 1488, 9), sowie die Aufnahme des D10- 
Verleihung der Unsterblichkeit, obwohl freilich 60 nysos und Asklepios unter die Götter. Mit der 
damit eine eigentliche Umgestaltung nicht not- Sitte der Totenverbrennung, bei welcher der 
wendig verbunden ist. Schon bei Homer wird unsterbliche Teil des Menschen vom Körper 
sie dem Odysseus von Kalypso angeboten (8, geschieden wird, mögen die Sagen zusammen- 
608), dem Menelaos und der Helena aber (1, hängen, nach denen einem Kinde durch Bren- 
1!'50. 1972. 2455 f. 2,2790), sowie den Dios- nen oder Kochen Unsterblichkeit verliehen wer- 
kuren (1, 1162. 1M72), dem Ganymedes (1, 1695), den soll; vgl. Achilleus (1,24), Demophon, 
Kleitos (2, 1220) undTithonos (1,1261 f. 5,1024) Triptolemos, Melikertes (2, 2632;, Malkandros 
wirklich zuteil. (8, 113. 300), Mars (2, 2407 f. mit Abb. 6), Ne- 



231 Verwandlungen Verwandlungen 232 

teiros und Thetis, sowie die Verjüngung durch wird zum holzhackenden Specht (iteXt*dv), weil 

Aufkochen (unten 14). Die zahlreichen, frei- er als Zimmermann das Beil {itii.t*vs) führt, 

lieh meist erst in späterer Zeit auftretenden Tereus verfolgt Philomela (vgl. Aidon 1, 85), 

Verwandlungssagen, nach denen Männer zu weil der Sperber (xlpxogl, in den er zunächst 

Flußgötteru (s. d. u. o. 1, 7. 210 257. 4, 985, verwandelt wird, den kleineren Vögeln auf- 

sowie unten 17) oder Berten (2, 210:) f.), lauert (tjjpsl). Zu gewissen Zeiten, d. h. im 

Mädchen z i Quell- oder Blumnymphen (3, Herbst nach der Mauserung, soll dieser aber 

583 u. unten IUI') werden, beruhen auf dem zu einem Wiedehopf werden, daher Tereus 

Streben, den Mythos von der in dem Flusse, auch als ?«oi|> erscheint (1, 84 f. 8, 2347). Anti- 

dem Berge, der Quelle oder dem Baume woh- 10 gerne 3 erhält Schlangenhaar und wird in einen 

nenden Gottheit rationalistisch zu erklären. Storch verwandelt, welcher die Schlangen ver- 

Eine der Vergötterung ähnliche, ab -r ältere folgt. Ober die Verwandlung des Narkissos in 
Art der Wesensumwandlung ist die Heroisie- die Blume s. 3,15, über die Deutung des 
ruug verstorbener Menschen, die im Artikel Tiermärchens von Nisos und Skylla 3, 429 f. 
Heros (l, 2516 If.) au-fi'thrlich behandelt wird; Wenn endlich das Wasser eines Flusses im 
dort erklärt F. Dsneken (Sp. 254 t ff.) die Lande der Kikonen die Eingeweide in Stein 
seit der Zeit Alexanders d. Gr. auftretende verwandeln sollte (2, 1184), so dürfte es sehr 
Apotheose geradezu für ene bloße Steigerung kalkhaltig gewesen Bein. Die außerordentlich 
der älteren Heroisierung (vgl. Lampsake), an häufige Vorstellung vom Übergang eines Men- 
die sich dann auch der Kaiserkult (2, so sehen in einen Vogel — unten \l sind etwa 
901 ff.) anschließt. Außer den dort aufgeführ- 120 Fälle angefahrt — hängt sicherlich mit 
ten Beispielen der späteren Art der Apotheose dem uralten Glauben an die VogelgeBtalt der 
kommen aus früherer Zeit nur der Gesetzgeber Menschenseele zusammen (4, 618 ff.), wie dies 
Lykurgos, der aber eigentlich ein Gott ist (1, unter an lerem deutlich aus der Schilderung 
2450. 2. 2204 f), und der Spartaner Lysaniros von Kaineus' Tod bei Ooid. inet. 12, 522 ff. her- 
in Betracht. Letzterem errichtete man zuerst vorgeht. 

unter allen Griechen Altäre, an denen ihm 12) Geschlechtswechsel: Hermaphrodi- 
wie einem Gotte geopfert wurde. In Samos tos und Salmakis werden infolge der Leiden- 
feierte ma i ihm zu Ehren die Lysandria, die scuaft der letzteren zu einem doppelgeschlech- 
an die Stelle eines alten Herafestes getreten so tigen Wesen vereinigt (1,2317 f.); Iphis wird 
waren Duris frg. 66 in d FHG2, 484). Im zum Jüngling (2, 310) und ebenso Leukippe, 
Artikel Kits ir'.-ultus ist Philippos von Make- die Tochter der Galateia 2, zum Jüngling Leu- 
donien nachzutragen, der sich seit der Sculaeht kippos (1, 1588 f. 2, 1824. 1969. 1998. 4, 1018), 
von Chaironeia wie einen Gott vere'.iren ließ um sich mit der Verlobten verbinden zu kön- 
(Pam 5, 2D, 5, 9 f.). Über die am der Vorstel- nen. Seine Geliebte Kainis verwandelt Posei- 
lung der Sterne als gattlicher Wesen sich ent- don auf ihre Bitte in den unverwundbaren Hel- 
wickelnden Verstimungssagen (xaraursptff- den Kaineus (2,8961; den Siproites (s.d.) macht 
poi) ist der Art. Sternbilder und Sternjlauben Artemis zu einem Weibe, weil er sie im Bade 
zu vergleichen. Die ein /.einen Verstirnungä- erblickt hat. Der Grund der Verwandlang des 
sagen sind unt. 18 zusammengestellt. 40 Sithon (s. d.) ist unbekannt. Teiresias (s. d. 6, 

181 f.) wird wegen Tötung von Schlangen bei 

Andere Arten der Verwandlung und der Begattung zuerst zum Weibe, dann wieder 

ihre Veranlassung. zum Manne, über den Geschlechtswechsel der 

11) Die Verwandlung kann sich lediglich Hyperinestra s. 2, 2845; über die Verwand- 
auf einen Geschlechtswechsel oder eine Ver- luog einer Ziege in einen Bock s. Tlidieus 
jüngung beschränken, doch können Menschen (5,692). 

auch in Tiere, Pilanzen oder leblose Dinge Verjüngung: Aison (s. d.) wird von Me- 
übergehen. Eine Umkehrung dieser Vorstellung deia durch Aufkochen mit Zauberkräntern ver- 
ist es, wenn von der Belebung lebloser Dinge jungt, wie sie das Gleiche vor der Tötung des 
berichtet wird. Die Wahl der neuen Ge<talt 5» Pelias mit einem alten Bock tut (3, 1850). Auch 
wird oft durch irgendeine an menschliche die Pflegerinnen des Zeus, die Nysei'des, soll 
Eigentümlichkeiten erinnernde äußere oder in- sie verjüngt haben (3, 568). Der altersschwache 
nere Eigensc laft der betreffenden Tiere, Pflan- Iolaos erlangte bei der Verfolgung des Eury- 
zen uod Gegeustänle bedingt; vgl. Mancher stheus auf sein Flehen von Zeus und Hebe die 
3, 429 ff. So werden die Honig liebe Aigolios, Jugendkraft auf kurze Zeit wieder, oder er er- 
Laios und Keleos zu den Vögeln Machteule, stand nacu seinem Tode aus dem Grabe, um 
Drossel und Strandläufer, weil diese als Bienen- den Herakliden im Kampfe gegen jenen bei- 
feinde gelten. Da der Wasservogel itmv/i den zustehen (2, 287). Der greise Phaon (s. d.) wird 
von ihm verfolgten kleineren Raubvögeln die durch Salben mit öl, das er von Aphrodite 
Augen auszuhacken sucht, so will die in ihn 60 erhalten hat, zum Jüngling; Hera aber erhält 
verwandelte Bulis dem Aigypios ;s. d.) und dem durch ein Bad in der Quelle Kanathos bei 
Neophron, die dann zu Geiern werden, die Nauplia alljährlich die Jungfrauschaft wieder 
Augen ausstechen. Die goldgierige Verräterin (3, 1619). Dagegen verwandelt sich die junge 
Arne 3 wird in eine Dohle verwandelt, der Frau Oikuros 4 in ein altes Weib (S, 74S); 
man die Vorliebe für glänzende Dinge noch vgl. ohovQog häuslich, müßig. Die Koronides 
heute anschreibt. HyperiDpe flüchtet aus einem genannten Töchter des Orion leben nach ihrer 
brennenden Hanse ins Wasser und nimmt die Verbrennung als Jünglinge oder als Kometen 
Gestalt eines Tanchervogels an. Polytechnos fort; eigentlich sind mit diesen aber wohl ihre 



233 Verwandlungen Verwandlungen 234 

noch ungeborenen Söhne gemeint, die auB der Sklave wird zu einem Reiher; S, 827. / Botres 

Glut des Scheiterhaufens gerettet werden (2, ~ Flattervogel, iigonog; 1,816 1402. / Bulis ~ 

1385 ff.). Eeiheiart, jiäuyi, qp«&v& 8. Aigypios. / Byssa ~ 

„ ,, „,. „ , , Taucher, ßvaaa; 1, 1402. / Chelidon oder Cbeli- 

Verwandlung in Tiere, Fabelwesen, donia ~ Schwalbe, X eU6i>v; 1,84. 2, 670 f. 3, 

Pflanzen und leblose Dinge. 2347 S01K j Chlori8 „ Grünspecht, ^«bihs; 3, 

18) Bei den übrigen Verwandlungen folgen 2498. / Chtbonia 3, s. AlkyonideB. / Daidalion ~ 

wir der naturgescbichtlicben Einteilung. Die Habicht, iigui; 1, 896. / l'iomedes' Gefährten ~ 

meisten von ihnen sind unter den mythischen Beiher, i^abiui; 1, 1026. / Draki.ntis~ ein miß- 
Personennamen bereits lehandelt, so daß auf 10 stimmig« oder geschwätziger Vogel, ögaxov 

diese verwiesen weiden kann. Bei größeren tig; 3, 2498. / Epops ~ "Wiedehopf, ?7roif.'; 3, 

Artikeln und bei Heianziehung von anderen 3018; vgl. oben 11 / Erato 5, s. Meleagiides. / 

Stellen wird Band und Spaltenzal.l arg« geben. Erinona ~ Ffau. / Erodios ~ Reiber, feadids; 4, 

Säugetiere: Akiaion .«Hirsch. /Alkiihoe ~ 663; vgl. Akanthis. / Eumelos 8 ~ Nachtrabe, 
Fledeirnaus; 1,841./ Arge 1 ~ Hirschkuh./ Ata- »vxTijiopcig; 1, 1403. /Eurydike, s. Meleagrides./ 
lante und Meilanion~l.öwen; l,(66f 2,2608./ Gerana ~ Kranich, yfyavog; vgl OinoS. / Har- 
Balios 1 ~ Boß des Achill. / Cerastae~ Stiele; mothoe ~ Eisv<gtl; 1 , M. 2, 6701°. 8, 801«. / 
Ovid. mit. 10, 220ff ; vgl Propoitides. / Elptnor Hatpalyke 2 ~ "Nachtvogel, jalxi's; 2, 1230. 3, 
~ Schwein. /EpheBOs' Gattin ~ Hund, dann He- 2936. / BarpaBOs und Haipe ~ Falke, am»]; s. 
kate; 8, 2747./ Galinthias<- Hauswiesel, joJf/./so Kleinis. / Hitlax 8 ~ Habicht, Je°(io£. / Hippo- 
Hikabe ~ Hund; 1, 1882. / Helike ~ Bärin./ danieia 8 ~ Baubeilerche, «opudos; 4, 6118 ; vgl. 
Hippomenes und Atalante ~ Löwen. /lo~ Kuh./ Akanthis. / Hippodanjeia 9, s. Meleagrides./ 
Kbllisto ~ Bärin; Löviin; 2, 2603, vgl. Arkas. / Ejverippe 2~1aucber, aldvia; 1,84. 2, 670 f./ 
Kalchos ~ Schwein; 2, 924. / Ktikopt-n ~ Allen; Ismenides, ein Teil der Dienerinnen der Leuko- 
2, 1170. / Leukippe ~ Fledermaus odtr Eule./ thea weiden zu "Wasservögeln; Ovid. tuet. 4, 
Leukonce ~ Fltaeimaus. / Ljkaon 3 ~ Wolf; 660 f. / Itys ~ Fa»un; 2, 572. / lynx ~ Wende- 
2,2171; vgl. Aikas. / Lynkos ~ Luchs. / Maira hals, l'vyi; 3, 2498 / Kaineiis~Goldiegeiipieiier, 
~ Hund; Ovid. tuet. 7, t62, dann Hundsslem; yogaägiog. j Kolameias König und Königin ~ 
2, 2üfcö. / Meilanion s Atalante. / Minyades -» Vigel; Ovid. ihet. 7, 8841'. / Keleos 2 ~ f-tiand- 
FltdermBuse. / Okyrce 4 ~ Stute Hippe oder so läuler, *tXtö$; s. Aigolios. / Kenchris ~ lurm- 
Hippo. / Pestis 1 ~ ein Bettler ver» anaelt sich falke, xtyxvig; 3, 2498. / Keileros 1 ~ Vogel, 
in einen Hund, d h. in den PeBtdimon, der xs'eßfpos, ein Biemnieind. / Keyx 2 ~ Taucher, 
in der Gestalt des todlrii gtnden Seelentiers xr'if. / Kiesa ~ Hüter, x/oco; 3, 2498. / Kleinis 
erscheint. / Fhilyra ~ Stute. / Aus des gtblen- ~ Adler, virmtrog. / Koljmlas ~ Tauiherente, 
deten Phineus blut entstehen die blinden Maul- xolryßif, 3, 2498. / Kcmbe 1 ~ Meerkrähe, Tau- 
würfe; 3, 2368. / Fboinike ~ Bärin. / [1 bokos?], cheimöve, xciij?»], xo(</uii). / Koronis 1 u. 2 ~ 
ein Enkel des Ktphissos ~ Rolbe. qra>xT) ; Ovid. Kri.he, xopo'jr;. / Ktesylla ~ Taube, s. Hermo- 
niei. 7, 888 f. / Taygete ~ Hirschkuh. / Teiresias chaies. / Kyknos 2. 4. 7 ~ SclwaD; 3, 21801'./ 
stirbt durch die Veiv.andlurg in eine Maus Lai'os ~ Diossel, XaCog; s. Aigolios. / Lelante ~ 
(5, 198), die als Seelentier gilt. io Baumspecht, jrijrci; s. Alkaudros. / Leuki]ipe 2 

14) Vögel: Abus 9 ~ Schwanenähnlicher ~ Lule oder Fledermaus / Lykios 4 ~ Rabe, 

Vogel. / AbaB 12 ~ Eidechse; s. AskaJabos. / xdp»';; s. Kleinis / 1 jkos 20 ~ Reiher, s. Dio- 

Aedon ~ Nachtigall, ii t Sa>v. j Agrios ~ Geier, medes' Gelfihiten. / Megaletor ~ kleiner Vogel, 

äypios, fitj); 8, 2714. / Agron ~ Rej enpleiler, l%rtriia*; s. Aikandros. / Meleagrides ~ Perl- 

XO^adeiog, iye&v, der jagende, gefiößige Re- bübner, ptliayeüts; 1, 976. 2, 2697. 2601. / 

genpieifer; vgl. Plat. Gorg 494 b. / Aigolios ~ Memnonidcs ~ habiebtartige V( gel. die aus der 

Nailittule, alyaXtog. / Aigjpios ~ Geier, alyv- Asche oder aus den Geführten des Memnon 

mog. I Aisakos ~ Taucher, *6lvtt§og. / Akalan- entstanden sind; 2, 2668. / Menesto, s. Melea- 

this ~ Stieglitz, c5xa»«-os, 6c*aXaiQie\ 3, 2418. grides. / Merojis ~ Nachteule, s. Eumelos 3. / 
4, 668. / Akanthis ~ Stieglitz; 4,668. / Akrron 8 60 Methone, s. Alkyonides. / Merops ~ Adler, s. 

~ Reiher, 4fo,6iöe; vgl. Diomedes' Gefährten; Ethemea. / Minjades ~Kachtvögel und Fleder- 

1, 1026. / Alektryon ~ Hahn, &Xixr(,vd,v. / AI- maus. / Munictios ~ Falke, rpt<ip;ji; s. Alkan- 

kandros ~ Zaunkönig, ifxiXi'g. / Alkippe, s. AI- dros 4. / Neophron ~ Geier, b Aigypios. / Nessa 

kjonides. / Alkithoe ~ Nachtvogel, (3r£c oder ~ Ente, vfjeea; 3, 24U8. / Nisos ~ Meeradler, 

Fledeimaus./AJk\one3~Meeieisvogel,<}'lxroii', äXialtrog; 3,429ff 4, 1068. / Nyktimene~Eule, 

B. Keyx. / Alkjonides ~ Eisvögel. / Anthe, s AI- s. Epopeus 2. / Oinoe ~ Kranich; 8. 3288; vgl. 

kyonides. / Anthos 1 ~ ein oas Fferdev. i«bern Geiana. /Oinotropboi oder Oinotropoi~ Tauben; 

nachahmender Vogel; 4, 663. / Anibos' Diener 1, 353. / Oknos ~ Robrd<mmel, Bxvog; 8, 826. / 

~ Reiher, iftoiiog. Atit. Lib. met. 7.7. / Anti- Oieios ~ Rauchschwiilbe oder Ohieule, Xayäg; 
gone 8 ~ Storch, ntXavyög. / Antiope, s. Me- 60 8, 2714. / Ortygios ~ Meise, alyiSctXXog; s. Klei- 

leagridee. / Ardea ~ Reiber, ardea. Ovid. met. nis. / Pallere 2, s. Alkyonides / Pandareos ~ 

14, 678ff. / Argos' Augen ~ Pfauenschweif; 1, Seeadler, äXiaUroc, 1, 84. 2. 670f. 8, 8018. / 

538. / Arne 8 ~ Dohle. / Arsippe ~ Uhu. yiar|, Panoptes Argos ~ Pfau; 3, 1546. / Parthenope 

s. Minyades / Artemiche ~ Haubenlerche, vi- ~ Vogel; 8, lBftß, b. Metioclos. /Perdix~Reb- 

•jptyl, s. Kleinis. / Askalaphos ~ Eule, Äcxo'la- hubn, jri-pdi';; 8, 1S84; vgl. 6, 86. / Periphas 12 

«jos. / Asteria 1 ~ "Wachtel, dann InBel. / Aste- ~ Adler, ahrog. / Phene ~ Falke, <pr/»j]. / Peri- 

ria 2 ~ Eisvogel, s. Alkyonides. / Autonoos ~ stera ~ Taule, nspiortpa. /Philaios ~ ein klei- 

Rohrdommel, bxvog, 4, 663; vgl. Akanthis. Sein ner Vogel, xtiia», s. Alkantxros. / Phoibe, s. Me- 



235 Verwandlungen Verwandlungen 236 

leagrides. / Philomela 6 ~ Nachtigall; 1, 84. 2, bäum; A.' Blut ~ Granatbaum. / Aias' Blut ~ 

670 f. 8, 3018. / Phthonia, s. Alkyonides. / Picus rote Hyazinthe oder vielmehr die mit AI ge- 

~ Specht, picusj 1, 860. 8, 2496. 2749. / Pieri- zeichnete Iris communis (1, 131). welche Ooid. 

des ~ Elstern oder verschiedene Vögel; 3, 249*. / 7?!««. 13, 896 aus dem Blut des Oibalos entstehen 

Pipo ~ Baumhacker, mnA; 8, 2498. / Polyphonte läßt. / Aitheria ~ Pappel, s. Heliaden. / Akan- 

~ Eule, <fri}g = OHmip. I Polytechnos ~ Specht, thos ~ Bärenklau, axuv&og. / Amarakos ~ Majo- 

mXexäv; 1, 84. 2, 670 f. 8, 2847. 8018. / Prokne ran oder ein Zwiebelgewächs, ifirfpaxos, s. 

~ Nachtigall oderSchwalbe; ebenda. /Pygmäen- Myrrha. / Ambrosia 2 ~ Rebe, Honigtrank, 2, 

mädchen ~ Kranich; 3, 3288, s. Gerana. / Schoi- 2195 ff. / Ampelos ~ Rebe. / Aphrodites Blut 

neus ~ a%oiveve, s. d. und Akanthis. / Semira- 10 färbt die weiße Rose rot; 1, 72. / Aphrodites 

mis ~ Taube; 4, 688, vgl. Ooid. tuet. 4, 47 f. / Tränen ~ Anemonen; 1, 72. / Appulus ~ wilder 

Vater der Side 6 ~ Weihe, Urlvog. / Skylla 3 Ölbaum, Oleaster; Ooid. inet. 14, 517 ff. / Attis 

~ Reiher, xiogig, xitgig; 3, 430. 4, 1065. /Alte, ~ Fichte; 2, 1649. / Attis' Blut ~ Veilchen; 1, 

böse Weiber werden zu Strigae, Striges oder 101. 716. /Baucis ~ Linde, qpiMpa; s. Philemon. ' 

Stringes (Ohreulen); 4, 1652 tf / Talos, s. Per- Binsen ~ Korallen; Ovid. met. 4, 740 ff. / Byblis 

dix. / Tereus ~ Sperber oder Habicht, der dann ~ Baum; 1, 840. / Daphne ~ Lorbeer, 9acpvr\. 

mit dem Wiedehopf verwechselt worden ist; Dryope 1 ~ Schwarzpappel, afyeiQog. / Elate ~ 

1, 84. 2, 570f. 3, 2347. 8019; vgl. o. 11. / Thy- Tanne, iUt n . / Heliades ~ Schwarzpappeln oder 
ria ~ Schwan, xuxvm'»j; Ant. Lib. met. 12, 9; s. Erlen; 3, 2180f. / Hyakintlioa ~ Hyazinthe, 
Kyknos 7. / Timandra ~ Meise, s. Aigypios. / 20 idxiv&og; 3, 2625. / Jungfrauen ~ Fichten; 1, 
DieAmine von Oreios and Agrios ~ Banmhacker, 1203. / Kalamos ~ Schilfrohr, xdlait-og. I Karpos 
invi\\ 3, 2714. /Ein Jüngling ~ Habicht; 1,538./ ~ Feldfrucht, xapjrds; s. Kalamos. / Karya ~ 
Weißer Rabe ~ schwarzer Rabe; 1,618. 2, 13S8. Nußbaum, xapiSa; 1,1028. 1827. / Kerberos' 

15) Kriechtiere: Askalabos ~ Eidechse, Geifer ~ Giftkraut aconitum, at.6vi.tov, Ooid. 
&uxdXaßog; s. Misme. / Chariboia ~ Schlange?, met. 7, 415 ff. / Kissos 2 ~ Epheu, xianög. / Kly- 
s. Porkes. / Chelone ~ Schildkröte, %e\wvr\. / tia 3 ~> Alpenveilchen oder Wegwart?/ Krokos 
Faunus ~ Schlange; 1, 789. / Kadmos und Har- ~ Safrankraut, xpoxos. / Kypariasos 2 und Ky- 
monia ~ Schlangen oder Drachen; 2, 850 ff. / parissoi~ Zypressen, xvxdgiisaog; 4, 876. 5,298. / 
Porkes ~ Schiauge (?). Schlangen werden in Lampedia 2, s. Heliades. / Leuke ~ Silberpap- 
Menschen, Menscheu in Schlangen verwandelt; 30 pel. / Leukothoe 3 ~ Weihrauchstaude, Ußavog; 

2, 1834. / Sosipolis ~ Schlange; 4, 1222. 2, 12461'. / Lotis ~ Lotosbaum, iarris. / Mekon 

Lurche: Lykische Hirten ~ Frösche; 2, ~ Mohnstaude, j«jx<av. / Melos ~ Apfelbaum, 

1961. / Nymphen ~ Frösche, s. Euphorion. pi^Ucc. I Menthe oder Minthe ~ Krauseminze, 

Fische: Die tyrrhenischen Seeräuber Aitha- |ii»<bj. / Messapioi, messapische Jünglinge ~ 

lion, Alkmedonä, Diktys 1, Epopeus3, Libys 2, Bäume, s. Epimelidea. / Milax ~ Stechwinde, 

Lykabas 1, Medon 8, Melanthos 3, Melas 9 und ptia*; s. Smilax und Krokos. ' Myrike~Tama- 

Opheltes 2 ~ Delphine; 1, 1083. 1131. 1144. / riske, pvoLtii]. /Myrrha ~ Myrrhenbanm, 1, 70; 

Eine Najade (Nais) verwandelt Jflnglinge in s. Smyrna. / Narkissos ~ Narzisse, vaQxiaaog; 

Fische und wird dann selbst zu einem solchen; 8, 13. ' Oibalos, s. Aias' Blut. / Orpheus' Blut ~ 

Ooid. met. 4, 49 f. / Pompilos ~ Fisch; 1, 892. 40 Blume, xt#äpa?; 3, 1168. / Orpheus' Mörderin- 

3, 828. / Skylla 8 ~ Fisch, xeigts oder xigois; nen ~ Bäume; Ooid. met. 11, 67 ff. / Pelia ~ 
3, 429; s. die Verwandlung der Skylla 8 in einen Taube; 2, 2649. / PhaSthusa, s. Heliades. / Phi- 
Reiher. lemon ~ Eiche, <JpBs, s. Baucis. / Philyra ~ Linde, 

Insekten: Arachne ~ Spinne, äpäjjvrj; vgl. qptlupa. / Phyllis ~ Mandelbaum, &avy8cd!j. / 

Phalanx. / Eurynomos ~ Aasfliege?; 2, 3303. / Pikoloos' Blut ~ Zauberkraut fiälv. / Pitys ~ 

Kerambos ~ Feuerschröter oder Hirschkäfer, Fichte, n'nvg. / Platanos ~ Platane, nldtavog. / 

X6pö(t/ivi; s. Terambos. / Melissa 3 ~ Biene; Psalakantha ~ eine Akanthuaarfc, tyaXdxavfra. / 

piXusau. / Myia 1 ~ Fliege, Mücke, fittfa; 2,3301; Pyramos' Blut färbt die Frucht des Maulbeer- 

vgl. Pauly-Wissowa, 6, 2746 /Myrmex~ Ameise, baums schwarz. / Rjmulus' Lanze ~ Kornel- 

(iiip(iT)|. / Phalanx ~ Spinne, qpäiayg. j Tithonos so kirschbauin; 4, 180 und Ooid. met. 15, 560 ff. / 

~ Zikade; 1, 1263. 5, 1025. Sides 5 Blut ~ Granatbaum, ali n . / Smilax, s. 

Weichtiere: Nerites ~ Muschel, Meer- Milax. / Smyrna ~ Myrtenbaum, Vfivgva; s. Myr- 

schnecke, »ijpmjs; 3, 241. rha und 1,70. / Svke 1 ~ Feigenbaum (aoxtj). / 

Fabelwesen: Cipus erhält Hörner./ Der- Syrinx ~ Schilf, ff«p»y|. 

keto ~ DercetiB wird zu einem Fischweib, Ooid. 17) Wasser: a) Flüsse: Acheloos. / Akis 

met. 4, 45 f. ; oder zu einem Fisch mit Menschen- 1, 1588. / Alpheios 1 , 257. / Astraios 1 , 241. / 

antlitz; 1,663 f. 4,1635.1646; vgl. 5, 105. / Epidius. / Hylas. / Krimisos. / Marsyas 2, 2443./ 

Söhne der Hyadeu werden zu gehörnten Ken- Sagaris 8. / Sangas. / Selemnos, s. Argyra. / 

tauren, d. h. zu Flußgöttern; 2,1034. 8,2233./ Strymon. 

Gespielinnen der Kora worden zu Seirenen; 4, 60 b) Quellen: Alope. / Arethusa 1, 257. / Aura 

616. / Eine Tochter des La'ios oder des Uka- 1; s. 1, 734. / Byblis 1,1826 f./ Daphnis 1,985./ 

legon oder eine rasende Thebanerin wird zur Dirke, s. Amphion. / Egeria 1, 1217. / Kleite 2, 

Sphinx; 4, 1364. / Skylla 1 u. 2 ~ Meerunge- 1773. / Kyane 2. / Lamia oder Sybaris 1,262. / 

heuer; 2, 1204. 4, 1033 f. 1066; doch siehe ihre Makaria 1. / Peirene, s. Kenchrias. / Rhodope 2 

Verwandlung in einen Reiher und besonders ~ Quelle Styx. / Thisbe 3, 3387. 

3 > 429 ff. 0) Meer: Charybdis ~ Meeresstrudel 1, 888. 

16) Pflanzen: Adonis' Blut ~ Anemone; Luft: Canens ~ Luft. / Echo ~ Widerhall. / 
1, 72. / Agdistis' männliches Glied ~ Mandel- Hylas ~ Widerhall 1, 2794. 



237 Verwandlungen Verwandlungen 238 

Berge und Inseln: Aigina 1, 642. / Aste- werden zu Männern, die der Pyrrha zu Frauen; 

ria 1 ~ Waohtel, dann Felseninsel Ortygia ~ 1, 994. 997. 3, 3352. / Steinsaat wird zu Lele- 

Delos / Atlas 1, 707. 3, 2011f. 2355. 3014; / gern, d. h.Lokrern; 2, 2141. / Pygmalions Elfen- 

Diorphos; / Haimos; / Helikon; / Kithairon; / beinbild der Aphrodite wird in eine Jungfrau 

Lilaioa ~ Berge. / Fünf Najaden~Echinadisehe verwandelt. / Die Schiffe des Aeneas werden zu 

Inseln, Ovid. met. 8, 577 ff. / Schiff der Nymphe Meernymphen, Naides aequoreae, Ovid. met. 

Okyroe ~ Felseninsel. / Perimede 5 oder Peri- 14, 557. / Die Teichinen entstehen aus den Hun- 

mele 4 ~ Insel, s. Hippodamas 5. / Phaiaken- den des Aktaion oder aus dem Blute des üra- 

sohiff ~ Felseninsel, 1,238.3,2208.4,660; vgl. nos, aus welchem auch die Erinyen hervor- 

die Verwandlung eines Schiffes in einen Felsen 10 gehen (5, 239), wie sich die Phaiaken und Sei- 

1 892 / Rhodope 3 ~ Berg. / Skirons Gebeine renen aus Blutstropfen entwickeln (6, 111). 

~ Klippe Ovid. met. 7, 446 ff. / Skylla ~ Felsen, 18) Verstirnung, vgl. Sterne 4, 1427 ff. 

4 108 g Adler des Zeus ~ Adlergestirn ; 3, 2642. 4, 1492. / 

' . '. . , , tn . /4 i,„„i. „ o 1119 / Amaltheia; 1 , 268. / Ampelos ~ Vindemitor. / 

Steine: Aglaurosl,106./Akonteus 2,11127 A hrodite ' und EroB ' M Fi ^ che . 3 , 263 4. / Argo 

Ammon, s Telames. / Ara-inoe 1 3.« / Battos J Schie t 503 j Ariadne8 Kranz - criq> U vo Si 

~ Probierstein, indei ; Omd .met 2, 706. / Daph- ^ ^ ' 4 2 / A k m Arkto . 

„is 1 , 895. 957 ff. / Dions Töchter Orphe und < < < _ j^ ^ ÜB „ j . 

Lyko 1, 1028. /Echo -Stein, Ovid. met. 3, 399 / | * . Beren * keB , Haar B = Ariadn | 8 

Harmoma 2, 851. / Hekabe - steinerner Hund, ; _• Les t/ ierinnen . ( c 0bi(/ . met 16 , 

1 1882 / Hehadentränen - Bernstein s Phaö- _ Mischkrug ; 1, 986. / Dionysos' 

thon. / Inp - L^kotheas sidonische Begleiterin- Esel / Draehe _ *, ^ { 259? f , 

ne 5'-°5Ä Tu *k » mi Tv'MZl ! ™ Elektra 2 - Fixstern oder Komet; 1, 1236. / 

und 2, 264. / Kadmos 2 851/ Kalydon / Kel- Vater und g8hnen „ n 

mis ~ Diamant oder Stahl. /Kephalos Hund Eridanos ~ Sternbild des Flusses am 

2, 1091. / Kerkopen 2, 1170 , Kraga eus Ovid. gjjf^ ffimmel „ 2180 4 U92 . / Erigone- 
met. 13 713ff. / Lethaios. / Lichas 1 -Kiesel- -^ gl ^^ He _ 
felsen. /Lyko. Mann beim Anblick des Ker- ^ : ^^ u J 198 3./He- 
beros, O^dme«. 10, 64 ff. /Meerpflanzen ~Ko- Kynosura. / Helios und Selene; 1, 751. 
rallen, coralia, Omd met. 4 741 ff / Niobe 1 • Herakles ~ 'O iv ydWi* 1,2597./ 
644/ Olenoss^ Lethaios. /.Orphe ■ Dia n / / Abendstern. / Hippe - Boßgestirn; 
Pandareos 3, 503. / Phidaleia / Phineus u s. P Fuhrmann. / Hyades, die 
Leute / Pho.nix 3, 2402. / Polydektes 2 und die £ / P^/ _ gternbild am £ fe ' deB 
Senphier 2, 1112 3 1988. / Proitos 2, 2o42 3 2764 ff. / Ikarios ~ Bootes oder Arktu- 
2011 f. 2355 3014 / Propoit.des / Pyrrhos 8 / • • K h 2g9 ; ^^ _ 
Schlange 3 1168 / Telames 5 216^ / leumessi- B J ^^ f _ ; Kan( ^ os ' mit der ^ ^ 
scher Fuchs 2, 1091. / Wolf 2, 358. 3, 1830. g ternbüd de8 Eridan08 ^ der m . 4 , u92 . / 
2414. 3194. ^ Karkinos 2 ~ Sternbild Krebs. / Karnabon ~ 

Gegenstände: Aspalis - Bildsäule, £6avov I Ophiuchos. /Kassiopeia mit dem xtjtoj; 2,990./ 
Anaxarete ~ Bildsäule, s. Iphis 4. / Britomartis 40 Kastor und Polydeukes ~ Zwillinge; 1, 1162 und 
•» Bildsäule im Heiligtum der Artemis, Anton. Ovid. met. 8, 372. / Kephalos' Hund = Hund des 
Lib. met. 40, 4; vgl. o. 1, 827. / Chorikos ~ Orion — Seirios; 2, 1097. / Ketos 4, s. Stern- 
Schlauch, »räpuxog. / Pithos ~ Weinfaß, xlfros. / bilder. / Söhne der Koronides ~ Kometen ; 2, 
Kinyras' Töchter ~ Tempelstufen; 2, 1192. / Mi- 1385 ff. / Krotos ~ Schütze./ Kynosura und He- 
das verwandelt alle berührten Dinge in Gold, i;ke ~ großer und kleiner Bär; 1, 655. / Ladon 
seine Ohren aber weiden zu Eselsohren. / Die 2 ~ Drache. / Sieben Lesbierinnen ; 2, 1951 f. / 
Oinotropen verwandeln durch Handauflegen Berenikes Haar. / Maia 1, s. Pleiades. / Maira 6 
alles in Lebensmittel; 3, 618. / Onoskelis (Em- „ der kleine Hund, Canicula, Prokyon; 2, 112. 
pusa) wird zu Wasser, dann zu Blut. / Die ^ 991. j Melanippe 1 ~ Boß. / Menippe, s. Ko- 
schwarzen, den Myskelos (s. d.) verurteilenden 50 r0 nides. / Merope 3, s. Pleiades. / Merops 1 ~ 
Stimmsteine werden weiß./ Die Hütte des Phi- Adlergestirn, s. Ethemea. / Meteres ~ die beiden 
lemon und der Baucis (s. d.) wird in einen Tem- Bären. / Metioche, s. Koronides. / Myrtilos ~ 
pel verwandelt. / Quellwasser wird zu Wein; Fuhrmann; 2, 3318. ;-!, 217!) / Nyseldes ~ Hya- 

3, 803. den. / Olenia Aix ~ Sternbild Ziege, vgl. Amal- 

Tiere und leblose Dinge werden zu theia. / Orion; 3, 1040ff. / Leier des Orpheus; 

Menschen oder Daimonen: Bärin ~ Frau, 3, 1169; oder des Theseus ~ Lyra; s. Theseus 

welche Mutter des Akreisios wurde; 1 , 554. / 5, 722. / Orsilochos ~ Xeniochos. / Parthenos 2 ~ 

Aus Ameisen (fHijiitjxss) entstehen die Bewoh- Jungfrau — Dike; 1, 906. / Pegasos ~ Sternbild 

ner von Aigina 2, 3312. 5, 216: d. h. die Myr- Pferd; 3, 1748. / Phaethon ~ Morgenstern?; 8, 

midonen, s. Myrraix. / Eine Katze wird von 60 2182. 2185; oder Fuhrmann Bootes; 3, 2188. / 

Aphrodite in eine Frau verwandelt, die auch Philomelos ~ Bootes. / Phoinike ~ kleiner Bär; 

in diesem Zustand eine Maus verfolgt (Ps.-Pli(t. 1 , 565. / Phrixos' goldener Widder ~ Widder 

prov. Alex. 101). / Aus des Kadmos Drachen- 3, 2462. / Pleiades ~ Tauben, dann Gestirn; 3, 

zahnen wachsen die Spartoi empor. / Die Men- 2542. 2651 f. / Pborbas 1 ~ dqpioijfos; 3, 2426. / 

sehen entstehen aus Pilzen (Ovid. met. 7, 392 f.) Skorpion ~ Sternbild; 3, 1043 f. / Theseus ~ 

oder aus Eschen, fieXiai; 0. 2, 2629. / Die Ku- 'O iv yövueiv oder Ophiuchos ; s. Theseus 6,722. / 

reten bilden sich aus der von Regen befruch- Triopas ~ Ophiuchos? / Trochilos ~ Auriga ~ 

teten Erde; 2, 1590. / Die Steine des Deukalion Bootes; 2, 269. 



239 Verwandlungen Vesontius 240 

IV. Die Verwandlung in der bildenden Kunst, erst in aleiandrinischer Zeit versuchen die 
19) In alterer Zeit wird die Verwandlung Künstler, offenbar im Anschluß an die damals 
von der bildenden Kunst nicht wirklich dar- in vollendeten Formen ausgestalteten Kentau- 
gestellt, sondern lediglich für denjenigen, der r en, Tritonen u. dgl., den Übergang der einen 
die Sage kennt, äußerlich angedeutet. So wies Gestalt in die andere durch Bildung von neu- 
schon auf der Kypseloslade im Kampf der The- erfundenen Mischformen dem Beschauer ein- 
tis mit Peleus eine sich auf der Göttin Hand dringlicher vor Augen zu führen. So erscheinen 
erhebende Schlange auf ihre bevorstehende Ver- auf dem 83i v. Chr. geweihten Denkmal des 
Wandlung hin und ahnlich auf vielen sf. Vasen Lysikrates (Ocerbetk, Griech. Plast* 2,121) 
die Beigabe einer solchen oder eines Löwen, >o drei der von Dionysos verwandelten See- 
Panthers, Drachen oder von Flammen (s. The- r äo°er (1, 66. 1088) im Oberkörper bereits als 
tit u. 8, 1884 f., sowie die Zusammenstellung Delphine, während der Unterkörper noch 
Graeß im Ärch. Jahrb. 1 [1886 1, S. 201 ff. und menschlich gebildet ist. Bei einer Statue der 
Graef, Die ant. Vas. v. d. Akropol. 3, nr. 18U7), Daphne aus hellenistischer Zeit in Florenz 
wie bei Dionysos Löwe, Panther, Schlange und (CoUignon-Baumgarten, Gesch. d. griech. Plast. 
Hunde als Mitstreiter im Gigantenkampf in 2,63») wachsen aus dem mit einem dureh- 
gleichem Sinne erscheinen (1, 1095 f. Wal- scheinenden Gewände bedeckten Körper zahl- 
te«, Cot. of vas. in the Brit. Mus. 2B, 253). reiche Lorbeerzweige hervor. Auf einem Elfen- 
Ebeuso hält auf einem altertümlichen sf. Va- beinrelief (Beinach, Bep. d. rel. 3, 127, 1) sind 
senbild eine Nereide zur Andeutung ihrer Ver- »o inre Faße in ein e n Lorbeerbaum hineingewach- 
wandlung einen Löwen auf den Armen, wäh- sen - Noch bezeichnender ist die Umwandlung 
rend zu demselben Zweck ein Panther an einer des Ampelos in einen Weinstock in der 1, 292 
anderen emporspringt. Ob freilich die von Ne- abgebildeten Statue zum Ausdruck gebracht, 
reus' Rücken ausgehenden Strahlen seine be- während die Verwandlung der Ambrosia in 
vorstehende Umgestaltung in Feuer oder Was- einen Weinstock auf dem 2 , 2201 abgebil- 
ser ankündigen sollen, ist nicht zu entscheiden deten Sarkophag wieder nur durch eine hinter 
(8, 248). Polygnot stellte Kallisto auf einem ihrem Körper emporschießende Rebe und die- 
Bärenfell ausgestreckt (o. 2, 938), den Aktaion jenige des Kyknos auf dem Phaethonsarkophag 
auf einem Hirschfell sitzend und ein Hirsch- s . 2l98 durch Beigabe eines Schwans ange- 
kalb haltend, den als Aasgeier vorgestellten n> deutet wird. Die Verwandlung der Heliaden 
Eurynomos (s. d. u. vgl. 8, 274) auf einem zei g* ein aretinischer Becher des 1. Jahrh. v. 
Balg dieses Vogels ruhend dar (1,216). Auf Cnr - 8 » 219 6. 1. Auf den Wandbildern in 
einer Metope von Selinus, die der Mitte des Pompeji ist Aktaion dreimal (Heibig, Wandgem. 
6. Jahrh. v. Chr. entstammt, ist Aktaion in ein 249. 249b. 252b) mit Hirschgeweih, Daphne 
Hirschi'ell gehüllt (Benndorf, Die Metopen von zweimal mit Lorbeerzweigen, die aus ihrem 
Selinunt Tf. 10. Beinach, Bep. d reliefs 1, 899, Haupt oder aus Haupt und Schultern aufsprie- 
3; über eine rf Vase von der Akropolis mit 8en (Helbig a. a. 0. 211. 213 u. o. 1, 954), und 
der gleichen Darstellung b. B. Graef im Arch. einmal Kyparissos (s. d ) mit einem aus seinem 
Ant. 1893, 1, S. 19); dagegen wird seine Um- Kopfe wachsenden Zypressenbüscbel (Beibig 
geataltung auch schon auf Vasenbildern durch «« 218 ) aufgefaßt j öfter aber wird die Verwand- 
das hervorsprossende Hirschgeweih tatsächlich !"°g gar nicht oder lediglich durch Beigabe 
zum Ausdruck gebracht (Bull. Nap. n. s. 8, Tf. 5. eines Lorbeerbaums oder eines Lorbeer- bzw. 
Beinach, Bep. de vases 1, 501, 7. Mon. d. Inst. Zypressenzweigs gekennzeichnet. Eine fort- 
11, Tf. 42, 1. Reinach 1, 22», 1. Annali 1881 D. schreitende Entwicklung haben diese Kunst- 
Beinach 1, 260, 3. Laborde, Coli. Lamberg 3, bildungen im Altertum nicht dui chgemaiht, 
37, 11. Beinach 2, 214; vgl. Walten, Cat. of aucl1 haben sie sich nicht weiter ausgebreitet. 
the greek a. etr. vases in (he Brit. Mus. 4, F, [Steuding.] 
176), wie dies in späterer Zeit gewöhnlich ist Vegontiiis, ein örtlicher Gott von Vesontio 
(1,216). Ebenso ist auf dem 2,271 abgebil- (Besancon), dem römischen Mars gleichgestellt, 
deten Vasengemälde Io noch lediglich durch 60 dessen Name sehr häufig in Gallien örtlichen 
Beigabe eines über Argos sichtbaren Kuhkopfes Schutzgeistern gegeben wird. Der Name V. ist 
gekennzeichnet, doch drückt die bildende Kunst erschlo-sen aus der im 18. Jahrh. zu Besancon 
auch bei ihr die Verwandlung durch hervor- gefundenen, verderbt überlieferten Weih- und 
gewachsene Hörner bereits zu Anfang des Bauinschrift CIL 13, 5368 (Holder, Altcelt. Spr. 
5. Jahrh. v. Chr. wirklich aus (2, 274 ff.); ja 3, Sp.269): . .Mar(ti) Veso[ntio] L. Catullius(l) 
Aeschylus hat Bie sogar als ßovxeQas mxgfrevos Coadacatus Catulli fü(ivs) maceri(am) refecit, 
(Aesch. Prom. 588; 2, 271) auf der Bühne pi,rticum posuit, t(otum) s(olvit) l(ibtns) m(e- 
auftreten lassen, und im Tereus des Sopholles rito). Die erste Zeile lautet in der Überliefe- 
erschienen Tereus und Prokne (jedenfalls aber rung: CI-MAR-VESO oder: CL M ARVISO 
erst in der Schlußszene) als Vögel (Aristoph. so oder: CL ■ MAR ■ V1SONTI, weshalb Zangemei- 
av. 100 f u. Schol), während in den zahhei- ster vermutet hatte: Ge(nio) Mar(tis) Vesofn- 
chen gleichfalls Verwandlungen behandelnden ti(>)]> vgl- o. Bd. 1,2, Sp. 1619. CIL 13, 6464. 
Dramen des Euripides Bolche schwerlich sieht- 6487. 6426 u. a. Zum Namen des Stadtgottes 
bar vorgeführt worden sind (Sorot, ars poet. (ursprünglich vielleicht von einer Quelle her- 
186 ff.), öfter findet sich die Darstellung der geleitet) vgl. Mars Vinlius (Ortsname: Vit/tivm), 
Gefährten des Odysseus mit Tierköpfen auf M ars Cemenelus (Ortsname: Cemenelum), XJssu- 
rf. Gefäßen (2, 1195 ff. 3,671) und anderen bius (Ortsname: Ussulium), Aximus (Ortsname: 
Kunstwerken (Jahn, Arch. Beitr. 8. 401 ff.). Aber Axitna) u. a. — Zu den Namen des Stifters, 



241 Vesperugo Vesta 242 

eines Galliers, vgl. Kenne, Lothr. Jahrb. 9, Römern sehr beliebten metonymischen Setzung 

S. 185 ff. Philol.-Vers. Straßburg (1901), S. 106. des Götternamens für das der Gottheit unter- 

[Keune.] stehende Gebiet (.wie z. B. lar — domw) zu tun: 
Vesperugo s. Heiperus, gleichviel für welche der beiden möglichen Er- 
Vesta. 1. Alter und Bedeutung. Vesta ist Klärungen man sich entscheidet, bildet dieser 
die altrömische Göttin des Herdfeuers und wird Sprachgibrauch ein wichtiges Zeugnis für die 
von den Römern selbst als eine der ältesten römische Auffassung des Yesta-Begriffts. 
und ursprünglichsten Gestalten ihrer Religion Indem die Römer nicht nur dem Hausherde 
angesehen und daher mit besonderer Ehrfurcht als dem Mittelpunkte des hauslichen Gemein- 
(numen sanetissimae Vestae matris CIL 6, 32414 10 schaftslel.ens und des häuslichen Gottesdien- 
= Dessau 4 980) umgeben; als cana (canaepene- stes besondere Pflege angedeiben ließen, son- 
trolia Vestae, Verg. Aen. ü, 744 = 9,269; vgl. dem nach Analogie des Herdes im Privathause 
1,292 cana Fides et Vesta. Martial. 1, 70, 8) be- auch die Vorstellung von einem Staatsherde 
zeichnet sie Vergil, der sie in dem feierlichen zur vollen Ausbildung brachten (vgl. Jordan, 
Gebete Georg. 1, 497 di patrii indigeies et Mo- Tempel der Vesta S. 86), hat für sie Vesta eine 
mute Vestaque mater unter den ältesten Gott- besonders große Bedeutung gewonnen und ist 
heiten Roms anruft, andere nennen sie anti- bei ihnen in die erste Reibe der für das Staats- 
quüsima dea (Serv. Aen 9, 267 ; vgl. prisca reli- wohl maßgebenden Gottheiten getreten, so daß 
gione consecratos Veetae focos Valer. Max. 6, 1 sie unmittelbar hinter der alten Göttertrias 
praef.) oder auch deorum maxma (Augustin. so Iuppiter, Mars, Quirinus (Ianus, luppiter, Mars, 
c. d. 7, 16). Daß ihr Kult nicht der allerälte- Quiiinus, Vesta als Reihenfolge der durch das 
sten Periode römischer Religionsbildung an- Pontifikalkollegium vertretenen obersten Götter 
gehört, zeigt die Lage ihres Tempels am Fo- zu erschließen aus Fest. p. 198, 29 Linds. — 
rum (s. Abschn. IV), das erst mit dem Zusam- 185 M.) und spater hinter dem kapitolinischen 
menschlusse der Vierregionenstadt zum geeig- Dreiverein ihren Platz hat. Ein Kennzeichen 
neten Platze für den Staatsherd wurde. Ob es dieser hervorragenden Stellung ist das Beiwort 
in der alten Palatinstadt einen solchen noch mater, das sie im offiziellen Sprachgebrauche 
nicht gab, ob er in einem völlig verschollenen so ständig führt, daß es fast zum Bestandteile 
Heiligtume der Vesta oder einer vergessenen ihres Kamens geworden ist (Vesta mater z.B. 
anderen Gottheit lokalisiert war, läßt sich nicht so regelmäßig in den Protokollen der An albrüder, 
mehr ermitteln; die Nachricht (Serv. Aen. 8, Benzin, Acta fratr. Anal. S. 124f. 147, gewohn- 
190), daß eine Göttin Caca in einem Heilig- lieh in den Ehreninschriften der Obervestalin- 
tume unbekannter Lage (vielleicht auf dem Pa- nen, CIL 6. 32414. 82420, außerdem u. ». Cic. 
latin) wie Vesta mit einem ständig brennenden de domo 144; de harusp. resp. 12; Verg. Georg. 
Feuer (pervigili igne sicut Vestae ist die Über- 1,498; Ovid. fast. 4, 828; Seneca contr. 4, 2, 1 ; 
lieferung; die Vulgata per virgines Vestae leid orig. 8, 11,61; CIL 10, 1126 und vielfach 
stammt aus Mythogr. Vatic. 2, 158 und 8, 18, 1, auf Münzen). Da dies Beiwort, wie die Be- 
wo die Sem'usbtelle ausgeschrieben ist) verehrt zeicbnungi n pater und mater überall in der 
worden sei, legt die Vermutung nahe, daß in altrömischen Religion (Wissowa, Beligion «. 
ihr eine palatinische Vorgängerin der Vesta zu <o Kultus d. Bim. ' S. 26 f. ; v. Domasieu ski, Abhdl. 
sehen sei, doch ist nicht weiter zu kommen. S. 16(1), nur ein Ausdruck der kindlichen Un- 
Auf der anderen Seite gehört das Fest der terwerfung des Gläubigen unter den Willen 
Vesta, die Vestalia, dem ältesten Festkalender der Gottheit, nicht die Bezeichnung einer per- 
an, also einer Schicht der römischen Religion, sönlichen Eigenschaft dieser Gottheit ist, so 
die von griechischen Einflüssen noch frei ist, hat JE. Fthrle, Die kultische Kiusthheit im Alter- 
was genügt, um denjenigen Hypothesen (s. tum (BVV 6, Gießen 1910) S. 210ff. mit Unrecht 
Abschn. II) den Boden zu entziehen, die den in ihm eine Stütze für seine Ansicht gesehen, 
Kult der Vesta von den Griechen Unteritaliens daß das Wesen der Vesta in ihrer Eigenschaft 
ableiten wollen. Die Bedeutung als Herdgöttin als mütterliche, segenspendende Gottheit be- 
tritt ebenso in den Tatsachen des Kultus wie 60 schlössen sei, aus der sie sich dann besonders 
in den Zeugnissen der Alten (z. T. Cic. de nat. zur Haui-mutter für die große Familie, die den 
deor. 2,67 vis autim ciu* ad aras et focos per- Staat bilde, entwickelt habe (S. 216). Diese 
tinet) mit voller Deutlichkeit hervor. Wichtig Ansicht, die in ihrer blassen Verschwomn.en- 
dafür sind eine Reihe von Zeugnissen, in denen heit einen starken Rückschritt gegenüLer be- 
das Wort vesta appillativisch gleichbedeutend reits gewonnener sicherer Erkenntnis lezeich- 
mit focus gtbrai cht wird: Verg. Georg. 4, 884 net, war zu begründen nur unter Beiseiteschie- 
ter hquido ardentem perf'udit neetare vestam; bung alles dessen, was für den alten Vestakult 
Moret. öl dunique stias peragit volcanus vesta- charakteristisch und unterscheidend ist, und 
que partes; Sil. Hai 6,76 renovala fucis et pau- unter Vernachlässigung der Eigenart der rö- 
pire vet-ia lumina; Ncn. 75. 2 Linds. ■= 63 Jtf. 60 mischen Religion und ihrer Überlieferung. 
quod in primis ingressibus et in tpatiis domo- 11. Name. Von den alten Etymologien des 
rum vest«e, hoc ist arae tt foci, soleant haberi. Namens Vesta (z. B. slat vi terra sua, vi stando 
Dieser Sprachgebrauch läßt eine doppelte Er- Vesta vocatur Ovid. fast. 6,299; vgl. Arnob. 8, 
klärung zu: entweder ist es der Rest einer 82; Seiv. Aen. 2, 296; quod [tellus] vestiatur 
einst allgemeinen appellativischen Verwendung herbis Fairo bei Augvstin c. d. 7,24; vgl.Serv. 
von vesta (wie ianus = Tür, Torbogen), die Aen. 1,292; Hyyin. bei Paulin. Ndl. carm. 82, 
aho älter sein würde als die Bildung des Göt- 181 ff.) verdient keine ernst genommen zu werden, 
ternamens, oder wir haben es mit der bei den Der sprachliche Zusammenhang mit'Eezla war 



243 Vesta Vesta 244 

nicht wohl zu verkennen, die antike Sprach- Zeiten her gemeinsam war, erscheinen, daß er 
Wissenschaft besaß für ihn keine andere Er- innerhalb Italiens ausschließlich .in Latium 
klärung als die, welche Cicero de not. deor. 2, nachweisbar ist; doch kann das bei der ge- 
67 gibt: Vestae nomen a Graecis; ea est eidm, ringen Zahl von außerlatinischen Denkmälern 
quae ab Ulis 'Eatia dicitur (vgl. de leg. 2, 29 italischer Religion sehr wohl auf Zufall be- 
graeco nomine est appettata. Serv. Aen. 1, 292 ruhen, zumal wenn man annimmt, daß die Ent- 
Vcsta autem dicta 6cxi trjs kazias) ; doch hat Wickelung der Vesta zur Staatsgottheit nur in 
man sich auf die Herleitung des Namens aus Latium stattgefunden habe; ein ausschließlich 
Griechenland beschränkt, zu der Annahme, daß häuslicher Gottesdienst aber hinterläßt nur 
der Vestadienst griechisches Lehngut sei, ha- 10 verhältnismäßig geringe Spuren, wie gerade 
ben sich auch Dionysios von Halikarnaß und auch die geringe Anzahl der Zeugnisse für den 
Plutarch nicht verstiegen. Das ist erst der häuslichen Kult der Hestia- Vesta beweist; im 
neuesten Zeit vorbehalten geblieben, wo nach übrigen vgl. auch Jordan a. a. 0. S. 78 f. 
einer kurzen Andeutung Mommsens (Rom. Gesch. III. Die Vesta des Privathanses. Seit un- 
l 6 S. 111; vgl. Jordan a. a.O. S. 82 ff.) P.Kretsch- vordenklichen Zeiten ist im römischen wie im 
mer (Einleitung in die Geschichte der griech. griechischen Hause der Herd der Altar der 
Sprache S. 162 f.) und Giulio Gianelli (II so- Hausgöttin (cum focus ara sit deorum penatium 
cerdozio delle Vestali Romane S. 16ff.) für Her- Serv. Aen. 11,211 = Porphyr, zu Hör. epod. 2, 
Übernahme der römischen Vesta von den West- 43 ; vgl. Gic. p. Rose. Amer. 23 nudum eicit domo 
griechen Italiens eingetreten sind. Aber abge- so atque focis patriis disque penatibus; Cicero ver- 
sehen davon, daß das Vorkommen des Festes bindet mit Vorliebe arae, foci, di penates, z. B. 
der Vesta in der ältesten Festtafel die Göttin de domo 1. 106. 109. 143; Sest. 146; Philipp. 2, 
als älter erweist als die griechischen Einwir- 72. 75; 11, 10; 13,16), und da Vesta, wie schon 
kungen auf die römische Religion, scheitert ihr Name zeigt, nichts anderes ist als die gött- 
die8e Ansicht an der Tatsache, daß gerade liehe Verkörperung des Herdes (domina foco- 
diejenigen Gedanken, die die eigentlich tra- rum Ovid. fast. 6,317), so ist damit dar Grund 
gonden des ältesten Vestakultes sind, vor allem für ihre Verehrung gegeben, die in engster 
die von Ursprung an bestehende Verbindung mit Verbindung steht mit der der di penates, der 
der Penatenvorstellung, von den Griechen nicht Gottheiten der in unmittelbarer Nähe des Her- 
entlehnt werden konnten, weil sie ihnen fremd 30 des gelegenen Vorratskammer (s. oben Bd. 3, 
sind. Noch viel unhaltbarer freilich ist die in Sp. 1882 ff.). Nachdem später auch der Lar fa- 
neuerer Zeit ebenfalls von Sprachwissenschaft- miliaris (s. oben Bd. 2, Sp. 1876 ff.) und der 
licher Seite (F. Solmsen, Untersuchungen zur Genius des Hausherrn hier den Sitz ihrer Ver- 
griech. Laut- und Verslehre S. 219; H. Ehrlich, ehrung gefunden haben, ist der Kreis der rö- 
Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. 41 (1907), S.289ff.) mischen Herdgottheiten abgeschlossen, den uns 
aufgestellte Behauptung, daß der Gleichklang zahlreiche Malereien in den pompejauischen 
der Namen 'Eetla und Vesta auf reinem Zufall Häusern (Heibig, Wandgemälde nr 86 ff. ; So- 
beruhe, da sie der tatsächlich vorhandenen gliano, Pitture murali Campane nr. 12 ff. ; A. de- 
Übereinstimmung in der Grundauffassung und Marchi, II eulto privato di Roma antica 1,79 ff.; 
vielen Einzelheiten des griechischen und römi- 40 diejenigen Bilder, auf denen auch Vesta er- 
scheu Kultes beider Göttinnen keine Rechnung scheint, verzeichnet Wissowa, Gesumm. Abhandl. 
trägt. Veranlaßt sind beide gewagten und un- S. 68f.; Abbild, oben Bd. 2, Sp 1893f. Abb. 5) 
haltbaren Kombinationen durch den Umstand, zeigen. Der Genius erscheint (nur durch das 
daß sprachlich die Gleichung 'Eaiia = Vesta im linken Arme getragene Füllhorn als Gott 
nicht glatt aufgeht , sowohl wegen der Ver- gekennzeichnet) in der Gestalt des Hausvaters, 
schiedenheit der Stammbildung (-tee gegen -a), der am Hausherde die übliche Opferspende 
als besonders weil in dem griechischen Worte darbringt (ture et vino supplicat). Aber an die- 
das anlautende Digamma (F. S mmer, Griech. sen Herdkulten hat auch die Hausfrau, in deren 
Lautstudien S. 94f.; F. Bechtel, Griech. Dia- Wirkungsbereich der Herd zunächst gehört, 
lekte 1, 346) nur spärlich bezeugt ist (Manti- üo hervorragenden Anteil, ihr fällt die Aufgabe 
nein IG 6, 2 nr. 271, 18; vgl. Hesych. s. yitszla). zu, nicht nur für die Reinhaltung und Aus- 
Aber diese sprachlichen Bedenken wiegen, wie schmückung des Herdes zum Zwecke der dort 
auch Süß, Realenzykl. 8,1266 feststellt, nicht vorzunehmenden gottesdienstlichen Handlungen 
schwer genug, um das Gewicht der Tatsachen zu sorgen, sondern auch bei bestimmten, regel- 
aufzuheben, die sowohl für die Bodenständig- mäßig wiederkehrenden Anlässen selbst an ihm 
keit des römischen Vestakultes wie für seine zu opfern. Das ist zwar nirgendwo unmittel- 
Urverwandtschaft mit den griechischen Hestia- bar bezeugt, ergibt sich aber ohne weiteres 
Vorstellungen sprechen, und man wird dabei- aus den Anweisungen, welche Cato (de agricult. 
auch die beiden Namen auf die gleiche indo- 143,2) der unfreien Schaffnerin (vilica) auf dem 
germanische Wurzel zurückzufahren haben, 60 Bauerngute erteilt, welche dort die Obliegen- 
wenn es auch bisher noch nicht gelungen ist, heiten der Hausfrau wahrnimmt: focum purum 
eine allgemein überzeugende Etymologie auf- circumversum cotidie, priusquam cubitum eat, 
zustellen; übersieht über die bisherigen Ver- habeat. Kalendis, Idibus, Nonis, festus dies cum 
suche bei Süß a. a. 0. 1260f., dazu noch E. erit, coronam in focum indat, per eosdemque 
Fehrle, Ztschr. f. vergl. Sprachforsch. 45 (1912), dies Lari famiUari pro copia suppheet (vgl 
S.88ff.;2' , .;tfKZter,.Mn<!«!OS..y,S.43(1915),S.330f. Plaut. Aulul 23f. ea mihi cottidie aut ture auf 
Auffällig könnte es bei einem Gottesdienste, vino aut aliqui semper supplicat, dat mihi co- 
der den Italikern mit den Griechen von Ur- ronas, Worte des Lar familiaris von der Haus- 



245 



Vesta 



Vesta 



246 



tochter). Die Hausfrau hatte jedenfalls auch im 
Hause die Sorge für die Bereitung des far pium 
(Verg. Aen. 5, 744 f. Pergameumque Larem et 
catfie penetralia Vestae farre pio etplena supplex 
veneratur acerra, Tgl. Serv. JScl. 8, 82), welches 
die hauptsächliche Opfergabe für Vesta iBt 
(luven. 6, 886 et farre et vino Ianum Vestam- 
que rogabat) und ihr zu Ehren ins Herdfeuer 
geworfen wird (Sil. Ital. 7, 183 ff. cerialia dona 
attulit ac primum Vestae detersit honorem undi- 
que et in medium iecit libamina flammam). Bei 
den Mahlzeiten, die die ganze Hausgenossen- 
schaft gemeinsam vor dem Herde auf langen 
Bänken sitzend einzunehmen pflegte (Ovid. fast. 
6, 80.i f.; Golum. 11, 1,19 u. a.), wurde der Vesta 
ebenso wie den sonstigen Herdgottheiten ein 
Schüsselchen mit einem Anteile an den Spei- 
sen vom Tische auf den Herd gebracht: fert 
mistos Vestae pura patella cibos Ovid. fast. 6, 
310; ~ natriat incinctos missa patella Lares 
Ovid. fast, il, 634; das mittere patellam hat man 
sich wohl in der Weise vorzustellen, daß Haus- 
herr oder Hausfrau, die ihren Platz wohl am 
oberen, vom Herde am weitesten entfernten 
Ende der Tafel haben, das Schüsselchen mit 
Speisen füllen und es dann, sei es durch einen 
abgeschickten Sklaven, sei es von Hand zu 
Haul durch die Reihe der Tischgenossen bis 
zum Herde befördern lassen. Von einer ent- 
sprechenden, vom Tranke bei der Mahlzeit der 
Vesta gelieferten Weinspende zeugt vielleicht 
ein in Lanuvium gefundenes Tongefäß mit der 
aufgemalten Inschrift Vestapocolo (Dessau 2968) 
von einer Gattung, von der wir noch ein 
Dutzend weiterer Exemplare mit den Namen 
der verschiedensten Götter (CIL l* 439—453 
= Dessau 2.157—2969) besitzen, die dann wohl 
als einzelne der Penaten des betreffenden Hau- 
ses zu verstehen wären (s. über diese Tonge- 
fäße Bitschi, Opuscula 4, 279 ff. und Jordan, An- 
nali d. Inst 1884, S. 7 ff.). Da auch die anderen 
Göttern geltenden häuslichen Opfer am Herde 
dargebracht werden und das Feuer der Vesta 
die Opfergabe verzehrt, ist es erklärlich, daß 
sie bei allen Opfern angerufen wird (Serv. 
Aen. 1, 292 Vesta signißcat religionem, quia 
nulluni sacrißcium sine iyne est, unde et ipsa 
et Innus in omnibus sacrißciis invonantur), und 
zwar am Ende des die Opferhandlung beglei- 
tenden Gebetes (Cic. de nat. deor 2,67), wo der 
Opfernde seine Gabe in die Herdflamme wirft. 
Daher fügt auch Gato (de agric. 182, 2), nach- 
dem er die Anweisungen für die Darbringung 
eines Schmauses an Iuppiter üapalis gegeben 
hat, hinzu: Vestae si voles dato. 

Da aber der Herd nicht nur als Opferstätte 
dient, sondern auch zur Bereitung der täglichen 
Nahrung, insbesondere des Mehls und der aus 
ihm hergestellten Lebensmittel, Mehlbrei (puls) 
und Brot, so stehen auch diese Tätigkeiten 
unter der Obhut der Vesta, und nachdem die 
Mehl- und Brotbereitung aus der Hauswirt- 
schaft ausgeschieden und Aufgabe eines beson- 
deren Handwerks, der pistores, geworden ist 
(P/t», n. h. 18, 107), ist Vesta auch zur Schutz- 
göttin dieses Handwerks geworden, dessen An- 
gehörige ihr noch in der Kaiserzeit besondere 
Verehrung erweisen, s. z. B. die Weihung eines 




UM««- 



i ft 



AA 



H 



1) Belief im Museo Torloni» in Born (.Annali d. Intt. 
1883 tav. d'agg. L = Wiuowa, Oanamm. Abhandl. S. 71). 

pistor Romaniensis ex reg(ione) XIIII an Diana 
Nemorensis Vesta, CIL 14,2218 = Dessau 8248, 

so und das Relief bei Fdbretti, De columna Tra- 
iana p. 339 (vgl. Wissowa, Ges. Abhdl. S. 70 f.), 
dargebracht von C. Pupius Firininus (CIL 6, 
787. 30882 = Dessau 3818), den wir aus einer 
anderen Inschrift (CIL 6, 1002 = Dessau 7269) 
als Quaestor des corpus pistorum kennen. Bild- 
liche Darstellungen zeigen die Göttin mit einem 
Brote in der Hand, neben ihr die Stampfmühle 
(pistrinum) mit dem zugehörigen Esel, der die 
Mühle zu drehen hat (s. namentlich das Relief 

*o Torlonia, Annali d. Inst 1883 iav. d'agg. L 
= Wissoiva, Ges. Abhdl. S. 71 und die dort zu- 
sammengestellten sonstigen Denkmäler). Der 
Esel gilt überhaupt als das Lieblingstier der 
Vesta (Vestae [überliefert vestrae] deliciumst 
asinus Copa 26) und wird ihr in größeren Göt- 
terreihen als unterscheidendes Kennzeichen bei- 
gegeben, z. B. auf dem pompejanischen Zwölf- 
götterbilde Heibig nr. 7 und dem Rundaltar aus 
Gabii Clarac 117, 18, wahrscheinlich auch auf 

50 der Mainzer Juppitersäule (nach S. Reinach, 
Revue archeol. 1893, 1 S. 29 und F. Drexel, Korr.- 
Bl. d röm.-germ. Kommiss. 8(1915), S. 66; an- 
ders A. Oxe, Mainzer Zeitschr. 7 (1912) , S. 80 
und F. Quilling, Die Iuppitersäule des Samus 
und Seoerus, 1918 S. lllff. 221f.); auch auf 
dem Fries des Rundtempels der Vesta am Fo- 
rum war der Eselskopf dekorativ verwendet 
(Jordan, Tempel der Vesta S. 18). Der ätiologi- 
schen Erzählung, durch welche Ovid (fast. 6, 

so 319ff., daraus Lact. inst. 1, 21, 25 ff.) diese Vor- 
liebe der Göttin für den Esel begründet (das Ge- 
schrei eines Esels vereitelt bei einer Pannychis im 
entscheidenden Augenblicke ein erotisches At- 
tentat des Priapns auf Vesta), tut Süß (a. a. O. 
1269 f.) zu viel Ehre an, wenn er in ihr einen 
'Ausdruck der phallischen Elemente im Kulte 
der Feuergöttin' findet; es ist zweifellos eine 
reine Erfindung des Ovid, wie schon daraus 



247 Vesta Vesta 248 

hervorgeht, daß dieser genau dieselbe (Je- 1, 101; vgl. Liv. 5, 82. 6 in Nova via, ubi nun« 
schichte, nur mit Ersetzung der Vesta durch sacellvm est supra aeäem Vettae) auf der Grenze 
eine Nymphe Lotis, an anderer Stelle (jait. 1, ton Forum und Sacra via (Jordan, Topogr. 1,2 
891 ff.) nochmals erzählt, hier um zu motivieren, S. 292 ff.) , wo noch heute der an seiner Basis 
warum dem Priapus der Esel als Opfeitier ge- von mehreren Lagen von Tuff blocken umgebene 
schlachtet werde (vgl. JS. JPretsler, Quaestionum Gußwerkkern seines Unterbaues erbalten ist. 
Ovidianarum captta duo, Diss., Halls Sax. 1908, In seiner unmittelbaren Umgebung lagen einer- 
S. 22 f.). Ober die Bolle, welche die Esel beim seit« das Amtshaus des Pontifex maximus, dem 
Feste der Vestalia spielen, s. unten Abscbn. V. allgemeinenGlaubennachdasehemaligeKönigs- 
IV. Tempel der Vesta. Wenn Varro (de l. I. 10 haus des Numa, daher regia (nilmlich domus) 
6, 74) Vesta zu denjenigen Gottheilen rechnet, genannt (regia nagna Xun,ae Ovid. fast. 6, 264; 
welche die Kömer von den Sabinem entlehnt vgl. trist. 8,1,80; Tae. ann. 15,41; mehr bei 
hatten (wie auch bei Dion. Bai. 2,50,8 Vesta Jordan a. a. 0. S. 424, 140), andererseits das 
unter den Gottheiten der von Titus Tatius er- HauB der Vestalinnen, als atrium Veitae (zu- 
richteten AltBre erscheint), so ist das kaum weilen auch atrium regium, Liv. 26, 27,8; 27, 
mehr als historische Konstruktion und erlault 11, 16; virgnea domus Mariial. 1,70,4) bezeich- 
nkht einmal den Schluß, daß dem Varro Zeug- net, an das Wand an Wand eine domus publ ca 
nisse für alten Vestadienst bei den Sabinern anstieß, die bis auf Augustus dem Pontifex 
bekannt gewesen seien. Die erhaltenen Spu- maximus zur Wohnung diente, dann aber, von 
ren jedenfalls beschranken sich auf die nächste io Augustus aufgegeben, zur Vergrößeiung des 
Umgebung Roms. Wie alt der Vestakult von Vestalinnenhauses verwendet wurde (Cass. Bio 
Tibur war, für das Inschriften der Kaiserzeit 84,27,8; vgl. Sueton. Caes. 46, 1 ; Wistoua, Be- 
(CIL 14, 3677. 8679 — Dessau 6244f.) virgines bgionu. Kultus' S. 602, 7): der ganze Gebäude- 
Vestales 'Jiburttum bezeugen, laßt sich nicht komplex ist gegenwärtig freigelegt; vgl. B. Jor- 
mehr feststellen, uralt aber war sicher die Ver- dan, Dir lemptl der Vesta und das Baus der 
ehrang der Göttin in der alten Laurenterstadt Vestahnnen,BeilmlS86;E«hev,Das Forvmbo- 
Lavinium und in dem früh zerstörten Alba manum' S. 171 ff. Als ein Rundbau (F est. p. 820, 
Longa. Der Dienst von Vesta und den Pena- 12 Linda. = 262 M.; Ovid. fast. 6, 266 ff.; Flut. 
ten in Lavinium gebort zu den sacra prineipia Numa 11; Sem. Aen. 9, 406) von sehr beschei- 
p(opuli) R(omani) Q(uiritium) nominisque La- so denen Ausmessungen — der erhaltene Unter- 
em, quai apud Laurintis coluntur (CIL 10, 7M7 bau hat einen Durchmesser von nur 14 m — 
— Denau bOOi, vgl. Wissvua, Barnes 60, 1916, ist das Heiligtum kein templum im technischen 
S. 28 ff.) und wurde durch ein Opfer, das die Sinne des römischen Sakralrechts gewesen (Gell. 
höchsten Beamten Borns alljährlich dort in 14 7,7; Strv. Aen. 7,158. 9,4) and hat unter 
feierlichster Weise pertatibus pariter et Vestae den stadtrömiseben Tempeln eine AwnaLme- 
(llucr. Sat, 8,4, 11 — Serv.Aen 2,296; vgl. 8, Stellung eingenommen. Es ist aber falsch, wenn 
12; Ascon. p. 24 St., mehr s. oben Bd. 8, Sp. 1894) die Verteidiger der Hypothese von der griechi- 
darbrachten, geradezu als der Mutterkult des sehen Entlehnung des Vestakultes (liommsen, 
römischen anerkannt. Unter den sacerdotts Böm.GeschA'S.lU;Kretschmer,Finleit.S.16a) 
Albuni aber, d. h. den römischen Staatsprie- 40 in der Foim des riundtimpels eine Stutze ilrer 
stern, denen die Pflege der Gottesdienste des Ansicht haben finden wollen, denn in der Tat 
untergegangenen Alba Longa oblag (Wissowa ist es die Form der uralten italischen Bund- 
a. a. 0. S. 2 ff.), befinden sich bis zum Aus- hotte, die uns hier entgegentritt (Beibig, Die 
gange des Altertums (Bestrafung einer der Un- Italiker in dir Foelene S. 62 ff.; W. Ahmann, 
keuschheit überführten apud Albom Vestalis Die italischen Bundbauien 1906 S. 68f.; anders 
antistes am Ende des 4. Jahrb., Symm. epist. 9, Jordan, Tempel der Vtsta S. 77 f.) und gerade 
147 f.) auch virginei Veitales (vgl. luven. 4, 61 das hohe Alter des Gottesdienstes verbürgt. 
Vestam eolit Alba minorem), die ganz wie die Im Gegensatze zum Kapital und der großen 
römischen organisiert sind (v(irgini) y(estali) Masse der sonstigen römischen Tempel ist 
maximae ar[cis AJlbanac CI1 i, 6,2172 — Dessau 50 dieses Heiligtum kein Gottesbaus, d. h. nicht 
6011; virginis Albanae maxtfmae] CIL 14,2410 Wohnung der persönlich gedachten Gottheit, 
=- Dessau 611)0 ; Gelübde weiden bei ihnen ein- weshalb es auch niemals ein Bild der Göttin 

felöst, Ascon. p. 36 St.) und von manchen als enthalten hat (an dem Zeugnisse des Ovid. fast. 
as Vorbild der letzteren angesehen wurden 6, 296ff., das durch die Parallele des bildlosen 
(Im. 1,20,3 virginei Vestae ... Alba oriundum Hestiatempels von Hermione bei I'ausan. 2,36,1 
saeerdottum; vgl. Dion. Bai 2,66,1). eine Stütze erhält, ist nicht zu rütteln; vgl. 
Die Begründung des römischen Staatskultes unten Abschn. V11I), sondern dient ausschlic-ß- 
der Vesta, d. h. die Stiftung des Staatsherdes lieh dazu, dem StaaUherde mit dem heiliger 
und die Erbauung des Vestatempels, schreibt Feuer, der rtsta publica p. B. Q-, ein Obdach 
die Überlieferung überwiegend dem Könige so zu bieten. Wenn sich Ovid (fast. 6, 261 f. quae 
Numa Pompilius zu (die Zeugnisse Lei Schuig- nunc aere vides, ttipvla tum teeta videres, et 
ler, Böm. Gesch. 1,644,1), wenn auch einige partes lento vimine teitvs erat) das GebBude 
Gewährsmänner »ich vielmehr für Bomulus er- als eine mit Stroh gedeckte Hütte mit Wänden 
klärten (Dion. Bai. 2,66; Flut. Born. 22,1). Der aus Flechtwerk vorstellt, so trifft er gewiß das 
Tempel, der während des ganzen Altertums Richtige, daher wurde der Ban auch wieder- 
sehen Platz nicht geändert hat, lag am Fuße holt durch Feuersbrünste zerstört, insbesondere 
des Palatin (o luco Vestae, gut a Palatii ra- im J. 613 — 241 (Liv. per. 19; Oros. 4, 11, 9; 
dice in Novam viam devexus est, Cic. de divin. Plin. n. h. 7, 141; Ovid. fast. 6, 437 ff.) und 644 



249 Vesta Vesta 250 

=- 210 (Liv. 26, 27, 4. 14). Später trat, ohne Namen Doliola fährte (Jordan, Topogr.1,2 

Vergrößerung der Dimensionen, ein massiver S. 486, 65), vergruben (Liv. 6 , 40 , 7 f . ; Paul. 

Bau an die Stelle der alten Hütte; die erhal- p. 60, 26 Linds. = 69 M.), zum Teil nach Caere 

tenen Reste von Säulen und Gebälk gehören brachten (Liv. a.a.O.; Val. Max. 1,1, 10; Strabo 

einer von Septimius Severus nach dem großen 6, 220). 

Brande vom J. 191 n. Chr. (Jüans. Dio 72, 24; Über Aussehen und Beschaffenheit dieser 
Herodian. 1, 14, 4f ) vorgenommenen Restaura- saera, an denen nach allgemeiner Überzeugung 
tion an. die Erhaltung und das Gedeihen des römischen 
Wie im Privathause mit dem Herde der Staates und Volkes hing (Vestae aedem e( aeter- 
Vorratsraum, mit der Verehrung der Vesta die 10 nos ignes et conditum in penetrali fatale pigmis 
der Penaten verbunden ist, so birgt auch der imperii Romani Lio. 26, 27, 14; piguora fatalia 
Vestatempel außer dem Staatsherde, von dessen Ooid. fast. 6, 446; Sacra illa fatalia Augustin. 
Einrichtung wir uns eine genauere Vorstellung c. d. 8, 18), weiß uns kein Gewährsmann etwas 
zu bilden nicht vermögen, den penus, die Vor- Bestimmtes zu sagen, um so geschäftiger ist 
ratskammer der Gemeinde, welche einerseits die Phantasie bemüht, das Geheimnis zu er- 
gewisse für die Ausführung der Staatsopfer gründen (Dion. Hai. 2, 66, 5 f.; Plut. Camill. 20, 
nötigen Stoffe, Opferschrot (mola Salsa) und 6— 8; mit merkwürdiger Bestimmtheit behaup- 
Salzlake (muries) , das Blut des Oktoberrosses tet Plinius n. h. 28, 39 fascinus . . . deus inter 
und die Asche der an den Fordicidia verbrann- sacra Romana a Vestalibus colitur). Nur dar- 
ter Kälber u. a. (s. darüber Absehn. VII), ande- so über ist man sich in historischer Zeit so ziem- 
rerseits Symbole der diese Vorräte und damit lieh einig, daß sich unter diesen saera das von 
das Wohl der ganzen Gemeinde beschützenden Aineias nach Italien gebrachte troische Palla- 
Gottheiten, d. h. die di penates p. R. Q. ent- dium befinde (zuerst Cicero pro Scauro 48 Pal- 
hielt, die also hier ihren Kult fanden, lange ladium iUud, quod quasi pignits nostrae salutis 
ehe ihnen auf der Velia ein eigenes Heiligtum atque imperii Vestae custodiis eontinetur ; Liv. 
erbaut wurde (s. oben Bd. 3, Sp. 1889 f.), und 5, 62, 7 quid de aeternis Vestae ignibus signo<iue, 
auch nach dessen Erbauung hier immer noch quod imperii pignus custodia eius templi tenetur, 
zusammen mit Vesta den Hauptsitz ihrer Ver- loquar? Ooid. trist. 8, 1, 29 hie locus est Vestae, 
ehrung hatten: die Worte des Tacitus (an». qui Pallada servat et ignem; daher Troiana 
15,41) d-lubrum Vestae cum penatibus populi so Minerva Lucan. 1,598; Claudian. in Eutfop. 1, 
Romani exasta (beim neronischen Brande) sind 328; weitere Zeugnisse bei Preuner, Hestia- 
durchaus wörtlich zu verstehen. Diese Vorrats- Vesta S. 425, 3). Diese Tradition ist nur eine 
kammer, der penus Vestae, nahm im Tempel Weiterbildung der Bchon von Timaios (bei Dion. 
einen besonderen, durch Matten abgetrennten Hai. 1,67,4) vertretenen Ansicht, daß die rö- 
Raum ein (Festus p. 296, 12 Linds. = 250 M. mischen (bei Timaios zunächst die lavinatisehen) 
penus voeatur locus intimus in aede Vestae tege- Penaten , welche durch jene geheimnisvollen 
tibus saeptus, qui certis diebus circa Vestalia sacra im Penus Vestae dargestellt waren, nichts 
aperitur. i dies religiosi habentur), der seiner- anderes seien als die von Aineias aus Ilion 
seits wieder — wahrscheinlich ebenfalls durch nach Italien geretteten troiseben Schutzgötter 
Matten (auf der Darstellung des Vestatempels 40 (vgl. Wmowa, Ges. Äbhdl. S. 108 ff. und oben 
auf der Sorrentiner Basis; Petersen, Ära Pacis Bd. 3, Sp. 1895tf.), eine Ansicht, die auch die 
S. 70, Fig. 29c, s. unten Abschn. VIII, ragt das weitere Konsequenz nach sich zog, daß man 
Palladium über einem den Hintergrund ver- seit der augusteischen Zeit auch für Vesta 
hüllenden Vorhange hervor) — in zwei Abtei- selbst troischen Ursprung in Anspruch nahm 
lungen zerlegt war, von denen die äußere [in- (Verg. Aen. 2, 296 sie ait et manibus vittas 
tus in aede Vestae in penu exteriore Fest. p. 152, Vestamane potentem aeternumque adutis effert 
10 Linds. ~ 161 M.) unter anderem, wie wir penetralibus ignem; Vestatempel in Troia ebd. 
zufällig erfahren, das Faß mit Sahlake (muries, 2, 567; Vesta Iliacae felix tutela faoillae Prop 
Fest. a. a. 0.), also wahrscheinlich überhaupt 4,4,69; Troica Vesta Ooid. met. 16,1 HO; lliaca 
alle jenen zum Opfergebrauohe bestimmten so Vesta Ovid. fast. 6, 227. 365 ; Phrygia Vesta Si- 
heiligen Vorräte enthielt, während der innerste don. Apoll, carm. 24,41; Iliaci foei Ovid. fast. 
Raum, die penttralia Vestae (Verg. Aen. 2,297. 3,418. 6,456; Troieus ignis Stat. silv. 1,1, 35 
6, 744 = 9, 259 ; Horat. epist. 2, 2, 114) im eigent- u. a.). Das Dunkel, das über all diesen Dingen 
liehen Sinne, zur Aufbewahrung der Penaten liegt, hat seinen Grund in der vollständigen 
oder dessen, worunter man sich diese verkör- Unzugänglichkeit des Penus Vestae, die jede 
pert dachte, diente; vgl. Dion. Hai. 2, 66, 2 f. Besichtigung und Untersuchung der dort aut'- 
Twif p-bv ovv oiSsv #|<d rov tpavtQOv nvfös bewahrten Heiligtümer ausschloß (daher Vestae 
»Ivai <p<x«i rö tijQovaevov . . . tlaX 61 rtvf s o! tpa- secreta Sil. Itdl. 3,666; tamquam aliquod Ve.itale 
eiv ?fa> xov Ttvgie &toqQr}ta rote xoUoli itgä secretum Paneg. lat. 2,21,3; arcana in aede 
■nelobai nva iv riß rtpivu zlji &e&g, &v of *s 60 Ooid. fast. 3,143). Der ganze Tempel der Vesta 
ieoo<p<kvrai ttjv yv&aiv igovi» xal al itaofrfoot. war allen Männern, mit einziger Ausnahme des 
Beim gallischen Brande sollen die Ves talinnen Pontifex maximus, dauernd verschlossen (Lact. 
mit Hilfe des Flamen Quirinalis die sacra (das inst. 3, 20, 4 sceleratiores . . . quam qui aedem 
ist die gewöhnliche Bezeichnung) dadurch ge- Vestae aut Bonae Deae aut Cereris intraoerit: 
rettet haben, daß sie sie zum Teil, in Tontässer quae penetralia quamvis adire viris non liceat, 
(doliola, s. dazu Marquardt, Rom. Staatsoerw. tarnen a viris fabricata sunt; vgl. Ooid. fast 6, 
3* S. 251 Anm.) verpackt, an einer Stelle des 254 von Vesta: nee fueras aspicienda viro), aber 
Forum boarium, die davon noch später den auch Frauen hatten nur in den Tagen der 



251 Vesta Vesta 252 

Tempelreinigung vom 7.-15. Juni (Vesta aperit Ausgange des Altertums eine B der ebrwürdig- 
und Vesta cludltur Dotiert Phüocalus zum 7. sten Denkmäler der btadt gewesen und alle- 
bzw 16 Juni) Zutritt; wenn Festus p. 296, 13 zeit das eumge staatliche : Heiligtum der Göttin 
Linds = 250 lt. an diesen Tagen für die Frauen geblieben: es konnte nicht mehr als einen 
auch den Penus geöffnet sein läßt, so kann Staatsherd in Rom geben Nur eine Art von 
damit nur der penus exterior (s. oben) gemeint Ergänzung zu ihm bildet die zwischen ihm 
sein denn die Bewahrung des Geheimnisses und dem Vestalinnenhause bei den neueren 
der im inneren Penus aufbewahrten sacra wäre Ausgrabungen in bedeutenden Überresten wie- 
ia völlig undenkbar, wenn sie alljährlich eine der zu Tage geforderte Kapelle, ein viersau- 
Woche lang der ganzen römischen Frauenwelt 10 liger ionischer Bau (Jordan Tempel der Vesta 
zugänglich gewesen wären. Selbst der Ponti- S.26ff.), die nach der erhaltenen Inschrift 
fex maximus muß trotz der gegenteiligen De- (CIL 6, 31578) vom römischen Senat und \ o k 
hauptung später Gewährsmänner (Serv. Aen. auf Staatskosten erbaut , oder wiederhergestellt 
8 12 von den Penaten: guos nisi saardoti vi- worden ist, den Buchstabenfoimen der Inschrift 
dere fas nulli Sit, wo wohl der sacerdos publi- nach etwa in der Zeit Traians Da der Kund- 
us d. h. der Pontilex maximus, gemeint ist, tempel durch seine Bildlosigkeit und ünzu- 
vel Dion. Eni. 2, 66, 3 hv of ts Isgoyocvicci gänglichkeit gegenüber andeien Tempeln so- 
ztv vv&oiv hovat xccl ai naedivoi; Rist. aug. zusagen im Rückstände war mag dieser Bau 
Helioq 6, 7 in penum Vestae, quod solae rirgines der unmittelbar vor seiner Tur lag, bestimmt 
solique pontifices adeunt, inrupit) vom Zutritt so gewesen sein dafür einen Ersatz ^bitten; 
zu dem Allerheiligsten ausgeschlossen gewesen wahrscheinlich hat er ein Sitzbild der Göttin 
sein, da ohne diese Annahme die Geschichte enthalten. 

vom Pontifex maximus L. Caecilius Metellus, Dagegen stand eine andere Kapelle der 

der beim Brande des Tempels im J. 513 = 241 Vesta in einem gewissen Konkurrenzverhalt- 

dieses Verbot mit vollem Bewußtsein übertritt, nisse zu dem alten Heiligtume. Als Augustus 

um die Sacra vor Zerstörung zu retten (de. am 6. März des J. 742 = 12 (CIL 1 p.311) 

pro Scauro 48 ; Liv. per. 19; Ovid. fast. 6, 437 ff. ; das Amt des Pontifex maximus angetreten 

Val Max. 1,4, 5: Plin. n. h. 7, 141 und mehr hatte, verzichtete er nicht nur auf die ihm in 

bei 0. Lenze Philologus N. F. 18 11906]. S. 95ff.) dieser Eigenschaft zustehende Amtswohnung 

ihre Pointe verlieren und das Eindringen des so in einem neben dem Atrium Vestae liegenden 

Elagabal aufhören würde ein Fievel zu sein, Staatsgebäude (s. oben), indem er zugleich, da 

da er ia als Kaiser Pontifex maximus war und der Pontilex maximus nach altem Herkommen 

als solcher Zutritt gehabt hätte Demnach ist in loco publice- wohnen mußte, einen Teil der 

Lucan. 1, 598 (danach Claudian. in Euirop. 1, Domus Augustiana auf dem Palatin zum Staats- 

328f) vollkommen im Rechte, wenn er von eigentum erklärte (Cass. ZHo 64, 27,3) sondern 

der Obervestalin (Vestalemque ehorum ducit vit- weihte auch am 28 April desselben Jahres m 

tata sacerdos) sagt: Troiunam sali cui fas vi- demselben kaiserlichen Palaste eine Kapelle 

düseMinervam; man wird das sogar wörtlich der Vesta, deren Stiitungstag unter d.e Jahres- 

dahin verstehen dürfen, daß nicht alle Vesta- feste aufgenommen wurde: feriae ex s(enatus) 

linnen sondern nur die Virgo Vestalis maxiina « clonsulto), quod eo die [aedtculja et jaraj 

(überderenleitendeStellunguntenimAbscbn.VI Vestae in dvmu tmp(eratorts) taesans Augu- 

zu handeln sein wird) das AUerbeiligste be- fstij dedicatast Qumnic < et Valgw cos., fast. 

treten durlte. \m allgemeinen vgl. über diese P,aen., vgl. Caer. (CIL 1 p. 3 17; vgl Eulsen- 

Frage I. Santinelli, Bivista di ßlologia 80 (1902), Jordan, Topogr. 1, 3 S. 76) Wie , Vesta unten 

S 266 ff • Giulio Gianelli, II 'penus Vestae' e % am Forum zusammen mit den btaatspenaten, 

'Pianora imperi', Atene e Bon.a 17(1914), so wurde sie hier auf dem Palatin zusammen 

nY 187-188 Eine wirkliebe Profanierung der mit den Penaten des julischen Hauses verehrt 

im Penus Vestae aufbewahrten Heiligtümer ist (Vestaque Caesareos inter saaata penates (Md. 

nur erfolgt, als bei dem Brande des J. 191 met. 16,864), die ja ebenfalls die tro.schen 

n Cbr die Vestalinnen das Palladium vor aller 60 waren (auch ein Palladium gab es hier, wie 

Augen über die Sacra via nach dem Kaiser- der praepositus Pallacln Palattm einer .Inschrift 

paltst retteten (Eerodian. 1, 14, 4f.), und dann von Privernum aus dein 4. Jahrh. zeigt, CIL 

durch Elagabal. der sich nicht damit begnügte, 10, 6441): es war also das Herdheil.gtum des 

in das Allerheiligste einzubrechen (Bist. aug. Kaiserpalastes in demselben Sinne, wie deren 

a a O ) heilige Gefäße aus dem Penus fortzu- jedes Privathaus eines besaß; aber indem mehr 

schleppen und zu zerstören, sondern auch das und mehr das Ka.serhaus den Staat tedentet, 

Palladium in sein Schlafzimmer oder (nach an- gewinnt der Kult seines Herdes eine Wichüg- 

derem Berichte) in seinen Tempel bringen ließ keit, die geeignet ist den Staatsherd unten 

(Eist auq. a a. O.; Herodian 6, 6, 3 f.). Bei am Forum in den Schatten zu stellen (Wusowa, 

dieser Gelegenheit erfahren wir, daß man sich 60 Ges. Abhdl. S. 113. 197). Die Caesarea Vesta 

gegen Entführung der Heiligtümer, ähnlich (Oäd. met. 16,865) teilt sich mit dem Kaiser 

wifbei den Ancifia, dadurch gesichert hatte, und Apollo in den Besitz des palatiniscben 

daß man neben den echten %acra Nachbil- Berges (Ovid. fast. 4, 951 f. Phoebus habet par- 

duneen aufstellte, die im Notfalle den Frev- tem, Vestae pars altera cessit, quodsuperest tllis, 

lern preisgegeben wurden, so daß auch Elagabal tertius ipse tenet) und wenn Augurs im Mo- 

nur Signum, quod Palladium esse credebat, weg- num Ancyr. tat. 4, 21 sagt: *»/« </* "°"»"* 

schleppen konnte (Hist. aug. Eehog. 6, 7f ). in Capitoho et ,naede ?™}Hfj*™™*l 

Der Rundtempel am Forum ist bis zum Apolhms et m atde Vestae et tn templo Martts 



253 Vesta Vesta 254 

Vltoris consacravi, so macht es trotz der Be- foci Tibull. 2,5,52; Lucan. 1, 199; Sil. Ital. 4, 
Zeichnung aeues Vestae schon die Verbindung 411) werden überaus häufig erwähnt; Vesta 
mit dem palatinischen Apollotempel wahr- selbst erhält das Beiwort ignea (Ovid. fast. 6, 
scheinlich, daß hier das palatinische Vesta- 234) und aeterna {Horat. c. 8, 6, 11). Die Über- 
heiligtum gemeint ist, zumal der Rundtempel wacbung des Feuers, die unausgesetzt Tag und 
am Forum mit seinen beschrankten Raumver- Nacht hindurch geübt werden mußte, erforderte 
hältnissen kaum ausreichenden Platz für die ein regelmäßiges Nachlegen neuer Holzschei- 
Aufstellung von Weihgeschenken geboten haben ter und ein Entfernen der eich anhäufenden 
kann. Zu diefiem palatinischen Heiligtume ge- Asche. Die angesammelte Asche war etwas 
hören aller Wahrscheinlichkeit nach die in In- io HeiligeB, das nicht profaniert werden durfte, 
Schriften der Kaiserzeit gelegentlich erwähn- sie wurde daher das ganze Jahr über irgend wo 
ten aeditui der Vesta (aedituus Vestae, Sklave im Tempel aufbewahrt, um am letzten Tage 
des Kaiserpaares, CIL 6, 6745 = Dessau 6001, der Festperiode der Vestalia, am 16. Juni, beim 
aeditus a Vesta, kaiserlicher Freigelassener, Abschlüsse der großen Reinigung des ganzen 
CIL 6,8711 = Dessau 7808), und die auf den Tempels (der Tag trägt davon in den Kalen- 
Kaisermünzen begegnenden Bilder der thronen- dem die Bezeichnung Q(uando) ST(ercus) D(e- 
den Vesta (s. unten Abschn. VIII) lassen sich lutum) I'(as), CIL 1' p. 289) mit dem sonsti- 
am wahrscheinlichsten, auf das Kultbild dieser gen Kehricht des Heiligtums nach einem ge- 
kaiserlichen Hauskapelle zurückführen. Wenn schlossenen Orte auf halber Höhe des vom Fo- 
in dem Festverzeichnisse des Augustustempels 90 mm auf das Kapitol führenden Steilweges ge- 
zu Cumae (CIL 10, 8376 — Dessau 108) die bracht zu werden (Fest. p. 466, 82 Linds. — 
Geburtstage der kaiserlichen Prinzen (7. Okt. 344 M. stercus ex aede Vestae X VII kal. Iul. 
Drusus, 16. November Tiberius, 24. Mai Uerma- defertur in angiportum medium fere clivi Capi- 
nicus) regelmäßig durch eine supplicatio Vei-tae tolini, qui locus clauditur porta stercoraria. 
gefeiert werden, so ist dabei gewiß ebenfalls Varro de l l. 6,82; Fest. p. 310, 21 Linds. — 
an die Göttin des kaiserlichen Hausherdes, also 258 M.), von wo sie, wenn der Behälter gefüllt 
der kaiserlichen Familie, gedacht, und die war, in den Tiber abgeführt wurde (Ovid. fast. 
gleiche Erklärung liegt nahe, wenn bei Ovid 6, 227f. 718f.). Mit dem Charakter der aeterni 
(ex Ponto 4, 13, 29 esse pudicarum te Vestam, ignes verträgt es sich schlecht, wenn Ovid (fast. 
Livia, matrum ; vgl. Eckhel D. N. 6, 166 f.) die 90 8, 143 adde quod arcana fieri novus ignis in 
Kaiserin Livia mit Vesta gleichgesetzt wird, aede dieitur et vires flamma refecta capit) be- 
womit die Sesselinschrift aus dem athenischen richtet, die Flamme sei alljährlich am alten 
Dionysostheater IG 8, 2 nr. 316 »sjjjaj 'E<STi[ctg Neujahrstage des 1. März erneuert (also doch 

] *al Asißiag xal 'IovXiug (mit Ditien- vorher ausgelöscht) worden. Wahrscheinlich 

berger» Anmerkung) zu vergleichen ist (Opfer liegt hier eine Verwechlung mit dem ander- 
an Livia durch die Vestalinnen ordnet Clau- weitig bezeugten Brauche vor, an diesem Tage 
dius bei ihrer Vergöttlichung an, Cass. Dio 60, das Feuer desHausherdesan der Flamme der 
5,2). Dagegen stammt die Bezeichnung der Vesta neu zu entzünden (Macr. S. 1, 12, 6 huius 
(älteren) Agrippina als 'Eexiu ßovlaia auf dem etiam prima die ignem novum Vestae aris accen- 
theräischen Stein IG 12,3 Suppl. nr. 1893 = 40 debant, ut incipiente anno cura denuo servandi 
Dessau 8790b aus griechischer AnBehauung. ignis ineiperet, erklärt durch Solin. 1, 35 ut eius 
V, Gottesdienst und Feste. Der Gottesdienst die prima de aris Vestalibus ignes accende- 
im Heiligtume der Vesta besteht in erster rent), denn es ist vollkommen verständlich, daß 
Linie aus der Pflege und Unterhaltung des jedes einzelne Privathaus Wert darauf legt, die 
heiligen Feuers auf dem Staatsherde, dessen Herkunft seines Herdfeuers von der Flamme des 
Erlöschen als ein Prodigium schwerster Art Staatsherdes alljährlich zu erneuern, während 
gilt und nicht nur durch die Bestrafung der man den Sinn der Auslöschung und Neuent- 
schuldigen Vestalin, durch deren Nachlässig- zündung des Feuers auf dem Staatsherde um 
keit das Feuer ausgegangen ist, sondern da- so weniger begreift, als wir weder erfahren 
neben auch durch staatliche Sühnemittel aus- so noch vermuten können, an welcher anderen 
geglichen werden muß: plus Omnibus aut nun- Flamme denn die Neuentzündung erfolgt sei 
tiatis peregre aut visis domi proüigiis tenuit (Jordan a. a. 0. S. 61 denkt sehr wenig ein- 
animos hominum ignis in aede Vestae extinetus, leuchtend an den Herd des Vestalinnenhauses). 
caesaque flagio est Vestalis, cuius custodia eius Ganz anders liegt die Sache, wenn die Flamme 
noctis fuerat, iussu P. Licini pontificis. id quam- durch die Nachlässigkeit der diensthabenden 
quam nihil portehdentibus deis ceterum negle- Priebterin erloschen ist: in diesem Falle mußte 
gentia humana aeeiderat, tarnen et hostiis ma- sie durch Reiben eines Holzstückes auf einem 
iortbus procurari et supplicattonem ad Vestae Brettchen vom Holze eines fruchttragenden 
haberi plaeuit (Liv. 28, 11, 6f., ein anderer Fall Baumes (arbor felix) wieder ins Leben gerufen 
Liv per. 41 = Obsequ. 8 [62]; vigiles flammas so werden (Paul. p. 94, 1 Linds. = 106 M.), ein 
extniguere Vestae als schweres Verbrechen Ovid. Verfahren, das man gewiß nicht darum wählte, 
a. a. 8, 463; vgl. metam. 16, 778). Der ignis um (wie Jordan a. a. 0. S. 80 meint) durch die 
sempiternus (Cic. de domo 144; aeterni Vestae schwere und langwierige Arbeit die lässige Prie- 
ignes Liv. 6,52,7. 26,27,14; Verg. Aen. 2, 297 ; Sterin (daß die Arbeit des Wiederentzündens 
vigil ignis Ovid. fast. 6, 267; vigiles flammae ihr zugefallen sei, wird übrigens nirgends ge- 
Otid. a. a. 3 , 468 ; sacratus ignis CIL 6 , 61 1 sagt) des weiteren zu bestrafen , sondern weil 
— Buecheler, Carm. epigr. 1629 B 2) oder die man glaubte, daß das Feuer in religiös wirk- 
aeterni Vestae foci (Vol. Max. 4, 4, 11; Vestahs samer Weise nur auf dieselbe Art erneuert 



255 



Vesta 



Vesta 



256 




8) VsitalU »uf einem pompej»nUchen W»udgemHde (owh O.Jahn, DariteUungen der Bandtaerk» und Handeli- 

terkehn T»f. 6, 4). 



werden könne, auf die man es sich in grauer 
Vorzeit ursprünglich entstanden dachte. 

Das Mir die Reinigung des Tempels und fär 
den sonstigen heiligen Gebrauch erforderliche 
Wasser muß nicht nur, wie es aberall im rö- 
mischen Gottesdienst gefordert wird, aus leben- 
dig fließendem Quell, nicht aus Zisternen oder 
Leitungen entnommen sein (Fest. p. 162, 11 Linda. 
•— 161 M. virgines Vestales . . aquam iugem vel 
quamlibet praeterquam qnae per fistulös venu 
addunt; vgl. Tac. hist 4, 58 virgines Vestales . . 
aqua e fontibus amnibusque hausta perluere), 
sondern wie im lavinatiscben Vestadienste nur 
Wasser aus dem Numicus verwendet werden 
durfte (Sero. Aen. 7, 150), so verlangt auch die 
römische Vesta ausschließlich Wasser aus einer 
ganz bestimmten Quelle, der der Egeria im 
Haine der Camenen vor der Porta Capena 
(Hälsen-Jordun, Topogr. 1, 8 S. 208 ff), aus der 
es die Vestalinnen in älterer Zeit taglich selbst 
herbeiholen mußten (Plut. Numa 18; daher ist 
die mit dem Kruge Wasser holende Vestalin 
eine ganz geläufige Vorstellung, z. B. Prop. 4, 
4, 15f.; X»'». 1,11,6; Dion. Hai 1,77, 1; Ovid. 
fast. 8, 11 ff. u. a.), während man sich später 
wohl die Sache leichter machte, indem man 
sich mit einem Vorrate solchen Wassers auf 
etwas längere Zeit versorgte, ohne sich daran 
zu stoßen, daß solches Wasser sicher keine 
aqua iugis im Sinne der Vorschrift war: wenig- 
stens ist es eine sehr ansprechende Vermutung 
von Jordan (a. a. 0. S. 68), daß ein im Hause 
der Vestalinnen aufgefundenes Bassin, das da- 
durch auffallt, daß es nicht mit der Wasser- 
leitung in Verbindung steht, zur Aufbewah- 
rung eines solchen Vorrats von Wasser aus 
dem Quell der Egeria gedient habe. Das alte 
Ritual schrieb vor, daß das Wasser auf dem 
Wege von der Quelle zum Heiligtume nicht 
auf die Erde gesetzt werden durfte, man be- 
diente sich deshalb zu diesem Zwecke eines 
Gefäßes von besonderer Form (mit breiter Öff- 
nung und schmalem Boden), futtile genannt, 
das ein Hinstellen nicht gestattete, sondern so- 
fort umkippte (futtile vas quoddum est lato ore 
fundo angusto, quo utebantur in saeris Vestae, 
quia aqua ad Sacra Vestae hausta in terra non 
ponitur, quod si fiat piacuhtm est; unde exeogi- 



tatum van est, quod stare non passet, sed posi- 
tum statim effunderetur , Serv. Aen. 11, 889 = 
Schol. SM. Theb. 8, 297; vgl. Donat. Andr. 609 ; 
Phorm. 746). 

Das Tempelgerät bestand noch am Anfange 
der Kaiserzeit ausschließlich aus Tongefäßen 
(Vol. Max. 4,4, 11 aeternos Vestae foeos fictäi- 
bus etiam nunc vasis contentos; ständig in der 
Poesie, z. B. Prop. 4, 4, 16; Ovid. fast. 8, 14; 
so Fers. 2, 60 m. Schol.) von großer Einfachheit 
der Herstellung (Jordan a. a. O. S. 87) und 
Altertümlichkeit der Form (Porph. zu Hör. c. 
1, 81, 11 proprie autem culilae calices sunt qui- 
dam fictiles, quibus pontifices virginesque Vesta- 
les in saeris utuntur); mit Rücksicht auf diese 
altfränkische Dürftigkeit der Ausstattung heißt 
Vesta pauper (Prop. 4, 1, 21). 

Von eigentlichen Opferhandlungen im Tem- 
pel ist nichts überliefert, es handelte sich da- 
40 bei jedenfalls in erster Linie um unblutige 
Opfergaben, die in die Flamme des Herdes 
geworfen wurden; von einem Altar für Tier- 
opfer ist nicht die Rede (an Stellen wie Lucan. 
1, 649 oder Auson. grat. act. 14 p. 370, 804 Peip. 
ist mit -ara natürlich der Herd gemeint; aus 
Vitruv. 4, 9 Vestae Terrae Matrique humiles 
[seil, arae] conlocentur ist für römische Verhält- 
nisse nichts zu gewinnen) doch zeigen die 
Münzbilder des Tempels (über sie vgl. H. Dres- 
50 sei, Zeitschr. f. Numism. 22 [1899], S. 20 ff.) vor 
Beiner Tür einen doch wohl für Tieropfer be- 
stimmten runden Altar (Jordan 8. 18). Durch 
welche sakralen Handlungen beim Tempel das 
in der ältesten Jahrestafel am 9. Juni verzeich- 
nete FeBt der Vestalia (Varro de l. I. 6, 17) be- 
gangen wurde, ist nicht bekannt, wir wissen 
nur, daß in den Tagen um das Fest (7.— 16. Juni), 
die darum als dies religiosi galten, der Tempel 
eine große Reinigung erfuhr und während die- 
60 ser Tage den Frauen geöffnet war (Fest. p. 296, 
18 = 250 3f., s. oben Abschn. IV), die mit 
bloßen Füßen zu ihm zogen (Ovid. fast. 6, 897). 
Viel mehr erzählen unsere Quellen von der 
volkstümlichen Feier dieses Tages, bei der 
allenthalben die Mühlen, die das Mehl für das 
tägliche Brot herstellten, bekränzt und die die 
Mühle drehenden Esel mit Blumengewinden 
und auf Schnüre aufgereihten Broten behängt 



257 Vesta "Vesta 258 

wurden (Ovid. fast. 6, 311 ff. 347 f.; Prop. 4,1, durchkreuzten. In den öffentlichen Gebeten 
91; Lact. inst. 1,21, 26; Lyd. de mens. 4, 94) für das Wohl des Staate« und spater des Kai- 
und allgemeine Fröhlichkeit herrschte, an der sers hat Vesta kaum gefehlt, da man in ihr 
sich besonders auch die Zunft der Bäoker (s. die machtigste Beschützerin der heimischen 
oben Abschn. III) beteiligte, die dieses Fest als Interessen (daher 'Eaxlu naxoäa in einer stadt- 
das ihrige betrachtete {Lyd. a. a. 0.); zwei römischen Inschrift IG 14, 980 = IG R 1,67) sah. 
pompejanische Erotenbilder, welche diese Fest- Von Kultverbindungen mit anderen Gött- 
lichkeit darstellen (0. Jahn, Über Darstellungen heiten scheint, abgesehen von dem in der Na- 
des Handwerks und Handelsverkehrs auf anti- tur des ganzen Gottesdienstes liegenden engen 
ken Wandgemälden, Abhandl. d. sächs. Gesellsch. 10 Zusammenhange mit den Penaten (s. Abschn. III 
d. Wissensch. 5, 1868, Taf. 6,4, S. 314f. ; A. Mau, und IV) und später auch den sonstigen Herd- 
Söm. Mitteü. 11 [1906], S. 80), zeigen, welcher gottheiten (z. B. in der Mainzer Altarinschrift 
Popularität sich dieselbe in weiten Kreisen er- CIL 18, 6709 numinib(us) Äug(ustis) I(ovi) o(p- 
freute. Einen anderen Festtag der Vesta yon timo) in(aximo) Fortunae Vestae D ... Laribua 
älterer Herkunft kennen wir nicht. Denn wenn Penatibus L. Salbtstius hospes v. s. I. m.), alt 
Cassius Hemina (frg. 19 Peter) bei Appian. GM. nur die mit Ianus {luven. 6, 886 et farre et vino 
6 während der Belagerung der Burg durch die Ianum Vestamgue rogabat), die sich noch spä- 
Gallier einen Priester (Fabius) Dorsuo in die ter in gewissen, in ihrem Sinne unverständlich 
Stadt hinabsteigen läßt ixl irfaiov tri th><* gewordenen Beziehungen der Vestalinnen zum 
Uoovoylav is xav ri)s 'Eexiag veäv otaUav xa so Ianuspriester, dem Rex sacrorum, äußerte (Sero. 
hgit äiic x&v »olsjiirov eiexa&äg, so nennen die Aen. 10, 228 virgines Vestales certa die ibant ad 
übrigen Quellen {v. Münzer, Realenzykl. 6, 1768) regem sacrorum et dicebant: vigilasne rex? vi- 
statt des Opfers an Vesta vielmehr ein Opfer gila!). Dagegen hat Vesta von Hans auszuVol- 
des Fabischen Geschlechts auf dem Quirinal, canus, der im altrömischen Kultus ausschließ- 
und das ist die bessere Überlieferung. licl1 der Vertreter der zerstörenden und schäd- 
Aber auch außerhalb des eigentlichen Tem- liehen Gewalt des Feuers ist, keine Beziehungen, 
peldienstes spielt Vesta in der öffentlichen Re- Wenn bei dem Zwölfgötterlectisternium des 
ligionsübung des Staates eine bedeutende Rolle. J. 687 = 217 (Liv. 22,.10, 9) Volcanus und Vesta 
Die schon erwähnte (s. Abschn. III) Ritualvor- das fünfte der sechs Polster einnehmen (vgl. 
schrift, nach welcher sie bei allen Gebeten und so auch das pompejanische Wandgemälde Heibig 
Opfern den letzten Platz (wie Ianus den ersten) nr. 68 ; bei Ennius ann. 62 Vahl. ' sind die Paare 
einzunehmen hat {Cic. de nat. deor. 2,67 itaque auseinandergerissen und die Gottheiten, nach 
in ea dea..omnis et precatio et sacrificatio ex- dem Geschlechte geschieden, in willkürlicher 
trema est; vgl Serv. Aen. 1, 292), ist noch in Reihenfolge aufgeführt), so ist diese Paarung, 
der Kaiserzeit bei dem sog. lustrum missum der wie alle Gruppierungen dieser Feier, die grie- 
Arvalbruderschaft in Kraft, wo die feste Reihe chische, also Hephaistos und Hestia. Die Vor- 
der Gottheiten, welche an arae temporales Opfer bindung beider Gottheiten im metonymischen 
erhalten, regelmäßig durch Vesta abgeschlossen Sinne Moret.bl dumque suas peragit Volcanus 
wird {Henzen, Acta fratr. ArvaliumS.W! ; vgl. Vestaque partes erklärt sich von selbst. Be- 
Wissowa, Hermes 52 [19171, S.824ff.), und wirkt «merkenswerter ist es, daß wir dasselbe Paar in 
auch darin nach, daß bei einer an eine Reihe der Kaiserzeit im römischen Gallien wieder- 
von Göttern gerichteten Anrufung, nicht nur finden, wo ein Provinzialpriester in Agedincum, 
im Kulte, sondern auch in der Poesie, Vesta dem heutigen Sens {CIL 13,2940 — Dessau 
fast immer den letzten Platz erhält, z. B. Cic. 7050) und in Lugudunum {CIL 13, 1676) Tem- 
de domo 144 te Capitoline . . . teque Iuno Regina pel weiht Mart(i) Volk(ano) et deae sanetifs]- 
et te custos urbis Minerva . . . precor atque quaeso s(imae) Vestae (nr. 2940) oder [Augusto deo 
vosque . . . patrii penates familiaresque . . . vo? Marti], Augustae deae Vestae, Augusto deo Vol- 
obtestor ... teque Vesta mater; Verg. Georg. 1, kano (nr. 1676): da Volcanus (s. d. Art.) hier 
497 di patrii indigetes et Romule Vestaque ma- jedenfalls einen gallischen Gott bezeichnet, so 
ter; Ovid. fast. 4, 827 f. condenti, Iappiter, ur- so ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch Vesta 
lern et genitor Mavors Vestaque mater ades; als interpretatio Romana einer einheimischen 
Vell. Paterc. 2, 131,1 Iuppiter Capitoline et auc- Kultgenossin dieses Gottes aufzufassen, wofür 
tor ac Stator Romani nominis Gradive Mars auch die vor dem Namen stehende Bezeichnung 
perpetuorumque custos Vesta ignium; ans dem- deae spricht, die bei römischen Gottheiten ver- 
selben Grunde hatte Varro unter den di selecti, mieden wird (vgl. Ch. Robert, Epigraphie de la 
denen er im 16. Buche der antiqu. rer. divin. Moselle 1, 67 f.; A.Riese, Westdeutsche Zeitschr. 
eine ausführliche Untersuchung widmete {Au- 17 [1898], S. 15ff.). Aus diesem letzteren Grunde 
gustin. c. d. 7, 2), Vesta die letzte Stelle ange- muß man auch bei der in Vetera (Xanten) ge- 
wiesen. Wo im Kultus Abweichungen von die- fundenen Statuenbasis mit der Inschrift deae 
ser Norm vorkommen, z. B. bei den Gelübden so Veste {CIL 18, 8642) an eine einheimische Göt- 
der Arvalbrüder bei Traians Auszuge zum tin denken. 

ersten Dakerkriege im J. 101 {CIL 6, 2074 = Sonst sind Weihungen an Vesta in den Pro- 
Dessau 5035), wo Vesta zwar hinter Iuppiter, vinzen sehr spärlich (/. Toutain, Les eultes 
Iuno, Minerva und sechs weiteren Gottheiten die paiens de Vempire Romain 1, 247), drei aus Spa- 
Reihe beschließt, auf Bie aber gewissermaßen nien {CIL 2, 1166 — Dessau 3318 aus Hispalis, 
nachtragsweise noch Neptunus und Hercules CIL 2, 3378 aus Mentesa, Dessau 9512 aus Lusi- 
Viktor folgen, müssen besondere Rücksichten tanien), je eine aus Germania inferior {CIL 
obgewaltet haben, welche die allgemeine Regel 13, 8729 aus Noviomagus, von einem mag(ister) 

Roschxb, Lexikon der gr. u. röm. Mjthol. VI. 9 



259 Vesta Vesta 260 

fig(ulorum) und aus Afrika (Cagnat-Besnier, Stellen (fast. 3, 699. 5, 673) den Pontifex maxi- 

l'annee epigraph. 1912, nr. 145 aus Thuburbo mus als sacerdos Vestae bezeichnet, so trifft er 

maius). Aber auch die Zahl der in Rom und damit ganz das Richtige, wie sowohl aus seiner 

Italien zu Tage gekommenen Inschriften ist sogleich zu besprechenden rechtlichen Stellung 

klein, was nicht Wunder nehmen kann, wenn zu den Priesterinnen der Göttin (de deorum 

man bedenkt, daß einer Göttin, die jeder tag- penatium Vestaeque matris caerimoniis beraten 

lieh am Herde seines Hauses verehrte, offizielle die Pontifices bei Cicero de har. resp. 12) wie 

Steindenkmäler zu setzen wenig Gelegenheit aus dem Umstände hervorgeht, daß in der alten 

war. Erwähnung verdienen aber die Weinungen Rangordnung der zum Pontiflkalkollegium ge- 
eines fictor (wahrscheinlich virginum Vestalium, 10 hörigen Priester (ordo saceidotum, Fest. p. 198, 

s. unten Abschn. VI) für das Wohlergehen des itLinds. = 185 M.; Wissowa, Religion u. Kul- 

KaisersCaracalla(.H*<ken,.K"fto2 [1902], S. 237 f. tus" S. 2S) der Pontifex den in der Reihe der 

nr. 10 = Cagnat-Besnier 1900 nr. 6) und seiner vertretenen Gottheiten der Vesta zukommenden 

Mutter Iulia Domna (CIL 6, 786 = Dessau 3314), (letzten) Platz einnimmt; aus demselben Grunde 

die oben (Absehn. III) erwähnten Weihungen verzeichnet der Pestkalender von Cumae (CIL 10, 

der römischen Bäcker C. Pupius Firminus (CIL 8376 = Dessau 108) an dem Tage der Über- 

6, 787. 30832 = Dessau 3313; vgl. CIL 6, 1002 nähme des Oberpontifikates durch Augustus 

= Dessau 7269) und P. Cornelius Trophimus (6. März 742 = 12) eine supplicatio Vestae dis 

(CIL 14, 2218 = Dessau 3243) und allenfalls publicis penatibus p. R. Q. (vgl. Ooid. fast. 3,417) 
noch in die hinter dem Vatikan gefundene In- so und tragen zu der Zeit, als Aurelian eine neue 

schrift Dessau 9262 ex preeepto fVJeste deabus Priesterschaft von pontifices Solis ins Leben 

Nymfabus sacerdos loci L. Septimius Cassianus gerufen hat, die alten Pontifices den Namen 

eis voto fecit. pontifices Vestae. Daß der Pontifex maximus 

Wenn eine stadtrömische Inschrift (CIL 6, in dieser Stellung zum Vestakulte an die Stelle 

788 = Dessau 3315) Vestae . . . antistiti praedio- des Königs getreten ist, geht aus der Bezeich- 

rum Helvidianorum gewidmet ist, so sieht man nung seines (unmittelbar neben dem Vestatem- 

daraus, daß man sich gewöhnt hatte, auch pel gelegenen) Amtshauses als Regia (oben 

größere, mehr als ein Haus umfassende Koin- Abschn. IV) hervor. Da aber auch im Privat- 

plexe als zu einem und demselben Herdfeuer hause die Sorge für die Reinhaltung des Her- 
gehörig und daher unter dem Schutze der die- so des und die Unterhaltung des Feuers Sache 

ses Herdfeuer darstellenden Vesta stehend an- der Hausfrau ist (oben Abschn. IU), so werden 

zusehen. Das war der Weg, auf dem man zu wir uns auch am Staatsherde der Königszeit 

der Vorstellung von dem allen Angehörigen vor allem die Königin waltend denken, und es 

der Gemeinde gemeinsamen Staatsherde ge- entspricht ganz dieser Vorstellung, wenn wir 

langte. Ihre letzte Entfaltung hat diese An- nach dem Sturze der Monarchie an dieser Stelle 

schauung erfahren durch die Bildung des Be- ein weibliches Priestertum, das einzige der 

§riffes einer Vesta deorum dearumque, der aller- altrömischen Priesterordnung, finden. Obwohl 

ings bis auf ein einziges Zeugnis verschollen es sich um die priesterliche Vertretung der 

ist. Am Ende der langen Reihe der beim lu- einen Hausfrau handelt, hat man an ihre Stelle 

strum missum der Arvalbrüder mit Opfern be- 40 eine aus mehreren Personen bestehende Prie- 

dachten Gottheiten stehen in einem Falle (CIL sterschaft setzen müssen , weil hier nicht nur 

6, 2107 = Dessau 6048 vom J. 224) nebenein- einzelne Kulthandlungen zu verrichten waren 

ander Vesta mater und VesftaJ deor(um) dea- (wie man sie z. B. den Gattinnen des Rex sa- 

r(um)q(ue), jede mit dem gleichen Opfer von croruni und des Flamen Dialis übertrug), son- 

zwei Schafen, während in einem anderen Falle dem ein unausgesetzter und anstrengender 

(CIL 6, 2099 = Dessau 5047 vom J. 183) an Dienst zu versehen war, der die Möglichkeit 

derselben Stelle Vesta und Vesta mater, in einem der Arbeitsteilung und Ablösung verlangte: 

dritten (Hermes 52 [1917], S. 324f. vom J. 240) mit Recht gibt daher Cicero (de leg. 2, 29; vgl. 

nur Vesta mater aufgeführt wird (in einem vier- dazu Wissoaa, Hermes 32 [1897], S. 311 f.) als 
ten Falle, Klio 2 [1902], S. 277 aus unbestimm- 50 Grund für die Einsetzung einer Mehrzahl von 

tem Jahre, ist die betreffende Stelle zerstört). Vestapriesterinnen an: ut advigiletur f "acutus 

Da die Nebeneinanderstellung von Vesta und ad custodiam ignis. 

Vesta mater mit selbständigen Opfern sicher Aber während von der Regina sacrorum 
fehlerhaft und aus Mißverständnis der Unter- und der Flaminica nur verlangt wird, daß sie 
Scheidung von Vesta mater und Vesta deorum univiriae seien, d. h. mit ihrem Gatten in erster 
dearumque entstanden ist (die letztere Bezeich- (und zwar confarreierter) Ehe leben (Wissowa, 
nung ist, weil unverstanden, in dem dritten Religion u. Kultus' S. 606, 5), wird an die Vesta- 
Falle einfach weggelassen worden), ist die Vesta linnen die Forderung der Jungfräulichkeit ge- 
deorum dearumque offenbar ursprünglich und stellt (Plut. Numa 9 ; Ovid. fast. 6, 283 ff.; Pru- 
sehr alt; sie zeigt, daß die Römer die Vor- 60 dent. c. Symm. 2, 1064ff. u. a.), d. h. sie haben 
Stellung von der sakralen Bedeutung des Haus- während der ganzen Dauer ihrer Priesterschaft 
herdes weitergebildet haben nicht nur zu der absolute geschlechtliche Enthaltsamkeit zu 
des Staatsherdes, sondern noch weiter zu der üben, und auf diese Forderung wird so großer 
eines Herdes der Gesamtheit der Götter und Wert gelegt, daß eine Verletzung dieser Keusch- 
Göttinnen, wie sie ja auch von dem Genius heitspflicht nicht nur den Tod der Schuldigen 
und der Iuno (auch von den Penaten) einzelner zur notwendigen Folge hat, sondern auch ein Pro- 
Gottheiten reden. digium der schwersten Art bedeutet (Ztw. 22, 57, 
VI. Die Vestalinnen. Wenn Ovid an zwei 2. 4) und als solches eine besonders wirksame 



261 Vesta Vesta 262 

Prokuration erfordert (s. darüber Wissoua, Ar- Taten zu erweisen, wie Tuccia, die mit einem 
chiv f. Beligionswiss. 22 [1924], S. 201 ff.). Die Siebe Wasser aus dem Tiber schöpft und b« 
schuldige Vestalin wird, nachdem der Pontifex auf das Forum tragt (Dion. Hai. 2, 69; Val. 
maximus mit dem Pontifikalkollegium (s. unten) Max. 8, 1 abs. 6; Plin. n. h. 28, 12; Augustm. 
die Schuld festgestellt hat (einmal, im J. 641 c. d 10, 16; Tertull. apolog. 22), und eine Un- 
= 113 findet ein Eingreifen der weltlichen Ge- genannte, die das erloschene Feuer des Herds 
richtsbarkeit statt, Mommsen, Strafrecht S. 197), durch Auflegen ihres Schleiers wieder zum Auf- 
auf einer Bahre in feierlichem Leichenzuge flammen bringt (Val. Max. 1, 1, 7; Dion. Hai. 
durch die ganze Stadt nach dem innerhalb der 2, 68, 3f.; Prop. 4. 11, 63 f.)- 
Porta Collina gelegenen Campus sceleratus ge- io Die Einsetzung des Priestertums der er- 
führt und in einem dort befindlichen gemauer- gines Vestae schreibt die Überlieferung ebenso 
ten unterirdischen Gemache, das mit einer wie die Gründung des Vestatempels (s. oben 
Lagerstätte, einer brennenden Lampe und einem Abschn. IV) vereinzelt dem Romulus, überwie- 
kleinen Vorrate von Lebensmitteln ausgestattet gend aber dem Numa Pompilius zu (Schwegler, 
ist lebendig begraben {Flut. Numa 10; vgl. Böm. Gesch. 1,644,1), wobei es nicht ins Ge- 
quaest. Born. 96: Dion. Hai 2,67,4; vgl. 8,89,5; wicht fällt, daß dieselbe Überlieferung schon 
Cass. Dio bei .ZoMar. 7,8, 7; Plin. epist. 4,11,6), vor Numa nicht nur von der albanischen Vestalin 
während der Verführer und Mitschuldige vom Ilia-Hhea Silvia, sondern auch von der römi- 
Pontifex maximus auf dem Comitium mit Eu- sehen Vestalin Tarpeia (s. J. Santinelli, Bivista 
ten bis zum Tode gezüchtigt wird (Mommsen 20 di ßlologia 81 [1903], S. 236 ff.) zu erzählen weiß, 
a a 0. S. 919,1); vgl. Gianelli S. 79ff., woS.87, Ob Numa schon die in historischer Zeit fest- 
6 6 die aus der Geschichte bekannten Fälle stehende Sechszahl der Priesterinnen geschaffen 
solcher Vestalinnenfrevel aufgeführt sind. Die oder diese erst durch stufenweise Vermehrung 
Prokuration desProdigiumB aber erfolgt seit dem auch unter Mitwirkung anderer Könige ent- 
J. 626 = 228 durch ein Menschenopter eigener standen sei (nach Plut. Numa 10 setzt Numa 
Art, indem je ein Paar von Galliern und Grie- erst zwei, dann vier Vestalinnen ein; zu vier 
chen (Gallus et Galla, Graecus et Graeca) auf Vestalinnen des Numa werden zwei weitere 
dem Forum Boarium lebendig begraben wer- hinzugefügt durch Tarquinius Priscus nach 
den (C. Cichorius, Böm. Studien S. 12 ff.). Da Dion. Hai. 8, 67, 2, durch Servius Tullius nach 
die altrömische Religion sonst Frauen als Trä- so Plut. a. a. O), darüber waren die Meinungen 
ger der Priesterwürde nicht kennt, läßt Bich geteilt; daß man die sechs Priesterinnen schon 
nicht entscheiden, ob die Forderung der völli- im Altertume mit den drei Doppeltribus der 
gen geschlechtlichen Enthaltsamkeit als allge- Ramnes, Tities, Luceres primi und secundi zu- 
meine gedacht ist (die also an andere Prieste- sammenbrachte, ist eine naheliegende Hvpo- 
rinnen, wenn es Bolche gegeben hätte, auch these, aber auch nicht mehr. Von sieben Vesta- 
gestellt worden wäre) oder ob sie in den be- linnen ist in zwei Zeugnissen aus der zweiten 
sonderen Verhältnissen ihren Grund hat. Wenn Hälfte des vierten Jahrhunderts die Rede (Am- 
F.Fehrle (die kultische Keuschheit S. 215ff.) die bros. epist. 1,18,11; Expositiototiusmundiy. 120 
Keuschheitsforderung damit motiviert, daß die Biese = Z. 445 Lumbroso), ohne daß sich fest- 
Vestalin als die Inkarnation der Göttin Vesta 40 stellen ließe, wann und aus welchem Grunde 
und damit als die Gattin eines Gottes ange- diese Vermehrung der Zahl der Priesterinnen 
sehen worden sei, so bewegt er sich in Vor- vorgenommen worden ist; die zehn Jungfrauen 
Stellungen, die der römischen Religion durch- des Numa bei Lyd. de mens. frg. 6 p. 179, 27 W. 
aus fremd sind. Die Jungfräulichkeit der Prie- beruhen auf Irrtum. Diese sechs Priesterinnen 
sterinnen von der der Göttin abzuleiten, ist bilden nicht ein Kollegium, sondern stellen 
eine naive Umkehrung der Tatsachen , da die eine Einheit dar (daher oft in der Einzahl 
Vorstellung der griechischen Historiker und virgo Vestalis), verkörpert durch die an Lebens- 
der unter griechischem Einflüsse stehenden rö- jähren älteste (quae natu maxima virgost Ovid. 
mischen Dichter (Stellen bei Preuner, Hestia- /ost. 4,639) der Jungfrauen, die virgo Vestalis ma- 
Vesta S. 228, 7) von einer gleich der griechi- 60 xima (Marquardt, Böm. Staatsverw. 3* S. 340, 1), 
sehen Hestia jungfräulichen Vesta sich auf die neben welcher die übrigen eine selbständige 
Jungfräulichkeit ihrer Priesterinnen stützt. Bedeutung nicht besitzen : es ist sehr bezeich- 
Wahrscheinlich liegt der Forderung der Jung- nend, daß die Ehrenstatuen, deren Basen im 
fräulichkeit der Vestalinnen nur der (von FthrU Atrium Vestae gefunden worden sind, ausschheß- 
a. a. 0. S.54ff. nachgewiesene) Glaube zugrunde, lieh solche von Obervestalinnen sind. Daß ur- 
daß Keuschheit Macht verleihe; denn die all- sprünglich die Forderung patrizischer Abkunft 
gemeine Überzeugung des Volkes legt nicht an die Vestalinnen gestellt wurde (vgl. Gianelli 
nur dem Gebete der Vestalinnen eine beson- S. 61 f.), ist eigentlich selbstverständlich, wird 
dere Kraft bei (Cic. pro Font. 46; Horat. c. 1, aber auch dadurch bestätigt, daß die Jungfrau 
2, 26 ff.; Symm. epist. 10, 3, 14 pro Omnibus ef- 60 patrima et matrima sein (Gell. 1, 12, 2), d. h. 
ficacia vota suseipere), sondern schreibt ihnen von noch lebenden, durch konfarreierte Ehe 
auch allein von allen Priestern magische Wnn- miteinander verbundenen (Serv. Georg. 1 , 81) 
derwirkungen zu, wie die Fähigkeit, durch ihr Eltern stammen muß. Doch sind Plebejerinnen 
Gebet flüchtige Sklaven, falls sie das Weich- schon früh, vielleicht schon vor der den Ple- 
bild der Stadt noch nicht verlassen haben, bejern die Priestertüren öffnenden Lex Ogulnia 
aufzuhalten (Plin. n. h. 28,13; vgl. Cass. Dio von 454 = 800 zugelassen worden. Listen der 
48, 19, 4) und gegebenenfalls bei Verdäch- nachweisbaren Vestalinnen für die Zeit der 
tigungen ihre Unschuld durch übernatürliche Republik bei A. Klose, Bömisehe Priesterfasten 1 



263 Vesta Vesta 264 

(Diss. Breslau 1910) S. 32 ff., für die Kaiserzeit Tac. arm. 2, 86), und die Kaiser haben solche 

bei G. Howe, Fasti sacerdotum p. B. publicorum Anerbietungeu durch Zureden (Suet. Aug. 31,8) 

aetatis imperatoriae (Lipaiw 1904) S. 25 f. Wenn oder Gewährung einer Ausstattung (Tac. ann. 

Augustus in einer Zeit großen Mangels an An- 4, 1 6) gefördert. Die bei der captio vom Ponti- 

wärterinnen gegen die ausdrückliche Vorschrift fex maximus zur Anwendung gebrachte Formel 

des Sakralgesetzes (ausgeschlossen ist quae ipsa (Gell. 1, 12, 14): sacerdotem Vestalem, quae Sacra 

aut cuius pater emancipatus sit, etiam si vivo faciat, quae ius siet sacerdotem Vestalem facere 

patre in avi potestate sit; item cuius paren- pro popuio Romano Quiritibus, uti quae optima 

tes alter ambove servitutem servierunt lege fuit, ita te, amata, capio ist in ihren letz- 

aut in negotiis sordidis versantur Gell. 1, 12, 4) 10 ten Worten deutlich der Ausdruck der Besitz- 

auch Töchter von Freigelassenen zuließ (Cass. ergreifung der Braut durch den Bräutigam, 

Bio 65, 22, 6) , so war das nur eine vorüber- und wenn man dazunimmt, daß die Amtstracbt 

gehende Ausnahmsmaßregel. Daß die Aufnahme der Vestalinnen, die uns durch die im Atrium 

in die Priesterschaft schon zwischen dem 6. und Vestae gefundenen Statuen von Obervestalinnen 

10. Lebensjahre erfolgte (Gell. 1, 12, 1 ; Soiom. und andere Denkmäler (vgl. namentlich die von 

hist. eccl. 1, 9; Prudent. c. Symm. 2, 1066) und E. Samter, Böm. Mitteil. 9 [1894], S. 125 ff. be- 

die Vestalin nach dreißigjähriger Dienstzeit handelten Reliefs) in allen Stücken bekannt 

austreten und dann auch heiraten konnte (Gell. ist, unverkennbar nichts anderes ist als die 

7,7,4; Dion. Hai. 2,67, 2; Plut. Numa 10 u. a.) Hochzeitstracht der römischen Frau (H. Dra- 

— eine Möglichkeit, von der tatsächlich selten so gendorff, Bhein. Mus. 51 [1896], 281ff), so er- 

oder nie Gebrauch gemacht wurde — , sind von gibt sich daraus mit Sicherheit, daß die Vesta- 

den allgemeinen Grundsätzen der römischen lin — nicht sowohl die einzelne, als vielmehr 

Priesterordnung abweichende Bestimmungen, die durch die sechs Priesterinnen dargestellte 

deren Gründe in den besonderen Verhältnissen Idealperson — als die Gattin und Hausfrau 

des Vestadienstes liegen. Wenn die Überliefe- des Pontifex maximus aufgefaßt ist (J. Santi- 

rung angibt, daß die dreißigjährige Dienstzeit nelli, Bivista dl 'ßlologia 32 [1904], S. 63 ff.). Aus 

in drei Abschnitte von je zehn Jahren zerfallen der eheherrlichen Gewalt erklärt sich auch das 

sei, in denen die Priesterinnen den Dienst erst Disziplinarstrafrecht, das der Pontifex maximus 

zu lernen, dann auszuüben, schließlich zu leh- bei Verfehlungen über die Vestalinnen ausübt: 

ren gehabt habe (Dion. Hai. u. Plut. aa. OO. ; so die nachlässige Priesterin, durch deren Schuld 

Plut. an seni ger. resp. 24 ; Seneca de otio sap. das heilige Feuer erloschen ist, züchtigt er per- 

2,2), so hat Jordan (Tempel der Vesta S. 60 f.) sönlich durch Rutenstreiche (Paul. p. 94, 1 Linds. 

ganz gewiß recht, wenn er eine solche Ordnung = 106 M. ; Seneca contr. 1, 2, 10 ; Plut. Numa 10 ; 

für praktisch undurchfürbar erklärt; läßt man Dion. Hai. 2, 67, 3; ungenau Liv. 28, 11, 6 und 

aber die schematische Bemessung eines jeden Obsequ. 8 [62] iussu pontificis), bei Verletzungen 

dieser Abschnitte auf zehn Jahre fallen, so ist der Keuschheitspflicht sitzt er über die Ange- 

im übrigen eine solche Stufenfolge durch die schuldigte zu Gericht, indem er das ganze Pön- 

Natui- der Sache gegeben und direkt bezeugt, tiflkalkollegium als consilium heranzieht (z. B. 

wenn in Ehreninschriften von Vestales maxi- Liv. 4, 44, 12; Ascon. p. 39 f. St.; Plin. episl. 4, 

mae gerühmt wird, daß sie ihren Dienst per 40 11,6). 

omnes gradus sacerdotii in rühmenswerter Weise Daß bei den Vestalinnen wie bei den an- 
geführt hätten (CIL 6, 32414 = Dessau 4930; deren Priestern eine Inauguration der neu be- 
vgl. CIL 6, 2135 = Dessau 4934); F. Manier, stellten Priesterin stattgefunden habe, hat man 
Bom.Adelsparteienu.Adelsfamilienl9iOS. 176,1. aus der bezeugten Vollziehung einer Exaugu- 
Die Ergänzung der Priesterschaft im Falle ration beim Austritt aus der Priesterschaft 
der Erledigung einer Stelle erfolgt ursprünglich (Fest. p. 277, 15 Linds. = 241 M.; Gell. 7, 7, 4) 
in der Weise (Gell. 1,12 nach den Schriften römi- geschlossen; daß es aber eine Inauguration hier 
scher Juristen), daß der Pontifex maximus aus nicht gab , geht aus der juristisch exakt ge- 
iler Gesamtzahl derjenigen Mädchen, welche die faßten Aussage des Gaius 1, 180 =■ XJlp. reg. 10, 6 
nach dem Sakralgesetze erforderlichen Eigen- so hervor, durch welche die inauguratio des Flamen 
schatten (zu denen auch die Freiheit von kör- Dialis in bezug auf ihre Rechtsfolgen der captio 
perlichen Gebrechen gehört, Gell. 1,12,3; Fronto (nicht der inauguratio) der Vestalin gleichge- 
p. Ii9 Nab.) besitzen, nach Gutdünken eine stellt wird: praeterea exeuni liberi virilis sexus 
greift (capit), wogegen, sofern nicht bestimmte, de parentis potestate, si fiamines Diales inau- 
durch das Gesetz festgelegte Excusationsgründe gurentur, et feminini sexus, si virgines Vestales 
vorliegen, die Eltern Einwendungen nicht er- capiantur. Durch die captio schied also die 
heben dürfen. Später war durch eine Lex Papia Vestalin aus der väterlichen Gewalt aus, um 
unbekannter Zeit eine Änderung darin getroffen in die des Pontifex maximus zu treten , das 
worden, daß der Pontifex maximus eine Liste Intestaterbrecht der Familie kommt daher für 
von 20 geeigneten Anwärterinnen aufstellte, 60 sie im aktiven wie im passiven Sinne in Weg- 
aus der durch Losung vor einer contio (in der fall (Gell. 1,12,18); sie wird in das Atrium 
Kaiserzeit vor dem Senat, Cass. Dio 55, 22, 5) Vestae geführt (Gell. 1, 12, 9 virgo autem Vesta- 
eine ausgewählt wurde, an der dann der Pon- Iw simul est capta atque in atrium Vestae de- 
tifex maximus die captio vollzog; doch wurde ducta et pontificibus tradita est, eo statim tem- 
in der Kaiserzeit von der Lex Papia nur in- pore sine emancipatione ac sine capitis minu- 
soweit Gebrauch gemacht, als nicht durch frei- tione e patris potestate exit et ius testamenti 
williges Anerbieten der Eltern die geeigneten faciendi adipiscitur) , um dort während der 
Personen gestellt wurden (Gell. 1,12,12; vgl. ganzen Zeit ihres Priestertums in einer ur- 



265 Vesta Vesta 266 

sprünelich wohl recht strengen, spater freieren Danksagungen auf den Inschriften der den 
Klausur (Jordan a. a. 0. S. 66 ff., dagegen Gia- Obervestalinnen gesetzten Ehrenstatuen (i ;. B. 
nelli a a 0. S. 82 ff.) zu leben (der Zutritt zum CIL 6, 2181f. = Dessau 49284.). Ihre Fürbitte, 
Atrium Vestae steht am Tage jedermann offen, die nicht wohl zurückgewiesen werden kann, 
zur Nachtzeit darf kein Mann das Haus be- wird in politisch bewegter Zeit häufig in An- 
treten, Dion. Hai 2,67,1; in Krankheitsfällen spruch genommen (z.B. Cic. pro Font 46; buet. 
werden die Vestalinnen außerhalb des Hauses Caes. 1,2; Tac. ann. 11, 82), Gesandtschaften 
römischen Matronen in Pflege gegeben, Plin. erhalten durch ihre Begleitung eine erhöhte 
evist 7 19 2)- ihr Haar mußte die Priesterin Würde und Sicherheit (z. B. Gas«. Vio 66,18, i; 
beim Eintritte abscheren, man pflegte es an 10 Tac. hist. 8,67; vgl. auch die Begrüßung des 
einem bestimmten Lotosbaume, der davon ca- Octavian durch Mutter und Schwester im J. 711 
pillata hieß, anfzuhängen (Plin. n. h. 16,285; = 43 iv %ä rfis'EerUf i«e<5 [d. h. offenbar im 
Paul p 60, 12 Linda. — 67 M.). Atrium Vestae] petü x&v uemv na e »tvmv, Ap- 

Zahlreich sind die den Vestalinnen zustehen- pian. b.c. 3, 92, 380). Ihr Haus bot den denkbar 
den Ehrenrechte. Sie allein von allen Priestern größten Schutz gegen jede Art von Gefährdung, 
haben Anspruch auf eine Grabstatte innerhalb daher wurden bei den Vestalinnen lestamente 
der Stadt (Serv. Am. 11,206; vgl. I. Santinelli, (Sueton. Caes. 88, 1; August. 101, 1; Tac. ann. 
Sivista difilologia 38 [1906], S.476ff.\ mit nur 1,8; Flut. Anton. 68,6) und andere wichtige 
wenigen anderen Priestern teilen sie das An- Urkunden (Cass. Vio 48, 37, 1; Apptan. b. c. 6, 
recht auf die Führung eines Liktors (Plut. Numa 80 78, 308) deponiert. Ihrer Kasse, die eine geaon- 
10- Cass Bio 47, 19, 4; Seneca contr. 1, 2, 3) und dert verwaltete Abteilung der arca pontiftcum 
auf den Gebrauch deB Wagens zu amtlichen gewesen zu sein scheint (Mommsen, Staatsr. 2 , 
Fahrten innerhalb der Stadt (Lex Iulia muni- S. 70, 8), fällt ein Teil der Gräberbußen zu 
cipalis CIL 1», 693 = Dessau 6086, Z. 62; Tac. (Mommsen a. a. 0. 70, 7 ; Strafr. S. 818, 9), .auch 
ann 12 42 • Prud. c. Symm. 2, 1088f.); natürlich Legate werden ihnen vermacht (Sueton. lib. <6). 
kommt' ihnen wie allen Priestern auch der Die amtliche Tätigkeit der Vestalinnen hat 
Ehrensitz bei den öffentlichen Spielen (Nero ihren Mittelpunkt in dem Dienste im Tempel 
lud sie auch zu den Athletenvorführungen ein, und im Hause. Außer der Unterhaltung des 
Suet Nero 12, 4) zu (Mommsen, Köm. Staatsrecht Feuers (ttrginesque Vistales in urbe custodtunto 
V S 406 6- Uoiutg 'Eariae ' Fnualav , Sessel- so ignem foci publici sempitei num, Ctc. aeto. 2,20) 
in'schriften vom athenischen Dionysostheater, und der Reinhaltung des Herdes und Tempels, 
IG 3 2 nr 822 865), und Frauen deB kaiserlichen wovon in Abschn. V geredet wurde, gehört da- 
HauBes erhalten zuweilen als besondere Aus- zu auch die hausfrauliche Fürsorge lür Her- 
zeichnung den Platz unter den Vestalinnen (Tac. Stellung und Aufbewahrung der Vorräte, die 
ann 4 16- Cass. Dio 69,3,4). Auf dem Gebiete am Staatsherde nicht, wie im Pnvathause, aus 
deB Rechts sind sie vor den übrigen Frauen Lebensmitteln bestehen, sondern aus dem Be- 
ausgezeichnet durch die Befreiung von der darfe an allerlei Stoffen für den staatlichen 
Tutel (Gaius 1, 145; Plut. Numa 10) und durch Opferdienst. So empfingen die Vestalinnen in 
das Recht Zeugnis abzulegen und über ihr den Tagen vom 7.— 14. Mai die Speltähren der 
Eigentum testamentarisch zu verfügen (Gell. 7, 40 neuen Ernte, welche sie dörrten , zerstampften 
7 2 1 12 9; Tac. ann. 2,34; Plut. a. a. 0.) so- und mahlten, um aus dem so gewonnenen Mehl 
wie später durch alle Bevorrechtigungen, die an drei bestimmten Tagen des Jahres (Luper- 
mit dem Dreikinderrecht verbunden waren calia, Vestalia und Idus des September) durch 
(Cass. Dio 66,10,2; Plut. a. a. 0.). Zur Eides- Zusatz von Salz das Opferschrot (mola Salsa) 
leistung können die Vestalinnen von der weit- zu bereiten (Serv. Ecl. 8, 82; vgl. Paul. p. 57,1 
liehen Behörde nicht gezwungen werden (Gell. Linda. — 65 M .) ; dieses sowie die zu seiner Her- 
10 16 31; über den Sinn dieser Bestimmung Btellungverwendete, aus gestoßenem, geröstetem 
vgl K Latte, Heiliges Recht , Tübingen 1920, undinWassergelöstemSalzebestehendeSalzlake 
S 37 26) doch sind sie eidesfähig (die Begeg- (muries) wurden in Tongefäßen (seriae) im pe- 
nung einer Vestalin rettet dem zur Hinrich- 50 nusexterior des Vestatempels(s.obenAbschn.IV) 
tung Geführten das Leben, falls die Priesterin aufbewahrt (Fest p. 162, 5 Linda. = 168 M.; 
beschwört, daß die Begegnung eine zufällige Varro bei Nonius p. 330, 17 Linda. = 223 ^f); 
war Plut a a. 0.), schwören aber nur bei Vesta Ebendaselbst wurde jedenfalls auch das Blut 
(Seneca contr. 6, 8, 1). Die spätere Zeit sieht des Oktoberrosses (Ooid. fast. 4, 783; > Fr °P- ,f 
die Vestalinnen geradezu als über den Gesetzen 1, 20) und die Asche der am Feste der Fordi- 
Btehend an (Serv. Arn. 11, 206 virgines Vestae eidia aus den geopferten Kühen herausgeschnit- 

leqibuanontenentur; vgl. Hiat.aug. Valeriani tenen und verbrannten ungeborenen Kälber 
duo 6,6). Die ehrfürchtige Scheu, die jeder- (Ovid. fast. 4, B87 ff.) verwahrt, welche zusammen 
mann ihrer Heiligkeit entgegenbringt, sichert mit Bohnenstroh von den Vestalinnen am teste 
sie nicht nur vor jeder Kränkung, sondern ge- «o der Parilia als Sühnmittel (suffimenta) verteilt 
währt ihnen überhaupt eine Ausnahmestellung, wurden (Ovid. fast 4,78lff.). Auch wo dieVesta- 
so daß sie unter Umständen auch in weltlichen linnen außerhalb des Dienstes ihrer eigenen 
Dingen ihre Autorität selbst gegen die des Göttin in Wirksamkeit treten, ist oft noch ihre 
Volkstribunen mit Erfolg einzusetzen imstande Eigenschaft als priesterliche Vertreterinnen der 
sind (Cic. pro Cael. 34; Val. Max. 5,4, 6; Sue- idealen Hausfrau des römischen Staates zu er- 
tön. Tib. 2,4); wie erfolgreich in der Kaiserzeit kennen. Am deutlichsten tritt das hervor bei 
ihre Empfehlungen bei der Bewerbung um bür- ihrer Beteiligung an dem seit dem 3. Jahrh. 
gerliche und militärische Ämter waren, zeigen v. Chr. rezipierten griechischen Kulte der Bona 



267 Vesta Vesta 268 

Dea: die Aufsicht über diesen Gottesdienst Anrufungen ihrer Gebete nicht auf den alt- 
führen ebenso wie über den der Vesta die Ponti- römischen Götterkreis beschränkt: namque vir- 
fices (Cic. de har. resp. 12), da aber das Nacht- gines Vestales ita indigitant: Apollo Medice, 
fest der Göttin, das alljährlich zu Anfang De- Apollo Paean (Macrob. Sat. 1, 17, 16). Mit dem 
zember stattfand, ein ausschließliches Frauen- Totendienste verbunden finden wir sie bei der 
fest der römischen Matronen war, von dem Feier der Farentalia im Februar, wo der Ka- 
Männer strengstens ferngehalten wurden, konnte lender des Fhilocalus zum 13. notiert : virgo 
die Vorstandschaft desselben nur in den Hän- Vesta(lis) parentat. Wenn ein auf dem Forum 
den der Vestalinnen liegen, welche den Staat vor dem Saturntempel emporgewachsener Fei- 
dabei ebenso im geistlichen Sinne vertreten, 10 genbaum, der das dort stehende Bild des Silva- 
wie die Frau des Magistrates cum imperio, in nus umzustürzen droht, entfernt wird sacro a 
dessen Hause die Feier begangen wird, im Vestalibus facto (Plin. n. h. 16, 77) und bei der 
weltlichen (Cic. de har. resp. 87; ad AU. 1,13,8; Wiederherstellung deBKapitols nach dem Brande 
Ascon. p. 42St ; Schol. Bob. p. SbSt.; Plut. Cic. des J. 69 n. Chr. die Vestalinnen den Platz cum 
19,6. 20, 2; Cass. Dio 87,35,4; vgl. Wissowa, pueris puellisque patrimis matrimisque aqua e 
Religion u. Kultus 1 S. 217). Als Führerinnen fontibus amnibusque hausta perluere (Tac. hist. 
der römischen Matronen kann man sich die 4, 63) , so sind das Lustrationshandlungen, an 
Vestalinnen auch denken, wenn sie beim Ein- denen die Vestalinnen ebenso mitwirken wie an 
zuge des Oktavian nach der Schlacht bei Ak- der Reinigungsfeier der Parilien. Auf Bezie- 
tium dem Sieger zusammen mit Senat und so hungen der Vestalinnen zu den Auguren end- 
Volk und den Frauen und Kindern entgegen- lieh könnte man daraus schließen wollen, daß 
ziehen (Cass. Dio 61, 19,2). Bei dieser Gelegen- nach Hygin (frg. 17 Peter) bei Nonius p. 836,1 
heit werden andere Priesterinnen nicht genannt, Linds. = 618 M. der als parra bezeichnete, in 
sonst aber erscheinen die Vestalinnen wieder- der Disciplina auguralis eine bedeutende Rolle 
holt bei öffentlichen Festfeiern und Aufzügen spielende Vogel der Vesta heilig ist; doch ist 
zusammen mit der gesamten römischen Prie- die Spur zu unsicher. 

sterschaft (so bei der Votorum nuneupatio am Von dem zahlreichen Dienstpersonal, das 
3. Januar, Cass. Dio 59, 3, 4 vnb x&v &Qt6vxtov — meist wahrscheinlich aus servi publici be- 
xal ü»ö x&v leolav; 61, 19, 7 roiis xs tep/ag xal stehend — den Vestalinnen für die Ausübung 
ras IsQsiag; au der Ära Pacis Augustae, Mo- so ihrer umfangreichen Tätigkeit zur Verfügung 
num. Ancyr. lat. 2,40 magistratus et saeferdotes gestanden haben muß, sind uns zufällig aus- 
et virgines] V[est]a[les anniversarium sacrifi- drücklich bezeugt nur die fictores (Former der 
cjium facerfe iussit]) oder doch mit dem gan- Opferkuchen, a fingendis libis, Varro de l. I. 7, 
zen Pentifikalkollegium im weiteren Sinne (so 44) virginum Vestalium, die wahrscheinlich 
bei der Argeerprozession des 15. Mai, Dion. Hai. ebenso eine Unterabteilung der fictores ponti- 
1, 38, 3; vgl. Paul. p. 14, 22 Linds. = 15 M.\ ficum (Wissowa a. a. 0. S. 519, 1) bildeten, wie 
Ovid. fast. 5, 621 ; Wissowa a. a. 0. S. 618, 1 ; an die arca virginum Vestalium eine solche der arca 
der Ära Fortunae Reducis, Mon. Ancyr. lat. 2, pontificum (s. oben). Wir kennen sie ausschließ- 
30 pontiffices et virgines Vestales annijversa- lieh aus den Inschriften der Ehrenstatuen von 
rium sacrificium facere [iussit] ; auch an dem 40 Vestales maximae im Atrium Vestae, von denen 
Antrittsessen eines Flamen Martialis etwa um CIL 6,2132. 32413 (= Dessau 4926). 32418 (= 
die Zeit von Ciceroa Konsulat bei Macrob. Sat. Dessau 4933). 32419. 32423 von solchen Fictores 
8, 13, lOff. nehmen mit dem ganzen Pontifikal- gestiftet sind, während CIL 6, 2136f. (= Dessau 
kollegium vier Vestalinnen, d. h. offenbar alle, 4936 curante Fl(avio) Marciano v(iro) e(gregio) 
welche dienstlich abkömmlich waren, teil). Be- fictore v(irginum) V(estalium)) ein solcher Fictor 
sonders häufig aber führen die Pnichten des die Ausführung der von den sacerdotes sacrae 
Dienstes den Pontifex maximus und die Virgo urbis herrührenden Weihung besorgt. Sie heißen 
Vestalis maxima zusammen, so bei einer all- zum Teil viri egregii, sind also teilweise vom 
jährlich wiederkehrenden, ihrer Art nach un- Ritterstande, einen fictor vftrginum) V(estalium) 
bekannten heiligen Handlung auf dem Kapitol 60 loci seeundi nennt CIL 6,82418 = Dessau 4933. 
(dumCapitolium scandet cumtacita virgine ponti- Die nur einmal (CIL 6,14672 = Dessau 8166) 
fex, Horat. c. 8, 30, 9) und bei Amtshandlungen vorkommenden antescolari virginum müssen 
in dem sacrarium der Ops in der Regia, das prae- wohl mit der Kassenverwaltung zu tun gehabt 
ter virgines Vestales et sacerdotem publicum von haben, da es sich an jener Stelle um die Über- 
niemandem betreten werden darf ( Varro de 1. 1. Weisung einer Gräberbuße handelt. Der eben- 
6.21). Mit dem Flamen Quirinalis, der nach der falls nur einmal (CIL 6, 2150 = Dessau 4940) 
Überlieferung (Liv. »,40,7 f. Val. Max. 1,1,10; erwähnte sacerdos virginum Vestalium (ein Frei- 
vgl. Plut. Camill. 20, 8) den Vestalinnen auch gelassener) wird von Mommsen (zu CIL 6, 2136f.) 
bei der Rettung der sacra zur Zeit des galli- ohne ausreichenden Grund mit den sacerdotes 
sehen Brandes (oben Abschn. IV) hilfreich zur 60 sacrae urbis identifiziert. 
Seite stand, amtieren sie gemeinsam bei einem VII. Deutungen. Der Spekulation bot die 
Opfer an dem unterirdischen Altare des Con- römische Vesta als Anhaltspunkte nur ihr Ver- 
sus an den Consualia des 21. August (Tertull. hältnis zum Herdfeuer, die Rundform ihres 
de spect. 6). Wie die Beteiligung der Vesta- Tempels und die Jungfräulichkeit ihrer Prie- 
linnen am Feste der Bona Dea und der Argeer- sterinnen, die auf die Göttin selber übertragen 
prozession beweist, daß sich ihre Tätigkeit im zu werden pflegt; die römische Gelehrsamkeit 
Laufe der Zeit auch auf nichtrömische Gott- hat daher auch in ihrer Deutung keine eigenen 
heiten erstreckt hat, so haben sich auch die Wege eingeschlagen, sondern sich damit be- 




269 Vesta Vesta 270 

gnügt, die griechischen Spekulationen über das «»i ülo, effigiem nullam Vesta nee ignis habet; 
Wesen der Hegtia (s. Süß, Bealeniykl. 8, 1888 ff.) wenn im Gegensätze dazu Cicero den im Jahre 
zn wiederholen und im einzelnen den römischen 672 ■■ 82 von den Marianern erschlagenen Pon- 
Verh&ltnissen anzupassen. Wenn die Pythago- tifex mazimus Q. Lucius Soaevola ante simu- 
reer in Hestia die göttliche Verkörperung des lacrum Vestae fallen (de nat. deor. 8, 80) und 
ZentralfeuerB sahen und eine andere, vielleicht das Bild mit seinem Blute bespritzen läßt (de 
ebenso alte, aber erst seit dem 6. Jahrh. nach- orat. 8, 10), wahrend Livius per. 86 die ort- 
weisbare Deutung Hestia mit der Erde gleich- lichkeit mit den Worten in vestibulo aedi» be- 
setzt, so haben sich die Römer beide Glei- stae bezeichnet und die bessere Überlieferung 
drangen zu eigen gemacht, obwohl der Zug, 10 die Tat gar nicht im Vestatempel, sondern vor 
von dem beide ihren Ausgang nehmen, der der Kurie geschehen läßt (Jordan a. a. 0. S. 68), 
Platz der Hestia in der Mitte der übrigen so ist das nur eine auf Steigerung der Wir- 
Götter, ein rein griechischer und den Hörnern kung berechnete Ausmalung: daß sich imTem- 
fremd ist. Beide Theorien sind bei römischen pel kein Bild befand, brauchte Cicero, der 
Autoren vielfach vertreten und stehen zuweilen ebensowenig wie Ovid den Tempel je betreten 
bei demselben Schriftsteller schroff und unver- haben kann, ebensowenig zu wissen, wie es 
mittelt nebeneinander (z. B. Ovid. fast. 6,291 Ovid wußte, ehe er jene Belehrung (nunc di- 
nec tu aliud Vestam quam vivam intellege flam- dici) erhielt. Aus republikanischer Zeit ver- 
mam ~ 6, 460 Tellus Vestaque numen idem). mögen wir überhaupt keine Spur eines öffent- 
doch wird der Aussrieich dadurch geboten, daß jo lieh aufgestellten Vestabildes nachzuweisen, 
eine kosmogonische Theorie zugrunde liegt, Denn wenn Q. Cassius Longinus um 694 = 60 
nach welcher der Kern der Erde aus reinem die Erinnerung an die Bolle, die sein Vorfahr 
Feuer besteht (Ovid. fast. 6,267 Vesta eadem L. Cassius Longinus Bavilla als vom Volke 
et terra: subest vigil ignis utrique. Serv. Aen. erwählter Richter in dem Vestalinnenprozesie 
2, 296 Vesta terra, quod in medio mundo vi sua vom J. 641 = 113 gespielt hatte, dadurch er- 
btet et ignem intra se habeat; 1, 292 ipsa enim neuert, daß er den durch Beischrift gesicherten 
esse dicitur terra, quam ignem habere non du- Kopf der Vesta (mit Schleier 
bium est; Dion. Hai. 2, 66, 8 'Eatia 6" &vaxtl- über dem Hinterhaupt) auf 
afrat, to nvg voui£ovatv, 8« yj) re oica ■// &tbg seine Denare setzt (Babelon, 
xal xbv uicov *ati%ovea xoü x6euov xänov r«s so Monnaies de la ripubl. Born, 
ivaifitis zoü fistaf/siov noiettai xvgbe &<p' iuv- 1, 881 nr. 9; danach ohne Bei- 
*<!«)• Wahrscheinlich hatte Varro dieses Kom- schrift auch auf den Denaren 

promiß vertreten, der im 16. Buche der antiqu. des L. Cassius Longinus, ebd. 

rer.div. für die Gleichsetzung von Vesta und 1,332 f. nr. 10.11), so berech- >) D«« dei Q. 

Tellus eintrat (Augustin. e. d. 7, 24), aber auch tigt das nicht, auf eine Vesta- o«"ini Longimu 

die andere Deutung erwähnte (Augustin. c d. statue zu schließen, der dieser fn,ob *•»"•»• *»»- 

4, 10. 7, 16; vgl. B. Agahd, Jahrb. f. Philol. Kopf nachgebildet wäre, da er 1°"" ?.?, '*""■ 

Suppl. 24 [1898J, S. 219 f.) Die Gestalt des Rund- sehr wohl nur für das Münzbild ' "' ' 

tempels wußte man sowohl mit der Erd- (Fest. erfunden sein kann. Allerdings glaubt S. Bei- 

p. 320, 12 Linds. = 262 M.) wie mit der Feuer- 40 nach (Cultes, mythes et religions 3, 200ff. 214ff.) 

deutung (Plut. Numa 11) in Übereinstimmung ein uraltes Bild der Vesta nachweisen zu können 

zu bringen. auf einem gallischen Denkmale, dem Altar von 

Da an der Gleichsetzung von Vesta mit Mavilly, Dep. Cöte d'Or (Esperandieu, Becueil 

Hestia ein Zweifel nicht bestehen konnte, tre- general 2067), auf dem nach seiner Meinung 

ten Identifikationen mit anderen griechischen (dagegen J. Toutain, Les cultes paiens de l'em- 

Gottheiten nur ganz vereinzelt und in einer pire Romain 3, 286 ff.) neben der gallischen 

Weise auf, die es uns unmöglich macht, für Schlange mit dem Widderkopfe die zwölf gro- 

die absonderlichen Gleichungen eine Erklärung ßen Götter der Römer in ihrer ursprünglichen 

zu geben, da wir den näheren Zusammenhang einheimischen Auffassung, die noch keine Be- 

nicht kennen: so wird Vesta gelegentlich mit 50 einflussung duroh griechische bildliche Über- 

Pales (Serv. Georg. 3, 1), Aphrodite (Augustin. lieferung erfahren hübe ('un type anterieur aux 

c. d. 4, 10) und Hekate (Schol. Stat. Theb. 4,466) influences de l'art grec' S. 216; Beinach kommt 

für identisch erklärt. Wenn sie bei Martianus mit sich selbst in Widerspruch, wenn er S. 217 

Capella nutrix Iovis (1, 72) und deum nutrix das Dianenbild desselben Denkmals von der 

(2,216; vgl. 2,168 aetheria Iuno seu Vesta est) arkadischen Artemis von Lykosura entlehnt 

heißt, so haben diese Erfindungen eines schrul- sein läßt), dargestellt sind: hier erkennt er 

lenhaften Spätlings mit römischer Religion Vesta in einer Krauengestalt, die sich mit bei- 

nichts zu tun. den Händen das Gesicht bedeckt, und beruft 

VIII. Vestabilder Die bildliche Tradition sich zur Erklärung auf Ovid fast. 8, 45 f. Silvia 

ist für Vesta eine überaus dürftige, da es ihr so fit mater: Vestae simulacra feruntur virgineas 

an einem Mittelpunkte und einer Grundlage oculis opposuisse manus, indem er annimmt, 

fehlte, weil der Kult in dem Rundtempel am daß die Verse Ovids eine ätiologische Erklä- 

Forum ein bildloser war. Daß sich zu seiner rung der Haltung des Bildes geben, diese selbst 

Zeit kein Bild der Göttin im Tempel befand, aber dadurch bestimmt gewesen sei, daß man 

sagt Ovid (fast. 6, 2-6 ff.) mit aller nnr wün- Vesta als Herdgöttin habe darstellen wollen, 

sehenswerten Deutlichkeit: esse diu stultus Ve- indem man sie sich die Augen zuhalten ließ, 

stae simulacra putavi, nunc didici curvo nulla um nicht vom Rauche des Herdfeuers belästigt 

subesse tholo: ignis inextinetus templo celatur zu werden. Abgesehen von der Kleinlichkeit 



271 



Vesta 



Vesta 



272 



dieses Motivs, das man nicht leicht geneigt 
sein wird, für eine hocharchaische Statue an- 
zunehmen, und der krassen Unwahrscheinlich- 
keit der Voraussetzung, daß verschollene ur- 
rOmische Göttertypen sich ausgerechnet allein 
auf einem recht rohen Denkmale der provin- 
zialen Kunst Galliens erhalten haben sollten 
(Wiisowa, Archiv f. Religionswiss. 19 [1916], 
48 f.), läßt Reinach ganz außer acht, daß der 
(angeblioh) dargestellte Zwölfgötterkreis über- 
haupt nicht römisch, sondern zum mindesten 
griechisch-römisch ist und zu der Zeit, in 
welche er die Entstehung jener Göttertypen 
versetzt ('remontant au VI' siede avant l'ere 
chritienne et peut-etre au delä' S. 216) in Born 
ebensowenig bekannt war wie Göttertypen ein- 
heimischer Erfindung. Die Owdstelle aber hat 
zu einem wirklichen Bilde der Vesta keinerlei 
Beziehung, sondern verwendet nur, um die 
Größe der Schande der Silvia anschaulich zu 
machen, ein Ausdrucksmotiv, das sich ebenso 
auoh bei Kallimachos (frg. 13 d Sehn., vgl. C. 
Robert, Rom. Mitteil. 88 [1918], 89 ff.) findet, 
bei dem das Bild der Athena vor Entsetzen 
über die Vergewaltigung der Kassandra durch 
Aias die Augen bewegt und zur Decke empor- 
schlägt: wer diese Stelle in demselben Sinne 
interpretiert, wie Reinach die Ow'dstelle, müßte 
zu dem Schlüsse kommen, daß Kallimachos 
ein Athenabildnis mit verdrehten Augen vor 
sich gehabt habe. 

Die Vestabilder auf den Münzen der Kaiser- 
zeit (Beispiele bei F. Gnecchi, Rivista Italiana 
di Numismatica 19, 
1906 tav. 17) zeigen 
keine große Mannig- 
faltigkeit; die weit- 
aus am häufigsten 
vorkommende Dar- 
stellung, auf der die 
nach links thronende 
Göttin auf der vor- 
gestrecktenHand das 
Palladium trägt und 
im linken Arm das 
Szepter hält, macht 
den Eindruck, sich 
an eine Tempelstatue 
anzulehnen. Nun begegnet uns aber eine thro- 
nende Göttin ganz ähnlicher Art (nur ohne die 
Attribute), durch die sie umgebenden, an ihrer 
Tracht kenntlichen Vestalinnen als Vesta sicher- 
gestellt, auf der Sorrentiner Basis (Rom. Mitteil. 
4, 1889, Taf. 10 ; E. Petersen, Ära Pacis S. 70 Fig. 
29)und zwei verwandten Reliefs in Palermo (Rom. 
Mitteil. 9, 1894, Taf. 6; Petersen a. a. 0. S. 76, 
Fig. 80, vgl. Rom. Mitteil. 17 [1902], 180ff.) 
und in Villa Albani (Rom. Mitteil. 9 [1894], 128), 
welche E. Samter (Rom. Mitteil. 9 [1894], 126 ff.) 
richtig gedeutet und E. Petersen (a. a. S. 69 ff.) 
für die Rekonstruktion der fehlenden Teile des 
Frieses der Ära Pacis herangezogen bat: man 
wird so viel mit Sicherheit sagen können, daß 
die drei Reliefs auf ein bedeutendes stadt- 
römisches Denkmal augusteischer Zeit zurück- 
fehen. Da nun die auf der Sorrentiner Basis 
argestellten Götter zum Teil nachweislich 
Nachbildungen der Tempelstatuen bestimmter 





4) BllbnmflnM dM TnUn (n»ch 

Cohtn, MidaiUM impiriaki 

S, S5J nr. 62). 



£) Bellof in Pftlenno (naoh K. Pettrun, Ära Porta Auguatoe 
8. 75 Fig. SO). 

Heiligtümer sind (W. Amelung, Rom. Mitteil. 
15 [1900], 198 ff.), so liegt es nahe, das gleiche 
auch für Vesta anzunehmen. Der im Hinter- 
grunde hinter der Göttin sichtbare Tempel ist 
sicher der Rundtempel am Forum (Hülsen, Rom. 
Mitteil. 9 [1894], 288,2); da aber dieser kein 
Bild enthielt, mußte man für die Darstellung 

so der Göttin anderwärts eine Anleihe machen, 
und es ist weitaus am wahrscheinlichsten, daß 
dies bei der palatinischen Hauskapelle der 
kaiserlichen Vesta geschah, zumal auch die 
sonstigen Götter der Sorrentiner Basis die be- 
sonderen Schutzgötter des kaiserlichen Hauses 
sind (Apollo Palatinus, Mars Ultor; über Magna 
Mater s. Wissotea, Religion und Kultus' S. 819,2) 
und in ihrer Gesamtheit die Hauptgottheiten 
des Palatin zur Darstellung bringen (Hülsen, 

40 a. a. 0. S. 288 ff.). Danach ergibt sich als sehr 
wahrscheinliches Resultat, daß sowohl die Vesta- 
bilder der Münzen als die Göttin des den drei 
genannten Reliefs zugrunde liegenden Denk- 
mals sich an die Tempelstatue jenes palatini- 
schen Heiligtums anlehnten, und daß dieses 
somit einen starken Einfluß auf die Bildung 
des Vestatypus der Kaiserzeit geübt hat. Wie 
weit nach Rom gekommene Statuen der grie- 
chischen Hestia, die nicht als Kultobjekte, son- 

60 dem als Schmuckstücke öffentlich aufgestellt 
waren (Sitzbild einer Hestia von Skopas in den 
Servilischen Gärten, Plin. n. h. 86,26; ein 
&yalfuc 'Eazias, das Tiberius als Prinz die Pa- 
rier ihm zu verkaufen zwingt und im Tempel 
der Concordia aufstellt, Cass. Bio 66, 9, 6), auf 
die Bildung dieses Typus mit eingewirkt ha- 
ben, läßt sich nicht mehr feststellen. Über Dar- 
stellungen der Vesta in Begleitung des Esels 
ist oben im Abschn. III gehandelt worden. 

so IX. Literatur. J. Lipsius, De Vesta et Vesta- 
libus syntagma, Antwerpen 1608; auch in Grae- 
vius, Thesaurus antiquitatum Romanarum 6, 
619 ff. A. Preuner, Hestia-Vesta, ein Cyclus 
religionsgeschichtlicher Forschungen, Tübingen 
1864. Marquardt, Rom. Staatsverwaltung 8'. 
S. 260 ff. 886 ff. Preller- Jordan, Rom. Mytho- 
logie* 2, 168 ff. H.Jordan, Der Tempel der 
Vesta und das Haus der Vestalinnen, Berlin 1886. 



273 Vestro Vesuniahenae 274 

G Wissowa, Religion und Kultus der Römer ' göttin etfausva in der Bedeutung der Ceres. 

S 166 ff. Giulio Gianelli, II sacerdozio delle Vgl. auch Fiesel, Forsch, z. grtechu. lat. Gramm 

Vestali Romane, Firenze 1913. [Wissowa.] 7, 10 ff. u. 18. Die Etymologie des Samens ist 

Vestro . . . Nach Wuensch Anfang eines Da- nicht geklärt. Ganz unbegründet sind die ÜJ- 

monennamens auf einer Fluchbleitafel des Trie- klärungsversuche von Corssen, Aussprache 1 , 

rer Amphitheaters aus der Zeit nach Konstan- 580 und Grassmann, K. Z. 16, 188. Über die 

tin. Vorher steht ein anderer Dämonenname: eventuelle Verwandtschaft der Namensstämme 

Inabintiaro Vestro [mando per Dßanam et Mar- von Vesuna mit Vesullia, Vesuhas und der 

tem vinculares ut me vindicetis de Ququma. gens der Vesu. etr. vesi, vezi vgl. W. benutze, 

Über eine andere Möglichkeit der Auffassung s. 10 ZGLE. 123, 266, 478. Welche Bedeutung der 

Bonn. Jahrb. 119 (1910), 8, nr. 24. Göttin des etr. Spiegels eignet, ist nicht sicher 

[Preisendanz.] zu sagen, sie erscheint dort als Geliebte des 

Vesucins (falsche Lesung) s. Visucius. Bacchus an Stelle von Ariadne, doch darf sie 

Vesuna, altitalische Göttin, bezeugt durch nicht mit dieser identifiziert werden, wie Körte 
Inschriften in oskiseber oder volskischer Sprache mit Recht erwähnt; denn auf mehreren etr. 
(Conway nr. 268 : Vesune, vgl. ebd. nr. 109), so- Spiegeln trägt die neben fufluns dargestellte 
wie in den umbrischen Tabulae Iguvinae (von Göttin die etruskisierte Bezeichnung ar(e)a#a. 
Iguvium-Gubbio), auch in einer durch einen Es ist also eine italisch-etruskische Gottheit 
Gewährsmann des 18. Jahrh. (gegen 1789) über- hier eingesetzt worden; vielleicht liegt sogar 
lieferten lateinischen Inschrift, CIL 1, 182 = so der Darstellung eine speziell italiBche Sage zu- 
9, 8808 = 1', 2, l,p. 408, nr. 392 (Conitoy nr. 264. gründe, denn die ganze Spiegelszene ist nicht 
Dessau, Inscr. Lat. sei. 4023), gefunden im Ge- gedeutet. Der Name svuhif ist sonst nicht be- 
btet der Marsi, wohl bei Ortona: V. AftJiediufsJ zeugt, und wenn man auch für seinen Träger 
Vefsjune Erinie et Erine patre dono me[r]i. mit Körte die Funktion eines Eros in Anspruch 
libfs.J. Über die Auffindung dieser lateinischen nehmen will, so ist doch die Gestalt des He- 
(nicht marsischen oder sabinischen) Inschrift rakles auf dem Bilde nicht zu motivieren, und 
heißt es: 'Lapis repertus est tegens aream ex es ist keineswegs sicher, daß sie nur als Füll- 
tegulis compaetam, in qua inventae sunt mone- figur zur Schließung der Komposition verwen- 
tae Septem et lanceae cuspis et pugio; ipsi la- det worden ist. [Fiesel.] 
pidi suptrimposita fuit basis quadrata cum anulo, so Vesuniahenae, örtlicher, wohl germanischer 
qua sublata et lapide semoto donaria sub eo vi- Beiname der Matronae (o. Bd. 2,2. Sp. 2464 ff.) 
dentur esse collocata.' Die Göttin ist hier ver- in 6—6 Weihinschriften, von welchen fünf ge- 
eint mit Erinis pater (s. Steuding o. Bd. 1 , 1, funden sind 'auf der Haide' bei Vettweiß im 
Sp. 1310), von welchem auch ihr Beiname Sri- Kreise Düren (zwischen Düren und Zülpich, 
nia abgeleitet ist [verglichen wird in CIL 1': doch näher bei Zülpich gelegen), CIL 13, 7860 
ebd nr 394 = CIL 9,3414 (Dessau 3481): bis 7854, eine aber mit anderen Matronendenk- 
Herclo (= Herculi) Iovio]. In den Iguvinischen malern {CIL 13,7928—7927) auf dem Markt- 
Tafeln (vgl. o. Bd. 8, 2, Sp. 274». 8277) tritt sie platz in Zülpich (Kreis Euskirchen), CIL 13, 
auf mit einem Gott Porno als dessen Frau (T'e- 7926. [Lage der Fundorte s. Sädeker, Ijhein- 
sutie Puemunes pupdikes, d. h. Vesunae pomonis 40 lande", Karte zu S. 270.] über die Funde von 
publici); über eine Darstellung der V auf einem Vettweiß s. Freudtnberg, Bonn. Jahrb. 20 (1853), 
etiuskischen Spiegel s. u. — Mommsen, Unter- S 81—90 mit Taf. 1-2 (dabei auch ein Stein 
ital. Dialekte B. 346 zu Taf. 16. Buecheler, Um- mit Bildwerk, aber ohne Inschrift: S. 86 f.), 
brica p. 162. Zvetaieff, Inscr. Ital. inftr. dial., lim, Bonn. Jahrb. 83, S. 143 f., nr. 263—267, 
nr.41. Conway, The Italic Dialects (1897). Ger- Climen, Kumtdevkm. der Rheinprovinz 9, 1 = 
hard-Koerte, Eirusk. Spiegel 6, Taf. 35 mit Text Kreis Düren, S. 323; über die Funde von Ziil- 
von G. Koerte, S. 46f. Preller - Jordan , Rom. pich s. A. Eick, Bonn. Jahrb. 23 (1866), S. 61 bis 
Mythol.', Bd. 1, S. 454, 1. Wissowa, Selig, u. 73, Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 142, nr. 265 ff.; 
Kultus d. Römer' 8. 199. [Keune.] alle waren zu fränkischen Grabstätten verwen- 

venuna ist die Bezeichnung einer weiblichen so det gewesen. \Holder, Altcelt. Sprachschatz 8, 

Gestalt auf einem etruskischen Bronzespiegel Sp. 261 gibt die Fundorte teilweise irrig an.] 

aus der Gegend von Orvieto. Das Spiegelbild Mit Ausnahme der schlecht erhaltenen, jetzt 

zeigt eine Mittelgruppe: fufluns (Bacchus) und ganz verlöschten CIL 18, 7863 befinden sie sich 

vesuna, die den rechten Arm um die Schultern sämtlich im Provinzialmuseum zu Bonn, Leh- 

des Gottes schlingt; in der rechten Hand hält ner, Die ant. Steindenkmaler usw. (1918). nr. 510 

sie den Thyrsos. Zu ihrer Linken steht der bis 614. Die Widmung lautet: Matronis Vesunia- 

jünglingshafte geflügelte svutaf, der eine Hand henis, doch ist in CIL 18, 7860 = Lehner 612 

zu ihrem Kinn erhebt; zur Rechten des fufluns die Bezeichung Matronis fortgelassen (ebenso 

sitzt h(e)rcle (Herakles). Körte, Etr. Sp. 5, 36, wie auch oft bei anderen Beinamen der Mütter 

wo die älteren Publikationen angeführt sind eo oder Matronen); ob in CIL 13, 7853 derselbe 

und der Spiegel eingehend beschrieben ist. Beiname zu Matronis gesetzt war, [Vesujnn. . 

Eine Göttin Vesuna ist durch inschriftliche Be- nach Holder (a.a.O.), oder ein anderer, ist 

lege für Ümbrer und Marser bezeugt, s. o. Es unbestimmt. Vesuniahenae ist eine dem Latei- 

scheint sich also um eine italische Göttin zu han- nischen mehr angeglichene Schreibung, statt 

dein, deren Namen die Etrusker entlehnt haben. Vesunianehae, s. den Art. Vataranehae. Wie für 

Vgl. Körte a. a. 0. und Thulin, Religionsgesch. alle gleich gebildeten Beinamen, ist germam- 

Vers. u. Vorarb. 8,48, der Vesuna gleich setzt sehe Ableitung wahrscheinlich; s. Förstemann- 

mit der dem Namen nach etruskischen Spiegel- Jellinghaus, Altdeutsches Namenbuch" 2, 2 (1916), 



275 Vesuniensis Vesuvius 276 

Sp. 1280, doch vgl. Ihm, Bonn. Jahrb. 83, S. 26 Sp. 1306 f.); sie iat durch zwei Inschriften von 

und M. Schönfeld, Wörterbuch der altgerm. Per- Pe'rigueux, jetzt im dortigen Museum, bezeugt, 

sonen-u. Völkernamen (1911), S. 261, wo v.Grien- 1) CIL 13,949, zwei Bruchstücke einer Tafel, 

berger, Eranos Vindob. 18U3, S. 267 f. u. a. an- 'litteris non elegantibus': [Numinib(usj] Augu- 

geführt sind, die V. als 'ungermanisch' be- sti [et AJugustoe Belic[c(us) et] Bello 

zeichnen. Primfijani (erg. filii) Tutelae Vesunnae porti- 
Ob die Matronendenkm&ler von Vettweiß cum expfoljiendum et fexornajndfum curave- 
und Zülpich alle dem nämlichen Heiligtum runtj und 2) CIL 18, 956 = Dessau 8735, 'Cip- 
entstammen, oder zwei nachbarlichen Tempel- puslapideus litteris bonis saeculi primi (p.Chr.)' ': 
statten, ist ungewiß, denn in der Umgebung 10 Tutelae Aug(ustae) Vesunniae Secundus Sotti 
von Zülpich sind noch mehr Weihinschriften (erg. filius) l(ibens) d(e) s(uo) d(at). Die Be- 
der Matronen zutage gekommen, s. CIL 13,2,2, Zeichnung der Gottheit als 'kaiserliche' durch 
p. 625 tf. Von den Verehrern der V. war einer das Beiwort Augustus, -a ist gerade auch bei 
ein Soldat der Bonner leg(io) I Mfinervia) P(ia) provinzialen Göttern beliebt; sie ist eine Folge 
F(idelis), wegen dieses Ehrennamens der Truppe des Kaiserknltus, ebenso wie die vorangeschiokte 
aus der Zeit seit J. 89 n. Chr., CIL 13, 7854 = Ehrung der ersten Inschrift. Auch das von Bild- 
Lehner, Steindenkm. 611. Die übrigen sind wohl werk (erhalten ist nur noch ein sitzender Bär) be- 
Landleute aus der Umgegend gewesen; ihre gleitete Bruchstück CIL 13, 955 = Esperandieu, 
einheimische Herkunft verraten auch ihre rö- Becueil gen. des bas-reliefs de la Gaule rom. 2, 
misch scheinenden, meist jedoch aus der kelti- so p. 285 f., nr. 1266 ist vielleicht zu ergänzen: Tu- 
schen Namengebung zu erklärenden Namen, teflae] Afug(ustae) Vesunniae ...] '. Die Ergän- 
wie C. Nigriniu[s . . . .Jus, L. Verinius Secun- zung von Esperandieu: Vfesunnae et Mereujrio 
dus, Sex. Candidius Maternus, s. Lothr. Jahrb. einer nur zum geringen Teil in Bruchstücken 
9 (1897), S. 188 f. Westd. Ztschr., Ergäniungsheft gefundenen großen Inschrift von Perigueux, 
10, S. 63. Von den Weiheformeln seien ange- CIL 13 (4), li040, ist sehr unsicher. Nur Tu- 
führt: ex imp(erio) ip[s(arum) . . .] , Lehner, tela, ohne Zunamen, ist die Schutzgöttin der 
Steindenkm. 612, und pro se et suis imp(erio) Stadt genannt in CIL 13,939 = Dessau 4638: 
ips(arum) [l(ibens)] m(erito), ebd. 514. Bild- templum deafe] Tutelae; der Anfang der In- 
schmuck haben vier Denkmäler, CIL 13, 7850 schritt, wohl Deae Tutelae Vesunniae (?) lautend, 
bis 7852 und 792). Von diesen sind abgebildet so ist nicht erhalten. Ihre Ehrung war hier ver- 

7850 = Lehner, Steindenkm. 612: Bonn. Jahrb. bunden mit der des Dsus Apollo Cobledulita- 
20, Taf. 1 und Lehner, Skulpturen 1, Taf. 26, 8; vus: die Weihung hatte vollzogen ein sacer- 

7851 «= Lehner, Steindenkm. 510: Bonn. Jahrb. dos Arensis, d. h. Priester an der Ära Romae 
20, Taf. i, 2a— c, eine Schmalseite auch: Leh- et Augusti bei Lugudunum (Lyon), qui tem- 
ner, Skulpturen 2, Taf. 13, 4; 7925 = Lehner, plum deafe] Tutelae et thermafsj public(as) 
Steindenkm. 514: Lehner, Skulpt. 2, Taf 12, 4 utraq(ue) olfim] vetustate collabfsaj sua pecunia 
und Esperandieu, Becueil gen. des bas-reliefs rest(ituit). 

...de la Gaule rom 8 (1922), p. 295, nr. 6356; Holder, Altcelt. Sprachsch. 3, Sp. 262. Über 

das Bildwerk von 7852 = Lehner, Steindenkm. die Stadt Vesunna s. Holder a a. 0. Hirsch- 

613 ist sehr verstümmelt. Dreimal waren auf 40 feld, CIL 13, 1, 1, p. 122 tf. Esperandieu a. a. 0. 

der Vorderseite, über der Inschrift die Matro- 2, p. 230 ff. Eine verschollene Inschrift, CIL 

nen dargestellt, sitzend und, soweit erhalten, 13, 943, war geweiht: Iovi pr[o]pag(atori) Au- 

mit Fruchtkörben auf dem Schoß; doch steht g(usto) Vesfun]n[ens(ium)J; die Bezeichnung 

auf einem Denkmal (Lehner, Steindenkm. 512) des Iuppiter als Propagator ist gesichert durch 

die mittelste Matrone im Hintergrund; die Apuleius, De mundo 87 und CIL 8,4-291. —Vgl. 

Schmalseiten sind geschmückt mit Füllhörnern, noch E. Merimee, De antiquis aquarum reli- 

mit dreifüßigen Tischchen, auf welchen ein gionibus in Gallia meridionali . . . (Paris 1886), 

Gefäß mit Früchten steht, mit einem auf einem p. 33—36 und H. Maver, Einfluß der vorchristl. 

Blumengewinde sitzenden Pfau und darunter Kulte auf die Toponomastik Frankreichs, 1914 

einem mit Obst gefüllten Henkelkorb oder 50 (Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. Wien, Philos.- 

Eimer; auf dem Opferteller der Oberseite eines Mist. Kl., Bd. 176, 2), S. 18 und 37, wo irrig 

Altars liegt ein Gegenstand (Birne?). V. = Cahors gesetzt ist. [Keune.] 

[Keune ] Vesunnenses (Iovi propag. Aug. Veiunnen- 

Yesuniensls s. Veruniensis. sium) und 

Veauniia, weiblicher Schutzgeist der gleich- Vesuiinia, Tutela — , s. Vesunna. 

namigen Stadt der Petrncorii in der römischen Vesuvius, der Name des berühmten Berges, 

Provincia Aquitanica, jetzt Perigueux im Peri- ist dem Iuppiter als Beiname gegeben in einer 

gord, benannt nach einer Quelle, welcher die (verschollenen) Inschrift von Capua, CIL 10, 

Stadt V. ihren Namen verdankt [man bezeichnet 3806 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 3079 : Iovi Ve- 

die Fontaine de Sainte- Sabine als die alte, 60 suvio sac(rum) d(ecreto) d(ecurionum) , sicher 

göttlich verehrte Quelle V.; vgl. Nemausus — herrührend von einem Tempelbau. [Im Index 

Nimes, Luxovius — Luxeuil, Axtmus — Aime- CIL 10, 2, p. 1166 ist d. d. gedeutet: donum dat 

en-Tarantaise usw.]. Die Göttin heißt Tutela oder ähnlich.] Zu vergleichen sind Iuppiter 

Vesunna oder (wohl adjektivisch) Tutela Ve- Ciminius (CIL 11, 2688), Iuppiter Apeninus oder 

sunnia (vgl. Mars Vintius, —Vesontius, — Bri- Appenninus (CIL 11, 6803. 3, 12576. 8,7961). 

tovius, — Mogetius u. a.; zu der in der Aqui- Iuppiter Poeninus (Ihm o. Bd. 3, 2, Sp. 2598 ff. 

tanica beliebten Bezeichnung Tutela s. Dessau, Holder, Altcelt. Sprachsch. 2, Sp. 1021 ff.), auch 

Inscr. Lat. sei. Bd. 3, S. 553 f. Wissowa o Bd. 5, Iuppiter Tifatinus (s. o.) und sonstige Verehrun- 



277 Veteranehae Viales 278 

gen dei Inppiter auf Bergeshöhen (z. B. Don- ter als Sohirmherr der Beisenden auf schwie- 

nenberg in der bayr. Rheinpfalz — Mons lovit, rigen Gebirgsstraßen vgl. z. B. CIL 6, 186S — 

CIL 18,6148, ebenso auch 1661; in Gegenden Dessau 6886, femer die Heiligtümer des Iuppi- 

keltisoher Gesittung iat er sonst meist ersetzt ter Ap(p)en(n)inus (CJL 11, 6803 f.) und bes. des 

durch Mercurius). Ober Iuppiter als Höhengott Inppiter Foeninus (Ihm o. Bd. 8, 8, Sp. 2698 ff.), 

s. Rud. Beer, Heilige Höhen der alten Griechen — Zu semitibus statt semitis vgl. eollegibus, CIL 

und Römer (Wien 1891), S. 69 ff., bes. S. 72 f., 8, 371 — Dessau 2788, und mehr Belege oben 

und Wissowa, Reha, u. Kult. d. Rom* 8. 116. Bd. 6, Sp. 884 f. — 2) CIL 18, 8248 — Dessau, 

Vgl. noch außer vimmus (s. d.) den Iovis Ca- Add., vol. 8, p. CVI1I, nr. 9270, Altar ans Jura- 
eunus im Sabinerland bei Trebnla Mntuesca, 10 kalk, gefunden in Köln [mit einem Quadrubis 

CIL 9,4876 — Dessau 8076 (auf einem Berg- (— Quadriviis) geweihten Altar, CIL 18,8241 

gipfel gefunden), auoh CIL 6, 871 — Dessau — Dessau 9270a; zum Standort rgl. Poppel- 

8077 (Bronzetafel unbekannten Fundortes); im reuter, Korrbl. Westd. Zeitschr. 28-(ia04), Sp. 78 

Orient bes. Zsij Käeios (Iuppiter Castus), s. o. und v. Domastewski, Westd. Zeitschr. 21 (1902), 

B. 1, 1, Sp. 866 f. Adler in Paulys Realencyct, S. 196], jetzt im Museum zu Köln: Quadrivifs] 

Neue Bearbtg., Bd. 10,2, Sp. 2266 f. [Keune.] Trivis Viis Semitis ex voto M. Coceeius Dasius 

Veteranehae, Veterahenae s. Vataranehae vet(eranus) alae Noric(orum) v. s. I. m. 

(Matronae). Zu vergleichen sind 8) die Lares viales se- 

Veteris, dtus—, s. Vitir(is). mitales (s. Viales); die semitales dei der Parodie 

Vetirif, mit Mehrzahl Vetires, s. Vüir(is). so des Gedichtes des Catullus 4 in Vergil. Catal. 

*vetll. Dieser Name ist aus der Genitivform 8, 20 (vgl. Th. Birt, Rhein. Mus. 66, 474f.); 

vetisl als Name eines etrnsk. Gottes zu er- dtus gut vias et semitas eommentus est der an 

schließen. Die Form steht in einer der Rand- Dichtung anklingenden Inschrift vom J. 191 

regionen der Bronzeleber von Fiacenza. Laut- n. Chr , gefunden in England bei Thornborough 

lieh ist 'vetis mit lateinischem Vedius zu ver- (zwischen York und Carlisle), CIL 7, 271 — 

knüpfen, Deecke, Etr. Forsch. 4, 09; Herbig, Dessau 3929, auch Buecheler, Carm. Lot. epigr. 

MM. d. schles. Qesellsch. f. Volksk. 28, § 11. Da 26, vol. 1, p. 16 (vgl. Viator). [Keune.] 

dieser Göttername nur hier erscheint, so ist Vialeg) von via abgeleitetes Eigensohafte- 

seine Bedeutung schwer festzustellen ; man darf wort, Beiname der viel häufiger in beschränk- 
wohl annehmen, daß sie der des römischen so tem Sinn nach den Compita, den Seheide- oder 

Veiovis entspricht, der sich in der 16. Region Kreuzwegen, als Compitales bezeichneten Lares 

bei Martianus Capeila findet. Eine eingehende in ihrer Eigenschaft als Schützer der Wanderer 

Erörterung der lautlichen und sachlichen Fra- und Reisenden (A und B, 1 — 4). Auch Lar vialis 

gen gibt Thulin, Religionsgesch. Vers. u. Vorarb. in der Einzahl ist belegt (B, 6). S. Wissowa o. 

3, 29 ff., ihm stimmt bei Körte, Rom. Mitt. 20, Bd. 2, 2, Sp. 1868 ff., bes. Sp. 1887, und Religion 

866. [Fiesel.] u. Kultus der Römer* S. 166 ff., bes. S. 170. Da- 

Vetnstas ist als Person angeredet von Sta- gegen beruhen die Matres Viales wohl auf irri- 

tius, Silv. 1, 6, 39 und 4, 1, 28 (longa V), auoh ger Lesung (B, 6). Vgl. Viae. [Nachtrag (1924) : 

Theb. 4, 82 (Fama prior mundique arcana V.); Boehm in Paulys Real-Eneyclopädie d. cl. Alt-, 
vgl. Theb. 10,630—681: memor ineipe, Clio, 40 Neue Bearbtg., Bd. 12, 1 (Halbband 28), Sp. 812, 

saeeula te quoniam penes et digesta vetustas. wo u. a. CIL 6, 2108 (s. u., B 6) an verkehrter 

L. Deubner, Personifikationen, o. Bd. 3, 2, Sp. Stelle steht.] 

2106. [Keune.] A. Literarische Zeugnisse: Plaut. Merc. 

Vlae, Landstraßen (Kunststraßen), mit den 866: invoco vos, Lares viales, ut me bene iu- 

semitae (semites), Fußwegen, Seitenwegen, gött- vetis. — Servius Aen. 8, 802 (vgl. 168): manes 

lieh verehrt in zwei Weihinschriften, von wel- piorutn, qui Lares viales sunt. 

chen eine in den Alpen, im alten Noricum ge- B. Inschriften. 1) Bei Rom, vor der Porta 

fanden ist (1), die andere in Köln, gestiftet Portuensis, am Anfang der gleichnamigen, nach 

von einem wahrscheinlich aus Noricum stam- dem Portus (Angusti) hinausführenden Land- 
menden ehemaligen Soldaten (2). In der zwei- 50 straße standen drei, an ihrem ursprünglichen 

ten Inschrift sind in die Weihung eingeschlos- Standort im J. 1907 aufgefundene Altäre mit 

sen die in den Rhein- und Donauländern, nicht den Aufschriften : Lares semitales, Lares [c]u- 

aber in Italien nnd Rom, verehrten Kreuzweg- rifajles, Lares viales, s. D. Vaglieri, Notizie d. 

gottheiten Triviae Quadriviae.- Vgl. Ihm oben seavi 1907, p 466 f. (mit Abb. p. 466); G. Gatti, 

d. 4, Sp. 1— 7, (Biviae Triviae) Quadriviae, Bull. arch. comunale 86 (1908), p. 42f, Taf. IV; 

und Sp.7Ö2, Semitae; Keune in Pauly- Wissowa- Dessau, Inscr. Lat. sei, Add., vol. 3, p. CIVf., 

Kroll- Wüte, Real-Encyclop., Bd. 2A, 2, Art. nr. 9261a— c. — t) Altar, einem Grenzstein 

Semitae; auch Steuding ob. Bd. 2, 2, Art. Lokal- (Terminus) ahnlich gestaltet, gefunden in der 

Personifikationen, Sp. 2131 f., der einige bild- Gegend von Falerii in Etruria, an einer alten 
liehe Darstellungen von Vertreterinnen der Heer- 60 Straße, CIL 11, 8079 = Dessau 3631: voto sus- 

oder Landstraßen nachweist; v. Domastewski, cepto Laribus conpitalibus vialibus fsjemitali- 

Westd. Zeitschr. 21 (1902), S. 207 f. bus sacrum. — 8) Eine Anzahl von Weihungen 

1) CIL 3, 6624 = Dessau, Inscr. Lat. sei. Laribus Vialibus sind bekannt aus dem nörd- 

8928, am Fuß der Tauern, zwei Stunden von liehen Hispanien (Braga — Bracara Augusta, 

Radstadt, jetzt im Museum zu Salzburg: I(ovi) Lugö = Lucus Augusti, und anderswo), insbe- 

O(ptimo) M(aximo) et Viis Semiübusque pro sondere aus der Landschaft Callaecia, CIL 2, 

talute Q. Sabinius Aselepiadts v(otum) sfolvit) 2618 (— Dessau 8688). 2987. (Suppl.) 6784 und 

l(ibens) m(erito). — Zur Verehrung des Iuppi- mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit herzu- 



279 Viales ?Viciesis 280 

stellen 2417. 2572. (Suppl.) 5684. Vgl. noch Bonn. Jahrb. 94, S. 166), daß die altere Lesung 
die Weihinschrift auf einem winzigen Stein- MATR|VM usw. richtig sei. Ihm oben Bd. 2, 2, 
altärchen von Cabeza del Griego — Segobriga Sp. 2477 und Bd. 4, Sp. 7, vorher Bonn. Jahrb. 
inHispaniaTarraconensis,J5pA«m.ep«pr.8,p.484, 8», S. 169, nr. 369 mit Abb. Taf. 8, *■ 
nr 181- L. Via. (— Laribus Vialibus) Mauca Lari viali (wie o. nr. 6) ist auch, mit 1. U. 
oder Amauca pro Elvfila Marceßlja v(otum) M., Sarapis, Isis, Caelestis, Fortuna, Bonus 
sfoltit). rZum Fundort (CIL 2. Suppl, Tab. I, Eventus, Felicitas, sowie dem Genius loci ge- 
Km ostwärts von Toledo) s. Schulten, Real- weiht von einem Centuno CIL 13, 1887 , deren 
Encyclop. <l Ältertumswiss., Neue Bearbeitung, Echtheit angezweifelt wird, die jedoch nach 
Bd 2A 1 Sp 1077 Segobriga nr. 1.1 (Verehrung io Biese, Das rhein. Germamen m den ant. Inschr. 
der Lares ist in Hispanien verhältnismäßig (1914) nr. 553 echt sein kann. Diese Weihin- 
häufig- sie tragen hier meistens einheimische schritt soll im Jahrzehnt 1620/1680 bei Voor- 
Beinamen, welche sie nach A. Schulten, Nu- bürg (d. i. Römerkastell Arentsburg) in Holland 
mantia 1 , S. 236 f. als Schutzgeister eineB Fa- gefunden sein. [Keune.] 
milien Verbandes kennzeichnen; vgl. den Art. Viator, d.h. Wanderer, Reisender, Beiname 
furolici ) — Auch in der Weihung CIL 8, des Mercurius in der Galha Narbonensis, ent- 
9755 (aus Revue Afr. 2, p. 269), gefunden zu sprechend der bei den Galliern herrschenden 
Vieil Arzew = Portus Magnus in Mauretania Vorstellung eines dem romischen Mercurius 
Caesariensis, scheint [Laribus] Vialibus zu er- gleichgestellten Gottes, den sie nach Caes., bell. 
ganzen — Eine Weihung von Narbonne = 20 Gall. 6, 17, 1 auch als warum atque itinerum 
Narbo in Südgallien lautete am Schluß, CIL ducem ausgaben {Hirschfeld zu CIL ,12, 1084 
12 4320 (aus Lafont ms.): .... Laribus Magnis und Westd. Ztschr. 8 [1889], S. 136 = Kl. Schrif- 
(oder vielmehr nach der Überlieferung Magnets ten S. 85/36. Kenne, Lolhr. Jahrb. 8 1896], 1, 
oder Magneiis, abgeleitet von einem Personen- S. 77). - 1) Altar, gefunden zu Rustrel (Depart. 
namen?) et Viator(iis) de suo restitufitj, wo Vaucluse), nordöstlich von Apt [CIL 12, p. 97o 
Mommsen ergänzen wollte: Viator(ibus). — und Tab. II, Ef], Allmer, Rev. epigr. 2, p. 42 zu 
4) Da in den Rhein- und Donauprovinzen (Ger- 1 , p 228, nr. 259. CIL 1 2, 1084 mit Add. p. 822 : 
maniae, Pannonia, Dacia, Moesia) an die Stelle Mercurio Veatori v(otum) s(olvit) l(ibens) m(e- 
der Lares der Straßenkreuzungen die Quadri- rito) Fronto Kapinius. — Veator ist altertüm- 
mae oder Quadrubiae treten, öfters (besonders so liehe und späterhin noch volksmäßige Aus- 
in Obergermanien) mit den Biviae Triviae, sei- spräche und Schreibung statt viator; s. Varro 
ten mit den Triviae allein verbunden (Ihm o. r. rust. 1, 2, 14: rustiei etiam nunc quoque viam 
Bd. 4, S. 1 ff.) , so werden in CIL 18,4 (Add.), veam appellant mit der willkürlichen Deutung 
nr. 11816 = nr. 6731a -f- 6768 (v. Domaszewski, propter vecturas{\). Ritschi, Prise. Lat. Man., 
Westd. Ztschr. 21 [1902], S. 196), zu Mainz, die p. 68. Dessau, Inscr. Lat. sei, vol. 8, p 813 f. 
Lares competales (= compitales) und Quadri- Zu den Namen des Stifters, eines Galliers mit 
viae durch das Verbindungswort sice als lateinischem Rufnamen (Fronto), vgl. Phüol- 
gleichwertig gekennzeichnet (Dessau 3636 mit Vers. Straßburg 1901, S. 106. Holder, Altcelt. 
Add., vol. 8, p. CLXXXI — CIL 18,6731a+b, Sprachschatz 1, Sp. 759. — 2) Bruchstück, ge- 
unrichtig verbunden). — 5) In der Einzahl ist 40 funden 1884 zu Vercheny (Depart. Dröme), süd- 
der Lar Vialis geehrt in einer Weihinschrift westlich von Die (CIL 12, p. 976 und Tab. I, 
von Varhely = Sarmizegetusa in Dacia, CIL Hde), CIL 12, Add. p. 826, nr. 5849, nach J. P. 
3, 1422 = Dessau 3636: Fortunae reduci, Lari Reoellat, Bull epigr. 6 (1886), p. 76—77: [Me]r- 
viali, Romae aeternae durch den kaiserlichen c[urio] Viatfori]. — Vgl. die im Artikel Viae, 
ProcuratorQ. Axius Aelianus (im J. 288 n.Chr.?). nr. 3, angeführte Inschrift CIL 7,271 = Des- 
Ebenso ist ein dem Lar V. gebrachtes Opfer sau nr. 892'J. [Keune.] 

der Arvalbrüder in deren Tagesberichten unter Viatorii, Lares — (CIL 12, 4820) s. VuOes. 

dem Jahr 214 n. Chr. eingetragen nach der Er- Vlca Pota s. M. Peter, o. Bd. 2, 1, bp. 230 bis 

gänzung von Marini, s. Henzen, Acta Fratr. 231. 

Arval (1874), p. 122 und CIL 6, 2103: [Lari 50 Vlcanae, irrtumlich von J. de Wal, De Moe- 
VJiali t(aurum) a(uratum); Anlaß des Opfers detgodinnen (1846), p. 28, nr. 42 und p 167, als 
war der Einzug des Kaisers Caracalla in die Muttergöttinnen gefaßt in einer Inschrift von 
Winterquartiere zu Nicomedia. - 6) Ein Gold- Cornate (Coronate), westsüdwestlich von Ber- 
ring im Britischen Museum zu London, mit gamo und nordöstlich von Milano-Mailand [CIL, 
anderen Ringen und sonstigen Schmucksachen 5, •-', Tab. II. Andree, Handatlas' 125/12B, D 2J, 
aus Gold und Silber, auch drei silbernen Löf- also in Gallia Transpadana. Doch sind hier, 
fein und vielen Geldstücken des Antoninus Pius CIL 5, 5716 = Dessau, Inscr. Lat. sei. 4825 : 
in einem Silbergefäße gefunden im J. 1812 zu Matronis et vicanis C. Sexsticius (»= Sextictus, 
Baekworth bei Newcastle = Pons Aelius am vgl. die Schreibungen sexs, exs, statt sex, ex, 
Hadrianswall [vgl. zu CIL 7, 1286, Inschrift des so usw.) Carbasus, die Dorfbewohner vteam, ge- 
Griffes eines dabei gefundenen Silbergefäßes: meint, denen der Stifter die den Matronen ge- 
Matr(ibus) usw. = Ihm, Bonn. Jahrb. 88, S. 159, weihte Gabe (Kapelle dgl.) geschenkt hat; s. 
nr 860 mit Taf. 8, 8], trägt nach Hübner, CIL Ihm, Bonn. Jahrb. 88, ö. 36 (zu S. 116, nr. 51), 
7, 1299, die Inschrift: MATR | VIA • C | C & AE, der vergleicht die I. O. M. et vico Vodannto- 
d. h. Matr(ibus) Viaflibus) C. C(ornelius) Ae- num geweihte Schenkung, CIL 18, 3649, auch 
(lianus), doch versichert Haverfield, Archaeolo- 8660 (s. Voclannionum, vtcus -). L»- 60 » 6 ;! 
aical Journal 1894, p. 808 und The Mother ?Ticlesls (Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, 
goddesses, Add. im Sonderdruck (daher Ihm, Sp. 279), nach der Deutung von }ita in der 



281 Vicinnus Victor (Victrix) 282 

ihm übermittelten Abschrift einer hispanischen sein soll. H. Maver, Einfluß der vorchristl. 

Inschrift auf einem Altar, gefunden 1892 in Kulte auf die Toponomastik Frankreiche, 1914 

'La Mezquitilla, in deserto dicto ,de Arisgotas', (Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. Wien, Philos.- 

Srope oppidum Orgaz', an der Römerstraße Bist. Kl., Bd. 175, 2), Abschnitt 'Fanum', S. 91/ 

onsabura — Toletum [CIL 2, Suppl., Tab. I, 92, der auf L. Beszard, Etüde sur Vorigine des 

Kkl], Beiname der iberischen Gottheit Bandua noms de lieux habite's du Maine (Paris 1910), 

(s. o. Bd. 1,1, Sp. 749/750), Ephem. epigr. 8, S. 114 f. -verweist. Zusammengestellt wird V. 

p. 4S3, nr. 179: Bandue Itfobrico) Viciesi ex voto mit dem Namen des Landesgottes der Redones, 

Tiomace(1) pos(uit). Doch bemerkt hier Hübner Vicinnus (s. d.). [Keune.] 
zu der unsicheren Lesung, daß ein örtlicher 10 Yicta (Victua) s. M. Peter, o. Bd. 2, 1, Sp. 281. 

Beiname (oder zweiter Wortbestandteil) zu Yictor, weiblich Vlctrli, häufiger Beiname 

Bandua zu stecken scheine in Ituiciesi (mit von Gottheiten, für manche sozusagen offizielle 

Schreibung -esi = -ensi). [Kenne.] Benennung, für andere nur vereinzelt belegt. 

Ylcinnus, örtlicher, keltischer Beiname des Vgl. die selteneren griechischen Bezeichnungen 

Mars, mit dessen Namen sehr häufig in Gallien von Gottheiten JVtxofoj (Höfer, o. Bd. 8, 1, Sp. 

die Namen einheimischer Schirm- und Heil- 305) und NixirjyoQog (Höfer-Drexler, o. Bd. 8, 1, 

götter verbunden erscheinen, in einer der drei Sp. 868 — 861), sowie das gleichbedeutende In- 

Inschriften auf drei zusammengehörigen Sockeln victus (Drexler, o. Bd. 2, 1, Sp. 268), Tt/oitawi, 

(von Standbildern) mit fast genau den gleichen TooTtai.o<p6</os, Toomxtoüxoe (E. Fehrle und 
Abmessungen und mit übereinstimmender, guter so Preisendanz, o. Bd. 5, Sp. 1262 — 1265). 

Schrift der Zeit der Antonine, miteinander ge- A. Victor heißen vor allem 1) Iuppiter; 

funden 1896 zu Rennes, dem Hauptort der 2) Mars und 3) Hercules, außerdem 4) — 7) bei 

Redones (Condate Redonum), bei den alten Dichtern Apollo, Phoebus und Titan (= Sol); 

Stadtmauern (d. h. wohl in der Grandmauer Volcanus; Liber; Castor und Pollux; auch 8) 

der spätrömischen Stadtbefestigung verbaut), bis 9) vereinzelt in Inschriften Mercurius und 

Mowat, Bull, des antiq. de France 1896, p. 298 ff. Lar, schließlich 10) Amor. 

Die drei Inschriften, CIL 13, 3148— 8150= B) Victrix sind benannt 1) Venu»; 2) Mi- 

Dessau, Inscr. Lat. sei. 7058. 7063a. 7068b, ge- nerva; 3) Diana; 4) Fortuna; 6) Victoria; 

weiht von Vater und Sohn, haben größtenteils 6) Roma; auch 7) Iuno; ferner 8) die griechi- 

iibereinstimmenden Wortlaut, doch nennen sie so sehe Nemesis und 9) die ägyptische Isis; auch 

drei verschiedene Fagi, und zwei ehren den 10) die afrikanische Caelestis; schließlich heißen 

auch durch CIL 18, 8096 (= Dessau 4678), 11) inschriftlich die Matres victrices, wie 12) 

8101 und »102 bekannten Mars Mullo, eine bes. auf Münzen die Fata oder Fatae; 18) die 

aber den Mars V. Letztere, CIL 13,3160, lau- Musae in einem inschriftlichen Gedicht. 

tet : In honorem domus divinae et pagi Carnu- C) Außerdem ist in der Literatur (Dichtung) 

teni Marti Vicinno L. Campanius Priscus et V. gebräuchlich als Beiwort von Helden und 

Virilis ß(ius), sacerdotes Romae et Aug(usti), Heldinnen der Mythologie. 

statuam cum suis ornamentis de suo posuerunt Dichterstellen hat gesammelt Carter, Epi- 

l(oco) d(ato) ex d(ecurionum) sfententia oder iheta deorum apud poet. Lat. (Supplement za 

ex decreto senatus). Ob auch die verstümmelte <o diesem Lexikon, 1902), s. Index p. 163 (Victor, 

Inschrift von Rennes CIL 13, 8161, welche eine Victrix, Victrices; vgl. p. 129: Invictus). Obri- 

Weihung der Volksgemeinde, [civjitas Riedfo- gens bieten nicht alle von Carter angeführten 

num (= Redonum)] durch einen anderen /so- Belege wirkliche 'Epitheta'. 

c(erdos) Romae] et Aug(usti) beurkundet, eine A. Victor. 1) An erster Stelle ist Sieger 

Ehrung des [pagus Carnutjinus mit einer und verleiht den Sieg der Gott der Götter 

Weihung Marfti Vicinno] verbunden hatte, ist Iovis, Iuppiter. Dem Iuppiter Victor hatte 

unsicher. — J. Loth, Annales de Bretagne 12 im Kampf gegen die Sammten der Konsul Q. 

(1897), p. 270, auch Holder, Altceti. Sprachsch. Fabius Maximus im J. 469 der Stadt Rom = 

3, Sp. 280 vergleichen mit V. den Namen des 295 v. Chr. einen Tempel (aedes) gelobt nach 

Flusses Vieinonia — la Vilaine (Belege bei Hol- 60 Liv. 10, 29, 14. Nicht ohne Widerspruch wird 

der a. a. O.), an welchem Rennes liegt; s. den angenommen, daß dieser alte Tempel zu Korn 

Art. Vieinonia. Über die keltischen (bes. ort- auf dem Quirinalis lag, weil hier im J. 1626 

liehen) Beinamen des Mars s. E. Windisch, Das eine inzwischen wieder verschollene altlateini- 

kelt. Brittannien . . . , S. 89—92. [Keune.] sehe Weihinschrift gefunden wurde, CIL 1, 638 

Vieinonia, alter Name der Vilaine, eines = 1*, 2, 1, p. 561, nr. 802 = 6,488 (vgl. 6,4, 2, 

Küstenflusses, der nördlich von der Loire ins p. 8016, nr. 80767a) = Dessau, Inscr. Lat. sei. 

Atlantische Meer mündet (am Oberlauf liegt 2994: [DJiovei Victore (Personennamen) Illvir 

Rennes). Daß auch dieser Fluß, gleich anderen [restijtuit. Überliefert ist im Anfang der In- 

(wahrscheinlich allen) Wasserläufen in Gallien, schritt: ...'0 - IOVEI; zur Ergänzung vgl. Quintil. 

im Altertum göttliche Verehrung genoß, hat 60 1,4,17, wo in einem grammatikalischen Ab- 

man erschlossen aus dem Ortsnamen in einer schnitt unter den (altertümlichen) Belegen für 

(auch von Holder, Altcelt. Sprachschatz 8, Sp. E statt I auch angeführt wird: Diiove Victore. 

280, 41 f. angeführten) Urkunde vom Jahre 616 Daß die angeführte Inschrift zusammen mit 

n. Chr. bei Pardessus, Diplom. 1, nr. 280 (p. 198): einer Weihung für Quirinus (CIL 6, 666 — Des- 

cum Fano Vicinon(i)ae, mit welchem Namen sau 8141) gefunden wurde, weist auf einen Zu- 

der heutige Ort Les Feux -Villaines der Ge- sammenhang mit der Tempelstätte des Quiri- 

meinde Saint - Pierre -la- Cour [Andree, Hand- nus (Jordan- Huelsen, Topogr. der Stadt Rom 

atlas 7 99/100, EF 4; Arrond. Laval] gemeint im Altert. 1,3, S. 407— 410). Auf dem Palatinns 



283 Victor (Viotrix) Victor (Victrix) 284 

zu Born stand ein Tempel des Iuppiter Victor, J. 0. M. Victori; in Act. fratr. Arv. sind I.O. 

denn die Notitia besagt: Palatium continet . . . . M. und I.Victor gesondert). — Africa, Nu- 

aedemlovis Victoris, während die entsprechende midia: CIL 8, 4577 (Ain Zana — Diana). 4684 

Stelle des Curiosum ürbis weniger genau bloß (ebd.): [IJovem [IVictorelm argenteum usw. 

aedem Iovis angibt, s. Preller, Die Regionen 6981 (XJessou 4921 a; Cirta.Inventariumsacrum): 

der Stadt Born S. 18/19 und S. 186. Jordan- Synopsis: lovis Victor urgentem m Kapitoho 

HueUen a. a. 0. 1,8, S.60f. Kiepert- Huelsen, habens in capite coronam argenteam querqueam 

Formae Urbis Bomae ant, Tab. I, Mmn u. III, Gl, foUor(vm) XXX, in qua glandes n(umero) XV, 

mit Nomenciator topogr. p. 88, wo die ange- ferens in manu dextra orbem argenteum etVic- 

führte Stelle des Livius auf diesen Tempel be- 10 toria(m) palmam ferentem usw. ; vgl. 7046 (Cirta) : 

zogen wird (ebenso Richter, Topogr. d. St. B.' Victoris statuam. — Dazu kommen die bei- 

S. 140). Über die Reste des Tempelbaues s. den griechischen Inschriften in Kleinasien, dem 

Amt, o. Bd. 2, 1, Sp. 681 Ohne Angabe ihrer Ztvs Nixatos geweiht, o. Bd. 3, 1, Sp. 805. 

Lage sind Tempel und Altar genannt von Co«». c) Münzen (Cohen, Monnaies frappies som 

Bio 47, 40, 2 (J. 712 d. St. B. = 42 v. Chr.): l'Empire rom.', Table, 8, p. 397f.), und zwar 

xtoatwo» . . xal k xbv xov Nixaiov Jib s ßm^v Geldstücke des Vitellius (Umschrift: Iuppiter 

iyigovxo und 60,86,1 (J. 54 n. Chr.): ») ttizi- Victor, sonst stets Iovi Victori), Domitianus, 

ii«tos to« »<m>ü to* Jtbe xov Nixaiov avot£ie, Hadrianus, Commodus, Albinus, Septimms Se- 

sowie von Ioseph. ant. lud. 19,248: awxalovv verus, Caracalla, Elagabal, Gallienus, Regalia- 

Si ol €«oto» xi)v ßovli\v eis to Isobv toO Nt- so nus, Postumus, Tetricus Vater und Vater mit 

xntpogov Jiös, wahrend die Angabe des Co««. Sohn, Claudius II, Quintillus, Aurelianus,- Flo- 

Dio 46, 17, 2 (J. 711 d. St. B. = 48 v. Chr.): rianus, Probus, Carus, Numerianus, Cannus, 

xtoavvol xt ..iitttsov, xal xives uixAv xal lg Diocletianus , Carausius, s. Cohen a. a. 0." 1, 

xbv viäv xbv toö Jtl xä Kamxalta iv xm vi- p. 859, nr. 41 und p. 497, nr. 807; 2, p. 178, nr. 

xaia Svta xax&XT&av 'verwirrt und wohl zu 868 ; 8, p. 264, nr. 262—265 und p. 419 t., nr. 

verbessern ist: xal xbv xä Nixata &vxa. Als 42/44; 4, p. 29 f., nr. 247—260. p. 165, nr. 111. 

Stiftungstag der Tempelstätte des I. V. gibt p. 381, nr. 69; 5, p. 383, nr. 897; 6, p. 10, nr. 2. 

Ovid. fast. 4, 621 f. den 13. April an: da der- p. 84, nr. 161 f. p. 98, nr. 65 f. und p. 116, nr. 4. 

selbe /o«t. 6, 650 den 13. Juni als Stiftungstag p. 142, nr. 126—130. p. 168, nr 88. p 188, nr. 

einer Tempelstätte des Iuppiter Invietm nennt, 80 116 f. p. 243 f., nr. 37. p. 286, nr. 323. p. 864 f., 

so könnte an einer Stelle das Heiligtum auf nr. 86—38. p. 370, nr. 16. p. 387, nr. 42—46. 

dem Palatinus, an der anderen das des Quiri- p. 446 f., nr. 301—308; 7, p. 14, nr. 118. — Irr- 

nalis gemeint sein; denn die Bedeutungen der tümlich ist Ni%r\<poeos einer griechischen Münze 

Beiwörter Victor und Invietm sind gleichwertig. des Königs Antiochos IV Epiphanes als Bei- 

Ein vor die Kalenderverbesierung des Iulius wort auf ZsiJe bezogen worden, s. o. Bd. 8, 1, 

Caesar (46 v. Chr.) fallender neugefundener Ka- Sp. 868/9, nr. 1. 

lender (Fasti). auf den Verputz einer Wand- Literatur: Preller-Jordan, Mm. Mythol.', 

Bäche zu Antium (Anzio) in Latium gemalt, 1, S. 197—199. Amt, o. Bd. 2, 1, Sp. 679—682. 

hat unter dem 18. April den Eintrag: Iovi Thulin in Paulys Beal-Encyclop. der cl. Alter- 

Victorß), s. G. Mancini, Notizie d. scavi di ant. 40 tumswiss., Neue Bearbeitg., Bd. 10, 1, Sp. 1183 f., 

(»18), 1921, p. 92, mit Abb. der Beste Taf. I. § 13, 3. Wissowa, Bei. u. Kult. d. Born.' S 123. 

In den Provinzen ist X V. zusammengeflossen 139. 

mit Iuppiter Optimm Maximus (s. u. zu CIL Gleichwertige oder verwandte Benennungen 

2, 1358) und Iuppiter Capitolinus (CIL 8, 6981, des Iuppiter sind : Invietm [Carter a. a. O. S. 62 . 

B u ) Cic. leg. 2, 11, 28. Hör. carm. 3, 27, 78. Ovid. 

Belege, a) Schriftstellen: Liv. 10, 29, 14 fast. 6, 126. 6, 650 (s. o.). Phaedr. Append. 2 = 
(s. o.) und 18 (J. 459 d. St. R. = 295 v. Chr.); Biese, Anthol. Lot. 800, 12. Sä. Ital. 12, 672; 
ebd. 10, 42, 7 (J. 461 d. St. B. = 293 v. Chr.). inschriftlich: CIL 11, 5996a. 6, 7809; Münze 
Iosephus (s. o.). Quintilianus (s. o.). Cass. Dio des Septimius Severus: Cohen' 4, p 28/29, nr. 
(s. o.). Augustinus civ. Dei 7, 11: dixerunt eum 60 289], Propugnator [CIL 6, 2004—2009, Münzen 
(= Iovem) Victoren, Invictum usw. ; außerdem mit Umschrift Iovis Propugnator und Iovi Pro- 
Dichter (s. Carter a. a. 0. S. 57): Tibull. 2, 6, pugnatori s. CoAen' 8, p. S96J, Stator [s. Aust, 
10. Ovid. met. 2, 487/8 und fast. (e. o.). Stat. o. Bd 2, 1, Sp. 679 ff. Münzen: Cohen' 8, p. 896 
Theb. 11,6/6. Avienus Arat. 110/114. bis 897]. Zeus Tropaios u. ä.: s. o. Bd. 6, Sp. 

b) Inschriften. Rom: CIL 6, 438 + 475 (= 1262—1264. 1265. — Vgl. Sp. 296, 88ff. u. 65 f. 

Dessau 2994. 3140) = 30767 a (s. o.). — Acta 2) Nächst Iuppiter gewährleistet den Sieg 

fratr. Arval. itt. Henzen p. 72. [851. 86. [87]. 121. der Kriegsgott Mars. Er hat den Beinamen, 

124 (Index p. 211) = CIL 6, [ergänzt 2044, weniger oft als Iuppiter, hauptsächlich in In- 

J 66 n. Chr.]. 2051 (Dessau 241 ; 1. Mai [und schritten und auf Münzen, 

ergänzt 5. Juni] 69 n. Chr.). 2074 (Dessau 5036; 60 Belege a) Von Dichtern führt Carter a 

25. März 101 n. Chr.). 2086 (Dessau 461; 6. Okt. a. 0. S. 66 nur an Val. Flaccus 8, 228: victor 

213 n.Chr.), an letzterer Stelle mit F»c(on'o zu Gradwm. 

einem Paar verbunden (Wissowa, Bei' S. 139\ b) Inschriften. Rom: Henzen, Act. fratr. Ar- 

— Latium,Antium: iVot. <i.*cowl921,p.92(s.o.j. val. p. 124, J. 101 n.Chr., CIL 6,2074 = Des- 

— Etruria, Rusellae: CIL 11,2616. — Ober- sau 5086, wo angerufen werden in Capitolifo 
italien: CIL 5, 5063 (Anauni, Val di Non) ; frag- pro salute et redifiu et victoria Imp(eratoris) 

lieh 8413 (Priester zu Verona). — HiBpania Traiani nächst der Trias I. 0. M., Iuno 

Baetica: CIL 2, 1358 (bei Ronda = Arunda: Begina, Minerva: Iovis Victor, Salm, Mars 



285 Victor (Victrix) Victor (Victrix) 286 

Pater, Mars Victor, Victoria, Fortuna redux 3,2803; ebenso im Kalender (Fasti) von Venu- 
usw. — Hispania Tarr.: CIL 2, 2478: Deo sia, CIL 9, 421 (CIL 1«, p. 221. 318), hier wohl 
Marti Victori (bei Chaves — Aquae Flaviae in unabsichtlich eingetragen zum 14., Btatt 16. Mai, 
Gallaecia; sehr schlecht überliefert). — Africa denn unter' letzterem Tage war im neugefun- 
proconsularis : CIL 8 (Suppl. 1), 12435 (Hr. Beni denen Kalender von Antium (s. o. A 1) einge- 
Darradji). — Numidia: CIL 8, 17628. 17624. tragen, mit wahrscheinlicher Ergänzung : [Mar- 
17626. [17628] (Zui = Vazaivi, Suppl 2 = ti] Invict(o), s. G. Mancini, Not. d. scavi 1921, 
10716ff.). — Mauretania: CIL 8,8439 (Setif — p. 96. Münzen: Cohen' 8, p. 406], Mars Pro- 
Col. Sitifis). — Pannonia inferior, Dälya = Teu- pugnator [Münzen: Cohen' 8, p. 406; auch in- 
toburgium: CIL 8 (Suppl. 1), 10266: Signum 10 schriftlich: C7ilS,8017, vgl. 7756: Deo Marti 
Mart. Vic. (vgl. v. Domaszewski, Westd. Ztschr. pr(a)estanti]. — Ein Signifer der im Lager Ve- 
14, S. 84); vgl. 10109 vom J. 211 n. Chr. (Suppl. 2) tera (bei Xanten) liegenden Legion heißt Mar- 
14156'. — Gallia Belgica, Trier = Augusta tius Victor, CIL 18, 8616 (J. 230 n. Chr.), eine 
Treverorum: CIL 13, 3656. — Germania in- Frau in einer dem Deus Hercules geweihten 
ferior, unbestimmter Fundort im Gebiet der Inschrift zu Mainz, CIL 18, 6693a: Victoria 
Bataver, CIL 13, 8881: Weihung der gladia- Martia. — Vgl. Sp. 296,44 fr. 
tores c(lassis) G(ermanicae) P(iae) F(idelis). — Wiedergabe eines Tempelbildes des Mars 
Britannia: CIL 7, 426(?). 509 (Deo Marti Vic- Victor zu Hora liegt vielleicht vor in den von 
tori). 706. 926(?). 992. 993. — Vgl. Not. d. scavi K. Woelcke, Bonn. Jahrb. 120 (1911), S. 198 f. 
1910, p. 186 f. (daher Revue archiol* 18 = 1911, 10 besprochenen Bildern, die dieser als Mars Ul- 
li, p. 220, nr. 68), Ostia, aus einem Grottenheilig- tor deutet (s. o., Ultor, A); sie 6ndet sich be- 
tum des Mithra (Spelaeum): Ma(rtif) Victori reits auf einem Denar des L. Valerius Flaccus 
Patri. (um 100 v. Chr.), s. Babelon, Monn. de la Be- 

c) Münzen (Cohen' 8, p. 406. 407) des Galba, publ. rom. 2, p. 612, nr. 11, mit Abb. Bonn. 
Vitellius, Vespasianus, Marcus Aurelius, Pescen- Jahrb. 120, Taf. XII, 12 (zu S. 210). 
nius Niger, Septimius Severus, Caracalla, Geta, Literatur: Boscher, o Bd. 2,2, Sp. 2424. 
Elagabal, Alezander Severus, Gallienus, Postu- Preller-Jordan, Böm. Mythol.' 1, 8. 862. 
mus, Victorinus, Tetricus Vater und Sohn, Clau- 8) Hercules Victor oder Invictus war in 
dius II, Tacitui, Florianns, Probus, Numerianus, Rom zuerst verehrt worden an der Ära maxima 
Carinus, Diocletianus , Maximianus Herculius, so in der Nahe des Forum Boariom; an diesem 
Carausius, Constantinus I, s. Cohen' 1, p. 827, Forum Belbst erstand später sein Hauptheilig- 
nr. 138. p. 360, nr. 66—58. p. 888, nr. 266—269; tum, andere Heiligtümer lagen in der Nachbar - 
8, p. 46, nr. 431 f. p. 410, nr. 60— 52; 4, p. 36 f., sohaft, so ein von Pompeius erbauter Tempel 
nr. 319—323. p. 160, nr. 147. p. 261, nr. 76. am Circus Maximus, ein anderer Tempel an 
p. 384 f., nr. 108 ff. p. 419, nr. 177; 5, p. 398 f., der Porta Trigemina. S. M. Peter, o. Bd. 1, 2, 
nr. 605—607; 6, p. 36, nr. 191. p. 77, nr. 74. Sp. 2901—2920, vgl. Sp. 2928 ff. Boehm in Pau- 
li. 100, nr. 80. p. 122, nr. 26. p. 145, nr. 154. lys Beal-Encyclop. d. cl. Altert., Neue Bearbtg., 
p. 146, nr. 170. p. 226 f., nr. 66 f. p. 244, nr. 42 8, 1, Sp. 652 ff. Kiepert- Huelsen, Formae ürbis 
p. 285 ff., nr. 331—847. p. 288, nr. 867. p. 870, Borna e ant, Nomenciator topogr., p. 6. 79—80. 
nr. 18 f. p. 388, nr. 51. p. 447, nr. 313 f. p. 582, 40 Richter, Topogr. d. St. Born' S. 187— 190. Wis- 
nr. 389; 7, p. 19, nr. 160— 164. p. 266, nr. 822. sowa, Bei' S. 273— 276. 

Marti Patri semp(er) Victori: Cohen' 6, p. 688, Auch an anderen Stellen in Rom lagen 

nr. 398 u. 7, p. 270, nr. 370. Marti [Comiti] sicher oder mutmaßlich Heiligtümer des Her- 

Victoii Aug(usti) [n(oslri)]: Münzen des Ma- cules Victor, s. B. Peter .a. a. O. Sp. 2920 ff. 

xentius, Cohen' 7, p. 176—176, nr. 93—96. Vgl. Boehm a. a. O. Sp. 578; von diesen ist beson- 

auch /. Maurice, Numismatique Constantinienne ders zu nennen der von L. Mummius im J. (>09 

1, p. 188. 274; 2, p. 11. 86. Roms = 146 T. Chr. gestiftete Tempel, dessen 

Gleichwertig ist Verbindung des Mars mit Weihinschrift wiedergefunden und noch er- 

Victoria [CIL 6, 31149. 31175 u. ö. (Rom). halten ist, CIL 1, 541 — 1*, 2, 1, p. 606, nr. 626 

CIL 13, 6145 (Eisenberg in der bayr. Rhein- so —6,831 (Dessau 20. Buechekr, Carm. lat. epigr. 

pfalz). 6593 (Walldürn, im nordöstlichen Ghzt. nr. 3): Iianc aedem et signufm) Herculis 

Baden). 6740 b, vgl. a (Mainz). 7249 (Oberolm Victoris . . dedicat. 

bei Mainz). 7395 (bei Friedberg in Oberhessen). Außerhalb Roms war vornehmlich berühmt 

7412 (Großkrotzenburg am Main): Marti Lfeu]- der Tempel des Hercules zuTibur, der deshalb 

cet(io) et Vifctjoriae. 3 (Suppl, 1), 11889 (Augs- auch Tiburtinus heißt, s. o. Bd. 5, Sp. 935 f. 

bürg). Goessler, Böm.-Germ. Korrbl. 5 (1912), Dessau, CIL 14, p. 867 f. B. Peter, o. Bd. 1, 2, 

S. 90 (Gingen im Fihtal in Württemberg) = Sp. 3002—8004. Boehm a. a. 0. Sp. 582—584. 

Sixt-Baug, Die röm. Inschr. u. Bildwerke Wiirt- Nissen, Ital. Landesk. 2, S. 618 f. Wissowa, Bei' 

tembergs' nr. 621, S. 687. Bev. arch. 1 19 -= 1912, S. 272 f. 278. Er heißt gewöhnlich HerculesVic- 

1, p. 477, nr. 74 aus Klio 11 (Maroskeresztur, 60 tor, zweimal in Weihungen von Soldaten und 

in Dacia); Britannia: CIL 7,220 u. 1068; vgl. in einer dritten Weihung eines Auswärtigen 

CIL 8, 2465 (Numidia) und (Suppl. 2), 18281 Hercules Invictus (s. u.), einigemal hat er an- 

(Lambaesis in Numidia); CILS(Suppl.2),lilbb'. dere oder keinen Beinamen. — Sonstige Ver- 

14370*. 15180. Ephem. epigr. 9, p. 741. CIL 18, ehrung im Römerreioh geht aus Inscbriften- 

8812. Auch bildlich, wie CIL 13, 7852. 7505; funden hervor. 

vgl. Hang, Viergöttersteine, Westd. Zeitschr. 10 Belege, a) Schriftstellen über die oben an- 

(1891), S. 322. — Wissowa, Bei,' 141,4], desgl. geführten Heiligtümer sind an den genannten 

Mars Invictus [CIL 9, 2198. 2, 2990 u. 13, 392. Orten nachgewiesen, Macrob. tat. 3,6.9 — 11, 



287 Victor (Viotrix) Victor (Victrix) 288 

u. a.; s. auch Carter a. a. 0. p. 48/44. Panegyr. Weihgedioht (Buecheler 248. Dessau 8410): Vic- 

Lat. (Maximiano dict, c. a. 289—290) 2, 18 tor (ohne Hercules); 10,7654, Oagliari = Cara- 

und 8,8. lia auf Sardinia; 6, 5508 (?), Ostufer des Lago 

b) Inschriften. Rom: CIL 6, 331 (Mummius, Maggiore (Lacus Verbanus); in Germania in- 

s. o.)i Act. fratr. Anal. ill. Benzen p. 124= ferior: CIL 18,8011, Dietkirchen bei Bonn, 

CIL 6, 2074 {Dessau 5035), J. 101 n. Chr.; CIL Weihung von zwei Heeresangehörigen ex stipi- 

6,328 (Dessau 3434): Herculi Victori PoUenti bus\ in Britannien : CIL 7,313, Kirkhaugh bei 

Potenti Invicto (3. 81 n. Chr.); 830; 832 (Des- Whitley Castle (südlich vom Hadrianswall) : 

so« 1135), Weihung des Consul suffectus P. Deae Menervae et Serculi Victor(i). — Announa 

Plotius Romanus; 333: H. V. D. (= Herculi 10 = Thibili in Numidia, Becueil des not. et mem. 

Victori Defensori); 319 (Dessau 3405. Bueche- de la Soc. archiol. du dip. de Constantine* 8 

ler, Carm. epigr. 22) : Argive Victor Hercules. = 1905, p. 255, nr. 160, und Bull, archiol. 1906, 

[Invictus: CIL 6, 224. 226 f. 312—329. 3688. p. CCLXIII (Revue archeol* 8 — 1906, 2, p. 221, 

80904 f.; vgl. 30736—80738] nr. 97, und 9 = 1907, 1, p. 348, nr. 9): Victori 

Tibur (s. o): CIL 14, 3555: Iovi Praestiti Deo Herculi.— [Invictus: CIL 14,2465; 9,1046. 

Hercules Victor dicävit, Blandus (Tiburtinus), 1096, auch 2320 und 4192 (s. o.); 10,1478; 6, 

prfaetor Borna«), restituit; Ephem. epigr. 9, nr. 6049, die übrigen im Gebiet von Mediolanium 

897; CIL 14,3549: Victori Herculi sacrum; (Mailand): 6593. 5606. 6645. 6724.6769.6769; 

8646 f. und 3650: Herc. (Her.) Vict.; Beiname 2, 1568. 1660; 12, 4316; 18, 230. 484. 7695 f.; 

abgekürzt V.: 3699. 8674 und (bloß H. V.): 20 CIL 8, Suppl. 2, Indices p. 2612. 2664; zwei In- 

3544. 3550. 3651. 3601. 3609. 8611? Ephem. Schriften von Lambaesis in Numidia, Bull, ar- 

epigr. 9, nr. 898; Herculi Tiburtftno) Vict: CIL cheol. 1911, p. CCXXXlXf. Bev. archeol* 18 

14, 3554; Herculi Victori Certenicino (J. 224 (1911, 2), p.486f. 19 (1912, 1), p. 458; nördl. 

n.Chr.): 3553; Herculi Invicto: 3545. 3548, ge- Britannia: CIL 7, 924. 986. Moesia (Bulgarien) : 

weiht von Soldaten, und (Add. p. 495) 4234, Sbornik 20, p. 84 (daher Bevue archiol.* 6 — . 

geweiht von einem Mann aus Ostia, der sich 1905, 1, p. 496, nr. 219).] 

u. a. nennt mercator frumentarius. Die älteste c) Münzen (Cohen* 8, p. 390) des Maximianus 
Weihung, CIL 14,8541 = 1,1113 = 1*, 1482, Hercul., Constantius Chlorus, Galerius Maxi- 
lautet Herculei ohne Beinamen. — Fanum mianus, Severus II, Maximinus II, Licinius Va- 
Herculis Victoris: CIL 14, 3599. (3600). 3601. alter, Constantinus I, s. Cohen' 6, p. 521—623, 
3609. 8611? 3650. (3673.) 8674. (3689.) 3644. nr. 294— 809; 7, p. 70f., nr. 148— 151. p. 112, 
[Die Inschriften stehen teilweise auch bei Des- nr. 112. p. 186, nr. 49—51. p. 160 f., nr. 104 bis 
sau nr. 1044. 1061. 1101. 1104. 1889. 3401. 3414 106. p. 194, nr. 69. p. 261, nr. 276— 279. Vgl. 
bis 3418. 6233. Add. 9010. — Zum Beinamen auch J. Maurice, Numism. Constantin. l,p. 284; 
Saxanus, CIL 14, 3648 (Dessau 8452), s. Kenne 2, p. 291. 877; 3, p. 8. 9. 21. 24. 98. 108. 110. 
in Paulys Beal-Encyclop., Neue Bearbtg, Bd. 2 167. 178. 179 f. 228. 280. [Herculi Invicto: Mün- 
A, 1 (2. Reihe, 3. Halbbd.), Sp. 268.] zen des Postumus u. a., s. Cohen* 8, p. 890.] 

Mit vielen Bronzestatuetten und Teilen von Literatur: Preller-Jordan, Rom. Mythol* 

größeren Bronzebildern des Hercules nebst Geld- 2, S. 285 ff. B.Peter, Boehm u. a. a. a. O. 

stücken der röm. Republik sind bei Castelvec- 40 4) Apollo, Phoebus, Titan(Sol), s. Car- 

chio Subequo, wenig über 20 km von Sulmona ter S. 15. 94. Propert. 4 (5), 6, 69 f.: Apollo 

(Sulmo im Land der Paeligni), in der Richtung Victor; Seneca d. Ä., Agamemn. 326 f.: Victor 

Aquila, steinerne Cippi oder Sockel gefunden, . . Phoebe (vgl. Lucan. 3, 206 : Phoebo Victore). — 

einer mit zwei archaischen Weihinschriften ver- Aman. fab. 4, 15: victor . . Titan (= SoT). — Sol 

schiedener Zeit, von Vater und Sohn (Abb. a. führt auch in CIL 6, 712 den Beinamen Victor 

a. O. p. 287): Sa. Seio(s) L. f. Herclei donom (DfeoJ Soli VifctoriJ), statt des gewöhnlichen 

ded(et) brat, (oskisch = lat. meritol) datas und Invictus, mit welchem Beiwort der orientali- 

Seiofs) Sa. f. Herclei Victurei (= Herculi Vic- sehe Mithras gemeint ist (CIL 6, 714 ff. 81080 ff. 

tori); Notizie d. seavi 1921, p. 284 ff. 81181 usw. Dessau 3, p. 662; ebenso auf Mün- 

Der im Abschnitt A 1 , auch 2, angeführte 60 zen). [Auch Sabazis =- (Iuppiter) Sabazius führt 

Kalender von Antium in Latium hat unter dem diesen Beinamen Invictus z. B. CIL 6 , 30949 

13. August (Sextilis) den Eintrag: Hercfuli) = Dessau 4089, ebenso Serapis z. B. CIL 6, 

Vic(tori), s. G. Mancini, Notizie d. seavi 1921, 674 = 80798. 80996; vgl. 11, 6788 (— Dessau 

p. 106 und dazu p. 107,4, vgl. Taf. I, während 4897): Iovi Soli Invicto Sarapidi; s. o. Bd. 2, 

die Fasti (Kalender) von Allifae in Samnium, 1, Sp. 263. Iuppiter Dolichenus heißt invictus 

CIL 9,2320, unter dem 13. August denselben in CIL 6,406 — 30768 (Dessau 4816)]. — Den 

Hercules Invictus nennen, mit Zusatz ad por- Beinamen Propugnator führt Apollo auf einer 

t(am) Trigeminam. Im Kalender von Allifae, kleinasiatischen Münze des CommoduB, s. Höfer, 

und ebenso in dem von Amiternum im Sabiner- o. Bd. 2, 2, Sp. 8182. 

land, CIL 9, 4192, ist der 12. August als Fest- so 5) Volcanus, s. Carter 8. 105. Sil. Ital. 4, 

tag des Hercules Invictus ad Circum Maximum 681 : victor Vulcanus (von einem Brand) und 

angegeben. CIL 1', p. 217. 244. 824—825. 17, 101 f.: victor Mulciber (desgl.). 

Außerdem ist Verehrung des Hercules Vic- 6) Liber, s. Carter S. 62. 61. Verg. Arn. 6, 

tor bezeugt durch folgende Inschriften in Ita- 804 f. u. Ovid. ex Ponto 4, 8, 61: victor . . Liber; 

lien: CIL 14, 4066, Fidenae (Latium); 10, 6386 Claudianus (24 =) de coneulatu Stüichonii 8, 

(Dessau 7324), bei Aquinum (Neu-Latium): Joco 862 (Mon. Germ. Auct. ant. 10, p. 288): Victor 

sepultur(a)e eultorum Herculis Victoris; 9, 4672 . . . Lyaeus. 

= 1, 542 = 1*, 632, Reate im Sabinerland, 7) Castor und Pollux, s. Carter S. 21. 86. 



289 Victor (Victrix) Viotor (Victrix) 290 

Stat. silv. 6, 8,189 f.: non totiens victorcm Ca- a. a. 0. 1,2, S. 42). — Über eine von Faustus 

stora gyro nee fratrem caestu . . plausere ; Pro- Cornelius Sulla, dem Schwiegersohn des Pom- 

pert. 3 , 14 (4, 1 8) , 17 f. : Pollux et Castor . . hie peius, wohl im J. 64 v. Chr. geschlagene Münze 

Victor pugnis, ille futurus equis. und ihre Beziehung auf den im vorhergegan- 

8) Mercurius heißt Victor in der Weih- genen Jahr der Venus Victrix von Pompeius 
inschrift von Hieres (Depart. Isere) im Rhone- peweihten Tempel s. Mommsen, Gesch. des röm. 
tal oberhalb Lyon, CIL 12, 2873 {Dessau 4602) : Münzwesens (1860), S. 628 f. , nr. 269, und Ba- 
Deo Mercurio Victori Ma[g]niaco Vefljlauno. belon, Monn. de la Bep. rom. 1, p. 428, zu nr. 68 
Vgl. den Art. Vellaunus, oben Sp. 179. (p. 424). 

[Invictus: CIL 10, 6219, Weihinschrift eines 10 b) Inschriften. Rom, CIL 6, 786; Fasti Ar- 

Pantomimus unter Marc Aurel und Verus, ge- valium, CIL 1\ p. 214: .. . Faustae Felicitat(is), 

funden bei Fundi in Neu-Latium.] V(enerit) V(ictricis) in Capit(olio) . ., 9. Oct., vgl. 

9) Lar, s. Wissowa o. Bd. 2, 2, Sp. 1887. p. 381. — Allifae in Samnium, CIL 9, 2820, 
CIL 11, 2096 (Dessau 8631), bei Chiusi = Clu- Fasti = Ephem. epigr. 8, p. 85 f., Aug. 12: V. V. 
sium in Etraria: Lari Victori sacr(um), Gavia H. V. V. Felicitaßi . . . , d. h. V(eneri) V(ictrici), 
Statuta v(otum) sfolvit) l(ibens) m(erito). Vgl. H(onori) V(irtuti), V(....1), usw.; vgl. CIL l*, 
das Weihgedicht zu Bonn, auf einem Altar, p. 217. 824. — Amiternum im Sabinerland, CIL 
den ein Statthalter von Niedergermanien, wohl 9,4192, Fasti, Aug. 12: Veneri Victrici Hon(ori) 
im Heiligtum des Legionslagers Bonna, gestiftet Virtut(i) Felicitati in theatro marmoreo (des 
hatte, CIL 18, 8007 (Dessau 1196. Bueeheler, so Pompeius) und Oct. 9: . . Faustae Felicitati, Ve- 
Carm. epigr. 20): Martis et Pacis Lari. Vgl. ner(i) Victr(ici) in Capitol(io) . .; vgl. CIL 1', 
Boehm in Paulys Beal-Encyclopädie, Neue Be- p. 244 f. 824. 881. — Zur Verbindung mit Fe- 
arbeitung, Bd. 12, 1 (28. Halbband), Sp. 813,11 ff. licitas vgl. Venus Felix, Wissowa a. a. 0. — Ti- 

10) Auch den Liebesgott Amor nennt, ohne femum Tiberinum (Cittä di Castello) in Umbria, 
Angabe seineB Namens, Victor: Ovid. Amor. 1, CIL 11, 6928 (Dessau 8173 — 5899), Tempel- 

2,60; vgl. Dracont. carm. 10,262 (Poet. Lat. inschrift: Veneri Victrici solo privato . . . 

min. rec. Baehrens, vol. 6, p. 201): puer igni- — Hybla maior (Paternb) auf Sicilia, CIL 10, 

potens Victor. Carter S. 10. 9. 7018 (Dessau 3178): Veneri Victrici Syblensi 

11) [Invictus heißt Silvanus in der britan- usw. — Oberitalien. Patavium (Padova), CIL 
nischen Inschrift CIL 7, 461 (gef. südlich vom so 6, 2806; Aquileia, CIL 6 (Add. p. 1029), 8249: 
Hadrianswall). In der Weihinschrift eines klei- Victrici oder V(eneri) Victrici sac(rum). — Dal- 
nen Altars mit dem Bild des Silvanus, CIL matia. Scardona, CIL 3,2806; Danillo (bei Se- 
il, 699 (in Bologna = Bononia) scheint ISN benico) — Reditae, CIL 8, 2770 (Dessau 8177) : 
zu erklaren = I(nvicto) S(ilvani) n(umini). Sil- Veneri Victrici Particae Aug(ustae) sac(rum)*), 

vanus hat also hier denselben Beinamen wie in memoriam Antoniae . . Paukte paren- 

Hercules, mit welchem er so oft verbunden tes..; Salonae, CIL 8, 1964 und 1966 (Dessau 

erscheint.] 3176): Veneri Victrici in memoriam Albuciae 

B. Victrix. 1) Von Göttinnen heißt am C. f. Pontiae uxoris usw.; ihr Bild (oder Vic- 

häufigsten Venus Victrix, auf Inschriften vor- toria) ebd., CIL 8, 1972; bei Narona, CIL 8, 

wiegend in Dalmatia und Nachbarländern, auf 40 1797 (Veneri Victrici Aug.); Fundort unbe- 

Münzen vornehmlich mit Bildnis von Frauen stimmt, CIL 3, 8160. — Pannonia superior. 

des Kaiserhauses. Die Bonst als Stammutter des Stein am Anger (Savaria), CIL 3, 4162 (Dessau 

römischen Volkes und der Gens Iulia Venus 7119) und 4167 (Veneri Vict. Aug.); Caraun- 

Genetrix genannte Göttin wird durch den Bei- tum, CIL 3 (Suppl. 1), 11139 (Dessau 4285): 

namen Victrix gleichbedeutend mit Victoria [I(ovi)J O(ptimo) M(aximo) H(eliopolitano), 

(Dessau zu 8173. 8177). Preller -Jordan, Born. Veneri Victrici usw., ebenso zu ergänzen 11140: 

Mythol.' 1, S. 442 f. (vgl. 2, S. 266, 4). Wissowa, [I. 0. M. H., Venejri Victrici. [Zur Zusammen- 

Belig. u. Kultus der Bömer' S. 291 f. Mommsen, Stellung der Venus mit I. 0. M. Heliopolitanus**) 

CIL l s , p. 322. Doch ist diese ursprüngliche vgl. CIL 3, 7280 (Dessau 4284, Athen). 8, 14392 d 

Gleichwertigkeit abgeblaßt, wenn Venus Vic- 50 (Suppl. 2). 13, 6668 (am obergermanischen Li- 

trix z. B. zum Andenken an verstorbene Frauen mes)]. — Dacia. Maros-Porto (zu Apulum), CIL 

geehrt ist (CIL 8, 1965. 2770; 2, 23). 3, 1116 (Dessau 3174, vielleicht aus einem Mi- 

[S. den inzwischen erschienenen Art. Venus threum); Klausenburg (=Napoca), CIL 3 (Suppl. 

von Wissowa, oben (Bd. 6), Sp. 19a— 194 und 1), 7663. — Hispaniae, Lusitania. Merobriga, 

199, auch Sp. 186, 68 ff. 195/196. 196/197. 203/ CIL 2, 23 (Dessau 3176): Veneri Victrici Augfu- 

204. 204, 38 ff. 206, 88 ff. und 53 ff. 207, 7 ff.] stae) sacr(um), in honorem Luciliac Lepidinae 

a) Der Venus Victrix hatte Pompeius auf Flavia Titia filiae pientissimae ; Emcrita, CIL 

der Höhe deB Zuschauerraumes (Cavea) seines 2, 470 = Ephem. epigr. 8, p. 363, nr. 16 (mit Dar- 

Theaters einen Tempel erbaut, geweiht am Stellung eines Adlers unter der Weihinschrift). 

12. August 699 Roms = 55 v. Chr., s. Kiepert- so — Africa proconsularis. Schauwäsch, CIL 8 

Suelsen, Form, ürbis Bomae ant., Nomencl. (Suppl. 1, p. 1441), 14809. — Über CIL 3 (Suppl. 

topogr., p. 89. Jordan-Huelsen, Topogr. d. Stadt 1), 8676 (Salonae) s. Vires (2), Sp. 382, 84 ff. 

Born im Alt. 1,3, S. 525/526. Bichter, Topogr. c) Münzen (Cohen 1 8, p. 442). — a) Veneri 

d. St. Born' S. 228. Auch auf dem Capitolium Victrici ( Victri., Victr., Vict.) : Cohen' 3, p. 166 f., 

war ein Heiligtum der anderswo Venus Ery- nr. 240—243, Faustina d. J.; 4, p. 121 f., nr. 191 

cina oder Venus Capitolina genannten Venus „ ,..,_, „ ,.. . ,„„ „ „„, 

V,'«4--:- t« . \. j w i.j /\ « o -«n ) = Mctoriae Parthicae Äug. tacr. {CIL 8, SS54 = 

Victrix (s. u., b, und Bichter a. a. O." S. 128. d,^ u sosi. 

Buelsen, Nomencl. topogr. p. 89. Jordan-Huelten »«) s. wlnowa oben (Bd. «), Sp. »08, ii «f. 



291 Victor (Viotrix) Victor (Victrix) 292 

bis 196, Iulia Domna; 4, p. 206, nr. 604, Cara- 8) Diana. Hom, CIL 6,362: [Isidil IJn- 

calla; 6, p. 44t, nr. 1020 {Vener. Victrix) und victae Dianae Vietriei ubw. — Mauretania Cae- 

1021, Gallienu«; 6, p. 878f, nr. 92f., Numeria- lariensis. CIL 8, 9790 (Dessau 8261), Arbal: 

nuB; 6, p. 397, nr. 129 f., Carinus ; 6, p. 407, nr. 8, Dianae Vietriei C. Iul(ius) Maximus proc(ura- 

Magnia Urbica; 7, p. 129 f., nr. 1 — 18, d. h alle tor) Aug(usti), praepositus limitis und CIL 

Geldstücke mit dem Bildnis der Galeria Va- 8,9881 (Dessau 3267), bei Hadjar er-Rüm — 

leria. — ß) Veneri (Vener.) Victor(iat) : Geld- Lamoriciere (— Altava): Dianae deae, nemo- 

stücke mit dem Bildnis der Iulia Domna, Cohen' rum comiti, vietriei ferarum annua vota dedi, 

4, p.121, nr.189. 190. — y) Venus Victrix: Cohen* Weihung des Befehlshabers einer Auxiliarkohorte 

8, p. 161, nr. 282 f., Faustina d. J.; 3, p. 222, nr. 10 [zur Benennung der Göttin vgl. CIL 6, 124 = 

89—91, Lucilla; 3, p. 886f., nr. 48—44, Crispina; 80700 = Dessau 3268 = Buecheler, Carm. epigr. 

4, p. 128, nr. 216—219, Iulia Domna; 4, p. 206f., 1520: nemorum incola, ferarum domitrix, auch 

nr. 605—618, Caracalla; 4, p. 248 f., nr. 24—29, CIL 2 (Suppl), 6638 = Dessau 3262: Dian(a)e 

Plautilla; 4, p. 361, nr. 287, Elagabal ('parais- Venatrici usw.]. — "Aoreiiis ist iVixijqpd'jos be- 

sant hybride'); 4, p. 878, nr. 22, Iulia Paula; nannt in einer Inschrift von Magnesia am Mae- 

4, p. 396, nr. 52, Iulia Maesa; 4, p. 497, nr. 7ö ander, s. o. Bd. 8, 1, Sp. 369, nr. 8. Xelnvaiu s. 

bis 79, Mammaea; 5, p. 59, nr 846 f., Gordia- zu IsiB (u., nr. 9). — [Diana Invicta: CIL 14, 

nus (Hub); 5, p. 296, nr. 4, Cornelia Supera; 2496 a.] - Seneca d. Ä., Agamemn. (Carter S. 81), 

6, p. 817, nr. 212 — 218, Valerianus Vater; 5, in einem Gebet, gerichtet an Diana (Trivia, 

p. 441/442, nr. 1024 f., Gallienus; 6, p. 609 f., nr. so 882 ff.) 392/8: tu Tantalidos (= Xiobes) funera 

126 — 135, Salonina (nr. 126 und 127 abgekürzt: matris victrix numeras. 

Vict); 5, p. 640, nr. 10, Valerianus Sohn; 6, 4) Fortuna. Inschrift zu Calama in Nu- 
p. 408, nr. 15—18, Magnia Urbica. — Die an- midia, aus der Zeit 294/305 n. Chr., CIL 8, 
gegebenen Benennungen Btehen als Umschrif- 5290 (Dessau 5477): [Forjtunam Victricem cum 
ten auf der Kehrseite mit Darstellung der stehen- simulacris Victoriarufm ex] infrequenti et ro- 
den VenuB (mit den Zügen der Kaiserin : Cohen' eulto loco ftrajnstfulit] ...et locavit .... 

8, p. 166. 161), deren Abzeichen oft auf ihren — Fortuna und Victoria verbunden in CIL 14, 

Beinamen Bezug haben, denn sie lehnt sich oft 4002 mit Ephem. epigr. 7, p. 380/381 , nr. 1266 

an einen Schild, neben Schild ist Helm, auch (Ficulea in Latium). Vgl. Wissowa Bei' S. 141,4. 

Panzer vertreten, in der Hand trägt sie öfters so — CIL 13 (4), nr. 11774 = Dessau, Add., 9264 

eine Palme und eine kleine Victoria; auf Mün- (Limeskastell Stockstadt, J. 212 n. Chr.) ist 

zen des Caracalla und der Salonina (Cohen* 4, geweiht Deae Fortunae superae aarmipotenti 

p. 207, nr. 612; 5, p. 609/510, nr. 131 f.) sitzen zu (so statt armipotenti; armipotens heißen bei 

ihren Füßen Gefangene; auch ist sie mit Mars Dichtern Mars und Minerva, vereinzelt auch 

zusammen dargestellt (Cohen' 3, p. 156, nr. 241). luppiter, mit oder ohne Nennung des Götter- 

— Vgl. auch /. Maurice, Numismatique Con- namens, s. Carter p. 64. 70. 53. Thes. ling. lat. 2, 

stantinienne 2, p. 306 f. 308 (Münzprägestätte p. 617). 

Siscia), p. 882f. 388f. (Serdica), p. 423. 426 5) Victoria (vgl. Fortuna), in Inschriften. 

(Thes8alonica), p. 560 (Heraclea Thrac.) ; 3, p.12/ Mauretania Caesar., CIL 8, 9017 (Aumale = 

18. 14 (Nicomedia), p. 98 (Cyzicus), p. 164 f. 168 40 Auzia) unter Rest von Bildwerk: Numini 

(Antiochia), p. 240/241. 250 (Alexandria): Ve- sanfeßo Victoriae Vifcßrici usw. — Britannia, 

neri Vietriei. — Münzen mit Bildnis des Iulius gefunden zu Auchindavy am Wall des Anto- 

Caesar vom Jahr 44 v. Chr. zeigen auf der Kehr- ninus Pius mit anderen Weihinschriften des- 

Beite Venus, stehend oder sitzend, mit Zepter selben Mannes (eines Centurio der Legio II 

und auf der einen Hand eine Victoriola: Ba- Augusta), CIL .7, 1111 = Dessau 4881 = Mac- 

belon, Monn. de la Bep. rom. 2, p. 21—22, nr. donald, The Born. Wall in Scotland (1911), PI. 

34—86 (= 1, p. 124, nr. 13—15) = Cohen 1*. XLIV 2, zu p. 881 f., nr. 32: I(ovi) 0(ptimo) 

p. 11—12, nr. 22—24. M(aximo), Victoriae Vietriei pro salute Imp(e- 

Über ktpooitrri Nixr)(p6toe s. o. Bd. 3, 1, rattrris) n(ostri) usw. 

Sp. 369, nr. 2. — Vgl. auch CIL 11,5166 (De- 60 Republikanische, Münzen, geschlagen von 

ruta, in Umbria): Veneri Martidli. den Münzmeistern M. (Porcius) Cato und dessen 

2) Minerva, in Anlehnung an griechischen Sohn M. Cato (üticensis) haben auf der Rück- 
Kultus: CIL 8 (Suppl. 1), 10488 = Dessau 3181, Beite, zum Bild der thronenden Victoria (Wie- 
Alt-Ofen = Aquincum in Pannonia inferior: dergabe des Kultbildes in der vom alten Cato 
Minervac Vietriei C. Val(erius) Pudens leg(atus) im J. 193 v. Chr. geweihten Kapelle der Victo- 
Aug(usti) pr(o)pr(aetore) [über diesen Statt- ria Virgo), die Beischrift: Victrix, die jedoch 
halter s. Prosopogr. Imp. Born. 8, p. 376, nr. 122]. als Beiwort mit dem auf der Vorderseite stehen- 
Nach Plin. nat. hist. 7, 97 hatte Pompeius der den oder zu ergänzenden Namen der Borna 
Minerva einen Tempel geweiht ex manubiis, zu verbinden ist; s. die folgende nr. 6. 
er 'faßte sie also als 'A»t\v& Nlxv' (Wissowa to 0) Roma Victrix. Münzen von M. Porcius 
o. Bd. 2, 2, Sp. 2989, 48 ff.). Ober Athena Nike Cato, Münzmeister gegen J. 658 Roms = 101 
s. o. Bd. 3, 1, Sp. 310 f. (Bulle); über Athene v.Chr., s. Babelon, Monnaies de la Bepubl. rom. 
Nikephoros zu Pergamon und anderswo s. o. 2, p. 371 — 872, und von einem anderen M. Por- 
Bd. 8,1, Sp. 869 f., nr. 7. — A1b Schutzgöttin eins Cato, Propraetor J. 706/8 Roms = 48/46 
des Ackerbaues heißt Minerva im Gedicht Aetna v. Chr., s. Babelon 2, p. 876—876. — Aus Dich- 
(Appendix Vergil.) 583 nach Hs. C (in Cam. tem führt Carter S. 90 an Ov. fast. 4, 889 und 
bridge): victrix sali (Carter S. 72), doch s. Poet- ex Ponto 4, 8, 46. — JVixjjqpojos heißt 'Papn in 
lat. min. rec. Baehrens 2, p. 128. einer Inschrift von Mytilene, s. o. Bd. 8, 1, 8p. 



293 Victor (Victrix) Victoria 294 

869,4. Die gleich Pallas Athene behelmt dar- regenten Maximianus (Herculius), Cohen' 6, 

gestellte Borna tragt oft auf der Hand eine p. 422, nr. 66. 67, auch 68, und p. 608, nr. 90, 

kleine Victoria (gleich anderen Gottheiten , s. haben auf der Bückseite die Umschrift Fatis 

u. nr. 14; Vietoriolae: Cic. nat. deor. 8, 84, 84), Victrieibus zu einem Münzbild, welche« auf 

s. Abb. 0. Bd. 4, Sp. 134. 162. 164. 160. Lothr. Dioclet. nr. 66 (s. Abb. o. Bd. 1, 2, Sp. 1460) drei 

Jahrb. 14 (1902), 8. 898 u. a. stehende Frauen (Parcae) zeigt, die sich die 

7) Iuno heißt victrix bei Seneca d. Ä-, Aga- Hand reichen (eine der Frauen hebt eine Hand 
memn. 867 {Carter 8. 60). Auf einer Münze mit in die Höhe), auf Dioclet. nr. 67 (mit Abb.), 
Bildnis der Gattin des Gallienus, Salonina, zeigt auch 68, drei Fortunae, stehend, mit Füllhorn 
die Kehrseite das Bild der Iuno mit Umschrift: 10 und Steuerruder (vgl. Eckhel, Doctr. numm.vet. 
Iuno Victrix, Cohen' 6, p. 603, nr. 68, offenbar 8, p. 6), auf Maximian, nr. 90 wiederum die 
mit Beziehung auf die Kaiserin (wie sonst drei Parcae, sich die Hand reichend. Es sind 
Venus Victrix, s. o. nr. 1, c). dies die nach dem Vorbild der griechischen 

8) Nemesis, in Inschriften. Rom, CIL 6, Moirai gebildeten Tria Fata, s. B.Peter, o. 
631 (Dessaunr. 8789): Virgini victrici sanct(a)e Bd. 1,2, Sp. 1449 — 1460 (Bd. 8,1, Sp. 1670). 
deae Nemesi usw. (-von einem Soldaten geweiht). Otto in Paulys Beal-Encycl, Neue Bearbtg., Bd. 

Reika => Romula in Dacia, CIL 8, 8028 6, 2, Sp. 2060 f. — Außerdem nennt Claudianut 

(Suppl. 1, p. 1422): [NJemesi Vifctrici] Iul(ius) (24 ■=) de consulatu Stilichonis 8, 127 f. (Mon. 

Cani[nus] evocat[usJ ex v(oto) p(osuit). Germ. Auct. ant. 10, p. 226): Victricia . . Fata 

9) Isis in Inschriften. — u) Italia. CIL 9, io [fehlt bei Carter S. 87]. — Vgl. Esech. Spon- 
sin (Dessau 4358), Corfinium im Gebiet der hemii Dissertationes de praestantia et usu Nu- 
Paeligni: Ist Victrici sacr(um) ubw.; CIL 9, mismatum antiquorum* (1671) p. 888 f. Zu den 
5179 (Dessau 4866), Aüculum Picenum : Valeria Tria Fata s. auch o. Bd. 6, Sp. 1099, 55 ff. 
M. i. Citheris Isidi Victricis (so) Iunoni ex visu 18) Musae. CIL 8, 77 = Buecheler, Carm. 
circuüum d(e) s(ua) p(ecunia) f(aciendum) c(u- epigr. 271 (Talmis in Ägypten): Vietrices Mu- 
ramt); CIL 11, 696 (Dessau 4859), Bonoma: sae, Pallas, crinitus Apollo (Carter S. 74). 
Dominae Isidfi] Victrici usw. — ß) Gallia 14) 4hi\ JVixij^Ofoe (Aischylos), s. o. Bd. 8, 
Aquitanica. CIL 18, 153 (Dessau 4367), Gebiet 1, Sp. 869, nr. 6. — 3<pj]e JVixrjqpdfOff (mit wei- 
der Convenae = le Commiuges (Fundort: Lu- ehern Namen in einer Inschrift aus Ägypten 
nax), auf den Seitenflächen eines kleinen Cip- so wohl eine ägyptische Gottheit gemeint ist), 
pus: Isidi Victric(i) und Isidi Begfinae). s. o. Bd. 8, 1, Sp. »60/861, nr. 10. — Allgemeine 

Verwandt sind die Beiwörter der Isis In- Benennung Nixvtp6fOL &tol s. o. Bd. 8,1, Sp. 

vieta (CIL 6, 868 = 80747 — Dessau 4875, Rom, 368 und i\ Ni*n<p6ooe #«<* s. ebd. Sp. 859, nr. 8: 

J. 61 n. Chr.; CIL 13, 8190, Köln) und Trium- Vgl. Cic. nat. deor. 8, 84, 84 und (Ceres — 4ri- 

phalis (CIL 6, 865 — Dessau 4860). — Vgl. (MJ*»je zu Henna auf Sicilia) Cic. Verr. 4, 49, 

die inschriftlich belegte ZtXrjrtxici vHKarfoog 110 (o. Bd. 8, 1, Sp. 360, nr. 9); s. auch 0. A, 1, b 

(noXvftopipog xal tiv(imwnos) o. Bd. 3, 1, Sp. [CIL 8,6981] und B, 1, am Ende, und 6. 

369, nr. 6. C. Von Helden der Mythologie werden bei 

10) Caelestis, mit welcher wohl die Göt- Dichtern Victor genannt z. B. Achilles, Aeneas, 
tin von Karthago (Tanit) gemeint ist, s. Steu- «Agamemnon, Perseus (usw.), von Frauen Victrix 
ding, o. Bd. 1 , 1 , Sp. 844. Cumont in Paulys Alcmene, Atalante (Boeotia), Io [Carter a. a. 0.1. 
Beai-Encyclop., Neue Bearbtg., Bd. 3,1, Sp. 1248. B. Von victor ist abgeleitet das — durch 
1260. — CIL 6,766 (aus Amati, sched. Vat.), Personifizierung auch zur Gottheit (s. Art. Vic- 
rechter Frauenfuß, wahrscheinlich aus Bern- toria) erhobene — Abstraktem victoria, wie 
stein, zum Aufhängen eingerichtet, mit Weih- von memor : memoria, von Clemens : dementia 
inschriften: D(eo) S(oli) M(ithrae), Vener[i] (dementia, s. o. Bd. 1,1, Sp. 910ff.), von con- 
Felici, Cupidini, Caelesti Victrici. — [In- stans : constantia (Constantia, s. o. Bd. 1, 1, 
vietae Caelesti: CIL 6,78; vgl. 6, 80J Sp. 928 f.), von abundans : abundantia (Abun- 

11) Matres. Zu Allan (Depart. Dröme), in dantia, s. o. Bd. 1, 1, Sp. 4) usw. Vgl. Wissowa, 
der Gegend von Montelimar (Gebiet der Vocontii 60 Bei., §64. L. Deubner, Personifikationen, o. 
in Gallia Narbonensis) sind Bruchstücke von Bd. 8, 2, bes. 8p. 2080/81 u. 2163 f. [Keune.] 
vielen Steintafeln gefunden, mit Weihungen Victoria. Die Göttin ist unter griechischem 
desselben Mannes (Niger, C. Satri Sili cella- Einfluß in das römische Pantheon aufgenom- 
riu[s] Anariate): Matris Victrieibus, s. Espi- men. Das zeigen schon die Bemühungen rö- 
randieu, Revue epigr. 6, p. 179 (F., nr. 1642 ff. mischer Antiquare, eine entsprechende alt- 
(Heft 119) = Dessau 9834 (Add. Vol. 8, p. CXVI). römische Gottheit namhaft zu machen und mit 

Wie die Weihung Fatis, Fatabus (Ihm, Victoria zu identifizieren. Varro bezeichnete 
Mütter- oder Matronenkultus, Bonner Jahrb. die sabinische Vacuna (s. d.) als Victoria 
88, S. 98—100, mit Inschriften S. 177 ff , nr 496 (Pseudacr. ad Bor. ep. 1, 10, 49), während an- 
bis614. Siebourg,Westd.Ztschr.l[188B],8.uaf.) so dere die Gleichung mit Bellona, Minerva, 
wohl nur eine andere, der römischen Vorstel- Diana, Venus vorzogen (Porph. u. Pseudacr. ad 
lung mehr angepaßte Benennung ist statt der Hör. a. a. 0.). Die vorronische Lehre hat star- 
in gallisch -germanischen Gegenden häufigen ken Einfluß ausgeübt; Dion. Hai. ant. 1, 16, 1 
Weibung Matronis, Matribus, Matris, Matra- erwähnt eine sabinische JV/x»j, in der Preller 
bus, ao scheint Matris Victrieibus nur andere (Ausg. Aufs. 266 ff.) mit Recht Vacuna wieder- 
AusdruckBweise für Fatis Victrieibus (s. nr. 12). erkannt hat, ihr von Vespasian nach Ausweis 

12) Fata (Fatae), die Schicksalsgöttinnen, der Inschrift CIL 14,8485. Dessau 8818 bei 
Goldmünzen des Diocletianus und seines Mit- Rocca Giovine restaurierter Tempel ist wahr- 



295 Victoria Victoria 296 

acheinlich das von Horae (ep. 1,10,49) er- Unterschiede von dem übrigen römischen Geld» 
wähnte fanumputre Vacunae, und noch Auso- die Wertbezeichnung fehlt, waren zum Um- 
nius (Epist. 14 , 101 Peiper) braucht den Na- lauf auch in griechischem Munzgebiet bestimmt 
men mit spielerischer Gelehrsamkeit als Glosse (vgl. Mammaen, Münzwesen 889 ff. Marquardt, 
für Victoria. Von einer wirklichen Ähnlichkeit Staatsverwaltung 2 , 20 ff. und zuletzt H. A. 
kann indes nicht die Rede sein; was Ovid Grueber, Coins of the Boman republic in the 
(Fast. 6,307) von den Kultriten berichtet, paßt British Museum 1 (1910), XL VIII ff.). Gleich- 
für eine Siegesgöttin denkbar schlecht. (Vgl. zeitig ist auf Kupfermünzen auch eine fliegende 
noch Wissowa, Bei. u. Kult' 49, 5). Noch we- Victoria neben einer Speerspitze über dem 
niger sind andere Kombinationen berechtigt, to Schiffsvorderteil nachweisbar (Coins of the Born. 
wie die mit der ohnehin schwach bezeugten rep. 8, pl. XVII, 7). Der Typus der Victoria 
Vitula (Piso b. Macrob. Sat. 3, 2, 11), die allein stand dauernd unter Einfluß der griechischen 
auf der Ausdeutung der rituellen vitulatio als Nikedarstellungen, die als Geschenk (z. B. von 
Siegesgeschrei beruht, oder mit Vica Pota Hieron Liv. 22, 87, 6. 12. Vol. Max. 4, 8, ext. 1) 
(Ascon. in Pison. 62, p. 19, 3 Stangl verglichen und als Beutestücke (Tarent: Dio Cass. 51, 22, 1) 
mit Liv. 2,7,12. Wissowa a. a. 0. 244,6), die nach Rom kamen (vgl. über die künstlerische 
ihre Entstehung vielleicht nur einem Gedächt- Entwickelung Bulle oben 3, 363 ff.). Auch die 
nisfehler des Asconius verdankt. von Cato Censorinus 198 v.Chr. geweihte Aedi- 
So bleibt für den Kult einer Siegesgöttin cula der Victoria Virgo (Liv. 86, 9, 6) beweist 
auf römischem Boden, wenn man von einer so durch den Beinamen der Göttin griechischen 
Gründung des Arkaders Euander auf dem Pa- Ursprung (bo bereits Baudrillart, Les divinites 
latin (Dion. Hai. ant. 1,82,6) als einer Erfin- de la vietoire en Grece et Italic 1894, 89, 2), 
düng der jüngsten Annalistik absieht, daB äl- wenn wir auch die danach vorauszusetzende 
teste Zeugnis die Weihung eines Tempels der Nix-q 77ap4rlvo; nicht nachweisen können. 
Victoria durch den Konsul L. Postumius im Mommsen (Münzwesen 672) hat das Kultbild 
Jahre 294 (Liv. 10,33,9), zu einer Zeit, in der auf Münzen des M. Porcina Cato, des Vaters 
neue Gottheiten ausschließlich aus griechischem des Uticensis, wiedererkannt, die die Göttin 
Kulturkreise aufgenommen wurden. Dieser Um- sitzend mit einer Schale in der Hand darstel- 
stand wie das Fehlen jeglichen FeBtes der len (Coins of the Born. rep. pl. XCV, 16—18. 
Victoria im ältesten römischen Kalender führt 80 XCVI, 1. 2). Der Stiftungstag war der 1. August 
darauf, das es die griechische Nike, eine Lieb- wie der des Haupttempels. Für die Verbrei- 
lingsgöttin der hellenistischen Zeit, war, die tung ihrer Verehrung im übrigen Italien in 
damals in Rom Bürgerrecht erhielt; wir haben damaliger Zeit zeugen zwei munizipale In- 
es also nicht mit einer auf rein italischem Bo- Schriften aus marsischem Gebiet (CIL 1*, 387. 
den vollzogenen Abspaltung der in Iuppiter 388). 

Victor und anderen Göttern gleichen Beinamens Victoria ist bei den Römern in erster Linie 
sich offenbarenden Kraft zu tun. Wie derartige kriegerische Gottheit. Als Bolche tritt sie in 
Differenzierungen der Kraft eines Gottes bei den Arvalakten zu Iuppiter Victor (CIL 6, 2086, 
den Italikern sprachlich geformt werden , leh- 27 ; Dessau 461) gelegentlich sogar als anschei- 
ren Nerio Mortis, Lua Saturni auf der einen, 40 nend völlig gleichwertig an seine Stelle (Wis- 
die iguviniBche Prestota äerfia Serfer Mattier sowa, Bei. u. Kult.* 139, 8), eine späte Inschrift 
auf der anderen Seite; demgegenüber hat Vic- spricht geradezu von der Victoria aeterni imvicti 
toria bis in sullanische Zeit nie eine possessive Iovis Optimi Maximi (CIL 5, 7809; Dessau 
Bestimmung bei sich, ein deutliches Zeichen 3070). Häufiger noch und enger scheint ihre 
ihrer späteren Einführung in Rom. Der Tem- Verbindung mit Mars gewesen zu sein. An ihn 
pel lag auf dem Palatin (Liv. 29,14,13) an schließt das Opfer an Victoria in den Arval- 
dem clivus Victoriae (Fest. s. v. Bomana porta akten CIL 6, 2074, 54, während sich 2086, 27 
p. 318, 29 L.) genannten Abhänge, wahrschein- Iuppiter Victor zwischen beide schiebt. In den 
lieh im Nordwesten des Hügels (Jordan-Huel- sonstigen Inschriften überwiegt durchaus die 
sen, Tupogr. v. Born 1, 3, 47 ff ), wo einige Weih- 60 Zusammenstellung mit Mars (z. B. CIL 3, 1098. 
inschriften, die älteste (CIL 6,3733 = 31069) 1600.4412.6193.11889. 6,31140. 81149. 7,220. 
noch aus republikanischer Zeit, und Tufstein- 1114. 13,7396. 7412. 8812 usw.). Dem stehen 
quadern gefunden sind (vgl. noch CIL 6, 31060). nur vereinzelte Fälle gegenüber, in denen Vic- 
Als Stiftungstag galt der 1. August (Fast. toria direkt an die kapitolinische Trias oder 
Praenest. Xotiz. d. Scav. 1897, 421 = Dessau an Juppiter angeschlossen ist (CIL 3 suppl. 
8744 a). Die Gestalt der geflügelten Göttin muß 13718. 7,1111). Dieser Tatbestand zeigt die 
damals bereits nach griechischem Muster orna- feste Beziehung, in der im Volksbewußtsein 
mental verwandt sein , als tönerner Schmuck Victoria vornehmlich zu kriegerischen Erfolgen 
von Tempelgiebeln und Simsen, wie wir das stand. Nur eine Stelle im bürgerlichen Leben 
zufällig von einem der Concordiatempel hören so gibt es, an der Victoria dauernd verehrt wird, 
(Liv. 26, 23, 4). Gegen Ende des 3. Jahrh. taucht nämlich den Zirkus. In der pompa circensis 
auf dem Revers römischer Münzen zum ersten wird ihr Bild getragen (Cic. ad Att. 13,44, 1. 
Male der Typ der V. , die ein Tropaion be- Ov. Am. 3, 2, 45), und Victoriastatuen stehen 
kränzt, auf, nach einer von Mommsen weiter- auf der spina (Gerhard, Ant. Bildw. Taf. 120, 2). 
geführten Vermutung Borghesis zur Feier des Darin werden wir einen Nachklang der Be- 
Sieges über die Königin Teuta von Illyrien. deutung zu erblicken haben, die iV/xjj für die 
Diese Silberstücke, die von dem Münzbilde griechischen Wettspiele besaß, freilich abge- 
den Namen victoriati führten, und denen zum schwächt und auf ein soziales Milieu bezogen, 



297 Victoria Victoria 298 

das von dem hellenischen durch einen weiten rühmte am 28. August 29 v. Chr. in der Curia 

Abstand getrennt ist. Iulia geweihte Altar nur den Namen der Vic- 

Damit ist so ziemlich erschöpft, was sich toria (Cass. Dio 61, 22, 1. Suet. Aug. 100. CIL 
durch Kückschlüsse für die altere Victoria- 1', p. 827. t>. Domasaewski, Zwei rom. Behefs, 
Verehrung gewinnen laßt. Einen neuen Auf- Sber. Heidelb. Ak. 1910, 4, 8 ff. Wtssowa, Bei. 
schwong nimmt der Kult Beit sullanischer Zeit. «. Kult' 141, 6). Die gleiche persönliche Zu- 
Das gesteigerte Persönlichkeitsbewußtsein, das rückhaltung zeigt sich dann, daß der Herr- 
sich auch in dem Glauben an eine persönliche scher Münzen mit der Umschrift Vtctona P. B. 
Tyche ausspricht, sieht in dem Siege nicht prägt (Cohen, Medailles Imperiales 1, 67, 240) 
mehr den Erfolg des Staates, sondern des Feld- 10 wie nach ihm nur noch Galba (a. a. 0. 1, 227, 
herrn; überhaupt ist ja die Truppe in dieser 86 ; vgl. 245,246), bei dem doch schon Stucke 
Zeit mehr Werkzeug deB Führers als der Re- mit der Inschrift Victoria Galbae Aug. (a. a. 
cierung Daher häufen sich jetzt die Stiftungen 0. 227, 85) daneben stehen. Dagegen im ubn- 
für Victoria durch einzelne Feldherrn, bestimmt gen Italien und in den Provinzen ist die Vic- 
ihrem persönlichen Ruhme zu dienen. Sulla toria Augusta schon bei Lebzeiten des ersten 
setzt die ludi Victoriae ein (dies die altere Be- Princeps nachweisbar. Außer der bereits er- 
zeichnung, die Cie. Vtrr. 1, 81, die Fasti Maf- wähnten Notiz des Feriale Cumanum, das eine 
feiani und die unten erwähnten Münzen allein supplicatio Victoriae Augustae am 14. April zur 
kennen; der in der modernen Literatur ein- Feier des ersten kaiserlichen Sieges (im mu- 
gebürgerte Name ludi Victonae Sullanae be- so tinensischen Kriege) anordnet, gab es ludiVtc- 
ruht auf Fast. An., Sab. und Vell. Fat. 2,27, toriae Caesaris August, in Iguvium (CIL 11, 
6 und ist nach dem Sprachgebrauch der Kai- 6820. Dessau 5581), eine aedes Victoriae Augu- 
serzeit zur Unterscheidung der ludi Victoriae stae in Puteoli (CIL 10,1887), einen Altar in 
Caesaris geprägt, CIL 1', p. 833), die vom Capua (CIL 10, 3816) einen besonderen Priester 
26 Oktober Mb 1 November dauerten. Die der Victoria Felicitas Caesaris in Ameria (tIL 
Spiele waren gestiftet im Jahre 81 v. Chr. zur 11, 4367. 4371), wo an den Kult ein lusus iu- 
Feier der Siege über die Marianer. Der Sohn uenum angeschlossen war (CIL 11, 4395), ebenso 
des Sei. NoniuB, des ersten Prätors, der sie in Ancona (CIL 9,6904), und auch die Victo- 
abhielt hat die Erinnerung daran auf seinen ria Augusta des Fleckens Augustum (Dessau 
Münzen erhalten, die die Umschrift tragen so 6466) wird ihren Namen nach Augustus tragen. 
Sex. Nonifus) pr(aetor) l(udos) V(ictoriae) p(n- Im übrigen ist bei den sehr zahlreichen epi- 
mus) f(ecit) (Mommten, Mümwesen 626, 464. graphischen Belegen für die Victoria Augusta 
Coins of the Born. rep. in the Brit. Mus. PI. fast nie zu entscheiden, ob Benennung nach 
XLVH 17) Schon vorher hatte Bocchus von dem ersten Kaiser oder einem seiner Nach- 
Mauretanien anläßlich der Gefangennahme Iu- folger anzunehmen ist. Denn Münzen mit der 
gnrthas durch Sulla trophäentragende Victoria- Umschrift Victoria Augusti oder Augusta haben, 
bilder auf das Kapitol geweiht (Flut. Mar. 32, um nur die älteren zu nennen, Claudius (Cohen, 
2) Auch Sullas Gegner Marius hatte eine Vic- Description historique des medailles imperiales 
toria Mariana geweiht (Iul. Obseq. 70, p. 180, 1, 163,71), Nero (Cohen a. a. 0. 208, 265ff.), 
4 Bossb.). An die ludi Victmiae Sullas schlössen 10 Vitellius (Cohen a a. 0. 268,36—42. 266,92— 
sich die ludi Victoriae Caesaris vom 20.— 26. 96), Vespasian (Cohen a. a. 0. 294, 217—229. 
Juli (Fast. Maff. Dessau 8744. CIL 1», 322 f.) 328, 477-501), Titus (Cohen _ a. a. 0. 866, 123- 
an, bei deren Wiederholung durch Octavian 180. 377, 298-818), Domitian (Cohen a. a. ü. 
im Jahre 44 (Matius bei Cie. ad fam. 11, 28, 6. 417, 262 ff. 463 , 541 ff.) und zahlreiche spätere 
Suet Aug. 10, 1) der Komet erschien , der auf Kaiser geprägt. Ob es sich um die genetivische 
die Vergöttlichung Caesars gedeutet wurde oder adjektivische Form des Epithetons han- 
(Plin.nat.hist. 2,93. Iul. Obsequ. 68. Suet.Caes. delt, läßt sich bei den Abkürzungen vielfach 
88. Dio Cass. 46, 6 f. Über den bei Plinius, Dio nicht sagen. 

und Iulius Obsequens, die von Spielen für Ve- Dagegen reicht wahrscheinlich die Aut- 
nus Genetrix reden, vorliegenden Irrtum vgl. 60 nähme der Victoria unter die di militares der 
Mommsen, Ges. Schriften 4, 180). Der enge Zu- römischen Legionen noch in das letzte Jahr- 
sammenhang, in den das Staatsrecht des Prin- hundert der Republik zurück. Es waren Iup- 
zipats alle militärischen Erfolge, die bekannt- piter, Mars und Victoria (v. Domaszewski, d. 
lieh sub auspieiis imperatoris errungen werden, Beligion des römischen Heeres, Westd. Zeitschr. 
mit der Person des Kaisers bringt, hat zur 14 (1895), 4 f.), die an den Fahnen der ersten 
Folge daß schon unter Augustus Victoria das drei Cohorten getragen wurden. In diokletia- 
Beiwort Augusta erhält (schon im Feriale Cu- nischer Zeit begegnet entsprechend den Bei- 
manum CIL 10, 8875. Dessau 108), was ebenso namen der Herrscher auch die Trias Iuppiter, 
wie Pax Augusta ganz eigentlich zu verstehen Hercules, Victoria als Lagergötter (CILS, 22 
ist: Die Sieghaftigkeit des imperium Bomanum so = Dessau 617. CIL 3, 13578). Da nun bereits 
ist jetzt mit der Person des obersten Kriegs- Cassius bei Philippi eine derartige Victoria 
herrn unlösbar verknüpft. Man muß damit im Lager hat, deren Träger ausgleitet, was als 
rechnen, daß die Verbindung der Victoria mit böses Omen für die bevorstehende Schlacht 
Namen republikanischer Heerführer durch den gedeutet wird (App. b. c. 4,184. Dio Cass.il, 
Sprachgebrauch der Kaiserzeit veranlaßt ist. 40, 7. Plut. Brut. 39,2. Iul. Obsequ. 70), so hat 

In Rom selbst scheint man unter Augustus v. Domasiewski (a. a. 0. 9) daraus gefolgert, 

noch an der alten Bezeichnungsweise festge- daß bereits damals jeder zu Auspizien berech- 

halten zu haben; wenigstens führt der be- tigte Kommandoinhaber seine eigene Victoria 



299 Victoria Victoria 300 

im Lager mitgefflhrt habe. Ganz .sicher iit dai datierbar CIL 8,11186. / Victoria Pontioa 

indessen nicht, denn Plutarch bezeichnet die Tacitus (Cohen a. a. 0. 6, 207, ISO). / Victoria 

Viotoria zwar schlechthin als Kuoalov vlxn, Sarmatica Diocletian (Cohen a. a. 0. 6, 886, 

Appian aber als ivdöruict Kaaatov, was die 84 ff.), Maximian (Cohen a. a. 0. 6, 449, 81 ff.}, 

Beziehung auf die di militares ausschlösse. Ceaatantius Chloras (Cohen a. a. 0. 6, 569, 47 ff.), 

Und wahrend Bio Cossius den Vorgang aus- Galerius (Cohen a. a. 0. 5, 597, 23 ff.), Yictoriae 

drüoklioh ins Lager verlegt, trennt Plutarch Ang. (geminae?) Sarmatioae Germanicae 

ihn dnroh hoAtsqov zeitlich von den Omina (CIL 8, 9961). 

kurz vor der Schlacht, so daß die Möglichkeit Diese Liste, die auf Vollständigkeit keinen 
bleibt, an ein weiter zurückliegendes Ereignis 10 Anspruch erhebt, lehrt, wie abgegriffen mit 
in denken, das sich tatsächlich mit einem der Zeit die Vorstellung einer Victoria Par- 
Weihgeschenk des Cassius zugetragen hatte, thica usw. wurde ; sie bedeutet schwerlich sehr 
Jedenfalls steht fär die Kaiserzeit der Enlt viel mehr als einen Ansdruck der offiziellen 
der Victoria im Lager sicher (v. Domasiewski Siegesfreude und Siegesfeier. Daneben erhielt 
a. a. 0, 87 ff.). Zahllose Weihungen an die sich natürlich die ältere Formel, die von der 
Victoria August, oder Augustorum nostrorum Viotoria eines bestimmten Kaisers spricht, wei- 
legen dafür Zeugnis ab (v. Domasiewski a. a. ter (CIL 10, 6616 Victoria imp. Caesaris Vespa- 
0. 89, 167). Oft wird, ein Beleg des engen Zu- «tont aug. Vgl. ferner CIL 8 , 7892. 6 , 4089. 
sammenhanges zwischen Victoriakult und der 7648. 8,8802. 8466. 9024; mehr bei Toutain, 
Person des Kaisers, für die Errichtung ein im lo Les cultes paiens 1, 1, 72, 14). Sind mehrere Re- 
Leben des Herrscher bedeutungsvoller Tag ge- genten vorhanden, so erhält jeder seine eigene 
wählt, wie der 9. Juni für Septimius Severus Viotoria. So stehen für Septimius Severas und 
(CIL 6, 224. Dessau 2186. CIL 8, 11082), nach seine beiden Mitregenten more solito drei kleine 
v. DomasewesUs Vermutung der Tag seines Ein- Bilder der Göttin im Zirkus (Script, hist. aug. 
zugs in Rom (,a. a. 0. 87). Eine Einengung und Sept. Sev. 22, ähnlich CIL 8, 2687 f.). Die Göt- 
Spezialisierung der Vorstellung war von hier tin wird in der Kaiserzeit fast zu einem offi- 
aus nach zwei Richtungen möglich , einmal ziellen Bestandteil des Herrscherkultes, und ihre 
konnten bestimmte Truppenteile ihre Sonder- Verehrung ist sehr viel mehr Ausdruck der 
victoria erhalten (CIL 7,217 Victoriat legionis Loyalität als eines religiösen Bedürfnisses. Es 
VI victricis. CIL 8, 11082 Victoriae Augg. nra. so ist bezeichnend, daß in Pompeji ihr Name auf 
et leg. I adi. p. f.), oder die Weihung galt einem den Inschriften überhaupt fehlt, und auch in 
bestimmten Siege. Wir können die zweite Por- den Provinzen pflegen ihre Verehrer entweder 
mel seit Marcus auf Münzen, auf Inschriften Soldaten oder städtische Beamte zu sein (Tpu- 
seit Traian nachweisen. tum, Les cultes paiens 1, 1, 487). Die einheimi- 
Victoria Auggg. Ar ab. Adifab. Parth. max.] sehe Bevölkerung hat kein Interesse für sie, 
(Dessau 9098). / Victoria Arme niaoa Augnsto- und wenn ihr Name in Britannia einmal zu 
rum (CIL 8, 8800). /Victoria ArmeniacaPar- dem der einheimischen Brigantia tritt (CIL 
thica Medica(C7£ 8,965), Marcus undVerus./ 7,200. Eph. epigr. 9,1120), so ist das ein be- 
Victoria Britannica Commodns (Cohen a. a. sonders deutlicher Beleg für interpretatio Mo- 
0. 8, 188, 837 f.), Septimius Severus (Cohen a. 40 mana, wie sie Wissowa verstehen gelehrt hat: 
a. 0. 8, 284, 417 ff. 818, 650 ff.), Caraoalla (Cohen die Benennung ist durch Soldaten erfolgt, 
a. a. 0. 8, 407, 347 ff. 442, 674 ff.), Geta (Cohen welche die Göttin des britannischen Stammes 
a. a. 0. 8,470, 106 f. 488, 192 f.), alle drei ver- mit der ihnen zunächst liegenden römischen aus- 
eint CIL 8, suppl. 11018 — Dessau 486. / Vic- glichen, ohne Bich über das Wesen der frem- 
toria Carpica Philippus Arabs (Cohen 4, 186, den Gottheit viel Gedanken zu machen. Tou- 
107). / Victoria Francica Flavii Constantis tain (Les cultes paiens dans Vempire Romain 
(CIL 8, 687 5 =- Dessau 728). / Victoria Ger- 1, 1 (1906), 484 ff.) hat wenigstens im Kreise 
manica Marcus (Cohen a. a. 0. 2,468,219), Cara- der Munizipalbeamten eine über das rein mili- 
calla (CIL 8, 4202. Cohen a. a 0. 8, 408, 862), tärische hinausgehende Bedeutung der Göttin 
Maximin I. (Cohen 4, 92, 88 ff. 98, 94 ff), De- so zu erweisen versucht und sich dabei auf Wei- 
cius (Cohen a. a. 0. 4, 289, 64), Herennius (Cohen hungen berufen, die ihr ob honorem aedüitatis 
a. a. 0. 4,266,26), Hostilianus (Cohen a. a. 0. intermissae et Ilviratus sui (CIL 8, 862 f.) und 
4, 264, 41), Valerian (Cohen a.a.O. 4,880, 160ff.), aus ähnlichen Anlässen gewidmet sind. Aber 
Gallien (Cohen a.a.O. 4, 427, 625 ff.), Saloninus man braucht daneben nur eine ob honorem 
(Cohen a. a. 0. 4, 487, 60), Claudius Gothicas ft(amonii) perpetui der Victoria Germanica 
(Cohen 5, 108, 218 ff.), Tetricus (Cohen a. a. 0. 6, Ang. gesetzte Inschrift (CIL 8, 4202) zu halten, 
168,88), Probns (Cohen a. a. 0. 6, 299, 668 ff), nm zu erkennen, daß auch in solchen Fällen 
Carinus (Cohen a. a. 0. 5, 849, 28). / Victoria die militärische Victoria gemeint ist, und daß 
Gothica, Claudius Gothicns (Cohen a.a.O. 6, ihre Verehrung seitens der Beamten ein Akt 
109, 221), Tacitus (Cohen a. a. 0. 6, 207, 127), so der Loyalität gegenüber dem Kaiser ist. Das 
Probus (Cohen a. a. 0. 6, 281, 49). / Victoria geringe Eigenleben, das die Gestalt besaß, er- 
Parthica Augusta Traian (CIL 8,2864), Sep- gibt sich auch aus dem Fehlen irgendwelcher 
timius Severus und Mitregenten (CIL 8, 4588. nicht mit den kriegerischen Zeitereignissen zu- 
8304 =.20149. Cohen a. a. 0. 8, 286, 426 ff. 408, sammenhängender Beinamen; nur die tauto- 
854 ff.), Macrinus (Cohen a. a. 0. 8, 495, 61 f.), logische Verstärkung Victoria Victrixistnach- 
Valerian I. (Cohen a. a. 0. 4, 880, 156 ff), Gal- weisbar (CIL 7, 1111. 8, 9017), ferner hat man 
lien (Cohen a. a. 0. 4, 428, 629 ff.), Saloninas nach der mit der Siegesgöttin oft zusammen- 
(Cohen a. a. 0. 4,488,61). Dazu nicht genan genannten Fortuna redux (z. B. CIL 8, 10436) 



301 Victoria Vidasus 302 

«ach gelegentlich von einer Victoria reduz anderen Maßnahmen für den römischen Kultus 
i (CIL 14, 2868). Orientalischen Ein- auch die Wiederherstellung des Altars durch- 



aus verrat das Epitheton Aeterna, das seit setzten (Ambrot. ep. 67,6. Paulin. vit. Ambrot. 

dem 3. Jahrh. zu den verschiedensten Götter- 26). Nach dem Siege des Theodosius wurden 

namen gesetzt wird und auf Münzen seit Sep- diese Verfügungen naturgemäß wieder aufge- 

timius Severus (Cohen a. a. 0. 8, 280, 887 ff!), hoben, aber Stflicho scheint noch einmal dem 

auf Inschriften nach v. Domastewskit Beobach- Altar seinen alten Platz zurückgegeben zu 

tung (Westd. Zeitschr. 14 [1896], 38) nur unter haben (Claud. com. Stil. 3 praef. 19. 8, 202 ff. 

Elagabal vorkommt (CIL 8, 9761. 14, 2267). de VI com. Hon. 697. Geffcken a. a. 0. 181). 

Gegen Ausgang der Antike erhalt Bild und 10 Dann sinkt mit dein übrigen offiziellen Kultus 

Altar der Victoria in der Curia lulia, den Augu- auch Victoria in Vergessenheit. Der ganze 

stus errichtet hatte (ob. Sp. 298) eine ungeahnte Kampf, der sich um sie entsponnen hatte, galt 

Bedeutung. Der Altar hatte die ganze Kaiser- keineswegs einer besonders einflußreichen und 

zeit hindurch in dem Sitzungssaal des Senats gefährlichen Göttergestalt, sondern lediglich 

festanden'; jeder Senator hatte bei Beginn der der Stelle, an der sie stand» Besser als alles 
itzung darauf Weihrauch gespendet. Elagabal andere lehrt das die Tatsache, daß auch die 
hatte darüber sein eigenes Bild anbringen las- christlichen Kaiser ohne Ausnahme bis in früh- 
sen, als Ausdruck der Tatsache, daß alle Ver- byzantinische Zeit herab Victoria auf ihre 
ehrung nun ihm zu gelten habe (Herodian. 6, Münzen prägen und höchstens durch das da- 
6,7, vgl. 7,11,3). Die Historia Augusta (Vit. to neben angebrachte Monogramm % (z.B. Cohen 
Alex. Sev. 14) behandelt diese Victoria Ro- a. a. 0. 6, 849, 267) durch das in ihre Hand ge- 
mana als Symbol des Imperiums, was aller- legte Labarum oder einen in das Christus- 
dings bereits Spiegelung des prinzipiellen monogramm auslaufenden Stab (Wroth, Cata- 
Kampfes sein wird. Seit die Kaiser Christen logue of the Imperial Byzantine Coins in the 
waren, mußte das heidnische Opfer bei Beginn Brit. Mus. 1, PI. I 1. PI. IV 11. 12 u. s.) ihnen 
der Senatsverhandlungen notwendig zu einem eine christliche Färbung geben. 
Konflikt fuhren, dessen Ausbruch nur dadurch Literatur: A. Baudrillart, Let divinitis 
verzögert wurde, daß Born nicht mehr Sitz der de la victoire en Grece et Italic (Bibl. den ecolet 
Regierung war. Als Constantius 367 in Rom Franc. d'Athenes et de Borne 68, 1894), 28 ff. 
war, wurde der Altar zum ersten Male aus der so ff. Bulle oben Bd. 8, Sp. 812 ff. Wittowa, Bei. 
Kurie entfernt (Ambrot. ep. 18, 32), aber die u. Kult. d. Bömer* 189 ff. v. Domattewtki, Die 
noch zahlreiche und mächtige heidnische Par- Beligion d. röm.Heeret(Westd. Zeitschr. 14, 1896) 
tei im Senat und vor allem die Reaktion unter 87 ff. J. Toutain, Les cultes paiens dam l'empire 
Julian sorgten dafür, daß er wieder aufgestellt Bomain(Bibl.del'ecole des Hautes Etudes,Scien- 
wurde. [367 läßt der Senat an dem Pons Valen- est religieuses 20, 1906) 1 1, 488 ff.). [Zu Sp. 298, 8 
tiniani ein Standbild der Victoria Augusta er- vgl. Kekule, Westd. Ztschr. 1 (1882),291.] [Latte.] 
richten (CIL 6, 81403 f.)]. Gratian befahl 882 die Vlctrix, Vlctrices s. Victor, B (C). 
Entfernung von neuem auf Drängen des römi- Vidasus, einheimischer, wohl keltisch be- 
sehen Bischofs und wohl unter dem Einfluß des nannter Gott, mit einer Tiana genannten Ge- 
Ambrosius. Eine Gesandtschaft unter Führung 40 nossin verehrt durch zwei Inschriften des Bades 
des Symmachus, die in Mailand deswegen vor- Topusko in Kroatien, in der ehemaligen Fan- 
stellig werden sollte, wurde auf Betreiben des nonia superior [CIL 8, Suppl. 2, p. 2719 und 
Ambrosius gar nicht vorgelassen. Nach dem Tab.VI, ABf. VII,Ngh. Andree, Handatlas 1 79/80, 
Tode Gratians 883 versuchte man 884 von B 6 u. 184/185, DE 1], Holder, Altctlt. Sprach- 
neuem die Aufhebung des Befehls von Valen- schätz 2, Sp. 1832 und 8, Sp. 288/289. Höfer, 
tinian II. zu erlangen. Damals reichte Sym- o Bd. 6, Sp. 980, Art. Tiana (Liefg. 80/81, 1922). 
machus dem Kaiser die 8. relatio ein, in der 1) CIL 8, Suppl. 2, p. 2328", nr. 14864" 
zum letzten Male ein Vertreter nationalröaii- (Suppl. 1, p. 1740, nr. 10819 = Dessau, Intcr. 
scher Kultur mit allen Mitteln der damaligen Lat. sei. 3910): Vidaso et Tianae sacr(um) , Q. 
Bildung die Sache der heidnischen Religion 50 [. . Jlius Ursus vfotum) t(olvit) ; abgebildet in 
und der geschichtlichen Kontinuität verficht. der Zeitschrift Vjesnik der kroatischen archaeo- 
Weit über den vorliegenden Einzelfall hinaus- logischen Gesellschaft in Zagreb (Agram), N. S. 
greifend, begründet der Redner die Forderung 9 (1906/07), 1907, S. 180, nr. 262. 
einer generellen Duldung der heidnischen Kulte 2) CIL 3, 8941: Vidaso [et] T[i]anae so- 
mit dem Appell an Roms ruhmreiche Ver- er (um), Q. Domitius Ingenuus pro te et suis ex 
Singenheit unter dem Schutz der alten Götter. v[o]to. Die Überlieferung lautet: VIDASOLI 
er Eindruck der Schrift war groß, nur mit (oder VTDASOE) | THANAE | SACR | usw., wes- 
Mühe gelang es der Gegenschrift des Ambro- halb hier vielleicht Teanae (mit der so häufi- 
sius(ep. 17f.) ihn zu paralysieren. (Vgl. über den gen Schreibung E statt I) herzustellen ist. 
Streit G. Boistier, La fin dupaganisme 2, 267 ff. «o Die Deutung von Ihm , Archäol. - Epigr. 
Seeck, Symmachus LHIf. LVIII. Wistowa, Bei. MM. aus Österr.-Ung. 19 (1896), S. 78, der in 
«. Kult.' 98. Geffcken, Der Ausgang d.griech.- dem Götterpaar Flüsse jener Gegend erkennen 
röm. Heidentums 146 ff.) Der Altar der Victoria wollte, ist unberechtigt; es sind vielmehr die 
war durch diesen Kampf zu einem Symbol des Gottheiten der heißen Quellen des alten Bades 
Heidentums geworden. So war es nur selbst- von Topusko, ebenso wie Borvo und Damona 
verständlich, daß bei der letzten kriegerischen in Bourbonne-les-Bains und anderswo, Luxo- 
Schilderhebung des Heidentums unter Euge- vius und Bricia in Luzeuil; vgl. auch Apollo 
nius Flavius Nicomachus und Arbogast neben (Grannut) und Sirona. [Keune.] 



303 Viducus Vienna 304 

Viducus, in einer Weihinschrift beiderseits von Sardinien, zwischen Cagliari und Oristano: 

von einer Darstellung des Mereurius auf einem CIL 10, 2, Tab. V Ec u. Andrees Handatlas' - ' 

Steindenkmal, gefunden zu Bordeaux (Burdi- 129 FG 8. [EeuneJ. 

fala), jetzt im dortigen Museum, CIL 13, 676 =- Vienna, Schirmherrin der gleichnamigen 
>«««<»«, Jwsc»'.iat.8eZ.4606,abgebildetvonP.-CA. Stadt Vienna am Rhodanus in Gallia Narbo- 
JRobert, Lesdtrangers ä Bordeaux (1883), p. 45 nensis, heute Vienne (Hirschfeld, CIL 12, 
[Soc. arche'ol. de Bordeaux 8, p. 57] «= C. jullian, p. 217 ff. Holder, Altcelt. Sprachschatz 3, Sp. 298 
Inscr. rom. de Bordeaux 1, p. 44, zu nr. 14 (p. 43 bis 314 ; Espirandieu, Becueil gene'ral des bas- 
bis 45) und E. Esperandieu, Recueil gen. des bas- reliefs de la Gaule romaine 1, p. 249 ff.), ur- 
reliefs de la Gaule rom. 2, p. 134, nr. 1074: Mer- 10 sprünglich vielleicht, wie Nemausus u. a., 
curio Viduco || cives Lemovic. v(otum) s(olv.) Name einer Quelle, eines Heilbronns, welchem 
l(ib.) mferito), ist als keltischer Beiname des die Stadt ihren Namen verdankt. Als Stadt- 
Mercurius erklärt und mit Visucius (s. d.) zu- göttin ist V. bezeugt durch eine zu Rom, am 
sammengestellt worden, so von Robert a. a. 0. Forum gefundene Weihinschrift, welche ver- 
p. 45f. und von Hirschfeld, CIL 13, 576, der mutlich herrührt aus einer den Stationes mu- 
sagt: 'Mereurius Viducus (debuit fortasse esse nieipiorum (s. d. Art. Tiburtinus) verwandten 
Viduco) a Mercurio Visucio (CIL 18, 577) Anlage, G. Gatti, Notizie d. seavi 1899, p. 289 
haud diversus videtur'; vgl. auch C. Jullian, (TMdenat in Bull. Soc. des antiq. de France 
Hist. de la Gaule 2, p. 120, 2. In diesem Falle 1899, p. 882; Dessau, Inscr. Lat. sei. zu nr. 6999, 
hätten die cives Lemovicfi oder -es), d. h. die so 4; vgl. Hülsen in Lehmann, Beitr. zur alten 
Bürger der Volksgemeinde der Lemovices (um Gesch. 1902, S. 288) : Numini deae Viennae ex 
Limoges =- Augustoritum Lemovicum) den Mer- d(ecreto) d(ecurionum) M. Nigidius Paternus 
curius V. in Burdigala geehrt. Obgleich die Ilviral(is) pon(endum) cur(avit), also eine Eh- 
Anordnung der Inschrift diese Deutung zu emp- rung, welche ein gewesener Duovir (Bürger- 
fehlen scheint, so hat doch die andere, von meister) von Vienna entsprechend einem Be- 
C. Jullian, Inscr. de B. vertreteoe, von Holder, Schluß des Gemeinderates dieser Stadt besorgt 
Altcelt Sprachschatz 8, Sp. 292 wiederholte Deu- hat an der genannten Stelle zu Rom. — In 
tung mehr Wahrscheinlichkeit, nach welcher Vienna selbst haben zwei Zwillingsbrüder, von 
ein cives (= civis) Lemovic(us) mit Namen Vi- welchen der eine den Beinamen Conus (Grau), 
dueo dem Mereurius (ohne Beinamen) das Stein- so der andere den Beinamen Niger (Schwarz) 
bild gestiftet hat. Denn daß ein einzelner Fremd- führte, ein Bild der Stadtgöttin aus Silber mit 
ling, der gleich vielen anderen (nachweisbaren) einem Kostenaufwand von 200 000 Sesterzen 
Fremden in der verkehrreichen Handelsstadt (= 48 600 Goldmark, nach Hultsch, Metrologie' 
Bordeaux geweilt oder gewohnt hat, hier dem S. 712) an einem nicht angegebenen Orte, wohl 
Gott des Handels und Verkehrs gehuldigt habe, im Rathaus (Curia), aufgestellt, weil der Ge- 
ist leicht verständlich, nicht aber, daß die Bür- meinderat (ordo) sie in ihrem 77. Lebensjahre 
ger einer fremden Volksgemeinde (man erwar- durch Aufnahme in seine Körperschaft geehrt 
tet übrigens: civitas Lemovicum) dieses zudem hatte: dies bezeugen zwei Marmorsockel (wohl 
als Geschenk einer ganzen Völkerschaft gering- von Standbildern) mit übereinstimmenden, ihnen 
fügige, ärmliche Weihdenkmal hier aufgestellt 10 von einem Freigelassenen und se'vir gewidme- 
haben sollen. Der Personenname Viduco ist ten Ehreninschriften, CIL 12, Add. p. 828, nr. 
neben Viducos, Viducus für einen Sigillata- 5864 (gefunden 1882/1883 in und bei Vienne; 
töpfer (CIL 13, 10010, 2040) und als Graffito Mitteris bonis') = Dessau 6999 und 6999 a: 

auf einem Tongefäß (CIL 18, 10017, 912 a) be- .... hie et {rater ab ordine decurionatu 

legt, Viducus mit der Ableitung Viducius auch digni iudicati sunt, quam dexteritatem decurio- 

durch sonstige Inschriften, s. Holder a. a. 0. 3, num munificentia remuneraverunt posito simu- 

Sp. 292 f. (über die Gleichwertigkeit der En- lacro Viennae argenteo HS (= sestertium) n(um- 

dungen -os, -o, -us, auch -ius, in gallischen mum) ecelooo ecelooo. — Schließlich ist in 

Namens. Bohn, CIL 18, 8, 1, p. 119). Die Schrei- Vienne die (jetzt im Museum zu Lyon ver- 

bung cives statt civis ist sehr häufig, s. Lothr. 60 wahrte) Scherbe eines reliefverzierten Sigillata- 

Jdhrb. 10 (1898), S. 88. Dessau a. a. 0., vol. 3, gefäßes gefunden, welches, wie die Beischrift 

p. 847. [Keune.^j Vienna [Fejlix lehrt, geschmückt war mit dem 

Vidnus, vielleicht örtlicher Gott in Sardinia, Bild dieser Stadtgottheit, doch ist vom Bild 

bezeugt durch eine Inschrift an der Deckplatte nur der obere Teil eines Füllhornes erhalten : 

(Plinthos) des Kapitals einer weißen Marmor- CIL 12, 6687, 48. J. Dechelette, Les vases cera- 

säule, gefunden zu Sanluri, jetzt im Museum miques orne's de la Gaule rom. 2 (1904), p. 268, 

zu Cagliari, CIL 10,7844: C. Iulius municipi(i nr. 62 mit Abbildung. — Vgl. noch Revue 

Garalitanil) Ifibertus) Felicio Viduo loc(um) epigr. 4, p. 127; auch ebd. p. 157, wo ein Auf- 

ampliavit v. c. I. m., wo die letzten Abkürzun- satz von H. de Villefosse (1900) angeführt ist. 

gen wohl zutreffend von Bormann gedeutet 60 Belege für Stadtgottheiten der Gallia Nar- 

sind: v(oti) c(ompos) l(ibens) m(erito). Demnach bonensis und der angrenzenden Gebiete: Ne- 

hat ein Freigelassener der Gemeinde, wohl des mausus (s. o. Bd. 3, 1, Sp. 114 ff.), Arausio (CIL 

Municipium Caralis (Cagliari), seinem Gelübde 6, 4, 2, p. 8024, nr. 30860), Vasio (s. d.), Trittia 

entsprechend, die dem Viduus geheiligte Stätte (s. d.), Vintius (s. d.) , Cemenelus, Aximus u. a. 

vergrößert. Dieser Viduus ist aber gewiß ver- (vgl. auch Hirschfeld, Westd. Ztschr. 8 [1889], 

schieden von dem durch Tertullianus adv.nat. S. 186, 46 — El. Schriften S. 86,4). Über den 

2,16 beglaubigten Viduus (s. R. Peter o. Bd. 2, 1, Genius Luguduni b. o. Bd. 6, Sp. 1800/01. — 

Sp. 231). Der Fundort Sanluri liegt im Innern S. noch Wissowa, Relig. u. Kultus der Römer* 



305 Die Viergöttersteine Die Viergöttersteine 306 

S. 86, 2 und Maver in der o. Bd. 6, Sp. 1811, ur Zeitschrift 7, S. 8ff., Taf. I u. II), von denen 
zum Art. Trittia (u. ö.) angeführten Abhand- wir ein hübsche» und wohlerhaltenes Exem- 
lung, wo jedoch (S. 18/19) V. fehlt. — J. Toutam, plar abbilden können (Abb 1—4, S. 307/808). 
La Hesse Genava et le culte des vilies divini- Das Verbreitungsgebiet der sieher zu- 
sies dans le monde greco-romain in der Zeit- gehörenden Steine erstreckt sich auf der rech- 
schrift Genava, Bulletin du Musee SAH et ten Rheinseite von "Württemberg und Baden, 
d'Histoire de Genive usw. 2 (1924), p. 99—106, dem Dekumatiand, bis zum Taunus ins Land 
sieht in allen als Gottheiten belegten galü- der Mattiaker, auf der linken Rheinseite vom 
sehen und anderen Ortsnamen Vergötterung unteren Elsaß durch die Gebiete der Triboker, 
der betreffenden Ortschaften ('Städte') 10 Vangionen, Nemeten und Treverer, auch der 
nach dem Muster der dea Borna und orientali- Mediomatriker bis in den Süden von Holland, 
scher Stftdte. Nur schließt er davon aus (p. 101) : also durch Landschaften, die früher von Kel- 
Tutela Ussubium (so!) und Tutela Vesunna, ten bewohnt, aber dann großenteils von Ger- 
ebenso wie den Genius einer Stadt, doch wohl manen besetzt und seit Casars Zeit immer stär- 
mit Unrecht: vgl. oben Bd. 5, Sp. 982, 40 ff. ker romanisiert waren. So werden wir denn 
und Bd. 6, Sp. 166, 30 f. Trotzdem setzt aber auch auf den Viergöttersteinen gar nichts fin- 
Toutain p. 103 die als Tutela bezeichnete Büste den, was germanischen Ursprungs ist, wenig 
mit Mauerkrone auf einem aus Vienne stam- von keltischen Anklängen, fast alles beherrscht 
menden Tonmedaillon (Abb. p. 102) der dea vongriechisch-römischenGedankenundFormen. 
Vienna gleich. [Keune.J »o Beachtung verdienen auch die Inschrif- 
Die Viergöttersteine. Wir betrachten die- ten, welche in der Westd. Z. 1891 teils bei 
selben zuerst an und für sich, ohne Rücksicht den einzelnen Nummern angegeben, _ teils 8. 834 tf. 
auf ihre vielfach nachgewiesene Verbindung summarisch besprochen sind. Die wichtigen, 
mit den Iuppitergigantensäulen. Die bis 1890 aber seltenen Zeitangaben finden sich fast 
bekannten Viergöttersteine sind auf Hettners alle zwischen Mainz und Frankfurt, besonders 
Anregung zusammengestellt und beschrieben in Kastei; sie fallen in die Jahre 170, 208/5, 
von Haug in der Westdeutsch. Zeitsehr. 10(1891), 221/6, 240/1. Wo die Widmung erhalten ist, 
S. 11—62. 125—161, darauf folgt eine Bespre- lautet sie I- O-M, hier und da mit dem seit 
chung der einzelnen Götterfiguren und ihrer ca. 170 gewöhnlichen Beisatz: in h(onorem) 
Gruppierung S. 295—826, endlich ihre Betrach- 80 d(omus) d(ivinae), öfter mit dem weiteren Bei- 
trag als Teile größerer Denkmäler S. 825—340. satz et Iunoni Beginae.*) Es folgen dann noch 
Umgekehrt ging später HerÜein, Die Iuppiter- die Namen der Stifter und die interessante 
gigantewäulen 1910, von der Gruppe des Gi- Bemerkung in suo. Wir gehen aber hier noch 
gantenreiters aus und endete mit der Erörte- nicht näher auf diese Inschriften ein, da sie 
rung der Viergöttersteine S. 87 ff. Die sonstige offensichtlich nicht zu den Viergöttersteinen 
Literatur zitieren wir nur gelegentlich. allein, sondern zu den ganzen Denkmälern mit 
Ihrer äußeren Form nach stellen sich die Zwischensockel, Säule und Iuppitergiganten- 



Viergöttersteine im allgemeinen als Würfel gruppe gehören. Vielmehr wenden wir uns zur 

dar, aber nicht gleich großer Höhe, Breite und Besprechung der einzelnen Götterfiguren, 

Tiefe, sondern so, daß die Höhe fast immer iß und zwar zunächst Iuppiters als des höchsten 

größer ist als die Breite, oft sogar bedeutend Gottes. 

größer, und die Breite meist größer als die Daß Zeus-Iuppiter auf den Viergötter- 
Tiefe, doch hier und da auch umgekehrt (Haug steinen gerade ziemlich selten erscheint, hat 
S. 840). öfters findet sich auch eine Unterlage ohne Zweifel darin seinen Grund, daß er ja 
(Basis) und ein Aufsatz (Gesims) vor, meist aus oben auf der Säule zu Pferd als Sieger über 
dem gleichen Stück gearbeitet, aber ohne rieh- den Giganten abgebildet ist, oder auch thro- 
tigen Abschluß nach oben. Vereinzelt kom- nend mit Iuno (Bitterling, Nass. Heimatbl. 2!). 
men auch runde Exemplare vor (Haug n. 17, In zwei Gegenden erscheint er auf den Vier- 
vgl. n. 89 Anm.). Als Vorderseite ist immer göttersteinen selbst, in der westlichen Pfalz 
diejenige anzusehen, auf der eine Inschrift 60 (Haugo. 87. 94f.), im Gebiet der Mediomatriker, 
steht, in deren Ermanglung aber fast immer wo er als Attribut das keltische Rad trägt (vgl. 
die Seite der Göttin Iuno. Damit stimmt auch Hettner, Westd. Z. 8, 27 ff. j Biese ebd. 17, 82), 
HerÜein überein (S. 181 und 136). häufiger im Gebiet der Treverer (Haugn. 176 ff.), 
Die Zahl der bekannten Exemplare ist im wo vielleicht ein anderer Abschluß der Denk- 
Lauf der Zeiten außerordentlich gewachsen. mäler als der mit dem Gigantenreiter anzu- 
Schon 1891 konnte ich 218 Nummern aufzäh- nehmen ist. Mit einer Ausnahme (Haug n. 87) 
len und beschreiben. Von diesen sind wohl erscheint er wie die anderen Göttergestalten 
einige zu streichen, da sie nicht dieser Klasse stehend, immer vollbärtig, mit dem umge- 
von Denkmälern angehören, wie die berühm- schlungenen großen Himation bekleidet, aber 
ten Steine von Paris (Haug n. 179 f.) aus der 60 so, daß die rechte Seite des Oberkörpers ent- 
Zeit des Tiberius mit ganz keltischen Götter- blößt ist. 
namen und -bildern, und einige andere aus 

Frankreich von eigentümlicher Art. Dagegen * Auch der ron wuto«>a,R. G. Xorrbi. lßn , s. 176 und 

sind seit dem Abschluß meines Verzeichnisses Ton KM ' bd - W18 > s - 86 •»■pro«*«« Kreum»oher stein 

etwa 60 neu bekannt geworden. Die bis 1910 (C" »SO) .eig« di.N.mend.ryi.rOe«er über d.n Bildern 

c , i_ a TT .1°' • • cxt 1.1 j im Nora., durch et angetohlOMen an dai vorangehend!, 

gefundenen hat HertUm in einer 'Nachlese' jetrt ^ mehl Torh * ndelMI ,.„.„ D1 „ J^^ 

S. 118ff. aufgeführt, darunter vier von Kreuz- eim) -tai „„„ j.,!,^«^ , u „j,,, a, len Urheber nloht 

nach und sechs von Mainz (vgl. Körber, Main- wutte, das iom >!• D»tir »u nuen iit. 



307 



Die Viergötterateine 




1)— «) Viargattenookel Ilaini (n»oh Maiv.fr Ztachr. 7 [1911], T»f. II, l * 
Inno, Mexonr, Herenlei, Minerva. 

Aach die Attribute sind die gewöhnlichen: 
meist das Szepter in der erhobenen Rechten, 
der Blitzstrahl in der gesenkten Linken (vgl. 
die Abb. o. Bd. 2, Sp. 761). Dazu kommt hier 
und da auch ein Kranz auf seinem Haupte 
und als sein heiliger Vogel der Adler. 



Die Viergötterateine 

Da aber nun Iuppiter aus 
dem angegebenen Grand in 
der Regel auf dem Viergöt- 
terstein fehlt, io nimmt 
Hera-Iuno hier meistens 
die erste Stelle ein, auf der 
Vorderseite (s. o.). Sie ist 
immer mit dem langen Chi- 
ton, in der Regel auoh mit 
dem Himation bekleidet, 
welches verschieden behan- 
delt ist; sie tragt fast immer 
den Schleier und öfter die 
Stephane, häufig auoh das 
Szepter in der Linken, auch 
ist ihr der Pfau beigegeben. 
Aber der herrschende Ein- 
druck ist doch nicht der 
der Himmelskönigin, son- 
dern der Opferfrau, denn 
in der Linken tragt sie mei- 
stens die Aoerra, das Weih- 
rauchkästchen, und mit der 
Rechten opfert sie aus einer 
Schale auf ein Altarchen 
( &vfuanj?toi>, turibulum ) , 
aus dem das Feuer empor- 
lodert. Statt der Acerra 
tragt sie auch einige Male 
ein Füllhorn in der Linken, 
und statt des Altarchens 
sehen wir einmal einen sich 
emporwindenden Drachen, 
der von der Göttin gefüt- 
tert wird (Saug n. 21); Tgl. 
Preller, Böm.Myfh.l •, 276?.). 
Verschieden von dieser 
Inno als Opferfrau ist die 
Inno als Ehegöttin mit der 
Hochzeitsfackel (s. Abb. 
6) im Gebiet der Treverer, 
welche auch hier wie bei 
Iuppiter etwas Besonderes 
hatten. Neben der Viktoria 
(Haut) n. 84) ist diese Inno 
die einzige Göttergestalt in 
lebhafter Bewegung, wah- 
rend sonst alle eine ruhige 
Stellung einnehmen. Es 
mag dies damit zusammen- 
hangen, daß dort. an der 
Mosel mit ihrem Weinbau 
und ihrer Schiffahrt in rö- 
mischer Zeit wie spater am 
Rhein das Leben einen ra- 
scheren Pulsschlag hatte. 
Hettner hat zwar diese Göt- 
tin mit der Fackel und ei- 
nem Szepter zuerst fflr Geres 
gehalten, ist jedoch davon 
zurückgekommen (Haug 
S. 800 f.; Krüger, Bonner 
Jahrb. 104, 66; Bertlein 94 ff.). Dieser Inno 
mit Fackel nahe steht die Inno mit Blitz- 
strahl, den sie als Gemahlin Iuppiters fahrt, 
u. zwar in der linken Hand, während sie in 
der rechten wie gewöhnlich die Opferschale 
hält (vgl. Haug S. 299 f. u. n. 94 f. mit Abb.). 






309 



Die Viergöttersteine 



Die Viergöttersteine 



310 



Auf ganz licherem Boden sehen wir una bei 
Pallas-Minerva, welche immer in dem ruhig 
stehenden Typus dargestellt ist (Furtwängkr 
o. Bd. 1, Sp. 696). Ihre Kleidung ist der lange 
Chiton und das umgeworfene Himation, wie 
bei Iuno, an die Stelle des Schleiers aber tritt 
der Helm, meist mit stattlichem Busch; auf 
der Brust findet sich öfters der Panzer und 
das Gorgonenhaupt. In der erhobenen Rechten 
hält die Göttin die Lanze, in der Linken den 
Schild (seltener umgekehrt). Während sie so 
als Göttin des Kriegs deutlich charakterisiert ist, 
weist die auf einer Konsole oder einem Pfeiler 
oder auf dem Boden sitzende Eule auf ihre an- 
dere Eigenschaft als Göttin der Weisheit hin. 

Herakles-Herkules erscheint meistens 
in dem bekannten Typus ruhiger, fester Hal- 
tung nach vollbrachten Kampfesarbeiten, in 
der Rechten die gesenkt auf dem Boden ste- 
hende Keule, in der Linken die Hesperiden- 
äpfel tragend, während die Löwenhaut von 
der 1. Schulter herabfällt, also als Hercules 
Victor oder invictiis. Immer ist er als gereifter 
Mann mit stämmigem Körper und vollem Bart 
dargestellt. Über der r. Schulter zeigt sich 
häutig der Köcher, hier und da auch der Bo- 

Sen. Seltenere Beigaben sind ein Altar mit 
rüg oder Schale, denn Herkules erscheint 
öfters als opfernder Gott (vgl. Furtwängler u. 
Peter o. Bd. 1, Sp. 2183. 2989). Einige Male ist 
ihm ein Vogel beigegeben (Wachtel oderMöve?). 
Aber auch Kampfszenen sind dargestellt oder 
doch angedeutet: die gegen die Hydra ge- 
schwungene Keule, die Hindin, die Amazone, der 
nemeische Löwe, der Hirte Cacus (Haug n. 120). 
In einen gewissen Gegensatz zu Herkules 
tritt die jugendlich bartlose, feinere, elastische 
Gestalt des Gottes Merkur, in der noch etwas 
von dem Hermes des Praxiteles nachzuwir- 
ken scheint. Seine Kleidung iBt fast immer 
die leicht umgelegte Chlamys, meist auf der 
rechten Schulter oder auch vorn unter dem 
Hals mit einer Spange (fibula) geheftet. Hier 
und da trägt er aber auch den Keltischen, bis 
zu den Knien reichenden, sackartigen Rock. 
Sehr häufig sind die Flügel am Kopf, vorwie- 

fend ohne Kopfbedeckung; doch kommen auch 
lügel an den Sohlen vor und auf dem Kopf 
der Petasos, ein niederer, breitrandiger Hut. 
Die bekanntesten Attribute des Gottes sind der 
Heroldsstab mit Schlangen und der Beutel. 
Der Schlangenstab (xrjpvxnoy, caduceus), ein 
altes Symbol von wahrscheinlich orientalischer 
Herkunft, nach Steuding (o. Bd. 2, Sp. 2205 ff.) ein 
Stab des Glücks, der Beutel (marsupium), wohl 
erst von den Römern an die Stelle des griechi- 
schen Füllhorns gesetzt (Scherer ebd. 2890ff.), 
als das platte, aber bezeichnende Attribut des 
Handelsgottes. Während die gesenkte R. den 
Beutel hält, ruht der Schlangcnstab meistens 
schief im 1. Arm, manchmal steht er auch senk- 
recht auf dem Boden. Die Schlangenringe um- 
geben gewöhnlich den Stab, öfters ragen sie 
über ihn hinaus; häufig sind Flügel an ihnen 
angebracht. Mannigfach sind die Beigaben 
von Tieren (Scherer a.a.O. 2424 ff.): am häu- 
figsten erscheint der Hahn, gewöhnlich unten 
auf dem Boden stehend, öfters auch der Bock, 




seltener der Widder, 
nur vereinzelt der Hund 
und die Schildkröte. 
Humoristische Einfalle 
einzelner Künstler sind 
der Book, der sich mit 
einem Hinterbein am 
Ohr kratzt, und die 
Schildkröte im Streit 

10 mit dem Hahn (Saug 
n. 66. 83. 84. 86). 

Wie Merkur, so ist 
auch Apollo immer 
jugendlich und bartlos, 
hat aber weichere For- 
men und reiches, locki- 
ges Haupthaar, das 
einige Male zu Zöpfen 
geflochten oder von 

20 einem Lorbeerkranz um- 

geben ist. Bekleidet ist JÄ5TÄ? J^Ta?. 
er, wie Merkur, mit der 

Chlamys, die aber meist nur von der linken 
Schulter lose herabfällt, öfters auch mit dem 
Himation, wie Iuppiter. Einmal erscheint er 
sitzend (vgl. Furtteängler o. Bd. 1, Sp. 466 f.). Be- 
sonders mannigfaltig wechselnd ist bei ihm die 
Haltung der Arme und die Stellung der Beine; 
Wernicke bei Pauly-Wissowa 2, 107 unterschei- 

so det drei Typen. Die häufigste Stellung ist die, 
daß er sich mit dem 1. Ellbogen auf die Lyra 
stützt oder lehnt, während die R. das Plectrum 
hält, daß dagegen der r. Fuß als Staudbein dient 
und der 1. vornübergebogen ist. Hier und da 
ist die r. Hand über den Kopf gelegt als Zei- 
chen träumerischer oder sinnender Ruhe (Furt- 
wängler a. a. O. 460). Mehrfach wird aber auch 
die Lyra von der 1. Hand gehalten, oder steht 
sie auf einem Altar, Postament, Felsen oder 

40 auf dem Boden. Statt der kleineren Lyra hat 
der Gott mehrfach die große Kithara mit dem 
Schallkasten. Hier und da erscheint auch, wie 
bei Herkules und Diana, der Köcher auf dem 
Rücken und dazu der Bogen, was nach Furl- 
wängler die ältere Darstellung ist. Unter den 
dem Gott heiligen Tieren ist am häufigsten der 
Greif meist zu seinen Füßen sitzend, sodann 
der Rabe als der das Wetter verkündende, 
weissagende Vogel. 

M Viel einfacher ist die Gestalt und Bedeu- 
tung des Gottes Ares-Mars. Jugendlich un- 
bärtig, wie Merkur und Apollo, hat er einen 
derberen Gliederbau; sein Haupthaar ist nicht 
so reich gelockt wie bei Apollo, aber auoh 
nicht so kurz wie bei Merkur. Als Kriegsgott 
ist er vor allem mit dem Panzer bekleidet, 
dessen Lederstreifen am Leib und an den Ar- 
men sichtbar sind; darüber trägt er hier und 
da die ChlamyB; mehrfach ist er aber auch 

so ganz unbekleidet. Wie Minerva hält er mei- 
stens in der erhobenen R. die aufrechtstehende 
Lanze, in der gesenkten L. den Schild und 
trägt auf dem Haupte den Helm, nur selten 
aber an der Seite ein Schwert, das an einem 
Gürtel hängt. Nur einmal (Haug n. 91) steht 
neben ihm ein Vogel mit ausgebreiteten Flü- 
geln, wahrscheinlich die dem Gott heilige 
Gans; einmal (Haug n. 67) ein Vierfüßler, wahr- 



311 Die Viergöttersteine Die Viergöttersteine 312 

scheinlich die Wölfin aus der Sage von Ro- verkennen kann. Der hochaufgegürtete Chiton 

mulus und Remus (o. Bd. 2, Sp. 2428 ff.). ist mit Fibeln auf den Schultern zusammen- 

Noch einheitlicher und bestimmter ist die geheftet, dazu kommen die kretischen Jagd- 
Gestalt des Gotteä Hephaistos-Vulkan aus- stiefel. In der vorgestreckten L. trägt sie den 
geprägt, mit dem Vollbart, der breiten Brust, Bogen, über der r. Schulter den Köcher, aus 
den derbkräftigen Armen und, wie es scheint, dem sie eben einen Pfeil holt. Begleitet wird 
den hinkenden Beinen. Das gleiche gilt von sie von einem Jagdhund, einmal auch von einer 
seiner Kleidung, der Exomis, einem die rechte Hindin. Doch kommt noch ein anderer Typus 
Seite freilassenden Arbeitsrock, der halbeiför- der Göttin vor, wo sie in faltenreichem, lang- 
migen Mütze und den Stiefeln, ferner von sei- 10 herabwallendem Chiton stürmisch ausschreitet, 
nen Werkzeugen, dem Hammer in der R., der Vgl. Schreiber o. Bd. 1, Sp. 679. 602ff. 
Zange in der L. und dem Ambos, mit dem Neben Diana erscheint auf Steinen vom 
einzigen Unterschied, daß der Hammer bald Schwarzwald und Wasgau Silvanus, ein voll- 
hoch erhoben, bald gesenkt, bald an die Brust bärtiger Gott in kurzgeschürztem Rock, der 
gelegt, die Zange bald abwärts gesenkt ist, in der erhobenen R. einen langen Stab hält 
bald im 1. Arm ruht. mit dickem, rundem Querholz am oberen Ende 

Ganz im Gegensatz dazu finden wir die und in der L. ein Messer oder einen Fichten- 
Siegesgöttin Nike-Viktoria in drei scharf zweig, begleitet von einem Hund. Vgl. Peter 
ausgeprägten Typen, denen eigentlich nur die o. Bd. 2, Sp. 834 ff. Die französischen Forscher 
Flügel gemeinsam sind: 1. sehen wir sie von SO finden in dieser Darstellung des Silvan wohl 
vorn dargestellt, wie sie in langem, zurückflat- mit Recht eine Annäherung an den keltischen 
terndem Chiton auf einer Kugel herabschwebt, Sucellus, 'le dieu au maulet', den Gott mit 
in der Rechten einen Kranz, in der Linken einen dem langstieligen Hammer. Vgl. Michaelis, 
Palmen- oder Olivenzweig tragend, um ihn Jahrb. für lothr. Gesch. 7, S. 168; auch //«wi- 
dern Sieger zu überbringen, nach dem Vorbild Sixt, Rom. Inschr. u. Bildw. in Württemberg 
der Nike des Paionios; 2. finden wir eine stur- n. 137 (m. Abb.). 

misch nach rechts hinschreitende Viktoria in Nur kurz seien noch die anderen vereinzelt 

zurückflatterndem Chiton und mit entblößtem vorkommenden Götter und Göttinnen